Hollandgänger

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Der Regierungsbezirk Münster und die Grafschaft Bentheim grenzten nord-westlich an "Holland", und selbst von Osnabrück aus war die Wanderung nach "Holland" möglich.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

„Ein besonderer, verschiedenen Gegenden Westfalens eigentümlicher, anderen preußischen Provinzen ganz unbekannter Erwerbszweig ist das sogenannte Hollandsgehen, welches darin besteht, daß mehrere verheiratete Landleute, meistens Kötter und Heuersleute, in den Monaten Mai und Juni, wenn die Sommerfelder bestellt sind (die unverheirateten schon früher), nach Holland zum Torfgraben, Grasschneiden und zu anderen Handarbeiten wandern und gegen die Erntezeit nach ihrer Heimat zurückkehren, wo sie dann von den Ersparnissen ihres Verdienstes, welche gewöhnlich 50 bis 60 holländische Gulden betragen, ihre Abgaben bezahlen und den Überschuß zum besten ihrer Frauen und Kinder, die sich unterdessen vom Spinnen oder Taglohn ernährt haben, verwenden."

  • Vergleiche C.O. Sigismund, Versuch einer topogr.-statist. Darstellung des des ganzen Bezirks der Königl. Preuss. Regierung zu Münster, Hamm 1819, Seite 6, ff.:

Entsprechende Hinweise ergeben sich unter anderem aus den um 1806 angelegten und von den Franzosen veranlassten Populationslisten in den sogenannten Entschädigungslanden. Dies galt in dieser Zeit auch für das nördliche Ruhrgebiet. Mit beginnender Industrialisierung löste das Ruhrgebiet die Sogwirkung Hollands ab und der Trend kehrte sich um: Holländer und Münsterländer zogen mit Sack und Pack in das Ruhrgebiet (Namensforschung).

Bereits vom 16. Jahrhundert an kamen jedes Jahr in der Zeit zwischen dem Säen und Ernten auch Einwohner des Osnabrücker Landes nach Holland. Diese Saisonarbeiter wollten oder mussten sich etwas dazu verdienen oder suchten manchmal auch das Abenteuer des bekanntlich freien Holland und verhalfen somit Holland zu erheblichen Wertschöpfungen. Ohne die Hollandgänger als Aushilfekräfte und zusätzliche Zuwanderungen wären die sieben Vereinigten Niederlande im Goldenen (17.) Jahrhundert wahrscheinlich nicht zur Weltmacht aufgestiegen und wäre die Vereinigte Ostindische Kompanie VOC) nicht zum ersten grossen Weltmulti geworden. Hier hatten sich besonders Auswanderer aus Deutschland beteiligt.

Berühmte Namen von westfälischen Grenzgängern sind z. B. Brenninkmeyer, Brinkmann, Brüggemann, Cloppenburg, Dreesmann, Goldschmeding, Hunkemöller, Lampe, Meyer und Sinkel und sind noch heute bekannte Textilunternehmen. Wir kennen aber auch mundartlich angepasste Familiennamen von Eingewanderten, wie Beentjes, Breen, Dresselhuis, Kramer, Mijer, Mulder, Muller, Lievegoed, Snijder, Visser, Voortman und Waterhout. Diese Namen sind heute als 'urholländische' Familien mit deutscher Abstammung ein Begriff.

Andere wichtige "Berufsgruppen" waren bei den Auswanderern auch aus Oldenburg z.B. Deserteure und Dienstboten, und bei den saisontätigen Hollandgängern Heuerlinge, Forstarbeiter, Gärtner, Künstler, Packenträger, Pastoren, Prostituierte, Töpfer, Sensenmacher, Schmuggler, Schneider, Schmiede, Stukkateure , Torfarbeiter, Vogelhändler, Zimmerleute, Zuckerbäcker, usw. usf.

Bibliografie

  • Fleege-Althof: Die lippischen Wanderarbeiter (1927).

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