Landkreis Beuthen/Adressbuch 1880

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Info
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Landkreis Beuthen/Adressbuch 1880

Inhaltsverzeichnis

Bibliografische Angaben

Titel: Adressbuch der Stadt Beuthen O.S. und der ländlichen Ortschaften des Kreises Beuthen
Untertitel: 2. Jg 1880
Autor / Hrsg.: Laube, Robert. Hrsg.
Erscheinungsort: Beuthen
Erscheinungsjahr: 1880
Standort(e): Universitätsbibliothek Breslau, Signatur: 28181 III (Präsenzbestand)
Schlesische Bibliothek Kattowitz, Signatur: SLM II 140802 (Präsenzbestand)
Martin-Opitz-Bibliothek, Signatur: Mfm 377
freie Standort(e) online: Digitalisat der Schlesischen Digitalen Bibliothek
Enthaltene Orte: Beuthen

Weitere Informationen

Es handelt sich hierbei eigentlich nur um ein Einwohnerverzeichnis der Stadtgemeinde Beuthen von 1880 nebst zwei ausführlichen "Geschäfts-Handbüchern" über Stadt und Kreis. Denn im 3. Teil "Kreis Beuthen" sind keine Einwohner, sondern nur Behörden, Geschäftstreibende und Handelsfirmen vom Verfasser notiert worden.

Erfassung im Rahmen des Projekt Adressbücher

Kontakt: some mail
Datenbankabfrage: Adressbuch 437
Bearbeitungsstand: A bis Z sind online (2012-08-02)
Bearbeiter: Eva-Maria Gawlik-Sutter OTRS-Ticket 2012032310000017 (lesbar nur für OTRS-Betreuer)


Vorwort des Herausgebers Robert Laube, Stadtsecretaire

„Schon bei dem Erscheinen des im Jahre 1876 von mir aufgestellten Wohnungsanzeigers der Stadt Beuthen wurde Seitens hiesiger wie auswärtiger Gewerbetreibenden der Wunsch ausgesprochen: es möchten die ländlichen Ortschaften des Kreises, in welchen eine unverhältnißmäßig große Zahl von Geschäftsleuten und Beamten domiciliere, für die Folge berücksichtigt werden. Diesem Wunsche nachzukommen habe ich mich bei Aufstellung des vorliegenden Adreßbuches bemüht. Dasselbe weist die sämmtlichen Polizei-, Gemeinde-, Guts- , Berg-, Hütten-, Eisenbahn- und Post-Beamte der Ortschaften des Kreises Beuthen und die in demselben wohnenden Geschäftstreibenden unter Angabe der Firmen nach und dürfte so dem geäußerten Bedürfniß entsprechen. (…)

Beuthen O/S., den 10. December 1879“

Inhaltsangabe des „Adressbuch der Stadt Beuthen O.-S. und der ländlichen Ortschaften des Kreises Beuthen“

(Verfasserin: Eva-Maria Gawlik-Sutter)

Der erste Teil der Publikation besteht aus zwei Abschnitten: erstens das hier online veröffentlichte alphabetische Einwohnerverzeichnis der Stadtgemeinde Beuthen O.-S., einschließlich der Stadtbezirke Städt. Dombrowa, Städt. Scharley, Städt. Karf und Theresiengrube (S. 1-48) und zweitens ein nach Straßen geordnetes Häuserverzeichnis mit den Namen der Hausbewohner (neue Zählung S. 1-33).

Der zweite Teil, das sog. „Geschäfts-Handbuch“, gibt Aufschluß über die staatlichen und kommunalen Organe der Stadtgemeinde Beuthen sowie über deren wirtschaftliche und gesellschaftliche Struktur (S. 35-81).

In sechs Abschnitten werden behandelt:

  1. alphabetisch geordnet die Straßen der 14 „Stadt-Bezirke“, deren Vorsteher, Schiedsmänner, die jeweils zuständigen „Armenärzte“ und „Polizei-Revier-Beamten“,
  2. ein „Nachweis der Behörden, ihrer Beamten, Amtslocale und Dienststunden, der öffentlichen und bemerkenswerthen Privat-Anstalten und Instituten, Kirchen, Lehr-Anstalten, öffentlichen Gebäude und Vereine“,
  3. eine mit „Verkehrswesen“ betitelte Übersicht der Marktstandgelder und Posttarife,
  4. ein Firmenverzeichnis von „in das Handels-Register eingetragenen Handelsfirmen und Genossenschaften, Actien- und Handels-Gesellschaften“,
  5. ein alphabetisch geordnetes Branchenbuch, und zwar „aller Geschäfts- und Gewerbetreibenden“,
  6. eine Gebührenauflistung mit der Überschrift „Stempel-Tarif“.

Im dritten Teil listet der Herausgeber die im Vorwort angekündigten Personendaten auf Kreisebene auf: Das „Geschäfts-Handbuch, die ländlichen Ortschaften des Kreises Beuthen umfassend“ besteht aus drei Abschnitten. Abschnitt A beinhaltet eine Übersicht über die Amtsbezirke des Kreises Beuthen und deren Ortschaften, Abschnitt B liefert die lokalen „Behörden, Beamten und Geschäftstreibenden“ und Abschnitt C das Firmenverzeichnis aller ins Handelsregister eingetragenen Handelsfirmen und Genossenschaften des Kreises.

Ein dezidiertes Adressbuch aller Einwohner der Landgemeinden liegt nicht vor.

Im Anschluß daran folgen Geschäftsinserate, das heißt der „Beuthener Anzeiger für Handel, Gewerbe und Industrie“ (I-IV, S. 1-68).

Dem Adreßbuch 1880 liegt ein „Plan von Beuthen O.-S.“ im Maßstab 1 : 10000 bei. Es handelt sich hierbei um eine „Lithographie von M. Immerwahr“, entworfen durch „Kloesel conc. Markscheider“, einem im Bergbauwesen tätigen Vermessungsfachmann.


Zu einzelnen Inhalten des „Geschäfts-Handbuches“ der Stadtgemeinde Beuthen:

Armenärzte
Dr. Schlesinger und Dr. Rawack
Banken
a. Oberschles. Bank für Handel und Industrie, Gleiwitzer Str. 20; b. Commandite des Schlesischen Bank-Vereins, Ring 11
Berg-Revier-Amt,
Bahnhofstr. 18
Begräbnisplätze, offene
zwei katholische an der Piekarerstr. 36 und bei St. Margareth für die Landgemeinde; ein evangelischer an der Miechowitzer Chaussee 2; ein jüdischer an der Piekarerstr. 37
Begräbnisplätze, geschlossene
ein katholischer bei der Trinitatiskirche (Tarnowitzerstr. 23), ein jüdischer, Kaiserstr. 8
Bibliotheken
a. Gymnasiallehrer-Bibliothek,
b. Gymnasial-Schüler-Bibliothek im städtischen Gymnasium,
c. Gewerbe-Vereins-Bibliothek,
d. Elementarlehrer-Bibliothek im evangelischen Elementar-Schulgebäude, Goystr. 14 (1876 gegr., 603 Bände), Benutzungsberechtigung auch für 45 Lehrer aus den ländlichen Ortschaften (Bibliothekstunden: Mittwoch und Sonnabend nachmittag 2-3 Uhr),
e. Elementarschüler-Bibliothek für sämmtliche städtische Schulen im Schulgebäude Nr. 1,
f. Krieger-Vereins-Bibliothek, Gleiwitzerstr. 31 (1875 gegr.),
g. Bürger-Vereins-Bibliothek
Kgl. Cataster-Amt,
Bahnhofstr. 18
Eichamt, städtisches
im städtischen Wasserhebewerk, Miechowitzer Chaussee 16
Eisenbahnen
Oberschlesische Eisenbahn, Station Beuthen
Betriebs-Inspection Beuthen (schmalspurige Eisenbahn), Langestr. 42
Rechte-Oder-Ufer-Eisenbahn mit Bauamt und Station
Garnison
Bezirks-Commando Beuthen (2. Bataillon 2. Oberschles. Landwehr-Regiments Nr. 23), Batallions-Bureau: Bahnhofstr. 18
Herbergen
1. Kath. Gesellen-Hospiz, St. Vincenzhaus, Schneiderstr. 3 (für alle Konfessionen)
2. Schuhmacher-Herberge, Gr. Blottnitzastr. 36
3. Schneidergesellen-Herberge, Krakauerstr. 34
Hospitäler
Krankenheil-Anstalten
A. Das Knappschafts-Lazareth, Bahnhofstr. 4
B. Das städtische Krankenhaus an der Breitestr. 1, ist seit dem Monat September 1876 eingerichtet. Krankenpflege durch 10 Schwestern vom Orden des heiligen Vincenz.
Hospitäler
Waisen-Anstalten
a. Städtisches an der Hospitalstr. 1 (besteht seit 1847, für Waisen und vorübergehend hilflose Kinder unter 14 Jahren)
b. Kreis-Waisenhaus (gegr. vom Verein zur Waisenpflege im Kreise Beuthen, eröffnet am 1.4.1877, für bis zu 50 Kinder, ohne Unterschied des Glaubens, mit Schulunterricht der Unter- und Mittelstufe)
Hospitäler
a. Städtisches Hospital, im Waisenanstalts-Gebäude, Hospitalstr. 1 (für 7 weibliche und 3 männliche Insassen)
b. Das Hospital zum heiligen Geist an der Krakauerstr. 30 (z. Z. unter staatl. Verwaltung, ist stiftungsmäßig für alte, schwache Bewohner der Beuthener Besitzungen des Herzogs Kasimir von Beuthen eingerichtet, nur 40 Stellen besetzt; Krankenpflege durch 8 Borromäerinnen)
Innungen
Bäcker, Fleischer, Schuhmacher, Innung der Schneider und Kürschner sowie Innung der Tischler, Stellmacher, Böttcher und Bürstenmacher

Kirchen- und Religions-Gesellschaften

I. Katholische Kirchen
  • a. Katholische Pfarrkirche (erbaut 1231 von Wladislaus, Erzbischof von Gran Strigonium in Ungarn), Pfarrstelle unbesetzt, Geistliche: Ober-Kaplan Bontzek, Kreis-Vikar Bronder und die Capläne Klein, Matern und Schirmeisen
    Beamte: Organist Leischner, Rendant Schwiese, Glöckner Widawski, Kirchendiener Stredzulla, Todtengräber und Friedhofsgärtner Przwdzing
    Kirchen-Vorstand: Sanitätsrath Dr. Heer, Vorsitzender; Lazareth-Inspector Bojak, Generaldirector Erbs, Rittergutsbesitzer Gemander, Landgerichts-Rath Grützner, landesherrl. Patronatsvertreter; Maurermeister Klehr, Schuhwaarenfabrikant Kohlsdorfer, Freigutsbesitzer Lampka, Seifenfabrikant Wermund
  • Gemeinde Vertretung
  • a. Hiesige: Adalbert Biersack, Lehrer; Dr. Bröckerhoff, Gymnasiallehrer; Franz Franiel, Kaufmann; Anton Galuschka, Hausbesitzer; Alexander Golly, Fleischerrmstr.; Johannes Kowollik, Maurermstr.; Lazarus Kuballa, Bäckermeister; Bernhard Letzel, Hausbesitzer; Adolf Manderle, Bürgermeister a. D.; Johannes Nowack, Hauptrendant; Heinrich Rappold, Handschuhmacher; Ignatz Schastok, Bauergutsbesitzer; Paul Schauder, Gerbermeister; Ignatz Schedon, Hausbesitzer und Schneidermeister; Adolf Skorka, Schneidermeister; Oscar Waeldner, Buchhdlr.; Theodor Zabrzeski, Hutfabrikant; Franz Zödler, Schlossermeister
  • b. Auswärtige: 12 Personen aus Roßberg, Mittel- und Ober-Lagiewnik, Schomberg, Orzegow und Dombrowa
  • b. Trinitatis-Kirche (erbaut 1716, 1878 abgetragen),
  • c. Heilige Geist-Capelle (erbaut 1721, Geistliche wie I.a.,
  • d. Kirche bei St. Margareth (Geistliche wie I.a.)
II. Evangelische Kirche
(erbaut im 15. Jh., umgebaut 1783 auf Kosten des Grafen Lazarus Henckel, seit 1836 im Besitz der ev. Gemeinde), Geistliche: Pastor Pasch, Vicar Renneberg
Beamte: Küster u. Rendant Kreckwitz, Organist Bürckner, Glöckner und Todtengräber Haun
Gemeinderath: Buchhalter Borrmann, Borsigwerk; Oberschichtmeister Gräfe, Florentinegrube; Berg´-Director Köhler, landesherrl. Patronatsvertreter; Berg-Inspector Kunitz, Scharley; Berg-Inspector Mauve, Zimmermeister Schweitzer; Thierarzt Schwannecke; Landrath v. Wittken;
Gemeinde-Vorsteher: Rector Arndt, Tischlermstr. C. Barth, Schuhmachermstr. Baron, Kfm. Baumann; Maschinen-Werkmstr. Berger, Uhrmchr. Both, Hütten-Director Braetsch, Borsigwerk; Obermeister Dabkewitsch, Borsigwerk; Maschinen-Werkmeister Dorff, Scharley; Glasermstr. Günther, Berg-Inspector Jendersie, Florentinegrube; Maschinen-Inspector Kinne, Zimmermeister Kramer, Bürgermeister Küper, Obersteiger Mücke für Paulusgrube, Bergverwalter Ostmann, Scharley; Marscheider Penkert, Roßberg; Kfm. Przikling, Maurermstr. Ritter, Rendant Schulz, Maschinen-Werkmeister Segnitz, Mariagrube; Steuer-Einnehmer Thiel, Oberst-Lieut. von Tiele-Winckler auf Miechowitz, Eisenbahn-Controleur Winkler
(III.) Jüdische Gemeinde (siehe: Synagogen-Gemeinde)
Synagoge 1869 eingeweiht. Alle jüdischen Einwohner der Stadt Beuthen incl. Städt. Dombrowa, Städt. Karf, Theresiengrube und Städt. Scharley, und der Ortschaften Roßberg, Bobrek, Karf, Miechowitz, Orzegow, Deutsch-Piekar, Rokittnitz, Schomberg, Scharley, gehören zum Beuthener Synagogen-Gemeinde-Verbande und sind Mitglieder der Gemeinde.
Rabbiner: Dr. Rosenthal, 1. Cantor: vacat., 2. Cantor: Davidsohn; Schächter: Weinstein und Berger; Synagogendiener: Wolff; Friedhofsbeamter:
Persikaner; Secretair: Schmey; Bureau und Sitzungslocal in der Synagoge.
Vorstand: Vorsitzender Dr. med. et phil. Rawack, Banquier M. Block, Kfm. Samson Eisner, Dr. med. Mannheimer, Brauereibes. Löbel Rechnitz, Rentier
Josef Richter; Stellvertreter: Kfm. Simon Nothmann und Kfm. Simon Guttmann.
Repräsentanten-Versammlung: Kfm. S. Badrian, Kfm. M. Gärtner, Kfm. J. Gerstel, Kfm. Em. Kornblum, Amtsrichter Levy, Commiss. Carl Pleßner, Kfm. H. Rahmer, Dr. med. Salo Richter, Kfm. B. Schall, Kfm. M. Schweitzer, Bankdirector A. Sorauer, Stadtrath Zirkowski. Stellvertreter: Grubenbes. E. Ritter, Kfm. Eugen Siegheim.
Die Armen-Commission ist aus dem Vorstande zusammengesetzt.
Kreis-Ausschuß und Landraths-Amt
Kreisverwaltungshaus, Langestr. 43; Vorsitzender: Kgl. Landrat von Wittken; 1. Kreis-Deputirter: Küper, Bürgermeister in Beuthen OS; 2. Kreis-Deputirter: Girndt, Bürgermeister in Königshütte
Landgericht Beuthen,
umfassend die Kreise Beuthen, Tarnowitz und Kattowitz. Demselben sind untergeordnet die Amtsgerichte Beuthen, Kattowitz, Königshütte, Myslowitz, Tarnowitz


Lehr-Anstalten

A. Städtisches Gymnasium
Gymnasialstr. 4; Collegium: Director Dr. Brüll; Oberlehrer: Dr. HEuer, Dr. Fiebig, Dr. Flöckner (kath.Religionslehrer), Dr. Francke; Ordentl. Lehrer: Dr. Bröckerhoff, Dr. Albrecht, Sckeide, Honika, Dr. Hahn, Freundt, Sprotte, Heinelt; Hilfslehrer: Jahn, Dr. Tägel; evang. Religionslehrer: Renneberg; jüd. Religionslehrer: Dr. Rosenthal; Technischer Lehrer: Lodahl; Pedell: Gawron
B. Städtische Elementarschulen
  • I. Katholische Knabenschule A., Langestr. 3; Rector: Kurtzbach, Lehrer: Hettwer, Biersack, Seichter, Dreitzel, Schiwy, Spira, Mende, Herold, Thiell, Gillar, Werner, Kopietz, Philippczyk, Pedell: Gollasch
  • II. Katholische Knabenschule B., Langestr. 3; Commissionarischer Hauptlehrer: Braxator; Lehrer: Flascha, Markefka, Zabka, Hergesell, Trtzka
  • III. Katholische Mädchenschule, Hospitalstr. 2; Commissarischer Hauptlehrer: Arndt II., Lehrerin: Jäniosch, Kopietz I., Kuschnia I., Nadbyl, Riedel, Schneider, Theinert, Tietze, Waeldner, Arndt III., Kuschnia II., Langer, Woas, Molke, v. Wimmer, v. Tluck, Hartwig, Bismar, Rupprecht, Müller; Industrielehrerin: Lonczyk, Jacob; Pedell: Jeziorowski
  • IV. Evangelische Schule, Goystr. 15; Rector: Arndt I.; Lehrer: Kreckwitz, Bürckner, Bandmann, Obst, Hoffmann, Korn; Lehrerin: Maiwald, Butz, Pedell: Haun
  • V. Jüdische Schule; Commissarischer Hauptlehrer: Cracauer; Lehrer: Perls, Rosenbaum I., Rosenbaum II., Brann, Freuthal; Pedell: Prochatzky
  • VI. Vorstadt-Schule, Städt. Dombrowa; Lehrer: Bumke, Mletzko, Juretzko; Industrielehrerin: Frau Bumke
C. Handwerker-Fortbildungsschule (gegr. 1876 für Lehrlinge, mit obligatorischem Charakter, seit dem 1. April 1878 vom Staate subventionirt; Unterricht nur im Wintersemester), Zahl der Schüler (Winter 1879)
1.28 Schüler der Analphabetenklasse, 2.124 Schüler der Unterstufe, 3.106 Schüler der Oberstufe, 4.46 Schüler Selecta; 5.75 Schüler der Zeichenschule; 16 Schüler des Cursus für Projectionslehre
D. Privatschulen
  • a. Simultane höhere Töchterschule, Bahnhofstr. 8, Vorsteherin: Johanna Rack; Lehrerin: Frl. Hulda Nack, Martha Brendel, Bertha Roland, Cäcilie Huld, Elise Schudybyl; Hilfslehrer: Frl. Emma Nack für Handarbeitsunterricht, Dr. Rosenthal für jüdischen Religionsunterricht, Lehrer Freuthal, hebräisch. Unterricht; Frl. Cäcilie Huld, Turnunterricht
  • b.Katholische höhere Töchterschule, Bahnhofstr. 26 (eröffnet am 1. Mai 1879); Vorsteherin: Frl. Marie Knapp; Lehrerinnen: Frl. Clara Knapp, Helene Knapp, Hedwig Habernoll; Hilfslehrer: Caplan Schirmeisen für kath. Religions-Unterricht, Frl. Meiwald für evang. Religions-Unterricht; Oberlehrer Dr. Fiebig für Physik und Chemie
Magistrat, Rathhaus
Ring 1; Collegium: 1. Bürgermeister Kpüer, Dirigent; 2. Bürgermeister Detlefsen, Beigeordneter; Stadträthe: Commerzien-Rath Dr. Friedländer, Privatbaumeister Jackisch, Weinkaufmann Sukatsch, Justiz-Rath Walter, Rentier Wohlfahrt, Hüttenbesitzer Zerkowski
Post-Amt, Kaiserliches
Gymnasialstr. 5a; Post-Director Gramsch
Sparkassen
  • a. Kreis-Sparkasse, Langestr. 43; Curatorium: Director Landrath v. Wittken, Commerzien-Rath Dr. Friedländer, Landgerichts-Rath Grützner; Beisitzer: Dr. Mannheimer, Justiz-Rath Walter (Stellvertreter)
  • b. Spar-Kasse des Vorschuß.Vereins, Dyngosstr. 3; Director: Stadtrath Wohlfahrt

Stadtbezirke Beuthens

1. Bezirk
(Friedrich-Wilhelms-Ring, Kirchstr. 1-7 und 17-19, Mauergasse 4-7, Ring, Schwibbogenstr.), Bezirksvorsteher: Brauereibesitzer Rechnitz, Stellvertreter: Kaufmann B. Spiegel; Schiedsmann: Apotheker Fuhrmann, Stellv.: Kaufmann Carl Rudzki
2. Bezirk (Dyngosstr. 22-41, Fleischerstr., Gleiwitzerstr., Kaiserstr., Langestr. 10-38, Schneiderstr., Wallgasse 4-17), Bezirksvorsteher
Klempnermeister Schitting sen., Stellv.: Hausbesitzer Letzel; Schiedsmann: Kaufmann Carl Rudzki, Stellv.: Apotheker Fuhrmann
3. Bezirk (Bahnhofstr., Bahnhof Oberschles., Bahnhof R.-O.-U.-Bahn, Gartenstr., Gerichtsstr., Gymnasialstr., Hohenzollernstr., Pilkermühle, Schaudermühle), Bezirksvorsteher
Maurermeister Heinze, Stellv.: Tapezier Julius Großmann; Schiedsmann: Maurermeister Kowollik, Stellv.: Kupferschmiedemstr. Köhl
4. Bezirk (Dyngosstr. 1-21 und 42-53, Goystr., Klosterplatz, Langestr. 1-9 u. 39-52, Wallgasse 1-3 und 18-23), Bezirksvorsteher
Schuhwaarenfabrikant Kohlsdorfer, Stellv.: Pfefferküchler Schneider; Schiedsmann: Kupferschmiedemeister Köhl, Stellv.: Maurermeister Kowollik
5. Bezirk (Hintergasse, Klosterstr., Klukowitzerstr., Krakauerstr. 1-11 und 31-44, Ritterstr.), Bezirksvorsteher
Kaufmann Nic. Jaworski, Stellv.: Grubenbesitzer E. Ritter; Schiedsmann: Stadtrath Sukatsch, Stellv.: Kaufmann Tschöpe
6. Bezirk (Krakauerstr. 12-30, Roßbergerstr., Siemianowitzer Chaussee, Tiefegasse), Bezirksvorsteher
Kaufmann Samson Eisner, Stellv.: Kaufmann Baruch Schall; Schiedsmann: Kaufmann Tschöpe, Stellv.: Stadtrath Sukatsch
7. Bezirk (Königshütter Chaussee, Neu-Beuthen), Bezirksvertreter
Obersteiger Reschka, Stellv.: Obersteiger Gasch; Schiedsmann: Kaufmann Tschöpe, Stellv.: Stadtrath Sukatsch
8. Bezirk (Große und Kleine Blottnitzastr., Feldstr., Theresiengrube), Kaufmann Wilhelm Wittner, Stellv.
Hausbesitzer Filitz; Schiedsmann: Grubenbesitzer Fiedler, Stellv.: Vecturanzunternehmer Jusczyk
9. Bezirk (Breitestr., Parallelstr., Piekarerstr., Neue Piekarerstr., Tarnowitzer Chaussee 1-3 und 19-25), Bezirksvorsteher
Kaufmann Baumann, Stellv.: Bureauvorsteher Cieslik; Schiedsmann: Grubenbesitzer Fiedler, Stell.: Vecturanzunternehmer Jusczyk
10. Bezirk (Bäckerstr., Braustr., Gräupnerstr., Hospitalstr., Kirchstr. 8-16, Mauergasse 1-3, Pfarrgasse, Poststr., Tarnowitzerstr.), Bezirksvorsteher
Schneidermeister Skorka, Stellv.: Seifenfabrikant Wermund; Schiedsmann außer Poststr.: Apotheker Fuhrmann, Stellv.: Kaufmann Carl Rudzki; Schiedsmann für Poststr.: Grubenbesitzer Fiedler, Stellv.: Vecturanzunternehmer Jusczyk
11. Bezirk (Kleinfeld, Miechowitzer Chaussee, Tarnowitzer Chaussee 4-18, Tarnowitzer Chaussee vor Dombrowa), Bezirksvorsteher
Steinmetzmeister Rosenthal, Stellv.: Zimmermeister Haase Schiedsmann: Vecturanzunternehmer Jusczyk; Stellv.: Grubenbesitzer Fiedler
12. Bezirk (Guretz-Colonie, Städt. Scharley), Bezirksvorsteher
Brauereibesitzer Klein, Stellv.: Bergverwalter Ostmann; Schiedsmann: Kaufmann Tschöpe, Stellv.: Stadtrath Sukatsch
13. Bezirk (Städt. Karf, Theresiengrube), Bezirksvorsteher
Berginspector Pietsch, Stellv.: Obersteiger Kaminski; Schiedsmann: Obersteiger Kaminski, Stellv.: Obersteiger Triebs
14. Bezirk (Städt. Dombrowa), Bezirksvorsteher
Obersteiger Triebs, Stellv.: Steiger Slaniowski; Schiedsmann: Obersteiger Triebs, Stellv.: Obersteiger Kaminski

Königliches Standesamt, z. Z. Stadthaus am Klosterplatz, Zimmer Nr. 4; Kgl. Standesbeamter: Erster Bürgermeister Küper

Zeitungen und Zeitschriften
a. Politische
Oberschlesische Grenz-Zeitung, täglich, Redacteur u. Verleger: Bornefeld; Klukowitzerstr., Roßberg

Beuthener Zeitung, wöchentlich 3 Mal, Redacteur u. Verleger: Kirsch; Langestr. 19, Kaiserstr.-Ecke Oberschlesische Neue Freie Presse, wöchentlich 3 Mal (Di, Do, Sa), Redacteur u. Verleger: Böttcher; Dyngosstr. 35a Gazeta Górnoszlaska, wöchentlich 2 Mal (Mi, Sa), Redacteur u. Verleger: Przyniczynski; Kaiserstr. 2

Zeitungen und Zeitschriften
b. Nichtpolitische
Beuthener Stadtblatt, wöchentlich 2 Mal (Mi., Sa), Redacteur u. Verleger: Wilhelm Förster; Gleiwitzerstr. 15

Beuthener Kreisblatt, wöchentlich 1 Mal, Redacteur u. Verleger: Kreus-Secretair Habler; Langestr. 43 Postep rolniczny (Organ des landwirthschaftlichen Vereins), wöchentlich 1 Mal (Mi.), Redacteur u. Verleger: Przyniczynski; Kaiserstr. 3


Zu einzelnen Straßennamen der Stadtgemeinde Beuthen

(Verfasserin: Eva-Maria Gawlik-Sutter)

Dyngosstr.
„Nach dem Räuberhauptmann Valentin Dyngos soll die Dyngosstrasse unserer Stadt ihren Namen führen. Der Vater Dyngos war Fuhrmann in der Gräflich Henckel von Donnersmark’schen Salzsiederei, die sich am Ende der Goistrasse, ungefähr dort, wo heute die Schindler’sche Brauerei steht, befand und den Namen Kochlowka führte. Dyngos machte schon als Knabe mit seinem Vater Reisen nach Galizien, um Steinsalz für die Siederei zu holen. Im Krakau stahl er einen wertvollen Schmuck. Dafür wurde er dort ins Gefängnis geworfen und nach Monaten mit einer gehörigen Tracht Prügel entlassen. Auch zu Hause verübte er einen Diebstahl nach dem anderen und wurde deshalb aus der Stadt verwiesen. Jahrelang trieb er sich in Polen, Deutschland und Frankreich umher. Mit grossen Reichtümern kehrte er zurück und siedelte sich in der Nähe der Stadt an. Seine Besitzung lag an der von ihm angelegten Strasse. Er trat als vornehmer Mann auf und verkehrte mit den Gutsbesitzern und Geistlichen der Umgegend. Niemand ahnte, dass er der Hauptmann einer wohlorganisierten Räuberbande wäre, welche die Stadt und Umgegend unsicher machte. Selbst die vier Bären, die Graf Henckel in einem Zwinger des Rathauses hielt, wurden vor die Tore der Stadt gebunden, um das Eindringen der Räuber zu verhindern. Endlich gelang es, Dyngos beim Verkauf von gestohlenen Kostbarkeiten in Oppeln seiner Taten zu überführen. Er wurde gebunden nach Beuthen gebracht und auf dem Galgenberge vor dem Peiskretschamer Tore, wo jetzt ungefähr das alte Chausseehaus steht, durch den Strang hingerichtet.“ (Quelle: Heimatkunde von Beuthen (Oberschlesien), hg. von dem Lehrerkollegium der städtischen katholischen Realschule zu Beuthen O.-S., Beuthen 1904, 2. Teil, sbc-S. 61; siehe: http://www.sbc.org.pl/dlibra/plain-content?id=10028). Die 1904 publizierte Geschichte des Gehenkten mag mit dazu beigetragen haben, daß die Dyngosstraße später umbenannt wurde. Auf der polnischen Webseite www.szybkrystyna.pl/legenda_o_walentym_dyngosie.html wird heute wieder an sie erinnert.
Friedrich-Wilhelms-Ring
benannt nach Friedrich Wilhelm I (1688-1749), dem preußischen König und Markgrafen von Brandenburg, genannt „Soldatenkönig“.
Goystr., Goymühle, auch „Goj“ geschrieben
Hier handelt es sich um einen alten Gewannnamen, der vom polnischen Wort „gaj“ für „Hain“ abgeleitet ist. (Quelle: Heimatkunde, s.o., sbc-S. 44). Diese Straße wurde später umbenannt, vielleicht auch, weil der Straßenname in jüdischen Kreisen für Erheiterung gesorgt haben dürfte. Ein „Goj“ ist im Jiddischen die pejorative Umschreibung für einen Christen, im Hebräischen hat das Wort die neutrale Bedeutung von „Volk“, „Nation“, „Nichtjuden“ . (Hans Peter Althaus: Kleines Lexikon deutscher Wörter jiddischer Herkunft. Beck, München 2003, S. 86f).
Gräupnerstr.
Vermutlich geht dieser Straßenname semantisch auf den Berufsstand der „Graupenmacher“ bzw. „Graupenhändler“ zurück und nicht auf die Beuthener Familie Gräupner.
Hohenzollernstr.
Von 1498 bis 1623 waren die Pfandrechte auf die Herrschaft Beuthen im Besitz der Markgrafschaft von Brandenburg-Hohenzollern (ab 1701 Königreich Preußen) übergegangen. 1741 wurde Beuthen als Teil der Provinz Schlesien in den preußischen Staatsverband eingegliedert.
Neu-Beuthen
Beuthens Name geht auf das slawische Wort „Byton“, „Bytom“ bzw. das Verb „byt“ zurück. Letzteres bedeutet „sein“ bzw. „bleiben“, im übertragenen Sinn „sich ansiedeln“.
Städt. Karf
Karf ist ein Ortsname, dessen Ursprung im polnischen Wort „karb“ für „Kerbholz“ liegt. Zusammen mit Bobrek bildete Karf bis 1945 eine Gemeinde. Der Ortsname Bobrek ist ebenfalls slawischen Ursprungs und ist die Verkleinerungsform von „bobr“, dem Biber.
Ring
Im Gegensatz zur „Wiener Ringstraße“ bezeichnet hier „der Ring“ einen innerstädtischen Handels- und Marktplatz in meist rechtwinkliger oder quadratischer Form, umringt von Wohn- und Geschäftsbauten, dem städtischen Rathaus und/oder anderen Repräsentationsbauten. Dieser Platzname ist in den allermeisten Fällen ein Indiz für eine mittelalterliche Stadtgründung während der Phase der Ostkolonisation (ab dem 12. Jh.) nach deutschem − zumeist Magdeburgischem − Stadtrecht bzw. für dessen Adaption im angrenzenden osteuropäischen Raum. Auch Marktflecken wie Pilchowitz bei Gleiwitz besitzen einen „Ring“. Aus dem deutschen Begriff ist das polnische Lehnwort „rynek“ entstanden.
Städt. Scharley, Chaussee nach Scharley
benannt nach der Landgemeinde Scharley und ihrer Galmei-Abbaustätte, auch „Bleyscharley“ genannt. Der Ortsname soll auf den slawischen Ausdruck „szkarłat“, auch „szarłat“, zurückgehen, was „rötliches Bleigelb“ bedeutet. In Beuthen war 1904 noch eine Bergmannssage bekannt, die von „Szarek“, einem Graumännchen, bzw. „Szarlej“, einem Berggeist, handelte. (Quelle: Heimatkunde, s.o., sbc-S. 44).


Amtsbezirke des Kreises Beuthen 1880

I. Bobrek, II. Orzegow, III. Schomberg, IV. Roßberg, V. Chropaczow-Lipine, VI. Kamin (inkl. Groß-Dombrowka und Brzezowitz), VII. Ober-Heyduk (inkl. Nieder-Heyduk), VIII. Schwientochlowitz, IX. Ober-Lagiewnitz (inkl. Mittel-Lagiewnitz), X. Miechowitz (inkl. Karf), XI. Rokittnitz (inkl. Neuhof), XII. Deutsch-Piekar, XIII. Schwarzwald

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