Bismarck (Kr.Heydekrug)

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Wappen von Heydekrug

B i s m a r c k

Moorkolonie bei Heydekrug
M e m e l l a n d, Ostpreußen
______________________________________________________

In der Moorkolonie Bismarck bei Heydekrug


Hierarchie


Inhaltsverzeichnis

Weg zur Mookolonie Bismarck

Einleitung

Zwischen Ruß und Heydekrug dehnte sich die große Moorkolonie Bismarck aus, die etwa ab 1835 besiedelt wurde. Bismarck war die größte der Kolonien,
die sich in den Randgebieten der Hochmoore entwickelt hatten. Der Ortsname „Bismarck“ hatte bis 1923 Bestand, danach hieß die Kolonie Žalgiriai–Dorf.

Politische Einteilung

1940 ist Bismarck (Kr.Heydekrug) ein gemeindefreier Gutsbezirk.

Kirchliche Zugehörigkeit

Evangelische Kirche

Von Bismarck (Kr.Heydekrug) gehörte 1912 der westliche Teil zum Kirchspiel Ruß,
der östliche Teil zum Kirchspiel Werden,
letzterer ab 1913 zum Kirchspiel Heydekrug.

Standesamt

1941 gehörte Bismarck zum Standesamt Rupkalwen

Bewohner

Bismarck, gemeindefreier Gutsbezirk:
(1894 Kreis und Amtsgericht Heydekrug, Post Bismarck)


Heute ist die Kolonie Bismarck geradezu idyllisch im Wald gelegen.
Hier beispielhaft ein Flurstück mit Bauernhof. (Stand:2010)
Kinder in der Moorkolonie Bismarck


Geschichte

Bauern in der Moorkolonie Bismarck

Im Gebiet des Memeldeltas gab es einst vier große Moorkolonien:

  • Im Augstumal-Moor mit den ehemaligen Dörfern Groß Augstumalmoor (Aukštumalo Pelkė),
    Wabbeln (Vabalai), Neu Rugeln ( Naujieji Ruguliai) und einige Höfe von den Dörfern
    Schießgirren (Šyšgiriai) und Lapallen (Lapaliai),
  • Im Moorgebiet Rupkalwen (Žalgiriai-Rupkalviai): die ehemaligen Dörfer Bismarck (Žalgiriai)
    und Jodekrandt
  • Im Medßokelmoor (Medžioklė Moor): das ehemalige Dorf Medßokelmoor (Medžioklė)
  • Im Berstusmoor (Berštai Moor): einige Höfe der Dörfer Paleiten (Paleičiai), Anduln (Anduliai),
    Schilleninken (Šilininkai) u.a.

Diese Höfe und Dörfer entstanden auf Randgebieten der großen Hochmoore und auf den durch Kanäle trockengelegten Torfböden. Mit der Gründung der Moorkolonien begann man Ende des 19.- Anfang des 20. Jahrhunderts, die größte von ihnen war die Moorkolonie Bismarck / Žalgiriai. Die trockengelegten Moorflächen wurden in regelmäßige Landstreifen von 1-3 ha aufgeteilt. Dort entstanden kleine Höfe. Die Kolonien waren sehr dicht bewohnt, Höfe und Wohnhäuser reihten sich ordentlich entlang der geraden Feldwege. So entstanden Moorsiedlungen mit rechteckigen Grundstücken.

Bismarck (Žalgiriai) wurde seit 1835 besiedelt. Die Bauern der umliegenden Dörfer wandten sich an staatliche Behörden und bekamen die Erlaubnis, einige Flächen für den Ackerbau zu pachten. Nachdem 1849 der Beschluß über das langfristige Pachten (für zehn Jahre) in Kraft getreten war, begannen die Pächter ihre Hütten zu bauen. 1861 wurden diese Bauten als Wohnhäuser anerkannt.

Nachdem die neue Chaussee Heydekrug-Ruß (Šilute-Rusnė) gebaut worden war (am 01.01.1872 fertiggestellt), wurden die Einzelhöfe durch Waldwege mit dieser Chaussee verbunden. Die so entstanden Straßen erhielten Namen wie beispielsweise Bismarckstraße, Wiesenstraße und Krummhaarstraße. An diesen Wegen bekamen weitere Neusiedler Grundstücke zugeteilt. So entstand der Kern des Dorfes Bismarck (Žalgiriai). Bis 1920/23 hieß die Ansiedlung Bismarck. Nach 1923 wurde die ganze, in der Ausdehnung recht große Kolonie, Žalgiriai–Dorf genannt.

Den Wald des Rupkalwer Moores begann man bereits Mitte des 18. Jh. zu bewirtschaften. Vor allem versuchte man, die weiten Moorflächen trockenzulegen. Über offene Wasserkanäle wurde das Wasser abgeleitet. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es Planungen den Wald und das Moor für die Weidewirtschaft zu nutzen. Aber alle Bemühungen waren vergeblich, die Natur war stärker. Deshalb hat man im Prinzip die Moorkolonie sich selbst überlassen. Die Kanäle wurden nicht mehr gereinigt, und sie wuchsen langsam zu.

Der große Rupkalwer Wald wächst um das Hochmoor herum. Seine westliche Grenze reicht bis zum Zusammenfluss von Memel (Nemunas) und Leite (Leitė). Beim Hochwasser im Frühling, manchmal auch im Herbst, steht der größere Teil des Waldes im Wasser. Im Rupkalwer Wald sind die Moorböden vorherrschend.

Beschreibung

An vielen Stellen wachsen auf dem Hochmoorboden Torfmoorpflanzen. Hier sind solche Naturgemeinschaften wie Aluviumwälder (91E0), Moorlaubwälder (9080), Moorwälder (91D0) und degradierte Hochmoore (7120) anzutreffen. Im Rupkalwer Wald findet man verschiedenartige Biotope, deshalb gibt es eine große Vielfalt von Pflanzenarten: Im Zentralteil liegt das erhalten gebliebene Rupkalwer Hochmoor, auf den Moorrandflächen wachsen Birkengemeinschaften, der restliche Teil ist vorwiegend mit Schwarz- und Weißerlen, mit einzelnen Kiefern, Tannen und Weiden bewachsen. Es gibt auch Wiesenflächen, die einst vom Menschen angelegt und genutzt wurden.

Bis jetzt hat man im Wald 180 Pflanzenarten entdeckt. Der Rupkalwer Wald besteht hauptsächlich aus Schwarzforsten, Grünforsten und Sumpfflächen. Der größte Teil des Waldes baut sich von selbst auf, das heißt, daß die Bäume nicht gepflanzt werden, sie wachsen von selbst. Im Winter wird abgeholzt, wenn alles zugefroren ist. Der Abtransport der Baumstämme ist auf gefrorenem Boden leichter zu bewerkstelligen, als im Sommer, wenn die Wege teilweise morastig sind. An den Abholzstellen bleiben recht hohe Baumstümpfe zurück. Oft wachsen aus einem Schwarzerlenstumpf zwei, oder auch drei bis vier junge Bäume heraus

Mit seinen Mooren, Auen und anderen Nutzflächen hat der Rupkaler Wald die Fläche von 1.231 ha. Von der Gesamtfläche (3.410 ha) des Rupkalwer Moores ist der Wald am wenigsten vom Menschen berührt. Im Wald wachsen hundert Jahre alte Eichen, die keine typischen Moorpflanzen sind. Die häufigsten Baumarten sind Birken, Schwarz- und Weißerlen, Kiefern, Tannen, Espen, Eschen Weiden und andere Laubbäume mit weichem Holz. Im Rupkalwer Wald wachsen Pflanzen, die für sämtliche Wälder des Memeldeltas typisch sind.

Heutige Situation

Im Landschaftsschutzgebiet Moorkolonie Bismarck / Žalgiriai wurde ein 1.860 Meter langer Wanderweg eingerichtet. Eine Aufgabe des Schutzgebietes ist es, die Reste des eigentümlichen Dorfes Bismarck zu bewahren. Die Besucher werden auf Schautafeln über die Lebensweise der Moorkolonisten informiert. Ihr hartes und entbehrungsreiches Leben wird anschaulich geschildert.

Im Naturschutzgebiet sind die Forst- und die Landwirtschaft beschränkt. Die Erholungs- und Bildungsmöglichkeiten im Naturpark wurden erweitert, wobei die ursprüngliche Besiedlungsstruktur und das Gesamtbild des Dorfes nicht verändert werden dürfen. Auf den Wanderwegen des Dorfes Bismarck lernen die Besucher nicht nur die typischen Waldpflanzen des Parks kennen. Mit etwas Glück können sie auch Wild zu Gesicht bekommen. Über die häufigst vorkommenden Vögel und Fische wird ebenfalls informiert. Zusammenfassend kann man sagen, daß das Rupkalwer Moor mit den Resten des Kolonistendorfes eine einzigartige Sehenswürdigkeit darstellt, die nicht nur für das Memelland, sondern für ganz Litauen einmalig ist. [3]

Bestrafung wegen Verkauf von Eiern

Nach dem I. Weltkrieg herrschen schlechte Zeiten

Der I. Weltkrieg hatte auf allen Seiten nur Unglück und Not gebracht. Auch Ostpreußen litt. Die lebenswichtigen Güter wurden von der Behörde unter besonderer Überwachung gestellt.

Hier ist ein Beispiel für die von den Gerichten verhängten Strafen.
Die Eier sollten wohl in Rußland oder Litauen einen hohen Preis erzielen und sollten daher aus dem Memelgebiet unerlaubt ausgeführt werden. Auch das Schmuggelgut Butter, Fleisch und Getreide führten - wenn erwischt - zu heftigen Strafen.
Die Ware wurde beschlagnahmt und meistens sozialen Einrichtungen zum Verbrauch übergeben.

Moorarbeiter in der Kolonie Bismarck


Memeler Dampfboot vom 08.08.1925

Die Kolonie Bismarck bei Heydekrug

Wir berichteten vor kurzem über die Geschichte des Augstumalmoors, das durch fortgesetzte intensive Arbeit der Moorkolonisten jetzt reiche Erträge besonders an Kartoffeln liefert. Auch die Kolonie Bismarck, die an der Chaussee Heydekrug – Ruß liegt, ist unter denselben schwierigen Kolonisationsbedingungen zu einer urbaren Fläche geworden und bietet heute nicht nur vielen Bewohnern ein angenehmes Dasein, sondern trägt auch viel bei zur Belieferung der einheimischen Märkte mit landwirtschaftlichen Produkten, in erster Linie mit Gartenprodukten und Kartoffeln.

Die Kolonie Bismarck, die bis 1892 eine Pachtkolonie war und durch Erlaß des Ministers für Landwirtschaft, Domainen und Forsten in eine Eigentumskolonie derart umgewandelt wurde, daß die bisherigen Zeitpächter die Kolonie als Rentengüter erhielten, hat sich auf dem 1813 Hektar großen Rupkalwer-Moor gebildet. Im Jahre 1835 baten die zwischen Hochmoor und Strom liegenden Gemeinden am Westende des Moors den Forstfiskus um pachtweise Überlassung einiger Flächen zur Beackerung.

Nach 1849 begannen die Pächter, die zehnjährige Verträge hatten, allmählich Hütten als Wohnungen zu errichten, deren Beseitigung die Regierung, die aus bestimmten Gründen dagegen war, forderte, aber nicht erreichte. Nach Beginn der neuen Pachtperiode wurden im Jahre 1861 Anträge auf Hausbau gestellt. Im Jahre 1865 brach sich die Auffassung Bahn, daß das Moor, da es nur an den Rändern Überschwemmungen ausgesetzt war, sich gut zur Anlage von Zeitpachtkolonien eigne. Durch die am 1.Januar 1872 eröffnete Chaussee Heydekrug – Ruß wurde das Moorgebiet auch dem Verkehr zugänglich gemacht und durch planmäßigen Wegebau aufgeschlossen. So entstanden damals auch die Kiesstraßen Müllerstraße, Hagenstraße, Bismarckstraße, Wiesenstraße, Krummhaarstraße und Putkammerstraße.

In den Jahren 1874 bis 1877 setzte eine besondere starke Kolonisation ein, wobei jeder Zeitpächter Land in Größe von 1 bis 4 Hektar erhielt. Die im Innern des Hochmoors gelegenen graswüchsigen Flächen wurden durch Verwendung von Kunstdünger in Wiesen umgewandelt. Im Jahre 1891 waren bereits 709 Hektar an 468 Pächter abgegeben, von denen auf 300 Hektar Kartoffelbau getrieben wurde. Mit der Tätigkeit der Generalkommission, die sich besonders die Schaffung von Kunstwiesen aus den der Überschwemmung ausgesetzten Randstreifen des Moors angelegen sein ließ und 1901die Verwaltung der Kolonie übernahm, stieg die Zahl der Kolonate sehr schnell. Die Einwohnerzahl betrug im Jahre 1900 bereits 1711 und hat sich in den letzten Jahren bedeutend erhöht.


Memeler Dampfboot vom 14.02.1930

Die Forderung der Kolonisten auf Übereignung der Moorkolonate

Eine Versammlung in Bismarck

Es ist ein alter Wunsch der Zeitpächter der memelländischen Moorkolonien, die Kolonate als Eigentum zu erhalten. Dieser Wunsch besteht schon Jahrzehnte hindurch. Deshalb haben sich die Kolonisten wiederholt an das Direktorium des Memelgebietes gewandt und gebeten, die Kolonate zu übereignen. Das war schon der Fall, bevor es im Memelgebiet einen Landtag gab. Das Direktorium Borchert lehnte es seinerzeit ab, diese Forderung durchzuführen, indem es erklärte, es wolle die Erledigung dieser Angelegenheit dem späteren Landtag überlassen. Da aber das Direktorium Borchert über andere viel wichtigere Dinge entschieden hat, war dies nur eine Ausrede. Als der Landtag später kam, hat er sich dieser Angelegenheit angenommen und mit den Kolonisten an Ort und Stelle über diese Frage verhandelt. Die Kommission 5 des Landtages hat beschlossen, dem Landtag vorzuschlagen, die Uebereignung der Kolonate grundsätzlich zu beschließen und mit der Kolonie Neu-Rugeln auf dem Augstumalmoor anzufangen, weil dort die Verhältnisse am günstigsten liegen und auch die dortigen Pachtverträge zum 1.Januar 1930 abliefen. Das Direktorium wurde beauftragt, den Beschluss des Landtages durchzuführen. Das Direktorium hat diese Angelegenheit schon mindestens eineinhalb Jahre in Händen und kommt damit anscheinend nicht weiter, weil in Rugeln selbst angeblich Schwierigkeiten entstanden sind.

Der Zeitpächterverband Bismarck hat nun am 2. Februar in Bismarck in einer Versammlung zu der Frage der Übereignung der Kolonate Stellung genommen. Es wurde ein Bericht über den Stand der Angelegenheit gegeben und darauf hingewiesen, daß manche privaten und behördlichen Stellen Bedenken gegen diese Uebereignung der Kolonate hätten. Diese Mitteilung rief in der Versammlung starkes Befremden hervor, und vor allem wandte man sich gegen den Vorwurf, die Kolonisten wollen ihre Pachtländereien nur als Eigentum haben, um sie mit Hypotheken zu belasten, dann zu verkaufen und um daraus ein Geschäft zu machen. Von vielen Rednern wurde betont, daß man die Moorflächen urbar gemacht hätte, daß man dadurch mit dem Grund und Boden eng verbunden sei und daher nicht daran dächte, mit den Kolonaten einen leichtsinnigen Handel zu treiben. Man berief sich auf den ehemaligen Moorvoigt G r o t h, der sich seiner Kolonisten in väterlicher Weise angenommen hätte und der auch der Ansicht gewesen sei, daß den Leuten das Recht zustehe, die Moorkolonate als Eigentum zu erhalten. Die Pachtverträge laufen in Bismarck im Jahre 1933 ab. Man äußert den Wunsch, sie nicht zu erweitern und verlangte vom Vorsitzenden, sich mit den zuständigen Stellen zwecks Beschleunigung der Angelegenheit in Verbindung zu setzen.

Sodann wurde über die Vergebung der Kiesanfuhr verhandelt, und man beauftragte den Vorsitzenden, die Behörden zu bitten, einen festen Satz als Lohn für die Kiesanfuhr festzusetzen. Dieser Zustand habe auch früher bestanden. Hierauf wurde die Versammlung geschlossen.


Die Urbarmachung preußischer Moore durch Gefangene, Anton Baumann, München, ([um 1900])

An der Straße zwischen Ruß und Heydekrug liegt im Rupkalwener Moor die Kolonie Bismarck, die vor 30 Jahren vom Staat begründet wurde und allmählich auf 450 Siedlungen angewachsen ist. Hier sind die Verhältnisse noch schlimmer wie im Großen Moorbruch; denn hier hatte der Staat gar nur 1 Hektar Land einer Siedelstelle zugetheilt. Die Kolonisten sind gezwungen an weit entfernten Orten Wiesenflächen theuer zu pachten. Sie wohnen dort während der Heuernte und bringen im Winter, wenn die großen Ströme gefroren sind, ihr Heu auf dem Schlitten nach Hause. Wenn aber wie in den beiden letzten Jahren kein hinreichender Frost sich einstellt, dann tritt entsetzlicher Futtermangel ein. Die mißlichen Verhältnisse zwingen die Bevölkerung zur Abwanderung. Der preußische Staat sucht auch gegenüber der Kolonie Bismarck seine Fehler wieder gut zu machen in der gleichen Weise wie im Großen Moosbruch. Mehrere Kolonate sollen zusammengelegt, Wiesen und Weiden auf rohem Moor neu geschaffen werden. Bis jetzt sind 98,5 Hektar Wiesen mit einem Kostenaufwand von 34 396 M (pro Hektar 349 M) fertig gestellt und es sollen künftig zur Herbeiführung erträglciehr Verhältnisse 30 000 M jährlich ausgegebn werden. Es handelt sich hier jedoch um Staatsausgaben, die jährlich einen Zins von 10 bis 15 Prozent einbringen, mithin in kurzer Frist zurückbezahlt sind. [4]

Schilderungen

Von Charlotte Keyser

Charlotte Keyser

"Über der noch jungen Moorsiedlung, Kolonie Bismarck, steht die Oktobersonne. Über der breiten Landschaft ruht jene unzerstörbare Stille, wie sie nur in menschenarmen Gebieten lebt. Da ist die Stimme des Menschen ein verlorener Laut. In weiten Abständen liegen die Häuser, anders als in den älteren Teilen der Kolonie, wo man wie durch eine geschlossene Dorfstraße geht.

Klein sind die Häuser und strohgedeckt. Die meisten von ihnen haben noch die Farbe frischen Holzes. Wenige erst sind nachgedunkelt, und vielleicht erst drei von ihnen tragen auf der Nordseite des Daches grünes Moos. Klein sind auch die Gärten, die das anspruchslose Grundstück vervollständigen. Aber es sind doch wenigstens Gärten, und sie helfen ein wenig schmücken. Junge Birken und Erlen stehen noch etwas schüchtern da, mit schmächtigen Kronen. Aber sie leben doch und werden wachsen und schön werden; denn sie haben hier einen Boden, der ihnen behagt. Und alles kann hier einst schön und gut werden, wenn Fleiß und Sparsamkeit Hand in Hand gehen, und der Himmel mit seinen Wettern ein Einsehen hat.

Mit solchen Hoffnungen fängt man hier an zu bauen. Aber es bauen hier nur die Armen und Mittellosen, nur die mit geringen Ersparnissen. Wer Geld hat, wird nicht ins Moorland gehen, der geht lieber dahin, wo schon alles bereit steht, die Ernte zu halten. Hier aber kommen die Menschen auf das braune, feuchte Brachland, und es fängt ein erbitterter Kampf gegen die tote Unfruchtbarkeit an. Alle, die dort hingehen, wissen, daß dies Fleiß und Ausdauer erfordert. Sie wissen auch, daß man von dieser Arbeit allein nicht leben kann, denn zuerst sind die Erträgnisse nur gering. Darum ist dieser Pachtzins auch niedrig und stuft sich von sechs zu sechs Jahren. Doch mit der Zeit geht es schon vorwärts, und wer hier den Mut verliert, der würde gewiß an anderer Stelle auch nichts vor sich bringen." [5]

Von Hermann Sudermann

Szenen aus dem Spielfilm „Jons und Erdme[6]

Aus Jons und Erdme
"Die Kolonie war eine Neugründung, um armen Leuten die Möglichkeit zu geben, sich selbst etwas zu erwirtschaften.
Zuerst der Moorvogt. Der Moorvogt ist der unumschränkte Herrscher der Kolonie, der zweitausend Lebensschicksale sorgsam und strenge an obrigkeitlicher Leine führt. Über ihm steht nur noch die Generalkommission; doch wer und was das eigentlich ist, ahnen nur wenige.

Drei Tage später gehen sie also zum Moorvogt. Mit List und Gewalt haben sie sich beide aus ihren Dienststellungen freigemacht. Die Erdme hat sich von ihrer Herrin eine Scheuerbürste an den Kopf werfen lassen und hierauf mit einer Anzeige wegen Körperverletzung gedroht, so daß sie schließlich mit dem Zeugnis auch noch ein Schmerzensgeld bekommen hat, und der Jons, der weniger gerissen ist, hat seinem Brotherrn bloß einen etwaigen Totschlag in Aussicht gestellt, falls er ihn nicht auf der Stelle abziehen lasse. Manchmal hilft das, manchmal geht es auch schlimm aus. Aber diesmal hat es geholfen.

So wandern sie also wohlgemut auf der Rußener Chaussee zur Kolonie Bismarck hinaus, die bald hinter dem Szlaszner Kirchhof beginnt und sich so weit ins Moor hinausstreckt, daß man ihr Ende nirgends absehen kann. Als sie an der langen Brücke sind, die über die Sumpfniederung führt, bleibt die Erdme an dem schwarz-weißen Geländer stehen und zeigt auf die Kuhblumen hinunter, die ihre buttergelben Köpfe aus dem Überschwemmungswasser stecken, und sie sagt: "Wie die Blümchen da vorwärts kommen, ohne zu ertrinken, so werden wir auch vorwärtskommen."
"Ach so, in der Kolonie Bismarck, wo die Diebe und die Mörder hausen", meint er, "denn in gutem Ruf steht sie nicht, die Kolonie Bismarck." [7]

Verschiedenes

Memeler Dampfboot vom 31.07.1930

Aus Großvaters Jugendzeit- Memeler Tagesneuigkeiten vor 50 Jahren

Kolonie Bismarck

Aus dem Memeler Dampfboot Juli 1880: „ Wer vor 10 Jahren diese Gegend zum letzten Male gesehen, erkennt sie nicht mehr, so sehr hat hier die verbessernde und ordnende Hand neue Verhältnisse geschaffen. Wo damals das Land wüst und öde dalag und die Haide- und Moosflächen, nur durch verkrüppelte Birken hier und da unterbrochen wurden, wird jetzt das Auge durch wahre Fruchtgefilde erfreut. Andauernder, ununterbrochener Fleiß hat so einem Boden, der ohne jeglichen Werth dalag, schöne Erzeugnisse abzugewinnen gewußt und einer Ortschaft mit etwa 1200 Einwohnern in 300 Haushaltungen Lebensunterhalt gegeben. Die Kolonie ist noch in stetem Zunehmen begriffen, da noch immer neue Ansiedler darin Aufnahme suchen und finden. Jeder Kolonist erhält eine Fläche von 1 Hektar Moorboden und Weide für mehrere Stück Vieh, wofür er nur eine geringe Entschädigung zu zahlen hat. Durch das ganze Areal der Kolonie führen Straßen, die bis zur Chaussee reichen, die zur besseren Orientierung nach Art größerer Ortschaften besonders benannt sind. Außer einer Putkamer- und einer Bismarckstraße finden wir hier eine Krummhaar- , Wiese- , Müller- , Pfeifer-, Hagenstraße, so benannt nach Forstbeamten, die sich um die Anlage der Kolonie besonders verdient gemacht haben.“


Alte Ansichten

Hochwasser 1914: Überschwemmte Chaussee in der Kolonie Bismarck
Alte Ansichtskarte aus Bismarck
Hochwasser in der Kolonie Bismarck (Bild: Viktor Kittel)
Landschaftsbild in der Kolonie Bismarck
Hochwasser im Memelland - Kolonistengehöft in der Kononie Bismarck (Bild: Viktor Kittel)


Karten

Noch nicht vorhanden, siehe Torf und Moos Bruch auf der Schroetter Karte 1802, Maßstab 1: 160000
Die Ansicht ist durch Klicken auf die Karte vergrößerbar
Skizze aus der Gemeindeseelenliste von Bismarck (Kr.Heydekrug) aus den 50er Jahren, (c) Bundesarchiv
Zu Bismarck (Kr.Heydekrug) im Messtischblatt 0793 Skirwiet (1911-1938) mit den Gemeindegrenzen von 1938
© Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
Bismarck (Kr.Heydekrug) in den Messtischblättern 0794 Russ und 0694 Heydekrug (1910-1940) mit den Gemeindegrenzen von 1938
© Bundesamt für Kartographie und Geodäsie


Internetlinks

Fotoalbum Bismarck


Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis

GOV-Kennung BISRCKKO05RH
Name
  • Bismark Quelle Seite 1089 (deu)
  • Bismarck (= Rupkalwer Moor) (1907) Quelle Wohnplatz 12.159 (deu)
  • Žalgiriai (1923) Quelle Seite 1089 (lit)
Typ
  • Wohnplatz
w-Nummer
  • 66131
externe Kennung
  • nima:-2620864
  • geonames:592919
Karte
   

TK25: 694

Zugehörigkeit
Übergeordnete Objekte

Heydekrug (lit. Kreis [1945 - 1950]), Rajongemeinde Šilutė [1950-], Šilutės rajonas, Šilutės rajono savivaldybė (1945 -) ( Landkreis Gemeinde )

Werden (1907) ( Kirchspiel ) Quelle S. 94/95

Szibben (Hl. Kreuz), Heydekrug, Heydekrug (Hl. Kreuz), Žibai, Šilutė (1907) ( Pfarrei ) Quelle S. 94/95

Forstgutsbezirk Bismark, Bismarck (= Rupkalwer Moor) (- 1945) ( Gutsbezirk ) Quelle


Quellen

  1. OFB Memelland
  2. Quelle: Deutsche Verwaltungsgeschichte Ostpreußen
  3. Text von Bernhard Waldmann in Anlehnung an Nemunodelta
  4. Quelle: Anton Baumann: Die Urbarmachung preußischer Moore durch Gefangene, München, um 1900, Seite 30
  5. Quelle: Charlotte Keyser: In stillen Dörfern, Gräfe und Unzer, Königsberg 1939
  6. Szenen aus dem Film Jons und Erdme, der in der Moorkolonie Bismarck bei Heydekrug spielt (Dtschld/Italien 1959, mit Guiletta Masina, Carl Raddatz, Agnes Fink und Gert Froebe).
  7. Quelle: Hermann Sudermann: "Jons und Erdme" in Litauische Geschichten, Aufbau Verlag Berlin und Weimar, 1979
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