Viersen, Dülken, Süchteln/Adressbuch 1950/Einleitung zum alphabetischen Einwohnerverzeichnis von Süchteln

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Viersen, Dülken, Süchteln/Adressbuch 1950
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Süchteln

„Stadt im Grünen"

Am Rande der waldreichen Süchteiner Höhen, in landschaftlich schöner Lage, mit reiz¬vollem Niersbruch, im Mittelpunkt des Landkreises Kempen - Krefeld (15 km westlich Krefeld und 9 km nördlich M.Gladbach) liegt Süchteln, ein freundliches, sauberes Städtchen, mit etwa 14 000 Einwohnern.

Mit den Nachbarstädten Viersen und Dülken, ferner mit der Stadt M.Gladbach ist Süch¬teln durch eine Straßenbahnlinie der Vien-Städte-Bahn verbunden. Der Verkehr mit der Stadt Krefeld ist durch die Krefelder Eisenbahn und durch Omnibuslinien, letztere auch in das Hinterland bis zur holländischen Grenze führend, erschlossen.

Die landschaftlich schöne Lage hat Süchteln, auch „Stadt im Grünen" genannt, zu einer gern besuchten Ausflugs- und Fremdenverkehrsstadt gemacht, dessen freundliche Gast¬stätten, gepflegte Park- und Grünanlagen und grüne urd würzig duftende Wälder Erho¬lung und Ausspannung spenden. Die Wanderwege der Süchteiner Höhen, insbesondere im südlichen Teil, sind mit Wegweisern ausreichend versehen, sodaß der Wanderer sich hier ohne weiteres zurechtfinden kann. Die beliebtesten Wanderungen gehen an der Kaiser¬mühle vorbei zum Bismarckturm (2,6 km), dar eine überraschend schöne Aussicht bietet. Von hier aus führen verschiedene Wege über die Höhen und an ihrem Rande entlang nordwärts. Zu den Ausflugszielen gehört vor allem die der Verehrung der hl. Irmgardis gewidmete, lindenumrauschte Kapelle auf dem Heiligenberg (5,3 km), auf dem die Heilige manche Jahre glücklicher Weltabgeschiedenheit verbrachte und Werke tätiger Nächsten¬liebe an ihren kranken und hilfsbedürftigen Mitmenschen verrichtete. Die Kapelle, schon 1498 erwähnt, wurde 1664 durch die jetzt noch vorhandene und 1884 erneuerte Kapelle er¬setzt. Beachtenswerte Glasmalereien der Fenster zeigen die Wappen der verschiedenen Stifter. Einen Teil der Reliquien der hl. Irmgardis besitzt die Süchteiner Pfarrkirche St. Clemens. Ferner sind auf den Süchteiner Höhen noch die im waldumspannten Oval liegende Waldkampfbahn, die Jugendherberge (z. Zt. mit Flüchtlingen belegt), das Kinderwalderholungsheim und der hohe Turmbau des Kreiskriegerdenkmals, der bei klarem Wetter eine Aussicht bis zum Rhein ermöglicht, als Ausflugsziele beliebt. Weiter reihen sich im Waldgebiet der Süchteiner Höhen die Verwaltungsgebäude und Krankenhäuser der Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Johannistal sowie der Orthopädischen Landeskinderklinik ein. Am Fuße des Höhenzuges liegt das geräumige Pensionat St. Irmgardis, das die Städtische Knaben- und Mädchen-Mittelschule, sowie einen Teil der Zweck¬verbandsberufsschule Viersen-Dülken-Süchteln beherbergt. Das Pensionat, aber auch die Stadt selbst, sind als Ruhesitz von Rentnern und Pensionären besonders beliebt. Ein Heimatmuseum gibt Kunde von Tradition, Brauchtum, Gewerbefleiß usw. der Einwohner-schaft. Rege Bautätigkeit, inbesondere gefördert durch den Gemeinnützigen Bauverein eGmbH. Süchtejn, hat in den letzten 20 Jahren im Nordosten der Stadt einen neuen Stadtteil mit reizvollen Wohnanlagen erstehen lassen.

Geschichte
Die ältesten Nachrichten über Süchteln stammen aus dem 12. Jahrhundert, wo Süchteln in die Grundherrschaft der Kölner Benediktiner Abtei St. Panta-leon überging. 1323 vererbte sich die Herrschaft und die allmählich daraus hervorgegan¬gene Landeshoheit über Süchteln an die Markgrafen, die späteren Herzöge von Julien und Kurfürsten von Jüllch-Kleve. 1461 kam Süchteln zur Grafschaft Moers und 1494 wieder zum Herzogtum Jüllch zurück. Die Geschichte der Stadt Süchteln erzählt von der Ver¬leihung der Stadtrechte an die befestigte Stadt um 15S8, von dem Raubzug der Pikarden Karls des Kühnen im Jahre 1473, von der Plünderung der Stadt durch die Egmont'schen Söldner 1495, ihrer Erstürmung durch spanische Reiter 1621, den Heimsuchungen, Kon¬tributionen und Bedrückungen durchziehender Truppen im 30-Jährigen Kriege 1618-1648, während der Eroberungszüge Ludwig XIV. und den Kämpfen französischer Revolutionstruppen.

In der ältesten Zelt waren die meisten Gehöfte oder wenigstens die einzelnen zur Stadt gehörigen Honschaften durch Gräben und Wallhecken gesichert. 1545 wurde die ganze SUchtelner Gemarkung mit einer Landwehr, einem Wi.ll und beiderseits einem Graben umgeben. Die engere Stadt wurde schon 1405 zu den befestigten Plätzen des Herzogtums Jüllch gezählt. Ein Wall mit zwei Gräben umschloß den Ort nach allen Seiten hin und war durch Mauern, Palisaden und Zäunen verstärkt. Weitere Schutzanlagen bildeten sogenannte Rondelle, runde von Pfeilern getragene Ausbauten der Wälle, die im Ver¬teidigungsfalle ein erfolgreiches Bestreichen des äußeren Grabens ermöglichten. In die Stadt hinein führten drei Tore.

Außerordentlich wechselvoll gestaltete sich, wie auch bereits bemerkt, das Leben der Bürger dieser Stadt im Laufe der Jahrhunderte. Nach der französichen Herrschaft 1794 kam Süchteln 1815 mit dem Rheinlande durch den Wiener Kongreß zum Königreich Preußen. Seit Ende des 18. Jahrhunderts betrieb man in Süchteln die Samtweberei als Haus¬industrie, die die bisherige Leinenweberei ablöste. Aber auch- die Heimarbeit der Samtweber war nicht von Bestand. Bereits 1818 wurden in Süchteln 5 Fabriken zur Herstel¬lung von Samt und Seide betrieben, die die bisherigen Hausweber alsdann vor und nach zu Fabrikarbeitern werden ließen. Die derzeitige Hauptindustrie besteht in 4 Samt-und Möbelstoff Webereien, 2 Seidenwebereien, 1 Fälberei, 1 Textilwerk, 1 Webschützen-fabrik, 1 Pappen- und Papierfabrik, 1 Pektinwerk, 2 Gewebe- und Kunstlederfabriken, 1 Riemenwerk, 1 Schuhfabrik, 1 Streichgarn-Spinnerei, 1 Strumpfstrickerei und Formsändgruben.

Süchteln ist vom letzten Kriege, abgesehen von 2 durch Fliegerangriffe schwer beschädigten Industriebetrieben und einigen Wohnhäusern fast verschont geblieben.