Grafschaft Zutphen

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Hierarchie Regional > Historische deutsche Staaten > Burgundischer Reichskreis > (1592) Niederlande > Grafschaft Zutphen

Übersichtskarte der Grafschaft Zutphen aus dem "Theatrum orbis terrarum, sive, Atlas novus" von Willem Janszoon und Joan Blaeu, erstellt 1645/1662.

Inhaltsverzeichnis

Grafschaft Zutphen

Einführung

Stadt und Grafschaft Zutphen waren ursprünglicher Allodialbesitz. Die Stadt liegt an der Mündung der Berkel in die IJssel. Dieser Allodialbesitz wurde im Erbverfahren immer weiter gereicht, deren jeweilige Besitzer verfügten daher über ein hohes Ansehen. Die Stadt Zutphen wurde dem zeitlichen Reichsbischof von Utrecht von den Besitzern der Grafschaft Zutphen geschenkt, welche die Vogtei behielten.

Mitte des 11. Jahrhunderts wurde im Auftrag des Kaisers Heinrich III. (1039-1056) eine 54 Meter lange Kaiserpfalz am Grafenhof in der Stadt Zutphen gebaut. Der Herr der Stadt, Reichsbischof Bernold von Utrecht gründete und baute 1046 eine neue Kapitelkirche, die heutige St. Walburgiskirche. Das Recht der Münzprägung zeigt die Bedeutung der Stadt bereits im 11. Jahrhundert. Schon damals war sie eine Handelskonkurrentin von Deventer, welches ja nur 15 km. IJsselabwärts liegt. Präfekt dieser Kurpfalz und des Ortes könnte Graf Gottschalk geworden sein.

Wohl in diesem Zusammenhang schenkte König Heinrich III. im Jahre 1046 dem Bischof von Utrecht, Bernald (1027-1054), die Stadt Deventer mit der Umgebung und große Teile der späteren Grafschaft Zutphen zum vollen Eigentum. Hier handelte es sich um den ehemaligen Verwaltungssitz des „Hamaland saxonia“ und um Rupertus Grafschaft in der Twente. Die Grenzen des Gebietes „in Hamalanda sito“ waren dabei wie folgt angegeben: „De Rathnon (Rande bei Diepenveen) ad Hunne (die Schipbeek bei Olst), de Hunne ad Weicstapolon (Weggestapelen, zwischen Bathmen und Holten an der Schipbeek) inde ad Westerfle (Westerflier bei Diepenheim), de Westerfle ad Agastaldaburg (Hazelberg bei Lochem), de Agastaldaburg ad Stenere (Steenderen) per silvam, et in alia parte Isle de Louene (Leuvenheim bei Brummen usque ad Erbeke (Eerbeek bei Brummen), de Erbeke ad Suthemp (Empe bei Voorst), et item ex alia parte Isle ad Ascethe (Eschde bei Gorssel).“ Hierbei war das Recht der Münzprägung auch in Deventer eingeschlossen.

Zutphen war auch Verwaltungsschwerpunkt einer in 6 Teile zerfallenen Erbschaft, wovon die Herrschaften Zutphen und Arnheim über die Pfalzgrafen von Lothringen und am Rhein später an die Grafschaft Geldern kamen. Weiterhin gehörten zu diesem Erbe 4 Bannerherrschaften, nämlich die Familien von Baar / Bahr (bei Doesburg an der IJssel, zwischen Arnheim und Zutphen), von Bergh (`s – Heerenberg und zu Beeck), von Bronkhorst (bei Brummen an der IJssel) und von Wisch (an der alten IJssel bei Terborg).

Zutphen im Hamaland

Aus der Landschaft Hisloa wurde die spätere Grafschaft Zutphen. Sie gehörte um die Wende des ersten Jahrtausends nach der Zeitenwende zum Herzogtum Niederlothringen und bildete mit der Drenthe, Salaland, Felua, Flethite und im Süden die Lijmers bis 1016 die Grafschaft Hamaland. Der Besitz des Grafen Wichmann im Münsterland war Allodialbesitz und zählte daher wohl nicht zur eigentlichen Grafschaft Hamaland.

Schlüsselfiguren

Schlüsselfiguren für die grundsätzlichen Veränderungen in und um das Hamaland waren einerseits Wigmann, Graf im Hamaland, Vogt von Vreden, Metelen und St. Omer/ Boulogne, ermordert 1016, verheiratet mit Reimodis, Tochter des Richizo. Dieser hatte zumindest 2 weitere Kinder: Adelheyd, Gräfin im Elsaß (+19.05.1040), welche mit Heinrich, Graf im Speyergau (+28.03.989, Eltern Kaiser Konrad II.), verheiratet war und Godizo („Godizo Richizonis vir magnum opum“, + nach 1006, vor1010), Graf von Metz, Präfekt von Gennep, Vogt des Hattuariergaus (Hettergau), Graf im Gillgau (Jülich) und Markgraf von Antwerpen, Herr zu Aspel bei Rees und Heimbach bei Schleiden in der Eifel.

Zerschlagung des Hamalandes

Nach seiner Ermordung wurde dieser Machtblock sofort vom Reich zerschlagen, der Löwenanteil der Reichslehen ging an die Reichsbischöfe zu Utrecht, deren Grenze mitten durch das Westmünsterland verlief. Bei der Verteilung des früheren Allodialbesitzes des Grafen Wichmann im Hamaland und Westfalen spielten eine Rolle die Nachfahren Gottfrieds des Gefangenen, Markgraf von Eenham / Oudenarde, Graf von Bergh (Mons), Verdun im Methingau und Hettergau (Hattuarië), Präfekt von Utrecht (+ n. 995), er war verheiratet mit Mathilde von Sachsen (n. 962, Tochter Herzog Hermans von Sachsen und Ww. Balduins III. von Flandern, Sie hatten mindestens 11 Kinder:

  1. Gozelot 1028 Graf von Bastogne (Bastnacht, Ardennergrafen)
  2. Adalbero Bischof von Verdun (+988/9)
  3. Friedrich Graf von Verdun Mönch z. St. Vanne (+1022)
  4. Hermann Markgraf v. Eenham, Graf im Eifelgau, 1017 Graf in Westfalen, Stevergau und Borken (+1027), verheiratet mit Mathilde (Begründer der Grafen zu Cappenberg, zu Calvelage und Grafen zu Ostfranken)
  5. Gottfried (1013, + 1023) Herzog von Niederlothringen
  6. Gozelo I. Markgraf von Antwerpen, Herzog von Niederlothringen (1023), Oberlothringen (1033)
  7. Irmingard (+1042), verheiratet mit dem ihr blutsverwandten Otto Gf. von der Wetterau zu Hammerstein (bei Neuwied und im Engergau (+ 1036)
  8. Gerberga, verheiratet mit Folmar Gf. v. Blieskastel (Homburg)
  9. Friedrich II. Herzog in Oberlothringen (+1026) verheiratet mit Mathilde v. Schwaben, Wwe. Herzog Konrads von Kärnten (Tochter Herzog Hermanns)
  10. Adalbero 1005/6 Elekt von Metz
  11. Adelheid verheiratet mit Walram Graf von Arlon

Grafen von Zutphen

Irmingard von Zutphen war die Schwester des Hermann von Eenham, Graf im Eifelgau, Stevergau, Westfalen und Borken Sie hatte auch Besitz in Franken und war mit ihrem Verwandten (3 oder 4ten Grades) Otto von der Wetterau (+1036), Graf im Engergau und Kinziggau, Herr der Reichsburg Hammerstein bei Andernach / Neuwied (Sohn des Heribert, Graf von der Wetterau und im Kinziggau) verheiratet. Als Folge der kirchlich untersagten Ehe wurde Hammerstein 1020 von Reichstruppen erobert, der 1023 beabsichtigten Scheidung widersetzte sich Irmgard.

Nach Eingriff des Papstes erhält Otto kurz vor seinem Tod die Jurisdiktion im Engergau, Niddagau und in der Wetterau komplett zurück. Danach erhält er ebenfalls seinen Besitz im Ober- und Nieder-Lahngau und weitere Rechte zurück. Auch nach Ottos Tod geht die Rückerstattung weiter.

Seiner Nichte Irmgard oder Irminthrud, cometissa Suthphaniensis (Zutphen, +1042), schenkte auf Bitten des Herzogs Gozelo, Markgraf von Antwerpen, Präfekt von Gennep, Herzog von Ober- und Niederlothringen und dessen Sohnes Gottfried, am 15.02.1041 König Heinrich III., Sohn Kaiser Konrads II. und der Gisela, Ww. Herzog Hermanns II. von Schwaben, das konfiszierte Gut, welches Kaiser Konrad II. durch Schiedsspruch (wg. Otto von der Wetterau zu Hammerstein aus dem Engergau) in Herve, Vaels, Epen, Falkenburg, im Lütticher Gau und in der Grafschaft des Tio(t)boldi von Longpres zugefallen war.

In einem älteren Manuskript der Pfarrkirche zu Rees steht: „S. Irmgardis, Tochter des Grafen von Zutphen, Verwandte der s. Irmtrud (von Süchteln), welche in der Kirche zu Rees ruht.

Demnach stammte allerdings der Besitz der Grafschaft Zutphen aus dem Allodialbesitz Gottfrieds des Gefangenen, Markgraf von Eenham / Oudenarde, Graf von Bergh (Mons), Verdun und im Methingau (+ n. 995).

Kinder zu Zutphen

  • Udo, erbte die Grafschaft Engergau, stirbt 1034 kinderlos, die Linie erlischt.
  • Mathilde, benannt nach Irmgards Mutter (+ 1031) verheiratet 1020 mit Liudolf, Sohn Ezzos, Pfalzgraf am Rhein und dessen Frau Mathilde, eine Tochter Kaiser Ottos und der Byzantinischen Prinzessin Teofano.
  • N.N.

Mathilde, Erbtochter von Zutphen

Aus dem Erbe Ottos von der Wetterau zu Hammerstein (+1036) und der Irmingard von Zutphen (+1042) wurde das mütterliche Allodialerbe Zutphen der Tochter Mathilde als Brautschatz mitgegeben, als sie 1020 Liudolf, Sohn Ezzos, Pfalzgraf am Rhein, Bannerherr des Erzbischofs von Köln und dessen Frau Mathilde, eine Tochter Kaiser Ottos und der Byzantinischen Prinzessin Teofano heiratete.

Kurz nach deren Heirat gründen 1024 der lothringischen Pfalzgrafen Ehrenfried (Ezzo) und seine Gemahlin Mathilde, Tochter Kaiser Otto II. und der Thophanu, auf ihrem Hofgut Brauweiler, bei dem schon eine Medarduskapelle als gutherrliche Eigenkirche bestand. ein Benedektinerkloster. Als deren Sohn Liudolf sich mit seiner Frau an der Stiftung beteiligt, ist in der Urkunde zu lesen: "Hic filiam Ottonis comitis de Sudveno, nomine Mathildem, in coniugem accipiens duos aeque per omnia sibi simillimos ex ea generavit filios: Heinricum videlicet et Cunonem".

Das beinhaltet in freier Übersetzung, dass Liudolf getraut ist mit Mathilde, der Tochter Ottos, Graf von Zutphen, und das sie beiden zwei (männliche) Kinder des Namens Heinrich und Kuno (=Konrad) haben.

Demnach hatte Mathilde Zutphen mit in die Ehe gebracht, dazu aber auch noch Güter in der Twente und Westfalen, auch Vogteirechte über das Bistum Münster und über das 968 gestiftete Kloster Borghorst. Dies entsprach auch ihrem Stand, trotz der zeitweiligen Exkommunizierung ihrer Eltern.

Kinder Liodolfs

  • Irmintrud heiratet Rupert I, 1057 Nachfolger Ottos von der Wetterau zu Hammerstein und Zutphen im Ober-Lahngau und als Graf in der Twente in der Diözese Utrecht (zeitweilige lokale Erbteilung des Zutphenschen Erbes in Nord- und Südzutphen).
  • Heinrich
  • Kuno
  • Mathilde, heiratet Bruno, Graf von Heimbach im Zülpichgau.
  • Adelheid heiratet Godschalk, Graf von der Twente, Hetter und dem Hasegau, dem sie Zutphen und Teile des mütterlichen Erbes mit in die Ehe bringt.
  • N.N. heiratet Elli II, Graf von Rheinhausen im Leinegau

Präfekt Gottschalk (1046-1063)

Adelheid heiratet wohl vor 1046 Gottschalk (1026-1054) Graf von der Twente, Bannerträger und Vogt des Bistums Utrecht, Vogt (Präfekt) und "domini Zutphaniensis oppidum", auch Vogt der Kapitelkirche. Er ist ein Sohn Hermanns von Werl (997 / 1020), Graf im Lochtropgau, Hessengau, Leinegau, Dreingau, Vogt von Werden.

Durch die Heirat wird Gottschalk auch Vogt der Stifter Münster, Borghorst und Brauweiler. Gottschalk war im Besitz der „advocatia ducis“ im Emsgau und bezog aus dem Zoll zu Meppen 4 Mark, ½ Mark aus dem Getreidezoll und den 4. Teil der zu liefernden Bocksfelle aus Meppen. Ferner bezog er aus Werlte und Meppen 1 ½ Mark.

Streit um Lochem

Wir kennen leider nicht das genaue Jahr, als Bernold, Bischof von Utrecht (1027-1054) dem Kleriker Adolph, welcher früher dem Edlen- und Ritterstand angehörte, gewisse Zehnten, gegen Abtretung von dessen Erbgütern in der Twente, in der Grafschaft des Godschalk und im Gebiet der Brüder Liudolphus und Werner überlässt. Es ging wohl um den Zehnten zu Lochum, hier grenzte das Gebiet um Diepenheim und Goor an.

Lochem lag als Grenzort an der Berkel und im Jahre 1059 auf Zutphener Gebiet. Am nördlichen Ufer der Berkel begann die Utrechter Grafschaft des Ruprecht. Hier war ein Streit um den Zehnten zu Lochem zwischen Godschalk Graf in Zutphen und seinem Schwager Ruprecht Graf in der Twente entstanden, welcher vom Utrechter Bischof Wilhelm I. von Poitou (1054-1076) beigelegt wurde.

Bischof Wilhelm I. von Poitou (1054-1076) von Trajectum (Utrecht) erklärt am 17.07.1059 das der Streit um das Getauschte seiner Vorgänger mit den Herren von Zutphen beigelegt und er mit Graf Gottschalk (1063+), seiner Frau Adelheid und ihrem Sohn Gevehard einig sei. Auch der Sohn Otto (1059 filius praefecti) wird in Urkunden erwähnt.

Kinder Gottschalks

  • Gevehard von Twente und Goor (bekam das Erbe des Rupertus)
  • Otto, filius praefecti (1057)
  • (?) Gumbert, Geistlicher, Mönch in Corvey und danach im Abdinghof in Paderborn.

Graf Rupert

Des Pfalzgrafen Liudolfs Tochter Irmintrud heiratet Rupert I, 1057 Nachfolger Ottos I von Hammerstein und Zutphen im Ober-Lahngau und als Graf in der Twente in der Diözese Utrecht (zeitweilige lokale Erbteilung des Zutphenschen Erbes in Nord- und Südzutphen).

In einem älteren Manuskript der Pfarrkirche zu Rees steht: „S. Irmgardis, Tochter des Grafen von Zutphen, Verwandte der S. Irmtrud, welche in der Kirche zu Rees ruht.

Graf Rutbert und Gattin Ermenthrud versuchten, das am 10.02.1036 durch Konrad II. aus Graf Hermanns Besitz zu Eiteren bei Ijsselstein, nahe Utrecht, im Gau Nifterlake (Insterlake), zwischen Rhein, Leck und niederländischer Ijssel, an das Kloster Werden übergebene Gut, dem Kloster Werden zu entfremden, dazu gehörte der Mönikhof bei Vianen. Ebenso entfremdeten sie der Abtei Werden deren Gut zu Elten in der Hetter, welches Kaiser Heinrich V. (1098,1125) später dem Kloster zurückgab. Kinder Ruperts waren

  • Mönch Hermann, Abt von St. Pantaleon
  • Rupertus II.
  • Judith, heiratete Adelger von Zülpich im Bonngau

Die Grafschaft des Rupertus in der Twente (Nordzutphen) fiel um 1064, nachdem dessen Sohn Hermann in ein Kloster eingetreten war, an Godschalks Sohn Gevehard.

Gevehard von Twente und Goor

Gottschalks Sohn Gevehard von Twente und Goor, bekam 1064 das Erbe (Nordzutphen) des Grafen Rupertus.

Linie von Lohn

Sohn Gevehards von Twente und Goor ist wahrscheinlich Godschalk von Lohn oder vom Bergh. Die Edelherren (vir nobilis) „de Monte“ oder aufm / vom Bergh stehen als Erbvögte von Zutphen in der Erbfolge der Gründer. Sie hatten unter anderem erheblichen Besitz im Hettergau, Rees mit Aspel, um Kleve, im Amt auf dem Braam…….

Im Jahr 1070 lag der Zoll zu Esserden bei Rees in der Grafschaft des Gottschalk im Hettergau. Zwischen 1138 – 1146 bestätigt der EB von Köln, Arnold I. von Randerath (1137-51), dessen Vorfahren Vögte der Kirche in Rees waren, daß Godschalk, der Bruder des Grafen Gerhard von Loo(z/n), mit der Stiftskirche ein Gut zu Menzeln tauschte. Arnold bestätigt seine Verwandtschaft mit Walter von Hengenbach.

Otto von Zutphen, filius praefecti

Otto, „filius praefecti“ in Zutphen, als Sohn von Godschalk (I) von Zutphen und Adelheid, Tochter des Pfalzgrafen Liudolf znd dessen Ehefrau Mathilde ist um 1046 geboren. Dann noch Minderjährig tritt Otto 1063 ein Erbteil seiner Mutter als Herr von Zutphen an, während sein Bruder Gerhard als Erstgeborener den Hauptteil des Gesamterbes der Eltern erhält. Er führt 2 Ehen, Die erste mit einer N. von Winzenburg, nach der er auch Graf Otto von Winzenburg oder der Reiche genannt wurde, die 2. Ehe mit Judith N.

In 1068/70 kommt Otto bereits als Zeuge und „filius praefecti “ Godschalk im Bistums Osnabrück vor. Er wird 1103 erstmalig Graf von Zutphen genannt. Da sind die Zutphener wohl auch schon im Besitz der Vogtei über das Bistum Osnabrück,

Vogtei über St. Walburgis

Zwar war Vogt der Kirche von Zutphen um 1059 Dietrich, Graf von Kleve, aber grundsätzlich lag die Vogtei über die St. Walburgiskirche bei den Grafen von Zutphen, Damals war die Weitergabe als Untervogtei möglich und üblich. So hatte später auch Otto Graf von Zutphen seine Vogtei als Untervogtei an seinen vermutlichen Schwiegersohn, den Edelherrn Constantinus von Melegarde zu Bergh ('s-Heerenberg) verlehnt. Dieser entstammte dem freiadeligem Gut Malgarten bei Osnabrück.

Als die St. Walburgiskirche in Zutphen abbrennt, lässt Otto von Zutphen diese im Jahre 1105 neu erbauen. Er bringt zu diesem Zweck die Reliquien des hlg. Justus aus Corvey nach Zutphen. Bischof Burchard von Utrecht weiht die Kirche. Als wichtigte Zeugen treten dabei auf: Ulrico van Amsen (Ampsen), Bernard van Dipenhem (Diepenheim), Gerlaco van Dedingwerthe (Borkulo/bei Lochem), Hartberto van Mocherte, die Gebrüder Wolphardo und Eremberto de Ettenon (Etten bei Varsseveld?), Meinrico van Reinre, Wensone van Vrollehorst (Velhorst), Gerboldo van Winburg, Mensone van Thrile, Ulboldo van Wiken (Winterswijk?) und Lubbert und Gozelo van Barchem.

Vogtei Corvey

Zu den Dienstlehen Ottos, „filius praefecti“ in Zutphen im 11. Jahrhundert als Untervogt des Klosters Corvey gehörten

  • 1.) die 2 Herrenhöfe Haselünne und Huntlosen. Zu Haselünne gehörten 4 Hörigenhöfe, 8 Kotten und die Kirche, zu Huntlosen gehörten 7 Hörigenhöfe, 4 nicht besetzte Höfe und die Kirche.
  • 2.) der Meyerhof in Lastrup. Zu ihm gehörten 23 besetzte und 4 nicht besetzte Höfe (mansen). Allein dieser Hof konnte mit einem Jahresertrag von 6 Pfund schwerer Münze rechnen.
  • 3.) ferner als Eigengut der Hof Aldrup.
  • Graf Otto von Zutphen war weiter im Besitz des Haupthofes Hollwege im Ammerland, zu dem 8 Mansenhöfe gehörten, welche zusammen jährlich 30 Laken lieferten.
  • Hier im Ammerland besaß er die herzoglichen Vogteirechte, aber nicht die Corveyer. Alles Zusammen ergab dieser Besitz im Ems- und Ammerland einen Ertrag von 12 Pfund schwerer Münze.

Begräbnis

Nach dem Tod Ottos von Zutphen im Jahr 1113 wird er St. Walburgiskirche beigesetzt, ebenso seine in 1118 verstorbene letzte Ehefrau Judith.

Kinder Ottos von Zutphen waren

  • Adelheid, Tochter erster Ehe, verheiratet mit Herman III. von Calvelage zu Ravensberg (1128, +1041)
    • Aus der zweiten Ehe stammen die 4 Kinder
      • Heinrich (der Ältere, Graf von Zutphen, 1113-1118)
      • Gerhard († nach 1134)
      • Diederich (II), Bischof von Münster (1118-1127)
      • Irmgard heiratet um 1117 Gerhard II. von Geldern. Zu ihrem Erbteil gehören wohl unter anderem die Vogteien über die Bistümer Münster und Osnabrück.
      • (?) Judith

Heinrich Graf von Zutphen, 1113-1118

Heinrich von Zutphen, der Ältere, erhielt bei der Güterteilung 1107 zwei Grafschaften in Ostfriesland als erbliches Lehen im Tausch gegen Alzey bei Worms im Wonnegau. Da dies Reichslehen waren, belehnt Kaiser Heinrich V. Heinrich den älteren, Graf von Zutphen, mit einigen friesischen Grafschaften, in deren Genuss er wegen der Streitigkeiten und des frühen Todes aber nicht kommt.

Im Jahre 1058 war nämlich Bernhard II. als Herzog von Sachsen und Graf zu Oestringen gemeinsam mit EB Adalbert von Bremen vergeblich gegen die Friesen seiner Grafschaft ausgezogen, um rückständige Zinsen einzutreiben. Selbst Kaiser Heinrich dem V. (1098-1125) gelang es nicht, verweigerte Zinsen bei den ihm abgabepflichtigen Friesen einzutreiben. Von daher hatte er den Tausch betrieben.

Sein Besitz reichte nun von Rees im Hettergau, über Zutphen, Lochem, Doesburg, Doentichem, Steenderen, Beek bis in das Land Rüstringen am Jadebusen. Diese verwaltete er bis zu seinem Tod gemeinsam mit Heinrich dem Fetten von Nordheim.

Da Heinrich Graf von Zutphen, Untervogt von Corvey, Herr zu Alzey, welcher mit Mathilde eine Tochter des Northeimer Grafen Kunos (Konrad) von Beichlingen und Winzenburg und dessen Frau, der Ww. Kunigunde (Tochter Ottos von Nordheim, Markgraf von Meißen –1062/1067-, Graf von Weimar und Orlamünde –1062/1067-, Herzog von Bayern –1061/70- geheiratet hatte, 1118 ohne Leibeserben starb, fiel im Erbverfahren diese Untervogtei der an Otto von Northeimer gekommenen Hauptvogtei zu Corvey an seinen Schwager Hermann III. von Calvelage oder Ravensberg.

Heinrichs Haupterbe mit der Grafschaft Zutphen fiel aber an seine Schwester Irmgard Gräfin von Zutphen und damit an Gerhard II. von Geldern.

Zutphen und Geldern

Irmgard heiratete zweimal, zunächst zwischen 1115 und 1117 Gerhard II. Graf von Geldern (+1134). Sie brachte ihm den Allodialbesitz der Grafschaft Zutphen mit in die Ehe, während die Grafschaft Geldern ein Reichslehen war. Ihnen wurde im Jahr 1117 zunächst der Sohn Heinrich (der Junge) geboren.

Nach dem Tod ihres Gatten Gerhard II. Graf von Geldern und Zutphen heiratet sie in zweiter Ehe 1134 Conrad II. von Luxemburg. Vorher hatte Sie die Grafschaft Zutphen dem erstgeborenen, aber minderjährigen Sohn Heinrich übergeben.

Geldern und Zutphen

6.12.1348 Reynout, Herzog von Geldern und Graf zu Zutphen, gelobt, Friedrich Herrn zu Moers, Gisebrecht Herrn von Bronchorst, Reynaut Herrn von Covorde, Friedrich Herrn von Baer, Diderich Herrn von Wische, Gheret van Aeswyn, Diderich van der Straten, Johan van Homoet, Johan van Wye, Johan van der Kemenade und Udo van Mekeren aus ihren Ämtern als Räte und Rentmeister nicht zu entsetzen, bevor er ihnen alle Schäden erstattet habe. Mitsiegler: Alaert van Driel und Diederich Lent

  • Quelle: Urkunde Staatsarchiv Münster, Bestand Haus Wohnung

Erbverlauf

Geldern und Zutphen kamen 1371 an die Grafen von Jülich, 1423 an die von Egmond und im Gelderschen Erbfolgestreit von 1538-43 an die Habsburger. Innerhalb der spanischen Niederlande wurde das Gebiet 1591 von der Republik Niederlande erobert.

Burgundischer Reichskreis

Bis zu diesem Zeitpunkt gehörte die Grafschaft Zutphen zum Burgundischer Reichskreis. Im Jahre 1579 lösten sich die sieben Provinzen, die spätere Republik der vereinigten Niederlande, vom Reich ab.

Bannerherrschaften

Zu Zutphen gehörten 4 Bannerherrschaften nämlich die der Familien von Baar / Bahr (bei Doesburg an der IJssel, zwischen Arnheim und Zutphen), von Bergh (`s – Heerenberg), von Bronkhorst (bei Brummen an der IJssel) und von Wisch (an der alten IJssel bei Terborg). Die älteste Bannerherrschaft der Familie von Baar enstammte wahrscheinlich, wie die Grafen von Looz oder Laon / Loon, der Sippe der Ardennergrafen aus dem Hause Wigerichs, Pfalzgraf von Lothringen.

Die Edelherren (vir nobilis) „de Monte“ oder aufm / vom Bergh stehen als Erbvögte von Zutphen in der Erbfolge der Gründer. Sie hatten erheblichen Besitz im Hettergau und um Kleve. Mit einem Teil der Burg Holte bei Dinslaken, Beeck bei Gladbeck, Hünxe, dem Braamgau mit Raesfeld und in den Niederlanden hatten die „de Monte“ oder von Bergh zu S`Heerenberg in Zutphen, einen umfänglichen Besitz.


Herrschaften und Häuser in der Grafschaft Zutphen (Niederlande)

Aeswijn | Baar | Bergh | Borculo | Bredevoort | Bronkhorst | Hackfort | Heekeren | Honnepel | Keppel | Lathum | Schuilenburg | Wesenthorst | Wisch |


Gregorianischer Kalender

Als offizielle Grundlage der Zeitrechnung wurde der Gregorianische Kalender im Gelderland und der Grafschaft Zutphen im Jahre 1700 eingeführt. Mittlerweile war die Zeitverschiebung zwischen Julianischem und Gregorianischem Kalender auf etwas mehr als elf Tage angewachsen. Durch diese Anpassung verschwanden elf Tage aus der Zeitrechnung, hier die Zeit vom 30.06./12.07.1700.

Bibliografie

  • Kries, W. de. De opkomst van Zutphen, Arnheim 1960;
  • Doornink-Hoogenrad, M., Kleine Historie von Zutphen, Zutphen 1962.
  • Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder, die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München 1999.
  • Wissenschaftlich-historische Zeitschrift: Bijdragen en Mededelingen Gelre (1898-heute)
  • Reicke, Siegfried, Der Hammersteinsche Ehehandel, in: Rheinische Vierteljahrsblätter, Jhg. 38, 1974, L. Röhrscheid Verlag Bonn

Internet

Private Informationsquellen- und Suchhilfeangebote

Auf der nachfolgenden Seite können sich private Heimat- Familienforscher eintragen, die zu diesem Thema Forschungen betreiben und/oder die bereit sind, anderen Heimat- und Familienforschern Informationen, Nachschau oder auch Scans bzw. Kopien passend zu diesem Thema anbieten. Nachfragen sind ausschliesslich an den entsprechenden Forscher zu richten.

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