Topographie Holstein 1841/I-Z/088

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Topographie Holstein 1841
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Fürsten Niclot überfallen, geplündert, die Schiffe im Hafen verbrannt und mehrere Einwohner wurden in die Sklaverei geführt; auch die daneben liegende Burg ward 2 Tage lang berennt. Die Stadt traf das Unglück im Jahre 1157 durch eine Feuersbrunst zerstört zu werden; die Einwohner unterwarfen sich dem Herzoge Heinrich dem Löwen und dieser gründete für sie die Löwenstadt, welche eine Meile von Lübek an der Wakenitz in der Gegend des jetzigen Kirchdorfes Herenburg erbauet ward. Die Kaufleute verließen aber ein Jahr darauf der ungünstigen Lage wegen diese neue Ansiedelung, kehrten zurück und die Stadt ward bald wieder schöner und regelmäßiger aufgebauet, durch Mauern und Thore befestigt, erhielt bedeutende Freiheiten und mehrere Einwohner der im Jahre 1167 zerstörten Stadt Julin zogen hierher. Im Jahre 1181 kam Lübek unmittelbar an den Kaiser Friedrich I., welcher alle Freiheiten bestätigte und die Gränzen des Stadtgebietes erweiterte; im Jahre 1189 fiel es aber wieder an den Herzog Heinrich dem Löwen, und ein Jahr später verlieh der Kaiser Heinrich, auf dem Hoftage zu Fulda, die Stadt als Lehn, zur Hälfte an den Herzog Heinrich und zur Hälfte an den Grafen Adolph. Im Jahre 1191 ergab sie sich nach tapferer Gegenwehr dem Grafen Adolph von Schaumburg, der nun von dem Kaiser mit allen Einkünften belehnt ward und 1200 kam sie unter die Herrschaft des dänischen Königes Waldemar. Im Jahre 1209 soll die Stadt bis auf 5 Häuser abgebrannt sein, welche Feuersbrunst aber vielleicht mit einer späteren verwechselt ist; 1217 ward sie mit starken Thürmen und Mauern befestigt. Als die Stadt nach der Gefangenschaft des Königs Waldemar die Besatzung der Burg vertrieb, befreite sie sich von der dänischen Herrschaft und ward 1226 von dem deutschen Kaiser als freie Reichsstadt in Schutz genommen. Der König Waldemar fiel, nachdem er aus der Gefangenschaft zurückgekehrt war, in Nordalbingien ein, ward aber von dem Grafen Adolph IV. am 22. Juli 1227 bei Bornhöved besiegt, Lübeks Unabhängigkeit dadurch begründet und dessen Macht und Ansehen nahmen mehr und mehr zu. Bald nach dieser Zeit zerstörten noch oft Feuersbrünste diese Stadt, namentlich in den Jahren 1238, 1251 und 1276, welche letzte nur die Domkirche verschonte, allein sie hatten immer Verschönerungen zur Folge und der Handel litt nicht darunter. Im Jahre 1241 schlossen Lübek und Hamburg ein Vertheidigungsbündniß, dem sich mehrere Handelsstädte anschlossen und Lübek ward späterhin dadurch als Hansestadt der Hauptort für die wendischen Städte, der gewöhnliche Ort der Versammlungen und erhielt 1260 das Recht, diese auszuschreiben. Im Jahre 1247 ward dem holsteinischen Grafen Johann und dessen Bruder Gerhard die Schirmvogtei über die Stadt übertragen und die Grafen überließen der Stadt den Thurm zu Travemünde. Lübek stieg nun nach und nach zu einer außerordentlichen Höhe, erhielt 1329 Travemünde mit seinem Gebiete, 1350 noch andere Gebietsvergrößerungen und selbst öftere Kriege und ansteckende Krankheiten, die eine große Menge Menschen hinrafften, waren für Lübek nicht von sehr verderblichen Folgen. Der mit Waldemar III. seit 1361 geführte Krieg erwarb der Hanse große Handelsvortheile und nach Waldemars Vertreibung, im Jahre 1370, den Besitz und die Einkünfte Schonens auf 15 Jahre. Weniger glücklich war der gegen den König Erich den Pommer, seit 1426, unternommene Krieg, in welchem die Stadt 36 Fahrzeuge verlor und erst im Jahre 1435 im Frieden zu Wordingburg wurden die Handelsrechte gesichert. Im Jahre 1404 hatte die Stadt eine Schuldenlast von 26,000 Mark 3.svg, wodurch mehrere Jahre hindurch, weil der Rath keine genügende Rechenschaft darüber ablegen konnte, große Unruhen der Bürgerschaft entstanden, die erst 1408 beigelegt