Geschichte der Adressbücher

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In diesem Artikel finden Sie allgemeine Informationen über Adressbücher. Sie können von hier aus auch direkt zum Adressbuch-Verzeichnis und zur CompGen-Adressbuchdatenbank gehen. Weitere Informationen zum CompGen-Projekt historische Adressbücher finden Sie hier ...


Projekt Adressbücher
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Adressbücher in der Offline-Erfassung


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Als Vorläufer der Adressbücher gelten die sog. Hof- und Staatskalender, die wichtige Funktionsträger einer Gebietskörperschaft aufführten. Das erste deutsche Adressbuch erschien 1701 unter dem Titel Das ietztlebende Leipzig nach dem Vorbild des ersten Pariser Adressbuches von 1692 und dem Londoner Little Directory von 1677. Bald darauf folgten andere Städte und Gemeinden diesem guten Beispiel: Es erschienen in den folgenden Jahren Adressbücher für die Städte Berlin, Köln, Lübeck, Dresden, Königsberg und Frankfurt/Oder. Die meisten wurden allerdings nicht von Privatpersonen verlegt, sondern als staatliches Privileg von der Obrigkeit, die vor allem die Haushaltsvorstände und Firmen mit Anschrift nannten.. Bis sich auch der letzte Einwohner eines Gemeinwesens im Adressbuch wiederfand, dauerte es bis ins letzte Drittel des 19. Jahrhunderts. Nun wurden auch öffentliche Einrichtungen, Religionsgemeinschaften, Parteien und sogar Stadtpläne in die Adressbücher aufgenommen.

Da der Buchverkauf die hohen Herstellungskosten – insbesondere nach der Aufnahme aller Handels- und Gewerbetreibenden – nicht deckte, kam man schnell auf Idee, mehr und mehr bezahlte Anzeigen aufzunehmen und später auch Fettdruckzeilen und Zusatzeinträge zu verkaufen. Diese Neuerung wurde bald auch in zahlreichen anderen Adressbüchern übernommen, sodass sich hier die ersten tatsächlichen Branchenverzeichnisse entwickelten. So enthielt das Lübeckische Adressbuch von 1879 alle Bürger, Behörden und Gewerbebetriebe geordnet nach Namen, Straßen und Branchen und war mit zahlreichen Werbeanzeigen versehen.

Viele der auch heute noch erscheinenden Adressbücher für Städte wie Lübeck, Oldenburg, München oder Nürnberg verfügen so über eine Geschichte von 150 und mehr erschienenen Ausgaben im Laufe der letzten 300 Jahre – immer wieder unterbrochen durch Kriegswirren und ähnliche Ereignisse, die das Erscheinen eines Adressbuches unmöglich machten. Nach solchen Ereignissen, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg, wurden die Adressbücher zu einem noch unentbehrlicheren Helfer – für die Suche nach Verwandten, Freunden, neuen und alten Geschäftspartnern.

Grundlage der Veröffentlichung wurden im Einwohner- und Straßenteil dann bald die offiziellen Daten der Meldebehörden. Auch die Städte und Gemeinden, und damit die zuständigen Landesregierungen, hatten erkannt, dass die Adressbücher wie in den Jahrhunderten zuvor im Interesse der Öffentlichkeit waren. Nicht zuletzt um die Meldebehörden vor einer Vielzahl von Adress- oder Namensabfragen zu entlasten, bekam die Bevölkerung mit den Adressbüchern Zugang zu diesen Daten.

Durch ihre Auflistungen von Behörden und Vereinen, den Namens- und Straßenteil, den Branchenteil und die zahlreichen weiteren, an den Nutzerinteressen orientierten und vielfältigen Recherche-Möglichkeiten bieten die Adressbücher auch heute noch den umfassendsten Überblick über das soziodemographische und wirtschaftliche Erscheinungsbild einer Stadt oder Gemeinde. Gerne werden Adressbücher aufgrund dieses fast vollständigen Spiegelbilds der Städte auch von Historikern zu Untersuchungen über Geschichte und Entwicklung einer Stadt herangezogen. Kaum ein anderes Medium gibt einen so klaren Überblick über die Verhältnisse, Veränderungen und Besonderheiten der Stadtgeschichte wie das Adressbuch.

Für Familienforscher können Adressbücher eine wertvolle Hilfe sein, um über tote Punkte hinwegzukommen. Ein Vorfahr kann z. B. nach Bremen gezogen sein und dort eine Familie gegründet haben. Wann er in Bremen sesshaft wurde, lässt sich anhand von Kirchenbuchunterlagen selten feststellen. Im Adressbuch wird er aber spätestens ein Jahr nach seinem Umzug aufgeführt. Darüber hinaus sind historische Adressbücher nicht nur für Anschriftenermittlungen von Interesse sondern sie können auch bei der Ermittlung von Sterbejahren hilfreich sein, wenn z.B. eine Ehefrau als Witwe geführt wird. In einigen Adressbüchern sind auch die Geburtsnamen von Witwen genannt. In neueren Adressbüchern wird aus Gründen des Datenschutzes auf die Nennung des Berufs verzichtet.

Wo finde ich historische Adressbücher?

Viele Städte haben Adressbücher geführt und legen sie auch heute noch neu auf. Allerdings sind viele nur in Kleinstauflagen publiziert worden. Meist kann man diese Adressbücher nur per Fernleihe besorgen oder in örtlichen Archiven oder Rathäusern einsehen. Zur Recherche nach Adressbüchern ist die Zeitschriftendatenbank zu empfehlen. Die Suche kann nach dem Ortsnamen (meist einer Stadt oder einem Landkreis) und einem Stichwort wie z.B. "Adressbuch", "Einwohnerbuch" oder "Adresskalender" erfolgen.

Im Internet werden von Zeit zu Zeit Adressbücher zum Kauf angeboten. Eine Suche lohnt sich insbesondere bei eBay (http://www.ebay.de), dem großen Online-Marktplatz für Versteigerungen aller Art.

Adressbücher auf CD

Die Firma Adressbuch-Service (http://www.adressbuch-service.de) hat das große Interesse der Familienforscher an historischen Adressbüchern erkannt und eine Marktlücke gefunden. Matthias Schlechter digitalisiert alte Adressbücher, für die kein Urheberrecht mehr besteht und bietet diese Digitalisierungen dann in Form von PDF-Dateien auf CD zum Kauf an.

Digitale Adressbücher im Internet

Bayreuther Adressbücher

Rainer-Maria Kiel hat auf dem Server der Universitätsbibliothek Bayreuth "sämtliche gedruckten Bayreuther Hausnummern-, Adreß- und Einwohnerbücher der Vorkriegszeit (1807 - 1937)" als Digitalisate editiert.

Mit Klick auf den Namen des Herausgebers gelangt man zur Übersichtsseite aller Digitalisate einschließlich der Verlinkungen dorthin.

Berliner Adressbücher

Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) hatte die Berliner Adressbücher der Jahre 1799 bis 1943 digitalisiert. Zuerst wurden diese in einer für die Benutzer kostenlosen Phase angeboten, danach wurde auch hier ein kommerzieller Weg gegangen und kurzzeitig diese im Internet gegen Gebühren zur Recherche angeboten. Auch wenn die Kosten mit einem Euro pro angefangener halben Stunde recht moderat waren, konnte sich dieses System nicht durchsetzen und nun werden die digitalisierten Adressbücher erneut kostenlos im Internet zum Betrachten angeboten. In den einzelnen Jahrgängen sind in unterschiedlichem Umfang Informationen über Einwohner nach Namen und Straßen sowie Branchen, Behörden, Vereine u. v. m. zu finden. Eine Schlagwortsuche sowie systematische Suchwege sind möglich, nicht aber eine Volltextrecherche. Die Internetdatenbank ist hier zu finden: http://adressbuch.zlb.de.

Heidelberger Adressbücher

Ebenfalls kostenlos stellt die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg die Adressbücher der Neckarstadt im Internet unter der URL http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/digi/hdadressbuch.html zur Verfügung. In Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Heidelberg und gefördert durch die Stadt-Heidelberg-Stiftung wurden die Adressbücher der Jahre 1839 bis 1945 in der Universitätsbibliothek digitalisiert. Die Originalbände sind durch rege Nutzung und den fortschreitenden Papierzerfall stark gefährdet und stehen daher der Nutzung nur noch sehr eingeschränkt zur Verfügung. Durch die Digitalisierung und Bereitstellung via Internet können diese für die personen- und stadtgeschichtliche Forschung einzigartigen Quellen nun orts- und zeitunabhängig eingesehen werden.

CompGen-Datenbank historische Adressbücher

Die vorgenannten Internet-Recherchemöglichkeiten haben allerdings einen entscheidenden Nachteil für Familienforscher: Man muss vorher wissen, in welchem Ort man zu suchen hat. Über tote Punkte kann man so oft nicht hinwegkommen, denn meist weiß man ja gerade nicht, von wo der gesuchte Ahne kam oder wo er hinzog. Dies versucht der Verein für Computergenealogie mit einem weiteren Konzept zu umgehen: einer ortsunabhängigen Adressbuch-Datenbank (http://www.adressbuecher.net). Viele Freiwillige erfassen Daten aus Adressbüchern für den Verein und stellen diese in einer gemeinsamen Datenbank zur Verfügung, in der man via Internet kostenlos recherchieren kann. Mehr Informationen über das Projekt Adressbücher finden Sie in einem extra Artikel.

Auf der Startseite der Adressbuchdatenbank gibt man entweder einen Nachnamen ein oder lässt sich Informationen zu einem der erfassten Adressbücher anzeigen. Das Suchergebnis listet nun alle Adressbücher auf, in denen der Name gefunden wurde. So können vor allem Namensstudien sehr einfach betrieben und eventuell auftretende tote Punkte leichter überwunden werden. Aus der angezeigten Liste wählt man anschließend das gewünschte Adressbuch aus und erhält eine Liste aller Personen aus diesem Adressbuch mit dem gesuchten Namen. Auf dieser Seite kann man dann weitere Informationen zur Person, zum Adressbuch oder zum Ort aufrufen (manche Adressbücher umfassen mehrere Orte).

Und als weitere interessante Funktion kann man sich durch Klick auf den Straßennamen alle Anwohner in dieser Straße anzeigen lassen. Die Berufe der Nachbarn geben dabei einen interessanten Einblick in das soziale Umfeld des Vorfahren.

Um die Datenbank noch weiter auszubauen, werden natürlich viele Freiwillige benötigt. Jeder, der ein Adressbuch erfassen und für die Datenbank bereitstellen möchte, kann mitmachen. Eine einfache Tabellenvorlage erhält man bei info@adressbuecher.net

Weitere digitalisierte Adressbücher im Internet

Aber man findet auch zunehmend Digitalisate, so z.B.:


Bibliographie

siehe Bibliographie zur Geschichte der Adressbücher

Weblinks

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