Kaukehmen
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Hierarchie
- Regional > Russische Föderation > Kaliningrader Oblast > Kaukehmen
- Regional > Historisches Territorium > Deutschland 1871-1918 > Königreich Preußen > Ostpreußen > Kreis Niederung > Kaukehmen
Inhaltsverzeichnis |
Einleitung
Kaukehmen (1938–1946 Kuckerneese, russ. Jasnoje / Я́сное, litauisch Kaukiemis) ist heute ein Dorf im Rajon Slawsk der Oblast Kaliningrad (Russland), dem früheren Kreis Niederung im nördlichen Ostpreußen. Der Ort ist Sitz der Landgemeinde Jasnowskоjе selskоjе posselenije.
Name
Namensänderungen
Kaukehmen,
- 1656 Kauken,
- 1785 Kaukehnen und Kukernese, Kukkernese,
- 1656 (und 1938 wieder) Kuckerneese, russisch Jasnoye, auch Kaukohnen, Kauköhnen,
Kreis Niederung, Ostpreußen. - Die beiden Orte liegen im Stammesgebiet Schalauen.
1736 gehörte zum Amt Kuckerneese auch Baubeln (bei Kaukehmen) / 1938 Sommerhöfen - Каукемен (1945/46)
- Ясное / Jasnoye (ab 1946)
Namensdeutung
Die beiden Namen Kaukehmen und Kuckerneese deuten auf heulende Geräusche, die bei bestimmten Windverhältnissen auftraten (vgl. den lettischen Ort Koknese). Zudem weist der Name Kuckerneese auf eine Erhebung inmitten der Niederung (9 m über dem Meeresspiegel). Die Schreibweise Kaukehnen deutet auf litauische Ansiedler (in dieser Region zemaitische).
Möglich ist auch ein Bezug zum Kauke, früher Normedie, später Kucker-Fluss. Die Kauke war ein Verbindungsflüsschen zwischen Ruß und Gilge. Weil zuviel Wasser von der Gige abgeleitet wurde und diese zu versanden drohte, wurde die Verbindung 1472 unterbrochen. [1]
- prußisch "kauk" = heulen
- "kaukas, kuke, cawks, cux" = Geist, Teufel
vgl. dazu
- lettisch "kaukona, kaukt" = heulen, stöhnen
- "kukainis" = Insekt
- preußisch-litauisch "kaukarna" = Erhebung, eigentlich durch den Frost aufgehobene Erdschollen, kleine Hügel auf den Wiesen, "Frosthölsterlein"
- "kaukis" = Alraune (bot. mandragora officinalis), Haftdolde, Möhrenhaftdolde, Ackerklette
- "kauke, kaukas" = Kobold, unterirdischer Geist
und
- prußisch "caymis", litauisch "kaimas" = Dorf, Ort
- preußisch "-ehnen" (-öhnen), litauisch "-eniai" = Ort, Bewohner
Politische Einteilung / Zugehörigkeit.
Kreis Niederung
Der Kreis Niederung war der einzige ostpreußische Kreis, der über keine Stadt verfügte und daher auch nicht nach einer Kreisstadt benannt wurde. Die Reichsbahn streifte den Kreis nur an der östlichen Peripherie mit den Stationen Skaisgirren, Wilhelmsbruch, Heinrichswalde und Groß Brittanien. Die westliche Kreishälfte wurde durch die Niederungsbahn erschlossen, die in Groß Brittanien ihren Anfang nahm und nach Karkeln bzw. Seckenburg führte.
1938 wurde der Kreis Niederung umbenannt in „Kreis Elchniederung“ und 1939 in „Landkreis Elchniederung“. Der Landrat hatte seinen Sitz zuerst in Kaukehmen, dem größten Ort des Kreises, bald danach aber in Heinrichswalde, und das war mit 3.500 Einwohnern nur der zweitgrößte Marktflecken, lag aber zentraler. [2]
Allgemeine Informationen
Nachdem das Memeldelta im 19. Jh. eingedeicht worden war und um 1900 der Haffdeich gebaut wurde, nahm die Landwirtschaft einen spürbaren Aufschwung, der sich auch auf Kaukehmen auswirkte. Um die Wende zum 20. Jh. war Kaukehmen das größte Niederungsdorf mit stadtähnlichem Charakter inmitten der sehr fruchtbaren Umgebung. Nur, weil das Dorf im Kreis Niederung nicht zentral genug gelegen war, wurde es nicht Sitz des Landrats und seiner Administration.
Die Gemeinde verfügt noch heute über den zweitgrößten Marktplatz der Niederung.
Mitten drauf steht die Säule der Marktuhr und am Rande stehen teilweise erhaltene, teils verfallende Wohnhäusern.
Geschichte
Gründung
Kaukehmen war eine prußische Siedlung am Rand des Memeldeltas. Im 14. Jahrhundert errichtete der Deutsche Orden hier ein Festes Haus.
Der Name leitet sich von "kaukas-kaimai" (Unterirdischen-Dorf) ab und weist auf eine heidnische Kultstätte, denn die unsichtbaren hilfreichen Erdgeister wurden als Diener der Fruchtbarkeitsgöttin Puskaite verehrt. Spätestens seit 1576 war Kaukehmen Kirchort und erlangte bald aufgrund seiner Lage und Bedeutung als Handelsplatz den Status eines Fleckens. Die kleine Ordensburg wurde noch im 17. Jahrhundert von Kurfürst Friedrich Wilhelm als Jagdhaus genutzt, verfiel aber bald und wurde bis auf bescheidene Fundamentreste abgetragen. 1661 erhielt der Ort eine größere Kirche.
Angaben aus dem Jahr 1895
Zwischen Kaukehmen und Kuckerneese liegt eine Schwedenschanze aus dem Jahr 1679.
"Bei Wenkischken hatte der Bischof Bartholomäus von Samland (1358-1378) am l. Ufer des Ruß, bis wohin das Bistum reichte, eine Burg erbaut. Sie muß in der Nähe des alten Schanzenkruges, 11km Lftl. v.s.ö. von Kaukehmen gelegen haben. Schon 1466 und 1525 wird sie nicht mehr aufgeführt. Im J. 1544 befahl Herzog Albrecht, in Kukernese eine Kirche zu bauen; sie kam aber erst 1576 zu stande und war nur eine Notkirche. Im J. 1661 trat der Herr von Hallen, der das Patronatsrecht hatte, das Amt Kukernese und die Kirche an die Landesregierung ab; von der Zeit ab heißt die Kirche Kaukehmen."
[3]
Geschichte in Zahlen
- 1532 erste urkundliche Erwähnung: Herzog Albrecht verleiht einem Jakob Born einen Krug mit 8 Hufen
- Heinrich Ehrentreich von Halle, kurfüstlicher Förster, erhält Ländereien vom Großen Kurfürsten, Ansiedlung von Holländern und Mennoniten aus dem Danziger Werder
- 1678/79 Hauptquartier des schwedischen Feldmarschalls Horn
- 1709 – 1711 nach der Großen Pest mennonitische Ansiedler aus der Kulmer Gegend und der Weichselniederung [4]
- 1818 Kaukehmen wird Kreisstadt (kurze Zeit später wird das Kreisamt nach Heinrichswalde verlegt)
Kirchliche Zugehörigkeit
Evangelische Kirche
Baugeschichte
Eine erste Kirche aus der Mitte des 16. Jhs. riss man bereits 1576 zugunsten eines Neubaus wieder ab. An ihrer Stelle entstand 1661 ebenfalls wieder einer Holzkirche, wobei alle diese Kirchen offenbar nicht sehr solide gebaut warn. Erst unter Mitwirkung von Joachim Ludwig Schultheiß von Unfriedt entstand 1704 - 1708 ein massiver Saalbau. Anbau des Turms 1881 - 1884. Die Kirche brannte wegen Fahrlässigkeit eines Klempners bei Lötarbeiten an einer neuen Dachrinne am 27. Mai 1904 vollständig aus. Die Wiederherstellung der Kirche dauerte bis 1906 und bewirkte jetzt ein Aufnahmevermögen von 1.500 Personen bei 1.000 Sitzplätzen.
1945 nicht zerstört, 1947 funktionierte in der Kirche sogar noch die Orgel. Dann benutzte man den Kirchenraum als Lagerhalle, der Kirchturm wurde zum Wasserturm. In den 1980er Jahren stürzte das Kirchendach ein und so blieb vorerst der Zustand. Erst als 1992 das Gebäude der orthodoxen Gemeinde übergeben wurde, setzte man ein Notdach auf das Langschiff. Trotzdem blieb die Nutzung danach aus. An der Südseite wurde eine Lagerhalle angefügt. Die Sakristei im Osten soll noch benutzbar sein, aber die Ausstattung insgesamt ist natürlich vernichtet. Der Turm macht noch einen soliden Eindruck.
Seit 2010 gehört die Kirche zur Russisch Orthodoxen Gemeinde und es werden Reparaturarbeiten durchgeführt. [5]
Beschreibung der Kirche von 1895
"Die gegenwärtige ev. Pfarrkirche ist 1661 erbaut, der Turm 1881-1884. Geputztes Ziegelmauerwerk; 18,8m l, 8,2m br, Schluß aus dem Achteck mit dahinter liegender Sakristei. Wetterfahne über dem Achteck; ein Teufel mit Fischschwanz und Drachenflügeln, ein horn blasend; XVII Jh. Fenster, im Halbkreis geschlossen, liegen in rechteckigen Umrahmungen. Im Innern Gewölbe im Stichbogen mit Ohren. Altar und Kanzel mit unschönem Schnitzwerk mit dem von Hallenschen Wappen und dem seiner Ehefrau Anna Maria von Rohr.
Inventar
Kelch von 1656, innen vergoldet; Fuß im Sechspaß, Knauf gebuckelt, auf der Cupa die Wappen von H.E.V.H. und A.M.V.R. (Heinrich Ehrenreich von Hallen , Anna Maria v. Rohr) - Patene dazu gehörig mit Weihekreuz vom Königsberger Goldschmied Paul Parisys gefertigt. - Silberner, innen vergoldeter Kelch trägt die Inschrift: Merk. Heinrich Cöler, Amtmann in Kukkernese den. 9. Septbr. 1763. - Tilsiter Arbeit. Eine Patene dazu gehörig. - Löffelchen; auf der Laffe: A.H.G.V.R. 1677 mit Krone darüber.
Eine Kirchenordnung in Leder gebunden mit silbernen Ecken und Krampen: Repetitio Corporis Doctrinae ecclesiasticae. Königsberg 1567, der Kirche vom Herrn von Hallen geschenkt mit der eigenhändigen Widmung: "Im Nahmen der Herzliegen Dreifaltigkeit. Dieses Kirchenbuch tuhe ich Untten benantter zu stetwedem gedechtniß Im nahmen meiner Und meiner Herzliebsten In die Kaukensche Kurche Hinein Verleiben. Datum Kuckerneese den 25. Novbr. Anno 1656. Heinrich Ehrenreich von Hallen, Oberster zu Roß= und zu Fuß, Preißischer Jägermeister Und Hauptmann an Rein. - Anna Maria von Hallen geboren von Rohr."
Ein Sohn des Kaplans Rosochatius hat der Kirche ein zweites Kirchenbuch von 1707, in Leder gebunden, mit massiven silbernen Ecken und Schilden geziert: "Zur Ehre Gottes hat dieses Buch der Kaukener Kirche geschenkt H.G. Rosochatius. - Anno 1710 den 2. Oktober." Königsberger Arbeit vom Goldschmiede Joh. Christian Wittpahl.
Eine russische Kasel ist aus dem siebenjährigen Kriege hier liegen geblieben, von starkem dunkelrotem Seidenzeug. Hals und Schulterstücke mit Ornamenten bestickt. Die sonstige Stickerei stellt in unschöner Weise Scenen aus der Leidensgeschichte Christi, das Abendmahl u.s.w. vor. Kronleuchter von Messing mit sechzehn Armen; die Krönung bildet ein Adler, auf dem Jupiter mit Scepter und Blitzbündel sitzt; von Heckendorf 1682 geschenkt." [6]
Folgende Ortschaften des späteren Memellandes gehörten zu diesem Kirchspiel:
Groß Schilleningken, Heinrichsfelde, Klein Schilleningken, Leitgirren.
Kirchenbücher
siehe: Ostpreußen/Genealogische Quellen/Kirchbuchbestände Kreis Elchniederung (Niederung)
Die Kirchenbücher von Kaukehmen sind nur noch als Verfilmungen des Reichsippenamtes erhalten, die heute in Leipzig lagern (Sächsisches Staatsarchiv Leipzig). Vorhanden sind als Verfilmungen:
- Taufen 1668-1824, 1828-1844, 1848, 1859-1874
- Heiraten 1750-1848, 1863-1874
- Sterbefälle 1749-1762, 1767-1848, 1863-1874
Pfarrer
- Christian David Wittich (ab 1800, vorher Pfarrer von Schwarzort/ Vormund des Ludwig Rhesa 1785-1791)
Friedhöfe
Der alte Friedhof von Kaukehmen befand sich im Osten der Gemeinde am Sandberg in der Nähe der Domänenstraße. Der neue Friedhof liegt im Süden in einer Flußschleife der alten Gilge, gegenüber vom Sportplatz.
Das Kirchspiel Kuckerneese
Orte des Kirchspiels Kuckerneese (gegründet 1576) mit Übersichtskarte.
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Bewohner
Einwohnerentwicklung
| Jahr | 1890 | 1910 | 1939 | 1992 |
|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 1.665 | 2.222 | 4.510 | ~ 2.000 |
Güter in der Umgebung
Größere Güter in der Umgebung von Kaukehmen waren:
- die Staatsdomäne Kuckerneese mit 1200 Morgen,
- das Gut Klein-Trumpeiten mit 900 Morgen,
- Neuhof mit 400 Morgen,
- das Gut Caplanischken mit 300 Morgen
- und weitere Höfe in Sköpen, Trumpeiten, Allgawischken und Sausseningken in der Größe von 300 - 500 Morgen.
- Mehrere Güter, so auch die Staatsdomäne Kuckerneese, wurden in der Zeit von 1910-1930 aufgesiedelt, d.h. an Kleinsiedler verkauft oder verpachtet. So entstanden die Siedlungen an der Damm- und Chausseestraße.
Ortsbeschreibung
Gewerbe
Die Gemeinde Kuckerneese bildete mit ihrer relativ hohen Bevölkerungszahl auch den wirtschaftlichen Mittelpunkt des Memeldeltas. Die größeren Kirchdörfer Schakendorf, Herdenau und Karkeln sowie Skören und nach 1939 auch die nördlich des Rußstromes gelegenen Ortschaften im Memelland waren in wirtschaftlicher Hinsicht nach Kuckerneese ausgerichtet. Die Bevölkerung dieses gesamten Gebietes brachte zum größten Teil ihre vorwiegend landwirtschaftlichen Produkte nach Kuckerneese und tätigte dann ihre Einkäufe. An den Markttagen (an jedem Mittwoch) herrschte besonders lebhafter Verkehr. Die Gemeinde Kuckerneese war gewissermaßen ein kleines Landstädtchen (wenn auch nie mit Stadtrecht), das in weitestem Maße von dem Wohlergehen der sie umgebenden Landwirtschaft abhängig war.
Industrie war nämlich so gut wie nicht vorhanden. Die Bevölkerung setzte sich aus Landwirten, Kaufleuten, freien Berufen, Handwerkern, Beamten, Angestellten und Arbeitern zusammen, die es durch ihren Fleiß zu einem gewissen Wohlstand gebracht hatte. Die prunkvollen Geschäftshäuser rings um den 2 ha großen Marktplatz verliehen dem Ort ein schon kleinstädtisches Aussehen. 2 Hotels, 3 Cafes und 13 Gast- und Schankbetriebe versorgten die auswärtigen und hiesigen Gäste.
16 Lebensmittelhandlungen, 6 Textilgeschäfte, 7 Bäckereien, 7 Fleischereien, 4 Schuhgeschäfte und 9 Schuhreparaturwerkstätten, 3 Drogerien, 6 Tischlereien, 2 Klempnereien, 3 Bauunternehmer, 2 Glasereien, 5 Maler und Tapezierer, 3 Schmieden, 2 Stellmacher, 1 Böttcherei, 8 Schneidermeister, 3 Sattlermeister, 6 Friseure und viele andere Geschäfts- und Handwerksbetriebe waren in der Gemeinde Kuckerneese beheimatet.
Kultur
Vielfältig war auch das kulturelle Leben im Ort: Bis 1933 führte das Tilsiter Stadttheater und das Ostpreußische Landestheater ständige Gastspiele mit Theater- und Operettenaufführungen durch. Ein in den 30er Jahren in der Tilsiter Straße neu erbautes Lichtspielhaus für max. 600 Personen war mit den modernsten Geräten ausgestattet. Das Vereinsleben blühte in hohem Maße: Der Männergesangverein, der Arbeitergesangverein, der Männerturnverein, der Handwerkerverein, der Kriegerverein und der evangelische Arbeiterverein sorgten für ein reges geselliges Leben.
Schulen
Gegenüber der Kirche befindet sich heute die Ruine der evangelischen Kirchenschule, Kantorschule genannt, die nach dem Krieg wohl als Lagerhalle benutzt worden war. Um 1850 besuchten etwa 250 Kinder diese 4-klassige Anstalt. Um 1900 mussten bereits etwa 350 Schüler unterrichtet werden und nach dem Ersten Weltkrieg waren es noch mehr. Um die damit verbundenen Raumprobleme und Provisorien endgültig zu beseitigen, baute man 1929 die Hindenburgschule mit 16 Klassenräumen und Turnhalle für 650 Schüler. 1944 waren es dann 800 Schüler. Letzter Rektor war Erich Kroll. Die Hindenburgschule gibt es heute noch.
In den Räumen der Volksschule waren auch die Gewerbliche Berufsschule (letzter Leiter Gewerbeoberlehrer Walter Nagel) und die Haushaltungsschule (letzte Leiterin Sophie Frühling) untergebracht. Daneben gab es seit 1920 eine Höhere Knaben- und Mädchenschule (Mittelschule), hervorgegangen aus einer höheren Privatschule für Knaben sowie einer höheren Privatschule für Mädchen, um einen zu frühen Umzug auf das Gymnasium in Tilsit zu ersparen. Der Unterricht führte bis zur Obertertia (heute 9. Klasse).
Nachdem der Neubau der Hindenburgschule bezogen werden konnte, nutzte man das Gebäude der Kantorschule für Gemeindezwecke mit Konfirmanden- u. Gesellschaftsräumen der Kirche. Nach 1933 wurde das Haus von der Partei genutzt. [7]
Verkehrsanbindung
Kuckerneese war auch verkehrsmäßig recht gut an das Umland angeschlossen: Vom Großbahnanschluss Groß Brittanien wurde 1904/05 von der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft die Kleinbahnstrecke über Neukirch nach Kuckerneese gebaut und 1906 von Kuckerneese nach Karkeln verlängert. In Budelischken (ab 1938 Hoheneiche) zweigte eine Nebenstrecke nach Seckenburg ab. Die Kleinbahnverwaltung hatte 1934 zur schnelleren Personenbeförderung zusätzlich zur Kleinbahn Kraftomnibusse bis Tilsit eingesetzt, die 6x täglich in beiden Richtungen verkehrten.
Zweiter Weltkrieg
Am 16.7.1938 erhielt die Gemeinde den Namen Kuckerneese nach der nahegelegenen Domäne. Letzter Bürgermeister von Kuckerneese war Kurt Sturies, der 28 Jahre lang die Geschicke der Gemeinde leitete. Am 12. Okt. 1944 wurde die Evakuierung der Zivilbevölkerung angeordnet, 6 Tage später auch die Räumung der Behörden und Betriebe. Die Bevölkerung aus der Landwirtschaft zog mit Trecks vorerst nach dem Kreis Heiligenbeil, im Januar 1945 weiter auf der Flucht vor den sowjetischen Truppen in Richtung Westen.
Die gesamte übrige Bevölkerung wurde mit der Eisenbahn nach Sachsen evakuiert. [8]
Heutige Situation
Erster Besuch im Sommer 1993
Von Trudel Mende
Sonntag, 28.08.1993 Wir werden zu einer Fahrt in die Elchniederung abgeholt, es ist recht angenehmes Wetter und der Bus füllt sich in Tilsit mit vielen Bekannten. Eine neue und liebliche Reiseleiterin fährt mit uns in die weite Landschaft der Niederung, etwa 42 qkm groß und nur noch mit 10.000 Einwohnern. Früher gab es dort 2.000 Elche, heute sind es nur noch 200. Überall nisten Störche und wir sehen Schwalben in großer Zahl.
Als wir auf dem großen Marktplatz von Kaukehmen anhalten, werden einige Reiseteilnehmer ganz still. Wir sind in ihrem Heimatdorf angekommen. Eine Frau will gar nicht aus dem Bus aussteigen. Der einst größte Ort der Elchniederung ist schwer gezeichnet. Mehr als die Hälfte aller Bauten ist zerstört, der Rest ausnahmslos verwahrlost. Die Einwohnerzahl hat sich mehr als halbiert. Von der 1549/76 errichteten und im 18. Jahrhundert erneuerten Kirche blieben lediglich die Außenmauern und der brüchige Turm ohne Spitze.
Zu den erkennbaren Altbauten gehören Pfarrhaus (Wohnhaus) und die Kantor-Schule am Markt (Ruine). Die Hindenburgschule wurde 1992 durch ein Feuer beschädigt (später aber wieder aufgebaut). Von den schönen langen Häuserzeilen am Markt blieben Gemeindeamt (Verwaltungssitz), Gefängnis (Kulturhaus), Post (Krankenhaus) Die jetzige Post befindet sich in der Hohen Straße / Ecke Schmiedegasse. Das Spritzenhaus ist ein Zementlager.
Die mehrstöckigen Geschäftshäuser, die rund um den Markt noch vorhanden sind, stehen größtenteils leer und verkommen. Die Säule der Marktuhr ist noch vorhanden. Einen guten Eindruck macht der Sportplatz an der alten Gilge. Es gibt zahlreiche Neubauten, so am Ende der Ulrichstraße. Fünf Kindergärten gehörem zum Ort. Unter den 2.000 Einwohnern sind viele Litauer. [9]
Landgemeinde Jasnoje / Ясное
Seit der Verwaltungsreform in der Oblast Kaliningrad 2008/2009 ist Jasnoje namensgebender Ort und Verwaltungssitz der Landgemeinde Jasnowskоjе selskоjе posselenije mit 16 Siedlungen.
| russischer Name | deutscher Name |
|---|---|
| Вишневка (Wischnewka) | I. Joneiten 1938–45 Gilgenfeld II. Mosteiten[10] 1938–45 Eschenberg III. Norweischen 1938–45 Mühlmeistern |
| Городково (Gorodkowo) | Skören |
| Дюнное (Djunnoje) | Ackmenischken[11] 1938–45 Dünen |
| Левобережное (Lewobereschnoje) | Schakuhnen 1938–45 Schakendorf |
| Малые Бережки (Malyje Bereschki) | Neu Lappienen 1938–45 Rautersdorf |
| Московское (Moskowskoje) | Wieszeiten 1936–38 Wiescheiten 1938–45 Kleinsommershöfen und Luttken 1938–45 Jägerhöh |
| Мостовое (Mostowoje) | Sköpen |
| Мысовка (Myssowka) | Karkeln |
| Приваловка (Priwalowka) | Nausseden 1938–45 Kleindünen |
| Причалы (Pritschaly) | Inse |
| Прохладное (Prochladnoje) | Kallningken 1938–45 Herdenau |
| Разлив (Rasliw) | Derwehlischken [12], ab 1932 zu Kallningken |
| Раздольное (Rasdolnoje) | Tramischen 1938–45 Trammen |
| Хрустальное (Chrustalnoje) | Klein Krauleiden 1938–45 Kleinheidenstein |
| Ясное (Jasnoje) | Kaukehmen 1938–45 Kuckerneese |
| Яснополянка (Jasnopoljanka) | Spucken 1938–45 Stucken |
Zugehörige Ortschaften
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Verschiedenes
Ortsplan
© Autor Manfred Allies und Kreisgemeinschaft Elchniederung
Plan mit freundlicher Genehmigung übernommen vom: Bildarchiv Ostpreußen
Alte Karten
Straftat
Der Gutsinspektor Julius Hermann hat, wie so viele Menschen in dieser schlechten Zeit, wohl auch an der unerlaubten Ausfuhr von Lebensmitteln verdienen wollen. Bei einer Gefängnisstrafe von 4 Wochen und 500 Mark war die Menge der Butter wohl etwas größer! Es ist anzunehmen, dass die Strafe sich auch an seiner Tätigkeit als Gutsinspektor orientierte.Der Familienforscher, auf der Suche nach Vorfahren, stößt unerwartet auf schwarze Schafe und soll sie in seinem Stammbaum integrieren. Der Forscher soll sich nicht abschrecken lassen und auch Verurteilungen in seine Familiengeschichte aufnehmen. Die damals begangenen Sünden sind verbüßt. Über den illegalen Butterhandel kann man jetzt nur noch lächeln.
Zufallsfunde
Oft werden in Kirchenbüchern oder anderen Archivalien eines Ortes Personen gefunden, die nicht aus diesem Ort stammen. Diese Funde nennt man Zufallsfunde. Solche Funde sind für andere Familienforscher häufig die einzige Möglichkeit, über tote Punkte in der Forschung hinweg zu kommen. Auf der folgenden Seite können Sie Zufallsfunde zu diesem Ort eintragen oder finden.
Weblinks
- Ortsbeschreibung von Kaukehmen bei Ostpreussen.net
Literatur
- Potschka, Herbert, Beiheft zum Jahrbuch der Albertus-Universität Königsberg/Pr. XVIII Die Ostpreußische Kirchengemeinde Kuckerneese
Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis
| GOV-Kennung | KUCESEKO05SE | ||||||||||||||||||||||||
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| Typ |
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| w-Nummer |
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| Übergeordnete Objekte |
Niederung, Elchniederung ( Kreis Landkreis ) Quelle Ort 24.109 Quelle Jasnowskij Dorfsowjet, Ясновский сельский Совет ( Dorfrat ) Quelle |
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| Untergeordnete Objekte |
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Quellen
- ↑ Nach Bötticher Kobolddorf
- ↑ Text übernommen von Ostreussen.net
- ↑ Quelle: Bötticher, Adolf: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen, Heft V. Litauen, Königsberg 1895, S. 68f
- ↑ Quelle und weitere Informationen: hier klicken!
- ↑ Text übernommen von Ostpreußen.net
- ↑ Quelle: Bötticher, Adolf: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen, Heft V. Litauen, Königsberg 1895, S. 69
- ↑ Diese Angaben machte freundlicherweise Herr Siegfried Teubler, ehemals ehrenamtlicher Bildarchivar der Kreisgemeinschaft Elchniederung e.V.
- ↑ Entnommen aus dem Bildband „Die Kirchengemeinden Kuckerneese und Skören Kreis Elchniederung“ herausgegeben von der Kreisgemeinschaft Elchniederung e.V.
- ↑ Text: Trudel Mende, geschrieben 1993, in Anlehnung an Helmut Peitsch: “Reiseführer Nord-Üstpreussen”
- ↑ Wurde am 5. Juli 1950 durch die Verordnung 745/3 des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" in Slawjanskoje umbenannt
- ↑ Wurde umbenannt durch die Verordnung 745/3 des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 5. Juli 1950
- ↑ Name = Verordnung 1950
