Brieg - Stadt und Landkreis (1964)/Amtsbezirk Scheidelwitz mit Scheidelwitz, Neu Limburg u. Groß Döbern

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Amtsvorsteher: Bauer Rudolf Weiß, lebt in der Sowjetzone, Anschrift unbekannt

Scheidelwitz (Szydlowice)

Einwohner: 686
Kirchen: 1 evang.
Schulen: 1 evang.
Bürgermeister: Heinrich Munder, + 21.12.1945
Standesbeamter und Gemeindesekretär: Willi Raabe, Rückershausen, Post Oberndorf
Pfarrer: Pastor Alfred Dreilich, Herzogenrath/Aachen, Merksteiner Straße 18
Lehrer Werner Böhm, Albertshausen über Berleburg
Heimatortsvertrauensmann: Willi Raabe, s.o.

Scheidelwitz ist trotz seiner undeutschen Endung "witz" eine deutsche Gründung. Der alte Name Sidlowitz enthält den althochdeutschen Vornamen Sigilio. Er war als Familienname Seidel in der Brieger Gegend sehr verbreitet. Ein Karl Seidel besaß 1845 auch die Freischoltisei (Scholtisei = Schulzenamt, verbunden mit niederer Gerichtsbarkeit). Den Kern der Siedlung bildete der östliche Dorfteil mit dem Vorwerk und der Kirche.

Bei Gründung des Kreuzstiftes zu Breslau im Jahre 1288 schenkte Herzog Heinrich IV. dem Stift die Einkünfte von 25 kleinen Zinshufen in Scheidelwitz. Seit ungefähr 1378 war die Kirche selbständig. 1409 war Peter von Landeskron Grundherr, nach ihm noch verschiedene andere, bis es 1572 herzogliches Kammergut wurde.

Die Gemeinde hatte rein landwirtschaftlichen Charakter. Neben kleineren landwirtschaftlichen Betrieben waren drei größere von 45, 33 und 30 ha vorhanden. Zum Zeitpunkt der Vertreibung waren ein Gemischtwarengeschäft, zwei Bäckereien, zwei Fleischereien, eine Tischlerei, eine Schuhmacherwerkstatt und drei Gastwirtschaften vorhanden.

Ein Großteil der Scheidelwitzer ist in der Gegend von Berleburg nach der Vertreibung wieder ansässig geworden. Der Heimatortsvertrauensmann hat eine sehr ausführliche Einwohnerliste des Dorfes aufgestellt. Sie befindet sich nebst einem Dorfplan mit den einzelnen Gehöften in der Betreuungsstelle Brieg. Aus der vorerwähnten Einwohnerliste ist auch ersichtlich, daß die Gemeinde 63 Gefallene und Vermißte durch die Ereignisse des zweiten Weltkrieges zu beklagen hat. In dieser Zahl sind auch die durch die Vertreibungsmaßnahmen Verstorbenen inbegriffen.

Groß Döbern (Dobrzyn)

Einwohner: 886
Kirchen: -
Schulen: 1 evang.
Bürgermeister: Karl Weinert, Rheda/Wiedenbrück
Lehrer: Hauptlehrer Seliger, + 1952 Avenwedde
Heimatortvertrauensmann. Karl Weinert, s.o.

Der alte Ortsname Dobrin soll ein Grenzortname sein. Tatsächlich verlief auch noch unter Herzog Boleslaus (1311 - 1352) die Distriktsgrenze nur eine Meile nördlich der Oder. Ganz in der Nähe lag auch die Grenzburg Ottag, die an der Stelle des späteren Altschloß zu suchen ist. Döbern stammt aus vordeutscher Zeit. Darauf deutet auch der Honigzins hin, zu dem die Bewohner verpflichtet waren. Das Dorf hatte deutsches Recht und auch private Grundherrschaft. 1330 war Gunter von Blankenburg Grundherr und ihm folgten noch eine ganze Reihe anderer Grundherren, bis es 1675 herzogliches Kammergut wurde. 1783 zählte man 18 Bauern. 1945 gab es noch eine Freischoltisei. Hierzu gehören Klein Döbern und Smortave. Den rein landwirtschaftlichen Charakter hat die Gemeinde auch bis zur Vertreibung beibehalten.

Neu Limburg (Blota)

Einwohner: 528
Kirchen: -
Schulen: 1 evang.
Bürgermeister: Martin Kosok, Anschrift bei Betreuungsstelle Brieg erfragen
Standesbeamter: Willi Raabe, s. Scheidelwitz
Pfarrer: Pastor Dreichlich, Scheidelwitz
Lehrer: Gerhard (vermißt) und Frl. Schwertner
Heimatortvertrauensmann: Willi Peuker, Iserlohn, Tannenweg 28

Die nachfolgenden Hinweise zu Neu Limburg wurden aus dem Buch "Neu Limburg - Die drei schicksalhaften Wege" von Reinhard Frohne entnommen.

Neu Limburg liegt dicht unter dem 51-ten nördlichen Breitengrad und damit auf dem gleichen Breitengrad wie Köln am Rhein. Bei einer Höhe von 130 m über dem Meeresspiegel, liegt der Ort 1 m unter dem Normalwasserstand der Oder bei Linden. Die Oder ist in süd-westlicher Richtung ca. 8 km vom Ort entfernt. Das Gelände ist flach, von Laubwald im Süd-Westen und Westen (Oderwald) und im Norden und Nord-Osten von Nadelwald (Heidewald) umgeben. Durch die Höhenlage ist die Ortschaft hochwassergefährdet und in der Vergangenheit auch mehrfach überschwemmt worden. So ereigneten sich 1829, 1830, 1831 und 1834 schwere Überschwemmungen. Die Überschwemmungen nehmen erst mit dem Bau von Polderdämmen, Pumpstationen und Entflutungsgräben in den Jahren 1930-1934 ab.

Neu Limburg wurde 1771 als reine Bauernsiedlung gegründet. Die zur Verfügung gestellte Ackerfläche von zunächst ca. 300 Hektar reichte aus, um 30 Hofstellen zu errichten. Die Kolonie Neu Limburg geht auf das Grafengeschlecht derer von-Limpurg-Speckfeld in Franken zurück. Die Mehrzahl der Siedler kamen auch aus Franken aus dem Gebiet um Markt Einersheim.

Neu Limburg ist ein Straßendorf mit dem Ortsteil Altschloß und dem kleinen Rittergut Liednitz. Der Ortsteil Altschloß ist wesentlich älter als Neu Limburg. Hier befand sich eine vorgeschichtliche Befestigungsanlage. 1771 wurde Altschloß der friderizianischen Kolonie Neu Limburg zugeschlagen. Neu Limburg gehörte zum Amtsbezirk Scheidelwitz (3,5 km). Die Kreisstadt Brieg ist 10 km und die Regierungsbezirksstadt Breslau 35 km entfernt. Die Nachbargemeinden Großdöbern (1075 Einwohner) und Peisterwitz (3052 Einwohner) liegen 2 bzw. 4 km von Neu Limburg entfernt. Die Poststation ist Groß Leubusch.

Diese Seite enthält Text des Buches »Brieg - Stadt und Landkreis«, herausgegeben von der Stadt Goslar zum 10. Treffen der Brieger in Goslar im September 1964. Abgeschrieben von Hermann Hosp aus D-54516 Wittlich in Rheinland-Pfalz. Überarbeitet und umgesetzt in HTML-Code durch Dr.-Ing. Frank Knorr aus D-03185 Teichland, OT Maust in Brandenburg.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Stadt Goslar vom 8. Mai 2001.
Früher war dieser Text auf der alten Regionalseite www.genealogy.net/reg/SCI/Brieg/st-kr/scheidelw.html zu finden.
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