Die Grundherrschaft in Nordwestdeutschland/186

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Die Grundherrschaft in Nordwestdeutschland
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Güter des Landesherrn und der Stände. Diese Personen hatten hinsichtlich ihres Grundbesitzes bestimmte Privilegien erworben, die, ursprünglich rein persönlicher Natur, im 18. Jahrhundert zu juristischen Qualitäten bestimmter Grundbesitzungen geworden waren'.

Im 18. Jahrhundert genoß also nicht dßr Grundbesitzer kraft seines Standes bestimmte Rechte hinsichtlich seines Gutes, sondern das Gut selbst bestimmte den Inhalt des Rechts, welches jeder Inhaber ohne Rücksicht auf seine Standeszugehörigkeit auszuüben befugt war.

Als die wichtigsten, allen Arten des privilegierten Grundbesitzes zustehenden Rechte galten Steuerfreiheit und Kanzlei- oder Schriftsässigkeit.

Die Steuerfreiheit begriff nicht nur die Exemtion von den verschiedenen Grund- und Gebäudesteuern 2, sondern auch die Freiheit des dem Besitzer gehörigen, auf dem Gut befindlichen Viehes von den Viehsteuern ^ und schließlich die Befreiung von allen Naturalleistungen, wie Einquartierung, Landfolge, Getreidelieferung u. s. w., in sich^. Ja, selbst die Freiheit von dem kalenbergischen Konsumtionslizent war wenigstens dem Rittergutsbesitzer für die auf dem Gut gezogenen und deshalb verbrauchten Konsumtibilien gegeben worden °. In einigen Fällen erlangten auch die auf den Ritterngütern wohnenden Diener und Hauslinge des Gutsherrn Steuerfreiheit^. Ferner genossen die Besitzer bevorrechteter Güter hinsichtlich der für diese Güter bestimmten Waren Zollfreiheit an allen landesherrlichen Zollstätten, und konnten alle auf bevorrechteteil Gütern erzeugten Produkte, solange

1 Vgl. Strube, v« iurs villieorum, 1768, <ÄM VI, § 5. — Derselbe, udLsrv»,tioiw8 iuri» et kiütoriaß, 1769, Nr. III, § 7 ff. — Hagemann, Land wirtschaftsrecht, § 83, 84, 89. — Stüue, Lasten ?c. im Anhang S. 175 ff., bes. 181, 191. — Stüue, Landgemeinden, ß 15. — v. Pufendorf, ob«, iuri«, Nd. I, Nr. 84.

2 Vgl. Dennecken, Dorf- und Landrecht, I.ib. II, S. 202 ff. und 205 ff. — Hagemann, Landwirtschaftsrecht, S. 819, 829, — Strube, Rechtliche Bedenken, Nd. I, Nr. 12 (II, 506), III, 47 (II, 508), III, 75 (II, 500). — Betr. Bremen: v. Pufendorf, ob», iuii», Bd. I, Nr. 34. — Betr. Lüneburg: Loä, Louzt. I^uned. 0ap. VI Nl. 100, Lap. IX Nr. 1 (Landtagsabschied cle 1673). — Betr. Kalenberg, Göttingen-Giubenhagen: v. Berlepsch, Pragmatische Geschichte des landschaftlichen Finanz- und Steuerwesens in Go'ttingen-Grubenhagen, 1799, S. 58 ff. —- u. Pufendorf, ob», iiu-iz II, Nr. 134.

' Vgl. 0uä. LcmLt. Laleub,, Oaput VIII, Nr. 8, Landtagsabschied äs 1686, und Oaput VII, Nr. 2 (Lizentordnung ä« 1739). — Vgl. den Hoya'schen Land-tagsabschied äß 1697 § 83, in «oä. cauLt. I.un«b., (AM IX, Nr. 17.