Herzogenrath/Geschichte und Verwaltungsgeschichte

aus GenWiki, dem genealogischen Lexikon zum Mitmachen.

Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Stadtgründung

Stadtgründung wohl nach 1239 (Erweiterung der „Feste Rode“). Als oppidum zuerst 1282 durch Rudolf von Habsburg bezeichnet. Nach 1793 verlor Herzogenrath alle Vorrechte und wurde Kan¬tonsvorort. Beim Übergang an Preußen (1815) verlor die Stadt das Recht zur Führung des Stadtsiegels und wurde im 19. Jhdt. als Flecken bzw. Bürgermeisterei oder Landgemeinde bezeichnet. Genehmigung zur Führung des Stadtsiegels seit 1919.

Titularstadt Herzogenrath 1931

Stadtsiedlung

Bauliche Entwicklung

Neben der älteren Siedlung Afden auf dem rechten Ufer wurde die Burgsiedlung der Grafen von Saffenberg in der 2. Hälfte des 11. Jhdts. auf dem linken Ufer angelegt. Nach dem Wiederauf¬bau und der Erweiterung von 1239 Marktsied¬lung mit rechteckigem Markt im Mittelpunkt des Festungsbezirks. Die auf dem rechten Ufer liegenden Dörfer Afden und Kleik sowie die westlich der Burg gelegene Ortschaft Hahn wurden im 15. Jhdt. der Festung angegliedert. Das Straßennetz der um¬mauerten Stadt zeigt Rippenform mit einer geschwungenen Hauptstraße sowie einer Quer¬straße. Rechts der Wurm verläuft die Straße gerade gestreckt mit 2 Querstraßen, von denen die südliche nach Südwesten geschwungen ist. Die Grund¬fläche der Festung in Form eines unregelmäßigen Siebenecks war 278 x 278 m. Die erweiterte Stadtbefestigung des 13. Jhdt. verfiel seit dem 15. Jhdt., sie besaß 3 noch 1956 in Resten erhaltene Wacht¬türme und 3 Tore, die oft als Gefängnis dienten. Das unterste und das Eygelshovener Tor wurden als Verkehrshindernis 1793-1814 niedergelegt, das oberste (westliche) Tor stand bis 1825. Die Befestigung ist zum größten Teil erhalten. Die Stadtgräben wurden im 16. Jhdt. der Armbrustschützengesell¬schaft als Lohn geschenkt. Das Stadtgebiet westlich und südlich des Festungskerns wurde seit dem 16. und 17. Jhdt., die westlichen und östlichen Berghänge so¬wie Afden seit dem 19. Jhdt. besiedelt.

Gebäude

Burg der Grafen von Saffenberg, 2. Hälfte 11. Jhdt., zuerst genannt 1104, feste Burg der Grafen von Limburg 1137, zerstört 1205 und 1239, dann bedeutend erweitert und verstärkt, Sitz der vom Landesherrn eingesetzten Kastellane, später Hochdrossarde; nach starkem Verfall kam an den Bergfried (13. Jhdt.) ein zweiflügeliger Neu¬bau um 1750, in Privatbesitz um 1820, nach zweimaligem Umbau (u. a. 1903) von der Stadt 1912 gekauft, 1956 Sitz der Stadtverwaltung. Burgkapelle 1225 genannt. Kapelle op de Hoe¬ven rechts der Wurm 1425 erbaut. Kath. Pfarr¬kirche St. Marien wurde innerhalb der Festung links der Wurm neu erbaut und 1564 zur Pfarr¬kirche erhoben, durch Neubauten ersetzt 1780 und 1915. Pfarrkirche St. Joseph 1912. Pfarr¬kirche St. Gertrudis in Afden 1116 erwähnt, Neu¬bau 1683, mehrmals erweitert und umgebaut im 19. Jh. sowie 1914. Haus Eynrode im Norden an der Stadtmauer zwischen Burg und Marienkirche vierflügelige Anlage des 17./18. Jh. mit Nord¬flügel aus dem 18./19. Jh., kirchlicher Besitz 1908, Unterkunft des St.-Josef-Klosters mit Alters- und Kinderheim sowie Kindergarten 1914. Bannmühle der Abtei Klosterrath an einem ehemaligen Arm der Wurm 16. Jhdt., 1956 Privatbesitz. Erster Volksschulbau, Eygelshovener Straße 1829, wegen Baufälligkeit geschlossen 1927. Schule in Afden neben der Kirche 1829, erwei¬tert 1856, nicht mehr als Schule 1929. Schule in Bierstraß seit 1896. Schule in Straß 1898, abge¬brochen beim Bau der Zollumgehungsstraße 1938. Schule Bardenberger Straße 1912, erwei¬tert 1926. Schule Marktstraße für kath. und ev. Schule 1929. Bauernhof Ecke Klosterrather Straße/Hahnstraße, darin die Höhere Schule bis 1894, 1956 erhalten. Neubau der Höheren Schule Geilenkirchener Straße 1894, erweitert 1937.

Zerstörung 2. Weltkrieg

  • 127 Wohnhäuser über 25 % beschädigt (davon 30 völlig zerstört), ferner 5 Schulen und 2 Kirchen sowie 1 Fabrik beschädigt. 4 Brücken durch Deutsche gesprengt, Ufermauer beschädigt.
    • Die zu 35% beschädigte St.-Gertrudis-Kirche ist 1956 völlig instandgesetzt.
  • Von 17 ha bebauter Fläche wurden 18.910 qm (11%) zerstört.
    • Völlig instandgesetzt bis 1950 waren 105 Gebäude, weitere 14 im Aufbau, 15 noch zerstört. Die Ufermauer und 3 zerstörte Brücken sind 1956 hergestellt.

Bevölkerung

Herkunft/ältere Einwohnerzahlen

Die überwiegend aus Niederländern bestehende reformierte Gemeinde mit fast 100 Mitgliedern siedelte nach 1663 nach Gülpen (holländisch Limburg) über. Vor 1793 wohnten im alten Festungsbezirk 220 Personen.

Seuchen

  • Pest 1554, 1635/36 (großes Sterben; ganze Ortschaften in der Umgegend entvölkert). 1665/66. Ruhr 1668, 1676, 1726, 1781. 1769 bis 1771 Rinderpest, die fast die ganzen Viehbestände dahinraffte. 1831 Cholera. 1833 Cholera (12, Tote).


Berühmte Personen

  • Karl Kaspar Ludwig von Limpens, * 16.06.1673 Herzogenrath, + 15.04.1723 Brüssel, Jurist, stellver¬tretender Statthalter des Lehnshofes in Herzogenrath bis 1707.
  • Christian Matthias Bombaye, Theologe und Jurist, * 16.11.1688 Herzogenrath, + 12.03.1747 Löwen, Rektor der Universität Löwen.
  • Simon Peter Ernst, Pfarrer in Afden 1787-1817, + 1817 Herzogenrath, Geschichtsschreiber des limburgischen Landes.

Jüngere Einwohnerzahlen

  • 1810: 1.150 Einwohner (E.), 1815: 676 E., 1817: 1.575 E. ( Grenztraktat), 1820: 1.793 E., 1825: 2.135 E., 1830: 1.619 E., 1840: 2.416 E., 1845: 2.269 E., 1850: 2.401 E., 1860: 2.470 E., 1865: 2.387 E., 1870: 2.417 E., 1880: 2.675 E., 1890: 3.143 E., 1900: 3.833 E., 1910: 5.268 E., 1920: 5.868 E., 1930: 7.279 E., 1933: 7.740 E., 1939: 7.724 E., 1946: 8.193 E., 1950: 9.586 E. (davon Stadtkern : 5.810 Einwohner).

Sprache

Älteste Urkunden lateinische Sprache, ab 15. Jhdt. deutsch. Seit der 2. Hälfte des 16. Jhdts. wachsender Einfluß des Niederfränkischen. Unter Spanien ab 1555 zeitweise flämische Amtssprache, unter Österreich flämisch und französisch nebeneinander, unter Frankreich (1793-1814) französisch, dann deutsch.

Herzogenrath liegt mit seiner Mundart im Westrand des Ripuarischen, der einst niederfränkisch war, 1956 aber bereits fast dem ripuarischen Ansturm ganz erlegen war. Man spricht: besser, koche 'besser, kochen', schlette Zitte 'schlechte Zeiten', baua 'bald', Soètz `Salz'; Kenk, Ponk 'Kind, Pfund', Louet `Luft'.

Wirtschaft

Handel u. Gewerbe

Stand 1956: Im Mittelalter Handelsplatz für Warenaustausch zwischen den Erzeugnissen des Rheinlandes und der Niederlande. Markt nur von örtlicher Bedeutung. Wichtig der Bergbau: ältester Steinkohlenbergbau Europas (Magerkohle), nachweisbar seit 1113. Unterirdischer Betrieb seit 14. Jhdt., Wasserkraft seit 1616, erste Dampf-Wasserhaltungsmaschine 1811. Die Abtei Klosterrath, Besitzerin des größten Teils der Kohlenfelder, versuchte seit 1711 großzügig, den gesamten Kohlenbergbau in Eigenbetrieb zu vereinen. Beim Einmarsch der Franzosen (1793) war diese Absicht nahezu verwirklicht (etwa 800 Arbeiter auf 5 abteilichen Gruben mit 2 Wasserhaltungsmaschinen). Beschlagnahme der abteilichen Kohlenwerke durch die französische Militärverwaltung auf Grund des französischen Berggesetzes. Vorübergehend starker Rückgang durch die Mißwirtschaft der französischen Militärbehörden, dann beginnender Aufschwung unter der französischen Zivilverwaltung ab 1797. Verleihung von 2 Konzessionen an Privatunternehmer durch die Kaiserliche Regierung in Paris 1806. Besetzung der Gruben durch die verbündeten Mächte (Preußen) 1814. Grenztraktat zwischen Preußen und den Niederlanden (1816) gab die Oberfläche der Kohlenfelder zwar an Preußen, jedoch den Bergbau bis zur Wurm an Holland; Abbau der Kohlenfelder im Herzogenrather Gebiet durch die niederländische Domanialgrube (zeitweilig vom holländischen Staat verpachtet) 2 deutsche Gesellschaften (Vereinigungsgesellschaft für Steinkohlenbergbau im Wurmrevier und Pannesheider-Bergwerksverein.), die 1906 mit dem Eschweiler-Bergwerksver. verschmolzen wurden. In ältester Zeit Verbrauch der Kohle in der Stadt und den zugehörigen Ortschaften des Landes, dann ab 17. Jh. auch Vertrieb in den angrenzenden Teilen von Jülich und Holland. Unter Leitung der Abtei Klosterrath 1779 Anlage eines ständigen Kohlemagazins in Aachen. Höchstproduktion der abteilichen Werte vor 1793: 523.350 Zentner jährlich.

In älterer Zeit ferner Weberei, Färberei und Gerberei. Durch Kriege völlige Verarmung der Stadt. Bedeutender Aufschwung unter preußischer Herrschaft (ab 1815). Um 1845: Baumwoll- und Deckenmanufaktur, Spinnerei und Weberei, Gerbereien, Quadersandsteinbrüche, 3 Jahr- und Viehmärkte. Glashütte Herzogenrather Glaswerke, gegr. 1873, bedeutend erweitert 1877, um 1956 Tochterbetrieb der Vereinigten Glaswerke Aachen. 2 Porzellanknopffabriken gegr. nach 1870, um 1956 vereinigt. Nähmaschinennadelfabrik Ferdinand Bernhard Schmetz nach 1870 von Aachen nach Herzogenrath verlegt, um 1950 bedeutend erweitert. Lederfabrik Katterbach. Sand- und Sägewerk Marbaise. Außerdem mehrere landwirtschaftliche Betriebe mit Ackerbau und intensiver Weidewirtschaft. Wirtschaftliche Schäden durch Sperrung der holländischen Grenze in beiden Weltkriegen.

Verkehr

Stand 1956: Herzogenrath lag 5 km von der nördlich verlaufenden Straße Tongern-Maastricht-Lülich-Köln, die von den Römern ausgebaut und im Mittelalter als Brunhildenstraße bezeichnet wurde. Eisenbahn¬hauptstrecke Aachen-Herzogenrath-Mönchengladbach-Düsseldorf (1852). Nebenbahnen nach Stolberg und Heerlen (Holland; 1956 außer Betrieb). Straßenbahn nach Kohlscheid-Aachen und nach Merkstein.

Umgebungsbedeutung

Stand 1956: Der Einflußbereich Herzogenraths umfaßt die nächste Umgebung mit Merkstein und Kohlscheid.

Verwaltung

Rat

An der Spitze der Verwaltung stand der Schultheiß, der später auch Hoch- oder Hauptschultheiß hieß, neben ihm 7 Schöffen. Ferner 2 Bürgermeister (consules, Regenten, regeerders) ab 14. Jhdt. und neben ihnen Geschworene (jurati), wahrscheinlich 4. Der Hauptschultheiß wurde durch den Gouverneur (capitaine gėnėral) des Herzogtums Limburg und der vereinigten Länder Overmaas ernannt und legte seinen Eid vor den Schöffen ab. Das Schöffenkollegium ergänzte sich, indem die Schöffen 3 Anwärter vorschlugen, aus denen der Hochdrossard als Vertreter des Landesherrn einen wählte. Ähnlich wurden die Bürgermeister gewählt, indem in einem Vogtgeding die Versammlung 3 Personen vorschlug, aus denen dann der Hauptschultheiß als Vorsitzender der Versammlung einen wählte und ernannte. Die Geschworenen wurden von der Versammlung gewählt und dann vom Hauptschultheißen vereidigt. Ähnlich erfolgte auch die Wahl der städtischen Beamten. Seit Anfang des 18. Jhdts., wohl mit Beginn der österreichischen Herrschaft (1714), wird nur noch 1 Bürgermeister genannt.

Gericht

Rechtsprechung über Leib und Leben der Bürger stand nur den 7 Schöffen des Hauptgerichts unter dem Vorsitz des Hauptschultheißen zu. Todesurteile bedurften der Bestätigung des vom Landesherrn ernannten Hochdrossards. Auch in Zivilprozessen sowie in Sachen des Kohlenbaus war das Hauptgericht, an das auch die verschiedenen Schöffengerichte der Unterbanken des Landes in erster Instanz Berufung einlegten, zuständig. Die letzte und höchste Instanz war der Hohe oder Souveräne Rat von Brabant in Brüssel (Brabantische Goldene Bulle !). Die Bürgermeister der Stadt besaßen nur die niedere Gerichtsbarkeit (Markt- und Wegepolizei).

Bürgervertretung

Die Bürgerschaft besaß nur durch Bürgermeister und Geschworene Einfluß auf die Stadtverwaltung. Ihre Wünsche brachte sie in den Vogtgedingen, die unter freiem Himmel auf dem Marktplatze in Anwesenheit des Hochdrossards, des Hauptschultheißen und des Schöffenkollegiums stattfanden, zum Ausdruck.

Landesherrschaft

Landesherren

Die Burgsiedlung Rode gehörte 1104 dem Grafen von Saffenberg, kam 1137 durch Heirat zum Herzogtum Limburg (bis 1793). 1282 Heirat des Grafen Reinhold von Geldern mit Irmingard, der Tochter des letzten Herzogs von Limburg. Nach ihrem Tod 1283 Ausbruch des limburgischen Erbfolgekrieges. Durch die Schlacht von Worringen kam Herzogenrath 1288 mit dem Herzogtum Limburg an den Staatenverband Brabant. Ende des 14. Jhdts. erste Erwähnung der Länder „Übermaas" (Overmaas) = Falkenburg, Daelem und 's Hertogenrode. Herzogenrath seitdem Vorort des gleichnamigen Landes, eines Anhängsels des Herzogtums Limburg im brabantischen Staatenverband. 1351 bis 1375 mehrmals Abschluß eines Fürsten- und Städtebundes, dem auch Herzogenrath angehörte, zur Erhaltung des Landfriedens in den rheinischen Landen. Herzogenrath war mehrfach Tagungsort des Bundes.

Seit 1384 verpfändeten die Herzöge von Brabant Stadt und Land 's Hertogenrode, zuerst an die Herren von Gronsfeld, dann an Heinsberg, aus deren Pfandherrschaft Herzogenrath durch Erbfall an das Herzogtum Jülich kam. Auf einer Tagung zu Aachen 1420 versprachen sich 11 Städte zwischen Roer und Maas, darunter auch Herzogenrath gegenseitig Hilfe, damit niemand von ihren Insaßen der zuständigen Landesgerichtsbarkeit entzogen wurde. Nach dem Siege Karls V. über Jülich erreichte Herzogenrath, daß es gegen Zahlung der Pfandsumme von 20.000 Goldtalern an das Herzogtum Jülich wieder zu den im Besitz der Habsburger vereinigten Niederlanden zurückkehren konnte. Nach Karls V. Abdankung (1556) kam Herzogenrath bei der Teilung der habsburgischen Hausmacht an Spanien; Abfall der Niederlande 1568 bis 1648. Im Partagetraktat zwischen Spanien und den Generalstaaten 1661 wurden die 3 Länder Übermaas geteilt: Herzogenrath blieb mit der Hälfte des Gebiets bei Spanien. Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg (1701-14) kamen die Niederlande mit Stadt und Land 's Hertogenrode 1714 an Österreich. 1789/90 räumten die Österreicher in den brabantischen Wirren vorübergehend das Land, kurze Herrschaft der Brabantischen Patrioten.

Kriegerische Ereignisse

Zerstörung der Feste 1205 und 1239 in Kriegen zwischen dem Herzogtum Limburg und dem Kurfürstentum Köln. Brabantischer Angriff auf die Stadt im Dezember 1283 abgewehrt (Schütz von Roda). Belagerung und Aushungerung Herzogenraths 1334 durch Gegner Johanns III. von Brabant. Beim Abfall der Niederlande (1568-1648) dauernde Verwüstungen und Plünderungen durch die kriegführenden Parteien; im 30jährigen Krieg zweimal durch die holländischen Generalstaaten besetzt. Zahlreiche Plünderungen und Verwüstungen in den Raubkriegen Ludwigs XIV. Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-14) Besetzung durch den Kaiser und seine Verbündeten. Infolge der Kriege furchtbare Verarmung und wachsende Unsicherheit (Räuberbanden „Bockreiter" 1741-45 und 1762-76). Im Österreichischen Erbfolgekrieg (1740-48) wurde Herzogenrath nach der Schlacht bei Laefeld (1747) und der Belagerung von Maastricht (Frühjahr 1748) in die militärischen Operationen einbezogen. Einmarsch der Franzosen 1793. Besetzung durch Belgier und Franzosen nach 1918. Besetzung durch Amerikaner 07.10.1944 bis Ende 1945.

Landesbehörden

Herzogenrath war vor 1793 Sitz folgender Landesbehörden: Hochdrossard (früher auch Kastellan und Amtmann genannt) von Stadt, Schloß und Land 's Hertogenrode. Hauptschultheiß als Vorsitzender des Hauptgerichts des Landes. Landesrentmeister. Statthalter des königlichen Lehnshofes (Mannkammer). Ferner war Herzogenrath Tagungsort der Landstände.

Kriegswesen

Wehrhoheit

Wehrhoheit stets im Besitz des Landesherrn, vertreten durch den Hochdrossard, der die höchste militärische und zivile Gewalt im Land ausübte. In älterer Zeit war in der Festung stets eine Besatzung des Landesherrn, die im Kriegsfall durch eine Bürgerwehr - mit Armbrust und Schleuder ausgerüstete Bürger - verstärkt wurde (z. B. Belagerung von 1283). Bürgerwehr von 358 Mann bestand 1848.

Schützengilden

Aus der Bürgerwehr entstand höchstwahrscheinlich die später kirchlich orientierte St.- Sebastiani - Armbrustschützengesellschaft. Die Bestätigung älterer Satzungen sieht 1504 noch Bewaffnung mit Eisenhut, Krebs (Harnisch) und Armbrust vor. Die Mitglieder heißen „geschworene Schützen" der Stadt 's Hertogenrode und schwören als Schützen den Bürgermeistern den Treueid. Die Stadt stellt den Schützen das Tuch zur Kogel (Kapuze, Halskragen). Für Dienstleistungen (Geleit, Gefangenenbewachung und -transport) erhielten die Schützen im 16. Jhdt. die Stadtgräben geschenkt. Alles weist auf enge Beziehungen der Schützen zum Stadtregiment.

Garnison

Ständige Garnison um 1750 (österreichischer Erbfolgekrieg). Vorübergehend preußische Garnisonen: ½ Eskadron Husaren Rgt. Nr. 10 und 7. Komp. Inf.-Rgt. Nr. 27 1830 (belgische Revolution), 1 Kompanie des Landsturmbatl. VIII 1 Aachen 1914-15, 1 Kompanie des Landsturmbatl. VIII 19 Jülich 1915-18.

Persönliche Werkzeuge