Australische Auswanderung der Altlutheraner aus Preußen

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Inhaltsverzeichnis

Der Anfang

Der preußische Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg (1608 - 1619) war 1613 von der evangelisch-lutherischen zur reformierten Konfession übergetreten. Das war das „Ergebnis der Einwirkung eines Personenkreises auf den Kurfürsten“.[1] Seine Nachfolger (ausgenommen Friedrich der Große) versuchten einen Zusammenschluss beider evangelischer Konfessionen zu erreichen.

König Friedrich Wilhelm III. (1779 - 1840) hatte im Jahre 1830 eine neue Agende (Gottesdienstordnung)[2] allen Geistlichen und Kirchengemeinden der preußischen evangelischen Landeskirche aufgrund seines liturgischen Rechtes zur Pflicht erklärt[3].

Die Agende war ursprünglich für die Hof- und Domkirche in Berlin bestimmt, wurde dann aber in der ganzen preußischen Landeskirche eingeführt. Von 1817 bis 1830 erfolgten die Maßnahmen zur Umsetzung, neu ordinierte Geistliche mussten den Unionsrevers[4] unterzeichnen[5]

Altlutheraner

7750 Gemeinden in Preußen und darin 745 lutherische Pastoren in Schlesien führten die neue Agende ein. Einige Pastoren widersetzen sich.[6] Die geistige Führung dieser Bewegung waren die Breslauer Universitätsprofessoren Johann Gottfried Scheibel[7], Eduard Huschke[8] und Henrich Steffens[9] .

Aus der Bewegung bildete sich eine Freikirche die „evangelisch-lutherische Kirche in Preußen“ auch „Altlutheraner in Preußen“ genannt. Sie wurde erst 1840 von Friedrich Wilhelm IV. anerkannt[10]. Scheibel und Huschke hatten beim König in Berlin um eine Audienz gebeten, die ihnen abgeschlagen wurde. Sie hatten sich für die Anerkennung einer nicht uniierten lutherischen Kirche eingesetzt. Die Lutheraner der altlutherischen Gemeinden wurden als Aufrührer und Separatisten bezeichnet[11]. Vorausgegangen war 1834 ein Befehl an die Pastoren Berger, Biehler und Kellner, die neue Agende zu gebrauchen. Sie weigerten sich und wurden suspendiert. Der altlutherische Pfarrer E. G. Keller aus dem schlesischen Dorf Hönigern[12] wurde verhaftet. Seine Gemeinde stand zu ihm und weigerte sich, die Schlüssel zur Kirche auszuliefern und bewachte die Kirche drei Monate lang. Das wurde dem König gegenüber als Aufruhr geschildert. Mit Anwendung von Militärgewalt wurde die Kirche aufgesprengt: 400 Mann Infanterie, 50 Kürassiere und 50 Husaren jagten am Morgen des 24. Dezember 1834 die vor den Kirchtüren stehenden singenden, keinen Widerstand leistenden Leute mit Säbelhieben auseinander.[13] Durch diese Militäraktion traten mehrere Geistliche nun erst der lutherischen Bewegung bei, unter ihnen Pastor Kavel in Klemzig. Diese Geistlichen wurden ihres Amtes „entsetzt“, was sie nicht anerkannten und weiter jene Gemeindeglieder, die auch die neue Agende ablehnten, unterstützten. Etliche wurden verhaftet.

Beschluss zur Auswanderung

In manchen Gemeinden wurde die Bedrückung so groß, dass man dort beschloss auszuwandern. In Klemzig wurde Ende 1835 ein Beschluss zur Auswanderung in den Kaukasus gefasst, der aufgrund der ausgebrochenen polnischen Revolution aufgegeben wurde.[14] Grund für diesen Beschluss war, dass sie aufgefordert worden waren, sich der uniierten Kirche anzuschließen. Falls sie jedoch eine eigene Kirche gründen wollten, sei ihnen erlaubt nach Russland zu gehen. Von dort lagen Versprechungen des Kaisers von Russland vor, so dass sich viele für Russland entschlossen hatten.[15] Iwan nennt zwei genehmigte aber nicht ausgeführte Auswanderungen im Jahre 1835 in die Gegend um Astrachan.[16]

Im Jahre 1836 wurde Kavel, ehe er wie andere Geistliche gefangen gesetzt würde, nach Hamburg geschickt (wo es auch eine rege lutherische Gemeinde gab), um eine Auswanderungsmöglichkeit nach Amerika oder anderswo ausfindig zu machen. Er war von 6.2. bis 23.3.1836 in Hamburg und hörte dort von George Five Angas und dessen religiöser Einstellung [17], dessen Einfluss und Vermögen.[18] Angas war Direktor der „South Australian Company“, die von der britischen Regierung Ländereien in Südaustralien erworben hatte, die sie mit Siedlern urbar machen wollte - angelehnt an das Wakefieldsche Kolonisierungssystem.[19] Bis zur Genehmigung der Auswanderung für die Klemziger vergingen zwei Jahre. In der Zeit wirkte Kavel in London als Pastor für dort vorübergehend ansässige Deutsche.[20] Dort lernte er eine Engländerin kennen die er 28. April 1840 in Klemzig heiratete.[21][22].

George Fife Angas 1855
August Ludwig Christian Kavel 1840

Vorbereitung

[Nacherzählt nach Iwan]

Die Gruppe um Kavel hatte nicht mit Schwierigkeiten gerechnet und daher ihr Hab und Gut verkauft und bereits Oderkähne für die Fahrt nach Hamburg gemietet. Angas hatte bereits das Schiff „Sarah“ nach Hamburg geschickt. Die Preußische Regierung verweigerte den Auswanderungswilligen die Pässe verbunden u.a. mit der Forderung eines Attestes über die Aufnahmebereitschaft des Ziellandes. Kavel übersandte im Juli 1836 dieses Attest der englischen Regierung in einer Immediateingabe an den preußischen König – unterzeichnet vom preußischen Gesandten in London. Agas schickte darauf seinen Sekretär Flaxman ausgestattet mit Vollmachten englischer Behörden und den preußischen Gesandten nach Hamburg, Berlin, Züllichau und Frankfurt/Oder – ohne Ergebnis. Die Oderkähne waren vergeblich gemietet worden. Ein Jahr verging. Die Gemeinde Klemzig richtete ein Gesuch an den König, woraufhin Konsistorialrat Dr. Strauß im April 1837 auch nach Klemzig kam, um die Gemeinde umzustimmen. Später gab Kavel die Erklärung ab, dass er mit seiner Gemeinde nach Südaustralien gehen würde. Ende Januar 1838 konnte Kavel mitteilen dass 165 Personen aus vier verschiedenen Kreisen bereit wären nach Australien zu gehen, vorausgesetzt dass die South Australian Company bescheinigen würde, die Leute in Südaustralien aufzunehmen und zu beschäftigen, die Reisegelder vorzustrecken usw. Der Company war aber zwischenzeitlich das Geld ausgegangen und sie ging auf die Bedingungen der preußischen Regierung nicht ein. Schließlich nahm Angas die Sache selbst in die Hand und streckte Geld vor und forderte eine Liste der Auswanderungswilligen aus Kavels Gemeinde an und bat um Entsendung von Deputierten. Diese kamen nach London zu Angas und am 19.4.1838 schlossen sie einen Vertrag, der der preußischen Regierung übersendet wurde. Das Schiff für 200 Auswanderer, die Prince George, sollte am 1.7.1838 Hamburg verlassen. Der Bericht der Deputierten sorge für Freude – es wurden zum zweiten Mal Oderkähne gemietet und am 8.6.1838 begann die Einschiffung in Tschicherzig a. O.

Abreise nach Hamburg

Die Route führte auf der Oder nach Frankfurt, von dort durch den Friedrich-Wilhelm Kanal, über die Havel nach Berlin durch Charlottenburg und Spandau. Am nächsten Tag kamen sie nach Potsdam.

Bischof Eylert schreibt darüber: “…hörte ich, daß von den preußischen Auswanderern bei der königlichen Tafel die Rede gewesen sei. Der König habe gesagt: Mag nicht gern davon hören, ist mir unangenehm. Unerhört in einem Land, in welchem Religions- und Gewissenfreiheit herrscht. Aber die Freiheit ist nicht Zügellosigkeit, welche alle Ordnung aufhebt und allen Gehorsam verweigert. Die betörten Leute nennen sich Lutheraner. Was würde Luther sagen, wenn er noch lebte. Tut mir leid. Möge es ihnen wohl ergehen.“[23]

Sie fuhren weiter auf der Havel über Rathenow und Havelberg nach Wittenberge, wo die Zollbehörde war. Am 27.6. erreichten sie Hamburg.

Presserummel

Am Freitag den 6. Juli 1838 erschien in Nr. 159 der Zeitung „Privilegirte wöchentliche gemeinnützige Nachrichten von und für Hamburg“ ein Artikel des Hamburger Senators Hieronymus Hudtwalcker, der unter seinem Pseudonym „Crescens“ schrieb.[24] Am 18. Juli 1838 erschien der Bericht auch in der „Allgemeinen Zeitung“ Augsburg, was viel Aufsehen erregte:

Als ich an einem dieser schönen Abende über den Stadtdeich ging, vernahm ich aus dem Oberhafen, eben ausserhalb des Baums, einen wohlklingenden geistlichen Gesang von vielen Männer- und Frauenstimmen. Da schon seit vielen Jahren aus unsern Häfen solche Töne nicht mehr erklingen, ward ich neugierig und liess mich hinrudern. Ich fand vier grosse Oderkähne, die von Männern, Frauen und Kindern wimmelten.

Ich erfuhr Folgendes. Diese Leute, an 400 Köpfe stark, wären aus Klemzig bei Züllichau und aus einigen umliegenden Dörfern, sie wären Lutheraner, und wollten ihres Glaubens wegen nach Süd-Australien, einer neuen englischen Colonie, auswandern. Wie, dachte ich, Lutheraner, die aus Preussen, aus dem protestantischen, aufgeklärten Preussen ihres Glaubens wegen auswandern müssen? Das muss einen besonderen Zusammenhang haben. Gewiss sind es Mucker, von denen man so viel hört, oder sonstige Mystiker und Fanatiker.

Ich besah daher ihre Schiffe und liess mich mit ihnen ins Gespräch ein. Die grösste Reinlichkeit und Ordnung herrschte auf den Fahrzeugen, obgleich sie fast überfüllt waren, und dem entsprach die Freundlichkeit und Heiterkeit der Gesichter. Von einigen Männern, die mir als Vorsteher bezeichnet wurden, erfuhr ich Folgendes: Sie hätten sich anfangs, weil sie die Sache nicht verstanden, bereden lassen, der Union mit den Reformirten beizutreten, nachher aber sich überzeugt, dass deren Lehre vom Abendmahl der Schrift nicht gemäss sey. Deshalb habe es sie gereut und ihr Prediger habe nun auch die neue Agende nicht annehmen wollen. Er sei endlich abgesetzt worden, und befinde sich schon seit zwei Jahren in London, wo er einstweilen im Hafen auf deutschen Schiffen Gottesdienst halte, aber er werde nun mit ihnen nach Süd-Australien gehen und dort wieder ihr Seelsorger werden. Die 73-jährige Mutter desselben sei bei ihnen und wandere mit aus. Sie hätten nun freilich, weil sie einen unirten Prediger nicht anerkennen könnten, angefangen, ihre Kinder selbst zu taufen und das Abendmahl mit einander zu feiern, aber sie wären in keinem Stücke von der Lehre der lutherischen Kirche abgewichen. Da seyen denn die Behörden eingeschritten, und hätten ihnen das bei Strafe verboten, und als sie nicht gehorcht, die angedroheten Strafen auch vollzogen. Eine Frau erzählte, sie habe viermal deshalb im Gefängnis gesessen. Endlich hätten sie die Erlaubnis erhalten, auszuwandern, und nun voriges Jahr Alles zu Geld gemacht, und schon Fahrzeuge gemiethet, um hierher zu kommen. Da sei die Erlaubnis wieder zurückgenommen worden. So hätten sie viel Ungemach ausgestanden, aber sie hofften nun am Ziele zu seyn.

Verloren in Betrachtungen über die seltsamen Contraste unserer Zeit, wie dasselbe Land, das auswandernde Protestanten aus Tyrol aufnimmt, seine doch auch protestantischen Söhne ausstösst, und ob wohl der wahrhaft fromme und gottesfürchtige König von Preussen den eigentlichen Zusammenhang dieser Sache kenne, forschte ich nach, wie sich denn die Leute auf ihren Schiffen betrügen, da sie schon einige Wochen hier liegen. Musterhaft, hörte ich von allen Seiten. Keinen Streit, keine Flüche hört man auf diesen Kähnen. Morgens und Abends halten sie ihre Andacht, mit Gesang und Verlesung eines Gebetes. Es sammeln sich immer Boote um sie herum, mit Leuten, die ihnen zuhören. Anfangs wollte dieser oder jener seinen Spott darüber haben, doch hat das keinen Bestand gehabt; die Neugierde hat der Theilnahme und dem Wohlwollen Platz gemacht. Ich fuhr an‘s Land, den armen Klemzigern von Herzen glückliche Reise und eine neue Heimath wünschend, wo sie Gott nach ihrer Weise ungestört verehren können!

Abfahrt aus Hamburg

Am 8.7.1838 wurde die „Price George“ von einem Dampfboot elbabwärts geschleppt. Die „Bengalee“, das folgte einen Tag später. Unterwegs nach Plymouth in England starben zwei alte Leute und ein Kind. Am 23.7.1838 wurde eine Stunde von Plymouth geankert und Pastor Kavel kam an Bord, wo er seine 73jährigen Eltern und seine Geschwister traf. Auch Angas kam an Bord und sprach Worte des Abschieds. Am 20. November erreichten sie ihren Ankerplatz vor Adelaide. Während der Reise hatten sie 14 Tote gehabt. Die preußischen Verwaltung schrieb einige Tage vorher - am 14. November 1838 - unter dem Titel „Die Separatisten-Auswanderungen in Preußen“ in der „Preußischen Staatszeitung“ eine Erwiderung auf den Artikel von Hudwalker, der in Allgemeinen Zeitung, Augsburg, Nr. 325, vom 21.11.1838, S. 2464 nachgedruckt wurde.[25]

Die Geschichte der Auswanderung der brandenburgischen Lutheraner aus der Gegend um Klemzig wird im Roman „Aufbruch im Namen Gottes“[26] von Wolfgang Wegner und Evamaria Steinke abenteuerlich geschildert.

Schiffslisten 1837 - 1841

Einige Schiffe mit deutschen Einwanderern die aus religiösen Gründen nach Südaustralien kamen.[27]

  • 1838
    • Bark „Bengalee“, von Hamburg nach Port Adelaide (Kangaroo Island) 19.11.1838
    • Bark „Prince George“, von Hamburg nach Port Adelaide 20-21.11.1838
  • 1839
    • Schiff „Zebra“ aus Altona (Dänemark) nach Port Adelaide 2.1.1839
    • Bark „Catharina“ aus Hamburg nach Port Adelaide 22.1.1839
  • 1841
    • Bark „Skjold“ aus Altona (Dänemark) nach Port Adelaide 27.10.1841

Die Reise der Zebra

„Am 28. Juli 1838 kamen die Auswanderer an Bord, einhundertneunundneunzig Seelen an der Zahl. Sie mussten ihres Glaubens wegen von Preußen auswandern und waren wirklich sehr religiös. Abends und morgens wurde eine Predigt gehalten, gebetet und gesungen. Ihr Gesang klang wunderschön über den Hafen. Wer sie hörte, gab ihnen das Zeugnis, eine seltene Gabe im Singen zu haben. Dieses lockte uns jeden Abend so viele Menschen an Bord, vornehmen und geringeren Standes, dass gar oft die Rüsten voll hingen und kaum Platz mehr auf Deck war. Wer nur halbwegs mit mir bekannt war, bat mich, an Bord kommen zu dürfen, so dass wir zu mehreren Malen abends mit achtundzwanzig Personen in der Kajüte waren. Während wir noch im Hafen lagen, starben schon zwei Kinder, die auf dem Altonaer Kirchhof für Arme begraben wurden.“[28]

„Nun werde ich den Zustand der Passagiere schildern, deren Lage sich mitleidsvoll darstellt. Mit sechsundzwanzig Kranken verließen wir die Elbe. Dann machte die Seekrankheit auch den Rest, bis auf zwei bejahrte Männer, bettlägerig. Die Mehrzahl erholte sich sehr langsam, denn die bejahrten Leute, die in ihrem ganzen Leben nichts als ihre ländlichen Speisen, meist aus Milch und Kartoffeln bestehend, gewohnt waren, konnten sich durchaus nicht an die Schiffskost gewöhnen. Die heiße Zone machte den Menschen merklich zu schaffen. Besonders im Schiffsinneren, bei dem Gedränge so vieler Menschen, war die Hitze furchtbar. Sie stieg soweit, dass man mir eine Stange Siegellack zeigte, die in Papier eingewickelt in einer Kiste gelegen hatte, und die in einem Klumpen zusammengeschmolzen war. Kränklichkeit herrschte überall. Sie schien mit jedem Tag zuzunehmen. Todesfälle ereigneten sich auch häufiger, so dass bis dahin, am 24. September, die achte Leiche über Bord gesetzt werden musste.“[29]

Ankunft in Australien

„…Am 27. Dezember mittags erblickten wir unter dem Freudengeschrei der Passagiere die „Känguru Insel“. Am Abend erreichten wir die Investigator Strait. Den folgenden Tag segelten wir den Golf von St. Vincent hinauf. Mittags erblickten wir ein paar Schiffe vor Anker liegen. Mit dem Trost, dass wir doch nicht die einzigen waren, die an jenem Gestade landeten, setzten wir unseren Kurs auf diese zu und ankerten in ihrer Nachbarschaft. Das war am 28. Dezember nachmittags zwei Uhr, nach hundertneunundzwanzig Tagen Reise, in der Holdfast Bay.“[30]

„In Port Adelaide hatten die deutschen Auswanderer, die früher mit der «Prince George» angekommen waren, einige Baracken aufgeschlagen, sich aber später auf sieben Jahre eine Sektion Land gemietet, dem Herrn Angas gehörend, zu fünf Pfund Sterling Miete per Acker. Diese zogen jetzt dorthin ab und die Unserigen konnten in deren Baracken“…. „Unsere armseligen Leute lagen wie verlorene Schafe in ihren Hütten herum. Mit der englischen Sprache unbekannt, wussten sie nicht, was sie tun oder lassen sollten, und waren folglich dem Spiel des Schicksals unterworfen.“[31]

Hahndorf

Hahn gelang es für seine Passagiere einen Vertrag über einen Landkauf in der Nähe von Adelaide zu erreichen. Hahn zu Ehren wurde die neue Siedlung Hahndorf genannt. 1939 wurde ein Gedenkstein errichtet.[32]

Lutherische Kirchen und Kirchenspaltungen

Im Jahre 1846 zerstritten sich die Anhänger der Pastoren Fritzsche und Kavel über Fragen des Millenarismus - den Glauben an die Wiederkunft Jesu Christi und das Aufrichten seines tausend Jahre währenden Reichs. Diese Spaltung führte zur Bildung der Evangelical Lutheran Church of Australia (ELSA) und der United Evangelical Lutheran Church in Australia.

Friedrich „Gerstäcker prägte als einer der populärsten Schriftsteller seiner Zeit das Australienbild in der deutschen Öffentlichkeit.“[33] „Auf seiner zweiten großen Weltreise setzte er sich das zum Ziel, alle wichtigen deutschen Ansiedlungen in Übersee zu besuchen und darüber zu berichten... Er veröffentlichte Briefe, Reiseberichte, Auswandererführer ... Artikel in Zeitungen etwa der Augsburger Allgemeinen Zeitung oder der Gartenlaube.“[34]

In seinem Roman „Reisen IV.“ überliefert Gerstäcker die folgende – nicht ganz ernstzunehmende – Anekdote über die deutschen Auswanderer, die er im Barossa-Tal besuchte:

„Die wichtigste, wenigstens die bedeutendste Gemeinde unter diesen ist die A. Kavelsche oder altlutherische, die jedoch in der letzten Zeit einen ziemlich bedeutenden Stoß in ihrer Einigkeit durch einige simple Rechenfehler erhalten hat. Früher gehörten die Gemeinden Tanunda, Hahndorf, Langmeil und Lightspaß, lauter deutsche Ortschaften, zu einander und zu einer Kirche. Da hatte, ich weiß selbst nicht einmal, ob im Frühjahr diesen (1851), oder im Herbst vorigen Jahres, Pastor Kavel den unglückseligen Gedanken, den Untergang der Welt auf Tag und Stunde vorher prophezeien zu wollen, und er war dabei leichtsinnig genug, die Zeit nicht etwa einige tausend Jahre hinaus zu schieben, sondern den Leuten dicht auf die Haut zu rücken. Das Resultat war dasselbe, was der berühmte Prediger Miller[35] in den Yankeestaaten hatte — der liebe Gott that den Leuten eben nicht den Gefallen, die Welt zu der bestimmten Stunde aus den Angeln zu heben, und Alles ging seinen bestimmten Gang fort, nur die Kavel'sche Kirche nicht. Zu der prophezeiten Stunde soll damals die ganze Gemeinde hinausgezogen sein nach einem kleinen Creek, etwa zwei Meilen von Tanunda, und eine halbe Meile von Langmeil, dort den Messias zu erwarten. Statt dessen kam ein starkes Gewitter, das sie tüchtig auswusch, und Abends schliefen sie wieder, statt im Paradiese, in ihren Betten.“[36]

Beuke schreibt: „In neueren Forschungen wird das religiöse Motiv der Auswanderung der Altlutheraner relativiert.“[37] Begründet wird dieses mit der Trennung der Altlutheraner.

Im Laufe der Jahre gab es immer mehr Spaltungen in der Kirche. 1917 gab es sechs verschiedene Synoden (Gruppierungen) in der Lutherischen Kirche Australiens:

  • Evangelisch-Lutherische Synode in Australien,
  • Evangelisch-Lutherische Immanuel-Synode in Australien,
  • Evangelisch-Lutherische Generalsynode von Australien,
  • Deutsche und Skandinavische Lutherische Synode von Queensland,
  • Australischer Distrikt der Ohio-Synode,
  • Evangelisch-Lutherische Kirche von Australasien.[38]

Vereinigung der Kirche

„1921 kam es zur ersten bleibenden Union zwischen den beiden stärker konfessionell orientierten Gruppen, die sich nun den Namen Vereinigte Evangelisch-lutherische Kirche in Australien (VELKA) gaben. Ihnen gegenüber stand die Evangelisch-lutherische Synode von Südaustralien (ELSA). 1966 kam es schließlich zur Union zwischen der VELKA und der ELSA. Seitdem gibt es erstmals in der Geschichte des Luthertums in Australien ein vereintes Luthertum unter dem Namen Lutheran Church of Australia (LCA). Ausgenommen von dieser Union sind drei lutherische Gemeinden (eine in Melbourne, eine in Springvale, eine in Sydney), die mit dem Kirchlichen Außenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland vertraglich verbunden sind. Seit 1972 besteht zwischen diesen drei sogenannten „Außenamtsgemeinden" und der Lutheran Church of Australia Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft.[39]

„Im Endeffekt hatten die vorgeblich religiös motivierten Emigranten nur einen geringen Anteil an der deutschen Australienauswanderung, doch prägten sie durch ihre homogenen und dauerhaften Siedlungsstrukturen, ihrem Festhalten am Deutschen als lithurgischer Sprache und durch ihren Einfluß auf Kirchen und Schulwesen das Bild der Deutschen in Australien des 19 Jahrhunderts entscheidend mit.“[40]

Forty-Eighters

Am Ende des Jahrzehnts kam eine weitere Gruppe deutscher Auswanderer nach Adelaide, deren Schicksal in Deutschland öffentliche Beachtung fand. Es handelte sich um die Passagiere der „Princess Luise“, eine Reihe von akademisch Gebildeten, die aus Enttäuschung über die gescheiterte Revolution Deutschland verließen und daher als „Forty-eighters“ bezeichnet werden.[41]



  1. Artikel Johann Sigismund (Brandenburg). In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
  2. Artikel Agende. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
  3. Kabinettsordre vom 4. und 30. April 1830
  4. Artikel Unionsrevers. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
  5. Realenzyklopädie für protestantische Theologie und Kirche (RealEnz.), 3. Aufl., 12. Bd., online siehe http://de.wikisource.org/wiki/Realenzyklopädie_für_protestantische_Theologie_und_Kirche, S. 2 ff..
  6. Iwan, W.: Um des Glaubens Willen nach Australien. Eine Episode deutscher Auswanderung, Verlag des Lutherischen Büchervereins, Breslau, 1931, S. 25 ff.
  7. Christophersen, Alf, „Scheibel, Johann Gottfried“, in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 623-624 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118754335.html
  8. Ludolphy, Ingetraut, „Huschke, Eduard“, in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 81 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118708309.html
  9. Liebmann, Otto, „Steffens, Henrich“, in: Allgemeine Deutsche Biographie (1893), S. 555-558 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118617109.html
  10. RealEnz., S. 2 ff
  11. „Die Separatisten-Auswanderungen in Preußen“. Allgemeine Zeitung, Augsburg, Nr. 325, vom 21.11.1838, S. 2464. Digitalisat der Google Buchsuche (Ma5HAQAAIAAJ)
  12. damals Kr. Namslau, heutiger polnischer Name: Miodary
  13. RealEnz. S. 6
  14. Iwan, S. 36
  15. Iwan, S. 38
  16. Iwan, S. 175
  17. Angas, George Fife war Freikirchler (dissenter). Er lebte 1789–1879, siehe Australian Dictionary of Biography, Volume 1, (MUP), 1966, http://adb.anu.edu.au/biography/angas-george-fife-1707
  18. Iwan, S. 36
  19. Edward Gibbon Wakefield: „A letter from Sydney“, siehe Australian Dictionary of Biography, Volume 2, (MUP), 1967 http://adb.anu.edu.au/biography/wakefield-edward-gibbon-2763
  20. Iwan, S. 37
  21. Artikel "Family Notices." in der Zeitung Southern Australian, 7. Mai 1840 http://nla.gov.au/nla.news-article71619221.
  22. David Schubert: Kavel's People: From Prussia to South Australia, 2nd Ed. 1997, S, 121
  23. Zit. nach Iwan S. 42, wahrscheinlich nach: Charakter-Züge und historische Fragmente aus dem Leben des Königs von Preussen Friedrich Wilhelm III. hrsg. von R. Fr. Eylert
  24. Privilegirte wöchentliche gemeinnützige Nachrichten, Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky, online geplant für 2015, Bestandsabfrage in der Zeitschriftendatenbank (ZDB): [1]
  25. http://books.google.de/books?id=Ma5HAQAAIAAJ&hl=de&pg=RA4-PT764#v=onepage&q&f=false, PDF S. 1267
  26. Wolfgang Wegner, Evamaria Steinke, Aufbruch im Namen Gottes. Eine abenteuerliche Flucht. 1. Aufl., Würzburg, Arena-Verlag, 1987, ISBN 3-401-04132-0
  27. German Emigrants to South Australia, 1837-1866) http://www.theshipslist.com/ships/australia/SAgermanindex.shtml (13.10.2013)
  28. Dirk M. Hahn (Hahn). Kapitän der Zebra. Die Reise mit Auswanderern von Altona nach Port Adelaide Süd-Australien 1838. Übertragung aus der Handschrift und textkritische Anmerkungen von Frank Rainer Huck. Herausgegeben von Martin Buchhorn. Pendo-Verlag, Zürich 1988, S. 36 f.
  29. Hahn, S. 45 f.
  30. Hahn, S. 70 f.
  31. Hahn, S. 108 f.
  32. http://trove.nla.gov.au/version/165417628
  33. Beuke, Arnold Beuke (1999): Werbung und Warnung - Australien als Ziel deutscher Auswanderer im 19. Jahrhundert. German-Australian studies, Bd. 14, 1999, S. 114
  34. Beuke (1999), S. 115
  35. William Miller (Baptist), Gründer der Adventisten berechnete das Datum der Rückkehr Christi auf den 22.10.1844
  36. Gerstäcker, Friedrich: Reisen IV, Stuttgart, Cotta, 1854, S. 303 f. online in BSB München Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek, Scan-Seite 314
  37. Beuke ( 1999), S. 65
  38. Lodewyckx, Augustin: Die Deutschen in Australien. Schriften des Deutschen Ausland-Instituts. A. Kulturhistorische Reihe; Band 32, Stuttgart: Ausland und Heimat Verlagsaktiengesellschaft, 1932, S. 111
  39. Theologische Realenzyklopädie, Band 4 herausgegeben von Gerhard Krause, Gerhard Müller, Cerlag de Gruyter, 1979, S. 765
  40. Beuke (1999), S. 66
  41. Beuke (1999), S. 68
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