Perwalkischken

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Hierarchie Regional > Litauen > Perwalkischken
Regional > Historisches Territorium > Deutschland 1871-1918 > Königreich Preußen > Ostpreußen > Kreis Niederung > Perwalkischken

Gut Perwallkischken um 1939/40



Einleitung

Perwalkischken, bis 1920 Kreis Niederung, 1920-1939 Kreis Pogegen, 1939-1945 Kreis Tilsit-Ragnit, Ostpreußen


Name

Andere Namen und Schreibweisen

Namensdeutung

Der Name ist ein Hinweis auf Gewässer bzw. auf einen Ort mit einer Fähre.

  • prußisch „perwalke“ = Ort mit einer Übergangsstelle, Überfahrt
  • preußisch-litauisch „pervalkas“ = Stelle zwischen zwei Gewässern, wo Kähne und Boote über Land hinüber zum anderen Gewässer geschleppt werden
  • litauisch "per-vilkti" = hinüberziehen

Allgemeine Information

  • Lt. Ortsregister Lange[8]:


Politische Einteilung

1.5.1939: Perwalkischken kommt zur Gemeinde Lasdehnen (Kr.Tilsit) . [9]

1.10.1939: Lasdehnen (Kr.Tilsit) kommt zum Kreis Tilsit-Ragnit. [10]


Kirchliche Zugehörigkeit

Evangelische Kirche

Perwalkischken gehörte 1785 [11] zum Kirchspiel Kaukehmen, 1846 [12] und 1912 [13] zum Kirchspiel Plaschken.

Friedhof

Lage

Lage des Friedhofs in Perwalkischken im Messtischblatt


Fotos


Der Gutsfriedhof ist überwuchert, es sind nur noch Reste der alten Mauer erkennbar. Diese Fotos wurden im Juni 2021 von Kęstutis Zdanevičius gemacht und freundlicherweise von ihm zur Verfügung gestellt.


Bewohner

Familie von Berta Skwirba aus Perwallkischken


Geschichte

1781 besitzt der Deichmeister Braun ein Gütchen von 3 Hufen und 7 Morgen, genannt Perwallkischken, das er von einem Greger oder Gregor erkauft hatte; der älteste Plan von diesem Areal ist aus dem Jahre 1784 vom Oberbauinspektor Dittrich gefertigt und zeigt deutlich, wie der Rußstrom die kleine Insel, worauf Perwallkischken liegt, einschließt und ist auch der Überfall im linken Rußarm, durch den das Wasser zum Umlauf in den rechten schiffbaren Arm und zum Abfluß in den Gilgestrom aufgestaut wird, noch deutlich angegeben.

Die Erdspitze bei Perwallkischken, die aus Lehm und Latten bestand, ward 1774 durchstochen. Dazu bedurfte es eines Kostenaufwandes von 27888 Taler. (1656 Schock Faschinen) Anm.: = 99365 Reisigbündel [1]. Die Kosten zum Zuschlagen der alten Gilge betrugen 2609 Taler. Der ganze Kanal ist im September 1779 vollendet, wobei 300 Teichgräber beschäftigt wurden. Im Garten des Gutes war Jahrhunderte lang ein Fortifikationswerk angelegt, um von da aus die Schiffahrt beherrschen zu können; es führte den Namen Loysenschanze und ist im Kriege mit den Schweden von General Horn zerstört. Nach einem im geheimen Archiv befindlichen Plan de dato 27. Mai 1647 ist Dorf Perwallkischken auf einer vom Rußstrom umgebenen Halbinsel gelegen und 1686 sagt der Oberdeichhauptmann Steutner, hier läge Gefahr vor, daß sich die Gilge an der Loysenschanze durchbrechen und mit dem Rußstrom vereinen könne.

Am 3. September 1809 erwarb der Schwiegersohn des Oberdeichinspektors Braun, namens Weiß, das Gut Perwallkischken und vererbte es nach seinem am 4. April 1831 erfolgten Tode seinem Sohn Albert Weiß; 1864 ging es auf dessen Sohn über und befindet sich noch jetzt im Besitz dieser Familie.[14]

Literatur

  • Gabriele Bastemeyer, Das Gut Perwallkischken, in: Memel Jahrbuch 2004, S.13-17)
  • Gabriele Bastemeyer, Das Gut Perwallkischken, in: Memel Jahrbuch 2009, S.9-16)

QS icon i freesans blue.svg Die Artikel von Gabriele Bastemeyer zu Gut Perwallkischken finden sich auf einer eigenen Seite: Literatur Gut Perwallkischken

Verschiedenes

Memeler Dampfboot

  • 1933 Nr. 19 (Memelgau): 19. Januar - Ein Ausreißer erwischt

Der Fürsorgezögling Szobries, 16 Jahre alt, war am 13.Oktober vorigen Jahres aus der Erziehungsanstalt Gropischken entwichen und seitdem verschollen. Bis zum 9.Januar hatte er sich bei einem Besitzer in Großlitauen als Kutscher aufgehalten, dann aber die Stelle verlassen, weil ihm die Arbeit zu schwer war und er plötzlich "Heimweh" bekommen hatte. Er begab sich zunächst nach Pleine, wo seine Eltern früher gewohnt hatten, inzwischen aber nach Perwalkischken verzogen waren. Hier, im Hause seiner Eltern, konnte er gefaßt werden, nachdem er eine Nacht zu Hause gewesen war. Nun hat Sz. wieder unfreiwilligen Aufenthalt in Gropischken nehmen müssen.

  • 1933 Nr. 99 (Memelgau): 26. April - Das kann ein teurer Schuß werden!

Der Melker Wiegratz vom hiesigen Gut hatte sich zu dem Besitzer W. nach Lasdehnen mit seinem Fahrrad begeben, um sich von diesem Grammophonnadeln zu borgen. Bei dem Besitzer W. wohnt ein Grenzpolizist, der mit dem Melker in einen Wortwechsel geriet, in dem die beiden Streitenden sich als „dammlich“ bezeichneten. Der Streit entstand dadurch, daß der Melker einen Hund auf eine Katze hetze, was sich der Grenzpolizist verbat, weil dadurch Lärm im Hause verursacht wurde. Ein Wort gab das andere und schließlich drohte der Grenzer, daß er sich mit W. noch „unter vier Augen“ sprechen werde. Als letzterer nach eine Weile sein Rad bestieg, um nach Hause zu fahren, lief ihm sein Gegner bis hinter das Gehöft nach und gab einen Schuß auf ihn ab, der W. in den rechten Fuß traf und verwundete. Es ist gegen den Schützen Anzeige erstattet worden und der abgegebene Schuß dürfte ihm wohl recht teuer zu stehen kommen.

Ostpreußenblatt

  • Juli 1955 (Folge 27, Teil 2) - Zum 85. Geburtstag

Am 4. Juli 1955, dem Kgl.-Pr. Rittmeister a. D. Arthur Weiß, aus Perwallkischken bei Tilsit, jetzt in Aschaffenburg, von-Medicus-Straße 17. Der Jubilar übernahm nach seiner aktiven Militärdienstzeit und nach dem Ersten Weltkrieg 1918 das seit 1805 im Familienbesitz befindliche Gut Perwallkischken, das zu den ältesten Pferdezuchtstätten des Memelgebietes gehörte. Seine Rappenzucht war berühmt und stellte der deutschen Armee alljährlich eine Anzahl vortrefflicher Remonten. Das Gut hatte das Recht, einen eigenen Brand zu führen; Perwallkischker Pferde trugen den Delphin auf dem rechten Schenkel.

Karten

Perwalkischken auf der Schroetterkarte Blatt 12, (1796-1802), Maßstab 1:50 000
© Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Schroetter Karte 1802, Maßstab 1: 160 000


Perwallkischken im Preußischen Urmesstischblatt Nr. 64, 1861
© Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz


Perwalkischken im Messtischblatt 0896 Rucken (1914-37) mit den Gemeindegrenzen von 1938
© Bundesamt für Kartographie und Geodäsie


Daten aus dem genealogischen Ortsverzeichnis

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Quellen

  1. HOPPE, Ferdinand. Ortsnamen des Regierungsbezirkes Gumbinnen, 1877
  2. Dietrich Lange: Geographisches Ortsregister Ostpreußen einschließlich des Memelgebietes, des Soldauer Gebietes und des Reg.-Bez. Westpreußen (1919-1939)
  3. HOPPE, Ferdinand. Ortsnamen des Regierungsbezirkes Gumbinnen, 1877
  4. Messtischblatt 0896 Rucken (1914-37)
  5. http://www.memelland-adm.de/archiv13_00.html (Memelland) Verwaltungsbezirke - Amtsblätter der Verwaltungsbezirke Gumbinnen und Königsberg (mit Ortslisten (deu & lit) der LKr. Pogegen - Heydekrug – Memel) Peter Bork (Aufarbeitung)
  6. Amtsblatt des Memelgebietes vom 01.09.1923
  7. Amtsblatt des Memelgebietes vom 29.12.1923
  8. Dietrich Lange: Geographisches Ortsregister Ostpreußen einschließlich des Memelgebietes, des Soldauer Gebietes und des Reg.-Bez. Westpreußen (1919-1939)
  9. Amtsblatt Gumbinnen 1939: Neugliederung der Gemeinden und Gutsbezirke im ehemaligen Memelland ab 1. Mai 1939, S. 64ff,
    http://www.memelland-adm.de/Archiv/13 Verwaltungsbezirke/index.htm
  10. Amtsblatt des Regierungspräsidenten in Gumbinnen, 2.9.1939
  11. Vollständige Topographie des Königreichs Preußen, Erster Teil: Topographie von Ostpreußen, herausgegeben von Johann Friedrich Goldbeck – Erzpriester zu Schaken, Königsberg und Leipzig (1785)
  12. Karte des TILSITER KREISES von F. A. v. Witzleben, Berlin 1846, Verlag v. C. Heymann
  13. Die evangelischen Kirchengemeinden in Ostpreußen und Westpreußen in Pfarr-Almanachen von 1912 und 1913, Sonderschriften des Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen e.V. Nr. 59.
  14. Kopp, Jenny: Beiträge zur Chronik des ostpreussischen Grundbesitzes, 1913