Grabstein-Projekt/Foto-Objekte aus Stein

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Grabstein-Projekt


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Foto: Harald Berger
Zeichnung: H. Holthausen
Friedhofsplan Handskizze
Quelle: OpenStreetMap
Friedhofsplan
Foto: H. Holthausen
Foto: Harald Berger
Foto: Karin Wilkens

Inhaltsverzeichnis

Bestattungskultur im Wandel

Mit dem Grabstein-Projekt des „Verein für Computergenealogie e.V.“ wird für die nachfolgenden Generationen die heute noch vorhandene traditionelle Friedhofskultur anschaulich dokumentiert. Die sämtlichen Grabsteine eines Friedhofs werden fotografiert und zusammen mit Namen und Lebensdaten aus der Grabstein-Inschrift in einer Datenbank archiviert. Nicht nur der kultur-historische Aspekt hat einige Genealogen bewogen, diese Dokumentation zu initiieren; die genealogische Sekundärquelle lässt sich kostenlos nach Nachnamen und Friedhofsorten durchsuchen. Das Grabstein-Projekts hat die *FAQ - häufig gestellte Fragen* und die entsprechenden Antworten zum Projekt hinterlegt (siehe Linkleiste oben).

Allgemeine Information

Das Grabstein-Projekt wird ehrenamtlich, also nicht kommerziell in einem gemeinnützigen Verein geführt. Wichtig für alle Beteiligten ist ein takt- und rücksichtsvolles Verhalten beim Fotografieren auf dem Friedhof. Datenschutzrechtlich bestehen keine Probleme: Es handelt sich ausschließlich um Daten verstorbener Personen, die darüber hinaus durch das Aufstellen des Grabsteins als veröffentlicht gelten. Auch das Fotografieren und Onlinestellen der Fotos und Daten sind nach geltendem Recht nicht verboten.
Die Heimatvereine, Chronisten und Archive des Ortes können über das Erfassen der Grabsteine informiert werden. Oftmals ergibt sich daraus eine gedeihliche Zusammenarbeit oder sogar ein Hilfsangebot.

Vorbereitung zum Fotografieren

Den neu hinzu gekommenen Grabstein-Fotografen wird empfohlen, die fotografische Arbeit auf einem kleinen Friedhof in Wohnortnähe zu beginnen. Als Ausrüstung ist eine handelsübliche, kompakte Digitalkamera völlig ausreichend. Die Erfahrung zeigt, dass Serienaufnahmen recht schnell die Leistung des Akkus aufbrauchen, daher legen sich Vielfotografierer einen Ersatzakku zu. Der Verzicht auf Blitzlicht und unnötiges Zoomen mit dem Objektiv (Tele- und Weitwinkelfunktion) hilft beim Sparen der Kameraenergie. Ein zusätzlicher Kamera-Speicherchip kann zur Sicherheit ebenfalls mitgeführt werden. Bewährt hat sich die Mitnahme von Schreibutensilien (Klemmbrett mit Papier und Kugelschreiber) und einem kleinen Handfeger, um Baumblüten und -früchte, Laub oder Verunreinigungen von den Grabstein-Bodenplatten zu entfernen. Damit ist die technisch-handwerkliche Ausstattung komplett.
Häufig gestellte Fragen sind: „Gibt es eine Möglichkeit zur besseren Orientierung auf dem Friedhof?“ oder „Wie fotografiere ich systematisch, damit ich Grabsteine nicht doppelt erfasse bzw. übersehe?“ Hier löst ein Friedhofsplan das Problem. Leider ist es den Friedhofsverwaltungen selten möglich, eine solche Arbeitshilfe den Grabstein-Fotografen zur Verfügung zu stellen. Mit etwas Fantasie und Geschick lässt sich eine grobe Skizze mit den typischen Merkmalen eines Bestattungsareals fertigen. Mit einem Rundgang über den Friedhof gewinnt man schnell eine Übersicht über die Struktur des Platzes. Der Grundriss ist mit wenigen Linien skizziert, anschließend werden die Eingänge, die Kapelle oder ein anderes markantes Gebäude eingezeichnet. Als weitere Orientierungshilfen können die Haupt- und Nebenwege sowie Wasserzapfstellen und Bänke oder große, auffällige Bäume im Plan positioniert werden. Auf dem Friedhof vorhandene, sogenannte Feld- oder Abteilungsbezeichnungen komplettieren den Arbeitsplan. Wer sich künstlerisch nicht gerne betätigt hat z.B. bei „Google-Earth“ die Möglichkeit, das Friedhofsgelände aus der Vogelperspektive zu betrachten und auszudrucken. Die Friedhofsabbildung sollte allerdings optimal in der Größe eingestellt sein. Nach dem Fotografieren der Grabsteine auf den einzelnen Friedhofsabschnitten können diese in dem Plan als „fertig dokumentiert“ abgestrichen werden.

Der richtige Zeitpunkt

Grundsätzlich sollte man sich als Fotograf während einer Beerdigung aus Respekt und Taktgefühl gegenüber den trauernden Angehörigen entfernen. Der diskrete Rückzug oder der Aufenthalt an einer anderen, günstigeren Stelle des Friedhofs ist meistens möglich. Für das Fotografieren von Grabsteinen gilt außerdem der Grundsatz: An den Grabanlagen darf keine Veränderung vorgenommen werden!
Sonnenschein ist nicht der Freund der Grabstein-Fotografen. Auf fast keinem Friedhof stehen die Grabsteine in Reih und Glied und selbst wenn die Grabstein-Vorderseiten immer dem Lichtspender zugewandt sind, verschlechtern Schattenbildungen des Fotografen sowie der Büsche und Bäume das Ergebnis. Außerdem beeinträchtigen die störenden Spiegelungen auf dem Kameradisplay die Arbeit. Besonders unangenehm sind die Spiegelungen, wenn sich der Fotograf in den polierten Grabstein-Oberflächen selbst fotografiert. Solch ein Foto ist, auch mit Rücksicht auf die Hinterbliebenen, unbedingt zu vermeiden.
Jede Jahreszeit hat ihre Reize, das trifft auch auf das Fotografieren der Grabsteine zu. Während bei Frosttemperaturen günstige Vegetationsbedingungen herrschen (weder Laub noch hochgewachsene Grabblumen verdecken die Inschriften der Grabsteine), ist das Bedienen der Kamerafunktionen bei niedrigen Temperaturen eine Herausforderung. Das Frühjahr bietet den Fotografen günstige klimatische und gartentechnische Bedingungen; die Luft erwärmt sich wohltuend und die Saisonbepflanzungen der Grabstelle befinden sich im Wachstum. Im Sommer, besonders im Spätsommer bewirken die üppigen Blumensträuße in den Grabvasen und die hochgewachsenen Beetpflanzen (die Begonien werden bis 50 cm hoch) eine Sichtbehinderung für die unteren Bereiche der Grabsteine. Der Herbst wiederum bietet interessante Lichtverhältnisse, doch das Laub und die Baumfrüchte lagern sich leider auf den flachliegenden Bodengrabplatten ab.
Die Fotografen bevorzugen individuell unterschiedliche Tageszeiten oder Wochentage für ihren Arbeitseinsatz. Einige fotografieren nur in den frühen Morgenstunden, andere favorisieren die Mittagstunden, weil zu diesen Zeiten erfahrungsgemäß der Publikumsverkehr gering ist. Den berufstätigen „Grabsteinern“ bleibt oftmals nur das Wochenende für die Fotoexkursion.

Die Kamera im Einsatz

Auf die technischen Ausrüstungen und speziellen Möglichkeiten der zahlreichen verschiedenen Kameramodelle soll hier nicht weiter eingegangen werden. Die Einstellung der Fotodateigröße vor dem Fotografieren ist allerdings erwähnenswert. Erfahrene Fotografen wählen eine relative große Dateigröße, um später am heimischen Bildschirm bei der Datenerfassung eine gut lesbare Originalvorlage als Hilfe nutzen zu können. Die bevorzugten Dateigrößen für Einzelfotos werden individuell zwischen 1 bis 3 Megabyte (MB) eingestellt. Doch Vorsicht: Je höher die Dateigröße eines Fotos, desto weniger Fotos haben auf dem Speicherchip der Kamera einen Platz.
Bevor der richtige „Klick“ erfolgt, sollte der Auslöseknopf kurz angetippt werden, damit sich das Objektiv scharfstellt. Diese, bei etwas ungeübten Gelegenheitsfotografen verbreitete Unterlassung, verschlechtert leider immer wieder das Fotoergebnis. Unscharfe Fotos sind keine Augenweide und mindern den Informationswert, denn die Inschriften lesen sich schlecht oder sind nicht entzifferbar.
Die begehrten Fotomotive, die Grabsteine, sollten größtmöglich fotografiert werden und das Foto ausfüllen. Die Grabumrandungen und Pflanzen, Grabvasen und Lebenslichter sind für das Grabstein-Projekt nicht relevant. Dieses Beiwerk erschwert allerdings gelegentlich den freien Blick zum Grabstein und zur Inschrift. Einige leicht umsetzbare Tipps bietet die sogenannte *Foto-Hilfe*, sie ist als Link in der Leiste (siehe oben) zu finden.

Verschönerung der Grabsteinbilder

Nach dem Fotoausflug an der frischen Luft wird der Fotograf seine Fotos einer kritischen Bewertung unterziehen. Liegen von einem Grabstein mehrere Aufnahmen aus verschiedenen Perspektiven vor, findet die Auswahl statt und die weniger gelungenen und doppelten Fotos werden gelöscht. Einige Fotografen setzen zum nachträglichen Bearbeiten ihrer Fotos sogenannte Fotobearbeitungsprogramme ein. Im weltweiten Netz bieten sich Programme wie z. B. „Picasa“, „IrfanView“ oder „Paint.Net“ zum kostenlosen Downloaden an. Der Hobbyfotograf erhält eine komfortable technische Hilfe zum Korrigieren der Fotos, denn die Handhabung ist recht plausibel. Ohne großen Aufwand können Fotoausschnitte neu definiert werden. Der ungewollt ins Foto geratene Friedhofsbesucher oder der mit Plastikmüll gefüllte Abfallkorb werden einfach abgeschnitten. Ferner kann der Nutzer eines Fotobearbeitungsprogramms den Kontrast steigern und manch ein „schiefes Foto zurecht rücken", sogar die Farben sind veränderbar.

Bilder packen und verschicken

Zu den sämtlich fotografierten Grabsteinen eines Friedhofs werden gern zusätzlich eine Friedhofsansicht und Fotos eines Kriegerdenkmals hinzugefügt. Letztere sollten aber auf dem Friedhof oder im Ort des Friedhofs aufgestellt sein. Kriegerdenkmale an sich nimmt das Grabstein-Projekt nicht auf, denn es möchte dem Projekt Denkmalprojekt.org keine Konkurrenz sein.
Die von der Kamera erzeugten Fotodateinamen können unverändert bleiben und ein Anlegen von Ordnern und Unterordnern ist innerhalb einer Friedhofsdokumentation zu vermeiden. Für das Kopieren der Fotodateien auf einen Datenträger ist ein Reduzieren der Dateigröße pro Foto auf ca. 300 Kilobyte (KB) vorteilhaft. Nach dem Brennen der Fotos auf eine CD oder DVD wird diese mit folgenden Angaben beschriftet: Postleitzahl, direkter Friedhofsort, Fotografenname und Aufnahmejahr. Anschließend tritt der Datenträger die Reise per Briefpost zur Projektorganisation an, die aktuelle Versandadresse wird auf Anfrage mitgeteilt.

Erfassen der Namen und Daten

Nach dem Hochladen der Fotos durch die Projektorganisation in die Grabstein-Datenbank erscheint im Arbeitsbereich der Mitarbeiter (Login-Bereich) für jedes Foto eine kleine Eingabemaske mit Feldern für die Erfassung der Grabstein-Inschriften. Der Nachname, Vorname und Geburtsname, sowie das Geburts- und Sterbejahr werden dort eingetragen. Vielfach möchten die Fotografen die Daten ihrer dokumentierten Grabsteine selber eingeben. In diesen Fällen wird die Bearbeitung für sie reserviert. Ansonsten erledigen die ehrenamtlichen Projektmitarbeiter, die sich „Grabsteiner“ nennen, die Datenerfassung. Zur Orientierung für die einheitliche Dateneingabe ist der *Leitfaden* (siehe Linkleiste oben) eine große Unterstützung. In ihm sind die zahlreichen Besonderheiten einer Grabstein-Inschrift und deren Erfassung beschrieben. Als Beispiel sind die Namenszusätze zur Kennzeichnung von Beruf, Rang, Würde, Adel, Ehre, Grad und Dienst genannt. Auch Fragen, wie mit Namen Verwitweter und Doppelnamen oder Namensteilen wie „von“ oder „auf der“ zu verfahren ist, werden beantwortet. Die Frakturschriften auf älteren Grabsteinen (hier besonders die Zierbuchstaben am Anfang der Namen der Verstorbenen) stellen beim Erfassen eine regelrechte Herausforderung dar. Die Projektorganisation besitzt zahlreiche Schriftmusterbücher und versucht beim Entziffern zu helfen. Besonders schwierig gestaltet sich das Lesen eines Faksimiles (Nachbildung einer Handschrift) auf einem Grabstein. Hier kann oftmals nur eine Anfrage bei der Friedhofsverwaltung den Namen des Beerdigten klären.

Korrekturlesen

Die Datenbank „Grabsteine“ lässt sich nach Friedhofsorten und Namen durchsuchen. Die exakte Erfassung der Nachnamen und Geburtsnamen ist deshalb außerordentlich wichtig. Zu guter Letzt erfolgt deshalb die grobe Kontrolle der eingegebenen Daten. Nicht der Erfasser, sondern ein anderer Mitarbeiter vom Grabstein-Projekt liest die Namen und Jahreszahlen gegen. Das Korrekturlesen erfordert schon ein gutes Namens- und Zahlenverständnis und ein sogenanntes „Adlerauge“. Sehr wichtig ist die Endkontrolle allemal: Ungelesen weisen durchschnittlich fast ein Zehntel der Grabstellen einen Eingabefehler auf. Nach dem Korrekturlesen ist die Fehlerquote nicht mehr nennenswert.

Wer darf „Grabsteiner“ werden?

Das Grabstein-Projekt ist offen für jeden Interessierten, wenn Sie mitarbeiten möchten, setzen Sie sich bitte mit der Projektorganisation in Verbindung.
Das Einstellen der Fotos in das Grabstein-Projekt durch die Projektorganisation setzt eine Registrierung des Fotografen voraus, die Benutzerkennung ist kostenlos zu erhalten.
Die Mitgliedschaft im „Verein für Computergenealogie e.V.“ ist keine Bedingung zur Mitarbeit im Grabstein-Projekt; ein neues Mitglied wird dennoch gerne begrüßt!

Weblinks



Dieser Beitrag wurde zuerst in der Computergenealogie, Heft 1/2013 von H. Holthausen veröffentlicht.

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