Heinrichswalde (Kreis Niederung)

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Wappen von Heinrichswalde

Heinrichswalde

Kreisort in der Niederung
Kreis Elchniederung, O s t p r e u ß e n
___________________________________________________

Der Bahnhof von Heinrichswalde im Jahr 1995


Hierarchie


Inhaltsverzeichnis

Die ev. Pfarrkirche von Heinrichswalde, 1993

Allgemeine Informationen

Koordinaten: 55° 3′ 0″ N, 21° 41′ 0″ O (Karte)

Das heutige Heinrichswalde (russisch: Slawsk / Славск, litauisch Gastos) ist eine Kleinstadt
in der russischen Oblast Kaliningrad mit Sitz einer Rajonsverwaltung (Rajon Slawsk) und der
städtischen Gemeinde Slawskоjе gоrоdskоjе posselenije.
Der Ort hat etwa 5.000 Einwohner (2006).
Der heutige Name Slawsk leitet sich vom russischen Wort Slawa (Ruhm) ab, frei übersetzt
ruhmreiche Stadt.
Die Ortschaft ist Zentrum der Region Elchniederung – einer Moorregion am Kurischen Haff.
Sie liegt 15 Kilometer südwestlich von Sowjetsk (ehemals Tilsit) und der Grenze zu Litauen.

Landschaft bei Heinrichswalde

Politische Einteilung / Zugehörigkeit.

Kreis Elchniederung, 1936

Kreis Niederung

Der Kreis Niederung war der einzige ostpreußische Kreis, der über keine Stadt verfügte und daher auch nicht nach einer Kreisstadt benannt wurde. Die Reichsbahn streifte den Kreis nur an der östlichen Peripherie mit den Stationen Groß Skaisgirren, Wilhelmsbruch, Heinrichswalde und Groß Brittanien. Die westliche Kreishälfte wurde durch die Niederungsbahn erschlossen, die in Groß Brittanien ihren Anfang nahm und nach Karkeln bzw. Seckenburg führte.
1938 wurde der Kreis Niederung umbenannt in „Kreis Elchniederung“ und 1939 in „Landkreis Elchniederung“. Der Landrat hatte seinen Sitz zuerst in Kaukehmen, dem größten Ort des Kreises, bald danach aber in Heinrichswalde, und das war mit 3.500 Einwohnern nur der zweitgrößte Marktflecken, lag aber zentraler. [1]

Veränderung der Kreisgrenze

Mit dem Inkrafttreten des Versailler Vertrages verlor der Kreis Niederung am 10. Januar 1920 die nördlich des Memeler Mündungsarmes Ruß liegenden Landgemeinden Groß Schilleningken, Heinrichsfelde, Klein Schilleningken, Leitgirren und den Gutsbezirk Perwallkischken an das Memelgebiet. Die beim Deutschen Reich verbliebenen südlichen Restteile des Kreises Heydekrug wurden dagegen vorläufig von Heinrichswalde aus mitverwaltet und zum 1. Juli 1922 auch förmlich in den Kreis Niederung eingegliedert.
Zum 1. Oktober 1939 wechselten die Gemeinden Elchwinkel und Skirwiet aus dem Landkreis Elchniederung in den Landkreis Heydekrug, der seit dem 22. März 1939 wieder zu Ostpreußen gehörte. Heute ist der Landkreis Elchniederung bis zur Ruß in etwa als Slawskij Rajon Teil des Kaliningrader Oblast.

Geschichte

Das Landratsamt in Heinrichswalde

Besiedlung

Nach der Eroberung der Landschaft Nadrauen (um 1285) wurde die Gegend um die spätere Ortschaft Heinrichswalde zum ersten Mal erwähnt. Nach 1289 lag das Gebiet in der Komturei Ragnit und nach 1466 gehörte das ganze Gebiet des späteren Kreises Niederung zur Komturei Tapiau. Wann wirklich das 15 km westlich von Tilsit liegende Dorf Heinrichswalde entstand ist fraglich. Mit der planmäßigen Besiedlung um 1600, die von Labiau ausging, wurden auf diesem Gebiet mehrere Dörfer angelegt. Um 1650 begann auch das Amt Tilsit verstärkt mit der Besiedlung der Niederung zwischen dem Kurischem Haff und dem Tilsiter Gebiet. Das einst "größte Dorf Deutschlands" ist aus einer kleinen Siedlung entstanden, die der Jägermeister Heinrich Ehrentreich 1657 vom Großen Kurfürsten erhielt. [2] Das Rittergut Heinrichswalde lag nicht weit von der Kirche entfernt am Ortsrand. Es gehörte bis 1945 den Bierfreund’schen Erben. Außerdem gab es das Domänenamt Heinrichswalde am Rande der Niederung.

Kreisstadt

Die Hauptstraße (Friedrichstraße) in Heinrichswalde

Heinrichswalde war ab 1818 Sitz eines Landrats. 1891 wurde das Dorf an die Strecke KönigsbergTilsit und damit an das deutsche Eisenbahnnetz angeschlossen. Als Kreissitz verfügte die Gemeinde über ein Landratsamt, ein Amtsgericht, über Finanzamt, Gesundheitsamt, Forstkasse. Neben verschiedenen Handwerksbetrieben gab es eine Molkerei und die kleine Maschinenfabrik von Ludwig Klein, die den patentierten Garbenableger „Erntehelfer“ baute und im ganzen Reich vertrieb.
Für die Ausbildung des Nachwuchses standen eine Volks- und eine Mittelschule bereit.

Erster Weltkrieg

Das Kreiskrankenhaus in Heinrichswalde

Im Ersten Weltkrieg stießen die Russen bis nach Heinrichswalde und noch weiter vor. Als sie glaubten, von Heckenschützen beschossen worden zu sein, planten sie, als Repressalie sämtliche noch in Heinrichswalde verbliebenen Männer zu erschießen. Als die Frauen eindringlich um Gnade flehten, versprach der verantwortliche Offizier, die Männer laufen zu lassen, wenn sich einer freiwillig zur Exekution bereit fände. Da trat Otto Grau vor und bot sein Leben an. Von diesem Opfermut überwältigt ließ der Offizier alle Männer ziehen, auch Otto Grau. Der war Lehrer, aber schon vor dem Krieg wegen anhaltender Trunksucht aus dem Schuldienst entlassen worden. Aus Dankbarkeit stellte man ihn wieder ein.
Er starb hoch betagt nach dem Zweiten Weltkrieg in Nordhorn. [3]

Räumung

Im Oktober 1944 mussten die Einwohner ihre Häuser verlassen. Am 20.Januar 1945 wurde Heinrichswalde von der Roten Armee eingenommen. Am 7.Januar 1946 erhielt Heinrichswalde den russischen Namen Slawsk (Славск - sinngemäß “Ruhmreiche Stadt”). Slawsk ist heute, noch deutlicher als früher, der zentrale Ort des gesamten einstigen Kreises Elchniederung.


Kirchliche Zugehörigkeit

In der Kirche von Heinrichswalde

Kirchengebäude

Die erste Kirche von Heinrichswalde entstand 1686. In den Jahren 1867 bis 1869 wurde ein Um- und Neubau im neogotischen Stil errichtet. Die Dorfkirche hat beträchtliche Dimensionen. Der Glockenturm im Westen mündet in einer filigranen Spitze, das Dach ist steil und die Wände des Kirchenschiffes sind durch hohe Strebepfeiler gegliedert. Der Innenraum war hell getüncht mit schlanken Säulen und Holzemporen auf beiden Seiten.

Die Kirche ist heil durch den Krieg gekommen. Sie diente als Lagerhalle, dabei wurde die Ausstattung vernichtet. Schon vor der Wende hat sich Frau Edith Knoll aus Pogegen für den Erhalt des Gotteshauses eingesetzt. Sie hat sogar vehement die Rückgabe an die evangelische Kirchengemeinde gefordert. Als die ersten Besucher nach Heinrichswalde kamen, hat Frau Knoll mit viel Geschick um Spenden gebeten, die ihr, dank ihrer liebenswürdigen Art, auch reichlich zuteil wurden.

Obwohl bis 1995 allerhand Baumaterial zusammen gekommen war, das im Kirchenschiff gelagert wurde, kamen die Instandsetzungsarbeiten nur zögerlich voran. Die Behörden waren nicht in der Lage, die Eigentümerfrage einvernehmlich zu lösen, denn die orthodoxe Gemeinde hatte Ansprüche erhoben. Aber Frau Knoll gab nicht auf. Zwischenzeitlich hielt sie sogar nach einem Ausweichquartier Ausschau. Ein ehemaliges Gemeindehaus am Ortsrand sollte das neue Domizil der evangelischen Kirche werden. Es wurden sogar schon erste Arbeiten in Angriff genommen, aber dann stellte sich heraus, daß wegen der vernachlässigten Drainageanlagen im Keller das Wasser meterhoch stand und auch nicht abzupumpen war.

Inzwischen soll es eine simultane Nutzung durch die evangelische und die orthodoxe Gemeinde geben. Ob das zutrifft, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Jedenfalls sind viele Verbesserungen auszumachen. Der Treppenaufgang wurde wieder hergestellt, schadhafte Stellen im äußeren Ziegelmauerwerk sind nicht mehr zu sehen und der Innenraum riecht nicht mehr so muffig.
Auch durch die Kreisgemeinschaft Elchniederung sind Maßnahmen zum Erhalt und zur Restaurierung der Kirche eingeleitet. Das Pfarrhaus gibt es ebenfalls noch. [4]

Kirchspiel Heinrichswalde

Blick von Osten auf die Kirche von Heinrichswalde


Kirchspielorte im Kreis Niederung
Ortsname Name vor 1938 Russischer Name
Gowarten Gowarten Dzeržinskoe / Дзержинское
Groß Friedrichsdorf Groß Friedrichsdorf Gastellowo / Гастеллово
Heinrichswalde Heinrichswalde Slavsk /
Herdenau Kallningken
Inse Inse
Karkeln Karkeln
Kreuzingen Groß Skaisgirren
Kuckerneese Kaukehmen Jasnoe / Ясное
Neukirch Neukirch
Rauterskirch Alt Lappienen
Schakendorf Schakuhnen
Seckenburg Seckenburg
Skören Stören
Weidenau Weidenau

Kirchhöfe / Friedhöfe

Auf dem ehemaligen Friedhof hinter der städtischen Poliklinik, wo schon seit jeher russische und deutsche Gefallene des Ersten Weltkriegs begraben liegen, entstand eine Gedenkstätte, eingeweiht am 10.08.1997, bestehend aus einem Findling mit der Inschrift in deutscher und russischer Sprache:
„Allen Toten der Elchniederung zum Gedenken. Hier ruht Erde aller Friedhöfe der Elchniederung“. Kirchenbücher


Bewohner

Persönlichkeiten

Edith Knoll mit Eduard Politiko vor ihrem Haus in Heinrichswalde, 1994
  • Edith Knoll, gebürtig aus Pogegen,
    sie hat sich um den Erhalt der Kirche verdient gemacht

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohnerzahlen
1885 1.592 *
1890 1.728 *
1910 2.406 *
1925 2.581 *
1933 3.180 *
1939 3.467 *
1959 3.900 **
1979 4.400 **
1989 4.682 *
2002 5.172 *
2006 4.979 ***

Anmerkung: * Volkszählung ** Volkszählung (gerundet) *** letzte Zählung [5]

Söhne und Töchter der Gemeinde

  • 1869, 5. Oktober: Ernst Siehr, † 14. November 1945 in Bergen auf Rügen, deutscher Politiker, Deutsche Demokratische Partei (DDP), (MdR), Oberpräsident von Ostpreußen
  • 1867, 1. September: Hans Peter Weszkalnys, † 13. März 1946 in Rosenthal (Kreis Pirna), deutscher Architekt
  • 1890, 30. November: Arthur Ewert, † 3. Juli 1959 in Berlin, deutscher Politiker (KPD), (MdR)


Heutige Situation

Ortsschild von Heinrichswalde (Slawsk / Славск), 2007

Städtische Gemeinde Slawsk

Seit der Verwaltungsreform in der Oblast Kaliningrad 2008/2009 ist Slawsk namensgebender Ort und Verwaltungssitz der städtischen Gemeinde Slawskоjе gоrоdskоjе posselenije mit weiteren 6 Siedlungen. [6]

russischer Name deutscher Name
Гастеллово (Gastellowo) Groß Friedrichsdorf
Майское (Maiskoje) Schnecken
Пригородное (Prigorodnoje) Reussenhof
Приозёрье (Priosjorje) Argelothen
1938–45 Argendorf
Сосновое (Sosnowoje) Waldkrug
Сосняки (Sosnjaki) Tunnischken
1938–45 Schneckenwalde

Heutiges Ortsbild

Die Friedrichstraße in Heinrichswalde, 2007

Erhaltene Gebäude

Schon von weitem grüßt wie früher der hohe Kirchturm von Heinrichswalde. Bei der Einfahrt in die frühere Kreis- und jetzige Rayonstadt fällt eine neue Umgehungsstraße auf, die zum Bahnhof und weiter nach Groß Friedrichsdorf / Gastellovo führt. Das Gut Bierfreund wurde zur Kolchose, und an der neugestalteten Kreuzung ist eine Tankstelle. Aber dann ist da viel Altvertrautes:

  • das Finanzamt (in gutem Zustand)
  • Bäckerei mit Mühle, sowie Zeitungshaus
  • das Landratsamt sucht man vergeblich, auf seinen Grundmauern steht ein Lagerhaus
  • die Post (weiter Post)
  • Molkerei, Parkhotel (Wohnhaus) und Kreissparkasse
  • Arbeitsamt, Siechenhaus, Gasanstalt und Sägewerk
  • Hotel “Deutsches Haus” (Kulturpalast)
  • Krankenhaus (in Betrieb)
  • Leichenhalle mit dem Spruch “Selig sind die Toten”
  • die Schulen: Kreisberufsschule, Jugendheim (Schule), Turnhalle, Sportplatz (weiter benutzt)
  • Bahnhof (unlängst renoviert)

Genutzt wird wieder das “Salz- und schwefelhaltige Frei-Sonnen- und Liegebad”, das einst auch viele Fremde in die Stadt gelockt hat. Schon vor der Jahrhundertwende wurde Heinrichswalde als “Gartenstadt” bezeichnet und war als “klimatischer Kurort” beliebt.

Veränderungen

Der Bahnhof von Heinrichswalde, 1995

Die auffälligsten Veränderungen in der Stadt, die sich beiderseits der Friedrichstraße ausbreitet, sind:

  • Die Hauptstraße ist verbreitert und zum Teil für den Autoverkehr gesperrt worden. Die Alt- und Neubauten sahen lange Zeit recht schäbig aus. Man ist um Verbesserungen bemüht, aber noch im Jahre 1995 ist am östlichen Ende der Friedrichstraße ein Stadthaus einfach in sich zusammengebrochen, und die Trümmer türmten sich wochenlang bis zur Straßenmitte auf. Das hat die rassanten russischen Autofahrer zu riskanten Slalomfahrten animiert.
  • In der Nähe der Kreissparkasse wurde ein Verwaltungsbau errichtet. Davor ist eine Anlage mit einem Gefallenen-Ehrenmal.
  • Ein neuer Wohnkomplex ist auf dem Gelände zwischen Krankenhaus und Bahn entstanden. Die alten Siedlungshäuser wurden darin einbezogen.
  • Der Schweinemarkt wurde zu einem städtischen Mittelpunkt mit Anlagen und Lenin-Statue umgestaltet.
  • Am Buttermarkt existiert ein Café mit Restaurationsbetrieb. Für Besucher aus dem Westen steht das “Deutsche Haus” zur Verfügung, das im Gemeindeamt in der Marktstraße eingerichtet wurde.
  • Der Bahnhof (im Westen der Stadt) wurde in den letzten Jahren generalüberholt. Das Gleisbett wurde erneuert, die Bahnsteige sind neu angelegt und das Bahnwärterhaus hat einen frischen Anstrich bekommen. Die Niederungsbahn in das westliche Kreisgebiet (ab Groß Brittanien) existiert nicht mehr.

In der Stadt und im Kreis Heinrichswalde haben Kontakte zwischen den Bewohnern von damals und heute bereits zu guten Ergebnissen geführt. Die Einwohnerzahl ist mit rund 3.000 (1992) annähernd so hoch wie früher. [7]


Fotoalbum Heinrichswalde

Karten

Umgebungskarte von Heinrichswalde, 1937

Rot: ursprüngliche Grenze des Kreises Niederung
gelb: nördl. Grenze des Kreises Elchniederung, nach 1923


Weblinks

Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis

Landschaft in der Elchniederung bei Heinrichswalde
Landschaft in der Elchniederung bei Heinrichswalde
GOV-Kennung HEILDEKO05UA
Name
  • Gastos (lit)
  • Heinrichswalde Quelle Wohnplatz 24.94 (deu)
  • Хайнрихсвальде (- 1946) Quelle Славск (rus)
  • Славск (1946 -) Quelle Slawsk (rus)
Typ
Postleitzahl
  • RUS-238600 (1993)
w-Nummer
  • 50234
Karte
   

TK25: 996

Zugehörigkeit
Übergeordnete Objekte

Tilsit (Maria Himmelfahrt), Tilsit (1907) ( Pfarrei ) Quelle S. 184/185

Heinrichswalde (1907) ( Kirchspiel ) Quelle S. 184/185

Heinrichswalde (- 1945) ( Landgemeinde Gemeinde ) Quelle

Untergeordnete Objekte
Name Typ GOV-Kennung Zeitraum
Heinrichswalde Kirche object_164258


Quellen

  1. Text übernommen von Ostreussen.net
  2. Text übernommen vom Kulturzentrum Ostpreussen
  3. Text übernommen von Ostreussen.net
  4. Text: Bernhard Waldmann, niedergeschrieben nach Besuchen in den Jahren 1993, 1994 und 1995
  5. Text übernommen von Wikipedia
  6. Text übernommen von Wikipedia
  7. Text übernommen von Helmut Peitsch, Reiseführer Nord-Ostpreussen, Seite 359/360, Rautenberg, ISBN 3-7921-0509-8
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