Brieg - Stadt und Landkreis (1964)/Amtsbezirk Karlsmarkt mit Karksmarkt, Alt Hammer u. Groß Kauern

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Amtsvorsteher: Bauer Widulle, Karlsmarkt, + 1956 in Groß-Furra, Thüringen

Karlsmarkt (Karlowice)

Einwohner: 1.162 mit Karlsburg Kirchen: 1 ev., 1 kath. Schulen: 1 ev., 1 kath. Bürgermeister: Karl Widulle, Maindorf über Siegburg Standesbeamter: Arthur Franzel, seit 1945 vermißt Pfarrer: Pastor Friedrich Jäckel, seit 1945 vermißt Pfarrer Paul Richter, + 1945 Lehrer: ev. Schule: Heinrich Baumgart, Brackwede/Bielefeld, Goethestr. 20a Fritz Scholtze kath. Schule: Georg Kräger, Faid über Cochem/Mosel Heimatortsvertrauensmann: Arthur Schmidt, Weiden/Oberpfalz, Kantstraße 10

Karlsmarkt hieß 1336 Czachowitz, 1447 Ketzerdorf. Es war von Anfang an als Wasserburg errichtet. Burgherren waren die von Tschammer. Es war Mittelpunkt ihres Besitzes. 1565 kaufte Herzog Georg II. den ganzen Besitz und richtete dort neben Brieg und Ohlau ein drittes Domänenamt ein. Nach Aussterben der Brieger Piasten im Jahre 1675 fiel Karlsmarkt an den Kaiser. Karl VI erhob das Dorf zum Marktort und zur Stadt. Nach ihm wurde es in Karlsmarkt umgenannt. Die evangelische Kirche erhielt 1677 bis 1708 einen katholischen Geistlichen. 1715 wurde im Amtsschloß eine katholische Parochie errichtet, an der später der bekannte Bienenvater Dzierzon als erster wirkte. 1845 war der Oberamtmann Scholz aus Kauern Gutspächter.

Es fanden jährlich zwei Jahrmärkte statt, einer im Frühjahr und einer im Herbst. Zur Gemeinde gehörten die Ortsteile Kalkberg, Pilzmühle, Böhlitz und Karlsburg. Die Bevölkerung war zu etwa 85% evangelisch und der Rest katholisch.

Durch den Bau der Eisenbahnlinie Breslau-Oberschlesien begann das bis dahin recht abgeschiedene Karlsmarkt einen erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung zu nehmen. An Gewerbebetrieben waren zwei Dampfsägewerke, eine Rohrgewebefabrik und andere kleinere Handwerksbetriebe vorhanden. Daneben wurde sehr viel Landwirtschaft betrieben.

Der Fluchtweg der Bevölkerung erfolgte in der Nacht vom 20. zum 21. Januar über die Sudeten in die Gegend von Eger. Ein Teil kehrte später in die alte Heimat wieder zurück, wurde aber 1946 ausgewiesen. Nur ganz wenige Familien wohnen heute noch dort.

Hermann Kasprzak, Bahnhofstraße - Erich Schüften, Feldstraße - Karl Slabon, Ortsteil Karlsburg - Wilhelm Lipke, Ortsteil Pilzmühle - Amalie Seibel, Mühlstraße - Stanislaus Dlugos, Ortsteil Kalkberg - Josef Ganyra, Mühlstraße - Margarete Kuka, Brieger Straße - Gustav Pollak, Ortsteil Pilzmühle - Rosina Barzcik, Altes Dorf - Anna Lipke, früher Alt Hammer Das Gut in der Größe von 88 ha befand sich im Besitz des Franz Krause.

Althammer (Kuznica Katowska)

Einwohner: 347 Kirchen: - Schulen: 1 evang. Bürgermeister: Gustav Fersterra, Schwandorf, Ehrlichstraße 5 Standesbeamter: Arthur Franzel, Karlsmarkt, seit 1945 vermißt Lehrer: Rudolf Maskos, + 1947 in Westheim, Kreis Kitzingen Heimatortsvertrauensmann: Fritz Meister, Oldenburg, Neue Straße 3

Eine ausführliche Einwohnerliste des Heimatortsvertrauensmannes ist vorhanden, außerdem einige Sparbücher der Gemeinde. Sie befinden sich in der Betreuungsstelle Brieg.

Die Gemeinde ist am 20. Januar 1945 geflüchtet. Zurück blieb nur die Familie Karlitzek mit 9 Personen. Vom 9. bis zum 10. April wurde das Dorf von einem russischen Brandkommando von etwa 100 Mann in Brand gesteckt. 21 Wohnhäuser blieben erhalten, hatten jedoch erhebliche Brandschäden aufzuweisen. Scheunen und Stallungen brannten ab. Im Laufe des Sommers 1945 kehrten 137 Personen in ihre alte Heimat zurück, wurden 1946 aber endgültig ausgewiesen. Zurückgeblieben sind neben der Familie Karlitzek noch die Familie Paul Menzel und das Fräulein Anna Lipke. Letztere hat jedoch 1946 dann ihren Wohnsitz in Karlsmarkt genommen.

19 Bewohner sind gefallen, 11 Personen vermißt und 3 sind von den Russen getötet worden.

Großkauern (Kurznie)

Einwohner: 688 Kirchen: 1 evang. Schulen: 1 evang. Bürgermeister: Christian Nickisch, + 1945 in Groß Kauern Standesbeamter: Arthur Franzel, Karlsmarkt Pfarrer: siehe Karlsmarkt Lehrer: Wurms (Schicksal nicht bekannt) und eine Lehrerin Heimatortsvertrauensmann: Arthur Schmidt, Weiden/Oberpfalz, Kantstraße 10

Die Vorsilbe "Groß" stammt erst aus allerneuester Zeit, ursprünglich war der Ort ein nicht gerade großes Vorwerk. 1274 stellte der Herzog eine Urkunde in Curn aus. 1340 wird ein Pfarrer in Kirna erwähnt. Die seit 1534 evangelische Kirche war 1677 bis 1708 katholisch. Die Geschichte des Dorfes hängt eng mit dem untergegangenen Dorf Bleichau zusammen. Davon sind mehr als 16 Hufen Kauern zugeschlagen worden. Die ältesten bekannten Grundherren sind auch hier die von Tschammer. 1440 verkaufte der Tschammer von Blottwitz Haus Ketzerdorf (Karlsmarkt) an die Brüder Beeß. 1564 gab dann Beeß dem Schulzen Gerald 1 1/2 Hufen und einen Freigarten zu einer Freischoltisei. 1565 verkaufte er seinen ganzen Besitz, dabei Kauern, an Herzog Georg II. 1783 gab es ein Vorwerk und 16 Bauern, 1845 eine Freischoltisei.

In den Akten der Betreuungsstelle Brieg befindet sich auch eine Abschrift des Georg Winklerischen Freybriefes wegen seines Erb. Kretschams zu Kauern vom Herzog Georg.

Diese Seite enthält Text des Buches »Brieg - Stadt und Landkreis«, herausgegeben von der Stadt Goslar zum 10. Treffen der Brieger in Goslar im September 1964. Abgeschrieben von Hermann Hosp aus D-54516 Wittlich in Rheinland-Pfalz. Überarbeitet und umgesetzt in HTML-Code durch Dr.-Ing. Frank Knorr aus D-03185 Teichland, OT Maust in Brandenburg.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Stadt Goslar vom 8. Mai 2001.
Früher war dieser Text auf der alten Regionalseite www.genealogy.net/reg/SCI/Brieg/st-kr/ zu finden.
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