Kernein
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Regional > Deutschland
(1871-1933) > Neumark
> Kreis
Landsberg/W. > Kernein
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[bearbeiten] Einleitung
Übersichtskarte siehe bei Günter Mielczarek Karte B5.
[bearbeiten] Allgemeine Information
| Polnischer Ortsname | Karnin |
| W-Nummer (= "Ost-PLZ") | W51134 |
| Fläche in ha | 0 |
| Einwohnerzahl (1939) | 525 |
[bearbeiten] Geschichte
Urkunden über die Geschichte des Dorfes Kernein im Kreise
Landsberg reichen bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts zurück. 1252
schenkte Ritter Hermann der Schütz das Dorf, das ihm von Herzog
Wladislaus verliehen war, dem Abte Michael des Klosters Paradies,
zu seinem eigenen und seiner Nachkommen Seelenheil. Herzog
Przemyslaus bestätigte die Übergabe in der Burg Zantoch. Das
Kloster legte nun bei dem Dorfe ein Gut, einen Mönchhof an; seine
Stelle soll die spätere Kuhburg bezeichnen. Am 30. März 1372
übernahm die Stadt Landsberg die Nutzung der Klosterländereien für
80 Schock Groschen. Am 6. Mai 1385 belehnte der Abt Andreas von
Paradies die Stadt mit diesem Klostergut, auch erhielt sie die
Gerichtsbarkeit und alle Einkünfte des Dorfes. Sie zahlte dafür 300
Schock Prager Groschen und 12 Pfund Pfeffer laufenden jährlichen
Zins. Die Pfefferlieferung wurde erst 1675/76 durch Zahlung einer
größeren Summe Geldes abgelöst. Damit war (nach Glinik-Altensorge,
Eulam, Borkow, Dechsel) nun auch das letzte der fünf südlich der
Warthe gelegenen alten Dörfer Landsberger Besitz geworden. In dem
Kaufvertrage wird u. a. gesagt, daß der Einäscherung der Kirche und
des Pfarrhauses in Kernein nicht mehr gedacht werden sollte, die
bei einem kurz vorher zwischen den Landsberger Bürgern und den
Mönchen ausgebrochenen Streit in Flammen aufgegangen waren.
Im 13. Jahrhundert wurde der Name des Dorfes Karnino oder Carnino
geschrieben, polnisch Karnin. Mucke erklärt den Namen als
"Ansiedlung an der Wasserrinne"; das polnische "kiernica" bedeutet
"Rinnsal" oder "Quell".
Das Dorfgericht verwaltete im Auftrage der Stadt nunmehr ein
Lehnschulze; 1608 wird als solcher Michael Boninke genannt. Im 18.
Jahrhundert bekam der Besitzer des Lehnschulzengutes von zwei
Kossäten den Zehnt, vom Krüger für jede Tonne Bier ein Quart
"Kostebier"; der Lehnschulze hatte die Verpflichtung, für die
Gemeinde wie üblich den Zuchtbullen und Eber "auszufüttern".
Am 5. Mai 1654 traten in Kernein Friedrich Schede und Johann Kaspar
Krahmer, ersterer als Vertreter der Stadt, der andere für die
südlich der Warthe gelegenen städtischen Dörfer, mit zwei
Kommissaren der neumärkischen Regierung zusammen, um einen Rezeß
über die Rechte und Pflichten der Untertanen der Stadt gegenüber
aufzustellen, da diese infolge der langen Kriegswirren fast in
Vergessenheit geraten waren. Die Bauern mußten mit Anspannung, die
Kossäten mit Handarbeit dem Rat der Stadt wöchentlich zwei Tage auf
den Vorwerken Alten- und Neuensorge (Berkenwerder) dienen. Sie
bekamen dafür, ausgenommen in der Ernte, keine Kost, nur erhielt
das Dorf, dem Herkommen gemäß, eine Tonne Dienstbier jährlich. Im
August (Getreideernte) mußten die Kerneiner Bauern in Altensorge
das Korn mähen und einfahren, die Kossäten harken und binden; die
Bauern erhielten dafür Brot, Butter und Käse, die Kossäten nur Brot
und Käse. Jeder Bauer und Kossät mußte jährlich vier Fuder
Brennholz für die Schule und das Rathaus anfahren; sie waren
befugt, dies Holz zu nehmen, wo sie mochten, so groß war der
Holzüberschuß damals im Bruch. Man gab ihnen freies Bauholz, ebenso
Raff- und Lagerholz zur Feuerung, letzteres auch zum Verkauf. Jeder
Bauer mußte jährlich eine Fuhre, im Sommer fünf, im Winter drei
Meilen weit, bei eigener Kost, eigenem Futter statt der
Wochendienste leisten, brauchte dabei aber höchstens 8 Scheffel
Roggen oder 12 Scheffel Hafer "Soldinisch Maß" aufzuladen. An
Stelle der früher geleisteten Botendienste sollten Kossäten in
Zukunft die Äcker der Vorwerke mit ihrem Gespann eggen. An den
beiden Diensttagen mußten sie gleich nach der Ernte je 6 Scheffel
dreschen und erhielten für jeden einen Pfennig Lohn. Mußten sie
mehr dreschen, bekamen sie den 18. Scheffel. Die Kerneiner mußten
mit den Eulamern zusammen die Schafe der Vorwerke waschen, wofür
jedes Dorf eine Tonne Bier empfing. Jeder Einwohner hatte jährlich
3 Groschen zur Unterhaltung des Brückenbaues und zur Ausbesserung
der Fahrdämme zu geben. Diesen vielen Verpflichtungen standen nur
wenig Rechte gegenüber. Die Kerneiner waren befugt, mit ihrem
Rindvieh und den Pferden bis an die Kuhburg und bei der "Dammwiese"
zu hüten. 1658 wird angegeben, daß das Dorf 47 Hufen habe; davon
waren zwei ohne Wirt und ganz bewachsen. So machten sich auch hier
die Folgen des Dreißigjährigen Krieges noch zehn Jahre nach dem
Friedensschluß bemerkbar. 1718 hatte das Dorf einen Lehnschulzen
und 15 Bauern mit je 2 und 14 Kossäten mit je einer Hufe. Der
Lehnschulze hieß Apitz; die übrigen Namen waren Apitz, Heese
(zweimal), Nadoll, Dickmann, Wilke, Schmerse (dreimal), Bumcke
(viermal), Neumann, Lehmann, Hintze (zweimal), Wunningke, Kätzke,
Stentzel, Brehl, Eichberg, Scheffler, Gerlach, Rostin, Gänge,
Hallasch und Nießke. Der Krüger Martin Wilcke verschänkte jährlich
100 Tonnen Bier. (Von diesen Familiennamen kommen einige noch heute
in der Gemeinde vor.) Weide und Viehzucht wurden damals schon als
"gut" bezeichnet, sie litten allerdings in nassen Jahren.
Wie im Dreißigjährigen, so blieb das Dorf auch im Siebenjährigen
Kriege nicht verschont; besonders hatte es bei der russischen
Invasion 1758 zu leiden. Ein Kommando der Russen nahm den Bauern
doppelt soviel Getreide und Vieh weg, wie sie nach der zuerst
verabredeten Kontribution zu liefern hatten. Dann wurde der Ort
nochmals überfallen und "rein ausgeplündert". Der Lehnschulze und
einige Begleiter wandten sich in ihrer Not an den Rat der Stadt, er
möge ihnen zu ihrem Rechte verhelfen, und an den russischen General
Fermor, er möchte sich ihre "Not und Elend jammern lassen". Die
friderizianische Kolonisation brachte auch den Kerneinern
wesentliche wirtschaftliche Veränderungen. 1768 wurde Groß
Czettritz angelegt, zum Teil auf den sogenannten "Iden", einem
Stück Land, das bisher den Kerneiner Kossäten gehörte, aber zu weit
vom Dorfe lag und deswegen der neuen Kolonie zu gelegt wurde. Die
Kossäten entschädigte Brenkenhoff durch beim Dorfe urbar gemachtes
Land. Aus dem Eichenbestand der Zechowschen und Kerneinschen Iden
und des "Trocknen Brotes" sollen 4000 Eichen geschlagen worden
sein, um Platz zu schaffen zur Ansetzung von 40 Kolonistenfamilien
in Groß Czettritz. 1772 wurde der zur Entwässerung angelegte
Brenkenhoffkanal durch die Kerneinschen Wiesen bis an den
Dechselschen Fährdamm verlängert. 1774 hatte das Dorf 237
Einwohner; 150 Jahre später waren es 530 Einwohner. Im Jahre 1784
wurden von den 34 Feuerstellen 221 Reichstaler Grundzins an die
Stadt gezahlt. Der Viehbestand betrug im selben Jahre 95 Pferde, 2
Ochsen, 159 Kühe, 181 Schweine.
Über das Lehnschulzengut lesen wir in dem zwischen 1782 und 1784
ausgestellten "Neuen corpus bonorum" der Stadt Landsberg: "Im Dorfe
ist ein freies Lehnschulzengut, welches gegenwärtig den Erben des
Geheimrats Brenkenhoff gehört, der solches vom Vorbesitzer Hermann
gekauft hat. (H. wird schon 1767 als Lehnschulze genannt.) Zu
demselben gehören zwei Hufen Landes mit Schäfereiberechtigung (400
Stück), dazu die ,Höfelwiese' von 110 Morgen, welche tauschweise
acquiriret sind, ohne daß darüber etwas schriftlich verhandelt
worden." Das heißt also, es war eine früher zum Gut gehörige Wiese
bei den während der Entwässerungsarbeiten im Warthebruch
vorgenommenen Neuvermessungen der Ländereien fortgenommen und dafür
die Höfelwiese dem Gute zugelegt worden. Weil Brenkenhoff nicht
dauernd in Kernein sein konnte, hatte er einen Vizeschulzen mit
Namen Borchert eingesetzt. Nach dem Tode Brenkenhoffs kaufte 1784
König Friedrich Wilhelm II. alle Brenkenhoffschen Güter in der
Neumark und schenkte sie seiner Tochter, dann deren Mutter, der
Gräfin Lichtenau. Als sie dieser 1798 entzogen wurden, übernahm der
Fiskus die Verwaltung. Am 4. November 1809 wurde Gut Roßwiese
zusammen mit dem Lehnschulzengut Kernein an den Bankier van Halle
in Berlin verkauft; 1816 gingen sie von van Halle an Bötzig und
Urban über. Letzterer veräußerte 1839 beide wieder an einen van
Halle. (Nach Rehmann: Die Schicksale der Brenkenhoffschen Güter in
der Neumark.) Kirchlich wurde Kernein früher von Dechsel aus
versorgt, wo es als Filial eingepfarrt war. Um 1774 kam es als
Tochtergemeinde zur Konkordienkirche in Landsberg. Die Kirche wurde
1824 eingeweiht, der Turm aber erst 1828 vollendet; 1904 wurde das
Gotteshaus durch den Anbau eines Altarraumes und einer Sakristei
vergrößert. Im gleichen Jahre wurde das Pfarrhaus erbaut, da in
Kernein schon 1900 eine Hilfspredigerstelle eingerichtet wurde.
1904 faßte man Kernein, Seidlitz und Bürgerwiesen zu einer neuen
Parochie zusammen.
Dieser Artikel, seinerzeit in der Beilage des "Landsberger
General-Anzeigers" Nr. 4/1934 erschienen, stammt aus dem Nachlaß
unseres verstorbenen Heimatpfarrers Johannes Wandam und wurde mir
von seinem Sohn, Dipl.-Ing. Johannes Wandam, Stuttgart,
dankenswerterweise für das "Heimatblatt" übergeben.
(Anmerkung vom Hrsgeb. des "Heimatblattes")
Quelle:
Heimatblatt für die ehemaligen Kirchengemeinden Landsberg/Warthe
Stadt und Land, Band 11 (1959), S. 10 und Band 12 (1960), S.
7
Herausgeber: Kirchlicher Betreuungsdienst für die ehemaligen
ostbrandenburgischen Kirchengemeinden, Kirchenkreise
Landsberg(Warthe) Stadt und Land, Berlin
[bearbeiten] Genealogische and historische Quellen
Soweit noch erhalten befinden sich Kirchenbücher und
Zivilstandsregister (älter als 100 Jahre) zumeist im Staatsarchiv
Landsberg/W., jüngere im Standesamt Landsberg/W.
Eine vollständige Übersicht ist zu finden in: Georg
Grüneberg: Kirchenbücher, Kirchenbuch-Duplikate und
Standesamtregister der ehemals brandenburgischen Kreise - Bestandsverzeichnis 2003, ISBN: 3-9808246-3-2.
[bearbeiten] Kirchenbücher
ev: *,oo,+ 1812-1874
[bearbeiten] Andere Quellen
[bearbeiten] Grundakten und -bücher
Amtsgericht: Landsberg/W. Staatsarchiv_Landsberg/W. Grundakten 1784-1942 (106 Akten)
[bearbeiten] Archive und Bibliotheken
Siehe auf der übergeordneten Seite des Kreises.
[bearbeiten] Bestände in Polen
Hier ein Link zur Bestandsübersicht in polnischen
Archiven.
[bearbeiten] LDS/FHC
Sonstige Batchnummern: A457838
[bearbeiten] Weblinks
[bearbeiten] Genealogische Webseiten zum Ort
[bearbeiten] Zufallsfunde
Oft werden in Kirchenbüchern oder anderen Archivalien eines Ortes Personen gefunden, die nicht aus diesem Ort stammen. Diese Funde nennt man Zufallsfunde. Solche Funde sind für andere Familienforscher häufig die einzige Möglichkeit, über tote Punkte in der Forschung hinweg zu kommen. Zufallsfunde zu diesem Ort bitte per Mail an Listowner Neumark-L - sie werden in die Neumark-Datenbank aufgenommen.
[bearbeiten] Kontakte
Nach Vorfahren in Kernein forschen:
• Alfred Bley + • Gerald Busch • Georg Grüneberg • Ralf Hermann •
Bruce Hill • Helen Bumke von Kamp • Karl-Heinz Knospe • Dr.
Wolfhard Luck • Eva-Maria Manner • Geoff Masters • John Nordale •
Ted Quilitz • Dietmar Rehse • Dagmar Rietz • Markus Röhling • Dr.
Heinz Schleusener • Dr. Gerd C. Schmerse • Käthe Schurig • Dr.
Jürgen Tschierschky • Ernst-August Wilke •
Kontaktadressen im Archiv der Mailingliste Neumark-L oder von Listowner Neumark-L.
[bearbeiten] Forscherkontakte in FOKO
Die Datenbank FOKO sammelt und ermöglicht Forscherkontakte. Dort eingetragene Forscher mit genealogischen Interessen in Kernein findet man über die Suche nach der GOV-Kennung oder nach dem Ortsnamen (Zur Erläuterung des Unterschiedes zwischen den angebotenen Suchmöglichkeiten bitte hier weiterlesen).
[bearbeiten] Informationen aus dem genealogischen Ortsverzeichnis
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