Grenzdurchgangslager in Deutschland

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Grenzdurchgangslager 1945/46 in den westlichen Besatzungszonen Deutschlands

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die meisten der ehemaligen deutschen Grenzdurchgangslager wurden 1945/46 in den damaligen militärischen Besatzungszonen Deutschlands eingerichtet. Es war eine Maßnahme der alliierten Besatzungsmächte, um die Flut der ungefähr 12-13 Millionen Deutscher und Deutsch-Ethnischer Menschen (Vertriebene und Flüchtlinge), die nach Ende des 2. Weltkriegs nach Deutschland vertrieben wurden oder flüchten mußten, zu bewältigen und die Verteilung innerhalb Deutschlands zu kanalisieren und zu organisieren. Ungefähr 9-10 Mio. dieser Flüchtlinge und Vertriebenen stammten aus den Gebieten des Deutschen Reichs und ehemaligen, jahrhundertealten deutschen Siedlungsgebieten in Mittel- und Osteuropa sowie ca. 3,0 Mio. vertriebener Deutsch-Ethnischer Menschen aus dem Sudetenland. Weitere Details hierzu siehe:




Die Grenzdurchgangslager in Deutschland, nach 1945

Ab 1945/46 gab es Grenzdurchgangslager in der Britischen Besatzungszone (z.B. Niedersachsen) und in der Amerikanischen Besatzungszone (z.B. Bayern), sowie vermutlich auch in der Sowjet-Besatzungszone (Details hierzu liegen z.Zt. nicht vor). In der Französischen Besatzungszone gab es (vermutlich?) kein Grenzdurchgangslager, da sich die Franzosen bzw. die französische Militärregierung generell gegen die Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen in "ihre" Zone sperrten.

Die Aufgabe der Grenzdurchgangslager in den westlichen Besatzungszonen bestand damals darin, den Strom an Flüchtlingen und Vertriebenen zu erfassen und zu kanalisieren. Sie umfassend zu betreuen, zu verpflegen und dann schnellstmöglich auf sogenannte Regierungslager oder weitere Lager in den Aufnahmeländern innerhalb der jeweiligen Besatzungszone zu verteilen und weiterzuleiten. Von dort aus erfolgte dann die Verteilung in die Gebiete und einzelnen Gemeinden der jeweiligen Besatzungszone.

Die angekommenen Vertriebenen und Flüchtlinge lernten - neben den Grenzdurchgangslagern - meist die verschiedensten, weiteren Lagerarten kennen - Grenzauffanglager, Regierungs- und Regierungsdurchgangslager, Landratslager, Kreislager, Massenlager, Wohnlager - bis hin zu Privatunterkünfte in Häusern und Wohnungen von Einheimischen wo Wohnraum zwangsbeschlagnahmt wurde. Für diese Lager oder Massenquartiere im kriegszerstörten Deutschland wurden alle möglichen Arten von Räumlichkeiten benutzt, das Spektrum reichte hier von: Notunterkünfte in Schulen, Fabrikhallen, Scheunen, Kirchen, Massenquartiere in Turnhallen, Gasthäusern, Schlösser, Burgen, alte Wehrmachtskasernen, Bunkern und auch ehemaligen KZ-Baracken. Die Lebensbedingungen in diesen Lagern und Massenunterkünften waren in vielen Fällen unvorstellbar.


Grenzdurchgangslager nach ehemaligen Besatzungszonen

In den 4 damaligen Besatzungszonen Deutschlands gab es keine gleichmäßige Verteilung der eintreffenden Vertriebenen und Flüchtlinge. Ende 1947 befanden sich, gemessen an der Gesamtbevölkerung, z.B. in der Britischen Besatzungszone 14,5 %, in der US-Besatzungszone 17,7 % und in der Sowjet-Besatzungszone 24,3 %. In der Französischen Besatzungszone betrug der Anteil 1947 nur rund 1 %, da sich die französische Militärregierung weigerte Vertriebene und Flüchtlinge in "ihre" Zone aufzunehmen.

Auch innerhalb der Aufnahmeländer in den 3 westlichen Besatzungszonen war die Verteilung sehr unterschiedlich. Im Jahr 1950 betrug der Anteil der Vertriebenen und Flüchtlinge an der Gesamtbevölkerung, z.B. in der ehemaligen Britischen Besatzungszone: in Schleswig-Holstein rund 31 % und in Niedersachsen rund 27 %; in der ehemaligen US-Besatzungszone: in Bayern rund 21%, in Hessen ca. 17% und in Württemberg-Baden (heute nördlicher Teil von Baden-Württemberg) rund 13%.

Die Hauptkriterien bei der Verteilung der ankommenden Vertriebenen und Flüchtlinge 1945/46 innerhalb der Aufnahmeländer der westlichen Besatzungszonen war bewohnbarer Wohnraum und Versorgungsmöglichkeiten mit Lebensmitteln bzw. der Mangel daran im kriegszerstörten Deutschland. Ländlich geprägte Gebiete, Gemeinden, Dörfer und Kleinstädte mußten weitaus mehr Menschen aufnehmen als beispielsweise städtisch-industriellen Ballungsräume, die ja meist durch die Luftangriffe schwer zerstörten waren. Das diese Verteilung keinesweg optimal und zweckmässig war, sondern eher ein Dilemma, war manchen auch schon damals bewußt. Denn in diesen ländlichen Bereichen waren die Voraussetzungen für die Eingliederungen der Flüchtlinge durch die fehlende Infrastruktur und den Mangel an Arbeitsplätzen denkbar schlecht. Durch eine gesetzliche Verordnung von 1949 (Länderausgleich) wurde die Umsiedelung von Bundesland zu Bundesland beschlossen. Insgesamt sollten in vier Stufen mehr als 1,0 Million Heimatvertriebene zwischen 1949-1963 aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bayern, die bis dahin die Hauptlast der Flüchtlingszahlen trugen, in die bisher kaum belastete Französische Besatzungszone umgesiedelt werden. D.h. nach Rheinland-Pfalz sowie Württemberg-Hohenzollern und Baden (heute der südliche Teil von Baden-Württemberg). Darüber hinaus sah dieser Ausgleich vor, daß auch eine Umsiedelung (Umverteilung) in die bisher weniger belegten Länder, Regionen und Gebiete innerhalb der Britischen Besatzungszone und der US-Besatzungszone erfolgen sollte.

In den Aufnahmeländer der Sowjet-Besatzungszone betrug lt. Volkszählung von 1946 der Anteil der Vertriebenen und Flüchtlinge an der Gesamtbevölkerung, z.B. in Mecklenburg (heutiges Mecklenburg-Vorpommern) rund 50 %, in Sachsen um die 20 %. Vergleichbare Zahlen, die die Veränderung in 1950 zeigen, liegen derzeit nicht vor. Es ist jedoch davon auszugehen, daß die Zahlen in 1950 bedeutend niedriger lagen. Viele der Vertriebenen und Flüchtlinge die 1945/46 in der Sowjet-Besatzungszone gelandet sind, haben ihr möglichstes versucht, um in die westlichen Besatzungszonen zu gelangen. Zwischen 1949 und 1961 (Mauerbau) gab es beispielsweise mindestens 2,7 Millionen sogenannter Zuwanderer aus der DDR. Die tatsächliche Zahl lag vermutlich um rund 1,0 Million höher, da die amtlichen Statistiken nur diejenigen erfasste, deren Zuwanderungsweg über die Notaufnahmelager ging, jedoch nicht die Menschen, die direkt bei Verwandten oder Bekannten im Westen unterkamen. Laut [91] floh schon in den ersten Nachkriegsjahren rund 1,0 Million Menschen aus der Sowjetzone in die westlichen Zonen, weitere 3 Millionen Menschen flüchteten zwischen 1949-1961 aus der DDR. Die Errichtung der DDR-Grenzanlagen und der Berliner Mauer 1961 (SED-Jargon "antifaschistischer Schutzwall") reduzierte die Fluchtmöglichkeiten aus der DDR.
[85], [87], [90], [91], [68], [92], [93],

Amerikanische Besatzungszone

Grenzdurchgangslager 1945/46 in Bayern

Siehe hier:

Britische Besatzungszone


Sowjetische Besatzungszone


Französische Besatzungszone

  • Hier gab es (vermutlich?) kein Grenzdurchgangslager, da sich die französische Militärregierung generell gegen die Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen in "ihre" Zone sperrten.





Grenzdurchgangslager Friedland

Das Grenzdurchgangslager Friedland im Ort Friedland im Landkreis Göttingen in Niedersachsen wurde nach dem Ende des 2. Weltkriegs, auf Anordnung der Britischen Militärverwaltung am 20. Sep 1945, in der Britischen Besatzungszone errichtet. Der Ort Friedland in der Nähe von Göttingen wurde gewählt, da er im Schnittpunkt der damaligen Britischen Besatzungszone, US-Besatzungszone und Sowjet-Besatzungszone lag.

Direkt nach dem Ende des 2. Weltkriegs diente das Lager als Auffanglager für Flüchtlinge und Vertriebenen - vorwiegend - aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten (Ostpreußen, Pommern, Danzig, Schlesien, Ostbrandenburg und andere). Siehe hier auch: Vertreibung

Desweiteren wurden hier deutsche Heimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft aufgenommen. Auf der Basis einer Vereinbarung der Britischen und Sowjetischen Militärregierung kam am 13. Aug 1946 der erste große Heimkehrertransport, mit den ersten deutschen 1.200 ehemaligen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion im Grenzdurchgangslager Friedland an, (die letzten deutschen Kriegsgefangenen kehrten 1955 aus der Sowjetunion zurück). In der Folgezeit wurden hier die unterschiedlichsten Flüchtlingsgruppen sowie Aussiedler und Spätaussiedler betreut. So begann Ende 1948 die sogenannte Kinderrückführung, d.h. der Austausch von Kindern die durch die britisch-sowjetische Grenze der Besatzungszonen von ihren Angehörigen getrennt worden waren. Ab 1950 kamen Menschen im Rahmen der Familienzusammenführung von Deutschen aus Polen, dies war die erste große Aussiedlerwelle.

Seit dem 1. Okt 2000 ist das Grenzdurchgangslager Friedland - heute - die einzige und zentrale Erstaufnahmeeinrichtung für Spätaussiedler (meist aus Russland) in ganz Deutschland.

Seit seinem Bestehen bis heute kamen über 3,6 Millionen Menschen durch das Grenzdurchgangslager Friedland.
[80], [81], [82], [83]


Die Grenzdurchgangslager in Bayern

Details hierzu siehe




Weitere Erstaufnahmeeinrichtungen in Deutschland, nach 1950

  • Notaufnahmelager: Nürnberg (für Rumäniendeutsche),
  • Notaufnahmelager: Gießen (a.d.Lahn), (für DDR-Flüchtlinge)
    Das Lager in Gießen wurde 1945 als Durchgangslager für Flüchtlinge und Vertriebene im damaligen Großhessen (heutiges Bundesland Hessen) in der US-Besatzungszone eingerichtet. Im Jahre 1947 wurde es zum Regierungsdurchgangslager für alle Flüchtlinge für das damalige Großhessen. Im September 1950 wurde es in Notaufnahmelager Gießen umbenannt und war nun bundesweit zuständig (Bundesnotaufnahmelager). Im Mai 1986 wurde das Bundesnotaufnahmelager Gießen zur Zentralen Aufnahmestelle des Landes Hessen und erlebte 1989, nach Öffnung der Grenzen zur DDR, einen ungeheuren Ansturm von DDR-Flüchtlingen. Seit 1993 ist die Funktion als Notaufnahmelager eingestellt. Heute ist es Erstaufnahmestelle der Landes Hessen für Ayslbewerber. [88], [89]
  • Notaufnahmelager: Berlin-Marienfelde (für alle in Berlin Eintreffenden).
    Dieses Notaufnahmelager wurde am 14. Apr 1953 in West-Berlin eingeweiht. Es war primär eine Anlaufstelle für alle Flüchtlinge und Zugewanderten, die aus der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in West-Berlin eintrafen. Es hatte eine Aufnahmekapazität von ungefähr 500-700 Menschen. Hier fanden sowohl vor dem Bau der Berliner Mauer, als auch danach vor allem Flüchtlinge, Aussiedler und Umsiedler aus der DDR für verschieden lange Zeiträume eine vorübergehende Bleibe, Verpflegung und ärztliche Hilfe. Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 reduzierte sich die Zahl der Ankömmlinge drastisch.
    In den 1970er Jahren wurden hier verstärkt viele deutschstämmige Aussiedler aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten betreut (siehe auch Karte hier). Das Notaufnahmelager Berlin-Marienfelde wurde 1977 umbenannt in Durchgangsheim für Aussiedler und Zuwanderer (DAZ). Es wurde nach der Wende 1990 geschlossen.
    Seit 1993 besteht auf dem Gelände des ehemaligen Notaufnahmelagers eine Gedenkstätte mit ständiger Ausstellung zu dieser Flüchtlingseinrichtung. [83]


Nach der Wende und der deutschen Wiedervereinigung wurden diese Notaufnahmelager - außer dem Grenzdurchgangslager Friedland - zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgegeben. Als Folge von sinkenden Aussiedlerzahlen aus Ost- und Südosteuropa und Sparmaßnahmen, ist das Grenzdurchgangslager Friedland heute die einzige Erstaufnahmeeinrichtung für Spätaussiedler für die ganze Bundesrepublik Deutschland.


Quellenhinweise und Literatur

Benutzte Quellen



Weitere Literatur - Deutsch



Weitere Literatur - English



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