Zypern (historisch)

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Disambiguation notice Zypern ist ein mehrfach besetzter Begriff. Zu weiteren Bedeutungen siehe unter Zypern.

Hierarchie

Regional > Asien > Vorderasien > Zypern > Türkische Republik Nordzypern > Zypern (historisch)

Inhaltsverzeichnis

Name

  • Cypern (Kibris, Kybrys, Kypros, Zypern)

Einleitung

Stand 1895: Insel in Großbritannien, eigentlich türkisch, aber britisches Protektorat, im Nordostteil vom Mittelmeer, ca. 75 km im Süden der Küste von Kleinasien und 90 km im Westen von Surija (Syrien)

  • Gesamtumfang: 9.282 qkm, größte Länge 230 km, Breite 96 km.
  • Einwohner: 209.286 (47.926 Muslim., die übrigen gehören fast alle zur griechischen Kirche).

Kap an der Nordküste: Sotizzano (Hagios-Epiphanios), Kokkino, Kormahidis und Hagios-Andreas (Kleidos); an der Südküste: Greco und Gatto. Gebirge: eine Kette, das Troodos-Gebirge, erfüllt den Süden und Westen der Insel, fast 1/3, mit dem Oros-Stawros (Monte Croce), 2.010 m hoch; die andere zieht längs der Nordost-Küste und nach der Halbinsel im Nordosten, im Kap Hagios-Andreas auslaufend. In dem meist ebenen Gebiet zwischen beiden Ketten fließt der Pedias, der an der Ostküste mündet. Ausserdem noch die Flüsse: Hieropotamos und Lapithos, welche letztere aber im Sommer meist austrocknen. Die bedeutendste Bucht ist der Golf von Pentaja.

Klima im Norden und Osten mild, im Westen sind die Berge längere Zeit mit Schnee bedeckt, an der Südküste sehr heiß und fiebererzeugend.

Produkte 1895: Wein, Weizen, Gerste, Hafer, Hirse, Mais, Linsen, Sesam, Kartoffeln, Colocasia, Bohnen, Kürbisse, Gurken, Melonen, Baumwolle, Hanf, Krapp, Coloquinthen, Oliven, Johannisbrot, Orangen, Zitronen, Feigen, Datteln, Kapern; in den Gebirgen Zedern, Cypressen, Pinien, Eichen; Gold, Silber, Eisen, Kupfer, Amiant, Kristallfels, Gips, Seesalz; an Haustieren fast nur Schafe, Ziegen u. Schweine; hier u. da Maulesel und einige Kamele. Imkerei und Seidenbau waren längere Zeit vernachlässigt. Industrie: Manufaktur (Teppiche, Baumwolle u. Seidenzeug, Töpferwaren, feine Lederwaren, Schuhe); Gewinnung von Badeschwämmen (jährl. für 20-30.000 £), Fischerei. Ausgeführt werden: Wein, Seide, Baumwolle, Südfrüchte, Droguen.

Die Insel ist 1895 in 6 Bezirke eingeteilt: Nikosia, Larnaka, Limasol, Famagusta, Kyrenia und Paphos und steht seit 14.09.1878 (Vertrag vom 4. Juni 1878) unter Verwaltung von England, geführt von einem High-Commissioner, der zugleich Oberstkommandierender ist und dem ein gesetzgebender Rat von 5 Mitgliedern zur Seite steht. 1891 waren 278 christliche Schulen mit 10.944 Kindern und 103 muslimische Schulen mit 3.594 Kindern vorhanden, die einen Aufwand von 8.900 £ erforderten. Das Budget für 1891-92 wies auf an jährliche Einnahmen 217.162 £, Ausgaben 112.742 £. Gleichzeitig betrug die Einfuhr 344.125 £, die Ausfuhr 432.419 £. An Telegrafielinien sind 332 km vorhanden; Kabel verbinden Zypern mit Alexandria uund der asiatischen Türkiye (Türkei), Surija (Syrien), Vilajet Surija. Trotz offizieller Einführung des metrischen Systems (1874) haben sich die türkischen Maße und Gewichte behauptet. Garnison ist nicht vorhanden, sondern nur eine englische Polizeimacht von 600 Mann.

Vorgeschichte

Ab etwa 1500 v.Chr. beherrschten die Ägypter die Insel, bis mit den mykenischen Achäern im 13. Jahrhundert vor der Zeitenwende zum ersten Mal Griechen den Boden Zyperns betraten. 333 v.Chr. schloss sich die Insel dann dem Reich Alexanders des Großen (356-323 v.Chr.) an. Nach seinem Tod wurde Zypern 295 v.Chr. ptolemäische Provinz, bis die Römer 58 v.Chr. die Insel erobern konnten. 395 wurde Zypern dann bis 1184 Byzanz unterstellt.

Stadtkönigreiche

Kourion hieß zu römischer Zeit Curium und war das Zentrum eines Stadtkönigreiches. Ein Heiligtum zu Ehren Apollos im antiken Kourion verlieh ihm Bedeutung weit über die Grenzen der Insel hinaus. Viele der griechischen Götter erfüllten mehrere Funktionen, teilweise gab es auch regionale Unterschiede. So ist vom Apollo-Kult auf Zypern bekannt, dass der Gott der Schönheit und des Lichtes hier auch als Beschützer der wilden Tiere und des Waldes verehrt wurde - daher der Beiname „Hylates".

Sogenannte Königsgräber

Sogenannte Königsgräber, hellenistische und römische Grabanlagen, sind Zeugen unterirdischer Baukunst vor der Zeitenwende.

Zeitenwende

Ab 58 vor der Zeitenwende gehörte Zypern zur römischen Provinz Cilicia (Kilikien). Durch die Missionsreise des Paulus wurde Zypern 45 nach der Zeitenwende zu einem der ersten Missionsgebiete und hatte zu Beginn des 4. Jahrhunderts bereits drei Bischofssitze (die Selbstständigkeit der zyprischen Kirche wurde 431 anerkannt). Nach Teilung des Römischen Reiches (395 n. Chr.) fiel es an Ostrom (Byzanz).

Noch im Jahre 2002 war das eindrucksvollste erhaltene ältere Bauwerk in Larnaca die alte Kirche von St. Lazarus. Diese steht an der Stelle einer Kirche aus dem 9. Jahrhundert, welche wiederum über dem Grab von Lazarus stand. Es wurde von Lazarus berichtet, daß er nach der Missionsreise des Paulus nach Kition kam und dort später starb. Im 17. Jahrhundert wurde dann das heutige Gebäude gebaut. Heute sind im inneren der Kirche zu sehen ältere Ikonen, Einrichtungsgegenstände aus Silber und Holzschnitzereien aus den letzten Jahrhunderten. In der Krypta unter der Kirche befindet sich das Grab von St. Lazarus.

Als die Araber 647 Zypern eroberten, war auch Hala Sultan dabei, die Tante mütterlicherseits des Propheten Mohammed. Diese stürzte etwa 5km östlich von Larnaka von einem Maultier und starb. Sie wurde an der Stelle bestattet und ihr Grab entwickelte sich zu einer Wallfahrtsstätte. 1760 wurden erste Teile der Moschee von Scheich Hassan erbaut, 1816 wurde die Moschee am Grab vervollständigt, so dass sich dieses seitdem in einem Nebenraum des Gebäudes befindet. Später kamen zu dem Gebäude Pilgerunterkünfte hinzu. Hussein ibn Ali (Hedschas) wurde von den Engländern nach Zypern verbannt, das Grab seiner türkischen Ehefrau befindet sich ebenfalls in der Moschee.

Nach weiteren arabisch-byzantinischen Auseinandersetzungen um Zypern (ab 647/649) stand es 688‒965 unter gemeinsamer Herrschaft von Byzanz und dem Kalifat, dann unter der alleinigen Oberhoheit von oströmischen, christlich-katholischen Byzanz.

Umfeld: Katholische „Heilige Kriege"

1095 Obwohl Jerusalem eine in byzantinischer Zeit und bei den Kalifen in ruhigen Zeiten eine allgemein zugängliche Pilgerstätte war, nutzten die weströmischen Christen mit der Einführung der Rhetorik des „Heiligen Krieges“ ab 1095 den Twist zwischen den seldschukischen Türken und den ägyptischen Fatimiden für eine militärische Landgewinnung im heutigen „Nahen Osten“. Das Deutsche Reich macht bei den Kreuzzügen nicht mit, es schlossen sich nur kleine Gruppen deutscher Pilger oder Kreuzfahrer an. Die englischen und französischen Kreuzzugsheere, die durch deutsches Gebiet zogen, wurden als "Narretei" bezeichnet. Die Kreuzfahrer wurden ausgelacht. Normannen unterstützen den Kreuzzug.

Die Teilnehmer an den lateinisch-katholisch sanktionierten „Heiligen Kriegen“ wurden gemäß der päpstlichen Rhetorik alsbald als „Kreuzfahrer“ bezeichnet, dazu diente das von einigen auf ihren Mänteln angebrachte Kreuz. Dadurch sollte ein angeblich religiöser Konflikt herausgestellt werden. Zielvorgabe war zunächst die Vertreibung der Muslime aus den von den Christen als heilig angesehenen Landstrichen, in denen früher Christus gelebt hatte, zur eigenen Landgewinnung. In nur 4 Jahren besetzten die Kreuzfahrer fast das gesamte Palistana und Jerusalem.

  • 1099 Ende des Ersten Kreuzzuges, Erstürmung Jerusalems (grausames Massaker an der Bevölkerung von Jerusalem durch die Kreuzfahrer, kaum ein Bewohner, ob Jude oder Moslem überlebte, auch Frauen und Kinder wurden nicht verschont). So kam es vorher bereits um 1098 bei der Christlichen Besetzung von Antiochia zu erbarmungslosem christlichem Massaker an der muslimischen Bevölkerung.
    • So wie alle „Heiligen Kriege“ verkamen auch die Kreuzzüge in Schlachten um die Gewinnung neuen Lebensraumes für die Angreifer und deren Hintermänner. Ein Teil der französischen und normannischen Barone bleibt mit einem Stamm von Rittern im Land und gründet das Königreich Jerusalem sowie weitere Fürstentümer oder Grafschaften.

Habgier und Kreuzfahrerstaaten

Die Habgier der Eroberer führte im fremden Land zur Errichtung von Kreuzfahrerstaaten die bis hin nach Südost-Anatolien (Grafschaft Edessa) reichten:

  • Königreich Klein-Armenien
  • Grafschaft Edessa
  • Fürstentum Antiochia
  • 1190/91 Königreich Zypern
  • 1109 Raimund von Toulouse errichtet an der syrischen Küste die Grafschaft Tripolis.
  • 1099 christliches Königreich Jerusalem, 1189 nimmt Sultan Saladin das christliche Königreich Jerusalem den Besatzern wieder ab.

Widerstand der Altbesitzer

Der byzantinische Kaiser Johannes II. beteiligte sich an den Kämpfen zur Vertreibung der Besatzer in den Kreuzfahrerstaaten und eroberte 1137 Antiochia. Gegen Ende des Jahres 1143 gelang auch dem muslimische Feldherr Zengi die Rückergewinnung der nördlich gelegenen Grafschaft Edessa aus der Hand der Kreuzfahrerbesatzer.

2. Kreuzzug der Habgier und Uneinigkeit

1147-1149 Auf einen Hilferuf des um seinen Raubbesitz fürchtenden christlichen Königs von Jerusalem („Outremer“) reagierend, rief Papst Eugen III. erneut zu einem Kreuzzug auf. Er gewährte auch diesen Kreuzfahrern die Vergebung ihrer Sünden. An der Spitze standen der deutsche König Konrad III. und der französische König Ludwig VII. Im Frühjahr 1147 setzte sich das deutsche Heer von Regensburg aus in Marsch, die Franzosen wählten den Seeweg über das Mittelmeer.

Deutscher Plünderkreuzzug

Das deutsche Heer zog, als die Lebensmittel knapp wurden, plündert durch das byzantinisch-katholische Kaiserreich. Die Eindringlinge wurden jedoch von dem syrischen Herrscher und einem grossen Heer des seldschukischen Fürsten von Aleppo vernichtend geschlagen. So verfehlte auch der 2. Kreuzzug sein Ziel, den Bestand der ungerechtfertigten Besatzung Palästinas und der manifestierten Habgier zu sichern.

3. Kreuzzug, Sicherung des europäisch-asiatischen Handels

1189-1192 Die römisch-katholischen Ritter erreichten mit Richard Löwenherz das Heilige Land 1191. Der im Herzogtum Normandie geborene Herzog der Normannen und englischer König übernahm die Angriffsführung des lateinischen Westens. Doch schlagen konnten er und seine Männer die Verteidiger nicht. Es kam zu einem Verständigungsfrieden, bei dem die angreifenden Christen für sich große Vorteile aushandeln konnten. Sie bekamen die großen Städte an der Küste zugesprochen. Diese Orte waren für den europäisch-asiatischen Handel von großer Bedeutung. Richard Löwenherz war durch seine Grausamkeiten bekannt und ließ 3.000 unbewaffnete moslemische Gefangene nach dem Sieg von Akkon hinrichten. Sultan Saladin seinerseits ließ im Gegensatz zu Richard nach der Eroberung von Jerusalem seine unterlegenen christlichen Gegner nicht abschlachten.

Eroberung Zyperns durch Kreuzfahrer

Kreuzfahrerwappen am Zwingerportal der Hafenbefestigung von Girne, Nordzypern

Aus den Überlieferungen über die Eroberung Zyperns durch den englischen König Richard Löwenherz (1157-1199) geht hervor, daß wohl der Oströmische, christlich-orthodoxe Kaiser Isaak II. Angelus in Kolossi sein Lager hatte, das Richard angriff. Dabei wird keine eigentliche Befestigung erwähnt, so liegt die Annahme nahe, daß dort damals keine solche vorhanden war.

  • 1191 der englische König Richard Löwenherz erobert die Insel

Lehen an den Templerorden

Richard Plantagenêt gt. Löwenherz (1157-1199), Graf von Maine (1157-1199), Herzog von Aquitanien (1172 bis 1184 und 1184-1189), König von England (1189 bis 1199), Herzog von Normandie (1189-1199) und Graf von Anjou (1189 bis 1199), verlieh Cypern als Königreich an das Haus Lusignan (1192-1489), als Ausgleich für dessen Verzicht auf Jerusalem.

  • 1191 Richard Löwenherz gibt Zypern als Lehen an den Templerorden.
Blick v. St.Hilarion auf Stadt u. Hafen v. Girne

Kreuzfahrerburg St.Hilarion

Die Burg liegt unweit Kyrenia/Girnes auf einen über 700 Meter hohen Berg mit Blick auf den Hafen und beherrscht die Passstraße von Girne nach Lefkosia.

St.Hilarion ist wahrscheinlich nach einem Mönch und Eremiten benannt, der der Verfolgung in Palästina entrinnen konnte und sein Leben genau dort in den Bergen verbrachte. Hier könnte ursprünglich ein Kloster gestanden haben, das im 9./10. Jh. auf dem Berg errichtet wurde. Um 1100 gab man es vermutlich zugunsten einer Burganlage auf. Die noch als Ruine vorhandene Kirche auf dem Felsen ist zu groß, um als Burgkapelle gedient zu haben. Sie ist dem vermuteten byzantinischen Kloster zuzurechnen und stammt etwa aus dem 10./11. Jh.

1191 belagerte der Französische Dynast Guido de Lusignan die als uneinnehmbar angesehene Burg im Auftrag des Normannen Richard Löwenherz. Auf Anweisung des Statthalters Isaak Komemnos wurde sie aber nach wenigen Tagen an den Franken übergeben. Lusignan setzte daraufhin die Tochter Isaaks auf der Burg gefangen.

Lehen an die Familie de Lusignan

  • 1192 Richard Löwenherz verkaufte die Insel an die französische Dynastie Lusignan. Ihr erster König wurde Guido von Lusignan (+ 1194), dessen Familie bis 1489 herrscht. Dieser wirbt Ritter aus Syrien zur Besiedlung an, eigentlicher Staatsgründer wird sein Bruder Aimerich (1194-1205), der den Adel schwächt.

Die Kreuzzüge machen Zypern zu einem Teil der abendländischen Welt. Im Innern entsteht ein Nebeneinander von byzantinischer und fränkischer Kultur und Kunst, von griechischer und lateinischer Kirche.

Nikosia ist 1192 die Hauptstadt und Sitz eines lateinischen Erzbischofs mit den Diözesen Limassol, Famagusta, Paphos. Gotische Kathedralen in Nikosia und Famagusta, große Burgen in sind St. Hilarion, Buffavento und Kantara.

Norbertiner in Bellapais bei Girne

1205 wurde mit Hilfe der Kreuzritter die Abtei Bellapais (frz. =Abtei des Friedens) von Norbertinermönchen gegründet. Sie lag unweit von St.Hilarion bei Kyrenia (Girne), in 6 km Entfernung und tront ebenfalls auf einem Felsvorsprung des Fünf-Finger-Gebirges (Besparmak ( türk.)), eingebettet in ein mediteranes Meer- und Bergpanorama. In der ländlichen Abgeschiedenheit lebten und arbeiteten Ordensleute des Prämonstratenser-Ordens. Das heutige Kloster entstand durch finanzielle Hilfe von König Hugo III. (1267-1284), die restlichen Gebäude entstanden danach im 14. Jhdt. Die Klosterruine Bellapais besteht heute aus Schreibkontor, Kapitelsaal, Sakristei, Refektorium, Wappentür, Kreuzgang, Klosterkirche, Vorhalle, Kryptaaufgang, Küche, Cellarium und Zugangstor.

Das mittlere Wappen über der Wappentür zeigt das Wappen des 1204 gegründeten Lateinischen Kaiserreiches, zu dessen ersten Kaiser Balduin VI. Graf von Hennegau gewählt wurde. Das rechte Wappen mit einem Löwen im Schild mit Querbalken zeigt das Wappen der Familie de Lusignan.

Johannitersitz Zypern

Mit dem Fall von Akko 1291 als letzte Bastion der Kreuzfahrer im "Heiligen Land" zeichnete sich schließlich ein Ende der „Gewappneten Züge zum Grabe (Christi)“ ab. Der Johanniterorden verlegten ihren Sitz nach Kolossi auf Zypern.

Verlegung nach Rhodos

Im Jahr 1306 wurde die Insel Rhodos an die Ordensritter des Heiligen Johannes von Jerusalem verkauft. Nach 3 Jahren schwerer Kämpfe gegen die sich zäh verteidigende Rhodier nahmen die Johanniter-Ritter fiel die Insel Rhodos am 15.08.1309 tatsächlich in ihren Besitz. Auf Beschluss seines Großmeisters Foulques de Villaret wurde 1310 der Hauptsitz des Ordens von Zypern nach Rhodos verlegt. Die Komturei Kolossi blieb aber als wichtiger Ordenssitz erhalten. Allein die Komturei Kolossi umfasste ein Gebiet von 60 Dörfern.

Die Ordensritter zogen weiterhin finanziellen Gewinn aus der Nutzung Zyperns, speziell aus dem Weinbau und dem Zuckergewinn aus Rohrzucker. 1374 konnte aus dem Gebiet der Zyprioten eine Ausbeute von 10.000 Florins allein an den Hauptsitz auf Rhodos überwiesen werden.

Regententabelle

  • < 1184 römisch und oströmisch/byzantinisch, zuletzt unter dem unabhängigen Kaiser Isaak Komnenos.
  • Guido (Veit) von Lusignan (+ 1194) oo Sibylle (Schwester Balduins)
  • 1194-1205 Amalrich
    • 1195 Aimerich anerkennt die Lehenshoheit Kaiser Heinrichs VI., wird vom Bischof zu Hildesheim Konrad von Querfurt 1197 gekrönt und vereinigt im gleichen Jahr Jerusalem mit Zypern. Nach seinem Tode 1205 trennen sich die Reiche wieder. Mit dem Niedergang Jerusalems wird das Königreich Zypern führender Kreuzfahrerstaat.
  • 1205-1218 Hugo I.
    • 1205 schließt Zypern ein Bündnis mit Kleinarmenien und greift Adalia (Antalya) an (1206). Neben Andreas II. von Ungarn und Johann von Brienne wird König Hugo I. von Lusignam ein Führer des 5. Kreuzzuges (1217-1221).
    • Zwischen 1209 und 1326 entstand in Lefkoşa die St. Sophien-Kathedrale im gotischen Stil Frankreichs. Die ehemalige Krönungskirche für die Herrscher der Lusignans gilt noch heute als bestes Beispiel für mittelalterliche Kirchenarchitektur auf Zypern. Nach der Machtübernahme durch die Osmanen wurde sie zur Moschee umgewandelt und erhielt den Namen Ayasofia-Moschee. Die Fassadentürme baute man zu Minaretten um und der Innenraum erhielt eine Gebetsnische und ein Koranpult. War sie einst Mittelpunkt des religiösen Lebens zu Zeiten der Lusignans, wurde sie nun die Hauptmoschee in Lefkoşa und das religiöse Zentrum des Islams auf Zypern.
  • 1218-1253 Heinrich I.
    • 1228 Kaiser Friedrich II. versucht die Reichslehnschaft zu erneuern und verlangt die Regentschaft für den unmündigen König Heinrich II. (sog. Langobardenkrieg 1229-1233).
    • 1247 Innozenz IV. löst den König Heinrich I., der König Ludwig IX. von Frankreich gegen Damiette unterstützt, vom Lehenseid.
  • 1253-1267 Hugo II.
    • Hugo II. von Lusignam widmet Thomas von Aquin die Schrift „Über die Regierung der Fürsten".
  • 1267-1284 Hugo III.
    • Vereinigung der Königreiche Zypern und Jerusalem, zieht sich nach Intrigen Königs von Sizilien (1266-1282), Karl von Anjou, auf seine Insel zurück.
  • 1284.1285 Johann I.
  • 1285-1324 Heinrich II.
    • bis 1309 ist Zypern Zufluchtsort der Kreuzritter aus Syrien, zunächst gleichermaßen der Johanniter und Templer, dann auch Ausgangspunkt der Spätkreuzzüge.
    • Über den natürlichen Schwerpunkthafen Famagusta vermittelt Zypern Waren des Orients (Gewürze, Teppiche, Porzellan) und liefert selber Olivenöl, Wein, Baumwolle und Erzeugnisse des Zuckerrohrs nach Europa.
  • 1324-1359 Hugo IV.
    • 1334 Errichtung einer "heilige Union" von Zypern mit Venedig, dem Papst und den Johannitern, um ein weiteres Vordringen der Türken aufzuhalten. 1344 wurde Smyrna (Izmir) besetzt, das bis 1402 in der Hand der Johanniter verblieb.
    • In seiner Regierungszeit (Frieden und Reformen) steigt Zypern zur europäischen Macht auf. Dieser Kurs wird unter Peter I. erfolgreich verstärkt.
  • 1359-1369 Peter I.von Lusignan oo Eleonore von Aragon
  • 1369-1382 Peter II.
    • Aufstieg schafft Gegner: Mit ihren alten Privilegien kämpften nun Genua (von 1218) und Venedig (seit 1306) um die Herrschaft.
    • Famagusta kam 1374 unter genuesische Besatzung und muß formell an Genua angetreten werden, was nunmehr mit einem absoluten Handelsmonopol ausbeutet.
    • Der Aufstieg der Osmanen schwächt die Insel zusätzlich.
    • Seit 1342 beziehungsweise mit dem Tod Leos VI. von Armenien fällt die armenische Krone an das Königreich Zypern
  • 1382-1398 Jakob I.
  • 1398-1432 Janus
    • König Janus muß 1426 die Oberhoheit Ägyptens anerkennen.
  • 1432-1458 Johann II. oo Helena Palailogena (Byzantinierin, V: Theodor Paläologos, Nichte von Kaiser Johannes VIII. Palaiologos, 1425 - 1448).
  • 1458-1460, +1487 Charlotte oo Louis von Savoyen, Graf von Genua.
    • 1459-1460 Ludwig von Savoyen, Mitregent
  • 1460-1473 Jakob II.
    • Er läßt sich vom Mamelukensultan zum König einsetzen, bricht die Genuesische Vorherrschaft und sucht Ausgleich mit dem Griechentum.
    • 1468 Heirat: Caterina Cornaro (Venezianische Patrizierin, *1454, +1510.
  • 1473-1474 Jakob III.
  • 1473-1489, +1510 Caterina Cornaro (Wwe. Jakobs II.), nun Königin von Zypern, dem Namen nach auch Königin von Armenien und Jerusalem.
    • Der Übergang an Venedig wird vorbereitet

Venezianische Herrschaft

  • 1489-1571 Venezianische Herrschaft
    • Die älteste und zugleich besterhaltendste Festungsanlage Zyperns ist die Seefestung von Girne. Der Grundstein dazu wurde vermutlich schon im 7. Jhd. von den Byzantinern gelegt. Unter der Herrschaft von Guy de Lusignans wurde die Burg aber erheblich ausgebaut. Die Venezianer schliesslich bauten im 16. Jhd. die gewaltigen Mauern und Bastionen, die auf den Hafen blicken. Sechsmal wurde die Festung in ihrer langen Geschichte belagert, aber niemals erobert.
  • 1571 Eroberung der gesamten Insel durch den Türkischen Sultan Selim II.
  • 1573 Venedig tritt Zypern offiziell an die „Pforte“ ab.

Osmanischer Handelsausbau

Die Osmanen wollten gleich die Handelsbeziehungen mit Zypern durch den Ausbau der Handelswege im innerhalb des Landes fördern. So wurde schon 1572 von ihnen die „Büyük Han“ (türk.) = große Herberge gegründete. Diese ist eine der beiden noch erhaltenen Karawansereien von den ursprünglich acht im Zentrum der Altstadt Nicosias bestehenden Rasthäusern. Reisende und Kaufleute fanden im Schutz ihrer Mauern für sich und die Reit- und Tragtiere sichere Unterkunft und bewachte Stauräume für die oft kostbaren Waren. Hier trafen zyprische Großhändler auf ihre Geschäftspartner aus den südlichen Provinzen des Osmanischen Reiches , darunter viele aus Alanya, was der Herberge zu dem Beinamen "Alanyalilar Han" (Herberge der Alanyoten) verhalf.

Die große Herberge von Lefkosa entspricht in ihrer Auslegung dem klassischen Typus osmanischer "Stadthotels" der frühen Neuzeit, wie sie in großer Zahl in den europäischen und anatolischen Landesteilen des Reiches zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert entstanden (siehe diverse Schilderungen von Karl May).

Mit der kleinen, im Zentrum des Innenhofs gelegenen Moschee weist sie eine Besonderheit auf, für die es nur wenige Beispiele gibt, wie etwa die Hofmoschee des „Koza Hans“ im nordwesttürkischen Bursa. Diese 1451 errichtete und vor 2000 vortrefflich restaurierte Stadtherberge soll Vorbild für das Rasthaus in Zyperns Metropole gewesen sein.

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