Brieg - Stadt und Landkreis (1964)/Amtsbezirk Schönfeld mit Schönfeld, Pampitz u. Konradswaldau

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Amtsvorsteher: Bauer Tillmann Nitsche in Schönfeld, + 11.7.1945 in Ergoldsbach

Schönfeld (Oborki)

Einwohner: 437
Kirchen: 1 evang.
Schulen: 1 evang.
Bürgermeister: Tillmann Nitsche, + 1945
Lehrer: Waldemar Lode, + 1961 in Schlüte bei Berne/Oldenburg
Willi Piontek, Schweikers, Krs. Döbeln/Sa.
Heimatortsvertrauensmann: Max Göbel, Langenhettenbach/Ndb.

Das Dorf ist eine deutsche Gründung mit einer Kirche. Grundherren waren die Ritter Pogarell, die hier ein Vorwerk besaßen; seit 1396 der Huczco oder Hautschke, dann Nikolaus Pückler, 1491 das Hedwigsstift zu Brieg. 1698 ging es in das Eigentum der Stadt Brieg über.

Das Rittergut in Größe von 77 ha war seit 1824 im Besitz der Familie von Müller, jetzt Darmstadt, Rossdörfer Straße 72. Die Erbscholtisei in Größe von 63 ha war im Besitz des Tillmann Nitsche. Außerdem waren noch 6 größere Betriebe zwischen 20 und 30 ha vorhanden.

Als 1944 die Fronten zusammenbrachen, mußte auch die Gemeinde Schönfeld sich auf die Flucht begeben. Am 23.Januar 1945 setzte sich mit Pferd und Wagen in Marsch. Es ging über Strehlen, Schweidnitz nach Hirschberg. Von dort aus ging es dann weiter über Friedland, Reichenberg, Komotau, Eger bis nach Egolsbach in Bayern, wo ein Teil der Gemeinde am 20. März 1945 mit 50 Pferden und 138 Personen eintraf. Ein Teil der Dorfbewohner mußte infolge Krankheit im Sudetenland zurückbleiben. Sie kamen dann nach Sachsen. Die in ihre alte Heimat zurückgekehrten wurden 1947 ausgewiesen und kamen in die Nähe von Riesa und Gotha in Thüringen. Das Kriegerdenkmal wurde 1946 von den Polen zerstört, desgleichen viele Gedenksteine auf dem Friedhof. Unter polnischer Besatzung starben in Schönfeld Lehrer Robert Seidel, Gottlieb Bartnick, Julius Nitsche, Arthur Göbel mit Frau und Tochter Wally, Martha Göbel und Bäcker Borghardt.

Pampitz (Pepice)

Einwohner: 566
Kirchen: 1 evang.
Schulen: 1 evang.
Bürgermeister: Georg Kache, + Januar 1945 in Rheda/Westf.
Pfarrer: Pfarrvikar K. Grieger, Schlamersdorf/Bad Segeberg
Lehrer: Georg Greschuna, + 5.2.1957 in Stade/Elbe
Ernst Kiunke, Malente-Gremsmühlen, Janusallee 12
Heimatortsvertrauensmann: Kurt Kache, Rheda/Westf., Gütersloher Straße 2

Pampitz stammt aus vordeutscher Zeit, wie der Ortsname Pampitz bzw. Pamrbowitz zeigt. Der nordöstliche Teil des Dorfes jenseits des kleinen Baches hatte ursprünglich einen eigenen Namen und hieß Neu-Dorf. Eine Kirche hatte es von Anfang an; 1335 wird erstmalig ein Pfarrer erwähnt. Das Patronat übten 1330 die Herren von Riesen aus, die die Grundherrschaft besaßen. Im Jahre 1388 erwarb das Domkapitel des Hedwigsstiftes zu Brieg das Dorf in mehreren Anteilen. In dem Grunde auf Mollwitz zu ließ es 1469 eine Wassermühle anlegen und 1470 einen Fischteich. Das Dorf trug einen rein bäuerlichen Charakter.

Die Erbscholtisei in Größe von 74 ha war im Besitz des Josef Thomanek. Daneben waren noch 10 weitere Betriebe in den Größenordnungen von 22 - 74 ha vorhanden.

Konradswaldau (Przylesie)

Einwohner: 981 Kirchen: 1 evang. Schulen: 1 evang. Bürgermeister: Georg Stephan, Rheda-Wiedenbrück, Jödemannstraße 21; +3.9.1991 Standesbeamter: Max Maiwald, Radekow, Kreis Angermünde Pfarrer: Alfred Hippe, + 20.1.1955 in Hildesheim Lehrer: Hauptlehrer und Kantor Martin Wegner, Frankfurt-Borheim, Freihofstr. 12 Jörgeler, näheres nicht bekannt. Hildegard Leuchtmann, Nossen/Sa., Waldheimer Str. 17 Heimatortsvertrauensmann: s.o.

Das Dorf ist nach Herzog Konrad benannt und von ihm gegründet. Als Grundherren des halben Dorfes sind 1342 Konrad von Falkenhain und Mathias von Mühlheim benannt und 1364 Merboth von Haugwitz als Mitbesitzer. 1378 wurde das Hedwigsstift zu Brieg Grundherr, nach der Reformation das Stiftsamt. Die Kirche war dem heiligen Nikolaus geweiht.

Die Erbscholtisei mit 66 ha war im Besitz des Max Schmidtlein. Etwas größer war der Besitz des Otto Gierberg. Daneben waren noch 12 weitere Betriebe mit Flächengrößen zwischen 25 und 35 ha.

Von dem letzten Bürgermeister und Heimatortsvertrauensmann ist eine ausführliche Einwohnerliste und eine Liste der Gefallenen und Vermissten des II. Weltkrieges aufgestellt worden. Hiernach hat die Gemeinde folgende Opfer zu beklagen:

51 Gefallene
34 Vermisste
6 bei der Einnahme des Dorfes ermordete und umgekommene Zivilisten
5 vermisste Zivilpersonen
19 auf dem Treck verstorbene
41 nach dem Zusammenbruch an den Folgen des Hungers usw. Verstorbene
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156 Gesamtverlust

Das Dorf musste beim Herannahen der russischen Front am 24. Januar 1945 gegen 16 Uhr ganz plötzlich geräumt werden. Zurückgeblieben waren nur 16 ältere Personen, von denen 4 von den Russen ermordet wurden und 4 spurlos verschwunden sind. Nach vorübergehender Rückkehr in die Heimat konnten noch einige bei den Kämpfen um Konradswaldau gefallene Volkssturmmänner identifiziert werden.

Das einzige im Kreise Brieg vorhandene Kreisaltersheim befand sich in Konradswaldau. Die Belegungsstärke bewegte sich zwischen 25 - 35 Personen. Im Jahre 1943 wurde das Kreisaltersheim von der Wehrmacht beschlagnahmt. Es diente dem Fliegerhorst Hermsdorf als Luftwaffenlazarett. Während der Kampfhandlungen ist die Gebäudefront durch mehrere Artillerietreffer stark in Mitleidenschaft gezogen worden, obwohl das Lazarett als solches weithin erkennbar war. Ein Teil der Insassen ist in andere Heime umgesiedelt worden, etwa 20 Insassen einschließlich Pflegepersonal wurden in die Försterei Hochwald eingewiesen. Sie verblieben dort bis zur Vertreibung.

Auf der Flucht konnten 10 Insassen und das Pflegepersonal mitgenommen werden. Im Kreis Strehlen sind sie von Wehrmachtsfahrzeugen übernommen worden und in andere Heime gebracht worden. Ihr näherer Verbleib konnte nicht mehr ermittelt werden.

Letzte Leiterin des Heimes war Schwester Elisabeth Heilmann. Sie ist am 25.5.1956 in Lohsa, Kreis Hoyerswerda, verstorben. Die Gemeindeschwester Elsbeth Friedrich hat das Vertreibungsschicksal mit Schwester Heilmann geteilt. Sie wohnt noch in Lohsa. Beide waren seit 1923 in Konradswaldau tätig. Ermittelt werden konnten auch noch die Anschrift der langjährigen Hausangestellten Martha Maiwald. Sie wohnt jetzt in Damitzow, Kreis Angermünde.

Diese Seite enthält Text des Buches »Brieg - Stadt und Landkreis«, herausgegeben von der Stadt Goslar zum 10. Treffen der Brieger in Goslar im September 1964. Abgeschrieben von Hermann Hosp aus D-54516 Wittlich in Rheinland-Pfalz. Überarbeitet und umgesetzt in HTML-Code durch Dr.-Ing. Frank Knorr aus D-03185 Teichland, OT Maust in Brandenburg.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Stadt Goslar vom 8. Mai 2001.
Früher war dieser Text auf der alten Regionalseite www.genealogy.net/reg/SCI/Brieg/st-kr/ zu finden.
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