Werden/Das Kirchspiel vor 200 Jahren

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Handskizze um 1650

Das Kirchspiel Werden vor 200 Jahren

Von Artur Ehmer, Bismarck, (1933)

Das Kirchspiel Werden war vor 200 Jahren bedeutend größer als heute, es gehörten dazu auch die meisten Dörfer der heutigen Kirchspiele Heydekrug, Saugen, Ramutten, Wießen und Paßießen. Im Süden grenzte es etwa an den heutigen Kreis Pogegen, im Osten an Litauen (welches damals einen Teil des Königsreiches Polen bildete), im Norden an den heutigen Kreis Memel. Im Westen reichte es bis an das Ißluße-Moor, den Bundeler Wald, das Augstumal-Moor, (die Dörfer Schießgirren und Rupkalwen gehörten noch zu Werden), das Rupkalwer Moor und den Wald von Kuhlins. Kuhlins und Bögschen (Bewern) gehörten noch mit zum Kirchspiel. Dieses ganze Gebiet, in dem heute etwa 26 000 Menschen wohnen, war vor 200 Jahren nur dünn bevölkert, die Zahl der Einwohner kann höchstens auf 2500 einschließlich Kinder geschätzt werden. Die Moore waren damals noch ganz unbesiedelt, und auch auf den weiten Heideflächen, denen der Kreis Heydekrug seinen Namen verdankt, wohnte um 1730 nur hier und da ein wagemutiger „Neusasse“, der ein Stückchen „Wildnis“ urbar gemacht hatte. 1725 werden 46 solcher Neusassen mit Namen genannt, von denen einige nur 6 Morgen beackerten.


„Kölmer“ (freie Bauern und Krugbesitzer) gab es die folgenden:


An Handwerker (einschließlich der Krämer) werden 17 aufgeführt, die wohl alle in Heydekrug am Markt oder „in der Heyde“ (= Szibben) wohnten:

  • George Lemcke
  • Heinrich Gerlach
  • Andreas Winterfeld
  • Christoph Lohmann
  • Christoph Groß
  • Friedrich Bruhn
  • Johann Friedrich Knopff
  • Willem Woytcke
  • Berger
  • Caspar Vial (Fial)
  • Franz Gabriel Wulff
  • Christoph Bruhn
  • Christoph Franck
  • Gabriel Lang
  • Salomon Saffran
  • Christoph Friedrich Cynthius
  • Lohn



Die Zahl der „königlichen“ Bauern betrug 414, sie verteilten sich auf 71 Dörfer. Im Jahre 1679 waren es 553 Bauern in 77 Dörfern gewesen. Diese Zahlen zeigen, daß die Große Pest von 1709 auch im Kirchspiel Werden zahlreiche Opfer gefordert hatte.Die Quelle für die Angaben des Jahres 1725 ist die „Jahr Kirchen-Rechnung der Werdenschen Kirchen aller Einnahme und Außgabe wie auch Bau-Rechnung von Michael 1725 biß selbe Zeit 1726.“ (Im Kirchenarchiv Werden.) Die Zahlen für 1679 stammen aus der „Kirchenrechnung der Kirchen zu Werden über Einnahme und außgab von Michael anno 1679 biß Michael 1680 abgeleget vom Kirchenvater Davidt Klein.“ (Diese Rechnung liegt im Staatsarchiv in Königsberg; Fundstelle: Etats Ministerium 98 d. W.)


In der folgenden Zusammenstellung sind bei jedem Dorf angegeben:

  • Der alte amtliche Name
  • Die Zahl der Bauernfamilien im Jahre 1725; in Klammern die Zahl der Bauernfamilien aus dem Jahre 1679
  • der heutige Name des Dorfes oder die heutige Zugehörigkeit.
  • Der § zeigt an, daß im Jahre 1540 in der Gegend ein Bauer dieses Namens wohnte, von dem das Dorf seinen Namen erhalten hat. Diese Angaben finden sich in einer Steuerliste: „Eynnanm Anlage im Amt Mümell ... ßo den 24. Junij anno im 40 th gefallenn“ (im Staatsarchiv Königsberg als Ostpreußischer Foliant 911 a 19). [Die Angaben über Auritten sind von mir noch nicht zusammengestellt.]


A. Litauische Kölmer

  • 1.Dorf Narckaiten § 5 (4) heute Forstgutsbezirk
  • 2.Jahn Schillmeißen § 10 (9) = Metterqueten


B. Gebiet Werden

  • 3.Andres Spalwait wüst (1680:4) später zu Matzicken
  • 4.Gerge Wießeit wüst § (4) = zu Werden
  • 5.Hermann Löhlen § 2 (2)
  • 6.Matz Löhlen § - (1) = zu Matzicken
  • 7.Hermann Plogsten § 2 (3) = zu Kirlicken
  • 8.Jutsch Rentschen wüst § (2) = zwischen Kirlicken und Szibben
  • 9.Jahnel Kintschen § 3 (9) = Szibben
  • 10.Peter Klischen § 6 (9) = Groß Grabuppen
  • 11.Martin Naudischen 5 (9) = Klein Grabuppen
  • 12.Narrus Lappallen 4 (4)
  • 13.Mickut Blaudßen 4 (4) = Rupkalwen
  • 14.Jahn Schießgirren 6 (4)


C. Gebiet Hinterwerden

  • 15.Jahn Masutten § 6 (9) = Jonaten
  • 16.Gerge Darge Meißen § 3 (6) = Maßen
  • 17.Maußel Michel Dargen § 4 (7) = Mussaten
  • 18.Talbat Tackseeden 10 (11)
  • 19.Paul Lautschen § 10 (14)
  • 20.Darge Meißen § 7 (12) = Schillmeißen


D. Gebiet Schusche


E. Gebiet Rugeln

  • 41.Peter Mandtwieden § 7 (7) = Mantwieden
  • 42.Matz Mantrum § 5 (6) = Saugen
  • 43.Barthell Kuckerayten § 12 (12) = Kukoreiten
  • 44.Peter Leyden 9 (11) = Petrellen
  • 45.Jahn Schadwilleiten 10 (6) = Alk
  • 46.Valtin Szaugen 3 (6) = Lenken
  • 47.Butckus Wilckommeden 4 (8) = Wilkomeden


F. Gebiet Auritten


Quelle: Memeler Dampfboot, Beilage: Der Grenzgarten: Heimatkundliche Beiträge aus dem Memelgebiet und den Grenzgebieten, Ausgabe 1933 Nr.1 (27.01.1933).

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