Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte/2/084
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einer ecclesia S. Michaelis die Rede sei, und dieser
Ausdruck vielfältig von einer Stiftskirche gebraucht werde. Daß das
Alter ziemlich über das Ende des zwölften Jahrhunderts
hinausreiche, läßt sich übrigens daraus abnehmen, daß sonst
schwerlich ein solcher Vorfall schon eingetreten sein würde, ferner
daß von mehreren Bischöfen die Rede ist, die vor Waldemar (der 1182
antrat) eine Besserung und Reformation vergeblich versucht hätten,
auch daraus, daß das Kloster schon als ziemlich begütert erscheint.
Denkbar wäre es allerdings, daß etwa dies Kloster seinen Ursprung
genommen habe, als im Domcapitel die Veränderung vorging, daß aus
den Benedictinern der Domkirche Canonici nach der Regel des
Augustinus wurden. Zu vergleichen ist das darüber vorhin bei
Lügumkloster Angeführte, wo ein ähnlicher Ursprung angenommen ist.
Wir würden somit auf die Zeit um 1125 oder 1135 zurückkommen.
Heimreich[1] sagt: „Dieselben — die Canonici — sein
Anfangs gewesen Benedictiner Ordens, welche als Priestern
und geistliche Persohnen unter den Bischoffen gestanden u. s. w.
Dieselben haben zur Zeit des Schleßwigischen Bischoffes
Alberi mit Veränderung ihrer Kleider auch ihren Namen
geendert, und haben damals mehrere Freiheit bekommen, also, daß sie
von der angenommenen Regel S. Augustini hinfürder
Canonici Regulares geheißen, welche auch in nachfolgenden
Zeiten noch größere Freiheit erlanget, und als sie solcher Regel
und ihrer nach derselben tragenden Kleider überdrüssig geworden, da
haben sie, zur Zeit des Schleßwigischen Bischoffs Occonis,
beydes die Veränderung ihrer Namen und Kleider erhalten, und seyn
sie hernach Canonici seculares oder weltliche Thum-Herren
geheißen worden.“ Alberus war aber Bischof um 1125, Occo 1135—1138.
Es ist nicht unglaublich, daß eben bei diesen Veränderungen, um die
ursprüngliche klösterliche Einrichtung der Benedictiner nicht ganz
aufhören zu lassen, dieselbe auf eine andere Kirche, die zu S.
Michaelis übertragen, dazu auch die große Landgemeine, die als die
ursprüngliche Parochie der Schleswiger Kirche anzusehen ist, gelegt
worden, wie denn wenigstens später S. Michaelis noch immer als eine
Art Filial vom Dom erscheint. Bemerkenswerth ist auch, daß die
Michaelis-Kirche in ihrer alten runden Form gewiß nicht
ursprünglich als Kirche erbaut, sondern später dazu eingerichtet
ist.
- ↑ Heimreich, Kirchengesch. S. 92-93.
