Landwehr (Wehranlage)

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Disambiguation notice Landwehr ist ein mehrfach besetzter Begriff. Zu weiteren Bedeutungen siehe unter Landwehr (Begriff).

Landwehr (Wehranlage)

So friedlich wie heute lebte es sich im Mittelalter in den Kirchspielen, vor allen in der Nähe der Landesgrenzen, nicht. Die Liste feindlicher Übergriffe war lang: Viehdiebstahl, Überfälle und Vandalismus bedrohten Bauern und Bürger. Um sich zu schützen, organisierten die Einwohner von Kirchspielen den Bau kilometerlangen Befestigungsanlagen rund um die Kirchspielen.

Über jeweils Monate hinweg legten Nachbarschaften, Bauerschaften und Stadtviertel jeweils mit einfachstem Gerät, einen neuen Abschnitt an, um so die Landwehr nach und nach als wehrhaften Mantel aus Gräben und Wällen zu erstellen. Diese wurde mit dornigen Hecken bepflanzt und war so unüberwindlich. Die wenigen Durchlässe an den Hauptverkehrswegen (Poststraßen) waren mit Schlagbäumen abgesichert und ermöglichten eine Kontrolle darüber, wer sich der Stadt näherte.

Diese Landwehren waren also als Wehranlagen weiträumige Befestigungssysteme aus Wällen und Gräben, welche im Mittelalter angelegt wurden, um Territorien um Städte und Kirchspiele vor ungebetenen Besuchen zu schützen. Daher wurden sie längs der „Schnadsteine“ so zwischen Kirchdörfern und vor Städten angelegt, dass sich auch kommunale Gebiete von einander abgrenzten. Landwehren als Hauptgrenzen wurden als doppelte oder dreifache Wälle, die von Gräben flankiert waren, aber auch als Grenzen der Marken und Hauptgrenzen von Herrlichkeiten angelegt. Die Wehranlagen bestanden aus aufgeworfenen Gräben, deren Aufschüttung mit jungem Hölzern (Wallhecken) beleget wurden, wobei das Holz geknickt, gebogen und miteinander verflochten wurde, dass es ineinander wuchs. Hinzu kamen dann die sogenannte Dörner, so beispielsweise Weißdorn, Brombeere und Schlehe. So angelegt konnten weder Menschen noch Vieh ohne Gewalt und entsprechende Geräusche das Dickicht überwinden oder durchdringen.

So sollten im Mittelalter diese Landwehren Städte, Kirchspiele, Dörfer oder Landstriche vor Feinden schützen. Wo sie Wege kreuzten, waren sie mit Schlagbäumen, bisweilen auch mit sogenannten Warttürmen (Soest) oder Vorwerken ausgestattet, welche von Schlagbäumern oder Wartmännern bewacht wurden.

Nach und nach auswachsende Gehölze wurden als Feuerholz genutzt, während die Jagdrechte der von Tieren als als Rückzugsgebiet genutze Landwehr an jagdberechtigte Personen vergeben wurde. Mit dem Verfall der Landwehren wurden deren Grundflächen zunehmend von der Landwirtschaft eingezogen.

Noch heute sind Reste von Landwehren sichtbar

Die Stadt Rinteln hatte z.B. seit der 1. Hälfte 15. Jhdts. ihre Landwehr mit 3 verschließbare Schlagbäumen und durch Warttürme gesicherte Durchlässe im Nordwesten, Südwesten und Süden gesichert.

Um die Stadt Lüneburg zog sich eine Landwehr, westlich der Ilmenau in 3-4 km Entfernung um 1400, östlich des Flusses in 6-10 km Entfernung 1480 angelegt, als bewachsene Wall-Graben-Anlage mit Einbeziehung von Wasserläufen und Sumpfgebieten (Bannbereich?).

Sobald sich feindliches Volk oder feindliche Reiter näherten, schlugen diese mit akustischen oder visuellen Signalen wie Glocken, Hörnern, Bannern oder Feuerkörben Alarm und warnten so die Bevölkerung.

An dem „Schlagheck“ endete das Dorf, die Bauerschaft oder Mark. Der Schlagbaum war das Tor oder mundartlich das „Heck“ (ndd.) zur Außenwelt des Ortes. Abends wurde das Heck geschlossen und über Tag von Durchreisenden der Wegzoll der zuständigen Herrlichkeit, der Stadt oder des Landesherrn kassiert.

In den Kirchspielen gab es Führer, welche darauf zu achten hatten, das unbräuchliche Wege in der Landwehr unbrauchbar gemacht wurden und nur der Zugang über Schlagbäume möglich war, auf deren Beobachtung und Renovierung der Führer des lokalen Kirchspiels noch im 17. Lahrhundert zu achten hatte.

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