Tilsit
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Hierarchie
- Regional > Litauen > Tilsit
- Regional > Historisches Territorium > Deutschland 1871-1918 > Königreich Preußen > Ostpreußen > Kreis Tilsit > Tilsit
Inhaltsverzeichnis |
Einleitung
Tilsit war bis 1922 die zweitgrößte Stadt Ostpreußens, denn das zahlenmäßig größere Elbing gehörte bis dahin zur Provinz Westpreußen.
Name
Der Name bezieht sich auf den Fluss Tilse.
- prußisch-schalauisch "tilse" = sumpfig
vgl. dazu
- prußisch "tilte, tiltan" = Brücke, auch Knüppeldamm, Moorbrücke
- litauisch "tilžti" = unter Wasser stehen, quellen, weichen, sich voll Wasser saugen
- "tilške" = Weidelgras, Lolch, Löthardel (botanisch lolium perenne, arvense, temulentum, remotum), Vogelmiere (stellarau media), Wasserdost (bidens tripartitus);
- "tilškiai" = Leindotter (camelina sativa), Flöhkraut (Unkraut im Flachs)
Einwohner, Fläche
Der Stadtkreis Tilsit hatte 1905 37.148 und 1939 insgesamt 59.105 Einwohner und eine Fäche von 5.901 ha.
Wappen und Luisenmedaillon
Das Wappen von Tilsit hat in Silber über blauem Wasser eine rote Mauer mit spitzbedachtem Turm und zwei hohen, bedachten Zinnen; der Turm ist belegt mit dem von Silber und Schwarz gevierten Zollernschild.
Auf dem neuen Wappen der Stadt Sowjetsk ist das barocke Südpotal der Luisenbrücke dargestellt.
Das Luisenmedaillon vom barocken Südportal der Königin-Luisen-Brücke ist im Memelwasser aufgefunden und von Tauchern geborgen worden. Nach gründlicher Überarbeitung ziert es wieder den zweitürmigen Torbogen, der als Wahrzeichen von Tilsit gilt. Das von der Sowjetmacht angebrachte Hammer-und-Sichel-Emblem mußte weichen.
Auch von den russischen Bürgern der Stadt wird die preußische Königin Luise sehr verehrt.
Allgemeine Information
1905 ist Tilsit eine Stadt (ein Stadtkreis) im preußischen Regierungsbezirk Gumbinnen, am Einfluß der Tilse in die Memel, 14 m ü.M., hat vier evangelische (darunter eine runde litauische) und eine katholische Kirche, Synagoge, sieben Bethäuser verschiedener Sekten, ein schönes Rathaus, ein Denkmal der Königin Louise (modelliert von Professor Eberlein), ein Denkmal des hier geborenen Dichters Max von Schenkendorf, ein Kriegerdenkmal und (1905) mit der Garnision (2 Bataillone Infanterie Nr.41 und ein Dragonerregiment Nr.1) 37.148 Einwohner, davon 1052 Katholiken und 671 Juden.
Die Industrie ist wichtig in Eisengießerei und Maschinenbau, Hefen-, Spiritus-, Gips-, Kunstwoll-, Chemikalien-, Knochenkohlen-, Seifen-, Kunststein-, Käse-, Schnupftabak-, Chromleder-, Zellstoff-, Wagen- und Möbelfabrikation, auch befinden sich dort Dampfmahl- und Dampfschneidemühlen, Bierbrauereien, eine Holzimprägnieranstalt, Kalkbrennerei, Aal- und Lachsfang. Der Handel, unterstützt durch eine Korporation der Kaufmannschaft, eine Reichsbankstelle (Umsatz 1906: 251,5 Mill.Mark) und die Schiffahrt auf der Memel, ist besonders bedeutend in Tabak, Holz, Getreide, Steinkohlen, Flachs, Öl, etc., auch hat Tilsit besuchte Pferdemärkte. Dem Verkehr dient eine elektrische Straßenbahn; für den Eisenbahnverkehr ist die Stadt Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Osterode-Memel, Königsberg-Tilsit und Tilsit-Stallupönen. Die Stadt hat ein Gymnasium, ein Realgymnasium, ein Lehrerinnnenseminar, eine Taubstummenanstalt, ein Waisenhaus, Konservatorium für Musik, Theater, etc. und ist Sitz eines Landgerichts und eines Hauptzollamtes.
Die städtischen Behörden zählen 12 Magistratsmitglieder und 42 Stadtverordnete. Zum Landgerichtsbezirk Tilsit gehören die sechs Amtsgerichte zu Heinrichswalde, Kaukehmen, Ragnit, Skaisgirren, Tilsit und Wischwill. In der Nähe von Tilsit das Dorf Splitter.
4 km westwärts Tilsits fängt die Tilsiter Niederung an, ein fruchtbarer Landstrich im Bereich der Mündungsarme der Memel, der sich von Nord nach Süd 80 km, von Ost nach West 53 km weit ausdehnt. [1]
Landkreis Tilsit-Ragnit
Am 10. Januar 1920 trat der Versailler Vertrag in Kraft. Dadurch wurden der Kreis Ragnit und der Landkreis Tilsit – soweit nördlich der Memel gelegen – an das Memelgebiet abgetreten. Aus ihnen entstand der neue Kreis Pogegen. Am 25. März 1920 wurde die Verwaltung des Restkreises Tilsit südlich der Memel vorläufig auf den Landrat in Ragnit übertragen.
Am 1. Juli 1922 wurden die zerschnittenen Kreise südlich der Memel endgültig neu organisiert:
Eingliederung der Landgemeinden Dwischaken, Kaltecken, Kalwen, Moritzkehmen, Schillgallen b. Tilsit und Senteinen (teilweise) und des Gutsbezirks Paszelgsten aus dem Landkreis Tilsit in den Stadtkreis Tilsit,
Zusammenschluss des Kreises Ragnit, der Landgemeinden Alloningken, Birkenwalde, Blausden, Gaiwethen, Groß Brettschneidern, Groß Dummen, Groß Ischdaggen, Groß Wingsnupönen, Grünheide Försterei, Kattenuppen, Kaukwethen, Kaukweth-Kludszen, Kellmienen, Klein Brettschneidern, Klein Dummen, Krauleiden, Kühlen, Lapienen Försterei, Papuschienen, Pauperischken, Puskeppeln, Sandlauken, Schillkojen, Seikwethen, Skardupönen, Skroblienen und Smaledumen des Kreises Niederung und des Landkreises Tilsit zum neuen Kreis Tilsit-Ragnit mit dem Sitz der Verwaltung in Tilsit. Dementsprechend wurde am 15./16. August 1922 das Landratsamt des nunmehr auch formell vereinigten Großkreises von Ragnit nach Tilsit verlegt.
Am 27. März 1924 wurden die Grenzen des Stadtkreises Tilsit dadurch abgerundet, dass die Gutsbezirke Laukändter Wüstenei und Schnecken, Forst aus dem Kreis Tilsit-Ragnit eingegliedert wurden.
Zum 30. September 1929 fand im Kreisgebiet entsprechend der Entwicklung im übrigen Preußen eine Gebietsreform statt, bei der nahezu alle bisher selbstständigen Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden. Zum gleichen Zeitpunkt wechselte der Gutsbezirk Sziedlauken vom Kreis Tilsit-Ragnit zum Landkreis Insterburg.
Gemeinden
Kirchliche Zugehörigkeit
Diözese Tilsit (Stand 1912):
KS Coadjuthen Gr. 1568 (siehe dort)
KS Nattkischken Gr. 1892 (siehe dort)
KS Neu Argeningken Gr. 1902 (siehe dort)
KS Piktupönen Gr. 1574 (siehe dort)
KS Plaschken Gr. 1695 (siehe dort)
KS Pokraken Gr. 1891 (siehe dort)
KS Rucken Gr. 1870 (siehe dort)
KS Willkischken Gr. 1561 (siehe dort)
KS Laugszargen Gr. 1864 (siehe dort)
KSTilsit
Tilsit Stadtkirche
- Stadt I Gr. KvR
- Stadt II Gr. 1557
- Stadt III Gr. 1895
- Stadt IV Gr. 1901
- Stadt V Gr. 1912
Tilsit Landkirche (litauische Gemeinde)
- Land I Gr. ca. 1510
- Land II Gr. 1878 (?)
Militär seit 1714
Reformiert Gr. 1679
Katholisch Gr. 1661
Katholisch Militär ab 1886
Mennoniten Gr. 1713 (Pokraken)
Alt-Lutheraner ab 1848
Litauer (siehe Land)
siehe auch Ostpreußen/Genealogische_Quellen
Evangelische Kirchen
- Die ev.luth. Deutsche Kirche (Lutherkirche, Alte Kirche, Stadtkirche, Deutschordenskirche)
- Eine deutsche evangelische Kirche ist in den Archivalien schon um 1538 erwähnt. Wahrscheinlich stammte der wohl in Holz ausgeführte Bau noch aus vorreformatorischer Zeit. Wegen Baufälligkeit wurde er 1598 abgebrochen; 1610 wurde der Neubau durch den Königsberger Theologieprofessor Andreas Pouchenius eingeweiht.
- Diese Kirche war ein dreischiffiges chorloses orientiertes Rechteck, zunächst mit westlichem Turm, der 1699 abgerissen und 1702 durch einen massiven Turm mit dreifachem barockem Kuppelhelm, der auf acht Eichenkugeln ruhte, ersetzt wurde. Die südliche Vorhalle mit geschwungenem Giebel wurde 1700 angefügt. Der Innenraum gliederte sich in das mit einem flachen Korbbogengewölbe abschließende Mittelschiff und in die beiden flachgedeckten Seitenschiffe mit den Emporen an der Nord- und Südwand.
- Die Litauische Kirche (Christuskirche, Landkirche)
- Bevor die Litthauer (spätestens 1553) eine eigene Kirche bekamen, sprechen die archivalischen Quellen von einem "Predigtstuhl", unter dem man sich einen kanzelartigen überdachten Aufbau vorzustellen hat. Die neue, neben der deutschen errichtete litauische Kirche war ein Fachwerkbau ohne Turm und Glocken. Sie wurde während des Neubaues der deutschen Kirche auch durch die Deutschen benutzt.
- Nach mehreren Reparaturen im 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die Litauische Kirche wegen Baufälligkeit abgerissen und 1757 durch einen Neubau nach dem Entwurf des Landbaumeisters Karl Ludwig Bergius ersetzt. Diese Kirche auf ovalem Grundriß war von einem turmartigen Dachreiter gekrönt. Innen trugen toskanische Säulen das hölzerne Tonnengewölbe. Die Seitenschiffe waren flach gedeckt. [2]
Kirchen:
- Stadtkirche, Deutsche Str. 0
- Landkirche, Hohe Str. 7
- Reformierte, Kirche Hohe Str. 8
- Römisch-Katholische Kirche, Fabrikstr. 33 (Turmspitze abgetragen; heutige
- Nutzung als Brauerei)
- Evangelische-Lutherische Kirche, Bleichstr. 11
Kirchenbücher
siehe: Ostpreußen/Genealogische Quellen/Kirchbuchbestände Kreis Tilsit
- Links; Eine Tilsiter Glocke auf dem Kirchhof der Katholischen Kirche in Jurburg (JurbarkasGeorgenburg)
- Rechts: Ausschnitt aus der Inschrift: "SERVA VERBUM TUUM ET FRANGE VIRES HOSTIUM COMMUNI SUMPTU REI PUB<LICAE> TILSENSIS FUSA ANNO 1674"
= Schütze Dein Wort und zertrümmere die Kräfte der Feinde. Mit öffentlichen Mitteln der Stadt Tilsit gegossen im Jahre 1674
Tilsiter Kirchen, die nicht mehr existieren
- die Lutherkirche (oder Deutsche Kirche oder Deutschordenskirche oder Stadtkirche) am Schlossplatz, erbaut 1598 – 1612, Turm von 1702. Nach dem 2. Weltkrieg arbeitete in der nicht zerstörten Kirche ein Sägewerk. Von 1956 bis zum Anfang der 1960er Jahre soll sie Sammelstelle für Altstoffe gewesen sein. Danach verfiel sie recht schnell. Als herabfallende Trümmerteile 2 Passanten erschlugen, sah man sich veranlasst, die Kirche 1965 abzureißen, nachdem sie abgebrannt war. Auf dem Platz der Deutschordenskirche steht ein Neubau. Der Aufsatz des Hauptaltars aus dem Jahr 1611 wurde gerettet und befindet sich heute - restauriert - in der Johanneskirche in Bartenstein (Bartoszyce/Polen), ebenso zwei Beichtstühle von 1638 und Teile der Taufschale
- die Christuskirche (oder Litauische Kirche oder Landkirche) von 1757 am Schenkendorfplatz. Sie überstand den 2. Weltkrieg ohne Schaden, wurde aber 1949/50 von Kindern in Brand gesetzt, brannte aus und wurde 1951/52 abgerissen.
- die Friedhofskapelle im Kapellenweg samt nebenstehender Leichenhalle von ca. 1800 und dem dazugehörigen Friedhof
- die katholische Kirche von 1847 - 1851 in der Wasserstraße mit Turm von 1888, diente nach dem Krieg als Altstoffsammelstelle. Das Kirchenschiff wurde in den 1960er/1970er Jahren abgerissen, um Baumaterial zu gewinnen, der Turm 1983 gesprengt. 1992 übergab man das Grundstück der Katholischen Kirche, die auf den alten Fundamenten einen Kirchenneubau errichteten.
- die Synagoge von 1841 wurde bereits 1938 zerstört. [3]
Geschichte
Von der Gründung der Stadt Tilsit bis 1807
Die Geschichte von Tilsit beginnt mit den prußischen Schalauern. Im Gebiet Tilsit-Ragnit befanden sich die vier Burgen dieses Stammes, von denen der Deutsche Orden, die am Zusammenfluss von Memel und Tilse liegende Burg Splitter 1365 eroberte. In den Jahren von 1406 bis 1409 errichtete der Orden aufgrund der litauischen Bedrohung dann die Burg Tilsit. Bald darauf setzte eine Besiedelung im Einzugsbereich der Burg ein, aus der sich bis zum Ende des 15. Jahrhunderts ein wirtschaftliches Zentrum der Region entwickelte. Im Jahre 1552 verlieh Herzog Albrecht von Brandenburg-Ansbach Tilsit das Stadtrecht.
Obwohl Tilsit während des Siebenjährigen Krieges von 1758 bis 1762 von russischen Truppen besetzt war, blieb es unbeschädigt, ebenso, als französische Truppen auf ihrem Russlandfeldzug 1807 durch die Stadt zogen. In Tilsit rezitierte in dieser Zeit die preußische Königin Luise das berühmte Goethe-Gedicht
"Wer nie sein Brot mit Tränen aß,...".
Am 7. und 9. Juli 1807 wurde hier der Tilsiter Friede zwischen Frankreich, Russland und Preußen geschlossen.
Mit der Konvention von Tauroggen 1812 begann die Erhebung gegen Napoleon.
Im 19. und 20. Jahrhundert war Tilsit Sitz zahlreicher litauischer Verbände, denn im Umland sprachen damals rund 50 % der Einwohner litauisch. Dennoch sprachen sich 1921 nur 42 von über 1000 in der Stadt lebenden Litauern für deren Anschluss an Litauen aus. [4]
Neuere Geschichte
Bis 1914 konnte sich die Stadt unbehelligt von weiteren kriegerischen Auseinandersetzungen wirtschaftlich weiter entwickeln. Tilsit wurde zu einem bedeutenden Standort der Holzindustrie, nachdem schon im Mittelalter die Holzflößerei auf der Memel die Stadt geprägt hatte. 1832 wurde die Straße nach Königsberg gebaut, 1853 die Straße nach Memel. 1865 wurde Tilsit an das Eisenbahnnetz angeschlossen, 1875 wurde die Eisenbahn nach Memel verlängert.
Die Stadt Tilsit wurde weltweit bekannt für ihre Käseproduktion (Tilsiter). Im Ersten Weltkrieg war Tilsit 1914 für zwei Monate von russischen Truppen besetzt, die der Stadt aber keinen weiteren Schaden zufügten. Nach dem Krieg wirkte sich die Okkupation des Memellandes durch Litauen negativ auf die Tilsiter Wirtschaft aus, da die Stadt einen wichtigen Teil ihres Hinterlandes verloren hatte.
Bis 1945 war Tilsit seit 1895 ein selbstständiger Stadtkreis im Regierungsbezirk Gumbinnen, Ostpreußen im Deutschen Reich. Die Verwaltung des Landkreises Tilsit, später Tilsit-Ragnit, befand sich ebenfalls in Tilsit. Bereits am 22. und 23. Juni 1941, sowie im Juni 1942 wurde Tilsit durch sowjetische Fernflieger attackiert. Den ersten schweren sowjetischen Bombenangriff während des Zweiten Weltkriegs musste die Stadt am 21. April 1943 über sich ergehen lassen, dem bis zum Juli 1944 weitere Großangriffe folgten. Ab August erfolgte die Evakuierung von Frauen mit Kindern aus Tilsit. Im Oktober 1944 war die Front bis an die Memel vorgerückt. Tilsit wurde zur Frontstadt erklärt, die restliche Zivilbevölkerung weitgehend evakuiert. Die seit dem Jahr 1900 von dem Unternehmen E-Werk und Straßenbahn Tilsit AG betriebene Straßenbahn stellte ihren Betrieb ein. Nach einem schweren Artilleriebombardement, das die Stadt bis zu 80 % zerstörte, wurde Tilsit am 20. Januar 1945 von sowjetischen Truppen eingenommen. [4]
Tilsits Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg
Auf Grund des Potsdamer Abkommens kam die Stadt zusammen mit den nördlichen Teilen Ostpreußens vorbehaltlich eines Friedensvertrags zur Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik der Sowjetunion. Seit 1946 trägt die nunmehr russische Stadt den Namen Sowetsk (übersetzt etwa Rätestadt von Sowjet = Rat).
Das nördliche Ostpreußen mit Sowetsk wurde als Oblast Kaliningrad aus militärischen Gründen hermetisch abgeriegelt. Die bisherige deutsche Wohnbevölkerung wurde, sofern nicht gegen Kriegsende geflohen, bis 1947 vertrieben. Es wurden hauptsächlich Russen aus Zentralrussland und aus dem Gebiet des heutigen Föderationskreises Wolga sowie Weißrussen angesiedelt.
Nach dem Zusammenbruch der UdSSR wurde die Oblast Kaliningrad zu einer russischen Exklave zwischen Polen und Litauen und Sowetsk zur Grenzstadt an der durch die Memel gebildeten russisch-litauischen Grenze. Gleichzeitig wurde die Absperrung der Oblast Kaliningrad aufgehoben und damit auch Sowetsk für ausländische Besucher erreichbar. [4]
Zahlen der Geschichte
- 1365 wird die Ordensburg Splitter neben einer prußischen Siedlung gebaut.
- 1406-1409 Bau einer Burg, in deren Schutz sich der Marktflecken entwickelt.
- Tilsit wurde 1552 Stadt.
- 1679 Bau einer Befestigung nach dem Schwedeneinfall. die Stadt wird nach drei Seiten durch die Memel und den Mühlenteich (Tilse) geschützt.
- In Tilsit werden vorwiegend landwirtschaftliche Produkte verarbeitet.
- Die Lutherkirche zählt zu den frühesten protestantischen Kirchenbauten Ostpreußens.
- Durch den Frieden zu Tilsit am 07. und 09.Juli 1807, zwischen Napoleon I., Rußland und Preußen abgeschlossen, verlor letzteres die Hälfte seines Gebietes. Napoleon, Königin Luise und Zar Alexander halten sich in der Stadt auf.
- 1812.30. Dez.. Der preußische General Yorck von Wartenburg, dem Napoleon Truppenteile übertragen hatte, schließt mit dem russischen General Diebitsch in der Mühle von Poscherun, unweit Tauroggen, eine Konvention ab, auf Grund deren das preußische Korps, das ihm unterstand, für neutral erklärt wurde und zwischen Memel und Tilsit unbehelligt Quartier nahm.
- 1914.12. Sept.. Tilsit wird von den deutschen Truppen zurückerobert.
- 1918.30. Nov.. Akt von Tilsit, eine Petition, die von zwei Dutzend preußisch-litauischen Intellektuellen unterzeichnet wurde. Hierin wurde die Abtrennung Preußisch-Litauens an das neugegründete Litauen gefordert.
- 1945.20. Jan.. Die Sowjets erorbern Mlawa, Soldau, Plonsk, und Tilsit, Kreuzingen, Aulenbach, Schillen u. Kuckerneese in Ostpreußen
Persönlichkeiten
Beschreibung der Stadt Tilsit
Markttage in Tilsit
Von Lena Grigoleit aus Bittehnen
Unsere Welt ging bis Tilsit, dahinter war für uns ein fremdes Land. An den Markttagen, mittwochs und sonnabends, stiegen wir um acht Uhr mit unseren Körben auf den Dampfer. Eine halbe Stunde nur, und man war dort.
Auf dem Schenkendorfplatz drängte sich alles nach der schattigen Seite. Morgens war die Butter noch kühl, schön in Rhabarberblätter eingewickelt, je Blatt ein halbes Kilogramm. Vorne lag auf Pergamentpapier das Schmeckstückchen. Ich schrie immer mit aller Kraft: “Madamchen, steinharte Butter, Butter wie Stein!”
Die Städter - geschniegelt und gebügelt, wie meine Mutter zu sagen pflegte - ließen sich nur schwer beeindrucken. Sie zogen in aller Ruhe ihre Teelöffelchen aus den Taschen und kosteten. “Pfui”, riefen sie, wenn ihnen die Butter nicht behagte, und spien sie aus. Wenn sie sahen, du hattest noch viel im Angebot und es war bald Mittag, handelten sie: “Laß noch ein bißchen runter. Die Butter schmilzt schon und wird gleich schlecht werden.”
Die Deutschen waren reich, und wir brauchten die Reichsmark. Mit unseren Lit und Cent konnten wir in der Stadt nichts kaufen. In Litauen konntest du deine Ware auch nicht loswerden, zuviel war von allem. Damals sagte man: “Es ist billiger, die Wagenräder mit Butter zu schmieren, als Wagenschmiere zu kaufen.” Nur mit den Schweinen war es etwas besser, die übernahm der Engländer. In dem Land essen sie Speck zum Frühstück, das war günstig für uns.
Wenn der Marktkorb leer war, gingen wir spazieren. Alles spielte sich auf der Hohen Straße ab. Mama hatte ihre Geschäfte, wo sie wußte, daß es was Gutes gab. Wäsche, Schuhe, Kurzwaren, auch Fahrräder, Kartoffelstampfer oder Töpfe, das war in Litauen schwer zu haben. “Schau nicht rechts, schau nicht links, kaufe bei Raudies und Bugerings”, stand dort. Deutsche Straße Nummer 73 war die Anschrift, das weiß ich noch. Auch das Schuhgeschäft Tack hatte so eine lustige Reklame: “Die Welt wird schöner mit jedem Tack.”
Ich kaufte immer gern diese Schnecken, solche dünnen leichten Kuchen mit Puderzucker beschmiert. Und in der Drogerie, schräg gegenüber, das Journal “Magazin der Hausfrau”. Das war ein interessantes Blatt, nicht groß, nicht dick, aber allerhand drin. Eines Tages, an einem Sonnabend, habe ich mir beim Frisör die Haare abschneiden und ondulieren lassen.
Da hat mein Vater mich geschlagen deswegen.
Auf dem Rückweg mußtest du aufpassen, daß dich der litauische Zoll nicht erwischte.
Alle haben geschmuggelt natürlich, wie das so ist an der Grenze. Besonders im Winter, wenn die Memel zugefroren war. Da konntest du mit Kanonen über den Strom fahren, so stark war das Eis. Dann zogen ganze Karawanen durch Nacht und Nebel. Unsere Kühe und Schweine waren drüben willkommen. Sie waren billig, genau wie unser Schnaps. Und wir bekamen, wenn wir Glück hatten, den Kaffee von dort unverzollt. Auch Zentrifugen wurden verschoben über den Strom und viele andere landwirtschaftliche Geräte. In Bittehnen konnten wir oft die Schüsse hören und das Fluchen, wenn die Zöllner jemanden zu fassen kriegten.
Jeden Herbst war an der Tilsiter Luisenbrücke Jahrmarkt. Ich weiß noch, wie ich in diesem Korb saß. Ein Rad mit Körben dran, und wenn du dreimal rumgefahren warst. mußtest du aussteigen. Von oben besehen, war die Memel nicht mehr so breit. Die Stadt schaukelte, seltsam, wie betrunken. In die “Fahrt zum Mond” bin ich nie eingestiegen, die war mir zu schnell. Lieber aß ich Zuckerstangen oder diese verzuckerten Mandeln.
Später, schon im Krieg, habe ich diesen Film gesehen, “Die Reise nach Tilsit”, nach dem Buch von Hermann Sudermann. Da war unser Markt schon nicht mehr, nur im Film konnte man ihn noch besehen. Ich mußte weinen. Das tat mir so leid, wie die beiden, Ansas und Indre, Karusell fuhren, und er denkt an nichts anderes, als wie er sie umbringen kann. Sie war so schön mit ihrem neuen Tuch. Alle haben ihr nachgeschaut, obwohl sie eine Bäuerin war. Nachher haben sie von dem süßen Likör getrunken, und die Stadt hat ihnen so gut gefallen, dass er abließ vom Morden und sie wieder liebte. Nur hat es nichts genützt. Auf dem Rückweg ist er ertrunken im Sturm.
Tilsit hat mich immer angezogen. Noch heute fahre ich ab und zu hin. Aber wohnen, wohnen wollte ich dort nie, in den engen Häusern. Dort mußt du einen Büstenhalter tragen und dich ganz anders kleiden. In der Stadt kenne ich keinen. Überhaupt kennt dort niemand irgendeinen. Wenn ich in der Paradiesstraße am Kochtopf stehe oder abwasche, dann schau ich auf den Wald, und ich weiß, der und der ist da vor dem Fenster gegangen. [5]
Die Reise nach Tilsit
Auszug aus Sudermanns Novelle
Dann biegen sie in die Deutsche Straße ein, die breit ist wie ein Strom und an ihren Rändern lauter Schlösser stehen hat. In den Schlössern kann man sich kaufen, was man will, und alles ist viel schöner und prächtiger als in Memel.
Sie fahren in einer Droschke nach Jakobsruh, jenem Lustort, der bekanntlich so schön ist wie nichts auf der Welt. Bäume so hoch und schattengebend wie diese hat Indre noch nie gesehen, auch nicht in Heydekrug und nicht in Memel. Am Haff, wo es nur kurze Weiden gibt und dünne Erlen, könnte man sich von einer solchen Blätterkirche erst recht keinen Begriff machen.
Wie sie auf dem Weg zur inneren Stadt an dem “Anger” vorbeikommen, jenem großen häuserbestandenen Sandplatz, auf dem die Vieh- und Pferdemärkte abgehalten werden, da hören sie aus dem Gebüsch, das den einrahmenden Spazierweg umgibt, ein lustiges Leierkastengedudel und sehen den Glanz von Purpur und von Flittern durch die Zweige schimmern...
Also ‘rauf auf die Pferde! ...Und sie reiten und fahren und reiten wieder, und dann fahren sie noch einmal und noch einmal, weil sie zum Reiten schon lange zu schwindelig sind. Die ganze Welt ist längst eine große Drehscheibe geworden und der Himmel jagt rückwärts als ein feuriger Kreisel um sie herum. Aber sie fahren noch immer und singen dazu:
Ich liebe dich heute wie einst!
Die Sonne wär’ nichts wie ein finsteres Loch,
Heutige Situation
Aus dem Reiseführer “Nord-Ostpreußen” von Helmut Peitsch, Rautenberg 1994
Allgemeines
Nach schweren Schäden durch Bombenangriffe im April 1943 sowie im Juli und August 1944 wurde Tilsit am 22. Oktober 1944 geräumt. Etwa 50 Prozent der Bauten waren zerstört. Das Sowjetsk von heute erinnert daher in weiten Teilen an die gewachsene Stadt von einst, ist aber in manchen Bereichen spürbar verändert und wirkt trotz einiger rühmenswerten Lichtblicke wie die übrigen nordostpreußischen Städte vernachlässigt bis verfallen.
Fletcherplatz
Erkennbar ist die neue Zeit deutlich beim Eintreffen im einstigen Zentrum. Der Fletcherplatz bildet mit Teilen des Schloß- und Ludendorffplatzes eine einzige große Fläche. Fremdartig auch die Umgebung. Nur das Portal der Königin-Luisen-Brücke erinnert an die beeindruckende Bogenbrücke, die nach der Sprengung durch deutsche Truppen als moderne, schlichte Fahrstraße erneuert wurde. Hier ist zugleich die Grenze der Kaliningradskaja Oblast zur Republik Litauen.
Zum Süden hin beherrschen zwölfgeschossige Neubauten das Bild.. Der einstige Blickfang, die Deutschordenskirche ist ausgelöscht. Das prächtige Gotteshaus, erbaut 1598/1612, mit der wertvollen Innenausstattung hatte den Krieg ohne allzu große Schäden überstanden. Zwanzig Jahre diente das Kirchenschiff als Sägewerk. In den siebziger Jahren wurde es abgerissen, obwohl ein Wiederaufbau möglich gewesen wäre. Allein der Altar wurde auf wundersame Weise gerettet und steht, liebevoll restauriert, in der Bartensteiner Pfarrkirche.
Kirchen
In der Stadtsilhouette von Tilsit / Sowjetsk fehlen die Kirchtürme. Von den einst zahlreichen Kirchen in Tilsit sind die meisten dem Krieg und dem nachfolgenden Atheismus zum Opfer gefallen.
Von der Reformierten Kirche am Anger (1898/1900) ist nur ein Turmstumpf übriggeblieben. Die katholische Kirche (1847/51) am Schloßmühlenteich und die litauische Kirche (1757) am Schenkendorfplatz wurden im Krieg beschädigt. Die Reste wurden später beseitigt. Die Sprengung des mächtigen Turms der katholischen Kirche war ein bedrückendes Spektakel. Die Kreuzkirche in der Clausiusstraße (1911) wird als Gewerbebetrieb genutzt und sieht verunstaltet aus. Das Baptisten-Gemeindehaus mit der noch lesbaren Inschrift “Baptisten Gemeinde” in der Rosenstraße wurde zur Entbindungs-Station. Inzwischen ist das Haus arg verfallen. Die jüdische Synagoge (1841) wurde 1938 niedergebrannt.
Die orthodoxe Kirche ist provisorisch in einer Friedhofskapelle in der Flottwellstraße untergebracht,
Hohe Straße und Hohes Tor
Unverändert gehen die Straßen der Tilsiter Innenstadt vom Fletcherplatz fächerartig ab. Die wichtigsten waren und sind die Deutsche Straße (nördlich) und die Hohe Straße. Der Verkehr wird über die “Deutsche” geleitet, während die “Hohe” Fußgängerzone ist. Fremdartig wirkt die Deutsche Straße, wo viele Altbauten verschwunden sind, so auch das Napoleonhaus.
Die Hohe Straße ist immer noch Hauptstraße und Flaniermeile der Stadt. Unbekanntes und Vertrautes wechseln in abrupter Weise. Kaum wiederzuerkennen ist der Schenkendorfplatz. Statt Denkmal des Dichters, Rathaus und stilvoller Bauten gibt es seit 1990 eine Grünanlage. Ein zweistöckiger Flachbau (Kino) steht auf dem Grundstück der ehemaligen Bürgerhalle. Dann die Gebäude vom Hauptzollamt, Vorschußverein und Konditorei Kreuzberger. Zwischen Wasserstraße und Langgasse einförmige Neubauten. An der Ecke zur Langgasse steht das Kaufhaus “Sadko”. Im Haus des Luisentheaters wurde eine Bar mit dem deutschen Namen “Altstadt” eröffnet. Dann leuchtet alter Glanz auf, schöne, auch gepflegte Häuser im Jugendstil.
Ein Lenin-Denkmal erinnert am Ende daran, daß das Hohe Tor nun Leninplatz heißt und die Hohe Straße Uliza Pobjedy, “Straße des Sieges”. Der Begründer der Sowjetunion steht auf dem Sockel des Schenkendorf-Denkmals. Dahinter das Hotel “Rossija”, ein Neubau, in den das frühere Reichsbankgebäude einbezogen wurde.
Gegenüber die wohl schönsten und am besten erhaltenen Altstadtbauten: Amtsgericht (Kulturpalast der Zellstoffwerke) und Landgericht (Stadtverwaltung). Auch die Gebäude von Kreissparkasse und Bank der Ostpreußischen Landschaft fallen angenehm auf. Ein wahrhaft erbaulicher Anblick immer noch die Franksche Villa, das frühere Pfarrhaus der Kreuzkirche an der Ecke Linden-Clausiusstraße (Heim für elternlose Kinder).
Anger, Kasernen und Jakobsruh
Ein Lichtblick ist auch der Anger, nördlich vom Hohen Tor. Eine gepflegte Grünfläche mit Rosenbeeten, die sich bis zum Theater erstreckt. An der Stelle des Tilsiter Elchs wurde ein T-34 Panzer aufgebaut. Eine Gedenktafel mit “ewiger Flamme” erinnert an die 600 Soldaten der 115. sowjetischen Schützdivision, die bei der Eroberung der Stadt gefallen und hier begraben sind. Im Gebäude des 1893 eröffneten Grenzlandtheaters, das heute Tilsit-Theater heißt, ist das Dramentheater Sowjetsk zu Hause.
Die Artillerie-Kaserne wie auch die Infanteriekaserne haben die Zeiten gut überstanden. Auch der Bahnhof ist wiederzuerkennen. Viel besucht wird immer noch der Park Jakobsruh (Gorodskoi Park), dessen Zustand allerdings zu wünschen läßt. Das Denkmal der Königin Luise gibt es nicht mehr. Das südlich davon gelegene Hindenburg-Stadion wird weiter für den Sport genutzt. Neue Wohnblocks haben das Bild der Umgebung verändert. Versumpft und verschilft ist der Tilzele-Sportplatz, Vereinsplatz des VfB Tilsit. Auch der Botanische Garten existiert nicht mehr.
Schloßmühlenteich, Luisenbrücke und die Schulen
Eine schöne Stätte der Erholung ist weiter der Schloßmühlenteich, über den eine neue Betonbrücke führt und der nun “Stadtsee” genannt wird. Der rote Backsteinbau des Landratsamts ist verschwunden. Vom nördlichen Ende des Mühlenteichs sind es nur ein paar Schritte zum Fletcherplatz. Von der Luisenbrücke geht der Blick auf neue Hochhausklötze und die alte Zellstoffabrik (großer Umweltverschmutzer), den Hafenspeicher (teilweise umgestaltet), die Eisenbahnbrücke, die anheimelnde Niederungslandschaft auf der anderen Seite, Kräne am Ufer und das Tragfächenbott im Wasser und das Tragflächenboot im Wasser. Die weiße Flotte der Ausflugsdampfer, die Boydacks, die vielen anderen Schiffe, Ruder- und Paddelboote gibt es nicht mehr.
Auch die meisten Schulbauten haben den Krieg überdauert und dienen weiterhin Unterrichtszwecken, so die Oberschule für Jungen in der Roonstraße (Militärlazarett), staatliches Gymnasium (Schule Nr. 1, Realschule und Polytechnikum), Königin Luise-Lyzeum (Fachschule für metallverarbeitende Berufe), Neustädtische Schule (Internat), Johanna-Wolff-Schule (Schule), Neißsche Schule, Gehörlosenschule (Grundschule).
Besinnung auf die Vergangenheit
“Stadt ohnegleichen” wurde Tilsit genannt. Dieses Attribut kommt ihr nicht mehr zu. Hermann Sudermann, der Dichter aus dem nahen Heydekrug, setzte ihr mit seiner “Reise nach Tilsit” ein literarisches Denkmal. Es ist schwer, diese Spuren wiederzufinden.
Rund 40.000 Einwohner zählt die heutige Stadt Sowjetsk, die - wie alle Orte in diesem Raum - im Zeichen des Umbruchs eine neue Zukunft suchen. Auch Sowjetsk besinnt sich dabei zunehmend auf die Vergangenheit, die ohnehin viel Verbindendes mit dem Land hat, aus dem die neuen Einwohner stammen. Museum und Archive über die Historie Tilsits werden eröffnet.
Als sichtbarstes Zeichen auf die Besinnung der gemeinsamen Vergangenheit wurde im Sommer 1992 auf dem Fletcherplatz ein Gedenkstein aufgestellt, dessen Tafeln in drei Sprachen, deutsch, russisch und französisch, an den Frieden von Tilsit 1807 erinnern. Ebenso wurde auf dem Waldfriedhof mit deutscher Beteiligung eine Gedenkstätte errichtet, die an die Toten der Stadt, Deutsche und Russen gemahnt.
Dem “großen Sohn” Tilsits ist eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus, früher Packhofstraße 7/8, gewidmet mit der Inschrift: “In diesem Haus wurde der deutsche Dichter Max von Schenkendorf geboren (1783 - 1817)”. Eine Erinnerungstafel trägt seit Frühjahr 1993 auch das Haus des früheren Humanistischen Gymnasiums in der einstigen Oberst-Hoffmann-Straße. Sie macht darauf aufmerksam, daß dieses Gebäude 1900 errichtet wurde und die Schule bis dahin in der Deutschen Straße 1 war und ihre Tradition bis 1586 zurückreicht. [6]
Der Elch kehrt heim
Von Hans Dzieran
Am 24. August 2006 geschah das kaum Faßbare, im Gefolge eines Blaulichtfahrzeugs rollte 12 Uhr mittags eine Zugmaschine um die Ecke, auf dem Anhänger der sorgfältig vertäute Elch in voller Größe. Die Kunstschmiedewerkstatt in der Königsberger Petschatnaja, der früheren Schreberstraße, hatte ihm im Verlauf von zwei Monaten sein einstiges Aussehen wiedergegeben. Beide Schaufeln waren dran und gaben ihm sein würdevolles Aussehen zurück.
Beamte der Stadtverwaltung, Pressevertreter und viele Schaulustige verfolgten den weiteren Gang der Dinge. Die bereitstehende Kranbesatzung schlang breite Lederriemen um Hals und Bauch der schweren Bronzeskulptur und hievte ihn hoch. Unterdessen rührten Maurer eine frische Betonmischung an, in die von den Anwesenden Münzen als Glücksbringer hineingeworfen wurden, und dann wurde der Elch vorsichtig auf seinem Podest befestigt. Eine Kinderschar begrüßte das Ereignis mit bunten Luftballons und lauten Hurra-Rufen. Das regionale Fernsehen sendete in den Abendnachrichten eine Bildreportage.
Die offizielle Einweihung fand wenige Tage später im Rahmen des diesjährigen Stadtfestes statt. Mehr als tausend Zuschauer hatten sich im Stadtzentrum versammelt, um der Zeremonie beizuwohnen. Noch war der Elch mit einem weißen Tuch verhüllt. Eine Kapelle spielte flotte Weisen, und junge Mädchen einer Tanzgruppe entboten einen Willkommensgruß.
Und dann war es soweit. Gegen 15 Uhr betraten die Offiziellen über die Freitreppe das Rondell, die Stadtpräsidentin, Vertreter der Gebietsverwaltung und Oberbürgermeister Swetlow. Er war es auch, der die Einweihung eröffnete und die Statue feierlich enthüllte. Unter dem Jubel der Menschen präsentierte sich der Elch in voller Pracht und Schönheit. Dann ergriff Stadtpräsidentin Tatjana Sedych das Wort. Mit der Rückkehr des Wahrzeichens von Tilsit sei ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. Sie bezeichnete das Ereignis als denkwürdigen Tag für die Bürger dieser Stadt.
Der langanhaltende Beifall und die Jubelrufe waren der Beweis, daß die Bürger Ihren neuen Weggefährten angenommen hatten und ihm ihre Sympathie bekundeten. Das zeigte sich auch unmittelbar nach Abschluß der Einweihung, als viele zu dem Elch drängten, um sich mit ihm fotografieren zu lassen.
Ein Fernsehteam der ARD war bei der Einweihung zugegen, und auch eine Reisegruppe aus Sachsen war unter den Zuschauern, unter ihnen mehrere alte Tilsiter. Mit Freude und Genugtuung begrüßten sie ihren alten Bekannten, auch wenn er nun nicht mehr zum Memelstrom, sondern in die Gegenrichtung schaut und seinen stummen Blick auf den neuen Nachbarn, eine Figur namens Lenin, richtet. Doch Elche sind friedfertig. Lenin hat nichts zu befürchten. Der Elch wird ihn nicht auf seine Schaufeln nehmen. Der Elch wiederum muß keine Angst vor Lenin haben. Der hat sein Pulver längst verschossen.
Ein Wunder ist wahr geworden. Der Tilsiter Elch steht, paßt auf seine Stadt auf und - wie es so schön im Ostpreußenlied heißt - lauscht in alle Ewigkeit. [7]
Tilsiter Käse
Man kann nicht über Tilsit berichten, ohne an einen weltbekannten Namen zu erinnern. Hier ganz in der Nähe ist der Geburtsort des Tilsiter Käses. Auf der anderen Seite der Memel, kaum zwei Kilometer entfernt, liegt Milchbude (Plauschwarren / Jovarynè). Dort übernahm eine Frau Westphal 1845 eine Käserei und begann mit der Herstellung einer neuen Sorte, die einen Siegeslauf um den Erdball machen sollte.
Die zunehmende Viehwirtschaft in den Niederungsgebieten suchte im vorigen Jahrhundert nach immer mehr Absatzmöglichkeiten. Man holte Fachleute aus der Schweiz. Diese “Schweizer” waren bald in ganz Ostpreußen ein Begriff für Melker. Auf dem Gut Birgen (Birjohlen), Kreis Tilsit-Ragnit, soll ein Schweizer namens Nessloff sich daran versucht haben. Frau Westphal übernahm die Idee und entwickelte sie weiter. 1840 richtete sie in Tilsit, Deutsche Straße 38, eine große Molkerei ein. Schließlich ging sie nach Milchbude und begann dort das Werk ihres Lebens.
Der Tilsiter Käse ist bis heute berühmt und beliebt. Er hat manche Nachahmer gefunden. Auch in Sowjetsk wird seit geraumer Zeit darüber nachgedacht, wie man die Tradition des Tilsiter Käses fortsetzen kann. [8]
Bildergalerie
Blick vom Engelsberg auf Tilsit, rechtes Memelufer (Übermemel) |
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Genealogische Quellen
Adressbücher
Verschiedenes
Fotoalben von Tilsit
Alte Ansichten
Karten
Anekdote
Zufallsfunde
Oft werden in Kirchenbüchern oder anderen Archivalien eines Ortes Personen gefunden, die nicht aus diesem Ort stammen. Diese Funde nennt man Zufallsfunde. Solche Funde sind für andere Familienforscher häufig die einzige Möglichkeit, über tote Punkte in der Forschung hinweg zu kommen. Auf der folgenden Seite können Sie Zufallsfunde zu diesem Ort eintragen oder finden.
Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis
| GOV-Kennung | SOWTSKKO05WB | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Zugehörigkeit | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Übergeordnete Objekte |
Tilsit ( Stadtkreis ) Quelle Ort 36.1 Sowetskij Stadtsowjet, Советский городской совет WEBER ( Stadtrat ) Quelle |
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| Untergeordnete Objekte |
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Quellen
- ↑ Quelle: Meyer Großes Konversation-Lexikon 1906, Bd.19., S.555.
- ↑ Quelle: Text übernommen von der Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit
- ↑ Quelle: übernommen von ostpreussen.net
- ↑ 4,0 4,1 4,2 Quelle: Wikipedia
- ↑ Quelle: Ulla Lachauer, Paradiesstraße, Rowohlt, Reinbek 1996, Seite 26-28, ISBN 3 498 038788
- ↑ Helmut Peitsch, Reiseführer Nord-Ostpreußen, Seite 350-357, Rautenberg, Leer 1993, ISBN 3-7921-0509-8
- ↑ Autor: © 2006 Hans Dzieran
- ↑ Helmut Peitsch, Reiseführer Nord-Ostpreußen, Seite 357/358, Rautenberg, Leer 1993, ISBN 3-7921-0509-8

