Memeler Schützengilde

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Viktor Kittel berichtet


Die Memeler Schützengilde selbst ist sehr alt. Ihre Anfänge liegen im 17. Jh. In jener Zeit hatten sich die Gilden der verschiedenen Handwerksberufe gebildet. Auch die Bürger der Stadt Memel fanden zueinander und gründeten eine Gilde, in der jährlich um das Fastnachtsspiel geritten und gestochen wurde. Diese Gilde erhielt ein offizielles Privileg bereits im Jahre 1697 verliehen. Durch und nach dem Siebenjährigen Krieg drohte die Gilde fast einzugehen. Doch nach der preußischen Erhebung wurde die Schützengilde ab 1838 neu belebt und nahm ständig an Mitgliedern zu. Jetzt wurde mit der Flinte geschossen. Dazu benötigte man und erhielt im Jahre 1841 einen ordentlichen Schießplatz in der Schützenstraße zugewiesen, dort wo auch heute noch das einstige Schützenhaus steht. Es wurde in östliche Richtung geschossen und so hieß das Gelände bis zur Bahnhofstraße hin der Kugelfang.
Ich bin von 1929 an von Försterei mit dem Zug in die Stadt zur Schule gefahren und zu der Zeit hieß es "wir gehen um den Kugelfang" wenn wir von der Bahnhofstraße kommend um die Ecke in die Simon - Dach - Straße einbogen.
Erst Mitte der 30er Jahre wurde das offene Gelände mit dem Vytautas-Gymnasium in der Simon-Dach-Str.11 und danach mit dem Rote-Kreuz-Krankenhaus in der Bahnhofstr.13/15 bebaut. Die Memeler Schützengilde wuchs bis zur Jahrhundertwende 1900 in der Schützenstraße zum größten Schützenverein von ganz Deutschland an. Aus diesem Grund wurde um diese Jahrundertwende in der Schützenstraße das Schützenhaus mit einem großen Festsaal und dem geschmackvollen Kaffeegarten errichtet. Gleichzeitig wurde damit eine neue Schießanlage erforderlich und es wurde, noch weit vor dem ersten Weltkrieg das Gelände bei Königswäldchen gekauft und bebaut.
Die wertvolle alte Schützenkette der Memeler Schützengilde befindet sich im Archiv der AdM - Arbeitsgemeinschaft der Memellandkreise e.V.[1]in Oldenburg.

Anmerkungen von Holger Schimkus

Funde in den Adressbüchern Memels:

Im Adressbuch von 1858 findet sich auf Seite 77, unter Magistrat - Schulen eine Aufstellung der Schützengilde.
Vorsteher: Hintze, Micks, Lauscheit jun., J.G. Scheu, Löhrke sen.
Schützenrath: Jack, Haupt, Mätzing, Becker sen., Hauswaldt, Russmann, Lösche
Kreisrichter: Lenz, Leo Wichers, Kiewel, Zacher, Stobbe
Rendant: May
Schützenhauptmann: Evers
Schützenbote: Merkner
Restaurateur: Rosenbaum
1898 ist die Schützengilde mit Obervorsteher Fürstenberg für die Schützenstr.5 eingetragen.
Der Schießplatz ist nicht extra aufgeführt.
1909 wird ein Th. Preuß, Schützenstr.5 als Obervorsteher genannt.Der Schriftführer war der Hauptlehrer Luckau, Haffstr.4 Die Schützengilde hat bei der Bearbeitung der Straßen in Memel einige Verwirrungen ausgelöst. Da wechselte die Memeler Schützengilde im Adressbuch Memel von 1942 die Hausnummer von vorher Nr.5 auf Nr.12 und im Haus 5 befand sich die "Mesefa" Memeler Seifenfabrik G.m.b.H! Die Familienforschungsgruppe Memelland verfügt leider nicht über alle erschienen Adressbücher der Zeit. Sollte der Leser über solche Exemplare verfügen, bitten wir dringend um Kontaktaufnahme und klicken Sie hier auf Kontakt . So gibt es bei unserer Adressbuch-Sammlung u.a. eine Lücke zwischen 1935 und 1942. Nach Rückholung des Memelgebietes ins Reich (22. März 1939) erfolgte so manche Neuordnung und Umbenennung. Die über die Zeit entstandene Nummerierung wurde von der Simon - Dach - Straße aus beginnend, rechts mit geraden und links mit ungeraden Nummern versehen. Vor 1935 begann es mit dem Haus 1, 1a 2, 3, 4, 5. Die Grundstücke 6 - 14 waren unbebaut und befanden sich neben dem Schützenhaus. Das wird der Schießplatz gewesen sein. Gegenüber von Nr.5 gab es die Häuser 15 und 16 (aufsteigend zur Simon - Dach - Straße). 1942 wurde 15 zur Nr.9 und 16 zur Nr.7. Das Grundstück der Memeler Seifenfabrik hatte 1935 die Nr. 17 bekommen. 1942 erscheint das Grundstück zweigeteilt im Adressbuch und bekam die Nr.3/5.
Das Gelände der "Vereinigte Sprit- und Brauhaus AG" (vorm. Aktien-Gesellschaft Böhmisches Brauhaus) reichte bis an die 1909 erstmals im Adressbuch erwähnte Schützenstraße, hatte aber die Anschrift Libauerstr. 43 .
Der neu errichtete Schießplatz der Schützengilde lag damals außerhalb der Stadt. Unmittelbar in der Nähe befand sich der Eduardshof. Das Königswäldchen war im Besitz des Gartenvereins und 1909 wohnten dort 5 Familien. Erst im Adressbuch von 1926 wird auch die Schützengilde als Eigentümer eines Grundstücks im Königswäldchen erwähnt. Henry Beyer wird als Einwohner genannt. Es wird noch zu klären sein, ob er eine Funktion hatte. War er der Betreuer des Schießplatzes? 1929 nennt das Adressbuch den Königswäldchen - Schießstand, getrennt vom Garten - Verein. Eigentümer wie zuvor, die Schützengilde mit dem Zimmermann Henry Beyer.
Das Königswäldchen hat seine eigene Geschichte.
Im Jahre 1802 trafen sich Friedrich Wilhelm III., seine Gemahlin Königin Luise und Zar Alexander von Rußland auf der Straße zwischen Memel und Tauerlauken.Dieser zur Erinnerung an diese Begebenheit errichtete Park mit Gartenlokal wurde dann Königswäldchen benannt und barg seltene, zum Teil exotische Sträucher und Bäume. Es entwickelte sich zum beliebten Ausflugsort. Gut 2 km nördlich von Memel entfernt, wurden im Königswäldchen häufig Konzerte des "Arbeiter-Gesang-Verein" veranstaltet. Die Benennungen der Luisen- und Alexanderstraße in Memel erinnern an die Begegnung der Hoheiten. Nach dem 25. März 1915 kam das Königswäldchen ins Kriegstagebuch. Beim Rückzug hatten die zurückweichenden Russen ihre in Memel gemachten Geiseln auf einem Wagen mitgeführt. Das Fahrzeug blieb am Königswäldchen stecken. Die Begleitmannschaft flüchtete und die 3 verhafteten Bürger und der Bürgermeister Memels flohen ebenfalls. Auf der Flucht fiel der Bürgermeister Pockels hin. Auf dem Boden liegend, bekam er Bajonettstiche durch einen russischen Soldaten beigefügt und wurde schwer verletzt. Das war wohl ein Racheakt für die Vertreibung durch das Bataillon Nußbaum vom Ersatzregiment Königsberg aus Memel.

Der heutige Zustand des Königswäldchen ist mir nicht bekannt. Ein Reisebericht darüber wird gerne entgegen genommen.

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