Brockmeyer

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Hof Brockmeyer in Glane-Visbeck

Die Geschichte des Hofes und der Familie Brockmeyer zu Glane-Visbeck

Inhaltsverzeichnis


Einleitung

Diese Seite soll eine umfangreiche und informative Homepage zur Geschichte der Familie und des Hofes Brockmeyer in Glane-Visbeck darstellen. Dabei stützt sie sich im wesentlichen auf das gleichnamige Buch, das Friedrich Brockmeyer 1938 veröffentlicht hat. Zunächst wird in 13 Kapiteln die Hofgeschichte vorgestellt. Von den Anfängen der Besiedlung, über die Hoflage und die erste urkundliche Erwähnung 1375 über die Auswertung von Viehschatzregistern wird die Entwicklung des Hofes geschildert. Dabei wird jede Generationen mit ihren Lebensdaten und den in den Akten überlieferten Ereignissen vorgestellt. Einen eigenen Abschnitt beleuchtet die US-Auswanderer der Familie. Während die vorherigen Kapitel der Hofgeschichte zum großen Teil wörtlich aus dem Buch von Friedrich Brockmeyer stammen, schildert Dirk Brockmeyer die Geschichte der US-Auswanderer anhand von Aufzeichnungen die Aurelie Maria Brockmeyer beisteuerte. Ein weiteres eigenständiges Standbein dieser Seite sollen die Lebensläufe werden die allesamt von Dirk Brockmeyer (unter Mithilfe) recherchiert wurden.

Kurzinfo

aus "1609- 2009: 400 Jahre Grenze zwischen Ostenfelde und Lienen"

Brockmeyer (Lagename), Vollerbe, 1375 verkaufte Knappe Gerd von Lingen, seine Frau Katharine u. sein Sohn Johann dem Ritter Hermann Korff das Erbe to Broke im Kirchspiel Glane, auf dem ehemals Brun to Broke wohnte. 1437 u. 1445: Hof to Broke. 1519 starb der Mann, die Witwe zahlte für den Nachlass 26 Goldgulden. 1579 starb Elschen Brockmeyer. 1545 hatte der Hof 7 Pferde, 8 Kühe, 2 Schmalrinder, 10 Schweine u. 6 Schafe, 1 Knecht (Schatzung: 3 Mark 9 Schillinge), 1566 5 Pferde, 7 Kühe, 2 Rinder, 4 Schweine, 23 Schafe (Schatzung: 4 Mark, 1 Schilling, 8 Pfennige), 1577 5 Pferde, 7 Kühe, 6 Rinder, 11 Schweine, 7 Schafe (Schatzung: 5 Taler 4 Schillinge). 1631 streiten Brockmeyer und Rottmann (Lienen-Dorfbauer) um eine Wiese. Um 1665 von Korff auf Harkotten eigen, gehört jetzt zur Bauerschaft Visbeck. Besitzer: 1965 Karl Brockmeyer; 2002: Konrad Dorenkamp (Karl Brockmeyer's Neffe)

Der Name

Der Name Brock-Meyer ist nach der Lage des Hofes geprägt.

Es erstreckt sich nördlich des Wohnhauses das Brok (= Bruch, Brook), das nur aus Wiesen besteht. Es war also der Meyer am Broke. Der Name Meyer, der früher eine Amtsbezeichnung war, ist so zu einem Anhängsel des Hofnamens geworden. Man kann nicht sämtliche Besitzungen, deren Name auf Meyer endigt, als ursprüngliche Meyerhöfe ansprechen. In diesem Falle nahm der Hofbesitzer eine übergeordnete Rolle gegenüber den übrigen Höfen dier Brock-Siedlung ein.

Erhalten ist eine Urkunde aus dem Jahr 1375, die sich mit dem Brockhof befaßt. Aus der Urkunde geht hervor, daß der ursprüngliche Name Broke war. Die Endung „Meyer“ ist dem Hauptbestandteile des Hofnamens zwischen 1437 und 1519 angefügt, wo der Name Brockmeyer zum ersten Male urkundlich belegt ist.


Die Brockmeyer´s heute

Entstanden sind mehrere Brockhöfe, von denen sich der Familienname Brockmeyer ableitete. Nachgewiesen sind der Brockhof in Glane-Visbeck, in Bohmte, und in Paderborn-Elsen, wo noch eine Straßenbezeichnung an den dortigen Brockhof erinnert. Anzunehmen ist, daß es weitere Brockhöfe gegeben hat und der Name Brockmeyer z. B. auch noch im Gebiet Bielefeld-Werther-Halle, Melle und Bramsche-Wallenhorst-Osnabrück entstanden ist. Dort gibt es noch heute jeweils auffällige Häufungen des Namens, die anders kaum zu erklären sind. Es ist anzunehmen, daß es mehrere Geschlechter Brockmeyer gibt, die an unterschiedlichen Orten entstanden sind und keine verwandtschaftlichen Beziehungen haben. Ahnen- und Namensforscher gehen momentan davon aus, das bei einem Namesvorkommen von ca. 500 Personen alle vom selben Stammvater abstammen.

Wilhelm Dionys Brockmeyer wanderte im Jahre 1912 in den Kreis Gütersloh nach Harsewinkel aus und gründete somit den Harsewinkeler Zweig der Familie Brockmeyer


Die Geschichte des Hofes und der Familie Brockmeyer zu Glane-Visbeck

Wer Ahnenforschung betreiben will, benötigt nicht nur Informationen zu Geburts- und Sterbedaten, sondern auch Hintergrundwissen. Diese Seite bietet: Daten zu Personen der Familie Brockmeyer, wie sie gelebt und gearbeitet haben und Hintergründe. Der folgende Abschnitt ist der Geschichte des Hofes Brockmeyer und den dort lebenden Menschen gewidmet, den Friedrich Brockmeyer bereits 1938 aufschrieb, weitere Geschichten von Familienmitgliedern und deren Lebensläufe befinden sich ebenfalls auf dieser Seite.

Die Hoflage

Der Erbhof – das frühere Vollerbe – Brockmeyer liegt in der Bauerschaft Glane-Visbeck (G l a n e: Der Wortstamm "glan" gehört zu dem indo-germanischen Wortstamm gel = hell glänzen; gallisch = Glane (Flußname); V i s b e c k bedeutet Siedlung an einem Bach; denn der Wortstamm "vis" – steckt in vihsa = Flecken, angelsächsisch wik Wohnstätte), die ihrerseits der Samtgemeinde und dem Kirchspiel Glane im Landkreis Osnabrück angehört. Der Landkreis Osnabrück, das frühere Fürstbistum Osnabrück, umfasste ein Gebiet von 2700qkm und verdankt seine Entstehung der um 783 n. Chr. erfolgten Gründung des Bistums durch Karl den Großen, es hatte bestanden bis im Dezember 1802 die Säkularisation seiner Selbständigkeit ein Ende bereitete. Nach wechselvollem Schicksal während der Fremdherrschaft unter Napoleon wurde es endgültig im Wiener Kongreß dem Königreich Hannover einverleibt und bildete bis nach dem 2. Weltkrieg einen Bestandteil der Provinz Hannover.

Wer auf dem First des Brockmeyerschen Erbwohnhauses steht und nach Norden blickt, sieht hinter dem Schloß Iburg die Bergketten des Teutoburger Waldes sich von Westen nach Osten erstreckten. Am eindruckvollsten bietet sich ihm der Dörenberg dar, welcher die höchste Erhebung des Osnabrücker Landes überhaupt (331 m über dem Meere) ist. Nach Süden und nach Westen dehnt sich die münstersche Tiefebene. Nach Nordosten zu, über den Gehrenbrink hin, ist der Anblick des Freden und weiter nach Südosten hin die wellige Gestalt des Kleinen Berges bei Laer und der Berge von Hilter und Dissen, die zum Teutoburger Wald gehören, höchst anziehend und anmutig. Etwa 3 km südlich von Iburg führt von der Landstraße Osnabrück-Münster, rechtwinklig abzweigend ein fast gradliniger Weg auf die geräumige Hofanlage, die sich also am Rande der westfälischen Tiefebene und unmittelbar vor dem Übergange zur Bergschwelle des Teutoburger Waldes befindet. Diese Lage gibt der Landschaft ihren eigenen Charakter.

Das Klima kann man als feucht und mild bezeichnen. Die Regenhöhe des Gebietes Osnabrück beträgt etwa 700 mm, was sie verhältnismäßig hoch zu gelten hat. Deshalb besteht die Gefahr der Auswaschung des Bodens; die ihm verabreichten Kunstdüngermengen unterliegen einer raschen Auswaschung, so daß auch die Möglichkeit einer Versäuerung „speziell auf den leichten Böden eine besonders große ist“. Die Auswaschung wird noch unterstützt durch den recht hohen Grundwasserstand. Das bestätigte auch eine im Mai des Jahres 1937 vorgenommene Bodenuntersuchung auf Kalkgehalt in der Gemeinde Glane. So ist z.B. eine Weide, die zum Erbhofe gehört und im Jahre 1935 aus einem nur mäßig gedelhenden Fichtenwalde gerodet wurde, stark sauer, während andere Ländereien und Wiesen der Stätte, die seit längerer Zeit bearbeitet werden, nur schwach sauer bzw. neutral sind. Die zum Hofe selbst gehörigen Ländereien zählen zur dritten bis siebten Bodenklasse. Die leichteren Böden lassen sich einfacher behandeln als die in und an den Bergen liegenden, zumal „bis tief in den Winter hinein häufig offenes Wetter herrscht. Von Mitte April bis Mitte Juli tritt meist eine Trockenperiode auf, in die recht häufig noch unangenehme Spätfröste hineinfallen“.

In der Zeit der Erdbildung dehnte sich während der Kreidezeit bis nahe an den Rand des Teutoburger Waldes das münstersche Kreidebecken. In der gleichen Zeit, im Mesozoikum der Erdgeschichte, entstand das Kreidegebiet des Osning. Haack schreibt: „Ganz im Süden schiebt sich eine Spezialmulde noch zwischen Osning und Kleinen Berg ein. Sie enthält Turon und vielleicht noch etwas Emscher. Letzterer und Senon füllen das weitgehende Becken der münsterchen Ebene“. In der Wende von der Kreide zur Tertiärzeit bildete sich der Osning und wahrscheinlich die Piesberg-Pyrmonter Achse. In der Eiszeit schoben sich von den Firnfeldern der skandinavischen Gebirge die Gletscher über das Ostseegebiet hinweg bis an das Mittelgebirge in Deutschland vor und gingen stellenweise noch darüber hinweg (Unterharz), Sie lagerten bei ihrem allmählichen Schmelzen mächtige Gletscher-, Schotter- und Kiesmassen wie auch Sand ab. So kommt es daß im ganzen norddeutschen Flach-lande bis an die deutschen Mittelgebirge heran die älteren Formationen durch Lehm, Kies und Löß bedeckt sind.

Im südlichen Teile des Landkreises Osnabrück herrscht der Sandboden (Geest) vor. Er wechselt ab mit Löß und Lehmboden. Die Bodengüte ist sehr uneinheitlich.

Die Besiedlung

Erst nach dem Ende der letzten Eiszeit vor 12000 Jahren wanderten die ersten Jäger und Sammler aus Südwesteuropa in unser Gebiet ein, in dem damals eine weitgehend baumlose Tundra vorherrschte. Von diesen Rentierjägern konnten an wenigen Stellen in Norddeutschland Lagerplätze gefunden werden. Später bewaldete sich unsere Landschaft, und etwa 5000 Jahre vor unserer Zeitrechnung begann der Ackerbau.

Aus der älteren Steinzeit sind im Osnabrücker Gebiet Funde bisher nicht bekannt geworden. Für die Zeit etwa seit 2500 vor unserer Zeitrechnung jedoch liegen Beweise genug für eine stetige Besiedlung einzelner Gegenden vor. Als solche dienten dem damaligen Menschen in erster Linie die sandigen Höhenzüge. Die feuchten Niederungen und die dichten Urwälder stellten den vorgeschichtlichen Menschen unüberwindliche Hindernisse in den Weg. Prinz nimmt südlich des Osnabrücker Berglandes Siedlungsinseln um Glandorf, Laer und Versmold an. Über die Träger dieser Siedlung des dritten vorchristlichen Jahrtausends läßt sich nichts Bestimmtes aussagen. Man kann vermuten, daß sie um 2000 v. Chr. Teils nach Südosten abwanderten, teils im Lande verblieben und mit den nachrückenden Stämmen zu den bronzezeitlichen Germanen verschmolzen. Jedenfalls haben seit der Bronzezeit Germanen „in ununterbrochener Folge das Land innegehabt. Die von Melitzen und anderen vertretene Theorie, daß vor den Germanen hier Kelten gesessen haben, ist heute durch Sprachwissenschaft, Bodenforschung und Siedlungskunde endgültig widerlegt. Die Stetigkeit der germanischen Besiedlung vom Beginn des zweiten vorchristlichen Jahrtausends bis in die geschichtlliche Zeit ist als gesichert anzusehen“.

Der zu den Westfalen gehörende Stamm der Brukterer (die ihren Namen vielleicht von dem Bruchland haben, in dem sie lebten) hatte das münstersche Land und wohl auch das Osnabrücker Bergland inne. Gegen Ende des ersten Jahrhunderts n. Chr. zogen die Angelvarier (Engern) nach Westen und vernichteten im Bunde mit den Chamaven einen Teil der Brukterer. Im 4. Jahrhundert n. Chr. schlossen sich die zu dieser Zeit im Osnabrücker Land lebenden Falchovarier, deren Name in dem Wort Westfalen weiterlebt, dem Stammesbund der Franken an. Viele dieser Franken dienten im römischen Heer, als Lohn erhielten sie Goldmünzen, die als Schatzfunde heute noch von ihren früheren Besitzern künden. Zahlreiche Franken zogen im 4./5. Jahrhundert in das Römische Reich.

Noch im 7. Jahrhundert hatten die Brukterer das Münsterland inne. Die Gegend südlich der Lippe hieß noch im 9. und 10. Jahrhundert Brukterergau (Brochtergo).

Sie haben sich also, wenigstens zum Teil, von den Engern nach Süden verdrängen lassen. Um 700 aber werden die münsterländischen Brukterer, die ja sicherlich ursprünglich bis zum Teutoburger Wald reichten, von den Sachsen unterworfen, die sich als eine dünne Herrscherschicht über die Brukterer setzten. Dörfer und einzelne Höfe aus jener Epoche sind nachweisbar. Man erkennt es an den Ortsnamen, die auf "dorf" enden, wie Glandorf, auch Sentrup deutet auf eine sächsische Gründung. Aus Untersuchung von Gräberfeldern ergibt sich, dass damals schon Christen hier gelebt haben. Funde auf Averbecks Hof deuten auf eine Gründung in karolingischer Zeit um 800 hin.

Stammesmäßig gesehen gehören die Bewohner des Osnabrücker Landes den Westfalen an. Dabei muß man sich vor Augen halten, das Westfalen ein Sammelname für eine Reihe von Stämmen oder Stammesresten ist. Wenn man den Unterschied zwischen Sachsen und Westfalen prägnant fassen will, könnte man die Westfalen mehr als zäh, die Sachsen mehr als forsch, diese als Draufgänger, jene als Verteidiger bezeichnen. Was die Glaner Mundart angeht, so nähert sie sich der münsterländisch-westfälischen Redeweise.

Vor der Christianisierung befand sich in der Nähe von Heringhaus, der etwa 1 ½ km östlich vom Hofe Brockmeyer liegt, eine Kultstätte des Gottes Donar, an die sich nach Südwesten die sog. Hölle anschloß. Das Wort ist abzuleiten von niederdeutsch "höl", „das nicht bloß Höhle, sondern auch allgemein Versteck, Unterschlupf, Zufluchtsort, ja noch im Mittelniederdeutschen geradezu für Festung gebraucht wird. Hierher zog sich die ansässige Bevölkerung bei drohenden Angriffen mit Weib und Habe in die Urwälder zurück. „Es ist nicht recht einleuchtend, daß die Germanen an der ersten besten Stelle in den Urwald hineindrangen, was dieser auch nicht gestattete, sondern man wird besondere Zufluchtsstätten gehabt haben“. An die Hölle schließt sich nach Osten der Donnerbrink an, der an die südlich von dem Brockmeyerschen Hofe gelegenen Besitzungen angrenzt. Der Donnerbrink war dem Donar geweiht. Daß die Hölle früh besiedelt war, beweisen die zahlreichen dort vorhandenen Hügelgräber, die dem 5. Jahrhundert v. Chr. Angehören, und die an ihrem Rande liegende Haufensiedlung in Westerwiede.

Aus der Zeit um Christ Geburt gibt es hier keine archäologischen Funde, so dass man für Glane keine Aussagen über die Zeit machen kann, in der bei Kalkriese, zwischen Ostercappeln und Bramsche, im Teutoburger Wald (keine 40km von Brockmeyer´s Hof entfernt) die Germanen unter Hermann (Arminius), dem Cherusker, die Römer in der Varusschlacht besiegten.

Bis um 800 hatten sich die Vorbedingungen für die Siedlungsfähigkeit des Landes im allgemeinen kaum gegenüber den vorgeschichtlichen Verhältnissen geändert. „Nur ganz allmählich wagte sich der Mensch ins wasserreiche Flachland vor. Die Lage der ältesten bis in die Gründungszeit des Bistums Osnabrück (Ende des 8. Jahrhunderts) hinaufreichenden Kirchen hart am Fuße des Berges, meist sogar auf halber Höhe der Höhenzüge, zeigt deutlich an, daß die Siedlung noch durchweg die Berghänge bevorzugte und erst allmählich in die Ebene vorstieß“.

Von 700 bis 1300 ging in Deutschland eine sehr ausgedehnte Rodung und Siedlung vor sich. Ungeheure Flächen bisher unbebauten Landes wurden unter den Pflug genommen und große Waldflächen urbar gemacht. Eine großartige Siedlungstätigkeit und Neuschaffung von Hofstellen brach sich in zielbewußter Arbeit Bahn. In dieser Zeit, um 1088, wird zuerst die Kirche von Glane erwähnt. Es wird eigens angedeutet, daß diese Kirche noch klein war. „Die Hälfte der ecclesiola in Glane wurde dem Kloster Iburg vor 1088 von der nobilia Gisela (später Abtissin in Bassum) geschenkt, Die andere Hälfte gehörte dem Bischof von Osnabrück. Das Kirchspiel wurde aus Teilen der beiden Kirchspiele Lienen und Laer gebildet, deren Sprengel ursprünglich durch den Glaner Bach getrennt wurden“. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat um diese Zeit der Brockhof in Visbeck schon bestanden. Jedenfalls kann er kaum später angelegt sein. Man tut gut, sich hierbei an die segensreiche Tätigkeit des Bischofs Benno II. von Osnabrück (1068-1088) zu erinnern. Norbert, der eine Darstellung des Lebens Bennos verfaßte, rühmt die Verdienste des Bischofs um die Anlage von Wegen, die durch die Sümpfe führten. Der Verbindungsweg Iburg-Glandorf war zwar ein alter Weg, aber er wird damals einen bedeutsamen Ausbau erfahren haben. Nahe an dieser Straße, westlich des Glaner Baches – jetzt liegt das Wohnhaus östlich ganz nahe am Ufer desselben -, muß ehemals der Brockhof gestanden haben; denn der Ort, an dem sich jetzt eine Weide längs der Straße Glandorf-Iburg und ein kleines Stück Holz erstreckt, heißt bis auf den heutigen Tag „de aule Hoff“.

Der Brockhof

Nahe des Verbindungsweg Iburg-Glandorf, westlich des Glaner Baches – jetzt liegt das Wohnhaus östlich ganz nahe am Ufer desselben -, muß ehemals der Brockhof gestanden haben; denn der Ort, an dem sich jetzt eine Weide längs der Straße Glandorf-Iburg und ein kleines Stück Holz erstreckt, heißt bis auf den heutigen Tag „de aule Hoff“.

Es ist reizvoll, dazu die mündliche Überlieferung zu halten, daß in ganz alten Zeiten die Familie Brockmeyer mit Schimmeln über das Brok nach Lienen zur Kirche gefahren sei. Der Weg, der über den Haverkamp zum „aulen Hoff“ führt, ist noch jetzt an einigen Stellen stark besteint, obwohl um 1880 eine ganze Anzahl von Steinen – inzwischen war ein anderer Verbindungsweg von der Straße zum Hofe angelegt – herausgebrochen waren, die den Hofraum pflastern sollten. Sollte die Erzählung vielleicht in die Zeit hinabreichen, in der Brockmeyer westlich des Glaner Baches wohnte und deshalb vor Gründung der Glaner Kirche den Gottesdienst in Lienen besuchte? Sie müßte dann wenigstens ins 11. Jahrhundert hinabreichen und würde damit zu den frühesten Anhaltspunkten für die Geschichte des Brockmeyer-Hofes gehören. Sie geht aber wohl erst auf das 17. Jahrhundert zurück, wo sich mehrere Male Personen aus dem Kirchspiel Lienen auf dem Brockhof einheirateten, die, wenn auch nicht mit ihrer ganzen Familie, so doch für sich persönlich noch ihre alte Lienener Kirche besuchten.

Der sicherste Anhaltspunkt jedoch für das Alter der Brockmeyers Stätte ergibt sich aus der allgemeinen Siedlungsgeschichte des Osnabrücker Landes. Schon der Name Brock-Meyer vermag reichen Aufschluß zu geben. Er ist nach der Lage des Hofes geprägt. Denkt man sich die etwa 1,50 m hoch aufgeschüttete Straße Iburg-Glandorf, die in der gegenwärtigen Gestalt Napoleon hat bauen lassen, fort, so erstreckt sich nördlich des Wohnhauses das Brok, das nur aus Wiesen besteht, an deren östlichen Rande sich der Glaner Bach binschlängelt. Es war also der Meyer am Broke. Die Besiedlung des Bruches vollzog sich im Osnabrücker Lande in mehreren voneinander unterscheidbaren Abschnitten. Die erste Urbarmachung klingt noch an in den Ortsnamen Brokseten, die heute verändert als Broxten, Broxtermann und dergleichen fortbestehen. Es sind Anlagen, die sich schon dem ersten Anblick nach als Zwischenbildungen zwischen der Dorf- und Einzelhofsiedlung darstellen. Sie sind also jünger als die Dorfsiedlungen und mögen auf das 9. Jahrhundert zurückgehen. Des Beispiels wegen sei nur hingewiesen auf die Hofe Stüve und Zumbroxten, die den Kern der Bauernschaft Broxten im Kirchspiel Venne ausmachen, auf die Höfe Broxtermann, Sundermann und Kohstall in der Bauerschaft Harderberg, auf den Hof Broxtermann in Sentrup, auf die Höfe Broxtermann, Grothaus und Böckmann in Allendorf bei Borgloh. Die Brok-, Bröker-, Brockhof-, Brockmeyer-Siedlungen dagegen stellen sich mehr als Einzelsiedlungen dar, wie Brockhof zu Darum, Brockmann zu Icker, beide im Kirchspiel Belm, Bröcker zu Nahne, Gr.- und Kl.-Brockmann in Sudendorf und Brockmeyer in Visbeck. Sie geben sich damit deutlich als aus einer etwas späteren Siedelzeit stammend, die man rund in das 10. und 11. Jahrhundert zu verlegen hat. In Visbeck selbst dürfte die Bruchsiedlung mit der Gründung des Brockhofes (der späteren Brockmeyers Stätte) begonnen haben, so wie auch der betreffende Bauerschaftsteil in Nahne in Anschluß an den Brökerhof entstanden sein wird. Brockmeyer, Koke und Kruse – daran erinnert noch der Krusenkamp – lagen räumlich noch verhältnismäßig eng beieinander. Sie mögen also den Kern der Visbecker Brok-Siedlung gebildet haben. Erst in der Folge schlossen sich die weiter auseinander errichteten Höfe Heuer (= Dethof), Huster, Gr.- und Kl.-Hartlage an. Die ältesten Urkunden über den Brockhof sind in den Stürmen der Zeit verlorengegangen.

Erhalten ist eine Urkunde aus dem Jahr 1375, die sich mit dem Brockhof befaßt. Aus der Urkunde geht hervor, daß der ursprüngliche Name Broke war. Die Endung „Meyer“ ist dem Hauptbestandteile des Hofnamens zwischen 1437 und 1519 angefügt, wo der Name Brockmeyer zum ersten Male urkundlich belegt ist. Der Name Meyer, der früher eine Amtsbezeichnung war, ist so zu einem Anhängsel des Hofnamens geworden. Man kann nicht sämtliche Besitzungen, deren Name auf Meyer endigt, als ursprüngliche Meyerhöfe ansprechen.

Der Esch schloß sich unmittelbar nach Süden und der Haverkamp nach Osten an den alten Hof: Esch und Haverkamp liegen westlich des Glaner Baches , was ein Hinweis mehr darauf ist, daß ursprünglich das Erbwohnhaus westlich des Glaner Baches gelegen hat. Es ist wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß die ursprüngliche Ackerflur Esch genannt wurde, der sich fast nur auf hochgelgegenem leichteren Boden, entsprechend den anfänglichen Siedlungs- und Bebauungsmöglichkeiten befindet. Möglicherweise hat das älteste Siedelhaus hier gestanden.

Um die Mitte des 13. Jahrhunderts war der heimische Bauernstand in der seiner wirtschaftlichen Entwicklung an einem entscheidenden Punkte angelangt. Jeder, der Bauer wurde, hatte bis dahin noch ein wirklicher Bauer werden können, ohne daß es ihm an Siedelland gebrach. Das wurde im 13. Jahrhundert anders . Die Neusiedler brachten es nur in stetem Kampf noch zu Erbköttern und in der Folge nur noch zu Markköttern und Neubauern. So hatte der Hof schon etwa 400 Jahre bestanden, als ihn die uns erhaltene Urkunde vom 11.5.1375 geschichtlich näher bringt. Der Inhalt dieser Urkunde (Foto rechts) besagt: „Gerd von Lingen, seine Gattin Katharine und sein Sohn Johann verkaufen Hermann Korff, Heinrichs Sohn , das Erbe zu Broke, Kapl. Glane, auf dem ehemals Brun to Broke wohnte, und Claweses – Erbe zu Schonebeck Kapl. Laer (Lodere) für fünfzig Mark Osnabrücker Pfennige auf Wiederlöse jährlich zwischen Martini (11. Nov.) und Mittwinter (25. Dez.). Ferner überlassen sie ihm auf ungewisse Zeit den Blankendyk zwischen Glane und dem Lohofe. Gerd verpflichtet sich zum Einlager im Harkotten im Kolenhus (Kuhlmann?)“.

Urkundliche Erwähnungen

Eine andere ebenso wichtige Urkunde hat folgenden Inhalt: „1382 März 11. (feria fercia post dominicam qua cantatur Oculi). Knappe Gerd von Lingen, seine Gattin Katharina und Kinder Johann Zander, Heilwich, Grete und Fige verkaufen den oberen Hof zu Berghe, Hermann-Erbe zu Broke, Kokenbrynkes-Erbe zu Broke, der Crusen-Erbe zu Broke und Fennen Schonebeke (Schonebek) Bredeckes Kotten und den Blankendiek bei dem Lohof, Kspl. Laer, endlich den Eigenbehörigen Henke de Owendelen an Hermann Korff, Sohn des verstorbenen Ritters Heinrich Korff, und seine Gattin Jutta vor dem Gerichte zu Versmold unter Verpflichtung zum Einlager im Harkotten.

Der Herausgeber der Urkunden in den „Nichtstaatlichen Archive des Reg.-Bez. Münster, für Haus Harkotten E. Müller, und B. Beckmann haben bezweifelt, ob in der Urkunde vom 11.5.1375 mit dem Erbe zu Broke Brockmeyer gemeint sein kann. Es gibt zwar im Kirchspiel Glane zweimal die Flurbezeichnung Brok, einmal für die Scheventorfer und Schleppenburger Wiesen, die im Norden unmittelbar an Brockmeyers Besitzungen angrenzen, und das andere Mal in der Bauernschaft Sentrup, wo noch heute ein ehemaliger Eigenhöriger des Frhr. v. Ketteler wohnt, nämlich Broxtermann.

Im Osnabrücker Gebiet aber war schon Jahrhunderte vorher die Unterscheidung von Brokseten und Broke klar herausgearbeitet. Als 1147 die St. Johannispfarre zu Osnabrück (Osnabr. Urk. I, 276) von der dortigen Dompfarrei abgetrennt wurde, erhielt sie innerhalb ihres Pfarrsprengels auch die Bauernschaften Nahne und Harderberg mit dem Bauerschaftsteilen Broke, mit dem noch heute bestehenden Bröckerhof, und Brokseten, dem Sitz des jetzigen Bauern Broxtermann , zugewiesen. Zudem heißt Broxtermann in Sentrup eindeutig in den Urkunden Broksten. Eine Urkunde vom 26.6.1445 besagt nämlich: „Vor Albert Scroder, Grograf zu Warendorf, vermacht Hermann Korff gen. Smysing seiner Frau Neze als Leibzucht: das Burgleben zu Yborch (Iburg), Herspinck und das Molenhaus zu Lynen (Lienen), Ostendorpes Haus, Brokstenhaus und den Hof to Broke in dem Kirchspiel Glane usw.“

Es werden also beide Höfe klar voneinander getrennt. Im übrigen findet sich der Name Broxten als Bezeichnung eines Teiles der Bauernschaft Sentrup im Lehnregister von 1350. Der Name Broksteyn im Kirchspiel Laer tritt in einer Urkunde vom 17. Februar 1377 auf. Auch in Urkunden vom 11. Nov. 1462, vom 29.11.1502 und 28. Nov. 1503 wird der Hofname von Broxtermann als Broxten angeführt.

Jedenfalls und darauf kommt es hier an, ist der sprachliche Unterschied von Broksten und Broke so klar wir nur möglich, so daß die Urkunde von 1375 eindeutig nur den Brockmeyers Hof zu beziehen ist.

Der erste Gutsherr des Brockhofes, Gerd von Lingen, war der Angehörige eines münsterschen Rittergeschlechtes, das drei Querbalken in seinem Wappen führte. Es kommen nur die in den Urkunden 1375 und 1382 genannten Personen vor. Stüve hält sie für identisch mit den Lienen; doch treten beide Familien gleichzeitig mit verschiedenen Taufnamen auf. Die Lienen waren osnabrückische Edelherren. Um 1350 wird ein Johannes von Lingen als Lehnsträger des Bischofs von Osnabrück erwähnt.

Jedenfalls ist ein Abstieg des Rittergeschlechtes von Lingen im 14. Jahrhundert ganz offensichtlich, während die Herren von Korff in der letzten Hälfte eben diesen Jahrhunderts einen glänzenden Aufschwung an Besitz und Ansehen nehmen. Das Geschlecht von Korff stammt aus dem Münsterlande und blüht bis in die Gegenwart. Seine Geschichte hat E. Müller kurz so zusammengefaßt: „Der Sittelkamp und das auf ihm gebaute Haus Harkotten gehörte seit der Mitte des 13. Jahrhunderts der Familie von Korff (Kersekorf), seit 1309 als fürstlich-münstersches Leben. 1334 teilten die Gebrüder Heinrich und Eberhard, die Stammväter der beiden Linien von Korff, endgültig ihr väterliches Erbe. Während die jüngere Linie noch jetzt auf Harkotten sitzt, wurde die ältere, Schmiesing zubenannte, 1615 in ihrer Hälfte des Gutes von der Familie von Ketteler beerbt. Diese erwarb 1718 durch Heirat mit der Erbtochter der Erbmannsfamilie v. d. Tinnen das Haus Möllenbeck, Kirchspiel Wolbeck, und die angehörigen Güter.

Die Brockmeyers Stätte wird ferner in einer Urkunde vom 27. Juni 1437 genannt, in der Hermann Korff gen. Schmiesing seiner Frau Neze neben anderen Höfen den Hof zu Broke in dem Kirchspiel Glane als Leibzucht vermacht, d. h. er bestimmt, daß seine Frau Neze, wenn sie Witwe werden sollte, als Witwenversorgung die Jahresabgaben der genannten Höfe zu beziehen habe. Einen ähnlichen Inhalt hat eine Urkunde vom 26. Juli 1445. Dann schweigen für eine Weile die Urkunden, Erst aus dem Jahre 1519 liegt wieder eine Urkunde vor.

Der Viehbestand

Anfang 1519: im Februar dieses Jahres dingt die junge Frau Brockmeyer den Nachlaß ihres verstorbenen Mannes vom Grundherrn für 26 Goldgulden. Vermutlich ist es jene Frau, die 1579 als Elschen Brockmeyer starb. Am 25. Februar 1520 dingt die alte Bäuerin den Nachlaß ihres verstorbenen Mannes für 12 Goldgulden. Aus der Zeit zwischen Februar 1519 und Februar 1520 wird ein Kopfschatzregister des Kirchspiels Glane stammen. Darin wird nämlich der alte Brockmeyer noch als lebend bezeichnet. Die junge Witwe ist nicht angeführt. Vielleicht war sie in jenem Jahre steuerfrei Infolge der Zahlung des Sterbefalles ihres Mannes. Das Kopfschutzregister von 1540 führt an:

„de olde Brockmeyer et uxor 8 Sch(illing) Imme 1 de moder pauper 2 Sch. 11 Pf. Brockmeyer et uxor 20 Schilling Imme 3 8 Sch. 8 Pf.“

Die junge Witwe (Elschen) von 1519 hat demnach eine zweite Ehe geschlossen. Ihr zweiter Mann, der als Mahljahrswirt die Wirtschaft führte, ist nun der olde Brockmeyer geworden, da inzwischen offenbar Ludwig, der Sohn des 1519 verstorbenen Brockmeyer, die Stätte innehat. Schon hier könnte man sehen, wie das Erbrecht auf den Kindern der ersten Ehe ruhte. Die alte Moder lebt ebenfalls noch, allerdings ohne eigenes Vermögen auf dem Hofe. Man darf für sie ein sehr hohes Alter annehmen; rechnet man 90 Jahre, so kommt man in das Jahr 1450. Sie oder ihr Mann mögen jene Bauern als Eltern gehabt haben, die um 1445 ihre Pacht für die Versorgung der Gattin des Hermann Korff abliefern sollten. Sie war es also auch wohl, die 1520 den Nachlaß ihres verstorbenen Mannes gedungen hat und in dem Kopfschatzregister von 1519 als Gese bezeichnet ist und um die Jahrhundertwende aktive Bäuerin war.

Der Viehbestand im 16. Jahrhundert war recht stattlich. Das Schatzregister von 1545 zählt für den Brockmeyer auf:

„7 Pferde, 8 Kühe, 2 Schmalrinder, 10 Schweine, 6 Schafe.“ Ebenfalls hatte der damalige Bauer einen Knecht. Um das Jahr 1520 war auch eine Magd erwähnt. Eine Übersicht über den Viehbestand mag folgende Tafel geben:

Viehbestand und Steuerkraft waren also in den Jahren 1545 bis 1578 durchweg gleichmäßig.

Ludwig's Geschäfte

Der Bauer Ludwig Brockmeyer war anscheinend zweimal verheiratet. Aus der ersten Ehe stammten dann vermutlich die Söhne Ludwig, der 1579 ausgewechselt wurde, Bernd, der 1603 starb, und der spätere Anerbe Aleff (Adolf), ferner die Tochter Sieken. Um 1560 scheint er dann in zweiter Ehe die (Trine) Hülsebrock aus Ostenfelde geheiratet zu haben. Sie wird nämlich in einem Wechselprotokoll vom 30. November 1563 als Bäuerin auf dem Brockhofe genannt. Aus dieser Ehe scheinen die Tochter Pelleken und der Sohn Johann zu stammen.

Im April 1561 wurde zwischen Johann Kerstappel (= dem Herrn von Schleppenburg) und dem Brockmeyer ein Vertrag geschlossen, der sich auf einen Fahrweg über des Brockmeyers "Awerwische" bei dem Hagen und über den Haverkamp bezog. Kerstappel erhielt die Erlaubnis, den Weg zum Fahren und Treiben zu benutzen. Er mußte sich bereit erklären, den Weg mitzuunterhalten. Dagegen kann Brockmeyer eine "Ahnenweide" auf dem Vogelpohl im Kirchspiel Glane von "14 Tage vor Michaelis bis 8 Tage vor Maitage" für Kühe, Pferde und Schafe auf das "Schnittgräs" treiben lassen wollte, bequemer und kürzer. Er ist jetzt nur noch insoweit vorhanden, als er notwendig ist, daß Brockmeyer zu seinem Acker auf dem Haverkamp und zu der Awerwische gelangen kann. Durch diese Wiese führt ein schmaler Pfad, den die Schleppenburger noch heute gern benutzen, wenn sie auf dem kürzesten Wege zu dem "Schnittgräs" gehen wollten. An die ehemalige Brücke über den Glaner Bach erinnert ein Steg bei der Pappel in der Awerwische. Über den Fuhr- und Treibweg kam es zwischen der Witwe Kerstappel, Katharina, geb. Strithorst, und den Ostenfeldern Bauern, die dem Kloster Iburg, zum größten Teil jedenfalls, eigenhörig waren, im Jahr 1594 zu langwierigen Auseinandersetzungen. Die Schafe, Kühe und Pferde liefen nämlich vom rechten Wege ab und richteten in der Ostenfelder Mark solchen Schaden an, daß sich die Bauern fast täglich bei den Mönchen in Iburg beschwerten und eine Abschaffung des Weges verlangten. Die Witwe Kerstappel aber wies mit Recht darauf hin, daß der Weg schon 33 Jahre lang zum Treiben und Fahren von ihr benutzt wurde. Der Streit wurde schließlich dahin beigelegt, daß die Witwe Kerstappel und deren Nachfolger von Stund an dafür sorgen sollen, daß durch die Benutzung des Weges den Ostenfeldern Bauern kein Schaden entstehen kann.

Ein Teil dieses Weges, das etwa 25 m lange, für den Hof wichtige Verbindungsstück vom Haverkamp zur Straße wurde am 10. Mai 1603 von Wilbrand Korff, dem derzeitigen Gutsherrn Brockmeyers, dem Besitzer der Schleppenburg "für eine genügliche Summe Geldes" verkauft. Er sollte damit für immer dem Hofe verloren sein. Allerdings soll "dem Brockmeyer der Wegh nach seinem Haberkampfe zu düngen, sechen, bauen und treiben jederzeits frei und unbespeert sein und pleiben".

Am 23. Mai 1579 wurde Ludwig Brockmeyer, offenbar der Sohn des Bauern Ludwig aus dessen erster Ehe, von Kaspar Schmiesing gegen Johann des Schulten Sohn zu Ostenfelde ausgewechselt.

Zwei Jahre später, am 8. Juli 1581, wurde im Erbwohnhaus auf dem Haverkamp der Nachlaß der Bäuerin Trine Brockmeyer aufgezeichnet. Er ist gegenüber dem Nachlaß Elschens von 1579 recht stattlich, wenn auch die verstorbene Bäuerin verschiedenen Personen mehrere Taler schuldete. Sie hatte bis damals offenbar die Leitung des Haushaltes in Händen gehabt. Der Bäuerin Trine folgte der alte Großvater im Tode nach.

Nun gab der Bauer Ludwig Brockmeyer den Hof an seinen Sohn Aleff ab, der sich darauf mit Trine Meyer zu Eppendorf vermählte. Der Meyer zu Eppendorf dingte die Auffahrt seiner Tochter und den Sterbefall des Vader Brockmeyer für 60 Taler, von denen er 30 Taler nebst einem Taler (Winn) für seine Tochter Trine sofort bezahlte.

Um diese Zeit geriet der Brockmeyer (ob noch der alte Bauer Ludwig oder schon der Jungbauer Aleff, ist zweifelhaft) in Auseinandersetzungen mit seinem Schwestersohn Schlattmann. Der alte Brockmeyer hatte diesem die Erlaubnis gegeben, sich auf Brockmeyerschem Grunde einen Kotten zu zimmern. Dafür sollte Schlattmann jährlich 2 Taler weniger einen "Ort" entrichten, dem Gutsherrn aber vier Dienste tun, "zwey bei Grase und zwey bey Stroe", Der Bauer beabsichtigte nun, den Kotten niederzureißen. Der Grundherr, den er davon unterrichtete, aber gab dem Antrage nicht statt; denn für ihn handelte es sich um die vier Dienste des Kötters, die ihm in der Ernte wohl zu statten kamen. So warnte er den Bauern, daß er eine "Tonne Butter" als Strafe zu zahlen habe, falls er den Schlattmann erneut behellige. Über das Schicksal des Kottens ist nur wenig bekannt.

Sicher ist, daß Aleff Brockmeyer im Frühjahr 1582 bereits selbständig die Verwaltung des Hofes führte. Von ihm forderte nämlich seine Schwester am 28. April 1582 vor dem Gutsherrn in Harkotten ihrem ausstehenden Brautschatz oder Kindesteil. Der Gutsherr bestimmte, daß bis Michaelis 1582 die "gebürende Kistenfüllung" zu erfolgen habe. An demselben Termin sollte der Bauer seiner Schwester eine Kuh abgeben. Aleff wird auch im Kopfschatzregister von 1601 als Bauer angeführt.

Seine Halbschwester Pelleken verheiratet sich im Jahre 1592 an den Erben der dem Kloster Iburg eigenbehörigen Averbeckschen Stätte zu Glane. Zu Ostern desselben Jahres hatte der Bauer der abgehenden Pelleken mit Bewilligung des Gutsherrn "eine landesübliche Kistenfüllung" versprochen, "dazu ein Kopfrindt, sechs Schef. Roggen und an gude zwei Pferde (doch soll der Brockmeier berechtigt sein, daß eine mit zehen dalern zu lösen), ein entervollen, drei Kühe, drei schmale Rinder, drei Schaffe mit Lammern, sechs Schweine und ein Ordecken in der Wische und geffen von einem Fode Holes Hauff jahrlangh a dato dieses...".

Für die Auswechselung liegen beide Urkunden vom 5. Juli 1592 vor, einmal vom Kloster Iburg, das andere Mal vom Gutsherrn Kaspar Schmiesing, der für Pelleken vom Kloster "Immeken des Schulten Uffelage eheliche Tochter" als Eigenbehörige zurückerhielt. Das Wechselgeld betrug zwei Goldgulden und wurde bezahlt.

Am 23. Februar 1593 starb Annen in Brockmeyers Backhause. Entweder war sie eine von dem Hofe abgehende Tochter oder die Gattin des neun Jahre später verstorbenen Bernd Brockmeyer, der als Heuerling im Backhause ebenfalls in Armut starb, oder sie war noch eine aus der vorigen Generation stammende Tochter.

Die Heuerleute

An dem Aufkommen der Backhäusler und Heuerlinge zeigt sich die erschreckend zunehmende Landnot. Die Anlage neuer Siedelstätten hörte nach und nach auf. Die abgehenden Kinder, die nicht auf einen Hof freien konnten, blieben im Kotten oder in einem Nebenhause des Hofes wohnen. Der Landarbeiterstand war im Anwachsen. Doch zeitigte die Not der eigenen Kinder bei den Bauern eine Selbsthilfemaßnahme, die noch bis in die Gegenwart nachwirkt und das Osnabrücker Land deutlich etwa von Ostdeutschland mit seinem bezeichnenden Guts- und Landarbeiterbetrieb abhebt. Bei uns zu Lande entwickelten sich die landlosen Leute als Heuerleute, die auf eigene Rechnung vom Bauern Land in Pacht nahmen, dem Bauern aber bei der Arbeit halfen. Das war, zumal für die letzten Jahrhunderte der bäuerlichen Hörigkeit, die offensichtlich einzig mögliche Lösung einer unheimlich brennenden Frage. Die Grundherrn, auch der Landesherr, ließen keine Teilung der Höfe zu, da sie für ihre Einkünfte leistungsfähige bäuerliche Betriebe behalten wollten. Letzten Endes hat neben den Heuerleuten selbst der Bauer als Familienvater die Einrichtung der Heuerleute durchgefochten, bis sie allerdings vielerorts ein ungesundes Ausmaß annahm. Ihre Bedeutung hat sich in der Zeit der Freizügigkeit und der Industrialisierung des Landes stark abgeschwächt, und es hieße das Leben vergewaltigen, wenn man es auf frühere Behelfsformen zurückschrauben wollte. Damals aber wuchs der Heuerling als eine Notwendigkeit aus dem Schicksal der Bauernfamilie hervor.

Am 8. Juni 1594 wurde der Nachlaß von Katharina Brockmeyer, einer Nichte Aleffs, die zu Warendorf gestorben war, aufgezeichnet. Sie hatte sich vielleicht nach dorthin verheiratet. Auch sie war ohne Vermögen, so daß ihr der Nachlaß "umb Gotteswillen von dem Godherrn und seiner Hausfrouven nachgelassen ist". Doch soll die unmündige Tochter mit Namen Gertrud vorläufig bei ihrer Großmutter Sieke Brockmeyer, die in Widenbrugh (Wiedenbrück) wohnt, bleiben und später bei dem Gutsherrn dienen. Diese Sieke war die "echte rechte Swester von des Brockmeiers Erb" und forderte deshalb von ihrem Bruder Aleff ihren Brautschatz. Aleff hatte ihr 2 Pferde, 2 Kühe, 2 Schweine, 2 Schafe und 3 Molt Korn versprochen, hatte aber nur 2 Kühe und 1 Molt Roggen abgegeben. Er konnte auch kaum abliefern, was er versprochen hatte. Das wird klar, wenn man sich den Viehbestand der Stätte in damaliger Zeit und zugleich die Forderungen der übrigen abgehenden Kinder bzw. Geschwister vergegenwärtigt. Am 23. Oktober 1594 verspricht Aleff seiner Schwester Sieken, die mit ihm auf Harkotten erscheint, noch 4 Scheffel Roggen zu liefern. Auf die übrigen Ansprüche hat sie verzichtet.

Aus der Tatsache, das Sieke eine Schwester Aleffs war und 1594 schon Großmutter ist, kann man schließen, daß Aleff als Jüngster das Erbe übernommen hat.

Am 9. Oktober 1602 wurde Johann Brockmeyer, der Sohn Ludwigs, an Hermann Stael, den Herrn von Sutthausen, gegen Everdt Westerwedde von Holckenbrinks Stätte im Kirchspiel Laer gewechselt. Das Wechselgeld wurde mit 4 Talern bezahlt. Im Jahre 1598 starb der Großvater Ludwig. Das Kopfschatzregister von 1601 (111). führt für Brockmeyer an:

„Aleff Brockmeyer 3 Dal. Trine uxor 2 Dal. Lodewich filius 12 Sch. Herman 12 Sch. Item Maget Regina 6 Sch. Item Elsche 8 Sch. Erfkotte Item Trine filia 3 Sch. Erfkotte Item 1 Hüsselten Johan Rotermundt 6 Sch. Item Trine uxor Johan Rotermundt 3 Sch.“

Der Vertrag von 1581 mit Schlattmann war von den Bauern beobachtet worden; denn Elsche lebte noch in dem Erbkotten, der damals so hart vor dem Niederbruch stand. Der Hüsselte Rotermund war wohl ein abgehender Sohn von der damaligen Markkötterei gleichen Namens.

Am 20. Mai 1610 dingt Ludwig Brockmeyer den Nachlaß seines "seligen Vatters Adolff" mit dem Hergeweide für 56 Taler. Der Termin der ersten Zahlung war der Glandorfer Markt. Am Schlusse des Jahres 1611 mußte alles bezahlt sein, was auch geschehen ist. Im Jahre 1616 heiratete Johann, der Erbe des Hofes, Grete Schamberg aus Lienen, die am 27. November 1616 die "aufford auf das Brockmeyers erff zu Glane gedingt!. Der Nachlaß der noch lebenden alten Bäuerin und die Auffahrt der jungen Braut beliefen sich auch 98 Taler. Grete mußte sich dem Gutsherrn zu eigen geben. Der Winnkauf wurde bezahlt. Am 20. Dezember 1618 wurde Ludwig Brockmeyer, der ein Bruder des Bauern und als Knecht geführt wurde, an die Wittib Niemeyer im Kirchspiel Glane versprochen. Dafür mußte das Kloster Iburg dem Gutsherrn Schmiesing einen Ersatz in der Person des Jürgen Vorlagen (?) aus dem Kirchspiel Laer stellen.

Obschon Aleff 1610 gestorben ist, wird er 1611 und 1618 im Viehschatzregister noch als Bauer erwähnt. Solche Irrtümer kommen in den Registern häufiger vor, weil die Steuerlisten für mehrere Jahre benutzt wurden oder die Namen aus der alten Liste abgeschrieben wurden.

Krieg und Schulden

In die Bauernzeit Johann Brockmeyers fiel der Dreißigjährige Krieg. Das Kirchspiel Glane gehörte lange Zeit hindurch zum Grenzgebiet zwischen den Kaiserlichen und den Schweden. Zur Willkür der Kriegsführung kam der Steuerdruck, der oft das Letzte aus dem Lande herausholte. Nur wenige Nachrichten sind darüber erhalten geblieben. Im Jahre 1618 wurde Brockmeyer zu einer Steuer von 7 Talern herangezogen. Soviel kostete damals ein gutes Pferd. Vom 1. Mai 1631 bis 1. Dezember 1631 hatten Brockmeyer, Niedermeyer und Heringhaus je 5 Taler 19 Schillinge und dazu noch eine wöchentliche Abgabe von je 8 Schillingen zu entrichten. 1634 zahlten der Brockmeyer, seine Frau, Knecht und Magd einen Taler 13 Schilinge 6 Deut.

Der Lebenswille des Volkes aber blieb ungebrochen. Wir wissen, daß Johann und Margarethe Brockmeyer drei Kinder groß zogen, die Töchter Gertrud, welche sich an Kahle in Laer vermählte und dort 1694 verstarb, Margarethe und Katharine, welch letztere um 1619 geboren, nach Beendigung des Krieges den angestammten Hof von den Eltern übernehmen sollte. Johann Brockmeyer selbst kaufte 1629, mitten im Kriege, die halbe Vogelpohlwiese. Jetzt gehört sie nicht mehr zum Hofe. Wann sie veräußert wurde, ist nicht mehr überliefert.

Im Mai 1649 starb Hermann Brockmeyer, der auf Möllers Stätte in Ostenfelde gezogen war. Ohne sich auswechseln zu lassen, hatte er auf einem Hofe des Grafen zu Tecklenburg gelebt. Wilbrandt Koke, der damals Bördevogt war, mußte berichten, daß nur Armut vorhanden sei. Seinen Brautschatz habe er im Verlaufe von 16 Jahren verzehrt, weil er nicht habe arbeiten können. Insgesamt hatte er 19 Taler Schulden. Er scheint infolge Krankheit, zumal in den letzten Lebensjahren nicht recht arbeitsfähig gewesen zu sein.

Margarete, die Tochter Johann Brockmeyers, verheiratete sich 1654 an den Schulten Uffelage in Lienen, dessen Hof über das Brok hinweg nur 20 Minuten zu Fuß entfernt lag. Die über die Ausstattung ausgestellte Urkunde lautet:

„Moritzen Uffelage als itzigen Besitzern Ufflagen Erbes sein mit dessen Haußfrouwen Margarethen Brockmeyers, Johann Brockmeyers zu Glane Tochter, versprochen nach gesetzter Gestalt: Erstlich die Auffahrt von den Iburg´schen Beambten zu dingen. Ihme den Freibrief zu lieffern, item die Kisten zu fullen nach lantsgebrauch zu dreyen theilen, item alles gute als drey Pferde theil, drey Kühe, drey Rinder, drey Schweine, zwölf Schafe, drey Molt Rogken, drey Molt Habern.Item der Braut dazu gehörige Kleider, damit sie mit ihnen bestehen soll. Hieraus empfang ein Pferd, zwey Follen, zwey Kühe, ein Schlachtrind; die Auffahrt hat der Brockmeyer bezahlt.“

Die Erbfolge auf Brockmeyers Stätte selbst war dieses Mal mit Schwierigkeiten verbunden. Am 12. November 1651 wurde Katharina Brockmeyer, die Tochter des Bauern, mit Johannes Hüggelmeyer aus Ohrbeck in der Glaner Pfarrkirche im Beisein der stattlichen Verwandtschaft feierlich getraut. In der „Persohn-Schatzung“ vom Jahre 1652 aber wird das junge Paar nicht auf dem Hofe geführt. Die Steuerliste nennt nur den Brockmeyer mit Frau, Sohn, Tochter, Knecht und Magd. Unter den Bauern und seiner Frau sind noch die Eltern Johann und Margarethe zu verstehen. Der Gutsherr hatte die jungen Leute noch nicht als Bauern anerkannt. Es kann also fraglich bleiben, ob sie etwa wegen eines Gemeindeamtes des Mannes steuerfrei und deshalb in der Steuerliste nicht aufgezeichnet oder ob sie noch gar nicht auf dem Hofe wohnten.

Am 2. November 1653 wurde Vater Johann auf dem Glaner Friedhofe zur letzten Ruhe bestattet. Bei der Dingung des Sterbefalles ist anscheinend versucht, beim Gutsherrn die Erbfolge der Tochter Katharina zur Anerkennung zu bringen. Wohl um ihn günstig zu stimmen, bot man ihm an, schon gleichzeitig auch den Sterbefall der noch lebenden Mutter zu bezahlen. Der Vermittlung Johann Hartmanns zu Iburg gelang es am 11. Januar 1654 in Anwesenheit der jungen Eheleute Johann Hüggelmeyer und Katharina Brockmeyer und das Jakob Upmeyer, die beiden Sterbefällfe auf 50 Taler festzusetzen, die in drei Terminen „auf Fastnacht, Jakobi und Christnacht laufendes Jahres“ zu zahlen waren. Die Winnkäufe wurden sofort bezahlt. Der Gutsherr bekam drei Taler, der Schreiber einen Goldgulden.

Obwohl das junge Paar den Hof bewirtschaftete, kam einstweilen doch die Dingung der Auffahrt noch immer nicht zustande. Bis 1663 lebte die Mutter. Die Auffahrt wurde erst 1669 auf Eingreifen des befreundeten Amtsvogtes Johannes Vohrenholtz von Iburg, der als Pate bei der Taufe des 1658 geborenen Sohnes Johannes der jungen Bauern mitgewirkt hatte, wenn auch ver-spätet unter Dach und Fach gebracht. Das Wahrscheinlichste ist, daß der Anerbe bei der schwierigen wirtschaftlichen Lage der Stätte auf sein Anerbenrecht zugunsten seiner Schwester Katharina verzichtet hatte und daß auch die abwartende Stellungnahme des Gutsherrn mit der Schuldenlast des Hofes zusammenhängt, in die derselbe während des Krieges geraten war. Manche Bauern, die während des Krieges trotz aller Drangsal durchgehalten hatten, haben im ersten Jahrzehnt des "Friedens" ihren altererbten Hof verlassen, weil sie sich den Forderungen, die der Landesherr, der Gutsherr und die abgehenden Kinder an sie stellten, nicht gewachsen sahen.

Man braucht dabei nicht an eine Willkür des Gutsherrn zu denken. Er handhabte sein Gewohnheitsrecht und erkannte auch seine eigenen Verpflichtungen gegenüber den Eigenhörigen an. Über die auf Harkotten herrschenden gutsherrlichen Gepflogenheiten sind ausführliche Aufzeichnungen erhalten. Bei der Ablieferung des Getreides erhielten die Lieferanten Mittagessen für zwei Personen, beim Überbringen der Schweine ein Pfund Brot und ein Pfund Speck. Bei den zwei Mähediensten hatte der Grundherr für das Mittagessen zu sorgen. Wenn er die Eigenhörigen in der Höhe der Pächte nicht einheitlich behandelte, so lag das meist an den Bedingungen, unter denen er früher einmal seine Rechte an der einzelnen Stätte erworben hatte. Brockmeyer hatte eine verhältnismäßig hohe Pacht zu zahlen. So konnte er besonders leicht in Rückstand kommen. Seine Abgaben bestanden damals in: 2 Paar Hühnern, 3 Molt Roggen, 5 Molt Hafer und 14 Talern 13 Schillingen. Der letztgenannte Geldbetrag umfaßte 2 Schweine, 1 Taler Pachtgeld, 2 Goldgulden Maigeld, 2 Goldgulden Dienstgeld und 1 Goldgulden für eine volle Fuhre. In Wirklichkeit ist Brockmeyer damals seinen Verpflichtungen nicht ganz gerecht geworden, wie folgende Zusammenstellung im einzelnen zeigt:

Leistungen an den Gutsherrn: Im Jahre 1659 wurde nichts bezahlt. In anderen Jahren (1660, 1661, 1663, 1664, 1668) wurde zu viel abgeliefert, so da0 dadurch einige Rückstände abgetragen wurden. Weil der Bauer offenbar das Menschenmögliche getan hatte, wurde er dann 1669 zur Dingung der Auffahrt zugelassen. Immerhin war er im Jahre 1674 dem Gutsherrn noch schuldig: 161 Taler, 3 Schillinge, 3 Pf., 20 Molt 5 Scheffel Roggen, 61 Molt 2 ½ Scheffel Hafer und 44 Hühner. Das bedeutet nach unsern Begriffen etwa das gesamte tote und lebende Inventar eines Bauernhofes.

Eine der großen Sorgen des Landesherrn bestand darin, die den Schweden für ihren Abzug versprochenen 80 000 Taler zu beschaffen. Dementsprechend lauteten seine Steuerzettel. Er forderte beispielweise im November und Dezember 1650 von Brockmeyer neben der ordentlichen Steuer noch einen Zuschlag von 4 Talern, von Niedermeyer einen solchen von 7 Talern, von Heringhaus von 6 ½ Talern. Im Mai, Juni, Juli und November 1651 erhob er von Brockmeyer monatlich je 4 Taler, im August, September und Oktober je 2 Taler, von Dezember 1651 bis zum März 1652 monatlich je drei Taler und als Rest der Schweden-steuer im August 1651 von Brockmeyer, Niedermeyer und Heringhaus je 12 Taler. Für den Kopfschutz von 1652 trugen Brockmeyer und seine Frau 4 Taler bei, ihr Sohn und ihre Tochter je 14 Schillinge, der Großknecht 1 Taler, die Magd 8 Schillinge. Außerdem zahlten als Erbschatz im selben Jahre 1652 Brockmeyer und Niedermeyer je 3 Taler, Koke 2 Taler. 1653 entrichteten von Januar bis Mai Brockmeyer und Niedermeyer monatlich je 1 Taler, Koke einen halben Taler Steuer. In den Sommermonaten Juni bis Oktober entfielen auf Brockmeyer je ½ Taler, im November und Dezember je 3 Taler. Im Jahre 1654 von Januar bis April je 2 Taler, im Mai und Juni je 1 ½ Taler.

Die Viehsteuer des Jahres 1658 betrug in zwei Terminen jeweils 7 Taler 2 Schillinge 7 ½ Pfg., für Niedermeyer jeweils 7 Taler 18 Schillinge 19 Pfg., für Heringhaus je 10 Taler 1 Schill. 9 Pfg., im Jahre 1661 in drei Terminen für Brockmeyer je 3 Taler 8 Schillinge 1 ½ Pfg., für Niedermeyer je 8 Taler 7 Schillinge 6 Pfg., für Avermeyer je 7 Taler 4 Schillinge 4 ½ Pfg. für Albers je 6 Taler 10 Schillinge 1 ½ Pfg. (146); im Jahre 1662/63 in 5 Terminen für Brockmeyer je 3 Taler 12 Schillinge 4 ½ Pfg. für seinen Hüsselten je 1 Taler 15 Schillinge, für Niedermeyer je 6 Taler 15 Schillinge 3 Pfg., für Koke je 6 Taler 1 Schilling 3 Pfg.

Der Viehschutz wurde nach der Kopfzahl des Viehes erhoben. So geht auch aus ihm hervor, daß es zu dieser Zeit im Viehstall bei den Nachbarn besser aussah besser aussah als bei Brockmeyer. Und was hier der Landesheer und der Gutsheer übrig ließen, das wurde dringend von den abgehenden Kindern der Stätte benötigt. Unter diesen Umständen schien es fast eine Unmöglichkeit für den Bauern, wieder auf einen grünen Zweig zu kommen.

In der Gemeinde selbst, der weltlichen wie der kirchlichen, hat Brockmeyer auch in jener für ihn so widrigen Zeit stets seinen Mann gestellt. Die politische Gemeinde, Bauerschaft und Kirchspiel, forderte vor allem die notwendigen Spann- und Handdienste. Der Pfarrer zu Glane erhielt von den Bauern des Kirchspiels zu Weihnachten je 1 hausbacken Brot, 1 Mettwurst und 3 Pfg., in der Osterwoche durchschnittlich je 10 Eier und 6 Pfg. Die größten Höfe, z.B. Obermeyer und Niedermeyer, lieferten je 12 Eier und 9 Pfg. Brockmeyer entrichtete 9 Eier und 6 Pfg. Wir besitzen noch das Einkünftebuch der Pfarrgemeinde Glane von 1662 an und sehen daraus, daß Brockmeyer jedes Jahr vollständig seinen Pflichten nachkam. An den Küster zu Glane waren aus Brockmeyers Stätte jährlich ¼ Scheffel Roggen zu liefern. Außerdem war jeder Kirchspielseingesessene, der Pferde besaß, verpflichtet die nötigen Spanndienste für die Kirche zu leisten, Wer keine Pferde hatte, mußte Handdienste verrichten. Dabei wurde freies Essen und Trinken gewährt. Als Lohn galt durchschnittlich der Satz von 9 Pfg. Es herrschte in Glane die Sitte, daß jeder an den vier hochzeitlichen Festen vom 12. Lebensjahr an seinen „Denar“ opferte. Am St. Stephan stag (26. Dez.) brachten alle Pferdebesitzer eine Opfergabe, damit für die Gesundheit des Viehes gebetet würde. Das ist der Ausklang einer alten Hafersegnung und der Weihe der Futtermittel für das Pferd überhaupt. Ein kleiner Ausschnitt aus Brauchtum und Sitte zeigt, wie der Bauer über alle Schicksalsschläge hinweg in seiner Gemeinschaft stand und in guten und bösen Tagen in der Gemeinde mitarbeitete und ihr auch in Weihestunden sein eigenes Gepräge aufdrückte.

Kindersegen

Aus der Ehe der Katharina Brockmeyer mit Johannes Hüggelmeyer entsproß eine stattliche schar von Kindern, nämlich:

1. Anna Sibilla, geb. 1651; 2. Kind ohne Namen (Jürgen), geb. 1653; 3. Margaretha, geb. 1656; 4. Johannes, geb. 1658, gest. 1661 (?); 5. Elisabeth Catharina, geb. 1662; 6. Katharina, geb. 1663; 7. (?) Hermann, geb. ?, ist 1681 auf Lahrmanns Stätte in Hilter.

Die Tochter Anna war im Herbst 1679 bereits auf Hunnemanns Kotten zu Lengerich verheiratet; sie war 1716 daselbst noch am Leben. Die Tochter Gertrud, auch Grete genannt, verheiratete sich am 8. November 1677 an Everard Kemna; sie wohnte 1679 auf Rhienerß Kotten im Kirchspiel Glane und ist am 9. April 1721 auf dem Glaner Friedhof beerdigt. Die 1656 geborene Tochter Margarethe, bei der Margharete Uffelage, geborene Brockmeyer, Taufpatin war, starb schon am 10. Februar 1663. Die jüngste Tochter Katharina wurde Frau Thiemann in Laer. Hermann, wohl nicht der jüngste Sohn, zog auf Lahrmanns Stätte nach Hilter. Bei dem zweiten Kinde, das am 20. August 1653 geboren ist, fehlt im Taufbuche der Vorname. Der spätere Erbe des Hofes heißt Jürgen, den wir in diesem zweiten Kinde zu suchen haben. Der 1658 geborene Sohn ist als Johannes eingetragen. Er war 1679 bereits gestorben, so daß das Anerbenrecht damit auf den älteren Bruder Jürgen übergegangen war.

Wenn es auch 1639 zu Mißhelligkeiten zwischen Uffelage und Brockmeyer wegen Auszahlung des Brautschatzes - das war ja immer eines der Sorgenbündel, aber nicht das schwerste des auf dem Hofe lebenden Bauern - kam, so hat dieser Vorgang nicht die freundlichen Beziehungen zwischen den benachbarten Höfen trüben können; denn bei mehreren Kindern des späteren Erben sind die Uffelagen als Taufpaten bei Brockmeyer angeführt.

Auf dem Brockhofe befanden sich 1670 zwei Feuerstellen, d. h. zwei Familien, die eine im Erbwohnhause (für sie waren zwei Taler Steuer zu entrichten), die andere im Backhause (sie wurde mit einem Taler besteuert). Bei Heringhaus war en ebenfalls zwei Feuerstellen, die eine im Erbwohnhause, die andere in der Leibzucht, steuerpflichtig. Niedermeyer hatte damals nur eine Hauptfeuerstelle. Auch in den Jahren 1671 und 1672 sind bei Brockmeyer die beiden Feuerstellen im Steuerregister zu finden; für beide wurde aber einstweilen nur die Hälfte der geforderten Steuer entrichtet.

Am 11. September 1679 wurde der alte Bauer Johann zu Grabe getragen. Da er einen außerordentlich fesselnden Einblick in die Lage des damaligen Bauer gibt, wird er im Wortlaut beigegeben:

"Anno 1679 den 7. Dezembris ist Johann Brockmeyerß in Glahn Sterbfall und Nachlassenschaft angezeichnet und befunden wie folgt: Ahn Kindern 4, ein Sohn und drey Töchtern; Gerdruth ist frei gekauft, ihrer Angabe nach, und wohnt auf Rhienerß Kotten, Kirspele Glahn, hatt gedient. Eneke hatt sich zu Lengerich niedergesetzt auf Hummermanns Kotten, muß den Freibrief nachliefern, hat noch nicht gedient. Trineke ist von 14 oder ungefähr 15 Jahren. Jürgen hatt gedient undt das Erbe angenohmen, hatt noch nicht gedungen, sondern der Vatter das Erbe verwahret und untergehabt.

Ahn Kleider. Ein baumsieden Wambß und linnen Bückßen; ein alter Hueth und ein Pahr Schue, ein paar alte blawe Hoesen, zwey Hembden.

Ahn Beddewerk. Vier Stücke so sehr schlegt, 1 Poell, 3 schlechte Beddelaken. Ein locheriger Kessel von 2 1/2 Eimer Waßer, ein alteisern Pott ohne Stahlen von ohngefehr 5 Kannen, ein langer Hael, eine geklappete Pfannkuchenpfanne, zwey Mistforke, 1 Rinnplagge Sievet (?), eine Zeiße, zwei Schottforken, eine Aexse, eine Barde, ein Schnittmesser mit der Lade.

Ahn Holtzwerk. Ein langer Disch, zwey Beddekasten, so beide sehr alt, zwey Kisten, eine von vier Scheffel, die andern ohne Bode und Deckel, zwey alte Brodtschippen, 4 Stühle, ein Zwingblock, zwey Bracken, eine Drinckekoeser, eine Karne, sechs Milchbecken, ein Eimer, eine Mohle, zwey Schinckeder (?) und eine Holtzkelle, sechs Hottgenschußel und sechs Beksel, fünff Flögel, 2 Wannen, zwey Gaffeln, ein beicke Ledder und ein Deichtrog aus gantze Holz gehauen. Ahn Pferden, Drey Pferde, ein Fuchs von 19 Jahren, ohngefähr zwey brune Mutterpferde von 10 Jahren, auch ein Fullen von drey Viertell Jahr, so braun. Drey Kühe, ein schwartzbundt, ein rothstripede undt ein rothschüvede Kuh. An Rindern. Zwey schwartzschuvede und ein rothes Rind. Drey (?) Kälber, deren 2 schwartzschuvede und eine schwartz. Deß Jürgen Jörgen Brockmeyer..... Kocke Tochter hatt 1 Kühe, ein Rindt und ein Kalb mitgebracht, so selbige sich zu eigenet. Vier Schweine, davon 2 Pachtschweine geben, item drey Faselschweine von verwichenem May undt eine Mutter. Viertzig Schaffe so der Verwaltung zu Scheffendorff seinem Schäffer zugehörig sein sollen. Fünf Gänße und 14 Hüner und ein Han. Zwey Flieder ungedroschenen Roggen, ahn Gersten anderthalb Flieder, ahn Habern zwey kleine Flieder, drey Flieder Hawes. Ahn Roggen zu Winter geseget: ein Molt, 6 Scheffel. deren 8 Scheffel uffen Berken (?) Esche undt auff der Hanfohr 1 Molt. Ahn Hanff, 20 Schäube undt einbindtsell Flachß. Ist kein Geld alda vorhanden, sondern wie sie sagen, große Schuldt."

Die Urkunde reizt so manchen interessanten Vergleich seit den Verhältnissen unserer Tage. So ist z.B. die Frage der schwarz- und rotbunten Kühe erst seit 1870 eindeutig für die schwarzbunte Rasse entschieden. Es zeigt sich ferner eine ungeheure Intensivierung der Ackerbebauung und Ausnutzung gegenüber 1679. Das fünfzehnfache wird in manchen Früchten z. B. Roggen und Hafer geerntet.

Am 10. Juli 1675 wandten sich Johann Brockmeyer, Kaspar Kl.-Hartlage, Johann thor Hetlage und Herm. Koke in einer Eingabe über die widerrechtliche Entfernung von Kühen seitens des Gutsherrn an die Kanzlei in Osnabrück. Der Gutsherr hatte jedem sofort eine Kuh aus dem Stalle holen lassen, ohne, wie es üblich war, von der Ankündigung der Pfändung bis zur Ausführung drei Tage zu warten. Über den Ausgang der Angelegenheit ist nichts bekannt.

Der Anerbe Jürgen verheiratete sich am 1. Dezember 1676 mit einer Tochter vom Nachbarhofe Koke mit Namen Anna. Gut zwei Wochen später ließen beide Eheleute sich die Auffahrt auf die Stätte und die Sterbfälle beider Eltern des Anerben auf 85 Talern festsetzen. Aus dieser Ehe stammten drei Kinder, Katharina Elisabeth, Anna Margaretha und Anna., von denen Katharina die spätere Erbin sein sollte. Das Eheglück währte nur acht Jahre. Einen Monat nach der Geburt der dritten Tochter trauerte Jürgen um seine nur 30 Jahre alt gewordene Gattin. Noch in demselben Jahre heiratete er Anna Gertrud Brunemann, die von Brünemanns Erbe zu Lienen kam. Von ihr hatte er nur ein Kind namens Anna Margaretha, da sie zehn Tage nach der Geburt des ersten Kindes im Alter von 28 Jahren starb. Bei der Aufzeichnung der Sterbfälle wird die Stätte als in "schlechten Umständen" bezeichnet. Anscheinend hatte sie sich noch nicht wieder von der Abführung der Sterbfälle in den Jahren 1679 und 1684 erholt. Eineinhalb Jahre nach ihrem Tode, im Winter des Jahres 1687, heiratete Jürgen zum dritten Male; diesmal war seine Frau eine geborene Angela Maria Heymann. Am 12. Januar 1688 hat Jürgen die Auffahrt für seine dritte Frau gedungen. Erst 1700 wird ihr der Freibrief von Adolf, dem Grafen von Bentheim Tecklenburg, ausgestellt. Das Kirchspiel, aus dem sie stammt, ist merkwürdigerweise nicht angegeben. Sechs Kinder, von denen nur Gerhard Heinrich – er erhielt am 28. Dezember 1730 den Freibrief und verheiratete sich nach Iburg - älter als 20 Jahre geworden ist, stammten aus dieser Ehe.

Katharina, die älteste Tochter aus der Ehe Jürgens mit Anna Koke, erbte den Hof, da die jüngste Schwester aus erster Ehe ausdrücklich auf ihr Anerbenrecht verzichtet hatte. Sie ging am 22. Juni 1700 die Ehe mit Peter Wilhelm Brunemann ein, der den Namen des Hofes annahm. Drei Tage vorher erschienen beide in Begleitung von Jürgen Brockmeyer, Johann Brunemann und "Lisbeth der alten Kokeschen", vor dem Gutsherrn, um sich über die jährlich zu entrichtenden Abgaben zu einigen. Als Pacht hatte der damalige Bauer zu zahlen: vier Hühner, zwei fette Schweine, drei Molt Roggen, fünf Molt Hafer, dazu in bar einen Taler oder 16 Groschen münsterisches, Maigeld 2 Goldgulden, an Kohlengeld 1 Goldgulden, an Dienstgeld 2 Goldgulden, außerdem mußte er sich zu der Abgabe von Flachs, zur Leistung von Mähe- und Pflugdiensten verpflichten. Schließlich hatter er noch eine Bergfuhre im Hilterer und Epener Berge zu leisten. Den Freibrief seines früheren Gutsherrn sollte Brunemann innerhalb von acht Tagen einliefern.

Aus der Ehe von Peter Wilhelm Brockmeyer, geb. Brunemann, und Katharina Brockmeyer entstammen neun Kinder, von denen fünf Mädchen waren, nämlich:

1. Anna Elisabeth, geb. 1701; 2. Johannes Hermann, geb. 1702; 3. Everhard Georg, geb. 1704, gest. 1709; 4. Margarethe, geb. 1706; 5. Johannes Wilhelm, geb. 1708; 6. Peter Wilm, geb. 1712, gest. 1775; 7. Katharina Elisabeth, geb. 1714; 8. Katharina Elisabeth, geb. 1716, gest. 1716; 9. Maria Elisabeth, geb. 1718, gest. 1720.

Der Anerbe Peter Wilm, wurde am 9. Oktober 1712 geboren. Margaretha, am 14. März 1706 getauft, verheiratete sich an Heinrich Linckemeyer in Borgloh. Für das Jahr 1716 liegt ein "Personale der Eigenhörigen sive Kinderbuch" vor. Von den beiden Schwestern der Bäuerin ist die eine (Anna Margarethe) Frau Dorenkamp geworden, die andere (Anna) ist 30 Jahre alt und unverheiratet. Als Schwestern des alten Jürgen werden noch Anna, die an Hunnemann in Lengerich, Grete, die an Kemna in Glane, und Katharina in Laer verheiratet ist, erwähnt.

Leider fehlen im Staatsarchiv zu Osnabrück die Prästationslisten der Jahre 1718 bis 1723 gerade von einigen Bauernhöfen aus der Bauerschaft Glane-Visbeck, so z.B. von Heringhaus und Brockmeyer. An Rauchschatz mußte damals Brockmeyer 2 Taler, an Monatsschatz 3 Taler, 15 Sch. 9 Pf. entrichten; Niemeyer an Monatsschatz 4 Taler, 7 Sch., an Rauchschatz 2 Taler; Heringhaus an Monatsschatz 3 Taler 10 Sch. 6 Pf., an Rauchschatz 2 Taler. Im Landregister, das sehr unvollständig ist, fehlen jegliche Angaben über Brockmeyer.

Anna, die jüngste Tochter aus Jürgens erster Ehe, hatte freiwillig ihr Anerbenrecht an die älteste Schwester abgetreten. Ihre Abfindung wurde am 23. Mai 1721 auf Harkotten vor dem Rentmeister Koch abgegrenzt. Anna sollte von ihrer Schwester 80 Taler, ein Pferd, eine Haltering, eine Kuh, ein Rind, ein Schwein, 1 Molt Roggen, 1 Molt Gerste, 1 Molt Hafer, 1 paar Betten und für das Ehrenkleid 5 Taler erhalten. Den Freibrief bezahlte sie mit 10 Talern, so daß Anna sich 1721 mit Kaspar Heinrich Maßmann in Remsede vermählen konnte. Als die junge Frau kurz nach der Geburt des ersten Kindes starb, nahm die Bäuerin auf dem Hofe ihre Nichte Maria Elisabeth gerne an sich; sie hatte ja drei Kinder im zartesten Alter verloren. Ihre jüngste Tochter Maria Elisabeth war 1718 geboren, und so paßte die kleine Maria gut in diese Reihe hinein.

Im Jahre 1727 errichtete Peter Wilhelm entweder ein neues Wohnhaus oder ein anderes Gebäude, jedenfalls ist noch jetzt auf der Diele des Erbwohnhauses der ehemalige Querbalken über der Einfahrt mit der Inschrift vorhanden, diese Inschrift lautet: "PETTER WILHELM BRUNMANN UND KATRINA ELISABETH BROCKMEIERS ANNA 1727 DEN 26. JUNIUS." Es ist wohl dieses das erste Wohnhaus östlich des Glaner Baches gewesen. Noch heute steht es an derselben Stelle.

Der jüngste Sohn, der Anerbe der Stätte, trug die Vornamen seines Vaters, Schon im Alter von 21 Jahren verheiratete er sich mit Anna Margarethe Linnemeyer. Es scheint zu Auseinandersetzungen mit dem Vater, der erst 1737 den Hof an den Erben übergab, gekommen zu sein. Die Ehe war Insofern verfrüht, als höchstwahrscheinlich von den noch lebenden fünf Geschwistern noch keines versorgt war. So ist es wohl erklärlich, daß der junge Peter sich in seinem Trotze nicht in Glane oder Laer, wo er seine Braut gefunden hatte, vermählte, sondern daß er auswärts die Trauung vollziehen ließ. Sie fand am 12. Mai 1734 im Hohen Dome zu Osnabrück statt, nachdem die Trauleute sich ausgewiesen hatten, daß sie von der Verpflichtung des sonst üblichen dreimaligen Aufgebots befreit waren. Vielleicht haben sie vorerst nicht die Brockmeyers Stätte bezogen. In dieser Ehe erblickten sieben Kinder das Licht der Welt. Es sind folgende:

1. Johannes Wilhelm, geb. 1737, gest. 1762; 2. Johannes Friedrich Wilhelm, geb 1738, gest. 1740; 3. ohne Namen, geb. 1740, gest. 1740; 4. Johannes Hermann (Friedrich) Heinrich, geb. 1741; 5. Johannes Heinrich, geb. 1743, gest. 1746; 6. Johannes Everd, geb. 1745; 7. Georg Heinrich, geb. 1748.

Gerhard Heinrich Brockmeyer, der am 20. Oktober 1697 als zweitjüngstes Kind der dritten Ehe Jürgens geboren war. und sich 1730 nach Iburg vermählte, forderte am 19. November 1735 vom Bauern Peter Wilhelm die Auskehrung seines kindlichen Anteils. Beide einigten sich dahin, daß ersterer 50 Taler und 1 Kuh erhalte.

Am 3. Januar 1744 wurde die gütig gesinnte Großmutter Katharina, am 20. Januar 1746 der alte Peter Wilm zu Grabe getragen. Ihr Sohn und Erbe war, wie schon seine verfrühte Heirat zeigte, einer, der mit dem Kopf durch die Wand rennen wollte. Unter ihm ging es auf der Stätte, die seit dem großen Kriege hart, aber nicht erfolglos um ihren Bestand gerungen hatte, trotz der einen oder anderen glücklichen Unternehmung anscheinend wieder bergab. 1748 lieh er sich insgesamt 140 Taler, die am 21. Oktober 1750 durch Aufnahme neuer Schulden bereits auf 217 Taler angewachsen waren. Obschon der Bauer nicht um Bewilligung der Schulden beim Gutsherrn nachgesucht hatte, erkannte die Freifrau v. Ketteler die Schulden an.

Um das Jahr 1755 ist die erste Gattin Peters gestorben. Am 16. November 1757 hat Peter für Anna Maria Imfeld aus dem Kirchspiel Gesmold die Auffahrt auf sein Erbe für 40 Taler gedungen. Maria Anna Imfeld schenkte ihm als erstes Kind am 21. Dezember 1760 einen Sohn namens Caspar Heinrich. Die sechs weiteren Kinder dieser Ehe sind:

9. Peter Wilhelm, geb. 1763; 10. Maria Elisabeth, geb. 1765; 11. Jost Heinrich, geb. 1768; 12. Maria Elisabeth, geb. 1770, gest. 1771; 13. Johannes Matthias, geb. 1772; 14. Maria Elisabeth Henriette, geb. 1774.

Das jüngste Kind war also ein Jahr alt, als der Vater am 4. April 1775 zur letzten Ruhe bestattet wurde. In Johann Koke fand die Witwe vier Jahre später einen neuen Gatten.

Der Müller

Am 10. März 1763 beliefen sich die Schulden der Stätte nach einem Protokoll des Gogerichtes Iburg auf 2875 Taler 21 gute Groschen 8 Pfg. Daß sie, wenn mit dem notwendigen bäuerlichen Zielbewußtsein gewirtschaftet wurde, nicht beängstigend zu sein brauchten, zeigte selbst der Gutsherr, der unter dem 18. April 1766 einwilligte, daß Brockmeyer sich zum Ankaufe eines Grundstückes in der Größe von zwei Maltersaat 5 Scheffelsaat in der Ostenfelder Mark vom Amtmann Arends in Lienen 240 Taler lieh.

Es verlohnt sich, die Geschichte dieser 240 Taler in einem Zuge darzustellen. Der Amtmann Arends überließ die Forderung am 20. Mai 1771 an die Witwe Jakob Kriege in Lienen. Im Jahre 1779 wurde sie an Prediger Pastor Smend in Lengerich abgetreten. Im Jahre 1795 ging sie an Müller Aßmann von der Scheventorfer Mühle über, der laut Protokoll des Gogerichtes zu Iburg vom 17. Juni 1793 schon eine Forderung von 360 Taler betrug. Am 13. Januar 1810 wurde die Schuld in dem "Hypothekenbureau zu Osnabrück unter Nr. 349 des Inskriptionsregister" eingetragen. "Verpfändet ist des Brockmeyers Prädium in specie der aus der Ostenfelder Mark angekauften nahe beim Brockmeyerschen Hofe zu Glane im Kanton Iburg, Districts Osnabrück belegenen 2 Maltersaat große Zuschlag." Der Gläubiger ließ sich also als Sicherheit das Pfandrecht am Krusenkamp, für den das Geld ja auch ausgegeben war, bewilligen. Am 1. Juli 1828 ging die Forderung von 600 Talern 15 Sch. 3 Pf. an den Herrn Leggemeister Rasch in Osnabrück über. Die Witwe Oberleggemeister Rasch, geb. Koch, überließ sie am 15. April 1848 ihrem Sohn, dem Kammergerichtsreferendar Gustav Rasch zu Berlin. Aus dem Vermögen des katholischen Pfarre Iburg wurde am 5. Mai 1848 diese Schuld erworben. Erst in der fünften Generation seit Aufnahme der Schuld, am 26. Mai 1920, war es Johannes Brockmeyer kurz nach seiner Rückkehr aus dem Weltkriege vorbehalten, die Schuld und Hypothek endgültig zu löschen, die 154 Jahre auf dem Hofe gelastet hatte. Wenn es auch unter den geschilderten Umständen schwer war, zu dem endgültigen Besitze des Krusenkampes zu gelangen, so sind die heutigen Bauern auf Brockmeyers Stätte ihrem Vorfahr Peter Wilm für den Kauf dankbar; denn seitdem der Krusenkamp 1906 in Weide umgewandelt wurde - bis dahin war dort nur etwas Buchweizen gesät -, ist er zu einem unentbehrlichen Bestandteil in der Wirtschaftsführung des Hofes geworden. Sommer für Sommer findet dort eine Anzahl von fünf bis sieben Rindern ihre Nahrung.

Der alte Peter Wilm hat es noch mit eigenen Augen gesehen, wie sein Anerbe sich eine Frau aus Wellendorf holte. Am 11. Juni 1773 erschien er mit seinem Sohne Georg Heinrich und dessen Braut Gertrud Wellendorf auf Harkotten, um die Auffahrt zu dingen. Die Höhe der Auffahrt betrug 50 Taler, die sofort bezahlt werden mußten. Das Protokoll bezeichnet gleich eingangs die Stätte als "in sehr schlechten Umständen". Der Gutsherr beanspruchte 2 Sterbekühe; der junge Bauer mußte sich verpflichten, an Rückständen aus verschiedenen Verdingen eine Schuld von 140 Talern zu übernehmen. Als Leibzucht erhielten die Eltern den halben Kotten und den in der Nähe gelegenen Garten zur Hälfte. Ebenfalls bekommen sie bestimmte Ackerstücke zum Besäen. Die jungen Bauern verpflichten sich, diese Ackerstücke wie ihre eigenen zu bearbeiten. Sie wollen von den fünf kleinen Kindern zwei übernehmen und sie auch an Kleidung ordentlich ausstatten und zur Schule schicken. In die außergewöhnliche Armut des Hofes vermittelt die Tatsache, daß auf dem Hofe nur zwei Pferde vorhanden sind, die dazu noch dem ältesten Sohne Johann Hermann Heinrich gehören, einen erschreckenden Einblick; denn 200 Jahre vorher waren 7 bzw. 5 Pferde auf dem Hofe. Der Anerbe soll die Pferde für 30 Taler übernehmen. Maria Gertrud Wellendorf aber mußte sich nach der Bestimmung der "Osnabrücker Eigentumsordnung", um als Bäuerin anerkannt zu werden, ihrer Freiheit begeben und in die Eigenhörigkeit des Freiherrn von Ketteler eintreten. So blieb dem Gutsherrn die Eigenbehörigkeit auch der Nachkommen der Bauern gesichert; denn die Eigenhörigkeit entstand (auch) im Stift Osnabrück und der Grafschaft Ravensberg durch Geburt von einer unfreien Mutter. Zeugen und Unterhändler dieses Vertrages waren der alte Meyer zu Bergsten und Johann Heinrich Wellendorf, beide aus dem Kirchspiel Borgloh. Die kirchliche Trauung fand in Glane im Hochsommer des Jahres 1773 statt. Im November desselben Jahres heiratete der eben genannte Hermann Heinrich Anna Elisabeth Gehrmeyer aus Glane-Visbeck. Zwei Tage nach der Beerdigung des Altbauern, am 6. April 1775, wurde das erste Kind aus der jungen Ehe, ein Mädchen, zur Taufe getragen, daß die Namen Maria Katharina Gertrud erhielt. Die Großmutter aus Wellendorf wirkte als Taufpatin mit. Es wurden 6 Kinder in dieser Ehe geboren:

1. Maria Katharina Gertrud, geb. 1775; 2. Maria Elisabeth, geb. 1776, gest. 1779; 3. Maria Anna Gertrud, geb. 1778, gest. 1838; 4. Franz Heinrich, geb. 1780; 5. Maria Gertrud, geb. 1784, gest. 1786; 6. Caspar Heinrich, geb 1787, gest. 1788;

Der Anerbe erblickte am 24. September 1780 das Licht der Welt.

Nach dem Brandversicherungsregister vom Jahre 1780. waren versichert; das Haus zu 500, die Leibzucht zu 100, das Nebenhaus zu 100, der Schoppen zu 40, das Backhaus zu 20 Talern, was insgesamt 810 Taler ausmacht, Der jährliche Beitrag belief sich auf nur 1 Taler 6 Schillinge. Niedermeyer hatte seine Gebäude zu 800, Heringhaus zu 850 Talern versichert.

Das Vermessungsregister vom Jahre 1787 gibt als Größe des Brockmeyerschen Besitztums an; In Visbeck 11 Maltersaat, 9 Scheffelsaat und 10 Quadratruten; in Ostenfelde, das damals mit seiner Gemarkung das gesamte Gebiet westlich des Glaner Baches umfaßte, 28 Maltersaat, 3 Scheffelsaat und 36 Quadratruten, sodaß der damalige Besitz etwa 56,7 ha betrug.

Die Verschuldung des Hofes nahm indessen solche Fortschritte, daß er dem Abgrund nahe kam. Die Gläubiger drängten solange, bis am 11. September 1792 eine Verheuerung vieler Ländereien vorgenommen werden mußte, Am 3. September hatte die Gutsherrschaft dazu ihre Erlaubnis erteilt, Das Pachtgeld der einzelnen Pächter floß unmittelbar zum Rentmeister, so daß der Bauer ausgeschaltet war. Sogar zwei Kotten, der sog. Heidenberg- und Haverkampkotten, wurden den Gläubigern E.H. Brockmeyer, Rolffs bzw. Picker zur Benutzung übergeben. Allerdings diente der Haverkampkotten, wohl das ursprüngliche Wohnhaus bis 1727, als Leibzucht. Hören wir den Wortlaut des Protokolls: "Die Halbscheid des vordersten Esches und der ganze mittelste Esch, auch zwei Ende Landes bei dem Schafstalle, imgleichen die obere Wiese und vier Stück im Zuschlage sind dem Kolono Brockmeyer ut in protokollo de 15. Sept. 1780 belassen worden , dergestalt, daß derselbe reparationes des Wohnhauses auch Rundefuhren, Jagde, Wachte, Gutsherr-item Rauch- und Gografen Hühner, kurz alle onera ex propriis stehen müsse, und daß nur bloß die Korn- und Geldpacht, Brand und Monatsschatz mit den bewilligten Zinsen es Emonituria genommen werden sollen. " Den Kotten, der Windflöte genannt wurde, und vier Stücke Landes, die nächst dem Kotten im Zuschlage lagen, mußte der Bauer seiner Gattin überlassen. Von seiner Frau - darauf deutet auch eine kurze Notiz hin - lebte er zeitweilig getrennt. Auch in einem Protokoll vom 4. Oktober 1792 machte seine Frau durch einen gewissen Klöntrup Anspruch auf 45 Taler. An den Pastor von Glane hatte er schon seit zwei Jahren keine Würste und seit fünf Jahren keine Eier mehr abgegeben. Picker, der eine Forderung auf 55 Taler, 7 gute Groschen, 11 Pfg. hatte, ließ zwei Wagen, einen kupfernen Kessel, einen Pflug, ein Pferd, eine Anrichte und zwei Töpfe pfänden.

Der Müller Aßmann stellte in einer schriftlichen Eingabe vom 4. Oktober 1792 an den Rentmeister fest, daß er eine Forderung von 516 Talern an den Hof habe. Sie war aus verschiedenen Quellen so hoch angeschwollen. Dieser Müller war der gerissenste unter allen Gläubigern. Sein Ziel tritt in der Eingabe deutlich hervor. Er will allmählich allen anderen Gläubigern die Schuld abkaufen, um so in den Besitz des Hofes zu kommen. Er wendet sich deshalb energisch gegen die stückweise vorgenommene Ausheuerung. Er wünscht, den ganzen Besitz mit einigen Ausnahmen selber zu übernehmen. Gläubiger, die sich diesem Willen nicht fügen wollen, sind ebenso seine Feinde wie der Bauer selbst, der allerdings zu schwach gegen die Ausbeutungssucht eines solchen Mannes gewesen wäre, wenn er er allein mit ihm zu tun gehabt hätte. Es sei das beste, so fährt er in der Eingabe fort, wenn ihm das Erbe auf 20 Jahre überlassen würde. Er bot sich dabei an, alle Schulden abzutragen, den "Landes- und Gutsherrn zu bezahlen..... dem schlechten Kolono annoch ein billiges zufließen zu lassen und binnen gedachten 20 Jahren das Erbe von allen unbewilligten Schulden zu befreien". Das Angebot fand aber bei dem Prokurator Hilmers und dem Freiherrn selbst keine Zustimmung. Hilmers bezeichnet Aßmann als einen zanksüchtigen Menschen, der seine Nachbarn zu prellen trachte, bei dem man nicht sehe, wie man auf 20 Jahre Sicherheit habe. Auch habe er bei seinem Vorgänger Westendorf enien Pachtrückstand von 180 Talern. Der Freiherr nennt das Angebot zu bedenklich, um solches sofort annehmen zu können, obschon die Pachtrückstände immer höher angestiegen waren.

Der Gutsherr verfolgte in der Besetzung seiner Hofstellen eine stetige und ruhige Politik. Er wußte, daß es nicht sein Vorteil ist, einen Bauern, dessen Vorfahren seit Jahrhunderten die Stätte betreuten, bei jeder ersten besten Gelegenheit von dem Hofe zu vertreiben. Aßmann ließ jedoch nicht locker. Er verlangte unerbittlich eine restlose Begleichung der Schulden. Am 20. März 1793 fand ein neuer Termin vor dem Gogerichte statt. Aßmann hatte, nachdem die 180 Taler Pachtrückstände von seiner Kapitalforderung abgezogen waren, noch eine Forderung von 360 Talern. Er erbot sich, auch die von der Gutsherrschaft zu 5% gebilligte Kriegesche Schuld von 240 einzulösen. Er wolle dann dieses Kapital und auch die 360 Taler zu 3% verzinsen lassen, die bis zur Großjährigkeit des Anerben stehen bleiben könnten. Unter dem 22. März 1793 machte er an den Rentmeister ein nochmaliges Angebot, das die vorhergehenden bei weitem übertraf. Als der Gutsherr von diesem Anerbieten Kenntnis genommen hatte, schmolz sein Widerstand dahin. Er hoffte, so schreibt er am 9. Juli 1793, daß die Sache jetzt endgültig in Richtigkeit kommen werde, und nahm das Angebot Aßmanns an.

Am 28. Juni 1793 wird zum ersten Male ein zwölfjähriger Stillstand sämtlicher Schulden und Zinsen bewilligt. Unter diesen Umständen nimmt es nicht Wunder, wenn eine 1796 stattgefundene Besichtigung demütigend und kläglich ausfällt. Der Pächter Jochmann, den Aßmann an seine Stelle gesetzt hat, gab zu Beschwerden Anlaß, Aßmann hatte also nicht zum Vorteile des Gutsherrn die Pacht übernommen.

Die Verschuldung des Hofes beruhte auf einer Reihe widriger Umstände, die nur in ihrer schicksalhaften Verkettung schließlich zu dem gezeichneten Ergebnis geführt haben. Das Elend begann, wie wir sahen, mit dem 30jährigen Krieg. Da die Pächte des Hofes an den Gutsherrn gegenüber denen anderer Höfe verhältnismäßig hoch gesetzt waren, war es an sich schon schwer, den einmal vorhandenen Rückstand wieder auszugleichen. Denn zu gleicher Zeit drängte der Gutsherr auf Nachlieferung, forderten die übrigen Gläubiger die geliehenen Kapitalien mit den Zinsen zurück, trieb der Vogt die Steuern ein, die - wenigstens als Kopf,- Rauch,- und Erbsteuer - nicht nach dem Vermögen der Steuerpflichtigen gestaffelt waren, sondern den Bedürftigen in gleicher Weise trafen wie den Wohlhabenden. In solcher Bedrängnis blieb dem Bauern nichts übrig, als Pfandgut abzugeben oder Teile seines Ackerlandes zu verpachten. Damit aber sägte er erst recht den Ast ab, auf dem er saß. Denn bei verminderten Vieh und Acker war er um so weniger imstande, die im ganzen gleichbleibenden Gesamtlasten der Stätte zu tragen Und doch war das erst ein Teil der Behinderungen, die dem Bauern in den Weg traten; mit ihnen allein wäre er schon in absehbarer Zeit fertig geworden. Hier aber traten noch Umstände hinzu, die teils im bäuerlichen Erbrecht, teils auch in den Bauern selbst begründet waren.

Peter Wilm Brockmeyer hatte zwar duch Ankauf des Krusenkampes die Stätte verbessert. Aber er hatte seine Kraft vielleicht doch überschätzt. Er ließ den Hof in vermehrten Schulden zurück. Er war in seiner Unternehmungslust zu sehr Optimist gewesen. Verhängs-voller aber war, daß sein Sohn als Bauer von einem tollen Hund gebissen und dadurch fallsüchtig wurde. Nun wankte auch der letzte Halt, zumal auch die schon seit einem Jahrhundert und länger notdürftig erledigte Versorgung der abgehenden Kinder zu einer Katastrophe für den Stammhof drängte.

Das eine muß man den Osnabrücker Bauern jener Zeit, auch denen, die in der Ungunst des Lebens zerrieben wurden, zum Ruhme nachsagen, daß sie ihr Familienleben gesund erhielten, was sich vor allem auch in einer zahlreichen Kinderschar kundgab. Was aber die Abfindung der Kinder für den Hof bedeutete, hat der Landsmann Justus Möser in trefflichen Worten gesagt: "Wo noch ein armer Eigenhöriger ist, da hat er so viel Geschwister von seinem Vater und Großvater, daß er sich gar nicht mehr retten kann". Er macht dazu folgende Bemerkung: "Mit den Abfindungen oder Auslobungen der Geschwister von einem Bauernhofe ist es im Stift Osnabrück eine besondere Sache, nachdem durch eine unglückliche Folge römischer Begriffe der Erbe zu Hofe vor seinen Geschwistern nur eine doppelte Portion voraus hat und ihnen nach diesem Verhältnis herausgeben muß. Alle Höfe müssen dabei zugrundegehen.

Vom Jahre 1787 bis 1833 waren 18 Ehen mit direkten Nachkommen von der Brockmeyerschen Stätte, die noch deren Namen trugen, geschlossen. In einem Gläubigertermin am 15. April 1828 meldeten 15 Kinder ihren Anspruch auf Abfindung an, die zum Teil den Brautschatz der Eltern, zum Teil den der Großeltern forderten. Nur eine Brockmeyer ist nach auswärts gezogen, nämlich nach Oesede. In den Glaner Kirchenbüchern sind insgesamt aus den verbliebenen 17 Ehen 68 Kinder aufgezeichnet. Dabei sind die Aufzeichnungen offensichtlich in manchen Jahren unvollständig. 20 Kinder starben unter 5 Jahren, von den 16 nicht einmal zwei Jahre alt wurden.

Mag etwa die Hälfte ein selbständiges Auskommen gehabt haben, so versuchte doch immer wieder die andere vom Hofe einen Anteil zu bekommen.

Von den abgehenden Kindern lebten in den zum Brockmeyerschen Hofe selbst gehörigen Kotten folgende Familien: um 1800 Christian Fischer und Anna Maria Gertrud Brockmeyer. Peter Brockmeyer und Marg. Lahrmann, Johann Heinrich Maßmann und Maria Gertrud Brockmeyer, Johann Heinrich Jochmann und Engel Maria Brockmeyer, die für Aßmann die Pacht übernommen hatten. Im Schefentorfer Schafstalle hausten um 1800 Jobst Heinrich Wellenbrock und Katharina Elis. Brockmeyer mit zehn Kindern. Um dieselbe Zeit hielten sich Johann Herm. Brockmeyer und Marg. Kath. Holtmeyer in Gehrmeyers Backhause auf. Außerdem wohnten nach Ausweis der Glaner Taufbücher um 1825 in den genannten Kotten noch vier fremde Familien.

Um 1835 lebten in Brockmeyers Kotten Johann Heinrich Naber und Maria Catharina Brockmeyer. Heinrich Wilhelm Kassenbrock und Anna Elis. Brockmeyer hatten ebenfalls in einem zum Erbhofe gehörigen Kotten Wohnung genommen. Kaspar Möller und Elisabeth Brockmeyer hatten des Bauern Schulten Kotten in Ostenfelde bezogen.

Lamprecht prägte folgende Worte für Zustände des späten Mittelalters; "Die Hofhörigen, nun Eigenhörigen und leibeigenen Leute, wurden immer zahlreicher, die Lebenshaltung stets unsicherer. Gewiß mögen viele von diesen Leuten in die Städte gezogen sein und dort nicht zum geringsten zur Bildung eines städtischen Proletariats beigetragen haben..., aber eine noch größere Anzahl dieser Eigenleute blieb doch auf dem Lande, schmuggelte sich in die alten Markennutzungen ein, erwarb hier und dort eine Scholle Landes und fristete im ganzen ein elendes Dasein So erwuchs von Generation zu Generation drohender ein Stand ländlicher Proletarier, welche sich an den beiden großen Institutionen des flachen Landes, der Markgenossenschaft und der Grundherrschaft, gleich Gefahr drohend festsaugte und aus ihrem Mark heraus ein Schmarotzerleben zu führen unternahm." Lamprecht wird hier den abgehenden Kindern, die doch auch leben mußten, nicht ganz gerecht. Für unsern Fall aber sehen wir mit aller Deutlichkeit, in welche Krise unter solchen Verhältnissen der Bauer und seine abgehenden Kinder geraten mußten. Eine Anzahl der Kinder hat sich auf benachbarten Höfen und Markkotten fortgepflanzt. Üeber das Schicksal allzuvieler Kinder aber ist wenig oder nichts bekannt. Und doch sollten alle um einander wissen und den Gedanken ihrer Großsippe pflegen.

Am 3. Dezember 1803 wird ein zwölfjähriger neuer Stillstand der Schulden und Zinsen bestätigt. An den Ablauf dieses Abkommens schloß sich ein weiteres auf 12 Jahre berechnetes "Stillhalteabkommen" an. In dem Vertrage heißt es zum Schluß: "schließlich wird hierdurch ein jedermanns Nachricht und Nachachtung bekannt gemacht, daß alle von jetzt an, ohne Zustimmung der Gutsherrschaft des Koloni Brockmeyer von demselben etwa zu schließende Kontrakte oder zu kontrollierende Schulden als null und nichtig angesehen werden, und den desfallsigen Kontrahenten und Kreditoren, Ansprüche auf den Ertrag des Brockmeyerschen Kolonats auf keine Weise werde eingeräumt werden."

Dirk, der Quertreiber

Inzwischen hatte am 6. November 1800 Franz Heinrich den Hof übernommen, obwohl er erst 20 Jahre alt war. Sein Vater starb im April 1816. Er war nicht mehr im stande gewesen, den Hof oder besser die wenigen Ländereien, die ihm noch zur Bearbeitung überlassen waren, zu bewirtschaften. Seine Frau war ihm 7 Jahre im Tode voraufgegangen. Franz Heinrich heiratete am 26. September 1802 im Alter von 22 Jahren Maria Christina Gerding aus Glandorf, die 8 Jahre älter als er war. Die Trauung fand in Glandorf statt. Der Ehe entstammten 6 Kinder, 4 Knaben und 2 Mädchen:

1. Johannes Franz, geb. 1804; 2. Maria Katharina, geb. 1805; 3. Katharina Elisabeth, geb. 1807, gest. 1807; 4. Johann Heinrich, geb. 1809, gest. 1809; 5. Johann Heinrich, geb. 1810; 6. Johann Theodor (gnt. Dirk), geb. 6. Juni 1813,

der später der Anerbe war.

Maria Katharina verheiratete sich am 19. Oktober 1829 mit Johann Heinrich Nauber zu Glane-Visbeck, wo sie am 11. August 1872 verstarb.

Johann Heinrich übernahm 156 als Mahljahrswirt Rethmanns Stätte in Hagen, kehrte aber später zum Hofe zurück und starb daselbst am 2. Juli 1886.

In den Jahren 1803-1804, in der so ungeheuren Not der Franzosenkriege, mußte der Bauer zahlreiche Kriegsfuhren leisten. Da seine Pferde wohl nicht im besten Zustand waren, übernahm Heringhaus oft diese Last. Infolge der Markenteilungen in Glane-Visbeck fielen Brockmeyer um 1806 einige Grundstücke in Größe von 1103 Quadratruten (= 2,5 ha) zu. Da diese sehr weit vom Hofe ablagen, bei Große Hartlage und Schwöppe, wurden sie später verkauft.

Am 29. Juni 1810 wurde in Iburg über eine Forderung des Gutsherrn von 3720 Franken und 16 Cent. Verhandelt. Da kein Geld vorhanden war, wurde der Ertrag aus den Wiesen gefändet. Erst Johann Theodor Brockmeyer hat diese Schuld am 4. Nov. 1859 mit 957 Talern 13 guten Groschen und 9 Pfennig eingelöst. Die Prozesse indeß um die rückständigen Gelder nahmen kein Ende. Am 11. August 1811 reichte der Freiherr eine neue Klage ein, die fruchtlos blieb. Am 7. Dezember 1814 wurde ein Prozeß wegen einer Schuld von 141 Talern geführt, die der Bauer in jährlichen Terminen mit 20 Talern abzahlen soll. Aus dem Jahre 1815 ist ein Verzeichnis der von Brockmeyers Stätte zu erhebenden Landpacht erhalten. Das Land ist an 21 Pächter verpachtet. Die Gläubiger drängten zu einem Abäußerungsprozesse, dem die Gutsherrschaft nicht stattgeben wollte. Dr. Engelen von Oedingberge war den Gläubigern ein geflissentlicher Advokat, der in seinen Äußerungen über den Bauern um so auffälliger wurde, als die Geldbeträge stiegen, die ihm von seinen Klienten zustanden. Diese aber hofften auf die Erträge des Brockmeyerschen Hofes. Wohl oder übel mußte Engelen soch den einen Ausgleich suchenden Vorschlägen des Gutsherrn fügen. Die Gutsherrschaft will trotz allem den Bauern auf dem Hofe belassen, allerdings als Zeitpächter. Folgende Gründe bewogen den Freiherrn zu seinem besonnenen Vorgehen, „um nicht den alten blinden Vatter aller Unterstützung völlig zu berauben, um die Kinder, welche durch das gegenseitige mißliche Verhältnis der Eltern bereits unglücklich genug sind, eine schlechte Erziehung erhalten, durch die Abäußerung einst in einen noch härteren verwahrlosten Zustand zu versetzen, um das Interesse der Gläubiger soviel möglich zu schonen, um endlich den Kolonus selbst Mittel und Wege zur Besserung offen zu halten“. Dieser Vorschlag war am 20. April 1816 kurz vor dem Tode des Altbauern Georg Heinrich eingereicht. Am 31. Mai 1816 wurde er von den Parteien angenommen und der neue zwölfjährige Stillstand wurde im Juni desselben Jahres bewilligt und veröffentlicht.

Die Schuldenmasse war auf 3300 Taler angewachsen. Auch der Vogt Reinert aus Iburg beschwerte sich in einem Briefe über den Lebenswandel des Bauern Franz Heinrich: „Er lebt so wild in den Tag hinein, daß er keinen Monat die Steuern ohne Pfändung abträgt, um sein Haus kümmert er sich nicht im geringsten. Es entspricht in keiner Weise den feuerpolizeilichen Vorschriften. Seinen Heuerleuten mutet er zu, daß sie ihre Wohnungen selber Instand setzen. Andernfalls hat er gedroht, daß er sie abbrechen lasse.“ Reinert vertrat die Ansicht, den Bauern entweder gänzlich von dem Erbe zu entfernen, oder ihn doch so sicherzustellen, daß er das Erbe nicht weiter ruinieren könne. Er habe einen Mann – und da liegt der Hase im Pfeffer – mit Namen Klackerberg an der Hand, der den Hof gerne in Pacht nehmen würde. Der Vorschlag verlief sich im Sande.

Mögen die Quellen auch parteiisch sein, so bleibt doch bei ruhiger Prüfung des Sachverhaltes kein gutes Bild des Franz Heinrich. Er hatte von den Eltern keine ordentliche Wirtschaftsführung gelernt nnd brachte selbst nicht die Tatkraft auf, das Steuer energisch herumzuwerfen. Noch vor Ablauf des dritten Stillstandabkommens schied er aus dem Leben. Er fand am 10. Oktober 1827 auf dem Friedhofe zu Glane nach einem Leben voll Kummer und Sorge seine letzte Ruhe. Sein Vater war 75 Jahre alt geworden und erst elf Jahre tot. Mit dem frühen Ableben des Bauern hatte die Kurve des Niedergangs ihren tiefsten Punkt erreicht. Es schien, als wenn sich der Hof, von den Schicksalsschlägen getroffen, nicht wieder erholen könne. Die Gefahr der Abmeierung war größer denn je.

In diesen Tagen der äußersten Not und Verzweiflung aber zeigte sich das Verantwortungsbewußtsein der verwitweten Bäuerin in einem hellen Lichte. Obwohl sie während ihrer Ehezeit zeitweise infolge der Unverträglichkeit ihres Mannes den Hof hatte verlassen müssen, setzte sie sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit für die Erhaltung der Stätte ein. Ihre Aufgabe war sehr schwer; denn vier Kinder waren unversorgt und der Anerbe war erst vierzehn Jahre alt. Die Gläubiger aber wurden in ihren Forderungen nach Bezahlung immer aufdringlicher. Am 14. Dezember 1827 sprach sie bei ihrem Gutsherrn vor und bat um Aufschub des Zahlungstermines bis zum Frühjahr 1828. Dieser konnte nicht sofort einwilligen, da die Gläubiger zuerst gehört werden müßten. Die Hausbesichtigung im Januar 1828 zeigt grell die trostlosen Zustände, die sich seit 1796 noch verschlechtert haben, so ist z. B. die „Leibzucht 8-Fach groß, mit Stroh hin und wieder zwar bedeckt, aber so mangelhaft, daß die Bewohner darin gegen Wind und Wetter nicht geschützt sind“. Außer den bisher bekannten Abgaben mußte der Hof jährlich eine Fuhre Heu aus der Kummerteichswiese und 15 Bunde Sammelstroh zum Königlichen Amte in Iburg bringen. Hier fand am 18. Februar 1828 die letzte und größte Gläubigerversammlung statt. Sie war in dem 13. Stück der Osnabrückischen Anzeigen, zu Iburg, Glane, Laer, Dissen, Glandorf und in den Stadtkirchspielen von den Kanzeln verkündet worden. Nach dem im v. Kettlerschen Archive aufbewahrten Protokolle war die Witwe mit ihrem Notar Brücher erschienen. Den Gutsherrn vertrat der Prokurator Kellinghausen. Dr. Engelen, dessen Forderung bereits auf 494 Taler angestiegen war, fühlte sich als Anführer der Gläubiger, die in einer Anzahl von 40 Personen angetreten waren. Die Gesamtschuld ist auf 3300 Taler angegeben. Kaufleute, ein Arzt, ein Apotheker finden sich unter den Gläubigern. Der Gutsherr aber konnte die Schuld, die nach 1816 aufgenommen war, nicht anerkennen, da der Bauer am 4. Juni 1816 für kreditlos erklärt war.

Die abgehenden Kinder und deren Rechtsnachfolger werden in dem Protokoll in acht Klassen eingeteilt. So vertrat ein gewisser Föhr eine Abfindungsschuld, die durch drei Generationen reichte. Er hatte Elisabeth Maßmann geheiratet, eine Urenkelin des Peter Wilhelm Brockmeyer, der 1700 seine Ehe geschlossen hatte. Das war außer einem ähnlich gelagerten auch der ärgste Fall. Insgesamt trugen fünfzehn Kinder ihre Ansprüche vor. Außerdem melden sich verschiedene Personen, die eine großelterliche Abfindung beanspruchten. Ostern 1828 war der dritte zwölfjährige Stillstand abgelaufen, der zunächst um ein Jahr verlängert wurde. Um die Rechte und um die Freiheit der Bäuerin war es schlecht bestellt. „Der Kolona Brockmeyer wird bei Strafe des Betruges untersagt, von dem diesjährigen Ertrage ihres Kolonates ohne ausdrückliche Genehmigung und Zustimmung des Emonitors irgend etwas zu erheben, und bezieht sich dieses Gebot insbesondere auf die Erhebung der Heuergelder, auf die Aberndtung der Früchte und auf die Benutzung der Wiesen“. Nur soviel soll der Witwe überlassen werden, daß sie die 240 Taler aufbringen kann. Alle Schulden aber, die nach dem 4. Juni 1816 entstanden waren, wurden von der Gutsherrschaft nicht anerkannt. Besonders streng waren die Verfügungen, die die Verwendung des Holzes betrafen. Es heißt da: „Es wird der Kolona Brockmeyer die Benutzung allen Holzes (das Schlagholz auf Hecken und Wrechten ausgenommen) bei Gefängnisstrafe hierdurch untersagt“. Die Osnabrückischen öffentlichen Anzeigen vom 9. Mai 1829 enthielten die näheren Bestimmungen.

Der Ostern 1828 abgelaufene Stillstandsvertrag wurde schließlich auf 20 Jahre verlängert, was am 26. März 1831 in den Osnabrückischen öffentlichen Anzeigen bekanntgegeben wurde.

Dadurch, daß Müller Aßmann gestorben war und wohl vor allem deshalb, weil die Wirtschaftsführung der Bäuerin Vertrauen erweckte, fehlten den Gläubigern zwei Triebfedern, so daß es scheint, der 20jährige Stillstand sei ohne Schwierigkeiten angenommen. Wie dem auch sei, der Hof hatte Zeit zur Atempause bekommen, so daß unter der Tatkraft der Bäuerin eine gründliche Erneuerung und Umgestaltung es inneren und äußeren Hofbildes in die Wege geleitet werden konnte. Trotz des unruhigen Lebens infolge der häufig angesetzten Termine und Prozesse ließ die Witwe unter tatkräftiger Mithilfe des jungen Johann Theodor den nördlichen Teil des jetzt noch stehenden Hauses, das Wohngebäude, errichten. Die Inschrift im Balken gibt als Zeitpunkt den 4. Mai 1833 an. Der Baumeister war H. Wacker, dessen Sohn später lange in einem Kotten des Hofes wohnte. Wachen Sinnes hatte der Anerbe das Leben seines Vaters gesehen und für sich die Lehren daraus gezogen. Unermüdlich hatte er an sich selbst gearbeitet. Vorbild an Zähigkeit und Verantwortungsbewußtsein war ihm seine Mutter, die in schwerster Zeit den Hof nicht aus der Hand gegeben und sich auch keinem anderern Manne mehr versprochen hatte. Sie hielt in Treue und echter westfälischer Zähigkeit aus. Ihrem Sohne Johann Theodor schenkte sie unbegrenztes Vertrauen. Das Leben aber hatte den jungen Bauern in eine harte Schule und Prüfung geschickt, die er bestanden hat. Die durch mehrere Generationen verschüttete bäuerliche Sparsamkeit und Arbeitsfreude brach in ihm doppelt auf. Er war sehr baulustig. Noch heute trägt der ganze Hof eindeutig den Stempel seines Schaffens. Der vordere Teil des Wohnhauses (die Diele), die Mühle, das dazu gehörige Wohnhaus und zwei Kotten wurden von ihm erbaut, d. h. alle Gebäude außer den Wirtschaftsgebäuden. Die Zimmerarbeiten wurden von Meister H. Wacker ausgeführt.

Der alte Lauwerth, geboren am 9. Juni 1845, hat ihn noch gekannt. Er wußte sich noch zu erinnern, daß er kleiner Gestalt war und in seinen Mannesjahren blondes Haar gehabt habe. Über den Menschen Johann Theodor sagte er: „Dirk (= Theodor) war schlau und klug. Jeder hütete sich, mit ihm in Streit zu kommen. Er war allen überlegen“. Vor Prozessen hatte er allerdings keine Angst. Er war ein unruhiger Quäler und Erneuerer. Als Johann Theodor wegen der Ablösung seines Hofes mit dem Gutsherrn verhandelte, gab dieser schließlich nach, weil er sich freute, daß er diesen Quertreiber, wie er ihn nannte, los wurde.

Dank der Tatkraft Stüves wurde „der Entwurf eines Gesetzes über die Regulierung der bäuerlichen Verhältnisse und Ablösung der grund- und gutsherrlichen Lasten zu befolgenden Grundsätze“ am 10. November 1831 in der aus den Beratungen hervorgegangenen Form veröffentlicht. Die große Ablösungsordnung, welche in 354 Paragraphen die zur Durchführung des ersten Gesetzes notwendigen Einzelbestimmungen brachte, folgte am 22. Juli 1833. Dieses Gesetz gab dem Eigenbehörigen die persönliche Freiheit zurück. Sämtliche Dienste und Abgaben, die er bis dahin seinem Gutsherrn zu leisten hatte, konnte er gegen einmalige Zahlung des 25fachen Wertes für immer ablösen. Dadurch wurde der Hof sein freies Eigentum. Die Morgenröte einer neuen verheißungsvollen Zeit für das Bauerntum brach an.

Am 2. Oktober 1833 trat die Witwe ihrem nunmehr 20jährigen Sohne die Wirtschaftsführung des Hofes ab, was sie vor dem Fleckengerichte in Iburg zu Protokoll gab. Wir können ihren Worten, daß sie wegen ihres Alters und ihrer körperlichen Schwäche dem Hof nicht mehr vorstehen könne, ruhigen Herzens Glauben schenken. Viele andere Menschen wären unter dieser Belastungsprobe schon eher zusammengebrochen. Am 5. Juli 1845 schloß sie die Augen für immer. Sie hatte aber auch als Großmutter noch viel Arbeit und Freude mit den heranwachsenden Enkeln gehabt.

Am 6. November 1833 ließ sich Johann Theodor in der Pfarrkirche zu Glane mit Anna Maria Waltermann trauen, die ihm um fünf Lebensjahre voraus war. Zeugen waren Johann Heinrich Brockmeyer und Anna Maria Niederholthausen. Die Altbäuerin hatte bereits auf Ablösung der ungewissen Eigentumsgefälle bei der Ablösungskommission einen Antrag gestellt. Es kam aber zu keiner Einigung im November 1833, weil der Sterbfall des verstorbenen Bauern gedungen, aber nicht gezahlt war. Auch hatte der Erbe wegen Übernahme des Hofes mit der Gutsherrschaft nicht verhandelt. Deshalb erschien Johann Theodor am 16. Dezember 1833 auf dem Harkotten. Seine Mutter begleitete ihn nicht, weil sie krank war. Infolge des Vertrages vom 2. Okt. 1833, den er stolz dem Rentmeister Meckel vorzeigte, war er befugt, eigenmächtig Verhandlungen aufzunehmen. Er bequemte sich nach langen Unterhandlungen zu der Verpflichtung, alle bisher nicht gezahlten ungewissen Eigentumsgefälle anzuerkennen und abzutragen. Er sollte sie mit einer jährlichen Goldrente von 7 Reichstalern bezahlen. Ausgeschlossen aber waren von dieser Vereinbarung die der Gutsherrschaft von dem Hofe jährlich zu entrichtenden Abgaben und Zinsen von den Kapitalforderungen, die in den Gläubigerprozessen gestellt wurden. Wegen der Ablösung fand am 11. Januar 1834 eine Verhandlung in Iburg statt. Da beide Parteien sich über die Höhe der Ablösung nicht einigen wollte, zog sich das Verfahren über 20 Jahre hin, bis die Sache dem Gerichte übergeben wurde. Am 10. April 1855 ist „nur noch wegen der Qualität der von dem Kläger dem Beklagten zu liefernden drei Malter Roggen und fünf Malter Hafer sowie wegen der bei Ablieferung dieses Getreides und zwei Schweine von dem Kläger geforderten Gegenleistungen der Rechtsstreit anhängig. Am 20. März 1855 hatten sie sich schon über die Pflugdienste geeinigt. Das Gericht fällte keine klare Entscheidung. Fast noch ein Jahr lang zogen sich die kleinlichen Verhandlungen hin, bis endgültig alle Meinungsverschiedenheiten beseitigt waren. Am 12. Januar 1856 waren sich beide Parteien über die Höhe der Ablösungssumme einig. Sie betrug 1975 Taler, 10 gute Groschen und 6 Pf. Den Vertrag bestätigte die Königliche Ablösungskommission, nachdem keine Einreden berechtigter Dritter erfolgt waren.

Nach der Einigung im Dezember 1833 mit dem Hause Harkotten war auch der Hof Brockmeyer ein "freier Hof" und die Besitzer und Bewohner waren "freie" Bauern, die keine weiteren Abgaben an ihren Gutsherrn mehr leisten mußten. Zu dieser Zeit nutzten das viele Deutsche Landbewohner um ihr Leben in einer neuen Heimat zu beginnen. Auch Mitglieder der Familie Brockmeyer zogen gen Westen. (Hier teilt sich die Familiengeschichte nun in zwei Bereiche: in Glane (lese unten weiter) und in Amerika.


Johann Theodor Brockmeyer setzte den Schlußstrich unter eine jahrhundertalte, aber nunmehr endgültig abgeschlossene Rechnung, indem er am 12. Juli 1856 an seinen Gutsherrn Freiherr Clemens August v. Ketteler die „vorgenannte Ablösungssumme ganz und richtig“ auszahlte.

Den Triumph und das erhabene Bewußtsein, einen freien Hof zu besitzen, einen Hof, der, gerechnet von dem Ablösungstermine an, vor 30 Jahren noch von Gläubigern förmlich eingeschlossen war, hatte die alte Bäuerin nicht mehr erleben können. Mit der Ablösung war der Weg freigeworden zu einer stetigen Aufwärtsbewegung der bäuerlichen Wirtschaft. Zu einem Tauschvertrage mit Gehrmeyer kam es so: Gehrmeyer wollte mit der Domäne Scheventorf (Bild rechts) seinen für ihn günstig gelegenen Acker austauschen. Das Land der Domäne war größer, so daß die Verhandlungen scheiterten. Johann Theodor aber erklärte sich bereit, sein bei Domänengrundstücken liegendes Land an die Domäne abzutreten, und zwar so viel, als an dem Gehrmeyerschen Lande fehle. Jedoch kam erst im Jahre 1860 der Vertrag zwischen Gehrmeyer, Domäne und Brockmeyer einerseits und zwischen Brockmeyer und Gehrmeyer andererseits zustande. Dadurch bekam Brockmeyer die Stuckenbrede auf dem Gehrenbrink, die um 1880 an Gehrmeyer gegen den Wädel eingetauscht wurde, und das Stück Land, das auf dem Gehrenbrink bis zum Dettkamp reicht. Im Jahr 1853 erwarb Johann Theodor von dem Domänenfiskus die in den Scheventorfer Wiesen stehende Mühle, die auf Abbruch verkauft wurde. Schon lange vorher war von der Domänenkammer über die Rentabilität der Mühle beraten. Am 28. Oktober 1850 hatte sie bereits Assmann, ein Bauer aus Holperdorf, auf Abbruch gekauft, hatte aber die 1505 Taler Kaufgeld nicht bezahlt und sich auch nicht um den Abbruch gekümmert. Deshalb war die Mühle im zweiten Termine an Johann Theodor verkauft. Innerhalb eines Jahres wurde sie an der neuen Stelle südlich des Hofes wieder aufgebaut. Noch heute befindet sich das Wappen, das in einer Bestandsaufnahme der Scheventorfer Mühle genannt wird, an der westlichen Längswand der Mühle. Die Umschrift lautet: Domine, libera nos ab omni malo, 1569 Reineke, H. Johannes H(ake). Im Sommer 1855 nahm darauf die Domänenkammer, vertreten durch Amtsassessor Meyer in Iburg, mit Johann Theodor die Verhandlungen wegen des Wasserrechtes auf. In einem Vertrage vom 21. November 1855 fanden die Abmachungen ihren Niederschlag. Aus diesem wird ersichtlich, daß Johann Theodor 1842 ein Stauwerk zur Berieselung seiner Wiesen anlegte. Bei dem Bau seiner Mühle war er gezwungen, das Stauziel herauf zusetzen. Die Domänenkammer genehmigte dieses, während der Bauer auf „alle Einreden wider den unbeschränkten Gebrauch des Wassers im Glaner Bache behufs Berieselung und Beflößung der oberhalb der Mühle am Mühlenbache belegenen Domanialwiesen und Domanialgrundstücke verzichtete. Die Domäne aber verpflichtete sich, das zum Befließen oder Berieseln beliebig zu benutzende Wasser aus dem Glaner Bach nicht ganz abzuleiten, vielmehr dasselbe so zu benutzen, daß es dem Bache und zwar noch oberhalb des Brockmeyerschen Kolonats vollständig wieder zugeführt werde“.

Die Mühle bestand aus zwei Mahlgängen, einer Öl- und Bockemühle, und wurde von einem Wasserrad getrieben. Infolge der Mühlenanlage und der damit notwendig verbundenen Stauerhöhung wurde Brockmeyer in Prozesse mit Pohlmann und Koke verwickelt. Nachdem einige Verhandlungen stattgefunden hatten, mußte Brockmeyer Pohlmann zugestehen, daß Pohlmann in der Zeit vom 1. März bis Ende Juni seine Wiesen unbeschränkt, in der Zeit vom 1. August bis Ende Februar nur soweit beflößen darf, als es der zum Betriebe der Mühle notwendige Wasserstand erlaubt.

Seinem Nachbarn Koke mußte Brockmeyer das Waschbrett tiefer anlegen, damit Koke bequem waschen konnte, was jedoch alles nicht die freundlichen Beziehungen auf die Dauer trüben konnte. Der erste Pächter der Mühle war Hobelmann. Auf ihn folgte wahrscheinlich ein Brinkmeyer. Am 24. Juni 1883 pachtete Bernhard Sielschott die Mühle auf 10 Jahre. Inzwischen war ein Sägewerk angebaut worden. Die Pachtsumme betrug jährlich 1125 Mark, in die auch der Betrag für das zugehörige Land eingeschlossen war. Wichtig für die Wirtschaftsführung war der Inhalt des siebenten Paragraphen: „Dem Verpächter wird während der ganzen Pachtzeit vom Pächter sein Bedarf an Korn zum Verbrauche in seiner Wirtschaft unentgeltlich gemahlen, sein Öl unentgeltlich geschlagen, sowie sein Flachs und Hanf unentgeltlich gebockt und auch die nötigen Hölzer unentgeltlich geschnitten“. Beim Ablauf des Pachtvertrages wurde dieser bis zum 1. Oktober 1906 verlängert. Es waren aber einige Änderungen eingetreten: Die Mühle umfaßte drei Mahlgänge, dagegen war der Betrieb der Öl- und Bockemühle eingestellt. Ferner wurde die Vergünstigung des freien Holzschneidens nicht mehr in den Vertrag aufgenommen. Sielschott trat jedoch schon vor Ablauf des Pachtvertrages zurück und überließ etwa zu Beginn des Jahres 1906 Johann Theodor Brockmeyer die Mühle, der sie fast ein Jahr innehatte. Da dieser aber einer selbständigen Verwaltung nicht gewachsen war, wurde am 20. Dezember 1906 ein Vertrag mit dem Müller Franz Nauber aus Glane-Visbeck geschlossen, der vom 1. Oktober 1906 bis 1. Oktober 1916 gelten sollte, aber seitdem immer wieder verlängert worden ist. Der jährliche Pachtzins betrug vor dem Weltkriege 1000 Mark. Auch heute noch ist die Vergünstigung des Kornmahlens in den Vertrag aufgenommen. Ebenso hatte bis zum Jahre 1921, in dem auf dem Hofe Elektromotoren angeschafft wurden, der § 14 besondere Bedeutung, der lautete: „Das sog. Sägemühlenrad bleibt zur freien Benutzung des Verpächters zum Häcksel- und Rübenschneiden sowie zum Karren“.

Im Sommer des Jahres 1913 wurde für die Mühle eine Turbine, nachdem schon vorher für das Sägewerk eine Lanz-Dampfmaschine beschafft war, angelegt. Obwohl Brockmeyer und die liefernde Firma es versäumt hatten, bei der Regierung in Osnabrück für das Wasserbuch die erforderlichen Eingaben zu machen, wurde die Turbine eingebaut. Gleichzeitig entfernte man das Wasserrad. Die Wirren des Weltkrieges hinderten die Regierung, die Konzessionsunterlagen für die Turbine nachzufordern. Erst sechs Jahre nach dem Kriege gingen die Nachforschungen weiter, so daß der Mühlenbesitzer 1925 einen Antrag auf Verleihung des Wasserrechtes stellte. Das Verfahren aber gelangte nicht zum Abschluß, weil die Zeichnungen und Unterlagen nicht genügten. Die Angelegenheit ruhte einige Jahre lang, bis der Regierungspräsident von Osnabrück im Jahre 1934 die Unterlagen für die 1913 eingebaute Turbine zwecks Eintragung in das Wasserbuch. In dem immer noch das Wasserrad verzeichnet war, verlangte. Am 1. Juli 1935 wurden die Antragsunterlagen der Regierung in Osnabrück zugestellt. Die Kosten mußte der Mühlenbesitzer tragen. Die Bearbeitung dieses Aktenmaterials war am 3. Juni 1956 soweit gediehen, daß die Verleihungsurkunde von dem Regierungspräsidenten, Abt. Wasserverleihungsbehörde, ausgestellt werden konnte. Am 29. August 1936 wurde als Abschluß dieser langwierigen Angelegenheit in das Wasserbuch Nr. 4 für die Wasserläufe südlich Iburg und deren Nebenflüsse eingetragen: „Auf Grund der Verleihungsurkunde des Regierungspräsidenten zu Osnabrück vom 3. Juni 1936 hat der Mühlenbesitzer Johannes Brockmeyer zu Glane-Visbeck das dauernde Recht, . . .

1. das Oberwasser des Glaner Baches vor der Mühle . . . bis auf 98,94 NN aufzustauen, 2. das angestaute Wasser des Glaner Baches für den Betrieb einer Turbine zu benutzen, 3. das benutzte Wasser in den Glaner Bach weiterzuleiten, 4. das Wasser des Glaner Baches, wenn erforderlich, durch die Umflut . . . abzuleiten und wieder in den Glaner Bach einzuleiten“.

neue Generationen

Die Ehe Johann Theodors und Anna Waltermanns war mit sechs Kindern gesegnet:

1. Lisette, geb. 30. August 1834; 2. Johann Heinrich, geb. 9. März 1836, gest. 2. Dezember 1840; 3. Johann Heinrich, geb. 12. Januar 1838; 4. Johann Theodor, geb. 14. November 1841; 5. Josef, geb. 10. April 1844, gest. 20. Februar 1846; 6. Katharina Maria, geb. 27. Februar 1848.

1861 war Johann Heinrich nach Vogelsangs Stätte in Dröper-Oesede gezogen. Da Johann Theodor jr., der jüngste Sohn, der Anerbe des Hofes, von einem tollen Hunde gebissen war, konnte er bei der Erbfolge nicht berücksichtigt werden. Er starb am 17. Oktober 1872. Johann Theodor war bodenverwurzelt genug, daß er von der Freiheit im Sinne der gesunden Volksmeinung Gebrauch machte. Seine jüngste Tochter Katharina hatte am 23 Mai. 1871 mit Bernhard Friedrich Sommer, geb. Vincke, dem die erste Frau nach kurzer Ehe verstorben war, die Ehe geschlossen (siehe Bild). Auf Sommers Hof aber waren sie, da Bernhard Friedrichs erste Frau aus ihrer vorigen Ehe bereits einen Anerben hatte, nach Verlauf bestimmter Jahre auf die Leibzucht und ihre Kinder auf die weite Welt verwiesen. Weil nun der älteste Sohn Johann Heinrich bereits Bauer in Dröper-Oesede war, fiel die Wahl Johann Theodors auf den einstweiligen Sommers Bauern, der, vom Vinckenhof zu Gretesch stammend, zu der im Osnabrücker Lande weitverzweigten Bauernsippe Meyer zu Farwig (vom Harderberg) gehört und sich als tüchtiger Wirtschafter bewährt hatte. Obschon einige benachbarte Bauern rieten, nicht auf die „Gauseburle“ zu ziehen, entschlossen sich Bernhard Friedrich Vincke undKatharina Brockmeyer mit ihren drei noch auf Sommers Hofe geborenen Kindern, die auch dessen Namen trugen, den Brockmeyerschen Hof zu übernehmen. In dem Kaufvertrage vom 24. März 1874 wurden die Bedingungen näher abgegrenzt. Die Eheleute Sommer kauften den gesamten Hof zu 18 000 Talern. Der Kaufpreis solle dadurch gezahlt werden,

1. daß die Kinder die Schulden des Hofes in Höhe von 8000 Talern übernehmen; 2. daß die Käufer den Verkäufern 8000 Taler ausbezahlen.

Die noch übrig bleibenden 2000 Taler sollen so verwendet werden, daß 1000 Taler dem Bauern Heinrich Vogelsang, obschon er völlig abgefunden ist, noch ausgezahlt werden sollen. Ebenso solle Lisette Rotermund, geb. Brockmeyer, die Mahljahrswirtin auf Rotermunds Stätte war, 1000 Taler erhalten. Gegen Ende des Jahres 1875 erfolgte die Übersiedlung von Ostenfelde nach Glane-Visbeck. Am 21. August 1876 schloß Johann Theodor die Augen, die soviel Elend und auch so manches Glück auf dem Hofe gesehen hatten. Er starb an einer Lungenlähmung. Die Witwe Anna Maria bestimmte jetzt ihre Tochter Catharina als einzige Erbin von Brockmeyers Stätte. Damit war der Vertrag von 1874 aufgehoben. Sollte die Erbin aber eher sterben als ihr Mann, so hatte dieser dasselbe Recht in allen Dingen am Hofe wie sie.

Am 4. Dezember 1860 hatte Johann Theodor die Vogelsangs Stätte, auf der Anna Maria Holtmeyer als Besitzerin wohnte, gekauft. Sein Sohn Johann Heinrich heiratete am 14. Mai 1861 die bisherige Inhaberin. Da diese Stätte aber nicht förmlich vor Gericht Johann Heinrich übergeben war, holte die Witwe Anna Maria am 18. Februar 1880 in Iburg diese Förmlichkeit nach und begab sich aller Rechte an dieser Stätte.

Als die Ehefrau des Markkötters August Rotermund am 23. April 1869 starb, fand er in Maria Lisette Brockmeyer eine neue Gattin. Aus dieser Ehe stammt der Malermeister Theodor Rotermund. Am 22. Februar 1877 starb jedoch der Markkötter; die Mahljahrswirtin heiratete am 30. Januar 1878 den Witwer Franz Wilhelm Hofmann aus Averfehrden bei Glandorf. Diese Ehe währte fünf Jahre, bis zum 21. Dezember 1883 der Ehegatte starb. Die Witwe trat im Februar 1884 die Markkötterei zu Visbeck in dem bisherigen Bestande an den Anerben Christian Heinrich Rotermund ab, der 1864 geboren wurde. Obwohl der Witwe freier Unterhalt auf der Stätte gewährt wurde, zog sie bald auf den Hof ihrer Jugend zurück. Ihr Sohn aber blieb dort bis zum 14. Lebensjahr. Das jetzige Wohnhaus der Familie Rotermund trägt in einer Balkeninschrift den Namen seiner einstigen Mahljahrswirtin, da es in dieser Zeit errichtet worden ist (383). Am 30. September 1904 verstarb sie und wurde drei Tage später auf dem Friedhofe zu Glane bestattet. Ein ähnliches Schicksal hat ihr Oheim Johann Heinrich erlebt, der Mahljahrswirt bei Rethmann in Hagen war. Auch er kehrte zum Hofe zurück und blieb dort bis zu seinem Tode. Er wirkte als Pate bei der Taufe des späteren Erben Johannes Brockmeyer, der als jüngster Sohn aus der Ehe Bernhard Friedrichs mit Katharina am 31. Januar 1884 geboren wurde. Dieser Ehe Bernhard Friedrichs entstammten 11 Kinder.

1. Maria Angela A g n e s, geb. am 14. März 1872; 2. Johann T h e o d o r, geb. 19. Oktober 1873; 3. A n n a Maria, geb. am 2. Juli 1875; 4. Josef H e i n r i c h, geb. am 2. Juni 1877; 5. K a r l Heinrich, geb. am 3. Mai 1879; 6. W i l h e l m Dionys, geb. am 13. August 1881; 7. J o h a n n e s, geb. am 31. Januar 1884; 8. Maria E l i s a b e t h, geb. am 22. Januar 1886, gest. 9. Juli 1886; 9. F r a n z Josef, geb. am 5. Juli 1887, gest. am 13. März 1889; 10. Maria J o h a n n a, geb. am 6. März 1889; 11. M a r i a Anna, geb. am 6. März 1889;

Bernhard Friedrich Vincke war dauernd auf eine Verbesserung des Hofes bedacht. Mit gleicher Sorgfalt nahm er sich des Ackers und der Gebäude an. Im Winter 1883/1884 wurde der Glaner Bach bei dem Eintritt in das Besitztum bis zur jetzigen Brücke am Hofe umgelegt, der bis dahin mitten durch die Wiesen floß und sie fast unbenutzbar machte. Das Bett des Baches wurde an den östlichen Rand des Haverkampes verlegt. Durchschnittlich waren 25 Arbeiter am werken, die Heinrich Blase vom Donnerbrincke beaufsichtigte. Der Wädel hinter dem Hause, damals noch mit Holz bewachsen, wurde abgeholzt und abgetragen. Der Sand kam in den großen Teich, der sich bis dahin unmittelbar längs des Platz, daß man mit einem Wagen und zwei Pferden wenden konnte. Wie die Oberflächenform beweist, floß in vorgeschichtlicher Zeit der Glaner Bach um den Wädel herum, noch östlich des jetzigen Wohnhauses, um dann vor dem Kokenbrinke eine fast rechtwinklige Biegung nach Südwesten zu machen. Dieses uralte natürliche Flußbett war die Scheidegrenze zwischen den Nachbarhöfen Koke und Brockmeyer. Wann der Bach westlich des Wädels verlegt wurde, entzieht sich jeder Kenntnis. Die Karte aus dem Jahre 1787 zeigt ihn schon dort. Eine Begradigung des Baches ließ Johann Theodor schon 1855 vornehmen. Der Bach bildete damals die Grenze zwischen dem Brockmeyerschen und Gehrmeyerschen Eigentums. So fließt der Glaner Bach an dieser Stelle schon in seinem dritten Bette. Aber nur durch die wiederholte Verlegung war es möglich, jedes Jahr gesicherte Erträge aus den Wiesen zu holen, die früher nur Sumpf und Morast waren. Hier ist wahrscheinlich der in einer Urkunde vom 17. Februar 1377 erwähnte „wüste Teich zu Visbeck“ zu suchen.

Den Hofraum, der bei Tau- und bei jedem Regenwetter vollig grunlos war, ließ Friedrich Vincke mit Steinen befahren, die aus dem Wege über den Haverkamp genommen wurden. Der jetzt in fast geradem Zuge zur Straße Iburg-Glandorf führende Weg wurde in der letzten Strecke von ihm hergerichtet. Um 1880 ließ er einen Schweinestall errichten, 1904 einen Speicher und 1909 eine Scheune.

Die wirtschaftliche Entwicklung des Landes hatte inzwischen auch die Frage der Kotten zur Lösung reif gemacht. Auf Brock-meyers Stätte waren sie im großen Stile Anstalten zur Ver-sorgung der abgehenden Kinder gewesen, die teilweise, da eine anderweitige Abfindung kaum möglich war, eine bestimmte Zeit mehr oder weniger unentgeltlich darin Unterkommen gefunden hatten. Nur so ist auch das zahlenmäßige Anwachsen der Kotten zu verstehen, das jedes gesunde Maß überschritten hatte und wie ein Krebsschaden am Hofe wirkte. So allgemein die Erkenntnis gewesen war, daß hier Wandel geschaffen werden müsse, hatten doch die tatsächlichen Verhältnisse die überhand behalten. Die tieferen Ursachen der Not lagen im wirtschaftlichen Elend des Landes, das keine genügenden Arbeitsmöglichkeiten bot. Erst als die wirtschaftliche Gesamtlage sich änderte und die Kötter selbst sich anderwärts eine Ihnen zusagende Existenz sicherten, konnten die krankhaften Auswüchse auf die gesunde Zahl von drei Kotten zurückgeführt werden.

Die Kotten wurden in den letzten Jahrzehnten von folgenden Heuerleuten bewohnt:

I. Heinrich Wacker . . . . von 1870 – 1915 Heinrich Wesseler . . . . von 1915

II. Josef Kleyer . . . . von 1860 – 1890 Josef Niermannn . . . . von 1890 – 1908 Wilhelm Gäer . . . . von 1908 – 1934 Hermann Brandert . . . . seit 1934 Dieser Kotten ist am 17. März 1938 abgebrannt.

III. Bernhard Vogt . . . . von 1880 – 1893 Busch . . . . von 1895 – 1905 Der letztgenannte Kotten brannte um 1905 ab; der bisherige Kötter Busch benutzte den Anlaß, um in der Glandorfer Heide zu siedeln.

Einen anderen schadhaft gewordenen Kotten, der durch den Wegzug Wellenbrocks frei geworden war, riß Bernhard Friedrich nieder. So machte er gutes Ackerland für die Bedürfnisse der zahlreichen Familie nutzbar. Um 1877 hatte er auch dem Döpker die Erlaubis gegeben, sich auf dem Krusenkampe ein Häuschen zu bauen. Als dieses, da es von vornherein nicht für die Ewigkeit gebaut war, 1917 baufällig geworden war, zog Döpker in die Stadt Osnabrück fort. Erst jetzt wurde das Odland umgebrochen und eine Weide angelegt, so daß jetzt den ganzen Krusenkamp eine Weide einnimmt.

An Pferden zählte man damals durchschnittlich drei Mutterpferde und ein Fohlen auf dem Hofe.

Am 7. Januar 1913 übertrug Bernhard Friedrich Brockmeyer den Hof auf seinen jüngsten Sohn Johannes, der im Frühling des gleichen Jahres eine junge Frau ins Haus führte (siehe Bild). Am 7. Mai 1913 verheiratete sich Johannes mit Franziska Peistrup aus Wellendorf. Der Ehe entstammen zwölf Kinder:

1. Friedrich Brockmeyer, geb. am 15. März 1914 2. Johannes Brockmeyer, geb. am 25. Januar 1915 3. Karl Brockmeyer, geb. am 10. September 1916 4. Heinrich Brockmeyer, geb. am 03. September 1919 5. Katharina Brockmeyer, geb. am 03. Januar 1921 6. Wilhelm Brockmeyer, geb. am 12. März 1922 7. Hermann Brockmeyer, geb. am 22. November 1923 8. Anna Brockmeyer "Schwester Alphine" 9. Klemens Brockmeyer, geb. am 22.Februar 1927, gest. am 25. März 1927 10. Alois Brockmeyer 11. Josef Brockmeyer 12. Agnes Brockmeyer

Als der junge Bauer fern der Heimat im Osten an der Front war, starb der Vater am 9. Juli 1915. Sein Andenken wird bei seinen Nachkommen unvergeßlich sein. Ihm folgte seine gleichfalls unvergeßliche Frau am 13. März 1928 in den Tod.

Um 1919 wurde in der zum Hofe gehörigen Mühle eine Anlage zur Erzeugung von Elektrizität hergestellt, die die umliegenden Haushaltungen mit Licht versorgte. Diese Einrichtung hatte Bestand bis zum Jahre 1921, als die Überlandzentrale diesen Teil der Bauerschaft Visbeck erfaßte. Im Jahre 1924 wurde der neue Schweinestall erbaut; der alte stand, bis im Jahre 1931 der neue bis zum Speicher durchgehend verlängert wurde, wodurch das Hofbild nach Osten hin an Geschlossenheit gewann.

Am 25. Oktober 1929 wurde zwischen dem Preußischen Staate (Forstverwaltung), vertreten durch die Regierung in Hannover, ein Tauschvertrag abgeschlossen. Die Staatsforstverwaltung gab 2,0554 ha ab, während Brockmeyer 0,1 ha abtrat. Für das Mehr an Fläche mußte Brockmeyer 2935,- RM. Bezahlen. Durch diesen Tausch wurde der bisherige Besitz bis an die Straße Iburg – Glandorf erweitert und somit günstig abgerundet. Auch die Rodung ging weiter voran. 1917 wurde auf dem „Aulen Hoff“ der größte Teil abgeholzt, gerodet und in Weide verwandelt. Auch nach dem Kriege fuhr man in den letzten noch nicht gerodeten Teile in der Arbeit fort, die erst 1929 zum Abschluß gelangte. Auch wurde das in mehreren Streifen in den Bach vorspringende Holz, das dem Wachstum der Früchte sehr hinderlich war, kurz nach dem Kriege gerodet und beseitigt. Im Jahre 1935 wurde der südliche Teil des Fichtenwaldes, der sich an der Straße nach Glandorf hinzieht, abgeholzt und z. T. Neu bepflanzt, z. T. in Weide verwandelt.

In Ausführung der Vorschriften des Reichserbhofgesetzes wurde der Hof am 25. Juli 1934 in das gerichtliche Verzeichnis der Erbhöfe für den Bezirk des Anerbengerichtes Iburg auf-genommen und am 4. Oktober 1934 in die Erbhöferolle von Glane-Visbeck, Bl. 6, eingetragen, und zwar in einer Größe von 52 ha, 2 a, 80 qm. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche umfaßt gegen 41 ha, die forstwirtschaftliche gegen 11 ha. Von den 41 ha sind etwa 12,58 ha verpachtet, so daß der Eigenbewirtschaftung ca. 27 ha umfaßt, wenn man die Wege, den Bach und den Teich abrechnet. An Wiesengrund sind etwa 11 ha, an Weiden etwa 3,5 ha und an Ackerland 12,5 ha verhanden. Der Viehbestand betrug am 1. August 1937: Pferde (3 Arbeits- und Zuchtpferde, 3 Fohlen), 22 Stück Rindvieh (11 Milchkühe, 7 Rinder, 2 Kälber, 2 Bullen), 34 Schweine (2 Zuchtsauen, 2 Eber, 6 Ferkel, 16 Läufer, 3 Faselschweine, 5 Mastschweine). Neuzeitliche landwirtschaftliche Maschinen wir Dreschkasten, Kreissäge, moderne Pflüge usw. sind bewährte Helfer zumal in einer Zeit, wo es an zuverlässigen Dienstkräften fehlt. Der Hof schritt zur Selbsthilfe, indem er sich hinsichtlich der weiblichen Kräfte seit etwa 3 Jahren aus der Verwandschaft – denn sie ist ja kinderreich – versorgte. Die Anlage einer Melkmaschine im Jahre 1937 dient wesentlich zur Erleichterung der Frauenarbeit.

Der mittelgroße Bauernhof kann nicht, wie es oft anderen Betrieben, Fabriken usw. möglich ist, im Laufe weniger Jahre Reichtümer aufhäufen. Und das will der Bauer auch nicht. Aber bei stetiger Arbeit, dauerndem Fleiß und dem Segen Gottes gibt es kein Besitztum, das durch Jahrhunderte sich in seiner Größe, Eigenart und Aufgabe so gleich bliebe, wie ein Bauernhof. Die bis in fernste Zeiten sich erstreckende Überlieferung hebt sein Selbst bewußtsein und macht ihn in rechtem Sinne stolz, wobei gerade der Bauer sich seiner Abhängigkeit von dem Willen Gottes bewußt ist, da er sie ja jeden Tag handgreiflich vor Augen sieht und am eigenen Leibe spürt.

Er liebt seine Scholle wie sein Leben und kennt sie wie der zweijähriggediente Soldat seine Waffe. Unbeeinflußt von den liberalistischen Verirrungen der letzten Menschenalter hat er - das zeigt gerade auch der Blick auf Brockmeyers Stätte - im Ausbau und in der Pflege der Familie seine Aufgaben gegen Volk und Vaterland erfüllt. Wenn auch keine führenden Forscher und hohen Beamten aus dem Brockhofe hervorgegangen sind, so hat sich doch das Land durch der Bauern Arbeit und Schweiß gewandelt, und so hat auch das Brockmeyer-sche Geschlecht zu seinem Teile die Voraussetzungen entwickelt, auf die alle anderen Berufe doch letzten Endes irgendwie angewiesen sind. Aus einem Morast wurden Wiesen und Weiden; Ödland ward unter den Pflug genommen, Wildwuchs und Wald, soweit angängig, gerodet. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes Veredelungsarbeit geleistet worden, In echtem Gemeinschaftsgeiste verlangen die Bauern nicht nach übermäßiger Anerkennung innerhalb des Volksganzen. Aber ihr Recht und die Selbständigkeit, die notwendig zu einer verantwortungsbewußten Bauernarbeit gehörten, werden sie immer fordern und fordern müssen. Die Augen des ganzen Volkes sind auf den Bauern gerichtet, der unermüdlich und pflichtbewußt die Erträge des ihm anvertrauten Bodens zu steigern sucht, da das Schicksal seines Volkes und Reiches davon abhängt. Verantwortungsbewußtsinn und Schaffensfreude der Männer, der Frauen und Kinder haben den Hof von Geschlecht zu Geschlecht der Familie erhalten. Und so mögen auch die künftigen Bauern des Brockhofes, dessen Bestand durch das Reichserbhofgesetz vom 29. September 1933 eine neue Stütze erhielt, ihre Kraft für Volk und Vaterland, für Hof und Familie einsetzen und das Erbe ihrer Väter als deutsche Bauern erhalten bis an das Ende der Zeiten.

Schlußwort, 1938

S ch l u ß w o r t, 1938.

Auf die Geschichte der Brockmeyers Stätte zurückblickend ist es uns bewußt geworden, welch wechselvolles Schicksal sie in sich schließt. Licht und Schatten sind nicht gleich verteilt. Geschlechterfolgen hindurch stand es schlecht um den Hof. Um ein Haar wäre er der angestammten Familie entrissen. Die Schuld lag zunächst in den widrigen Umständen begründet. Doch sollen auch die Menschen, die auf dem Hofe lebten, von ihrem Anteile an der Schuld nicht freigesprochen werden. Die zähe Lebenskraft des Bauerntums überhaupt aber zeigte sich darin, daß trotz 200-jähriger drückender Schuldenlast keiner der Bauern die Scholle der Ahnen preisgab, daß beim Versagen des Mannes die Frau in die Bresche trat und aus dem angestammten Blute in höchster Not doch wieder ein Bauer aufstand, der den Bestand des Hofes sicherte. Die Vergangenheit lehrte, wie der der Hof nicht zuletzt infolge von Mangel an Tatkraft und Selbstzucht fast verloren wäre. Und wer aus den Lehren der Geschichte für sein eigenes Leben lernt, leistet eine Großtat der Selbsterziehung, deren Lohn nicht ausbleiben kann. Soweit der Bauer zurückblickt, soweit sieht er in Voraus! So hat uns die Geschichte die Zügel der Zukunft in die Hand gelegt. Wohl dem, der sie recht zu gebrauchen versteht!

E n d e

Nachdem Ende der Geschichte, von Friedrich Brockmeyer zur Silberhochzeit der Eltern am 7. Mai 1938 erstellt und als Buch herausgegeben.

Es geht weiter......

Kurz nach der Veröffentlichung dieser Geschichte zur Silberhochzeit am 7. Mai 1938 von Johannes und Franziska Brockmeyer, geb. Peistrup, ging es auf dem Hof turbulent weiter. Das Jubelpaar schenkte 12 Kindern das Leben: 1. Friedrich Brockmeyer, geb. 15.03.1914; 2. Johannes Brockmeyer, geb. 25.01.1915; 3. Karl Brockmeyer, geb. 10.09.1916; 4. Heinrich Brockmeyer, geb. 03.09.1919 5. Katharina Brockmeyer, geb. 03.01.1921; 6. Wilhelm Brockmeyer, geb. 12.03.1922; 7. Hermann Brockmeyer, geb. 22.11.1923; 8. Anna Brockmeyer, geb. 14.07.1925; 9. Klemens Brockmeyer, geb. 22.02.1927, gest. 25.03.1927; 10. Alois Brockmeyer, geb. 10.04.1928; 11. Josef Brockmeyer, geb. 08.06.1930; 12. Agnes Brockmeyer, geb. 17.08.1935

Als nur ein Jahr später der 2. Weltkrieg ausbrach mussten auch die Brockmeyer Brüder in den Krieg ziehen. Hermann Brockmeyer ließ sein Leben am 12. Juli 1944 bei der großen Gegenoffenisve der Roten Armee im Mittelabschnitt in Rußland, während die anderen Brüder lebend auf den Hof ihrer Jugend zurückkehrten. Hier war die Bäuerin Franziska, allerdings bereits im Jahre 1942 im Alter von nur 54 Jahren verstorben und auch der Bruder Heinrich starb im Jahre 1944 in Folge einer Medikamentenunterversorgung.

Ostern 1945: Der zweite Weltkrieg neigt sich dem Ende zu. Die Engländer nähern sich über Münster der Heimat. In Hofnähe werden zur Feindabwehr Einmannlöcher vom Volkssturm gegraben. Als die Engländer 400 Meter vor Glandorf stehen, wird die Straße nach Iburg zum Kampfgebiet erklärt. Bei Scheventorf gehen Panzer in Stellung und beschießen Häuser in Iburg, die weiße Fahnen gehißt haben. Der Hof wird am 2. Ostertag zum Teil evakuiert, die Kampfeinheiten der Engländer marschieren jedoch über Laer. Am Dienstag marschieren gefangene Franzosen vorbei, ebenfalls der Bund Deutscher Mädchen. Eltern suchen ihre Töchter. Am Mittwoch kommen die ersten Spähwagen der Engländer durch. Es folgt eine Hausdurchsuchung. Der Hof selber bleibt weitestgehend verschont vom umgreifenden Revanchismus der befreiten Kriegsgefangenen.

Im Winter 1950 / 1951 sntschloß sich Johannes die nicht mehr rentable Mühle am Glaner Bach abzureißen. Viele Bauern die vorher noch Kunden beim Pächter der Mühle waren hatten sich eine eigene elektrische Mühle zugelegt, so daß der Einsatz der Wassermühle nicht mehr notwendig war, lediglich der zur Mühle gehörende Kotten blieb erhalten. In diesem Zuge und der Verkoppelung der Wiesen wurde auch der Glaner Bach wieder in sein ehemaliges Flussbeet östlich des Hofes zurückverlegt. Kurze Zeit später entschied sich der Bauer die Stätte an seinen Sohn Karl, der 1916 als drittältester Sohn geboren wurde weiterzugeben. Im Jahre 1958 wurde die Bundesstraße Glandorf - Bad Iburg aufgrund einer Serie von Autounfällen, der auch die Cousine Agnes Brockmeyer zum Opfer fiel, verbreitert. Bei diesen Bauarbeiten erhielt der Privatweg des Brockmeyer´schen Hofes, der an der Bundesstraße mündet einen Schlagbaum, so daß dieser Zufahrtsweg zum Hof nur noch der Familie vorenthalten war und alle anderen den Umweg über Glane machen mussten.

Lediglich die Kinder Friedrich, Alois und Agnes heirateten. Friedrich, der die Witwe Lührmann heiratet, wurde Studienrat in Osnabrück und zog mit ihr die Kinder Johannes und Magda groß. Alois bekam in der Stadt eine Anstellung als Schreiner und bekam die Kinder Andreas und Mechtild. Agnes verheiratete sich mit dem Nachbarn Dorenkamp und schenkte einem Sohn, Konrad, das Leben. Die Tochter Anna wurde Ordensfrau im Kloster "Maria Frieden" in Telgte.

Anfang der sechziger Jahre kam es zu einem Brand auf dem Hofe und dabei wurde ein Nebengebäude vollkommen zerstört und erst in den nachfolgenden Jahren wieder aufgebaut. Der Bauer Karl wurde Mitglied im Rat der Gemeinde Glane und verkaufte den Weg von der Hofstätte zur Bundesstraße an die Gemeinde, der Schlagbaum wurde abmontiert und im Gegenzug dafür bekam die Straße den Namen "Brockmeyers Weg". Das Stammhaus, nun mit der Hausnummer 6, wurde in der Folgezeit unter Baudenkmalschutz gestellt, so daß von nun an äußerlich an Wohnheis und Tenne nichts verändert werden darf. Zusammen mit Karl wohnen seine beiden ledigen Geschwister Katharina und Josef auf dem Hof. Kurz vor dem Tode Karl´s im Jahre 1986 bestimmte der nun den Sohn seiner Schwester, Konrad Dorenkamp, als Erbnachfolger auf die Brockmeyersche Stätte. Der studierte Agrar-Ökonom bewirtschaftete von nun an den Hof, lebt aber auf seinem Bauernhof unweit der Brockmeyerschen Hofstelle, den er heute noch, wenn auch im kleineren Maßstab, bewirtschaftet.Konrad hat nach der BSE-Krise die Rinderhaltung aufgegeben und ab Oktober 2003 rund 28ha an einen Landwirt aus Bad Laer verpachtet. Ende 2005 hat der Geflügelzuchtbetrieb Gerwesmann aus Glandorf, inklusive Wald und Grünland, rund 49ha des Landes von Konrad erworben. Darin enthalten sind auch Flächen, die nicht zu der Brockmeyerschen Hofstelle gehörten, sondern vor einigen Jahren von Koke zugekauft wurden. Bis Gerwesmann die Flächen von Konrad erworben hat, hat er die ca. 16ha Waldflächen nachhaltig bewirtschaftet. Konrad ist weiterhin in diesen Forstflächen tätig. Er bewirtschaftet neben den nun von Gerwesmann gepachteten Grünlandflächen auch die zu seiner von ihm bewohnten Dorenkamp'schen Hofstelle gehörenden Flächen.

Am 27. Mai 2008 ist Josef Brockmeyer im Krankenhaus in Dissen gestorben. Er lag dort seit über einer Woche, zunächst eine Operation (3 Gallensteine entfernt), dann Besserung, dann eine weitere Operation, die er nicht überlebt hat. Mehrere Ursachen: Bauchspeicheldrüsenentzündung, Nierenversagen, Herzschwäche usw. Er folgt damit ziemlich schnell seiner Schwester Anna (Schwester M. Alfine), gest. am 24. Oktober 2007.

Neben der tiefen Trauer über seinen Tod bewegt uns auch damit das Ende des Hofes und der Familie Brockmeyer zu Glane-Visbeck. Eine lange bäuerliche Familienfolge und -tradition geht damit auf diesem Bauernhof zu Ende. - Einzige überlebende Schwester der 12 Kinder ist damit Agnes Dorenkamp, geb. Brockmeyer, die Mutter von Konrad und jüngste der 12 Geschwister.

Johannes Brockmeyer (Sohn von Friedrich Brockmeyer)

Aunt Pat's Story:

In den 1970er Jahren wurde die folgende Erzählung von Aurelia Marie Brockmeyer, die auch liebevoll „Tante Pat“ genannt wurde, aufgeschrieben. Sie erzählt die Lebenserinnerungen von Tante "Pat" und ihrer großen Familie. Sie wurde geboren am 2. Februar 1896 und starb am 25. Oktober 1987 im Alter von 91 Jahren. Aurelia schrieb diese Erzählung zunächst in Handschrift für ihre Großnichte „Patsy“ Sherwood, da das aber ziemlich unleserlich war schrieb Aurelia die komplette Erzählung noch einmal auf ihrer Schreibmaschine.

The Brockmeyer Family oder in St. Louis

Im Jahre 1840 wanderte mein Großvater Franz Heinrich (Francis), zusammen mit seinen Eltern (Hermann Brockmeyer und Maria Gertrud, geb. Nauber), von Glane-Visbeck in die USA aus und siedelte auf einer Farm im Süden von St. Louis, Missouri. Seine Geschwister Johann Heinrich (der bereits 1834 mit Franz Hotmer und Familie auswanderte) Georg Heinrich, Engel Maria und Bernhard Heinrich wohnten bereits im Ort Dutzow, 60km westlich von St. Louis am Missouri River. Vermutlich stand auch in dieser Gegend die oben genannte Farm, oder es war die Farm seiner Geschwister. Am 20. August 1845 folgte Joseph Brockmeyer aus Glane-Ostenfelde seinen Eltern (das waren vermutlich Peter Brockmeyer, der 1840, 75jährig mit seiner Frau und einem Sohn bereits in den USA lebenden Kindern folgte) nach Nordamerika. Vermutlich lernte Franz meine Großmutter Katharina (Katrina) Boggemann, die um 1850 in die USA kam, in Dutzow oder Umgebung kennen. Katrina und Francis hatten einen Sohn, Bernard und eine Tochter, Lena.

Großvaters Bruder Heinrich, der als Knecht bei der Bäckerfamilie Franz Hotmer aus Glane arbeitete und mit deren kompletten Familie im Jahre 1834 in die USA auswanderte betrat als erster Nachfahre der Brockmeyer Familie amerikanischen Boden. Da Franz Hotmer wohl bei der Reise verstarb, ist anzunehmen das die Familie Hotmer sich anschließend eine Farm in Dutzow bauten, die von Heinrich später bewirtschaftet wurde. Er heiratete Agnes Kusmann, die aus Oldenburg stammte, und mit der er zehn Kinder hatte. Vermutlich kehrte Heinrich nie aus dem amerikanischen Bürgerkrieg (in dem er auf der Seite der Nordstaaten diente) zurück, denn bereits kurz nach dem Krieg verkaufte Agnes die Farm in Dutzow und zog vermutlich in die Stadt.

Großvaters Schwester Engel heiratete zweimal, bei der Geburt ihrer jüngsten Tochter am 9. Januar 1859 verloren aber beide ihr Leben. Sie wurde in Dutzow beigesetzt.

Großvaters Bruder Bernhard Heinrich (Ben) hielt es nicht lange in der Gegend von St. Louis und zog um 1852 mit einem anderen Mann in einem der vielen Wagentrecks Richtung Westen, nach Kalifornien. Während des kalifornischen Goldrausches fanden die beiden im El Dorado County, in den Bergen der Sierra Nevada, Gold. Als Ben zurück nach St. Louis kam um Werkzeuge und weitere Materialen für den Goldabbau zu kaufen, verkaufte der andere Mann die Goldmine und alles was Ben blieb war ein einziger Goldklumpen den mein Dad später zu einer Krawattennadel verarbeitete. Ben zog es erneut nach Kalifornien wo er sich im Jahre 1855 in North Bloomfield, Nevada County, in der Nähe von San Francisco niederließ. Er wurde Besitzer der kleinen "Brockmeier Mine" und Teilhaber der "Haner-Brockmeier Mine" die er mit seinem Freund Lorenzo Haner bis ins hohe Alter betrieb, dort starb er am 19. November 1885.

Als Großvater aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg (er diente zunächst im 17th Missouri Infantry Regiment unter Cpt. Klages und später im 47th Missouri Infantry Regiment gemeinsam mit Johann Friedrich Luebbering, Dora Luebbering's Vater) zurückkehrte und St. Louis immer größer wurde, wurde die Farm verkauft. Großvater kaufte ein Grundstück in St. Louis und baute dort die Familienwohnung an der Stelle die nun die Ecke S. 16th und Spruce Street, nur einen Block östlich der Union Station, bildet. Hier wuchs mein Dad auf. Er erzählte uns oft über die guten Zeiten, die die jungen Leute beim Picknick im Park hatten, genau dort wo nun die Union Station steht. Dort gab es einen kleinen Bach, westlich der Grand Ave bis zur 18th Street, der sogenannte „Mill Creek“, da eine Mühle an ihm Stand. Hier ließen sich die Stadtbewohner ihr Getreide zu Mehl mahlen. In dieser Mühle arbeitete mein Großvater als Maschinenbediener und sein Bruder Georg war hier Feuerwehrmann. Dieser Bach schlängelte sich bis zum „Chouteau's Slough“. Dieser Bezirk ist nach wie vor als „Mill Creek District“ bekannt und verläuft von der Grande Ave bis zur 18th Street und von der Market Street mehrere Blocks weiter südlich.

Großvater wohnte ganz in der Nähe, in der 1123 Washington Ave. Dort wo auch Großvaters Bruder Georg seine letzten Lebensjahre verbrachte (er verstarb dort am 12. August 1889). Großmutter starb am 5. Mai 1881 in der Familienwohnung an der S. 16th Street, vermutlich zog Francis erst einige Jahre nach Katrina's Tod im Jahre 1884 zu seinem Bruder. Meine Großeltern waren einfache Leute und hatten keine Hochschulbildung und Dad bekam bereits einen Job als er 14 Jahre alt war – vielleicht war es eine gute Sache, denn Dad lernte sehr viel und brachte sich viele Sachen selber bei. Er war so klug, wenn nicht klüger als alle seine Söhne die das Christian Brothers' College in St. Louis besuchten. Trotz allem machte Dad eine gute Arbeit für eine Handelsgesellschaft die Cowboyhüte fabrizierte und in den Westen verkaufte, hier arbeitete er bis er im Jahre 1910 in den Ruhestand ging.

Dad lernte meine Mom in den 70er Jahren kennen, sie war die Tochter von Johann Friedrich Luebbering und Anna Maria Niemann. Mom und Dad heirateten 1878 und lebten zunächst bei Mom's Eltern in der Salisbury Street. Frank (13. Mai 1880), Arthur, gt. "Odd" (9. Februar 1882) and Oscar (13. November 1883) wurden dort geboren. Mom und Dad zogen 1884 zurück in die Wohnungen in der S. 16th Street.

Mom und Dad wohnten im ersten Stock der Wohnungen, während die Lowther Familie in der zweiten Etage lebte. Die beiden Familien wurden sehr gute Freunde und blieben es für den Rest ihres Lebens. Wir nannten Mrs. Lowther liebevoll „Mama Lala“. Sie hatten zwei Söhne, Will und Frank. Will’s Tochter heiratete Paul Sheridan im Webster Groves Bezirk. Und Nachkommen von Ihnen leben dort noch heute. Ich sage euch das nur, da es passieren kann, das jemand von Ihnen euch über den Weg laufen könnte. Nach Dad's Tod besuchte Will Lowther noch öfter meine Mutter. Einige von euch kennen ihn vielleicht noch und können sich an die Zeit in der Arco Street erinnern.

Dinge entwickelten sich in unserer Familie normal, Blanche, gt "Sis" (5. Oktober 1885), Eugene, gt. "Pud" (5. April 1887) und Edward (20. Oktober Oktober 1890 – 1. Januar 1893) kamen auf die Welt – Bea (14. August 1892) und Ich (2. Februar 1896) wurden ein wenig später geboren, Großvater starb am 5. März 1897 und als die Familie wuchs verkaufte Dad die Wohnungen und kaufte sich ein Haus in der Cabanne Avenue. Wir zogen dorthin um, dies ist das erste Haus an das ich mich erinnern kann.

Cabanne Avenue oder bei den Olympischen Spielen

Im frühen Frühjahr 1897 zogen wir in die Cabanne Ave. Im Herbst 1898 kam Oma Luebbering von ihrer Farm und Poststation aus dem östlichen Franklin County zu uns. Großmutter war sehr krank. Sie hatte Krebs, und musste immerfort in der Nähe von einem Arzt sein - Sie starb im Oktober 1899. Ich erinnere mich sehr schwach an sie. Sie war groß und sehr dünn. Eines Tages, als sie die Treppen hoch kam, wartete ich auf sie und und als sie oben angekommen war, blieb sie stehen und legte ihre Hand auf meinen Kopf und lächelte mich an. Das ist die einzige Erinnerung die ich von Ihr habe - aber diese Erinnerung ist mir geblieben.

Frank, Oscar, "Odd" und "Pud" gingen zu dieser Zeit alle zum Christian Brothers' College (CBC). "Sis" ging in die Vorschule. Bea und ich gingen noch nicht zur Schule, da in jenen Tagen Kinder erst mit etwa sieben Jahren zur Schule gingen. Die drei älteren Jungen spielten alle Fußball, um dann hin und wieder mit einem gebrochenen Arm oder einer gebrochenen Schulter, wo der Knochen noch aus dem Pullover ragte, nach Hause zu kommen. Dad nahm das alles sehr locker, aber Mom bekam jedes mal einen Anfall. Irgendwie haben wir alle überlebt und - rückblickend nun – Ich danke Gott für die Mom und den Dad die wir Kinder hatten.

In jenen Tagen hatte fast jede Familie ein Klavier. Wir hatten einen Konzertflügel. Die Jungen, ihre Freunde und "Sis" mit ihren Freundinnen versammelten sich alle um das Piano herum und sangen. Es gab keine Victrolas, Stereoanlagen, Radios oder Fernseher und jeder machte seine eigene Musik. Das Piano folgte uns von der Cabanne Avenue (1898-1908) zur Selma Avenue (1908-1914), nach Montana (Custer 1914-1919 und Billings 1920-1921), zurück zur Arco Street (1922-1938) und anschließend zu mir nach De Soto (1940-1970), ich gab es weiter an meine Nichte Helen (Sherwood, geb. Cahill) in Marshall (1970- 1990) und nun steht es bei ihrem Sohn Frank in High Ridge (1990- jetzt). Wenn es nur sprechen könnte, es würde von all den glücklichen Stunden die wir hatten erzählen.

Onkel John Luebbering war an Krebs erkrankt und als es schlimmer wurde, war er gezwungen die meiste Zeit im Bett zu verbringen. Er kam zu uns ins Haus, als Tante Julia (geb. Lowell, Frau von William Luebbering) sich nicht mehr um ihn kümmern konnte, dies war im Herbst 1903. Kurz danach kam auch Opa von der Farm und Poststation zu uns, da er auch sehr krank wurde. Tante Amelia Luebbering kam ebenfalls in unser Haus um Mom zu helfen, mit all diesem zusätzlichen Aufwand verlangsamten sich die Dinge für uns, da wir sehr ruhig sein mussten. Im Februar 1904 starb Opa und Onkel John starb im März des gleichen Jahres. Tante Amelia ging zurück auf die Farm und Poststation und die Dinge wurden wieder normal. Dad nahm mich immer mit zu den Fußballspielen des Collage's im Herbst und zu den Baseball-Spielen im Frühling - im Sommer schauten wir Tennis. Ein Mann, der mehrere Plätze auf der anderen Seite des Cabanne Avenue besitzte ließ die Jungs immer auf zwei Tennisplätzen spielen und die haben mich dann gelehrt, wie das Spiel zu spielen ist. Als wir in die Cabanne Avenue zogen, gab es nur fünf Häuser in unserer Straße, so gab es viele Baulücken auf denen wir spielen konnten. Bea hatte zwei Freundinnen in der Nachbarschaft mit denen sie spielte, aber es gab nur drei Jungen in meinem Alter. So, während die Mädchen mit Puppen spielten, musste ich durch Hecken kriechen, mit Murmeln spielen und mit den Jungs kämpfen.

Im Jahr 1902 absolvierte Frank das College und bekam in Winestads Juwelier Geschäft eine Stelle um zu arbeiten. "Odd" beendete im Jahr 1903 das College und ging in einem Großhandel-Kurzwaren Geschäft auf der Washington Ave. zur Arbeit. Oscar absolvierte im Jahr 1904 das College und ging zur Missouri University nach Columbia, er hatte dort ein Stipendium bekommen und spielte im Jahr 1905 dort Fußball für die Auswahlmannschaft der Universität. Als er nach Hause kam, ging er in die Stadtverwaltung um als Zeichner zu arbeiten. "Sis" hatte die Klosterschule absolviert und war zu Hause. "Pud" ging noch zum College. Bea war auf der Washington School in der Walton Ave., wo auch ich zunächst begann, aber das dauerte nicht sehr lange. Meine Lehrerin war die gemeinste Person, die man jemals finden konnte - immer auf der Suche nach etwas, was wir taten, damit Sie uns schelten konnte. Nun eines Tages bekam Sie ihren Wunsch. Bea und einige Mädchen spielten Beanball und ihre Kugel landete bei den Jungen auf den Schulhof und die wollten sie nicht zurück geben. Also ging ich nach und bekam sie. Gerade als ich zurück kam, wartete die Lehrerin auf mich. Sie packte mich am Arm, als ich den Ball zu Bea warf. Sie legte mich in die Garderobe und sagte mir, sie würde später mit mir reden. Das ist alles was ich brauchte. Ich kletterte aus dem Fenster und ging nach Hause. Das war das Ende für mich an dieser Schule. Die nächste Woche fing ich in einer anderen Schule im Nachbarbezirk an. Zu dieser Schule ging ich bis wir in die Selma Avenue umzogen.

Bea und ich verbrachten unseren Urlaub immer auf der Farm von Onkel William Luebbering in Manchester. Gertrude "Gert" und Russell Lowell (Tante Julia's Schwester und Neffe) waren die meiste Zeit mit uns dort, und wir hatten alle eine sehr gute Zeit. Etwa ein Jahr nach dem Großvater Luebbering starb, hatten Mom und ihre beiden Schwestern einen Streit, wir wussten nie worum es ging, aber jedes Mal wenn sie zu uns nach Hause kamen, kam es zum „Kampf“. So erzählte Dad Ihnen, wenn Sie nur kommen um Ärger zu machen, könnten sie auch gleich zu Hause bleiben. Damit begannen unsere Besuche auf der Farm von Onkel Will. Er war auf Mom's Seite und er und Tante Julia kamen uns an vielen Sonntagen besuchen. Er hatte ein schönes Pferd und eine schöne Kutsche. Er überließ dann immer einem der Jungs das Pferd, damit wir zum Reiten in den Park gehen konnten - und wir genossen es. Onkel Will war ein großer, kräftiger Mann und wir alle liebten ihn sehr. Wir kannten Onkel John nicht sehr gut, aber die älteren Jungs kannten ihn, und sie sagten: „Er war ein ganzer Kerl“.

1904 fanden die Olympischen Spiele und die Weltausstellung in St. Louis statt - was für eine Zeit das für uns alle war. Es war wie ein langer Urlaub mit überall Spaß und Lachen – für jeden war etwas dabei. Es gab den Straßenzirkus für alle die den Spaß liebten, und in allen Arten von Gebäuden und Pavillon's gab es Ausstellungen für die ernsteren Gleichgesinnten. Es gab ein „Igorote-Dorf“ mit fast nackten afrikanischen Eingeborenen, „Indian-Villages“ mit ihren Tipis und „Eskimo-Villages“ mit Glas-Iglus. Auf der Straße war der Spaß, dort wurden alle Arten von Shows und Fahrgeschäfte aufgebaut - eine „Rutsche-de-Rutsche“ (Wildwasserbahn), in der man mit einem flachen Boot eine steile Rampe hinaufritt – um dann wieder hinunter in das Wasser zu stürzen, die meiste Zeit kreischten und duckten wir uns wenn das Boot mit ihrer Unterseite wieder Wasser getroffen hat. Und es gab auch „Special- Shows“ die gezeigt wurden - Bea und ich konnten nicht auf diejenigen gehen, aber ich könnte Wetten, dass die Jungs es getan haben. Dad und "Odd" nahmen uns oft mit dorthin, aber Mom ging nur selten hin – Sie fühlte sich nicht so wohl unter den vielen Leuten, denn St. Louis war voller Touristen, und jeder machte daraus eine Partyzeit. Bei den Olympischen Spielen wurden zum zweiten Mal Fußballspiele als Demonstrationswettbewerb veranstaltet. Erneut nahmen keine Nationalteams oder Auswahlmannschaften teil, sondern lediglich drei Fußballvereine. Die Spiele wurden allesamt auf dem Francis Field ausgetragen und dauerten jeweils nur zweimal 30 Minuten. Oscar ging zu dieser Zeit noch zum Christian Brothers' College und nahm mit deren Fussballteam an diesem Turnier teil. Der Galt F.C. aus Kanada gewann erwartungsgemäß das olympische Fußballturnier. Im Entscheidungsspiel am 23. November 1904 um die Silbermedaille setzte sich schließlich das Christian Brothers' College gegen die St. Rose Parish School of St. Louis mit 2:0 durch.

Um das Jahr 1907 verliessen Frank und "Odd" unser Zuhause, um in Chaffee, Missouri einen Kaufmannsladen, den „Chaffee Mercantile Store“ zu gründen. Die Frisco Railroad baute im Jahre 1905 einen ersten kleinen Laden und einen Saloon in dem Ort. Die Eisenbahn-Männer holten ihre Familien dorther und bauten dort ihre Häuser, so dass es großen Bedarf an einem Geschäft gab - Dad und Onkel Will halfen ihnen, dieses zu bauen. Dies war das erste Mal dass die Familie getrennt war - und wir vermissten die beiden sehr. Bea und ich verbrachten dort einen Sommer und wir sahen noch nie so ein Ort - keine Bäume, ein paar Häuser hier und da verstreut, keine Bürgersteige, keine Straßen, nur das Geschäft, ein kleiner Saloon und den Laden. Später verkauften Frank und "Odd" das Geschäft an E.F. Eggiman und Gus Thomas. Ich kam im Jahre 1950 wieder dorthin und ich konnte meinen Augen nicht trauen, jetzt ist es eine wunderschöne kleine Stadt geworden. Ebenfalls zu diesem Zeitpunkt bekam "Pud" das Angebot einen kleinen Lokalzeitungsverlag in Flat River, Missouri zu übernehmen. Er kaufte die Zeitung dem Besitzer Charles Pratt ab, der zahlungsunfähig war, aber als der plötzlich wieder zu Geld kam, klagte Pratt gegen die Rechtmäßigkeit des Kaufvertrages und "Pud" musste ihm den Verlag wieder zurückgeben.

Kurz danach wurde Mom plötzlich sehr krank und musste sich einer Operation unterziehen. Wir waren alle zu Tode erschrocken, aber nach ein paar Wochen war sie wieder zu Hause und erholte sich sehr gut, und die Dinge wurden wieder besser. Abgesehen von "Sis" – Sie übernahm es in dieser Zeit den Haushalt zu führen, und ich meine ÜBERNAHM, sie kommandierte uns alle herum, bis sogar Dad davon genug hatte und ihr sagte: „du bist entlassen.“

Die Bauplätze in der Cabanne Ave waren nun bis auf den Platz verbaut und es ist sehr groß geworden, so haben Mom und Dad entschieden erneut umzuziehen. Sie verkauften das Haus und kauften ein anderes Haus im Bezirk Webster Groves, in der Selma Avenue. Im April zogen wir um - das war im Jahr 1908.

Selma Avenue oder Drei Hochzeiten und...

Wir waren froh ein neues Zuhause zu haben und wir liebten es. Es war ein schönes großes Haus auf einem großen Grundstück, welches eine Größe von über einem Hektar hatte und es hatte einen Stall, ein Hühnerhaus, einen Obstgarten und genug Platz für einen Garten. Das erste was die Jungen machten, war ein Tennisplatz zu bauen und dann begann der Spaß. Genau wie in der Cabanne Ave war das Haus der Treffpunkt für alle unsere Freunde. "Sis" lernte Jack kennen und Sie waren fortan ein Paar. Dann kam Jack's Bruder aus England zu Besuch und brachte eine Bulldogge mit. Er gab ihn "Sis", die ihn aber nicht pflegen konnte, aber wir alle liebten ihn und nannten ihn "Brewser". Frank und "Odd" hatten ein schönes Pferd, welches zu verspielt für ihre Lieferkutsche war - also kauften Sie ein Maultier für ihre Liefer- und Versandarbeiten und gaben "Nellie" zu uns. Das vervollständigte das Bild - wir hatten ein schönes Zuhause, einen Tennisplatz und nun besaßen wir auch einen Hund und ein Pferd. Dad hatte seinen Garten und die Hühner. Dad hatte auch noch eine Kutsche und einen Sattel, so dass wir mit dem Pferd viele Sachen unternahmen.

Nachdem Onkel Will Luebbering am 10. Mai 1908 starb, verbrachte Tante Julia viel Zeit bei uns. "Gert" Lowell war ihre jüngere Schwester und lebte mit ihrer Mutter und zwei Brüdern zusammen, der Rest der Familie war verheiratet. Tante Julia erzählte uns, dass ihre Schwester gerne wünschte, junge Leute zu treffen und öfters mal ausgehen wolle. Mom bestand darauf, dass "Gert" zu uns kam um den Sommer mit uns zu verbringen. Eines Tages kam Sie mit ihren Pferd zu uns geritten und nach diesem Sommer verbrachte sie fast genauso viel Zeit mit uns, wie sie zu Olympiasieger im Fußball: das Team des Galt F.C. aus Kanada. Hause war. "Pud" brachte Ihr das Tennis spielen bei und wir hatten alle eine gute Zeit. "Gert" war nur sechs Monate jünger als Bea und nun wurde sie ein Teil unserer Familie.

Bea ging nun zur High School und ich ging zur Klosterschule. Die Schule war in einer umgebauten Scheune eingerichtet und dort saßen wir in einem lustigen kleinem Zimmer. Die "Loretto" Nonnen hatten ursprünglich ihre Schule in einem großen Holzhaus wo nun das "Frame-Webster College" steht, das Haus brannte aber nieder und nun wurde die Scheune als Schule genutzt. Es gab nur zwei Schüler und mich, so dass im folgenden Jahr die Schule geschlossen wurde. Dann ging ich in eine Schule die in einer alten Kirche untergebracht war. "Father Kane" hatte die Kirche in ein Schulhaus umgewandelt nachdem die neue Kirche fertig war. Als dann auch noch im nächsten Jahr das neue Schulhaus fertig wurde zogen wir in das um.

Ich beendete meine Schulzeit zu jener Zeit als "Father Kane" die High School gründete. Als die "Holy Redemer" Schule gebaut wurde ließ er eine Nische über dem Haupteingang einbauen. Er wollte eine große Statue darin aufstellen lassen und wir Kinder aus der Gemeinde begannen nun Geld zu sammeln. Wir organisierten Verlosungen, diverse Spiele und einen Flohmarkt, das taten wir den ganzen Winter und im Frühjahr hatten wir erst 30 $ zusammen. Bea kam nun auf die Idee eine Party- und Tanzveranstaltung in unserem Garten zu veranstalten. Mom und Dad gaben uns das O.K. und die Jungs halfen uns ebenfalls. Sie spannten ein Plane über den Tennisplatz und hangen japanische Laternen rund um den Vorgarten auf. Wir stellten das Piano in den Speisesaal, da wir dort die Fenster zum Hof weit öffnen konnten. Edith Cahill spielte Klavier, Ellen Hurley Geige und einer von Bea's Freunden spielte Schlagzeug - das hörte sich so toll an, das wir daran dachten als ob ein ganzes Orchester dort spielte würde. Wir verkauften Kuchen, Limonade und Eis. Als alles vorbei war fehlten uns leider noch 1,25 $, aber die Jungs spendierten uns das. So wurde die Statue gekauft und in der Nische über dem Haupteingang aufgestellt. Falls ihr an der Schule vorbeikommt und einen Blick auf die Statue rüberwerft, denkt an uns, wie hart wir dafür arbeiten mussten.

Zu jener Zeit wurde auch eine Theatergruppe in unserer Gemeinde gegründet. Bea und Elsie Broughan waren die führenden Damen, Ross Cahill und Gordon Williams waren die führenden Männer in der Gruppe, und Oscar war der Direktor. "Pud" sagte, er würde beim Bühnenbau helfen, auf die Bühne bekamen wir ihn aber nicht - weder für Geld noch für Liebe. Es gab drei Aufführungen pro Jahr und wir verdienten so ein bisschen Geld für die Kirchengemeinde. Zwischen den Akten gab es sogar ein Unterhaltungsprogramm und unsere Cousine Adelade und einige der anderen Mädchen sangen dazu. Das ging über zwei Jahre so, doch dann hatten Oscar und "Father Kane" einen Streit über die Nutzung des Vorführraumes für die Generalproben. "Father Kane" erlaubte es nicht und Oscar sagte nun alle weiteren Theateraufführungen ab und "Father Kane" musste nun alle bereits verkauften Eintrittskarten wieder zurückerstatten - das war schon irgendwie verrückt.

Das Haus an der Selma Avenue war ein großes Haus in dem die Jungen ein Zimmer hatten, es gab ein großes Wohnzimmer mit zwei großen Dachfenstern und Säulengänge auf beiden Seiten. In jedem der Zimmer stand ein Doppelbett für die Jungen, sie hatten auch eine Couch die zu einem Bett geöffnet werden konnte und wenn mal eine Party stattfand gab es Platz für sechs junge Männer in dem Raum. Bea hatte ein Doppelbett welches sie und Gertrud "Gert" Lowell besetzten. "Sis" und ich hatten einen weiteres großes Zimmer mit zwei Doppelbetten und in der Bibliothek hatten wir eine weiteres Schlafsofa. Wir hatten also viel Platz für eine Vielzahl von Unternehmungen. Im Sommer gab es Tennis-Party's über die Wochenenden und Schlittschuhlaufen oder Rodeln im Winter. Die meiste Zeit waren die Betten im Haus immer gut gefüllt. Als Florence und Emily zu uns kamen gab es immer einen zusätzlichen Mädchen-Raum. Unser Haus war ein Platz zum Leben und genießen und Mom und Dad haben es lieber gesehen das wir dort waren und nicht anderswo.

"Odd" und Frank hatten inzwischen geheiratet - "Odd" im Jahre 1909 und Frank im Jahr 1910. Bea überredete Mom das sie die High School beenden dürfe und ich denke das Mom dachte es wäre nutzlos weiterhin dorthin zu gehen. Sie, Frances Salisbury und Catherine Gibson wuchsen zu Frauen heran und es war die Zeit, wo Sie die Jungs verrückt machten - Sie hatten eine "glorreiche" Zeit, aber für die Burschen war es nicht immer so erfreulich. Wie sie es auch immer schafften von einem Date zum nächsten zu springen blieb für mich immer ein Rätsel. Dann zog Frances mit ihren Eltern nach Chicago und Catherine zog in einen anderen Stadtteil - Sie überliesen somit Bea kampflos das Feld. Nach einer Weile entschied sich Bea für Ross und die anderen Kerle verschwanden aus ihrem Blickfeld. Oscar heiratete im Jahre 1912 und zog zu Florence's Mutter ins Haus in die Raymond Ave. Das war nur ein Block von unserem alten Haus in der Cabanne Avenue entfernt. In der Zwischenzeit hatte die Eisenbahngesellschaft "Frisco Rail" ihre Geschäfte in Chaffee geschlossen und die Männer waren alle arbeitslos. Arthur und Frank erweiterten alle ihre Kredite die sie hatten aber als die anderen Geschäfte auch nicht wieder öffneten waren auch sie gezwungen das Geschäft, die "Chaffee Mercantile Company", zu schließen. "Odd" blieb in Chaffee und verkaufte nun Lebensmittel für einen Lebensmittelgroßhändler in Cape Girardieu. Frank ging zusammen mit Josephine nach Springfield. Die Ehe zerbrach allerdings als ihr Sohn Joseph im Alter von nicht einmal einem Jahr verstarb und ein weiterer Sohn bei der Geburt starb. "Jo" blieb in Springfield und Frank kam zurück zu uns nach Hause.

"Sis" wollte im Herbst des Jahres 1912 auch heirateten, aber "Mr. Big Shot" John, gt. Jack Patrick ging eine Affäre mit einer Schauspielerin ein, die eine Cousine von einem von Florence's Freunden war - und sie hörte niemals von ihm einen Grund. Wir waren alle ziemlich froh darüber das Jack nun nicht mehr zu uns kam, denn wir hatten ihn nie so richtig gemocht, aber daran ist er selber Schuld gewesen. Statt mit "Sis" zu reden wie ein Mann, kam er einfach nicht mehr in unser Haus. Wir vermissten ihn nicht, aber "Sis" tat es. Wir haben versucht zu tun, was wir konnten, aber wir konnten Sie nicht aufmuntern. Sie war noch immer ziemlich geschockt darüber.

Montana oder Weites Land

Als die Regierung ein riesiges Gebiet im Bundesstaat Montana für die Besiedlung freigab bekamen Oscar und sein Freund Griffith, die beide im Rathaus von St. Louis arbeiteten, Wind davon und sie begannen damit die Familie zu überzeugen dorthin zu siedeln. "Pud" und Bea wollten im nächsten Jahr heiraten - und ich nehme an - sie dachten es wäre eine gute Möglichkeit um ihr eigenes Leben zu beginnen. Frank war unglücklich über seine Scheidung und Mom dachte es wäre gut für "Sis" mal wegzukommen. Zusammen mit Griffith konnten wir vier Parzellen Land in einer Größe von 2480 Acre (1 Acre = 4047 m²) bekommen. Nachdem man sich mit der Regierung über einen Preis von $ 10,00 je Acre (es war auch von $ 3200,00 die Rede ?) einigte, den wir für die Besiedelung des Landes bekommen sollten, diskutierten wir ungefähr zehn Tage lang das Für und Wider, ehe wir beschlossen, das wir alle nach Montana gehen. Der Agent in der Regierungsbehörde war sehr kooperativ, ich vermute, er dachte, er greift schnell zu, solange er bei uns Haufen von Idioten die Chance hatte - er stimmte den Forderungen zu. Sofort ließen sich Bea und Dad in der Montana-Datei registrieren, Frank folgte kurze Zeit später. Anschließend registrierten sich auch "Pud" und "Sis". Oscar ging daraufhin nach Custer, Montana um gemeinsam mit Bea, "Pud", Frank und Griffith die Verträge zu unterzeichnen und als sie zurückkamen, war Eile geboten: Frank, "Odd", Beulah (geb. Hinch) und der kleine Francis ("Odd's" Sohn) siedelten nun als erste dorthin.

Wir wussten damals noch nicht, dass der Winter in Montana jederzeit und ohne vorherige Ankündigung einsetzt. "Odd" versandte seinen gesamten Hausrat zu uns in die Selma Avenue und Dad kaufte ein großes Zelt in dem sie erst einmal eine Zeit lang leben konnten, bis Sie das Haus gebaut haben. Der Rest der Familie folgte dann im Frühjahr.

Bea und Ross heirateten am 11. Februar 1914 in der Kirche der "heiligen Erlöser", der mormonischen Glaubensgemeinschaft und blieben mit uns in St. Louis. Ich erinnere mich noch daran das nach der Hochzeit die gesamte Familie zu einem schönem Frühstück in unser Haus kam und wir einen schönen Tag zusammen verbrachten."Pud" und Emily heirateten am 22. des gleichen Monat's im Haus des Priesters, da Emily nicht katholisch war. Sie zogen zu Emily's Mutter in das Haus am Waverly Place.

Etwa eine Woche nach der Hochzeit begannen wir mit dem Verpacken der Bücher und dem Geschirr welches wir nicht brauchten. In der ersten Aprilwoche sollte es für uns alle nach Montana gehen - alle außer mir, ich sollte bei meinen Tanten Amelia und Cornelia Luebbering bleiben, die ein Haus in den Webster Groves hatten. "Pud" und "Odd"kamen um beim Verpacken zu helfen. Im ganzen Haus war ein einziges Durcheinander, Möbel aus zwölf Zimmern standen überall herum und Dad dachte das wir den Staubsauger in Montana nicht gebrauchten konnen und schenkte ihn Tante Julia Luebbering. Dad organisierte zwei Güterwaggons für den Transport der Sachen. Neben den ganzen Hausrat mussten auch noch zwei Kühe der Cahill's - die Ross und Bea geschenkt bekamen - zwei Pferde die Dad gekauft hatte, das Pferd "Nellie" und der Hund "Brewser" sowie eine Katze verladen werden. Ross und "Pud" reisten mit der Fracht, da Sie die Tiere zweimal am Tag versorgen mussten. Die beiden hatten zwei Kochplatten mit und einen Vorrat von allem was haltbar bleiben würde und dann waren da auch noch die drei Kisten mit Hühnern - So dass sie sich morgens Eier mit Speck braten konnten - und natürlich eine Kaffemaschine und den Kuchen den Tante Amelia gebacken hatte. Nach einer Weile stoppte der Zug in einer größeren Stadt und dort bekamen sie eine anständige Mahlzeit. Nach zehn Tagen kamen sie in Custer an. Da es dort keinen Platz für all die Möbel, Kisten und Kästen gab, mieteten Sie sich ein kleines Zwei-Zimmer-Haus und die Waren wurden dort eingelagert. Dann ging es hinaus auf "Odd's" Landparzelle. Er baute dort ein Haus mit zwei Zimmer im ersten Stock und das Dachgeschoss in der zweiten Etage. Anschließend ging es weiter zu Frank's Land wo sie sich eine Ein-Zimmer-Hütte zimmerten. Dort blieben Sie bis das Haus auf Bea's Platz gebaut wurde – nun war es bereits Mitte Juli. Als nun die Ferien begannen reisten auch Tante Amelia und Cornie gemeinsam mit Edward nach Custer. Anschließend zogen auch Mom, Dad, Bea, "Sis" und Ross Richtung Montana. Sie wohnten noch zusammen mit den beiden Tanten und Edward, in das neue Zwei- Zimmer-Haus im Erdgeschoss und zwei Zimmer im Obergeschoss, getrennt wurden die Räume lediglich durch Vorhänge. Dann wurde Dad's Haus fertig, und ich nehme an das zunächst Dad und Ross dort schliefen. Ende August kamen die beiden Tanten und Edward wieder zurück nach St. Louis. Nun war es auch für mich an der Zeit in den Westen zu gehen. Es konnte alles nicht schnell genug gehen, denn ich hatte noch nie in meinem Leben so eine miserable Zeit ver bracht wie die sechs Monate mit Ihnen. Ihr Lebensstil war so verschieden von der unsrigen. Edward hatte nie einen Freund zum spielen mitgebracht oder das jemand mal bei uns eine Mahlzeit einnahm. Und als ich einmal ein Bad nahm, mahnte Tante Cornie das ich nicht soviel Wasser verbrauchen sollte. In unserem Haus in der Selma Avenue berieselten wir den Rasen des Tennisplatzes täglich und ich gab meinem Pferd "Nellie" zweimal in der Woche ein Bad. Sie hatten ein großes Backstein-Haus, aber das war es auch schon, denn ein Zuhause wurde es für mich nie. Damals in der Selma Avenue kam Tante Julia täglich vorbei und eine Menge von Mom's Freunden verbrachten den Tag mit ihr. Unsere Cousine Adelade kam dann immer für zwei oder drei Tage zu uns. Sie kam dann immer lieber zu uns als zu Edward und der Frick Familie zu gehen, wo es einfach kein Schlafplatz für Sie gab, nicht einmal für Edward's Freunde. Edward war in der Tat sehr zurückhaltend, bis schließlich Mary sich mit ihm verband. Ich musste mich dieser Lebensweise schon sehr anpassen. Einige Male waren die Gerhards zum großen Abendessen eingeladen, Edward und ich mussten das Mahl aber jedesmal im Frühstücksraum einnehmen - das war etwas neues für mich. Egal zu welchem Anlass oder wie viele Leute bei uns zu Besuch waren, Bea und ich saßen immer mit am Tisch. Aus diesem Grund war dieser Sommer für mich miserabel. Oscar und "Gert" (Lowell) brachten mich an einem Sonntagnachmittag zur "Union Station" und setzten mich in den Zug.

Nach meiner Ankunft in Custer gingen Frank und ich ins "Besaw Hotel" zum Abendessen und ich bekam einen ersten Eindruck, wie das Leben im "Wilden Westen" sein würde. Der Speisesaal war ein großer Raum mit einem langen Tisch, um den etwa zehn Cowboy's und Farmer, sowie zwei durchreisende Kaufleute saßen. Das Essen wurde in großen Schalen serviert - vier Gerichte aus zwei Arten von Gemüse und zwei große Töpfe Bohnen-, Gurken- und Rübensalat. Dazu gab es Kaffee und Wasser, das ich aber bereits nach einem Schluck wegstellte, da hatte ich schon genug davon. Mr. Besaw brachte mir dann Milch, er sagte das niemand in seinem Hotel Durst haben müsse. Niemand dort sagte ein Wort, außer den beiden Männern und Frank, ich denke die anderen hatten Angst vor mir, da ich die einzige Frau dort war. Nach dem Abendessen gingen wir zu den Pferden, die in der Station untergebracht waren und dann ging es weiter zur Farm.

Der Yellowstone-Trail führt nach Norden aus der Stadt und etwa eine Meile hinter der Stadt überquerten wir den Yellowstone-River. Es ist ein sehr schöner Fluss, und er spielte eine große Rolle in unserem Leben, während wir dort waren. Im Sommer fischten wir in ihm und im Winter sind wir auf ihm Schlittschuhgelaufen nachdem ich Feierabend hatte - Ich arbeitete damals in "McVays Hotel" in Custer (mehr dazu später). Wir nahmen den Musselshell- Trail, nachdem wir die Brücke überquerten, für etwa sechs Meilen. Diese Strecke war gut und ziemlich eben. Sie folgte dem Yellowstone-River und später dem Musselshell-River. Wir verließen den Weg und fuhren über den Pfad den meine Brüder den ganzen letzten Sommer gingen. Dort führten zwei Wagenspuren durch eine Schlucht, diesen Spuren folgten wir etwa eine Meile bevor wir auf die andere Seite kamen. Dies war ein unebener Weg, mit einer Kutsche konnte man hier kaum entlang, die Zweige der Salbeibäume hingen sehr tief und die Wurzeln schauten kreuz und quer aus dem Boden das es unruhiger war als Kopfsteinpflaster. Wir kamen an etwa fünf Wasserlöchern vorbei, die die Rinder vereinzelt als Wasserstelle aufsuchen. Der Regen hat diese Wasserlöcher schon so sehr ausgewaschen, das Sie bereits bis zu sechs Meter tief und breit waren. Mit der Kutsche mussten wir sehr genau aufpassen, das wir nicht mit der Unterseite in eines der Löcher aufsetzten. Ich wurde so sehr durchgeschüttel, dass ich sogar einmal von meinem Sitz rutschte und nach hinten in den Wagen fiel – danach hielt ich aber durch. Es schien mir das eine Ewigkeit vergangen wäre seit dem wir die Stadt verlassen haben, denn wenn man zwei Arbeitspferde vor eine Kutsche spannt dann laufen die nicht sehr schnell, sie gehen ihren langsamen Schritt den ganzen Weg. Man kam nicht sehr schnell voran und und die ganze Zeit haben wir keine einzige Menschenseele gesehen - nichts ausser Kühe und ein paar Kojoten.

Wir fuhren einen furchtbaren Hügel hinauf und ich dachte jede Minute der Wagen würde zurückrollen, aber wir haben es geschafft bis auf das Plateau. In etwa einer Meile Entfernung sah man von weitem ein Gebäude und Frank sagte: "Nun, da ist es" und ich fragte "was ist?". Er sagte das ist unser neues Haus, ich fand es sah sehr lustig aus, aber ich fand es war ein einziger Höllentrip und wollte wieder zurück in die Stadt. Ungefähr eine halbe Stunde und mehr als tausend Beulen später standen wir endlich an der Hintertür und ich war so glücklich dort meine Familie zu sehen das ich alles andere schon wieder vergaß. Ich wurde von jedem freundlich begrüßt und wir hatten ein nettes Abendessen, danach setzten wir uns noch zusammen und unterhielten uns noch eine Weile. Dann gingen "Pud" und Emily, "Odd" und Buelah und Frank nach Hause und ich schaute mir das Haus einmal genauer an, aber es dauerte nicht lange. Die Küche und Bea's Schlafzimmer befanden sich im ersten Stock, Mom's Schlafzimmer auf der einen Hälfte von der zweiten Etage. "Sis" und ich hatten unsere Zimmer auf der anderen Seite. Ein Bett, ein Waschtisch mit Krug und Waschbecken mit einem „Slop- Glas“ Spiegel und ein paar Stühlen. An den Wänden rund um die Seite stapelten sich die Kisten und Kästen mit dem ungenutzten Geschirr und den ungelesen Büchern, die wir aus St. Louis mitbrachten.

Am nächsten Morgen gab es einen wunderschönen Sonnenaufgang, und wir waren alle sehr hungrig - man hört immer wieder eine Sache über Montana: Niemand verliert hier seinen Appetit. Bis zur Mittagszeit wurde das Geschirr gewaschen und Hausputz gemacht, das war es aber schon. Ich fragte Bea wo ich ein Bad nehmen konnte - es war entweder in einem Waschzuber, der in der Küche stand oder in einem Waschbecken in ihrem Zimmer. Ich wählte dann den Waschzuber und füllte ihn bis auf halber Höhe mit kaltem Quellwasser - sie warnten mich noch ich sollte mich nicht auf den Rand der Wanne setzen, sondern nur Seife und Wasser über mich kippen. Nun, das hat nicht so gut funktioniert, so setzte ich mich – „habt ihr jemals versucht euch in einen Waschzuber zu hinzusetzen?“ Es wird nicht funktionen: Der Waschzuber kippte um und ich lag nun zusammen mit dem verschütteten Wasser auf den Boden. Es hat uns eine halbe Stunde gedauert die Küche wieder sauber zu wischen.

Es gab nichts zu tun, nichts zu sehen, außer dieses riesige weite Land bestehend aus Salbeibüscheln, Büffelgras, Kakteen und Klapperschlangen. Ich hatte Angst, reiten zu gehen, aus Angst ich würde verloren gehen oder den Weg nicht mehr zurück finden. Eines Tages ging ich auf die Jagd und ladete die falsche Munition in die doppelläufige Flinte und schoß das Kaninchen in tausend Stücke. Ich wurde krank als ich das Kaninchen aufsammelte, von nun an benutzte ich nur ein 25-20 Kaliber Gewehr, das war besser. Dann begannen wir damit den Boden zu beackern um es im Frühjahr bepflanzen zu können, da gab es viel zu tun. Als erstes mussten wir die ganzen Salbeibüschel roden, das dauerte einige Zeit, denn sie sind so zäh wie Gummi, d.h. wenn man Sie mit der Hacke trifft schleudert sie einem wieder entgegen. Dann waren da noch die ganzen Klapperschlangen und die Kakteen, dass man aufpassen musste nicht auf sie draufzutreten. Es war eine miserable Erfahrung, aber es machte uns härter.

Unsere einzigen Nachbarn waren zunächst Tom Smith und seine Mutter, die ungefähr drei Meilen nördlich von uns lebten. Wir würden niemals ohne Tom überlebt haben. Er hatte ein landwirtschaftliches Studium an der „University of North Dakota“ absolviert, und half den Jungs das Land zu bebauen und Schnittholz für "Pud's" Haus zu sägen. Er zeigte ihnen, wie man die einzelnen Blöcke (Log's) verbinden musste. Die erste Etage des Hauses wurde aus Baumstämmen gefertigt und der zweite Stock wurde mit einem Schindelndach bedeckt - es war im Herbst fertig. Bis zu diesem Zeitpunkt nahmen die Dinge langsam Gestalt an. Frank hatte seine Hütte neben "Odd", "Sis" hatte eine Hütte neben "Pud", Dad hatte seine Hütte neben Ross und Bea. In jeder Hütte und Haus waren Kisten und Fässer mit noch unbenutzten Dingen aus St. Louis. Es gab eine Menge Leute die aus dem Osten abwanderten und hier für immer sesshaft wurden, aber sie wohnten Meilen entfernt von uns, aber sie waren Nachbarn im wahrsten Sinne des Wortes. Im ersten Jahr war das Wetter sehr trocken und der Fluß war bis zur Quelle ausgetrocknet und glich einer einzigen Sandbank. Tom hatte herausgefunden wo der Anfang der Quelle war und die Jungs gruben ein Loch von etwa sechs Fuß tief und fünf Fuß im Durchmesser und dort trafen Sie genau den Hauptstrom. Sie mauerten dieses Loch aus und setzten einen Deckel oben drauf. Dann besorgten Sie sich eine Wasserpumpe und fertig war unser Brunnen. Wir hatten nun das feinste, kalte Quellwasser was wir nun nutzen konnten, aber auch die anderen Siedler der Umgebung wurden darauf aufmerksam und nutzten diese Quelle. Die Leute halfen einander in jeder Hinsicht. Als Mitte September eine Familie Namens Koeble (Kobel) herzog, auf einer Parzelle Land etwa fünf Meilen von uns entfernt, halfen wir Ihnen beim Hausbau. Das Haus war im November fertig und wir feierten eine tolle Einweihungsparty. Das war unsere erste Party in Montana und wir hatte alle sehr viel Spaß dort, außer "Sis" - sie ging nie zu den Party's. Es war ein tolles Fest, auf der sich die Jungs entschieden eine Partyscheune zu bauen, wo wir Party's feiern konnten. Als die Partyscheune fertig war hatten wir dort unsere Tänze, wir gingen in den Raum bevor es dunkel wurde, blieben die ganze Nacht und kamen erst morgens nach Hause, um Mitternacht hatten wir ein Buffett und das mehr als genug. Wir hatten Hühner, so das wir jedesmal vier von ihnen grillten. Die Stewarts, weitere Nachbarn, brachten einen großen Rinderbraten mit. Die Farmer brachten gebratenen Schinken von ihren Schweinen mit und Kartoffel- Bohnen Salat, selbstgemachtes Brot, Kuchen, Torten und Kaffee wurde auch noch besorgt. Unser altes verstimmtes Piano, welches wir aus Custer holten, kam zu diesen Anlässen auch wieder zum vorschein, eine befreundete Indianerin spielte dazu auf der Geige. Wir tanzten und hatten auch einen Stimmungsmacher wie "Festus“ aus der Fernsehserie "Rauchende Colts“. Die meisten der angesiedelten Familien waren jung und hatten ein oder zwei Baby's, die kamen einfach mit zu den Party's. Neben dem Tanzsaal befand sich ein kleiner Raum und die Mütter brachten große Koffer mit, die öffneten sie und die Kinder schliefen darin. Am Morgen machten sich dann alle wieder auf den Heimweg. Wenn das Wetter schön war, holte Mom uns ab und tanzte den ganzen Rückweg mit uns Squardance und begleitete uns nach Hause.

So langsam gewöhnten wir uns an unser neues Leben auf dem Land. Wir jagten Hühner, Kaninchen und einmal sogar eine Antilope. Ich war gegen das töten dieser Tiere, welches von Gesetz her erlaubt war, da es noch immer frei lebende Indianer gab, die Tiere jagen mußten um zu überleben. Es gibt hier sogar extra Wild-Sheriff's die aufpassten das nicht zuviel gejagt wurde, manchmal tauschten wir mit Ihnen. Wir gaben ihnen etwas Fleisch und Sie gaben uns ein paar tolle große Welse die Sie aus dem Yellowstone River geangelt haben. Dad und ich waren irgendwie dafür ausgewählt, das Fleisch für die Familie zu besorgen. In den Nächten wenn Vollmond war und es so hell war wie der Tag, saßen wir in der Küche und warteten bis die Kaninchen die Hügel hinunterkamen und unseren Karottenacker aufsuchten. So bekamen wir sie direkt vor die Flinte und mussten sie nur noch einsammeln. Eines Abends hatten wir 18 große Kaninchen erlegen können und Sie anschließend im Brunnen verstaut, den die Jungs bauten. Das Vorhaben einen eigenen Brunnen auf dem Hof zu haben, gaben die Jungs nach 35 Fuß (ungefähr 10 Meter) auf, da Sie auf Feuerstein-Felsen gestoßen sind und es kein vorran kommen mehr gab. Also bauten Sie einen hölzernen Kasten um den Brunnenschacht und legten einen Deckel darüber. Fortan lagerten wir in diesem Brunnen auch unsere erlegten Kaninchen, die wir auf sechs verschiedenen Ebenen in den Brunnen hängen konnten. Das Fleisch war dort kühl gelagert und der Vorrat würde für einen Monat ausreichen.

Eines Tages fielen ein paar von Stewarts Schafen beim grasen in ein ausgetrocknetes Wasserloch und einige von ihnen brachen sich ihre Beine und mussten Notgeschlachtet werden. Bill Stewart kam vorbei und gab Frank und "Pud" sechs geschlachtete Lämmer, davon aßen wir den ganzen Sommer, es war soviel Fleisch das die letzten Stücke am Ende des Sommers bereits ein bisschen schimmelten. Wir schnitten es einfach ab und aßen den Rest gebraten als „Schaf auf Toast“. Wir hatten keinen Kühlschrank in Montana, aber wir brauchten auch keinen. Ein alter Farmer erklärte Dad, wie man auch an den heißesten Tagen die Sachen kalt halten würde. Auf der Nordseite des Hauses grub er ein Loch, etwa drei Meter breit, drei Meter tief und etwa sechs Meter lang, wir säumten die Seiten mit Brettern und der Boden wurde mit Steinen ausgelegt – das war die beste Isolierung. Wir konnten von da an unsere Butter, Eier und Milch im Sommer dort lagern – es war sogar so kalt darin das wir darin Gelantine fest bekamen.

Im November 1914, kurz nach Thanksgiving, fuhren "Pud" und Emily nach St. Louis um dort ihr erstes Kind zu bekommen. Eugenia Bernice, kurz "Genie", wurde kurz vor Weihnachten geboren, und Emily konnte bereits Ende Januar wieder zu uns zurückkehren. Dann ging wieder alles wie gewohnt weiter bis Ende April Bea nach St. Louis ging um ihr erstes Kind zu bekommen. Helen wurde im Mai 1915 geboren und im Juni kam Bea wieder zurück, mit Ihr kam dann auch "Gert" zu uns nach Montana. Ross' Familie schickte uns damals mit einem Lieferwagen eine Badewanne und wir fragten die Jungs ob wir diese Badewanne nicht nach draußen in dieses „offene Land Gottes“ stellen konnten. Wir legten uns aus alten Teppichen und Handtüchern einen Weg direkt zum Haus, so dass wir gar nicht über den sandigen Boden laufen brauchten. Das war ein gutes Gefühl ein Bad dort draußen in der Natur zu nehmen. Das einzige Problem war das wir nach Hause wieder über die staubigen Wege gehen mussten und als wir zu Hause ankamen genauso verschwitzt und verdreckt waren wie zuvor. Während Bea weg war, beschlossen Dad und die Jungs, dass wir das Haus um ein Zimmer erweitern sollten. Sie bauten eine große Küche auf der einen Seite des Hauses und holten die restlichen Esszimmermöbel aus Custer, die dort noch immer gelagert waren. Jetzt hatten wir ein Wohn- und ein Esszimmer sowie eine Küche, Bea hatte noch immer ihr Schlafzimmer im ersten Stock, welches aber nun nicht mehr so voll gestellt war.

Wir hatten dieses Jahr einen schönen Sommer, Bea, "Gert" und Ich ritten im ganzen Land umher und verbrachten sogar die Nächte unter freiem Himmel. Dabei hatten wir das Glück auf der Jagd eine Antilope zu schießen, das Fell nahm "Gert" mit nach Hause und ließ es in einen Teppich für ihr Zimmer verarbeiten. Im Juli dieses Jahres bekamen "Odd" und Beulah ihr zweites Kind, Alice. Es war das erste Baby welches in Custer geboren wurde. Beulah's Schwester und Blanche spielten damals die Hebammen. Im Herbst verbrachte Oscar seinen Urlaub bei uns, drei ganze Wochen war er bei uns und als er wieder ging nahm er "Gert" mit zurück nach St. Louis. Nachdem die beiden uns wieder verließen wurde es ruhig und einsam in Custer. In der weiten Prärie Montana's gab es keinen einzigen Baum, die fand man lediglich in den Ausläufern der Rocky Mountain. Hier schnitten die Jungs unsere Zaunpfosten und sammelten das Brennholz. Sie verließen den Hof am frühen Morgen und wir packten ihnen noch ein großes Mittagessen und ihre Kaffeekanne ein, denn es sollte spät in der Nacht werden bis sie wiederkamen. Der einzige Baum, den es hier gab war ungefähr acht oder zehn Meilen von Bea's Haus entfernt und lag zwischen unserer und "Pud's“ Farm, es war eine alte zottelige Pappel, die nicht einmal zwei Kühen Schatten spenden konnte. Die Sonne brannte hier die ganze Zeit und dazu blies ein kräftiger Wind, aber wenn man sich auf der anderen Seite des Hauses in den Schatten saß, kühlte man rasch aus. Im Haus war es furchtbar heiß, bis Mom eine Art Klimaanlage erfand, die richtig gut funktionierte. Sie feuchtete eine Wolldecke an und hing Sie über die Fenster, nun blies der Wind durch die feuchte Wolldecke direkt in die Zimmer und die Temperatur konnte um etwas zehn Grad gesenkt werden. Das Problem war nur, dass der Wind die Wolldecken auch gleichzeitig trocknete, so waren wir ständig damit beschäftigt sie zu befeuchten. Aber wir entwickelten ein schnelles System um das hinzubekommen – statt die Decken jedesmal abzuhängen, schütteten wir einfach den ganzen Eimer Wasser über die Decken. So lernten wir den angenehmen Umgang in diesem doch im Sommer sehr trockenen Land. Der Winter 1915/1916 war sehr kalt, das lag an diesen "Chinook- Winden" die von der Ostseite der Rocky Mountains kamen. Eines Tages im Frühling erhielten wir einen Brief von Jack, und er fragte ob er uns besuchen und "Sis" wiedersehen könne. Also kam er und "Sis" vergab ihm und vergaß die Angelegenheit - der Rest von uns aber nicht. Sie gingen beide zurück nach St. Louis und heirateten im Mai 1916. Im August war ich mit "Sis", Bea und Emily bei unseren Nachbarn zu Besuch, plötzlich setzten bei Emily die Wehen ein, "Pud" ritt schnell in die Stadt um nach dem Doktor zu rufen, aber als sie ankamen war Dorothy schon geboren und Bea war ein nervöses Wrack.

Nun wurde das Leben erneut zur Routine - reiten gehen, auf die Jagd gehen, zum Tanzen fahren. Und dann hatten wir noch die beiden Kühe in Bea's Stall. Ross war der einzige, der wußte, wie man eine Kuh melkt, bis er es Bea lernte. Auch ich versuchte es einmal an einem sehr kalten Morgen, als Ross in der Stadt war und nicht nach Hause kommen konnte da ein Schneesturm über Montana fegte. Als ich versuchte an dem Euter zu ziehen, kamen nur ein paar Tropfen heraus, schließlich kam Bea hinzu und sah was ich getan hatte. Das einzige was ich erntete war ein wenig Milch, welche aber schon am Boden des Metalleimers gefroren war. Sie begann zu lachen und wir lachten beide so sehr, das wir die Kälte vergaßen.

Im Frühjahr 1917 kam "Sis" zurück da wir den Behörden nachweisen mussten, das wir rechtmäßig Besitzer des Landes wurden. Wir warteten in "Sis" Haus auf den Agenten der Regierung der unsere Angaben überprüfte. Alles war OK, so daß das Land endgültig unser war. Griffith war mit "Sis" zu uns gekommen und hatte die Tage bei uns übernachtet, so konnte er seinen Besitz behalten, aber Oscar verlor seinen Besitz, da er nicht persönlich in Montana war. "Sis" zog in Dad's Haus ein und "Odd" blieb bis zum Frühsommer, dann verkaufte er sein Land und zog zurück nach Chaffee. Wir waren sehr traurig darüber das "Odd" uns verließ, aber Beulah hat Montana gehasst. Im August 1917 wurde dann Janet, Bea's Tochter geboren. Der Arzt kam pünktlich und ich half ihm bei der Entbindung – nicht viel, aber ein wenig. Im Herbst zog "Sis" zurück nach St. Louis und wir waren sehr traurig darüber, wollten aber das "Montana Projekt" nicht gleich aufgeben. Den Herd, den "Odd" noch gekauft hatte, bevor er uns verließ, half uns das erste Mal richtig zu kochen, ohne das wir jedesmal Feuer und Feuerholz besorgen mussten. Es war ein vierbeiniger Herd mit vier Herdplatten und einem Ofen. Der neue Ofen hatte eine große Öffnung und einen Wassertank auf der einen Seite und einem wärmenden Ofen davor. Diesen Winter haben wir den Ofen sehr oft genutzt. Der Winter 1917/1918 war ein furchtbar kalter Winter - Frank und ich saßen so manche Nacht vor dem Ofen, um das Feuer am Brennen zu halten. Wir verbrannten viel Holz in diesem Winter in den beiden Kaminöfen, aber auch Kohle für den Küchenherd, die die Jungs den Sommer zuvor aus einer Mine in den Bergen geholt hatten. Wir saßen dort vor dem geöffneten Ofen und sogar die Ofenplatte glühte bereits, aber jedes Mal, wenn wir zur anderen Seite des Raumes gingen um ein Glas Wasser aus dem Fass zu holen, war es ein Lauf über Eis, welches sich bereits auf dem Boden der Küche gebildet hatte. Das Brot war so hart, dass es vor dem Schneiden noch am Ofen aufgewärmt werden musste und wenn wir mal den Kaffee nicht ganz aus der Kanne leerten, war der Rest schon zu einem Eisklumpen geworden, den man nur noch rausschütteln konnte. Die Waschtage waren die Schlimmsten. Wir hingen die Kleider zum Trocknen in der Küche vor dem Ofen auf, da sie sonst nicht trocken geworden wären und sogar das dauerte meißtens zwei Tage. Wir schliefen auf mehreren Wolldecken und selbst in der Nacht trugen wir unter den Schlafhosen und -shirts noch unsere dicke Unterwäsche.

Als Frank eines Tages aus Custer heim kam, sagte er mir, dass Missis McVay für ihr Hotel noch eine Bedienung suche. Auf der Farm gab es nichts zu tun und auch Mom dachte, das ein Ortswechsel mir gut tun würde, so dass ich gehen könne, wenn ich wollte. Es begann nun eine neue Phase meines Lebens. Nach nur ein paar Tagen hatte ich meine ganzen Kleider eingepackt, und es sollte eine große Umstellung für mich werden. Missis McVay hatte eine Tochter, Mary, und einen Sohn, Francis. Ich freundete mich mit Ihnen an und wir gingen oft aus zum Tanzen. Auf jeder Tanzveranstaltung in Custer und Umgebung konnte man uns antreffen. Einige der Jungen aus der Stadt hatten bereits Autos, so dass wir auch zu unserer Partyscheune, die meine Brüder gebaut hatten, rausfahren konnten. Im Winter gingen wir Schlittschuhlaufen auf den zugefrorenen Flüssen rund um Custer und hatten eine Menge Spaß. Eines Tages bot Mary mir an, am Wochenende meine Arbeit zu übernehmen, so dass ich nach Hause gehen konnte. "Pud" kam an einem Freitag um mich abzuholen und ich fuhr mit ihm auf die Farm. Es war ein schöner Tag, auch wenn es etwas kalt war, aber die Sonne schien. Gerade als wir den Yellowstone-River überquerten und auf den Musselshell-Trail abbogen fing es an zu schneien. Es war zu spät, um umzukehren und wir setzten unseren Weg fort. Nach etwa einer Stunde waren wir inmitten eines heftigen Schneesturmes. Wir haben es noch so gerade geschafft, die Schlucht zu überqueren als wir von einer großen Schneewehe getroffen wurden und die Kutsche stecken blieb. Selbst das Pferd konnte die Kutsche da nicht herausziehen und der Wind wehte so stark, dass wir keine Chance hatten die Kutsche auszugraben. "Pud" machte das Pferd los, nahm es an die Hand und wir gingen zu Fuß weiter. "Pud" war für das Wetter gekleidet, aber die einzigen warmen Sachen, die ich an hatte, waren mein Wintermantel, eine Zipfelmütze und wollene Handschuhe. Ich hatte keine Winterstiefel an und in meinen Halbschuhen trug ich nur Seidenstrümpfe. Nach etwa einer Meile waren meine Beine steif und kalt, so dass ich keinen Fuß mehr vor den anderen setzen konnte. Ich sagte "Pud" das er schon weitergehen sollte, aber er weigerte sich ohne mich zu gehen und irgendwie bekam er mich auf das Pferd gesetzt, wickelte eine Decke um mich herum und dann ging es weiter. Inzwischen waren wir von der Strecke abgekommen, aber das Pferd hatte mehr Orientierungssinn als wir. "Pud" versuchte es in eine Richtung zu führen, aber es stoppte und wollte den Weg nicht gehen - wir konnten nichts machen. Dann gingen wir die Richtung, die das Pferd nehmen wollte und nach über einer Stunde erreichten wir die Farm von Josef und Marie Holfeld - unsere Nachbarn, die neben den Stewart's lebten. Mittlerweile war es mitten in der Nacht und wir wollten die Holfeld's nicht wecken. Es stand noch eine Kutsche auf deren Hof und "Pud" spannte unser Pferd vor diese Kutsche und unsere Fahrt ging weiter vorbei an der Farm der Stewart's zu uns nach Hause. Unsere Familie dachte, dass wir in der Stadt geblieben waren und als wir um zwei Uhr morgens plötzlich auftauchten, waren sie sehr besorgt um uns. Sie standen in Eile auf und machten den Ofen an, um uns eine Suppe zu kochen und warteten bis wir aufgewärmt waren. Ob ihr es glaubt oder nicht, keiner von uns beiden hatte mehr abbekommen, als ein paar gefrorene Zehen. Allerdings war mein Gesicht noch die nächsten Tage angeschwollen. Wir hatten sehr viel Glück, es hätte viel schlimmer ausgehen können und keiner aus unserer Familie hatte je etwas schlimmeres erlebt.

Als eine große Grippewelle Montana heimsuchte verschonte sie uns leider nicht. Ich arbeitete zu dieser Zeit im Hotel und natürlich wurde auch ich krank. Als es mir wieder besser ging, kam Frank in die Stadt und besuchte mich - er war der einzige, der nicht krank war. Wir kauften ein paar Liter Whisky und fuhren nach Hause auf die Farm. Dad dachte, dass es ihm schon besser gehen würde, aber Frank schickte ihn zurück ins Bett und wir fingen an, eine Art Eierlikör zu brauen, der auch als Medizin geeignet war. Das war alles, was wir tun konnten, denn es gab dort keine Ärzte in der Gegend. Die einzigen Ärzte arbeiteten in den größeren Städten in den Krankenhäusern. So taten die Leute auf dem Land was sie tun konnten und beteten, das alles gut ausging. Es dauerte auch nicht lange bis alle wieder gesund waren. Bea und ich gingen nun zu den Koeble's (Kobel), unseren Nachbarn. Sie waren alle krank und wir hatten beide alle Hände voll zu tun. Mr. Kobel war nicht sehr krank, aber blieb trotzdem im Bett da er Angst hatte, dass jemand ihn bitten würde etwas zu tun. Frank und Bill blieben bei uns und auch einer der Nachbarn kam um zu helfen bis alle wieder ganz gesund waren. Das war eine schlimme Zeit. Einige Male kam der Priester aus Billings zu uns auf die Farm und hielt bei uns die „heilige Messe“. Wir breiteten dann immer eine Tischdecke über unser Piano aus und machten so einen sehr schönen Altar daraus.

Die Farmer in Montana verstanden etwas von ihrer Arbeit, sie verdienten nicht viel Geld, aber genug um davon Leben zu können. Nach einiger Zeit in der Stadt bekam ich Heimweh und kündigte meinen Job um nach Hause zu kommen. Auf der Farm mästeten wir Schweine und einen Ochsen, die nun schlachtreif waren und zum Metzger gebracht wurden. Ich half beim Wurstmachen und ebenso beim Schinken räuchern und Speck mit Käse einlegen. Den ganzen Sommer gab es bei uns nun Schinken und Speck zu essen. Dann war die Zeit der Einsaat, die Jungs pflanzten ein ganzes Feld voller Bohnen. Die Regierung von Montana subventionierte das Saatgut für die Bohnen und der Ertrag für das Kilo Bohnen war sehr hoch – damit verdienten wir eine schöne Summe Geld. So war es nunmal in Montana, ein Jahr gab es eine Rekordernte und das nächste Jahr fiel die Ernte wieder schlecht aus, es glich sich so immer ein bisschen aus. Missis McVay bat mich im Frühjahr 1919 wieder zur Arbeit zu kommen, so lebte ich wieder einmal in Custer. Im August beschlossen Mary und ich die Wirtschaftsschule in Billings zu besuchen, Mom und Dad hatten nichts dagegen. Im November bekam Dad Nierenprobleme und erkrankte daran schwer. "Pud" und Dad kamen nach Billings um einen Arzt aufzusuchen. Der sagte Dad dass er dringend eine Operation benötigte und wir schickten ihn zurück nach St. Louis zu Dr. Frank. Mom und Dad wohnten in dieser Zeit in den Webster Groves bei Tante Amelia und Tante "Cornie". Nun beschlossen wir alle Montana wieder zu verlassen, aber wir mussten bis zum Frühjahr warten um die Farm zu verkaufen – niemand würde im Herbst eine Farm in Montana kaufen wollen. Im Dezember verließ ich die Wirtschaftsschule und bekam einen Job in Billings.

Die ganze Zeit, die wir in Montana waren hatten wir unser Haus in der Selma Avenue an die Familie Larson vermietet. Nun erwarteten wir alle wieder dorthin zurückzugehen nach dem wir Montana hinter uns liegen lassen würden. "Pud" oder Frank, ich weiß es nicht mehr genau, schrieb nun "Sis" von unseren Plänen und wie sich herausstellte sollte ihr noch niemand etwas von unseren Plänen gesagt haben. "Sis", Jack und Onkel Frank Frick wurden nun sehr hektisch und nervös, hatten Sie doch in der Zwischenzeit unser Haus in der Selma Avenue an die Larson Familie verkauft und dafür deren Haus in der Arco Street als Teilzahlung überschrieben bekommen. Unsere Schwester schrieb uns darüber im März und wir waren alle sehr wütend, aber es gab nichts, was wir dagegen tun könnten. "Pud" und Emily schrieben nun an Ihre Mutter und trafen Vorkehrungen um bei Ihr leben zu können. Ross schrieb an seine Familie in Webster und zog mit Bea dorthin als Sie heimkamen. "Sis" und Jack zogen nun in der zweiten Hälfte des April's in das Larson- Haus in die Arco Street. Mom und Dad blieben zunächst bei den Frick's und als Tante Amelia im Sterben lag (sie starb am 17. Mai 1920) half Mom im Haushalt und kümmerte sich um Sie, bevor Sie schließlich bei "Sis" und Jack einzogen. Im Frühjahr verkauften wir nun unsere Farm aber die Pferde konnten wir noch nicht verkaufen, also blieb Frank noch einige Zeit in Custer. "Pud“ und Bea kamen nun mit ihren Familien nach Billings um sich von dort aus mit der Eisenbahn auf den Weg nach Hause zu machen. Ich hatte noch nie soviel Spaß in meinem Leben als ich mit den Kinder einkaufen ging. "Genie“ und Helen waren etwas fünf Jahre alt, Dorothy und Janet etwas jünger und fingen gerade mit dem sprechen an. Die Kinder hatten bisher noch nie so eine große Stadt gesehen, geschweige denn eine Eisenbahn. In einem Schuhgeschäft in Billings, das ein paar kleine Stühle für Kinder hatte, wollte Helen unbedingt so einen Stuhl haben, wir bekamen Sie nicht aus den Laden raus bis der Verkäufer versprach ihr einen nach St. Louis zu schicken. Sie wohnten in dieser Zeit im „Yellowstone Hotel“ und Dorothy hatte jedesmal im Fahrstuhl Angst als wir ihn benutzten. Es waren halt Kinder die in ihrem Leben bisher nur die Farm und das Landleben kannten, für Sie war es ein echter Kulturschock plötzlich in die Stadt zu kommen und mit einer Eisenbahn mitten in die Zivilisation gefahren zu werden. Für uns war es ein großes Erlebnis Ihnen dabei zuzuschauen, ihre kleinen Augen wurden so groß wie Untertassen, aber schon nach zwei Tagen „shopping“ verließen wir Billings Richtung St. Louis. Am ersten Tag war noch alles sehr ruhig, aber schon am zweiten Tag verlor man Sie direkt aus den Augen, sie liefen überall im Zug umher. Es war die Aufgabe von "Pud“ und Ross nach Ihnen zuschauen, da Bea und Emily an der Reisekrankheit litten und ich mich um die beiden kümmerte. Emily übergab sich die ganze zweite Nacht und war nur auf der Toilette zu finden, während Bea am letzten Reisetag schon wieder etwas Nahrung zu sich nehmen konnte. Wir dachten zuerst sie würden das nur spielen, damit sich nicht nach den Kindern schauen brauchten, aber das glaubte ich nachher nicht mehr.

Als wir schließlich an der Union Station in St. Louis ankamen gab es eine große Delegation die uns begrüßte: Die Cahill's, "Sis", Oscar, "Gert" und Tante Julia. Wir fuhren direkt zur Arco Street um Mom und Dad zu sehen. Wir hatten ein gemeinsames Abendessen und unterhielten uns noch sehr lange, aber dann fuhren die Cahill's heim in die Webster Groves und "Pud“ fuhr mit seiner Familie zu Emily nach Hause. Ich blieb bei Mom, Dad, "Sis", Jack und der kleinen Eleanor, die im Februar bereits ein Jahr alt geworden war. Wenn ich nur mit Mom und Dad in einem Haus gewohnt hätte wäre ich sehr froh gewesen, aber so blieb ich nur eine Nacht – und "Gert“ blieb diese Nacht auch bei uns im Haus. Am nächsten Tag besuchten wir Bea in den Webster Groves, ich glaube ich hätte dort eine Weile bleiben können, aber ich wollte in der Nähe von Mom und Dad bleiben und suchte mir deshalb direkt eine Arbeit. "Gert“ und Ich fuhren zurück in die Innenstadt. Ich fand eine Stelle bei der „Standard Tank Car Company“, eine Firma die große Eisenbahn-Tankwagen herstellte und ihren Sitz im „Arcade-Building“ hatte. Es war ein schöner Schreibtisch-Job und ich blieb dort bis die Firma während der Weltwirtschaftskrise Insolvenz anmelden musste.

Nicht das ihr jetzt denkt, dass wir jemals diese sechs Jahre in Montana bereut haben. Montana ist ein großartiger Staat und trotz der Kälte hat es ein wunderbares Klima und die klare Luft ist einmalig, so etwas kann man nur dort draußen auf dem Land erleben. Wir haben gelernt zusammenzuleben und zusammenzuhalten, wie es eine Familie tun sollte, wir verbrachten unsere ganze Zeit gemeinsam und hielten immer zusammen für den Rest unseres Lebens. Wenn ich das sage spreche über uns alle - ausgenommen von "Sis" und Oscar die nicht mit uns nach Montana zogen. Obwohl "Odd" früher nach Missouri zurückging hatten wir wunderbare drei Jahre mit ihm verbracht. Diese sechs Jahre haben uns gelehrt, dass wir mit jeder Herausforderung die uns das Leben bereitstellte gerecht werden konnten und als die große Weltwirtschaftskrise uns traf, waren wir für sie bereit. Nein, ich würde diese Jahre für nichts in der Welt tauschen wollen.

Arco Street oder Zurück in St. Louis

Als wir aus Montana zurückkamen brachten wir keine Möbel mit heim, es war günstiger die Sachen dort zu verkaufen und uns in St. Louis wieder neue zu besorgen statt die Fracht für die Lieferung zu bezahlen. Das galt für alles, ausser für das Piano. Als wir nun Custer verließen stellten wir es bei einer Freundin unter, die ein Zimmer hatte welches sie nicht benutzte. Als "Gert" und ich beide Jobs in St. Louis bekamen schickten wir unseren ersten Monatslohn direkt zu Frank, der ja noch in Montana geblieben war. Er organisierte einen Transport für das Piano und schickte es uns zurück. Es nahm nun den größten Platz in unserem Wohnzimmer ein und "Sis" war etwas sauer, dass sie ihre ganzen Möbel verschieben musste um Platz für das Piano zu machen. Aber wir hatten nun wieder etwas auf dem wir Musikspielen konnten und wir sangen nun auch wieder gemeinsam. Und schon wieder könnt ihr erkennen, welch großen Anteil das Piano in unserem Leben spielte.

Dann gibt es noch eine andere Sache. "Sis" und ihre angeheiratete Familie waren uns nie so Nahe wie der Rest von uns, vielleicht war es auch weil sie es nicht wollten. Mom, Dad, "Pud", Bea und ich haben immer zusammen gelebt bis wir nach Montana gingen. Dann hatten "Pud" und Emily ein eigenes Haus, aber es war bei uns nebenan und wir alle haben viel Zeit miteinander verbracht. Das gleiche galt für "Odd" und Beulah und Frank, wir trafen uns häufig bei Bea und spielten Karten und hatten eine gute Zeit zusammen. Nach "Sis" und Jack's Hochzeit zogen sie weg in die Arco Street, wo wir sie niemals besuchten. Einmal zu Thanksgiving hatte Mom Bea gebeten "Sis" zu fragen ob die beiden nicht zu uns kommen würden wollen, "Sis" sagte sie müsste Jack fragen. Sie rief zurück und sagte er hatte sich schon mit seiner Familie zum Abendessen verabredet. Wir erfuhren später, dass sie die Frick's zum Abendessen eingeladen hatten.

Danach waren dann "Pud" mit seiner Familie und Oscar mit seinen beiden Jungen bei uns, Florence kam nicht allzu oft. Es muss Mom sehr verletzt haben das "Sis" nicht kam, sie fragte Sie nie wieder nach einer Mahlzeit und keiner von uns hatte je eine Mahlzeit in ihrem Haus. Das war für uns in Ordnung und niemand bereute es viel mit Jack zu tun zu haben. Als "Sis" später zurückkam war Sie der Hauptgrund das Stella und ich nach De Soto zogen (dazu aber später mehr). Sie machten uns immerfort Vorschriften, wenn wir abends noch strickten, sollten wir zu Bett gehen, wenn wir uns eine Show im Fernsehen anschauten, sollten wir es ausschalten weil es ihr zu laut war. "Odd" dagegen verbrachte viel Zeit mit uns im Haus.

Rückblickend auf unsere Jahre in der Arco Street scheint es mir so, dass es eine Zeit für Veränderungen war. Es war immer Bewegung dort, jemand zog gerade aus oder es zog gerade jemand ein. Als erstes lebten Mom, Dad, "Sis", Jack und Eleanor dort. Dann kam ich nach Hause und im Juni zog Frank bei uns ein. Für Mom und mich war es irgenwie kein Zuhause, wir vermissten das zusammenleben mit Bea. Unser ganzes Leben hatten wir bisher unter einem Dach gelebt und Bea war für Mom immer etwas besonderes. Als sie geboren wurde war sie in den ersten sechs Monaten sehr kränklich gewesen und es war eine Frage des überlebens. In dieser Zeit sorgte sich Mom sehr um Sie und das hat die beiden natürlich sehr nahe zusammengebracht. Als Bea älter wurde, war Sie gesund, wie der Rest von uns, aber es gab immer noch diese besondere Bindung zwischen Mom und Bea. Ich hatte auch eine besondere Bindung zu ihr, denn als wir Kinder waren, unterstützte ich Sie in ihren „kämpfen“ mit Mom und Dad und sie hielt immer zu mir wenn ich mal Ärger mit der Familie hatte, im besonderen bei meinen Streitigkeiten mit "Sis". So ging es weiter bis zum 1. April 1922 als Dad plötzlich im Schlaf starb. Das war der größte Schock für uns und wir waren wirklich fassungslos. Aber unsere arme Mom kam mit dieser Situation gar nicht zurecht und es dauerte sehr lange bevor Sie wieder selbst in der Lage war zu handeln, also sie stöhnte nicht viel herum aber man konnte ihr ihr schon anmerken, dass Sie ihren ganzen Lebensmut verloren hat. Ich glaube dass Mom niemals über Dad's Tod hinweggekommen ist, aber konnte das überhaupt jemand? Wenn zwei Menschen solange zusammen gewesen waren, sich geliebt und eine große Familie versorgt haben bis plötzlich jemand stirbt, dann stirbt auch etwas beim anderen.

Bea und Ross und mieteten sich fortan eine Wohnung im „Shrewsberry District“ von St. Louis und wohnten dort in der ersten Etage. Das Haus gehörte Grandma Stahlman, der Mutter von Ernie Stahlman, der mit seiner Frau Hattie in der zweiten Etage wohnte. Als aber Ernie und Hattie zu ihrer Tochter zogen, verkaufte Grandma Stahlman das Haus, so dass Bea und Ross auch dieses Haus wieder verlassen mussten und keinen Ort zum wohnen hatten. Mom bewegte die beiden also nun wieder zu uns ins Haus zu ziehen, was die meisten von uns gut fanden. Aber "Sis" und Jack waren mit dieser Entscheidung alles andere als glücklich, das bedeutet aber nicht, das Bea und "Sis" sich nicht mochten, ihre Meinungen waren in den meisten Fällen halt nur „anders“.

Während dieser Zeite trennten sich "Odd" und Beulah. Die beiden hatten drei Kinder: Frank, der bereits in St. Louis wohnte, Alice und John. "Odd" brachte Alice bei uns unter und John blieb bei seiner Tante Lillie Heneretta, Mrs J.C. Green - Beulah's Schwester, in Chaffee. "Odd" arbeitete weiterhin für das Lebensmittelgeschäft im Südosten Missouri's und kam zwei Wochenenden im Monat zu uns nach Hause. Das Haus war ziemlich voll, aber es war groß genug für uns alle und da Frank zu dieser Zeit beruflich sehr oft durch den Westen reiste und nicht so häufig daheim war, schafften wir auch das. Nach einer Weile beschlossen die Patrick's ("Sis" und Jack) sich eine eigene Wohnung zu mieten und sie zogen aus, das war das beste für uns alle und hätte schon viel früher geschehen sollen. Ich hatte nun einen kleinen „Homejob“. Ross war Vertreter für den „Co-op Club“, einem Nahrungsmittelhersteller aus St. Louis, und ich wurde seine Assistentin. Ich bekam zwar nicht viel Geld, aber ich hatte auch nicht so viele Ausgaben, da ich kein Auto brauchte um zur Arbeit zu kommen oder mir mittags jeweils ein Essen in der Stadt kaufen musste. Am Ende des Monats hatte ich also genauso viel Geld wie zu der Zeit als ich noch im Büro arbeitete. Zu dieser Zeit gingen wir Mädels regelmäßig zu den Park-Party's, immer dann wenn Damentag war. Aber es gab auch weitere verrückte Party's zu denen wir die Ehemänner und auch Kinder mitnahmen, im Sommer gab es nun jeden Monat „Tacky-Party's“, Kinderparty's oder „komme wie du willst Party's“. Sogar Frank und "Odd" kamen immer dann wenn Sie zu Hause waren mit auf diese Party's und wir hatten viel Spaß miteinander zu dieser Zeit. Als es Winter wurde veranstalteten wir dann unsere eigenen Hausparty's. Die Kinder, Helen, Alice und Janet saßen immer auf der Treppe um zu schauen was denn überhaupt los war. Manchmal kam Mom sogar runter, begrüßte die Leute und blieb für eine Weile. Wenn sie dann sogar ein paar Bier getrunken hatte fing Sie immer an Piano zu spielen und sang einige ihrer deutschen Lieder für uns. Edith kannte einige der Lieder und sie sang desöfteren ein Duett mit Mom. Diese Party's gingen über Jahre und wir hatten immer eine gute Zeit.

Das nächste was geschah, war, dass Bea mit ihrer Familie in die Webster Groves umzog. Bea war wieder Schwanger und da beschlossen Sie ein Haus in der Newport Ave zu kaufen. Es war ein Mietkauf, den Ross mit den Vorbesitzern aushandelte. Nun blieben nur noch Frank, "Odd", Mom und Ich in der Arco Street, da wir uns aber gegenseitig viel besuchten hielten wir Kontakt. Wir gingen auch weiterhin in den Park und die Party's gingen weiter, nur das nun unser Cousin Edward Frick mit uns loszog. So ging es ein paar Monate lang weiter bis plötzlich Jack starb, das war am 3. April 1927. Nun war "Sis" plötzlich mit zwei kleinen Kindern alleine, und sie hatte auch kein Geld mehr, bis auf 5000,00 $ die Dr. Frank noch aus einer Unfall-Police von Jack einklagen konnte. Wir alle dachten, dass Blanche mit einer großen Versicherungssumme ausgezahlt werden würde, hatte Jack doch immer damit angegeben das er gut versichert wäte und nicht so dumm wäre nicht vorzusorgen, aber sechs Monate bevor er starb konnte er die Police nicht mehr bezahlen und ließ sie verfallen. Wir boten Blanche an wieder zu uns in das Haus in der Arco Street zu kommen, aber Sie wollte es nicht und zog zunächst zu "Pud" und Emily um ihnen bei ihrer Hausarbeit zu unterstützen, da es für die beiden eine harte Zeit war, hatten sie doch bereits fünf Kinder für die sie sorgen mussten. Dann zog "Sis" zu den Frick's und sie hätte gern den Platz der Frick Mädchen eingenommen, die gerade ausgezogen waren, aber sie kamen nicht mit den „Patrick-Kindern“ zurecht und fühlten sich desöfteren belästigt. Nach dieser Geschichte zog sie dann zu uns in die Arco Street. "Sis" fand einen Job als Verkäuferin bei der „Spirella Corset Co.“ und alles was wir von ihr hörten war, wie schrecklich es doch für sie sei von Tür zu Tür zugehen und zu versuchen Korsetts, BH's und Dessous an die Hausfrauen zu verkaufen. Ich glaube sie sagte das nur, weil sie wollte dass ich wieder anfing zu arbeiten und Sie dann zu Hause bleiben konnte um den Haushalt zu machen. Mom wollte nicht das ich das tat und ich hatte es auch nicht vor. Keiner von uns wusste ob Sie überhaupt Geld verdienen würde oder nicht, wir haben es nie mitbekommen und das was sie bekam schien sie nur für Eleanor und John jr. zu verwenden.

Dann kam die große Weltwirtschaftskrise. Frank und "Odd" verloren ihren Arbeitsplatz und die Firma für die "Pud" arbeitete schloß ihre Niederlassung in St. Louis so dass auch er seinen Job verlor. Ein Freund von Mom aus den Tagen als Sie noch in der Salisbury Street wohnte war Rechnungsprüfer der Stadt St. Louis und besorgte Frank einen Job als Mautkassierer an der McArthur-Brücke. "Odd" fand einen Aushilfsjob für Wartungsarbeiten bei „Frick's Immobilien“ und reinigte Fenster bei unseren Nachbarn. Für "Pud" und Emily war es eine harte Zeit, so dass wir alles was wir hatten gemeinsam teilten und dafür sorgten das die Krise uns nicht unterkriegte – in der Tat half es uns alle zueinander zu stehen. In diesen Tagen beteten wir viel und haben auch viel zusammen unternommen und als Frank seinen Job erneut verlor machte er sich mit "Odd" als Wartungsarbeiter selbstständig, dabei verdienten die beiden etwa so viel Geld wie jeder andere auch in diesen Tagen. Aber alles was man kaufen konnte war spottbillig: Ein großes Roastbeef kostete etwa 1,50 $, ein Stück Schweinefleisch 1,00 $, drei Pfund Kaffee bekam man für 39 cent, Butter gab es für 15 cent pro Pfund und drei Dutzend Eier gab es für einen viertel Dollar. Alles andere war im Verhältnis so das eine Familie davon auf niedrigem Standard leben konnte. Auch dies war nur ein weiterer Sturm den unsere Familie widerstehen konnte.

Nun begann eine schlimme Zeit für uns. Seitdem "Niecie" am 12. Januar 1924 geboren wurde war Bea sehr krank gewesen. Dr. Frank tat alles was er konnte um Sie zu heilen, jedesmal wenn er von neuen Medikamenten für ihre Lungenkrankheit hörte versuchte er es an ihr anzuwenden, aber schließlich im Jahre 1931 wurde es noch viel schlimmer. Im Winter 1931/1932 entwickelte sich bei ihr eine Lungenentzündung und von da an kam sie bis zu ihrem Tod am 16. September 1932 nicht mehr auf die Beine. Für ein paar Monate zog ich nun bei den Cahill's ein um mich um Helen, "Janie" und "Niecie" zu kümmern, aber bereits im Januar kam ich zurück zu unserer Familie in die Arco Street. Zu diesem Zeitpunkt hatte "Sis" den Haushalt bereits übernommen und das war sehr gut dass Sie da war, da ich zu diesem Zeitpunkt einen Nervenzusammenbruch (Burn-out Depression) hatte und für etwa zwei Jahre krank war. Nachdem es mir wieder besser ging riet mir Dr. Frank davon ab meine stressige Arbeit im Büro wieder aufzunehmen, viel besser sollte ich einen Job im Verkauf annehmen, da mir Abwechslung im Alltag und Kontakt zu Menschen sehr gut tun würde. Also fing ich bei einem Kosmetikunternehmen aus Seattle an, das gerade im „Arcade Bldg.“ einen Salon eröffnet hatte. Als der bisherige Manager mir dann anbot den Salon als „Franchiseunternehmerin“ zu übernehmen dachten Mom und die Jungs dass das eine gute Chance für mich sei und triefen Vorkehrungen, dass ich den Salon kaufen konnte. Eine Zeit lang konnte ich den Salon groß ausbauen und es lief gut für mich, aber dann kam die Krise zurück und die Menschen waren nicht im Stande viel Geld für Kosmetik auszugeben. Das war die Zeit als ich Stella Cummings kennenlernte, sie war eine meiner Verkäuferinnen und als es mit meinen finanziellen Schwierigkeiten losging, bot sie an, mir etwas Geld zu leihen welches sie von Ihrer Großmutter geerbt hatte. Ich sagte ihr, dass ich das Geld nicht annehmen könnte, aber wenn Sie wolle könnten wir Partner werden. Sie wurde nun meine Teilhaberin und der Salon lief eine Zeit lang gut. Stella war bereits meine beste Freundin und noch bevor Sie meine Geschäftspartnerin wurde zog Sie bei uns ein. Ihre Eltern lebten in Indiana und Sie hatte hier keine eigenes Heim und wohnte bisher nur in einer kleinen Mietwohnung. Frank, "Odd", Stella und Ich gingen manchmal ins „Slumming“, dem verruchten Hafenviertel von St. Louis. Man konnte sich nicht vorstellen wie es dort zu sich ging. Ich vermute Stella dachte unsere ganze Familie müsste auf der Schattenseite des Lebens stehen. Dann beschlossen wir eines Tages auch Helen und Alice, mit zu der „Fisherman-Bar“, die mitten auf dem Damm zu finden war, mitzunehmen. Nachdem wir gesehen haben wie schockiert die beiden waren bekamen wir ein schlechtes Gewissen aber dann dachten wir, dass sie auch diese Seite des Lebens kennen lernen sollten und nicht irgendwann, wenn Sie mit ein paar Jungs dorthin gingen das erst erleben zu müssen. Plötzlich geschah wieder etwas schreckliches: Am 12. März 1938 starb Frank wie aus heiterem Himmel. Morgens wachte er mit heftigen Schmerzen in den Beinen auf und er nahm ein paar Morphimtabletten die er noch hatte, da er bereits vor einem Jahr dieselben Schmerzen hatte, aber das Morphium vergiftete seinen Körper. Dr. Frank tat alles um ihn zu retten, aber in der Nacht verstarb er. Nach dieser Sache wollte "Odd" das gemeinsame Geschäft nicht weiterführen und "Pud" besorgte ihm einen Job als Nachtwächter bei der „Mississippi Valley Line-Barge“, wo er bereits zwei Jahre zuvor einen Stelle gefunden hatte. "Odd" blieb dort als Nachtwächter bis zu seiner Pensionierung.

In der Zwischenzeit lief unser Salon nicht mehr so gut und wir versuchten es an den Mann zurück zu verkaufen, von dem wir es gekauft hatten. Er lehnte es strikt ab, aber wir fanden in unserem Schreibtisch einige Zeit zuvor einige Briefe, die der Mann vergessen hatte als er uns den Salon verkaufte. Daraus ging deutlich hervor, welche Art von Firma es war. Sein Geschäftsmodell war es in eine große Stadt zu gehen, einen Salon einzurichten, diesen Salon groß zu promoten und ihn dann zum Verkauf anbieten – und ich fiel drauf rein. Er tat das gleiche in Chicago, Miami und einigen anderen Städten. Leider hatte keiner der Leute die auf ihn reinfielen und die seine Salon's kauften jeglichen Schriftverkehr die sein Treiben aufzeigte. Wir gaben diese Briefe einen Anwalt und der versprach uns den Mann zu zwingen uns den Salon wieder abzukaufen. Der Rechtstreit dauerte neun Monate, aber uns war es gelungen den Verkauf rückgängig zu machen – und nach weiteren zwei Monaten ging der Mann pleite. Das nahm mich alles so sehr mit, das meine Depressionen zurückkamen und Dr. Frank mir riet, raus auf's Land zu ziehen, dort wo Ruhe und Stille sei. Deswegen zogen Stella und ich auf die „Worry Wort Farm“ in der Peter Moore Lane in De Soto, Missouri. Darüber möchte ich nun nicht soviel erzählen, ihr wißt ja bereits alles darüber. Stella fing wieder an als Lehrerin zu arbeiten und ich blieb auf der Farm. Ich molk die Kühe, fütterte die Hühner, Puten, Schweine und jede Menge Hunde und Katzen. Eines Tages hatten wir vier trächtige weibliche Katzen gleichzeitig. Bald hatten wir 24 kleine Kätzchen zu verschenken. Stella starb dann am 5 April 1965 und wurde ebenfalls auf der Familienbegräbnisstätte neben meinen Eltern und Geschwistern beigesetzt.

Dies ist das Ende und ich hoffe ihr konntet alles lesen. Mein Schreibmaschinenschreiben ist schrecklich, aber denkt daran wie schlimm es wäre wenn Ich es hanschriftlich geschrieben hätte. Ihr könnt "Patsy" Sherwood danach fragen, sie hat so ein Exemplar welches fast nicht lesbar ist.

Werdet gute Kinder und denkt an die euch liebende

Tante Pat

Aurelie Marie „Pat“ Brockmeyer, 1896-1987 (quelle: http://home.everestkc.net/themays/auntpatindex.html)

Lebensläufe

"Schwester Gertrud" Brockmeyer, Laienschwester im Benediktinnerinen Kloster zu Herzebrock

Schwester Gertrud Brockmeyer

um 1594 Geburt in Warendorf, Fürstbistum Münster

08.06.1594 Testamentseröffnung der Mutter in Wiedenbrück, Amt Reckenberg

08.06.1628 Eintritt in das Benediktinerinnenkloster Herzebrock, Herrschaft Rheda

24.03.1629 Schwesternweihe im Benediktinerinnenkloster Herzebrock, Herrschaft Rheda

29.12.1684 Tod im Benediktinerinnenkloster Herzebrock, Herrschaft Rheda

Gertrud Brockmeyer wurde vor dem Juni 1594 als Tochter der Katharina Brockmeyer in Warendorf, Fürstbistum Münster geboren. Katharina's Mutter Sieke Brockmeyer erblickte um 1540 als ältere Schwester des Hoferben Aleff (Adolf) Brockmeyer in Glane-Visbeck, Fürstbistum Osnabrück das Licht der Welt. Kurz nach der Geburt von Gertrud verstarb Katharina Brockmeyer in Warendorf und scheint nie verheiratet gewesen zu sein.

Am 8. Juni 1594 wurde der Nachlaß der Mutter Katharina, somit einer Nichte Aleffs, aufgezeichnet. Auch sie war ohne Vermögen, so daß ihr der Nachlaß "umb Gotteswillen von dem Godherrn und seiner Hausfrouven nachgelassen ist". Doch soll die unmündige Tochter mit Namen Gertrud vorläufig bei ihrer Großmutter Sieke Brockmeyer, die in Widenbrugh (Wiedenbrück) wohnt, bleiben und später bei dem Gutsherrn dienen. Diese Sieke war die "echte rechte Swester von des Brockmeiers Erb" und forderte deshalb von ihrem Bruder Aleff ihren Brautschatz. Aleff hatte ihr 2 Pferde, 2 Kühe, 2 Schweine, 2 Schafe und 3 Molt Korn versprochen, hatte aber nur 2 Kühe und 1 Molt Roggen abgegeben. Er konnte auch kaum abliefern, was er versprochen hatte. Am 23. Oktober 1594 verspricht Aleff seiner Schwester Sieke, die mit ihm auf Harkotten erscheint, noch 4 Scheffel Roggen zu liefern. Auf die übrigen Ansprüche hat sie verzichtet. Großmutter Sieke behielt bis zu ihrem Tod im Jahre 1628 ebenfalls den Namen Brockmeyer und scheint ebenfalls nicht verheiratet gewesen zu sein.

Am 8. Juni 1628 wurde Gertrud Brockmeyer als "donata" nach Herzebrock ins Benediktinerinnenkloster gebracht (H 34, Spykersche Aufzeichnungen BI. 27 V ) und erhielt dort am 24. März 1629 den "doeck upgesatt" (BI. 69). Sie verstarb am 29. Dezember 1684 im Kloster Herzebrock (Jüngeres Nekrolog). 1685 erhielt das Generalkapitel der Bursfelder Union ihr Totengedächtnis (Volk, Generalkapitels-Rezesse 3 S. 118).

Carl Friedrich Brockmeyer, Schuhmacher auf der Reeperbahn in Hamburg-St. Pauli

Carl Friedrich Brockmeyer

08.08.1802 Geburt in Osnabrück, Fürstbistum Osnabrück

05.12.1828 Auswanderung nach Hamburg-Hamburger Berg, der Stadtteil wurde 1833 umbenannt in St. Pauli

1844 Volkszählung in Hamburg-St. Pauli, freie Hansestadt

1847 Wohnort in Hamburg-St. Pauli, Spielbudenplatz 21, Hamburger Adressbuch von 1847

07.03.1872 Tod in Hamburg-St. Pauli, freie Hansestadt

Carl Friedrich Brockmeyer ist ein Urenkel des Peter Wilm Brockmeyer (1712-1775), sein Vater Johann Heinrich wurde als zweitältester Sohn des Johann Everhard Brockmeyer in Glane-Visbeck geboren und zog später nach Osnabrück. Carl Friedrich, der am 8. August 1802 in Osnabrück geboren wurde wanderte mit 26 Jahren nach Hamburg aus. Er heiratet am 28. März 1830 in der St. Paulikirche (Vorstadt St. Pauli, damals noch Hamburger Berg) zu Hamburg die 33jährige Amalie Elisabeth Trien aus Hollenstedt. Vorher beantragt er beim Pastronat St. Pauli die Genehmigung zur Eheschließung, es erfolgt der Eintrag in das Proclamationsregister und er erhält den Proclamationsschein ausgestellt. Taufen von Kindern des Brockmeyer wurden in St. Pauli keine gefunden. Im Umschreibebuch von St. Pauli aus dem Jahr 1844 (eine Art "Volkszählung") ist Brockmeyer an der Adresse Spielbudenplatz Haus 20/21/22 aufgeführt, er ist Schuhmacher, Schutzverwandter (eine Art kleines Bürgerrecht) und zahlt 90 Mark Miete im Halbjahr. Obwohl er verheiratet ist, wird dies in der Übersicht nicht angegeben, auch Kinder sind nicht verzeichnet. Im Hamburger Adressbuch von 1847 taucht er dann unter gleicher Adresse (Spielbudenplatz no. 21) auf. Seine Frau stirbt am 27. Januar 1857 im Kurhaus, das Kurhaus war von 1814-1900 Gefängnis- und Polizeikrankenhaus vor allem für Mittel- und Obdachlose. Sie wird als Witwe eingetragen (wohl lebte Sie aber von ihrem Ehemann getrennt), das Ehepaar scheint also tatsächlich nicht lange zusammengelebt zu haben. Carl Friedrich stirbt am 7. Mai 1872 im Allgemeinen Krankenhaus von Hamburg.

Ben Henry Brockmeier, Goldgräber in North Bloomfield, California

Bernhard "Ben" Heinrich Brockmeier

02.06.1825 Geburt in Glane-Visbeck, Hannover

um 09.1839 Auswanderung in die USA, Abreise in Bremen

11.12.1839 Ankunft in New Orleans, Parish Co., LA / USA

um 1852 Einwanderung in El Dorado Co., CA / USA

um 1855 Einwanderung in North Bloomfield, Nevada Co., CA / USA

01.09.1880 Testamentsverfassung in North Bloomfield, Nevada Co., CA / USA

19.11.1885 Tod in North Bloomfield, Nevada Co., CA / USA

Bernhard Heinrich Brockmeyer - der sich später "Ben Brockmeier“ nannte ist ein Urenkel des Peter Wilm Brockmeyer (1712-1775), sein Vater Johann Hermann wurde als zweitältester Sohn des Johann Hermann Heinrich Brockmeyer in Glane-Visbeck geboren und wanderte später ebenfalls nach Amerika aus. Ben, geb. am 2. Juni 1825 in „Gehrmeyer’s Backhaus“ auf dem Hofe in Glane-Visbeck, verließ im Jahre 1839 im Alter von 14 Jahren mit seiner 22jährigen Schwester Engel Maria und 110 Reichsthaler, dafür aber ohne Paß in der Tasche mit dem Segelschiff "Kutusoff" seine Heimat. Sie reisten von Bremen nach New Orleans und dann weiter nach Missouri. Sie wohnten zunächst bei ihren Geschwistern in Dutzow, Missouri. Ben ließ sich vom kalifornischen Goldrausch anstecken und zog um 1852 mit einem Freund in einem der vielen Wagentrecks nach Kalifornien. Die beiden fanden im El Dorado County, in den Bergen der Sierra Nevada, Gold. Als Ben zurück nach St. Louis kam um sich Material für den Ausbau der Mine zu besorgen verkaufte sein Freund die Mine. Ben zog es erneut nach Kalifornien wo er sich im Jahre 1855 in North Bloomfield, Nevada County niederließ. Hier im Grass Valley, in der Nähe von San Francisco und Sacramento wurde er Besitzer der kleinen "Brockmeier Mine" und Teilhaber der "Haner-Brockmeier Mine", dort starb er am 19. November 1885. (siehe Grabstein von "Bernard Brockmeier" auf dem Friedhof der "St. Columncilles Catholic Church"). Über einen längeren Zeitraum wird Ben sich wohl mit seinem Freund Lorenzo Haner eine Goldgräberhütte geteilt haben. Loni Patterson schrieb in ihrem Buch "Forgotten Pioneers of the Gold Country" über Ben:

 "Brockmeier, Bernard (Ben), died on 11/19/1885 when 60 years old, born 
in Hanover, Germany on 6/19/1825, in 1838 came to Missouri with parents, 
  in 1852 to El Dorado County, California, to North Bloomfield in 1855 
     where he owned the Brockmeier Mine, and was a part-owner of the 
      Haner-Brockmeier Mine. Burial at North Bloomfield Cemetery." 

Einen Goldnugget den Ben fand verarbeitete sein Neffe Bernard Henry in St. Louis später zu einer Krawattennadel. Bernard Henry und dessen Cousin Heinrich Albers wurden von Ben in seinem "letzten Willen" als Testamentsvollstrecker eingesetzt.

Testament von Ben Brockmeier

In Gottes Namen, Amen, Ich, Ben Brockmeier aus North Bloomfield, im County Nevada im US-Bundesstaat Kalifornien erkäre im Alter von Vierundfünfzig Jahren und bei klarem Verstand und Gedächtnis, und das ich nicht unter Zwang handele, Betrug unterstüzte oder unter dem Einfluss von einer anderen Person meine Angaben mache, veröffentliche und erkläre, das dies mein letzter Wille ist, in der Art und Weise nach, dass es heißt:

Erstens: Ich bestimme, dass mein Körper anständig mit den richtigen Bezug auf mein Leben und in unveränderten Zustand und die Umstände meiner beerdigt wird.

Zweitens: Ich bestimme, dass meine Testamentsvollstrecker im folgenden genannt, sobald sie genügend Geld haben, meine Beerdigung bezahlen und die Unkosten der meiner letztes Krankheit übernehmen.

Drittens: Ich gebe an, dass die Kinder meiner Brüder Heinrich Brockmeier "verstorben", Frank Brockmeier und meiner Schwester Angelina Albers "verstorben", die alle in Missouri leben, im St. Louis County, Warren County, Howard County und St. Charles County, alle meine Immobilien, bestehend aus einer Bergbau Mine in North Bloomfield, Nevada County, Kalifornien, und Geld in Höhe der Summe von zweitausend Dollar in Gold Münzen, sowie Unterlagen über eine Hypothek, welche im sicheren Tresor von Heinrich Helwig & Co., Fleischer in North Bloomfield lagern, erben.

Viertens: Ich mache das oben gemachte Vermächtnis in vollem Vertrauen, dass alle Kinder das Erbe zu gleichen Teilen teilen.

Schließlich: Ich erkläre hiermit das Ich Ben Brockmeier (Bernard H. Brockmeyer) in St. Louis, Mo. und Heinrich Albers in Warren County, Mo. zu den Vollstreckern dieses meines letzten Willen und Testament ernenne und widerrufe hiermit alle früheren Testamente die von mir gemacht wurden. Zu Beurkunden dessen habe ich dieses Abkommen unterzeichnet mit meiner Hand am ersten Tag des Monats September im Jahre des Herrn eintausendachthundertundachtzig.

Ben Brockmeier (eigenhändige Unterschrift)

Der Verzicht auf ein vorheriges Testament, bestehend aus zwei Seiten, ist zu diesem Zeitpunkt durch den genannten Ben Brockmeier für ungültig erklärt worden. Nun wird dieser letzte Wille und das Testament, in Anwesenheit von uns, auf seinen Wunsch und in seiner Anwesenheit, und in Gegenwart von uns als Zeugen, aufbewahrt.

Leopold Garthe, Notar; Wohnhaft in Nevada City, Kalifornien

H. D. Long; Wohnhaft in Nevada City, Kalifornien

Aufgenommen auf Wunsch des Ben Brockmeier am 1. September 1880 um 25 min. nach 10.00 Uhr.

John A. Rapp, Schreiber

Eugenia Bernice Brockmeyer, geboren in St. Louis, Missouri

Eugenia Bernice Brockmeyer

18.12.1914 Geburt in St. Louis, 1732 Waverly Place, MO / USA

1915: wohnt in Custer, Yellowstone Co., MT / USA

1920: wohnt in St. Louis, 1732 Waverly Place, MO / USA

1932 Schulabschluss an der Roosevelt High School, St. Louis, MO / USA

1934 Studienabschluss am Brown Business College, St. Louis, MO / USA

1935 Berufstart bei Union Electric's in St. Louis, MO / USA

ab 1940: wohnt in Oakville, St. Louis Co., MO / USA

28.11.2005 Tod in Oakville, St. Louis Co., MO / USA

Frühe Jahre

Eugenia Bernice Brockmeyer wurde am 18. Dezember 1914 in St. Louis, Missouri, als ältestes Kind von Eugene und Emily Brockmeyer, geb. Frank geboren. Die große Brockmeyer/Cahill-Familie hatte gerade damit begonnen ihr Abenteuer in der Prärie von Montana, nähe Custer, zu starten - das war im Winter 1913/14. Eugenias Mutter Emily kam aus Montana heim, um das Baby in St. Louis, in ihrem Elternhaus, zu bekommen, das Haus stand in der "1732 Waverly Place", und der Familienarzt Dr. Frank (müsste der Bruder von Emily, Dr. Charles Adolph Frank sein) war auch vor Ort. Die kleine Familie kehrte dann im Frühjahr 1915 nach Montana zurück um dort weiter mit der Familie zu wohnen. Sie erlebten in Montana eine Vielzahl von Höhen und Tiefen mit harten Wintern in denen Sie große Verluste bei den gezüchteten Rindern erlitt, und als im Jahre 1920 Großvaters (Bernard Brockmeyer) Gesundheit versagte, hatten sie genug vom Leben in Montana.

Die ganze Familie kehrte zurück nach St. Louis um vor den nächsten Problemen zu stehen, nämlich war die Wohnungsfrage plötzlich wieder offen, wurde doch kurz vor Ihrer Rückkehr das Haus der Großeltern von der Tante (Blanche) mittlerweile verkauft. Eugenia Familie landete nun am Waverly Place im Haus der Familie Frank, das war im Jahre 1920. Offenbar war die Heizung in dem Haus nicht mehr ausreichend und so zogen Sie 1923 um in Haus auf der "Fair Ave" und blieben dort bis 1931. Mittlerweile war das Haus am Waverly Place renoviert worden und so kehrten Sie im Jahre 1938 auf drängen der Familie Frank zurück. Eugenia absolvierte im Jahre die "Roosevelt High School" und 1934 das "Brown Business College" in 1934. Sie arbeitete anschließend bei "Union Electric" in der Innenstadt Filiale, wo sie im Jahre 1935 Aloys H. Faenger traf. Sie wurden am 3. Juni 1937 im Wohnzimmer des Hauses am "Waverly Place" verheiratet. Ihr erster Sohn Robert Aloys wurde geboren, damals lebten sie in der "4977 Pernod Ave", in der Nähe des "Hampton Village" (eines von Amerika's ersten Einkaufszentren).

Oakville Jahre

Die kleine Familie zog nun um nach Oakville, Missouri (das liegt im südlichen St. Louis County an der "Route 9") auf einen großen, alten Bauernhof auf der Grimsley Road (P.O. Box 424), das war im Jahre 1940. Es war ein ehemaliger Lkw-Hof von fast 52 Acre (1 Acre = 4.046,9 Quadratmeter) Aloys Faenger hatte die einmalige Chance das ganze Anwesen, das einst seinem Onkel Walter Brinker gehörte, zu kaufen, aber das war ihm doch zuviel und so entschied er sich für "nur" 10 Acres. Der Hof war einige Meilen von der Stadt entfernt, und das war immer sein Traum. Den Hof zu pflegen war viel Arbeit für Eugenia aber sie liebte es auch. Sie wurden früh Mitglieder im Förderverein der "Point School" und der "St. Louis County Water Co." und waren am "Oakville-Verein des Bundes der Steuerzahler" beteiligt.

Die zweiten und dritten Söhne, Eugene Henry und Aloys Hugo Jr., wurde geboren. Auf dem Hof wurden eigene Obst- und Gemüsekulturen angebaut und verkauft, Konserven hergestellt und eine kleine Wäscherei und Trocknerei betrieben. Eugenia und Aloys bauten sich ein gemütliches Zuhause im alten zugigen Bauernhaus. Sie wurden für Ihr Leben lang "St. Louis Cardinal" Baseball-Fans, hörten gerne "Gabby Street", "Harry Carry" und "Jack Buck". Eugenia unterstützte ihre Jungs bei den Hausaufgagben und wurden große Befürworter des "warmes Mittagessen Programm" der "Point School PTA".

Dann wurde der vierte Sohn, Steven John, geboren. Die Postadresse der Farm wurde nun in "206 Grimsley Station Road" geändert. Zu dieser Zeit unternahm man viele Camping-Reisen in die "Missouri State Parks" und andere Veranstaltungsorte im mittleren Westen. In den Jahren 1955 und 1959 gab es riesige Campingplatz Ausflüge in die westlichen Staaten, um die vielen Nationalparks zu besuchen. Während Aloys nun Schülersprecher der Schule wurde und in den politischen Prozessen der Schulleitung einbezogen wurde zogen sich Eugenia und Aloys aus dem Förderverein der Schule zurück. Das leerstehende Land in ihrem Wohnviertel wurde nun verkauft und es zogen immer mehr neue Familien hierher, so gab es auch andere Kinder zum Spielen. Die drei älteren Jungen absolvierte die "Mehlville High School" in den Jahren 1957 bis 1961.

Im Jahre 1964 reisten Eugenia, ihre Mutter Emily und Will Griffith, ein ehemaliger Nachbar aus der Zeit in Montana, nocheinmal mit der Eisenbahn nach Custer um das alte Gehöft zu besuchen und auch den "Glacier National Park" zu besichtigen. Zu diesem Zeitpunkt beendeten auch die drei älteren Jungen die "Missouri University" in Rolla und fanden Jobs, Autos, Freundinnen und noch mehr.

Späte Jahre

Aloys und Eugenia hatten immer davon geträumt ein neues Haus auf der Oakville Farm zu bauen und im Jahre 1968 wurde es Realität. Sie bauten es zwischen einem Hain von Bäumen und mit Blick auf die beiden Seen, Ihre neue Adresse wurde nun "306 Grimsley Station Road". Eugenia war sehr aktiv in der "UE Women s Auxiliary". Steve absolvierte ebenfalls die "Mehlville High School" und beschloss zur "Missouri Universität" nach Columbia zu gehen. Eugenia freute sich über die Erfolge ihrer Söhne, die alle ein Ingenieurstudium an der Hochschule absolvierten. Mittlerweile hatten die älteren drei Söhne bereits geheiratet und die ersten Enkelkinder kamen in den späten 1960er Jahre und das setzte sich in den 1970er und 1980er Jahren fort. Aloys Pensionierung erfolgte im Jahre 1977 nach 50 Jahren im Dienst, ein Kunststück das es in der heutigen Arbeitswelt wohl nur noch selten gibt. Insgesamt acht Enkelkinder genießen Oma's Anwesenheit, und sie freut sich sehr darüber und genoss es. Später hatte sie noch vier Urenkel. Eugenia aktivierte ihre alten künstlerischen Fähigkeiten (sie fertigte bereits in den 1920er Jahren kleine Skizzen von niedlichen Mädchengesichtern) und nach mehreren Ausflügen in den Westen startete Sie mit der Ölbild Malerei. Sie nahm einen Kurs und produzierte die besten Erinnerungen, die ihre Jungs jemals von ihr haben werden. Dann begann und brillierte Sie mit der in Keramikmalerei, Keramikverglasung und Porzellanmalerei. Sie produzierte über hundert Objekte, die Sie sehr zur Freude ihres Mannes, ihren Söhne, Schwiegertöchtern, Verwandten und Freunden schenkte.

Aloys und Eugenia genossen während dieser Zeit auch viele Urlaube und Kreuzfahrten an Orten wie Deutschland, England, der Karibik und anderswo. Die Jungs organisierten ihren Elten zwei riesige Hochzeitsfeiern zum 45. und 50. Hochzeitstag in lokalen Hotels, zu denen Sie jeden einluden. Sie genossen nun auch ihre Spiele. Kartenspiele waren immer eine willkommene Möglichkeit den Abend zu genießen. Und sie schien immer die guten Karten zu bekommen :)! Aber sie war auch ein begeisterter Kreuzworträtsel-Spieler und konnte fast jedes Rätsel schneller lösen als alle andern, sie verstand die "Sprache der Rätsel", die ganz anders als unsere normalen alltägliche Sprache ist. Sie spielte auch eine große Auswahl an Brettspielen (Sie war bei Scrabble grandios) bei denen wir alle lernten geduldig und demütig zu sein, und unser Temperament zu zügeln. Wir konnten zwar nie gewinnen, aber wir alle haben gelernt: "Jemand gewinnt und jemand verliert".

Eugenia Bernice Faenger, geb. Brockmeyer stirbt am 28. November 2005 in ihrem Haus in Oakville, Missouri.

Theodor Wilhelm Brockmeyer, Hof Püntemeyer - Bauernschaft Rheda Nr. 193 - Harsewinkel

Theodor Wilhelm Brockmeyer

29.09.1916 Geburt in Harsewinkel

22.02.1996 Tod in Gütersloh

Theodor Wilhelm, genannt Theodor, wuchs auf dem elterlichen Hof Püntemeyer in der Bauernschaft Rheda Nr. 193 in Harsewinkel auf. Gemeinsam verbrachte er mit seinen älteren Schwestern „Dora“ und „Mia“ dort seine Kindheit, die beiden Geschwister Friedrich und Agnes sind bereits als kleine Kinder verstorben.

Nach dem frühen Tod des Vaters Wilhelm Dionys wurde er neben der Mutter Katharina, geb. Wenner vom Onkel Johann Theodor und den Hofbesitzern Bernhard und Theodor Brinkmann großgezogen. Nach dem Ende der Schulzeit 1931 ging Theodor auf die Landwirtschaftsschule nach Warendorf. Anschließend absolvierte er in den Jahren 1934/1935 das Landschaftliche Anerkennungsjahr auf dem Hof Meier Westmeyer in Marienfeld. 1936 wurde Theodor für zwei Jahre in den militärischen Arbeitsdienst zum Torfstechen nach Ostbevern berufen. 1938 wurde Theodor dann in den militärische Grundausbildung der Wehrmacht nach Münster berufen und absolvierte dort eine Artillerieausbildung.

Nachdem Beginn des 2. Weltkrieges wurde die Einheit von Theodor für den „Westfeldzug“ nach Frankreich beordert wo vom 10. Mai bis zum 25. Juni 1940 „blitzkriegartig“ der deutsche Sieg gelang. Anschließend ging es direkt zurück nach Hause. Am 29. März 1941, dem Geburtstag seines Sohnes Wilhelm, fand dann die Hochzeit von Theodor mit Anna Wellerdiek aus Marienfeld statt. Noch im selben Frühjahr ging es dann direkt nach Rußland zur „Operation Barbarossa“, dem Rußlandfeldzug der Wehrmacht, der am 22 Juni 1941 begann. Theodors Einheit war von Anfang im Nordabschnitt bis ins Baltikum und bis kurz vor St. Petersburg aktiv. Als am 6. Juni 1944, dem „D-Day“, in der Normandie die Alliierten mit der „Operation Overlord“ begannen war Theodor gerade auf dem Weg vom Heimaturlaub zurück Richtung Rußland und wurde in Polen von der Wehrmacht nach Westen beordert. Dort angekommen wurde seine Kompanie in Dünkirchen von den Amerikanern festgesetzt. Nach dem Ende der „Operation Overlord“ am 25. August 1944 wurde Dünkirchen von der Wehrmacht zur Atlantikfestung erklärt, bis zum Kriegsende verteidigt und erst am 9. Mai 1945, am Tag nach der Kapitulation, von den Alliierten erobert. Während dieser Zeit wurde Dünkirchen von den Amerikanern nur beobachtet, aber nicht angegriffen. Auf einem seiner Kutschfahrten durch die Dünkirchener Gegend um für seine Einheit Verpflegung zu besorgen wurde Theodor auf einem Landhügel bei einem Granatenbeschuss fast getroffen worden. Die Granate schlug in unmittelbarer Nähe ein und verletzte Theodor nur leicht. Er fiel vom Wagen, während das Pferd scheute und davonlief. Nun verbrachte er die folgenden Tage im Lazarett. Nach Kriegsende, dem 9. Mai 1945, kam Theodor dann in alliierte Gefangenschaft nach Belgien. Im Sommer 1945 wurden nach einer Vereinbarung zwischen den Alliierten und den Deutschen die Bauernsöhne aus der Gefangenschaft entlassen um die Versorgung der Bevölkerung aufrecht erhalten zu können.

Nachdem Theodor acht Kinder bekam widmetet sich Theodor ganz dem Hof, den er nun mit Hilfe der heranwachsenden Kinder bewirtschaftete. Im Jahre 1981, im alter von 65 Jahren, vererbte Theodor den Hof an seinen Sohn Heinrich Brockmeyer, der noch immer auf dem Hof wohnt. Während der gesamten Zeit wohnte Theodor mit seiner Schwester „Mia“, bis zu deren Tod im Jahre 1991, auf dem Hof Püntemeyer. Am 22. Februar 1996 starb Theodor im Krankenhaus Gütersloh.an Leberzirrhose.

Verbindungen zwischen katholischen und protestantischen Familien

Auch die verwandtschaftlichen Beziehungen der Familie Brockmeyer aus Glane-Visbeck stellen ein Beispiel für enge Verbindungen zwischen katholischen und protestantischen Familien dar: 1616 heiratete Johann Brockmeyer eine Grete Schomberg aus Lienen. Auch seine Tochter Margarethe Brockmeyer ehelichte 1654 den Lienener Hofbesitzer Moritz Schulte-Uffelage. Eine Anna Brockmeyer zog 1679 auf den Hof Hunnemanns (Hullmann?) im reformierten Kirchspiel Lengerich. 1684 vermählte sich der Hoferbe Jürgen Brockmeyer in zweiter Ehe mit Anna Gertrud Brünemann aus Lienen-Holzhausen und nach dem Tod seiner zweiten Frau in dritter Ehe mit Angela Maria Heemann (Heymann), ebenfalls aus Lienen. Schließlich heiratete im Jahr 1700 Peter Wilhelm Brünemann aus Lienen-Holzhausen die Hoferbin Katharina Brockmeyer. Quelle: Text siehe oben

Weblinks

Descendants of Johann Hermann Brockmeier

The Brockmeyer Family, St. Louis, story from "Pat" Brockmeyer

Death Certificate und Unterlagen Archiv zu Franz Heinrich Brockmeyer, 1896

Death Certificate von Bernard H. Brockmeyer, 1922

Death Certificate von Dora Luebbering Brockmeyer, 1946

Death Certificate von Frank A. Brockmeyer, 1938

Death Certificate von Oscar B. Brockmeyer, 1954

Death Certificate von Florence Hoevel Brockmeyer, 1952

Death Certificate von Eugene T. Brockmeyer, 1956

Einzelnachweise

Die vorstehenden Angaben sind zum größten Teil wörtlich übernommen aus:
Brockmeyer, Friedrich: Die Geschichte des Hofes und der Familie Brockmeyer zu Glane-Visbeck. Osnabrück 1938.

Sachverhalt

Hallo, der verstorbene Cousin meines Großvaters hat dieses Buch geschrieben. Mittlerweile führe ich die Familiengeschichte ein wenig weiter. Im übrigen war nur ein kleiner Auszug aus dem Buch, der überwiegende Teil handelte über die Auswanderer der Familie Brockmeyer, auf die in dem Buch nicht eingegangen war.

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