Schlesisches Namenbuch/122

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Schlesisches Namenbuch
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  • Namenerläuterungen und -nachweise werden mit einfachem Doppelpunkt (:) eingerückt.
  • Abkürzungen gemäß S. 13 (Benutzte Adreßbücher) werden aufgelöst und die Häufigkeitsangabe wird in eckigen Klammern wiedergegeben, also Lg33 = Liegnitz [33]
  • Außer Orts- und Familiennamen bleiben alle übrigen Abkürzungen unaufgelöst und werden, wenn nötig, gemäß ER zur Verhinderung des Zeilenumbruchs mit geschütztem Leerzeichen (&#160;) erfasst (also z. B. statt z.B.).
  • Vor 'Belege' wurde immer ein Halbgeviertstrich '–' (ALT+0150) gesetzt. (Entfiel im Original, wenn 'Belege' am Satzanfang stand.)


Beer (Liegnitz [24] Görlitz [12] Hirschberg [13] Brieg [10] Öls [6] Beuthen [3] Glatz [1] Grünberg [0]!).

Die Häufigkeit dieses Namens in Schlesien und seine Schreibung mit ee müssen ihren besonderen Grund haben. Gewiß mag vereinzelt der Tiername als Übername (vgl. Albrecht der Bär) darin stecken, zumal schon seit dem 14. Jahrh. Belege begegnen wie Nickel Ber 1368 (1380) Liegnitz; Walther ber 1353 ff. Ratsherr in Breslau = Weltir ber 1370 ebd.; Kuncze ber 1381 Sorau; Nickel Schutterich alias Ber 1450/51 Görlitz. In der Mehrzahl aber dürften die Beer mundartl. geformte Bayern sein (alt Beier geschr.), was schon Tschersich richtig vermutet und was vor allem durch die früheren Formen der Ortsnamen Beerberg/Lauban (alt Beyer(s)berg 1387), Beerdorf (Bärdorf/Münsterberg), 1377 Bcyersdorff, u. a. erhärtet wird. Vgl. auch Peter Hachelberg vom Beyerbergk (1554 Görlitz), d. i. Beerberg/Marklissa. Auch die Verbreitungsgebiete decken sich etwa mit den Entrundungsgebieten (ei = ê) der Mundart. Vgl. Unwerth § 35. Vgl. auch Familienname Mehwald = Mei(n)wald; Caspar Scheide = C. Schede 16. Jahrh., Liegnitz; Vgl. Zeidler = Zedler (Görlitz); Feest (= Feist) (Görlitz). Die Belege Andres Beher von Lemberg (= Löwenberg) 1551 Görlitz u. Frantz Beher vom Buntzlaw 1564 Görlitz zeigen die Schreibung ehe des 16. Jahrh. für Dehnungs-ê, wie auch Balczer Mehewaldt 1604 Liegnitz (= Meiwald).


Behr siehe Beer!


Biedermann (Liegnitz [11] Schweidnitz [9] Glatz [3] Sagan [3] Ratibor), vereinzelt auch Bieder.

Mhd. biderman „Ehrenmann“. - Belege: Hensil Beder 1351 Breslau; Frenczil Bedirman 1427 Görlitz.


Bischof(f) (Görlitz [26] Liegnitz [22] u. ö., Glatz [0]!).

Ein dem Bischof zinspflichtiger Bauer oder Höriger, überhaupt ein in des Bischofs Diensten Stehender. Vgl. hierüber Alfred Götze, Spuren alter Hörigkeit. In Oberschlesien auch slawisiert: Biskup(ek), Beuthen [16]. - Belege: Hanke Bischoff 1377 Liegnitz; Heincze Bottener gen. Bisschof 1427/28 Görlitz.


Bleul (Görlitz [9] Bunzlau [7] Breslau), seltener Bleil, Bleyl (Görlitz [3] Bunzlau Glatz [2] Oppeln [3]).

Mhd. bliuwel „hölzerner Schlägel“, von bliuwen „bläuen, schlagen“. - Belege: Petir bleuwil (blewel) 1387 (1397) Liegnitz.


Blümel (Liegnitz [26] Görlitz [19] Hirschberg [16] Grünberg [7] Sagan [6] Glatz [2] Oppeln [6]), Bliemel(t).

Im allg. wohl ländlicher Name. Blümli und Blumenhut sind jedenfalls als Bauernnamen bezeugt (vgl. Socin, A., Mittelhochdt. Namenbuch. Basel (1903)## 410). Vgl. auch Hawisblümel in Breslau (14. Jahrh.). - Belege: Heynrich blümil 1356 Sagan (##Codex dipl. Silesiae, Breslau 1857 ff., Band 4); Til Blümil 1391 Glatz.


Blum(en)tritt (Görlitz [3]), Rosentreter (Grünberg [3] Görlitz Liegnitz).

Auch außerhalb Schlesiens ziemlich verbreitet; vielleicht in der Bedeutung „auf Rosen gebettet, auf Rosen wandelnd“; vgl. Luthers „Ein Christenherz auf Rosen geht...“, u. die Übernamen Waehentrit (1388 Iglau) „mit geziertem Gang“, Hoentrid (1474 Freiberg) „mit stolzem Gang“. Doch könnte auch berufliche Anspielung vorliegen: Blumenzüchter oder Ziergärtner, zumal in Breslau 1396 ein Heinrich mit der rozen! vgl. Schollentreter, Meltreter, Leittreter, Weintritt. Blumentrit ist auch Name einer Viehtrift. Erinnert sei auch an die Bedeutung von mhd. treten = tanzen, treter = Tänzer, trit = Tanz(lied) - Belege: Hannus Blumentret 1368 Liegnitz; Niclas Bl-tryt 1417 Glatz; Bl. auch: Breslau; Nycholas Tilonis de Blumentrit de Heysberg 1346; Heincze Rosintrith 1305 Neumarkt, 1387 Brieg; Petir Rosentret 1372 Liegnitz; Bartel Rosentryt 1489 Görlitz.


Braun (Görlitz [11] Liegnitz [11] Hirschberg [13] Grünberg [4] Neustadt [2] Beuthen [1]!), Brauner (Glatz [13] Neustadt [11] Ratibor [11] Liegnitz [9] Görlitz [5] Beuthen [2]), Braunert (Liegnitz [8] Görlitz [2]).

Der Braune inbezug auf Augen-, Haut- oder Haarfarbe, also der Brünnette. Die recht häufige starke Flexionsform Brauner kann freilich auch eine zweite Quelle

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