Vertreibung

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Siedelungsgebiete von Deutschen in Mittel- und Osteuropa


Inhaltsverzeichnis

Hinweis

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Einleitung

Das Phänomen Vertreibung und Flucht "ist so alt wie die Menschheitsgeschichte". (Zitat: Staatslexikon, 7. Aufl.)
Die Vertreibung von Menschen aus ihrer angestammten Heimat, durch extreme Nationalstaatsgedanken zur Unterdrückung von Völkern und Volksgruppen, ist jedoch insbesondere ein Phänomen des 20. Jahrhunderts. Mit weltweitem und schrecklichem Ausmass, insbesondere erst wieder in der allerjüngsten Vergangenheit der 1990er Jahre (Ruanda, Jugoslawien). Laut Statistiken wurden von diesem Phänomen seit 1912 annähernd 70.000.000 Millionen Menschen als Flüchtlinge, Ausgewiesene, Umgesiedelte, Vertriebene, Verschleppte, Emigranten betroffen. [v1]

Zu Beginn und Ende dieses Jahrhunderts waren besonders Südeuropa und der Balkan davon betroffen. In der Zeit des 1. Weltkriegs (1914-1918) und danach mussten über 13.000.000 Millionen Europäer ihre Heimat aufgeben und Millionen von ihnen wurden vertrieben. [56]

Während und nach dem 2. Weltkrieg war schwerpunktmässig Mittel- und Osteuropa von Emigration, Flucht, Verschleppung, Vertreibung, Umsiedlung betroffen.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland (1933) war der Beginn der Diskriminierung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung Deutschlands sowie der Beginn der Verfolgung, Deportation und des Völkermordes vor allem von Juden und anderer Gruppen, wie der Sinti und Roma, die im nationalsozialistischen Herrschaftsbereich lebten. Der Holocaust erfolgte überwiegend aus rassistischen und antisemitischen Gründen, weniger aus Nationalstaatlichem Denken, bleibt jedoch, Zitat: "ein Ereignis, das ohne historische Parallele ist." Die Heim ins Reich-Politik (1939-1944) der Nationalsozialisten und die diesbzgl. Abkommen mit anderen Staaten führte zur Umsiedlung von deutschen Minderheiten (ca. 1,0 Mio. Menschen), auch gegen den Willen mancher Menschen, in eroberte oder besetzte Gebiete aus denen die angestammte z.B. polnische, tschechische oder jüdische Bevölkerung zwangsausgesiedelt, in Lager interniert, verschleppt oder ermordet wurde.
In der Sowjetunion wurden zwischen 1941 und 1944 acht Völker und Volksgruppen (ethnische Minderheiten) in zentralasiatische Republiken deportiert - fast 1,0 Mio. Wolgadeutsche und andere Deutsche, mindestens 1,0 Mio. Menschen aus den drei baltischen Staaten Estland, Lettland, Litauen, 410.000 Tschetschenen, 150.000 Krimtataren, 106.000 Kalmücken, 105.000 Inguschen, 80.000 Karatschaier und 42.000 Balkaren.
In Polen wurden von 1944 bis 1948 mehr als 1,5 Mio. Polen - Repatriierung der Bewohner der Kresy - aus dem Ostteil von Polen, der an die Sowjetunion fiel, in westliche Gebiete von Polen sowie die damaligen Ostgebiete Deutschlands (u.a. Oder-Neisse-Provinzen) umgesiedelt, die heute den Westteil von Polen bilden. In Ost- und Südeuropa fanden weitere zahlreiche Umsiedlungen von Ungarn, Ukrainern, Weissrussen, Finnen, Italienern statt.
Nach Ende des 2. Weltkriegs (1945/46) wurden mehr als 12.000.000 Deutsche bzw. Deutsch-Ethnische Menschen aus ihrer Heimat (Ostpreußen, Pommern, Schlesien, Westpreußen, das östliche Brandenburg, Böhmen, Mähren, Österreich-Schlesien, Ungarn) u.a. nach Deutschland oder Österreich vertrieben oder flüchteten zum Teil. [v1], [v3], [v4], [v5], [v6]


Definition


Vertreibung

Als völkerrechtlich relevanter Begriff wird unter Vertreibung die durch Gewalt oder sonstige Zwangsmittel bewirkte Verdrängung der Bevölkerung aus ihrer Heimat verstanden. Völkerrechtlich werden zwei Arten von Vertreibungen unterschieden:

  • Der Staat vertreibt eigene Staatsangehörige in das Gebiet des die Flüchtlinge freiwillig oder notgedrungen aufnehmenden Mutter- oder Asylstaats, um sich unerwünschter Minderheiten zu entledigen
  • Der Staat vertreibt fremde Staatsangehörige aus den von ihm kriegerisch besetzten Gebiet eines fremden Staates in andere Teil dieses Staates, um das Gebiet zu annektieren und mit eigenen Staatsangehörigen zu besiedeln.

Völkerrechtlich sind beide Arten der Vertreibung zwar verschieden zu beurteilen, in beiden Fällen ergibt sich jedoch die Völkerrechtswidrigkeit.
(Prof. Dr. jur. Rudolf Streinz, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Völkerrecht und Europarecht der Universität Bayreuth.
(wörtlich zit. nach [56], Seite 324).

Deportation

Zwangsweise Umsiedlung von Individuen oder Gruppen innerhalb eines Staates. (wörtlich zitiert nach: [v2])
Erfolgt die Vertreibung von Menschen von ihren Wohngebieten durch einen Staat innerhalb seines eigenen Staatsgebiets, so nennt man dies im deutschen Sprachgebrauch Deportation, während im Englischen deportation sowohl die innerstaatliche Verbannung als auch die Ausweisung aus dem Staatsgebiet oder Machtbereich umfasst.
(Prof. Dr. jur. Rudolf Streinz, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Völkerrecht und Europarecht der Universität Bayreuth.
(wörtlich zit. nach [56], Seite 324).

Umsiedlung

Politisch gewollter und meist vertraglich geregelter Transfer von Bevölkerungsgruppen. (wörtlich zitiert nach: [v2])

Zwangsmigration

Gewaltsame Umsiedlung oder auch Vertreibung von Menschen aus ihren angestammten Wohn- und Siedlungsgebieten. (wörtlich zitiert nach: [v2])

Ethnische Säuberung

Verharmlosende Bezeichnung für die gewaltsame Entfernung einer ethnischen oder anderweitig ausgezeichneten Gruppe aus einer Region. Der Ausdruck wurde in der Propagandasprache der serbischen Führung des seit 1990 zerfallenden jugoslawischen Staates verwendet. Obwohl er 1992 zum Unwort des Jahres erklärt wurde, ist er allgemein für Vertreibung und Völkermord in Bosnien gebräuchlich. Der Begriff hat allerdings eine längere Geschichte und wurde bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Tschechen (oysta), Polen (oczyszczanie), Deutschen (Säuberung) und Franzosen (purification) verwendet. (wörtlich zitiert nach: [v2])

Migration

Wörtlich Wanderung, also das (räumliche) Überschreiten von Grenzen, seien diese international (Aussengrenzen) oder national bzw. regional (Binnengrenzen). Migration kann auf eine begrenzte Zeit (temporäre Migration) oder auf Dauer (permanente Migration) stattfinden. Migration kann freiwillig oder unfreiwillig erfolgen. Von freiwilliger Migration spricht man, wenn Migranten aus eigenem Entschluss auswandern, von unfreiwilliger Migration dagegen, wenn ein Staat Einzelpersonen oder Gruppen ausweist. (wörtlich zitiert nach: [v2])


Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Das Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist ein Tatbestand des Völkerstrafrechts. Der Begriff ist relativ neu. Er wurde während des 2. Weltkriegs mehrfach verwendet, um grobe und systematische Verstösse gegen die Haager und Genfer Konventionen zu kennzeichnen. Jedoch erst mit dem Londoner Abkommen vom 8. August 1945 wurde dieser Begriff juristisch definiert.
"Artikel 6(c) des Statuts des Internationalen Militärtribunals definiert":
Mord, Ausrottung, Versklavung, Deportation oder andere unmenschliche Handlungen, begangen an irgendeiner Zivilbevölkerung vor oder während des Krieges.

Der völkerrechtliche Straftatbestand "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" wurde juristisch erstmals 1948 zur Verfolgung der Nazi-Verbrechen definiert (Genozid). Diese Vorgehensweise war damals umstritten, da nach rechtsstaatlichen Prinzipien eigentlich nur Verbrechen verfolgt werden können, die nach dem Erlass des entsprechenden Gesetzes begangen wurden (nulla poena sine lege, keine Strafe ohne Gesetz). Seit 2002 besteht der Internationale Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag als ständige Institution zur Verfolgung dieser Verbrechen. Der ICC berücksichtigt den oben genannten Rechtsgrundsatz und darf nur Straftaten verfolgen, die nach dem Inkrafttreten des internationalen Strafrechts begangen worden sind. (wörtlich zitiert nach: [v2])


Völkermord

Die Merkmale des Begriffs Völkermord wurden in der UNO-Konvention vom 9. Dez. 1948 zur Verhinderung und Bestrafung von Völkermord festgelegt. Nach Artikel II. der Konvention bedeutet Völkermord eine der nachfolgenden Handlungen, die in der Absicht begangen werden, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solches ganz oder teilweise zu zerstören:
a) Tötung von Mitglieder der Gruppe
b) Verursachung von schweren körperlichen oder seelischen Schaden an den Mitglieder der Gruppe;
c) Vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet ist, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen


Weitere Definitionen

siehe: Vertreibung/Definitionen


Vertreibung der Deutschen und Deutsch-Ethnischer Bevölkerung 1945-1946

Das "Internationale Militärtribunal von Nürnberg" verurteilte die Vertreibungen die von den Nationalsozialisten durchgeführt wurden, als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.


Zitat: "Da das Völkerrecht universale Geltung hat, stellten die Vertreibungsaktionen gegen die Deutschen, gemessen an denselben Prinzipien, ebenfalls Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar. Kriegsverbrechen waren sie vor allem in den Oder-Neisse-Provinzen, denn die Vertreibungen fingen schon vor der deutschen Kapitulation an, d.h. noch während des Krieges. Darüber hinaus waren sie auch, ob während oder nach dem Krieg, Verbrechen gegen die Menschlichkeit." ([63] Seite 333)

Zitat: "Ohne Zweifel war die Vertreibung der Deutschen in den Jahren 1945-48 ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit", gemessen an denselben völkerrechtlichen Prinzipien, die zur Verurteilung der nationalsozialistischen Politiker in Nürnberg führten. Sie stellte auch eine Form der "ethnischen Säuberung" dar." ([62] Seite 95)

(Zitate: Prof. Dr. jur., Dr. phil. Alfred M. de Zayas (1995): Gastprofessor für Völkerrecht, Depaul-University, Chicago. Rechtsanwalt in New York und Florida (USA). Völkerrechtler im Zentrum für Menschenrechte der Vereinten Nationen, ehemaliger Sekretär UNO-Menschenrechtsausschusses, ehemaliger Chef der Petitionsabteilung im Büro des Hochkommissars für Menschenrechte.)


Vertreibung aus Böhmen 1945-1946 (Odsun)

Deutsch-Ethnische Siedlungsgebiete in Böhmen


Die Vertreibung der Sudetendeutschen (Deutsch-Böhmen) aus ihrer jahrhundertelangen Heimat durch die Tschechen begann unmittelbar nach Kriegsende und dem Zusammenbruch des »Dritten Reichs« (Deutschland). Die komplette Vertreibung der Deutsch-Ethnischen Bevölkerung der Tschechoslowakei war vom selbsternannten tschechischen Exil-Präsidenten Edvard Benesch (Beneš) bereits seit Dezember 1938 geplant [66] und in seinem Londoner Exil nach 1940 weiter geplant und vorbereitet worden.
Die Gesamtzahl der vertriebenen Deutsch-Ethnischen Bevölkerung beträgt - 2.909.400 Menschen. Dies umfasst sowohl die aus der Tschechoslowakei mit brutalen wilden Vertreibungen, als auch der sogenannten organisierten Vertreibung vertriebenen Menschen. Die Vertreibung der Deutsch-Ethnischen Bevölkerung aus ihrer angestammten Heimat wurde von den Tschechen verharmlosend und beschönigend als (Odsun) (= Abschub) bezeichnet, die korrekte zutreffende tschechische Bezeichnung »Vyhnani« (=Vertreibung) wurde vorsorglich umgangen.



Vertreibung aus Mähren 1945-1946 (Odsun)



Vertreibung aus Österreich-Schlesien 1945-1946 (Odsun)



Vertreibung aus Ost-Brandenburg 1945-1946



Vertreibung aus Ostpreußen 1945-1946



Vertreibung aus Pommern 1945-1946



Vertreibung aus Schlesien 1945-1946

Siehe hierzu Zeitzeugenberichte:

  • The Unwanted: Internet-basiertes Lernprogramm zum Thema Umsiedlung, Flucht und Vertreibung im Europa des 20. Jhr.
    http://www.the-unwanted.com/



Vertreibung aus Ungarn 1945-1946



Vertreibung aus Westpreußen 1945-1946





Vertreibungsverluste der Deutschen 1945-1946

Laut Angaben des Deutschen Statistischen Bundesamt von 1958, betrug die Zahl der Todesopfer während der Zeit der Vertreibung der Deutschen oder Deutsch-Ethnischer Volksgruppen 1945-1946 ca. 2.000.000 Tote.


Grenzdurchgangslager in Deutschland

Siehe:




Umsiedlung Deutsch-Ethnischer Minderheiten (Heim ins Reich-Politik) 1939-1944

Heim ins Reich Politik 1939-1944

Heim ins Reich-Politik 1939-1944 in Deutschland


In Ost- und Südosteuropa gab es deutschsprachige Volksgruppen, die teilweise bereits seit dem Mittelalter in diesen Gebieten als Minderheiten lebten. Durch die sogn. Heim ins Reich-Politik wollten die Nationalsozialisten diese Deutsch-Ethnischen Volksgruppen, die sie als Volksdeutsche bezeichneten, aus den Ländern in denen sie als Minderheit lebten, in geschlossen deutsch besiedelte Deutsche Reichsgebiete zurückbringen. Diese Massnahme war Teil der NS-Schritte zur aggressorischen Umsetzung ihrer geplanten "Neuordnung Europas" (1941). Um diese NS-geplanten Umsiedlungen zu realisieren, schloss das »Dritten Reich« diesbzgl. Verträge mit vielen ost- und südosteuropäischen Staaten sowie auch Italien. Durch diese NS-Abkommen erfolgte von 1939-1944 die Umsiedlung von Deutsch-Ethnischen Minderheiten aus diesen Staaten, in vielen Fällen auch gegen den Willen der davon betroffenen Menschen.
Insgesamt betraf dies ungefähr 1.000.000 Menschen, im einzelnen:
Wolgadeutsche 214.000, Wolhynien 136.000, Galizien 137.000, Bessarabien 92.000, Bukowina 97.000, Estland 16.000 , Lettland 61.000, Litauen 51.000, Dobrudscha 15.000, Bulgarien 2.000, Kroatien und Serbien 21.000, Krain 15.000 sowie aus Südtirol 80.000 Menschen.
Entgegen den ursprünglichen Aussagen der Nationalsozialisten wurden jedoch nur wenige dieser Deutsch-Ethnischen Menschen im Gebiet des alten Deutschen Reichs angesiedelt. Die Mehrheit der Volksdeutschen wurden in die dem »Dritten Reich« angegliederten oder eroberten Territorien (z.B. polnischer Warthegau, Protektorat Böhmen und Mähren u.a.) im "Osten" angesiedelt. Nach Ende des 2. Weltkriegs wurden die meisten dieser Menschen (Volksdeutschen) ein zweites Mal Spielball der Geschichte und aus ihrer kurzfristigen "2. Heimat" (nur 1-5 Jahre) vertrieben. [v8]

Vertreibung anderer Völker und Volksgruppen nach 1945


Vertreibung der Magyaren (Ungarn) aus der Tschechoslowakei 1945-1946

  • Kertesz, Stephen (1992): The Expulsion of the Germans from Hungary: A Study in Postwar Diplomacy. (The Review of Politics, Vol. 15 (1953), S. 179-208). In: The Last European Peace Conference: Paris 1946 Conflict of Values, List of Documents, Document Nr. 30. - Hamilton ON, Buffalo NY: Hunyadi M. Mk Publishing, 1992.
    http://hungarian-history.hu/lib/lasteu/lasteu.pdf 24.09.2005



Umsiedlung anderer Völker und Volksgruppen 1944-1946


Repatriierung (Umsiedlung) von Polen in Polen 1944-1946

Die von der Sowjetunion 1943 eroberten (annektierten) Westgebiete Polens, wurden 1944 der UdSSR angeschlossen. Das Polnische Volksbefreiungskomitee (PKWN) schloss mit der UdSSR eine Vereinbarung über die neue polnisch-sowjetische Staatsgrenze. Darüber hinaus wurden im September 1944 von der PKWN mit der Sowjetunion (Ukrainische-, Weissrussische- und Litauische Sozialistische Sowjetrepublik) Verträge geschlossen, über die "freiwillige beiderseitige Evakuierung der Bevölkerung", die auf beiden Seiten der neuen Grenze lebten (Polen, Ukrainer, Weissrussen, Litauer). In Folge dieser Verträge, Repatriierung der Bewohner der Kresy, wurden in Polen von 1944-1948 mehr als 1,5 Mio. Polen aus dem Ostteil von Polen, der an die Sowjetunion fiel, in westliche Gebiete von Polen sowie die damaligen Ostgebiete Deutschlands umgesiedelt (u.a. Oder-Neisse-Provinzen: Ostpreußen, Schlesien, Pommern; sowie Westpreußen, Posen), die heute den Westteil (sowie Nordteil) von Polen bilden. Laut der damals zwischen Polen und der Sowjetunion geschlossenen Verträgen (Sep. 1944) konnte jede Familie 2 t Gepäck, inkl. Haustiere und Vieh, jedoch kein Mobiliar mitnehmen. Die aufgegebenen Immobilien sowie Landbesitz sollten am neuen polnischen Wohnort ersetzt werden (Zuteilung ehemaliger deutscher Besitzungen). Dies wurde in der polnischen Realität in vielen Fällen nicht eingehalten oder realisiert und ca. 400.000 der "repatriierten" "Zabuzanie" (Neuankömmlinge) aus dem damaligen polnischen Osten von Polen bzw. deren Erben kämpfen seit Jahrzehnten und bis heute mit den eigenen Behörden in Polen um eine Rückgabe oder Entschädigung für ihr ehemaliges Eigentum (im früheren Ostteil von Polen). Zitat: "Einige Dutzend der zur Verzweiflung gebrachten Zabuzanie reichten [inzwischen] ihren Fall beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg ein. Wahrscheinlich werden sie Recht bekommen, weil sie das Gesetz auf ihrer Seite haben".
Die "Repatriierung" der Polen aus Ostpolen (Übersiedlung aus den Kresy) begann Ende 1944 ins Gebiet des alten Polens und erfolgte verstärkt vor allem im Frühjahr, Sommer und Herbst 1945, dann vor allem in die damaligen Ostgebiete Deutschlands, "um die Vertreibung der Deutschen aus diesen Gebieten zu forcieren" und um die West-Allierten - noch vor der »Potsdamer Konferenz« (17. Jul bis 2. Aug 1945) - vor "vollendete Tatsachen zu stellen". Einschliesslich der Anzahl der vor dem ukrainischen Terror (Sowjetunion, 1943/44) geflüchteten bzw. vertriebenen Polen (Galizien, Wolhynien) sowie der verschleppten polnischen Zwangsarbeiter (NS-Besatzungszeit 1939-43), die nach der polnisch-sowjetischen Grenzänderung nicht mehr in ihre ostpolnische Heimatgebiete zurückkehren konnten, waren von der Repatriierung der Bewohner der Kresy insgesamt ca. 2,0 Mio. Polen betroffen. [v1], [v3], [53], [v4], [v5], [v6], [v7]

Repatriierung (Umsiedlung) von Ukrainern aus Polen in die UdSSR 1944-1946




Quellenhinweise und Literatur

Benutzte Quellen

  • [16] Zentrum gegen Vertreibungen: Geschichte der deutschen Vertriebenen und ihrer Heimat. - zit. nach:
           http://www.z-g-v.de/aktuelles/?id=56 11.10.2005
  • [17] Wolfgang Benz (1995): Die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten. - Frankfurt a. Main: Fischer Verlag
  • [22] Potsdamer Abkommen 1945. Mitteilung über die Dreimächtekonferenz von Berlin, vom 2. August 1945,
           http://webarchiv.bundestag.de/cgi/showsearchresult.php?filetoload=/srv/www/htdocs/archive/2005/0113/parlament/geschichte/parlhist/dok16.html&id=12 (http://www.bundestag.de/parlament/geschichte/parlhist/dokumente/dok01.html); 11.11.2005
           siehe hier auch: Streifzug durch die Geschichte, 1945 Potsdamer Abkommen
           http://webarchiv.bundestag.de/cgi/showsearchresult.php?filetoload=/srv/www/htdocs/archive/2005/0113/parlament/geschichte/parlhist/g1945_11.html&id=12 (http://www.bundestag.de/parlament/geschichte/parlhist/streifzug/g1945/g1945_11.html); 11.11.2005
  • [36] Potsdamer Konferenz, kompletter Text: The Berlin (Potsdam) Conference, July 17-August 2, 1945. zit. nach:
           http://usa.usembassy.de/etexts/ga4-450801.pdf, 11.11.2005 und
           The Avalon Project at Yale Law School (1997): A Decade of American Foreign Policy - The Berlin (Potsdam) Conference, July 17-August 2, 1945.
           zit. nach: http://www.yale.edu/lawweb/avalon/decade/decade17.htm, 11.11.2005
  • [51] Kertesz, Stephen (1992): The Expulsion of the Germans from Hungary: A Study in Postwar Diplomacy. (The Review of Politics, Vol. 15 (1953),
           S. 179-208). In: The Last European Peace Conference: Paris 1946 Conflict of Values, List of Documents, Document Nr. 30. - Hamilton ON,
           Buffalo NY: Hunyadi M. Mk Publishing, 1992. zit. nach: http://hungarian-history.hu/lib/lasteu/lasteu.pdf; 24.09.2005
  • [53] De Zaya, Alfred Maurice (1981): Die Anglo-Amerikaner und die Vertreibung der Deutschen; Vorgeschichte, Verlauf, Folgen. - München: Beck;
           304 S. u. Abb. 8. ISBN: 3-406-08138-X
  • [55] Schieder; Theodor (1957): Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa - Bd. 4:
           Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei
    . - Bonn: Hrsg. vom Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und
           Kriegsgeschädigte; XVI, 818 S.
  • [56] Sudetendeutsches Archiv (1995): Odsun: die Vertreibung der Sudetendeutschen; Begleitband zur Ausstellung. - München: Sudetendeutsches
           Archiv, 548 S.: Ill., graph. Darst., Kt.; ISBN: 3-930626-08-X
  • [62] de Zayas, Alfred M. (1995): Die Anglo-Amerikaner und die Vertreibung der Sudetendeutschen: Eine ethnische Säuberung mit internationaler
           Genehmigung
    . - In: [56] Seite 85-95
           (Autor: Prof. Dr. jur., Dr. phil. Alfred M. de Zayas: Gastprofessor für Völkerrecht, Depaul-University, Chicago. Rechtsanwalt in
           New York und Florida (USA). Völkerrechtler im Zentrum für Menschenrechte der Vereinten Nationen, ehem. Sekretär des
           UNO-Menschenrechtsausschusses, ehema. Chef der Petitionsabteilung im Büro des Hochkommissars für Menschenrechte.
  • [63] de Zayas, Alfred M. (1995): Die Vertreibung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. - - In: [56] Seite 331-341
  • [66] Schieder, Theodor (1960): The expulsion of the German population from Czechoslovakia; A selection and transl. - Bonn (Germany):
           Federal Ministry for expellees, refugees and war victims; Vol. IV, Band IV., 1 and IV., 2; 579 p.; (Documents on the
           expulsion of the Germans from Eastern-Central-Europe). Editor: Schieder, Theodor; Translated: Sausmarez, G. H. and associates
  • [v1] Grulich, Rudolf (1995): Ethnische Säuberung und Vertreibung als Mittel der Politik im 20. Jahrhundert. - In: [56] Seite 15-34
  • [v2] The unwanted: Lexikon. Definitionen. - zit. nach: http://www.the-unwanted.com/leximid.html 11.11.2005
  • [v3] Friedrich-Ebert-Stiftung: Nationalismus, Zwangsmigrationen und ethnische Säuberungen. Von Lausanne bis Jugoslawien - Zwangsmigrationen und
           ethnische Säuberungen im Europa des 20. Jahrhunderts. - zit. nach:
           http://library.fes.de/library/netzquelle/zwangsmigration/22zwangsmig.html 11.11.2005
  • [v4] Münz, Rainer (----): Internationale Migration. - zit. nach: http://www.berlin-institut.org/pdfs/Muenz_Internationale%20Migration.pdf
  • [v5] Kochanowski, Jerzy (----): Zwangmigrationen im östlichen Polen am Ende des Zweiten Weltkriegs. Deutsches Historisches Institut Warschau. - In:
           Friedrich-Ebert-Stiftung: Netz-Quelle - Zwangsmigrationen in Europa 1938-48. - zit. nach:
           http://library.fes.de/library/netzquelle/zwangsmigration/34polen.html 11.11.2005
  • [v6] Kochanowski, Jerzy (2002): Eine andere Schuldrechnung. Die polnischen Umsiedler und ihr Kampf um Entschädigung. - In: Danyel, Jürgen;
           Ther, Philipp (2003): Flucht und Vertreibung in europäischer Perspektive. - Zeitschrift für Geschichtswissenschaft,
           51/1 (2003), Seite 65-73. - zit. nach: http://www.metropol-verlag.de/_ftp/zfg_01_2003.pdf 11.11.2005
  • [v7] Gerrit Schäfer, Gerrit (----): Die deutsche Besatzungspolitik in Polen. - In: Friedrich-Ebert-Stiftung: Netz-Quelle - Zwangsmigrationen in
           Europa 1938-48. - zit. nach: http://library.fes.de/library/netzquelle/zwangsmigration/32besatzpl.html
  • [v8] Friedrich-Ebert-Stiftung: "Heim ins Reich". - In: Friedrich-Ebert-Stiftung: Netz-Quelle - Zwangsmigrationen in Europa 1938-48. - zit. nach:
           http://library.fes.de/library/netzquelle/zwangsmigration/32heim.html 11.11.2005



Weitere Literatur - Deutsch

  • Brandes, Detlef (2001): Der Weg zur Vertreibung 1938 - 1945 : Pläne und Entscheidungen zum "Transfer" der Deutschen aus der Tschechoslowakei und aus Polen. - München: Oldenbourg; XIV, 502 S.; ISBN: 3-486-56520-6
  • Brumlik, Micha (2005): Wer Sturm sät: die Vertreibung der Deutschen. - Berlin: Aufbau-Verlag; Hrsg. von Michel Friedman; 300 S.; ISBN: 3-351-02580-7
  • Schieder, Theodor (1957): Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa - Bd. 1 bis 5. - Bonn: Hrsg. vom Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte;
  • Sudetendeutsches Archiv (1995): Odsun: die Vertreibung der Sudetendeutschen; Begleitband zur Ausstellung. - München: Sudetendeutschen Archiv, 548 S.: Ill., graph. Darst., Kt.; ISBN: 3-930626-08-X



Weitere Literatur - English

  • De Zayas, Alfred Maurice (1977): Nemesis at Potsdam; The Anglo-Americans and the expulsion of the Germans. Background, execution, consequences. - London: Routledge & Kegan Paul, 268 S. 8.
  • Gollancz, Victor (1946): Our Threatened Values. - London: Oktober 1946. - (In Deutsch: Gollancz, Victor (1947): Unser bedrohtes Erbe. - Zürich (Schweiz).
  • Schieder, Theodor (1960): The expulsion of the German population from Czechoslovakia; A selection and transl. - Bonn (Germany): Federal Ministry for expellees, refugees and war victims; Vol. IV, Band IV., 1 and IV., 2; 579 p.; (Documents on the expulsion of the Germans from Eastern-Central-Europe). Editor: Schieder, Theodor; Translated: Sausmarez, G. H. and associates



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