Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte/3/248
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Verehrung des Gerson, dessen Schriften er nebst mehreren ähnlichen
Werken des Thomas von Kempen und Heinrich Suso in das
Niedersächsische übertrug. Zugleich fand er aber darin tiefe
Antipathie gegen Luther und die Reformatoren und heftigen Unwillen
gegen die Reformation, den er auch in satyrischen Gedichten
ausgesprochen hat. Er verurtheilte die Reformation völlig, weil er
sie als ein Zerstören und Niederreißen altehrwürdiger Einrichtungen
und Gebräuche betrachtete, und die Uneinigkeit unter den Bekennern
der neuen Lehre scharf geißelte. Ueber den theologischen Standpunkt
Naamanns fällt Lau ein sehr bestimmtes Urtheil und äußert darüber
sich unter Anderem folgendermaßen:
„Er vertheidigte zwar die Nothwendigkeit guter Werke zur Seligkeit, war aber doch ferne von eigentlicher Werkheiligkeit, erkannte in der Gnade Gottes und dem Verdienste Jesu Christi die einzige Ursache der Gerechtigkeit des Menschen vor Gott, und wies die Sterbenden nicht auf ihre eigenen und der Heiligen Verdienste hin, sondern empfahl ihnen, alle Hoffnung auf Jesu Leiden und Sterben zu setzen. Ascetische Uebungen hielt er zwar hoch, gab aber den inneren Tugenden den Vorzug und drang auf ein praktisch frommes Leben. Er verkannte auch nicht die Mißbräuche in seiner Kirche, wollte vor Allem Anerkennung der Heiligen Schrift, blieb aber bis an sein Ende ein heftiger Gegner Luthers und der Reformation“.
„Er wich also von Luther ab in der Auffassung des Glaubens und der guten Werke: den Glauben nahm er in katholischem Sinne, während Luther ihn im Paulinischen Sinne verstand, und unter den guten Werken verstand er den kindlichen Gehorsam gegen Gott, in dem sich das gläubige Gemüth äußern solle, während Luther bei seiner Polemik gegen die guten Werke dieselben in dem Sinne und in der ihnen zugeschriebenen Bedeutung in der katholischen Kirche vor Augen hatte. Daher kamen Beide zu ganz verschiedenen Resultaten, zumal da auch die Auffassung des Wesens der Kirche bei Beiden verschieden war, und Naamann die Beibehaltung mancher durch die Reformatoren aufgehobenen, durch ihr Alterthum ehrwürdigen Gebräuche und Einrichtungen in der Kirche zur Bethätigung eines frommen Lebens für nöthig hielt. Denken wir nun daran, daß auch manchen Anhängern Luthers das eigentliche Wesen des evangelischen Glaubens ein Mysterium blieb, und die theologischen
