Als englischer Kriegsgefangener in Ägypten (1945 - 1948)

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Inhaltsverzeichnis

Ich war ein Kriegsgefangener in Ägypten (1945 - 1948)

Ein deutscher Soldat in britischer Gefangenschaft von April 1945 bis September 1948.

In Italien (1945)

„Wir finden uns"ohne unsern Willen"

auf dem Erdball ein und gehen "ohne

unsern Willen" von ihm ab, nachdem

uns der Zwischenraum zwischen Kommen

und Gehen sauer gemacht wurde.“

Wilhelm Raabe.


Ich war ein Kriegsgefangener in Ägypten

Wer ich war:

Maschinen-Obergefreiter Günter Hille, # Nr. 58417/42 D, mot. 2 (2. kleiner Panzerfunktrupp D (mot.)) Qualifikationen: (Diesel- und Benzinmotoren); In der deutschen Marine: Kriegsgefangener # me 212 898.

Zum Ende des Krieges war ich in Mestre, bei Venedig zur Baubelehrung stationiert, um eine italienische Korvette in Betrieb zu nehmen . Sie wurde gerade fertig gestellt und war bereit für die erste Probefahrt. Als die Alliierten nahe Venedig landeten versenkte die Besatzung das Schiff am Piazza Roma (Schiffsanlege Pier in Venedig) und alle versuchten nach Deutschland zu kommen. Einige von uns haben es nicht geschafft.

Im April 1945 wurden wir in Norditalien nahe Conegliano von italienischen Freiheitskämpfern (Partisanen)gefangen genommen. Nach ein paar Tagen in ihrer Gefangenschaft übernahm die US-Armee uns und transportierte uns mit dem Lastwagen, Zug und dem Schiff nach Tarent im Süden Italiens. Von Tarent aus wurden wir von der britischen Armee nach Ägypten verschifft, wo wir dann die nächsten Monate in dem Kriegsgefangenenlager 383 El Daba verbrachten Weitere Lagerverlegungen folgten in Ägypten und Crenaika bis zu unserer Rückführung im September 1948.

Das Leben und die Umstände im Gefangenenlager waren nicht immer angenehm. Im Rückblick jedoch muss ich sagen, dass sich viele unserer Schwierigkeiten vor allem durch das Fehlen an Rauchwaren und unsere Wünsche nach Hause zukommen ergaben. Wir hatten nichts von unseren Familien gehört, da das Postsystem in Deutschland noch nicht wieder richtig funktionierte.. Die Behandlung der Gefangenen durch die Sieger war fair, insbesondere hat sich die britische Armee und die Soldaten sehr korrekt verhalten. Ich wurde niemals hart behandelt oder beleidigt. Es gab nicht in allem Übermaß zu essen, jedoch war es von guter Qualität und angemessen. 800 Kalorien pro Tag sind nicht viel, aber es hält Leib und Seele zusammen, vor allem wenn man Tag und Nacht nicht beschäftigt ist und nur ruht. Wir lebten in Zelten zu je 10 Soldaten und schliefen auf Strohsäcken auf der Erde. Bei dem warmen Klima war dies kein Problem. Für medizinische Behandlung war gesorgt, es gab sogar Penicillin. Diese Zustände wurden für circa 8 Monate weitergeführt. Unser Leben wurde beträchtlich besser als wir arbeiten durften und wir dafür bezahlt wurden.

Unsere Gefangenschaft begann mit den Partisanen auf dem Heuboden einer Farm eines Bauernhofes. Ich erinnere mich, dass wir eine warme Mahlzeit erhielten, da mir jemand meinen Löffel stahl während ich mein Geschirr gewaschen habe. Es musste ersetzt werden, denn wie sollte ich sonst meine nächste Mahlzeit essen. Auf dem Weg zu dem temporären Lager, in einem Zementwerk in der Nähe von Conegliano, warf eine italienische Frau ein paar Laib Brot auf unseren Lastwagen und sagte zu uns: "La Guerra finito,tutti andare alla casa" (der Krieg ist beendet, ihr könnt alle nach Hause gehen). Ich habe dies sehr geschätzt, weil es keinen Haß zeigte, nur die Sorge einer Mutter. Die erste Nacht, die wir dort verbracht haben, war eine harte, denn es war kalt und wir hatten keinen Schutz. Bis zur nächsten Nacht hatten wir Löcher in den Boden gegraben und teilten uns diesen Schutz. Die Wachen waren amerikanische Soldaten und der Zaun war lediglich eine Schnur. Zum ersten Mal redete ich mit einem Soldaten auf Englisch und wir verstanden einiges davon. Von dem Zementwerk aus wurden wir mit einem Lastwagen nach Forli, am nächsten Tag nach Ancona gefahren. Von dort aus segelten wir mit dem Schiff nach Brindisi. In Ancona waren wir Augenzeuge einer Beerdigung. Ein Soldat war von einem Lastwagen gefallen und gestorben. Die Beerdigung wurde respektvoll geführt, auch ein Pastor nahm daran teil. In Brindisi erwartete uns ein Zug mit Güterwagen, um uns nach Tarent zu bringen. Ein Gurkha-Soldat bewachte je ein Güterwagen mit jeweils 40 Kriegsgefangenen. Er stand neben der offenen Tür und verzog keine Miene und bewegte sich nicht, aber er lies einige Schokoladenriegel auf den Boden fallen. Diese teilten wir unter uns auf. Uns war nicht klar, ob er Angst hatte und uns ruhig halten wollte oder uns eine Freundlichkeit erweisen wollte.

Tarent war ein permanentes Lager, wo wir einige Notwendigkeiten erhielten, wie Seife und Handtücher, warme Mahlzeiten und Tee. Nach ein paar Tagen wurden wir mit dem Schiff nach Ägypten gebracht.

Während des Transports nach Tarent wurde mindestens einmal am Tag gefilzt, ausziehen und Taschen entleeren, im Falle wir noch Waffen versteckt hielten. (Ich hatte nichts außer einer Regenplane und die Kleidung die ich trug). Wenn wir entkleidet waren,wurden wir von dem Sanitäts Personal mit DDT (einem Insektizid) gepudert. Einige von uns hatten Läuse und Flöhe. Als Verpflegung auf dem Transport bekamen wir Irisches Eintopf in Dosen oder Corned Beef in Dosen ( Rindfleisch gekocht) mit Saltine crackers und Wasser.. Dies war seit langem wieder mal Fleisch zum Essen. Die Zustände auf dem Transport waren leicht zu ertragen. Ein Matrose vom Schiff ging herum und verteilte Zigaretten, wohl seine Eigenen. Jeder bekam eine Halbe. Freundlich von ihm.

In El Daba (1945)

POW in El Daba.

El Daba wurde unser Lager für die nächsten sieben Monat. Es umfaßte 13 Lagerblocks und war gerade fertig gestellt. Jeder Lagerblock konnte ungefähr 1300 Gefangenen aufnehmen. Der dreizehnte Block diente zur Proviantverteilung mit den Proviantlagern und der Britischen Verwaltung. Jeder Lagerblock war umzäunt mit einem hohen Drahtzaun. Lampen und Wachtürme waren um das ganze Lager aufgestellt. Die Wachtürme waren besetzt mit schwarzen Soldaten von der ehemaligen deutschen Kolonie in Süd-West Afrika. Bald waren die Sodaten unsere Freunde, sie waren immer bei guter Laune und grüßten uns jeden Morgen mit „ Hallo Jerman, good morning“, unser Zelt war in der Nähe des Turmes. Jedoch über den Stolperdraht durfte man nicht treten, dann schossen sie. Befehl war Befehl auch bei ihnen und in Arrest wollten sie nicht. Beim Fussballspiel mußte der Ball mit einer langen Stange mit Drahtschlinge zurückgeholt werden, selbst den britischen Soldaten , ob Spieler oder Zuschauer war es nicht erlaubt.

Als wir in El Daba ankamen war nur ein Lagerblock belegt. Die Gefangenen dort waren seit Kriegszeiten in Afrika in Gefangenschaft. Sie hatten noch das militärische Benehmen, mit Dienstgraden und Gehorsamkeit. Als wir kamen ohne Disziplin, keine Dienstgrade waren zu erkennen, wurden wir gleich angepöbelt und beschimpft. Wir Feiglinge hatten den Krieg verloren, beschuldigte man uns. Wir wurden zu einem anderen Block geführt, (aus den Augen aus dem Sinn) und alles war gut. Später wurden die Insassen von Block 7 auf die anderen Blocks verteilt in kleinen Gruppen.

Andere deutsche Kriegsgefangenen kamen von den griechischen Inseln. Es waren hauptsächlich Soldaten der 999 Einheit, Männer von Gefängnissen und Konzentrationslagern. Sie sollten in Afrika eingesetzt werden, kamen aber nur noch bis zu den Griechischen Inseln. Am Ende des Krieges kamen kleine britische Einheiten um die Inseln zu besetzen. Sie hatten wohl mit der Hilfe der Bevölkerung gerechnet, aber der Kommunismus regierte und sie griffen die Briten an. Die deutschen Einheiten halfen die Partisanen zu bekämpfen, bis Verstärkung eintraf. Die Deutschen durften ihre Waffen behalten und mitnehmen was sie tragen konnten und wurden nicht gefilzt, bis El Daba. Sie hatten viele Tauschwaren, vor allem Rauchwaren. Später tauschten viele ihre Rauchwaren für Erdnüsse ein, sie waren dann auch hungrig. Die anderen waren noch hungriger konnten aber rauchen. Später hat mir diese Erinnerung geholfen, das Rauchen aufzugeben.

El Daba war ein gutes Lager, die Einrichtungen waren genügend, Wasser war nicht rationiert, die Waschanlage war auf einem Betonboden mit Abfluß im Freien. Die Latrinen waren tiefe Löcher mit einer Betonplatte bedeckt, man saß in der Hocke wie es im Mittelmeerraum üblich war. Klopapier wurde ausgegeben einmal in der Woche und alles war einwandfrei sauber. Nur einmal war das Wasser knapp. Die Wüstenbewohner hatten die Rohrleitung angebohrt und nicht wieder zugestopft. Das Wasser lief in die Wüste. Unser Trinkwasser wurde im Tankwagen angefahren und zum Baden gingen wir jeden Tag in die See.

Wir wohnten in einem Zelt, 10 Mann in dem Zelt, wir schliefen auf Strohsäcken auf der Erde. Es war nicht viel Platz, die Strohsäcke lagen Seite bei Seite, ein schmaler Gang inder Mitte. Aber es war auszuhalten. Die meiste Zeit verbrachten wir im Zelt, spielten Schach oder Skat. Allerlei Geschichten wurden erzählt, Essen und Geschlechtliches waren gute Themen. Zweimal am Tage muß wir raustreten zum Zählen, man ging 5 in der Reihe durch das Tor zum Fußballfeld. Morgens wurde ausgelegt für Inspektion. Der Strohsack wurde gefalltet vor das Zelt gelegt, Wolldecken gefalltet obendrauf, dann Handtücher und Eßgeschirr. Alles wurde genau ausgerichtet mit den Nachbarzelten. Beide Zeltenden waren offen und nichts war im Zelt verblieben. Für einige Zeit hatten wir ein Chameleon auf einer Schnur im Zelt, es konnte gut Fliegen fangen.

Fußball wurde oft gespielt, ein Lagerblock gegen den anderen, mit britischen Soldaten als Spieler and Zuschauer. Andere Sportarten wurden ausgeübt. Ich erinnere mich, daß ich einmal die Seile für einen Boxring gespleißt habe. Abends wenn es dunkel wurde war die Zeit für Unterhaltung. Viele Soldaten mit Talent und Wissen waren unter den Gefangenen. Wir hatten eine Bühne gebaut aus Lehmbacksteinen und Öllampen gefertigt. Auf der Bühne wurde Musik gemacht, Theater gespielt, Akrobaten und Zauberkünstler gaben Vorstellungen, Vorträge wurden gehalten. Während des Tages wurden Klassen abgehalten von Wissenschaftlern und Lehrern in allerlei Fächern. Eine Zeitung wurde wöchentlich von Hand geschrieben mit Tinte aus Ruß und Öl. Nachdem die erste Atombombe gefallen war, wurde eine Extra gedruckt, mit den technischen und wissenschaftlichen Erklärungen.


Die Ernährung war unsere größte Sorge, wir waren immer hungrig. General Eisenhower hatte angeordnet, daß alle Kriegsgefangenen nur 800 Kalorien täglich zu essen bekommen. Aber wir waren Kummer gewöhnt, bei der Marine waren wir auch immer hungrig, aber wir konnten manchmal dazu kaufen. Morgens gab es Tea, mittags eine warme Suppe, meistens Erbsensuppe.Um Nährwerte zu erhalten wurden die Kartoffeln und das Gemüse nicht geschält, sondern nur gut geschrubbt. Alles kam in die Suppe, manchmal war die Suppe rot von der Roten Beete, manchmal schmeckte sie süß von den Süßkartoffeln etc. Aber es schmeckte immer, wenn man Hunger hat. Ich esse Erbsensuppe heute noch gern und koche sie auch oft. Für 3 oder 4 Wochen bekamen wir auch mal Linsensuppe. Die kalten Rationen für das Abendessen wurden mittags auch verteilt für das ganze Zelt. Im Zelt wurde es dann aufgeteilt. Das war eine richtige Prozedur, das Brot wurde in Portionen geschnitten, die Zutaten wurden aufgeteilt und auf das Brot gelegt. Lose wurden gezogen in welcher Reihenfolge die Hauptlose gezogen werden konnten, so daß niemand sich beschweren konnte.


Wenn die Küche morgens aufgeschlossen wurde waren Aufpasser zur Stelle, sie wurden für jeden Tag gewählt und lösten sich tagsüber ab. Ihre Aufgabe war, daß keine Nahhrungsmittel verschwanden, selbst auf den Mund der Köche wurde geachtet. Dies war vorgeschlagen von den 999 Soldaten, sie kannten das vom KZ und Gefängnis. Wir hatten gesehen, daß unser deutscher Lagerführer Eigelb auf dem Hemd hatte, wir haben nie Eier bekommen, wie hatte er die Flecke bekommen, eine extra Wurst von der Küche? Das war dann nicht mehr möglich. Wenn wir hungrig sind, sind alle hungrig. Manchmal bekamen wir auch etwas zusätzliches, wie Erdnüsse oder Crackers. Zu Weihnachten 1945 bekam jeder 4 Zigaretten.


Wie wir in El Daba ankamen wurden wir eingekleidet in Baumwoll Gefängniskleidung, unsere Uniformen gaben wir ab, dazu bekamen wir Unterwäsche, Socken, 2 große Handtücher, Seife, Eßgeschirr, Rasierapparat und Sandalen. Socken mit Löchern konnten zu jeder Zeit ungetauscht werden. Seife konnte man sich holen. Sanitätszelte waren eingerichtet und besetzt mit Sanitätern, ernstliche Kranke wurden zum Lazaret gebracht. Impfungen gegen Pocken, Cholera etc. wurden gemacht.



In Alexandria (1946)

POW in Alexandrian 1946.

Arbeitslager wurden im Januar 1946 für das Lager El Daba gegründet. Ich wurde nach einem Lager bei Alexandrian verlegt, es war der Anfang von besseren Verhältnissen im Lager. Wir schachteten unter unserem Zelt eine Vertiefung aus, damit wir aufrecht stehen konnten und wir waren nur noch acht Soldaten im Zelt, dadurch hatten wir mehr Platz. Die Strohsäcke lagen jetzt auf Holzpritschen, die auf eisernen Böcken lagen, dadurch konnten wir auf den Betten sitzen und auch unsere Füße hoch ziehen. Es gab dort Sandflöhe, deren Stiche sehr juckten, aber sie konnten nicht auf das Bett springen. Die Verflegung wurde besser, es gab mehr Brot und Rationen, auch die Küche bekam mehr Lebensmittel. Erbsensuppe bekamen wir selten. Der Lohn für unsere Arbeit war minimal, täglich 2.4 Piaster, aber wir konnten 20 Zigaretten dafür kaufen. Wenn wir nicht soviel rauchten hatten wir noch genug Geld eine Büchse Nabatine (Pflanzenfett wie Schmalz) zu kaufen für Brotaufstrich.

Meine erste Arbeitsstelle war in einer Küche für ungefähr 150 britischen und ceylonesischen Soldaten in einem Vorratslager für Öl und Benzin als Tellerwäscher. Dort gab es viel zu essen, Hunger gehörte der Vergangenheit an. Die Soldaten aßen nicht die Rinde des Weißbrotes, sie wurde abgeschnitten, wenn der Koch belegte Brote machte. Die Rinde mußte verbrannt werden, ein Unteroffizier mußte aufpassen , daß sie den Kriegsgefangenen nicht in die Hände fiel, wegen der 800 Kalorien per Tag. Es ging gut für 3 oder 4 Tage, dann sahen alle Beteiligten ein, daß es Unsinn war, und die Brotrinde endete in unsern Zelten. Es zeigte mir wieder, daß kein Haß zwischen den ehemaligen Feinden bestand. Ausnahmen bestätigen die Regel.

In dem Eßraum traf ich jemand von meiner Heimatstadt, er war dort als Servierer beschäftigt.Einen guten Freund von mir und meiner Frau traf ich auf der Landstraße nach Alexandrien, er war ein Lastwagenfahrer. In den Jahren habe ich oft Bekannte von meiner Heimat getroffen, ein Zeichen, daß wir viel herum kamen. Es war immer schön, wenn man Erfahrungen und Gedanken austauschen konnte mit Leuten, die man früher kannte, und alle hatten die Schnauze voll.

Nach einiger Zeit wurde uns klar,daß wir nicht unser Geld nur in Rauch aufgehen lassen konnten. Wir rauchten dann weniger und sparten Geld um andere Notwendigkeiten zu kaufen. In unserer Freizeit spielten wir Skat, Schach oder lasen. Bücher in Englisch oder Deutsch waren vorhanden. Ich kaufte mir ein Englisch/Deutsches Wörterbuch, ich besitze es noch heute. Die Unterhaltung von Theater oder Orchester war noch nicht wieder angelaufen. Ein Soldat war im Civil Beruf der Organist vom Regensburger Dom, er spielte oft Klavier und unser Doktor war ein Geigenspieler, sie spielten manchmal zusammen. Ein paar Mal besuchte ich einen Freund von unserem Boot. Er war in einem Lager auf der anderen Seite der Dünen. Ihre Beschäftigung war, krumme Nägel wieder gebrauchsfähig zu machen, mit Hammer und ein Stück Eisenbahnschiene. Sie schwitzten nicht bei der Arbeit, nur wenn es zu heiß war. Aber sie waren nicht weit vom Mittelmeer und erfreuten sich der kühlen Brise.

Am Strand des Mittelmeeres war eine große Menge Kriegsmaterial aufgereiht, Kanonen, Tanks, Jeeps, Lastwagen etc., man hatte es wohl nicht mehr gebraucht. Einige von uns arbeiteten dort und brachten brauchbare Sachen mit. Es dauerte nicht lange und wir hatten elektrisches Licht im Zelt. Man fabrizierte mehrere Gebrauchsgegenständ wie: Feuerzeuge, Zigarettenetuis, Holzschuhe zum Duschen, Mützen, kurze Hosen und anderes. Viele Gegenstände wurden an die Ägypter verkauft, das gab den Herstellern ein extra Einkommen. Ich konnte von meiner Arbeitsstelle keine Eßwaren mitnehmen ins Zelt, das war mit Gefahren verbunden, so daß es sich nicht lohnte.

Für kurze Zeit war ich krank und mußte ins Revier (Zelt für Kranke), hohes Fieber und Unwohlsein. Im Revier erhielt ich Aspirin und schlief. Ich habe diese Attacke viele Jahre im Frühjahr gehabt Es war nichr ernstlich genug um es zu investigieren. Das erste Mal hatte ich es am Asow See in der Ukraine. Ich dachte mich hatte irgendwas gestochen und es war eine Art von drei Tage Fieber, das sich jedes Jahr wiederholte.

Im späten Sommer wurde eine Gruppe, ich auch, nach El Fanara abkommandiert. Wir fuhren mit der Eisenbahn über Kairo und Ismailia nach El Fanara, um uns einer Handwerker- und Baukompanie anzuschließen.

In EL Fanara und El Fayid (1946)

POW in El Fanara und El Fayid 1946.

Im Spätsommer 1946 um Mitternacht kamen wir in El Fanara an und wurden einem Zelt zugeteilt. Uns wurde gesagt, daß wir nur vorübergehend dieser Kompanie zugeteilt wären, und bald unsere richtige Arbeitsstelle bekämen, was dann auch zutraf.

Diese Kompanie bestand aus Bauhanwerkern aller Art, meistens Maurer, Zimmerleuten und Tischler. Ich wurde einem Maurer als Helfer zugeteilt. Er war ein älterer Mann, guter Handwerker, und wir kamen gut miteinander aus. Von ihm habe ich viel gelernt über Mauern, Verputzen und Kachel legen. Wir hatten Zeit und er konnte mir zeigen wie es gemacht wird, und ich konnte es selber versuchen. Nicht, daß ich Maurer werden wollte, aber es war interessant, und ich habe es später oft gebrauchen können. Unser Projekt war ein älteres Backsteingebäude zu renovieren und als Büro einzurichten mit Waschräumen. Ein Aggregat zur Lichterzeugung wurde auch eingebaut.

In unserer Nähe war eine große Werkstatt für Tischler eingerichtet, sie arbeiteten nur mit Handwerkzeugen. Ich ging oft dort hin um zu sehen was sie bauten und wie es gemacht wurde. Die Tischler waren immer stolz mir zu zeigen wie man es macht. Es war sehr interessant und ich lernte einiges. Eine Gruppe baute eine komplette Wohnungseinrichtung für einen australischen Hauptmann. Er wurde entlassen und kehrte zurück nach Australian. Gutes Hartholz gab es in Mengen. Alle Verpackung und Material Unterlagen waren von exotischen Hardwood gebaut. Eine andere Gruppe machte Geigen, Gitarren und andere Instrumente. Fenster, Türen und andere Bauelemente wurden auch konstruiert. In dieser Zeit war ich sehr beschäftigt alles zu beobachten und auch meinem Maurerfreund zu helfen. Aber es sah uns ja keiner auf die Finger. Vor Weihnachten wurde ich dann nach El Fayid verlegt.

Das Lager El Fayid war nicht weit entfernt, nahe am Bitter See, der ein Teil des Suez Canals war. Im Bitter See lagen 2 italienische Kreuzer vor Anker. Zur Zeit des Badoglio Putsches hatten beide Kreuzer sich den Engländern ergeben und wurden während und nach dem Kriege dort stationiert. Einer der Kreuzer strahlte jeden Tag ein Radio Program aus. Zu dieser Zeit hatten unsere Fachleute schon Detectorempfänger mit Kopfhörer gebastelt und wir konnten die Sendungen abhören. Manchmal konnten wir auch einen russischen Sender hören.

Unser Leben hatte sich wieder verbessert. Pro Tage verdienten wir als Handwerker 3.6 Piaster. Unser Essen war besser geworden und die Portionen größer. Es waren mehrere britische Lager in der Nähe, welche jetzt auch deutsche Köche hatten. Ein reger Austausch von Nahrungsmittel kam zustande. Die Engländer hatten einen Überschuss an Mehl, Milchpulver, Öl, Brotrinden etc., wir verbrauchten unseren Tee und Zucker nicht. Die Brotrinden machten Brotklöße, dazu Erbsenpüree und Gulasch von Corned Beef, war eine gute Mahlzeit. Sonntags machten die Köche oft Berliner oder Hefekuchen mit Aprikosen und Kaffee.

Unser Gruppe war eine „ steel erection section“, sie bestand aus Maurer, Zimmermann und eisenkonstruction Handwerkern. Wir wurden den Handwerker Companien zugeteilt nach Bedarf für Eisenkonstruction. Unsere Projekte waren hauptsächlich große Hallen, hohe Wassertürme, eine Diesel-electrische Generatoren Halle, Sicherheitstüren für ein Gefängnis und anderes mehr. Wir arbeiteten mit den Royal Engineers, sie beaufsichtigten unsere Arbeit. Es war interessante Arbeit und ich habe viel gelernt. Unsere Handwerker waren meistenteils ältere Männer und sie verstanden ihre Arbeit.

In El Fayid brauchten wir nachts den Zaun nicht mehr sichern. In den anderen Lagern mußten wir hin und wieder nachts Wache stehen mit dem Stiel einer Kreuzhacke als Abschreckmittel. Eine Einheit war aufgestellt, die nachts in den Lagern Wache stand. Am Heiligabend hatten Diebe eine Gasse geschnitten in den Zaun um unser großes Zelt zu stehlen. Die Wache alarmierte die englische Lagerführung. Die Wachmannschaft wurde bewaffnet mit Gewehren, welche für sie im Lager eingeschlossen waren. Die Eindringlinge liefen davon. Für ein paar Tage mußte die Wache mit Gewehr Wache stehen. Spät im Frühjahr war unsere Arbeit dort zu Ende. Wir wurden nach Suez transportiert zu einer anderen Handwerker-Kompanie.

In Suez (1947)

POW in Suez 1947.

Suez ist die südliche Einfahrt in den Suez Kanal. Im Hafen war viel Verkehr. Die Schiffe kamen meistenteils vom Osten. Zu der Zeit wurden die meisten holländischen Kolonien im Osten selbständig und die Holländer wurden repatriiert. Auf dem Wege zurück zur alten Heimat mußten alle in Suez ein paar Tage warten, zur Registrierung und um wärmere Kleidung zu empfangen, besser geeignet für das Europäische Klima. Alle Schiffe, die ich in den Kanal einfahren sah, hatten eine große Kiste am Bug gehievt. Den Grund dafür habe ich nie erfahren.

Für die Unterkünfte, Vorräte und zur Registriering bauten wir mehrere Hallen aus Wellblech. Wir waren kaum fertig, wenn die ersten Holländer ankamen. Die Repatriierung wurde von der UNO geleitet und kontrolliert. Eine holländische Zeitung wurde gedruckt. Mit meinen plattdeutschen- und englischen Kenntnissen konnte ich sie ganz gut lesen. Mein Gebrauch der englischen Sprache hatte sich sehr verbessert, ich konnte gut lesen and schreiben.

Meine nächste Arbeit war ein Rohrgestell für ein Dach über die Veranda im Pig'n Whistle Club. Dies war ein britisches Offizier’s Casino in Port Tewfik, ein Vorort von Suez. Es hatten sich wohl viele Offiziere in Suez eingefunden, daß man auch auf der Veranda Weihnachten feiern wollte. Aber Weihnachten fiel gewöhnlich in die Regenzeit, deshalb das Zeltdach. Zum Mittagessen bekamen wir öfters von dem ägyptischen Koch Reste aus der Offiziers Küche, das war sehr schmackhaft. Um extra Lebensmittel, Liköre und Wein zu kaufen war eine Kasse vorhanden, in die jeder Offizier einzahlen mußte. Sonst bekamen sie die selben Lebensmittel als die Mannschaft. Zu Weihnachten bekamen wir vom Koch ein Krebsessen mit allen drum und dran, und jeder eine Flasche Gin, wir waren zu dritt.

Das Leben im Lager wurde immer besser. Ein großes Zelt wurde aufgestellt für Unterhaltung, Kino Vorstellungen jede Woche, die neusten Filme wurden gezeigt. Zauberkünstler, Hypnotiseur, Akrobaten gaben Vorstellungen. Musik vom großen Orchester bis zur Blaskapelle wurde geboten. Theatervorstellungen gingen über die Bühne, Lustspiele von Kleist und Bernhard Shaw. Ich erinnere mich an Pygmalion, the Merry Wifes of Widsor, das Bad auf der Tenne, der zerbrochene Krug, Kleister Älchen und andere. Ein Beispiel zeigt, daß die Vorstellungen sehr gut waren. Die britische Armee hatte ein Ferien-Lager im Gaza Strip für die Soldaten und Helferinnen, die Wacs wollten nicht glauben, daß die weiblichen Rollen von Männern gespielt wurden. Die Männer mußten ihr Brust zeigen. Die Künstler waren in einem Lager zusammen gefaßt und wurden bezahlt wie Facharbeiter. Es war viel Talent unter den 150 000 POW in Ägypten. Für uns war der Eintritt frei, nur Kino mußten wir bezahlen, weil die Filme gemietet wurden. Natürlich wurden auch Vorstellungen gegeben für die britischen Truppen in den Army Welfare Centres, die wir auch in kleinen Gruppen besuchen konnten, sie brachten uns auch zurück zum Lager mit Lastwagen. Im Anfang gingen wir im Dunkeln quer durch die Wüste, aber nach einigen Räubereien, waren wir vorsichtiger, bis die schwarzen Afrikaner die Dünen patrollierten. Auch konnten wir Sonnabends ein privates Kino besuchen, mußten natürlich dafür bezahlen. Überall waren Bücher und Zeitungen zu erhalten in beiden Sprachen, davon ich fleißig Gebrauch machte. Gegen die Moskitos wurden Moskitonetze ausgegeben. Sandstürme hatten wir öfters, vor dem feinen Sand konnte man sich nicht schützen, er drang durch alle Poren.

Eine Erinnerung ist unvergeßlich, ein Konzert in den Sanddünen außerhalb des Lagers. Ein Orchester von 100 Violinen und anderen Streichinstrumenten gab ein Konzert in der Dunkelheit. Eine Plattform war gebaut für die Musiker in einem Tal der Dünen, die Zuhörer saßen am Hang der Dünen im Sand. Die Plattform wurde beleuchtet von flackerden Öllampen. Sie spielten zum Anfang Isis und Osiris, später habe ich es wieder gehört und es machte keinen Eindruck. Aber in dieser Nacht war es wunderbar. Später wurde mir klar warum in El Fanara so viele Streichinstrumente gebaut wurden. Im Frühjahr 1948 wurde die ganze Kompanie nach Tobruk in der Cyrenaika geschifft und dann nach Derna verlegt.

In Derna (1948)

POW in Derna 1948.

Die Reise mit dem Schiff nach Tobruk war interessant. In Suez wurde alles auf Lastwagen geladen und dann am Suez Kanal entlang nach Port Said gefahren. In Port Said wurden wir auf ein Schiff verladen und die Reise ging los. Wir schliefen auf dem Deck und bekamen Marschverpflegung mit Tee. Das Schiff landete uns in Tobruk und wir blieben für ein paar Tage dort. Im Kriege war die Stadt schwer bombardiert worden und es war viel zerstört. Im Süden war ein Schlachtfeld das immer noch gemieden wurde wegen der Landmienen und Blindgänger. Alles war noch so, wie es nach der Sclacht verlassen wurde. Die Beduinen wagten manchmal dort Material und Fahrzeuge zu requisieren. Man erzählte sich dort, daß vor dem Kriege der Stammesälteste immer voran ging, aber jetzt mußten die Esel und die Frauen zuerst gehen. Tobruk hatte kein Trinkwasser, dem Seewasser wurde das Salz entzogen, daß gebrauchte man. Es schmeckte nicht, auch Tee und Kaffee nicht.

Die Cyrenaika, wie das Land damals genannt wurde, war eine italienische Kolonie gewesen. Es war ein fortschrittliches Land, mit einem guten Schulsystem, und fähigen Handwerken. Die Städte waren sauber mit guten Häusern. Man sah nur wenige britische Soldaten. Derna war einige Autostunden von Tobruk, auch an der Küste gelegen. Dort haben wir frühere italienische Kasernen belegt, die leer standen, aber in guten Zustand waren. Deutsche Truppen hatten wohl auch in den Kasernen gewohnt, denn Bilder an den Wänden waren von deutschen Soldaten. Wir wohnten aber in unseren Zelten. Eines Morgens wurde uns gesagt, daß der Proviant nicht nachgekommen war, und wir hatten nichts zu essen. Daraufhin gingen wir nicht zur Arbeit. Man beeilte sich und der Proviant kam Nachmittags an und wir gingen wieder zur Arbeit. Ich muß daran denken, was mit vielen anderen Kriegsgefangenen passiert wäre, hätten sie die Arbeit verweigert.

Viel Arbeit hatten wir nicht. Die Engländer mußten diese Länder auch räumen und wollten deshalb keine großen Projekte in Angriff nehmen, außerdem war sicher unsere Repatriierung geplant. Es würde interessant sein zu erfahren wer für die fast 4 Jahre unserer Gefangenschaft in Ägypten am Ende bezahlt hat.Wir haben doch keine Revenue produziert und waren doch nur Unkosten und das für 150 000 Gefangene. Wir bekamen jetzt Überstunden bezahlt, das erhöhte unseren Lohn auf 7.2 Piaster per Tag. Wir wurden alle 10 Tage pünktlich bezahlt und hatten keinen Grund zur Beschwerde.

Unsere Arbeit bestand aus kleinen Projekten, Nissen Hütten aufstellen, Ölheizung für Küchen und Wäschereien und ähnliches. Unsere Werkstatt war in einem Materialmagazine, dort fanden wie mehrere Tafeln Blech. Der Klempner in unserer Gruppe schlug vor, daß wir von dem Blech Koffer fabrizieren sollten, was wir dann auch machten. Der Klempner legte den Zuschnitt aus und zeigte uns den Werdegang. Bald war die ganze Gruppe dabei Koffer zu bauen. Die ersten Koffer waren für unseren Eigengebrauch, die nächsten wurden verkauft. Die Kaufleute im Bazar bezahlten einen guten Preis. In kurzer Zeit sah man die Koffer überall. Sie waren gut gemacht, stabil und brauchbar. Es dauerte nicht lange bis das Blech verarbeitet war, dann fanden wir eine Sorte Wellblech, die man leich auf einem Amboss mit dem Holzhammer flach hauen konnte, und die Production konnte fortgesetzt werden, und wir machten etwas Geld nebenbei.

Die Repatriation nach Deutschland hatte in Suez wieder angefangen, aber nur die mit einer hohen Punktzahl waren an der Reihe, wie Ältere, länger in Gefangenschaft, politisch nicht belastet. Jeder Gefangene hatte eine Anzahl Punkte, die sich nach dem Alter, wann gefangen genommen und politische Einstufung richteten. Ich hatte 3 Punkte für Mitläufer ( HJ) und 1 für Länge der Gefangenschaft, war also in der großen Menge. Politisch waren wir eingestuft in Nazi 0 Punkte = Mitglieder der NSDAP, Mitläufer 3 Punkte = HJ und ähnliches, Antifaschisten alle die gegen die Nazis waren 7 Punkte = KZ, Gefängnis, Verfolgte. Später in Derna fing die Rückführung ernstlich an. Die Demobilisierung der britischen Soldaten war ziemlich abgeschlossen und der Krieg in Palestina war wohl auch zu Ende, dadurch waren Schiffe frei geworden. Durch die Entlassungen der Älteren wurde ich Sectionsführer und bekam mehr Geld, welches später eine Rolle spielte.

Um uns vorzubereiten auf unsere Entlassung kamen Leute von verschiedenen Organisationen, Rote Kreuz, Deutsches Arbeitsamt, englische Professoren und hielten Vorträge über das neue demokratische Deutschland, die Arbeitsverhältnisse und Schulung, und wie wir uns anpassen und einleben können. Ich nahm Verbindung auf mit der Ingenieurschule in Hannover und wurde auch acceptiert, wenn ich die Aufnahmeprüfung bestehen würde. Aber daraus wurde nichts, weil das Geld knapp war, und ich hatte lange genug von der Hand inden Mund gelebt. Lesen war meine Hauptbeschäftigung zu der Zeit, eine gute Bücherei war in dem britischen Freizeit Centrum. Auch haben wir verschiedene handwerkliche Fertigkeiten praktiziert.

Die britische Verwaltung kam mit einem Angebot, daß wir einen Kontrakt für ein Jahr Arbeit abscließen könnten, der auch auf Wunsch verlängert würde. Freie Wohnung und Unterhalt, dazu einen Facharbeiter Lohn. Es war attraktiv, einige haben sich auch gemeldet, aber ich wollte nach Haus. Später traf ich Männer die dort geblieben waren, sie hatten es nicht bereut, und hatten eine Tasche voll Geld.

Im August wurde ich aufgerufen für die Heimkehr. Zur Entlassung bekamen wir zusätzlich zu unserer Khaki Kleidung und Wäsche noch eine Uniform und Mantel. Meine Blechkoffers waren voll mit Rauchwaren, Nabatine (Pflanzenfett), Kaffeebohnen, Seife und Kleidung. Kurz vorher war mir ein Zahn abgebrochen, ein Zahnartzt setzte mir einen Stiftzahn ein. Den Zahn habe ich viele Jahre behalten.

Bei Ende August 1948 war es endlich soweit, es ging nach Haus. Man fuhr uns mit Lastwagen nach Tobruk, hier warteten wir auf unser Schiff. Am 3. September bestiegen wir das Schiff und segelten nach Triest in Italien. Ich kannte Triest gut, war dort stationiert auf der Korvette 205, Colombina, welche an der Yugoslawischen Küste bei Sebenico von Jagdfliegern versenkt wurde. Wir fuhren mit dem Zuge durch Triest, es sah anders aus, als im Kriege. In Munsterlager wurden wir entlassen mit 40 DM Entlassungsgeld und zu meiner größten Überraschung bekam ich 1500 DM, welches die andere Hälfte unseres Verdienstes in Ägypten war, die man gut geschrieben hatte. Ich glaube niemand wußte etwas davon. Ich war genau 6 Jahe Soldat und Kriegsgefangener gewesen.

Eine Phase meines Lebens war zu Ende, manchmal war es nicht einfach, aber ich hatte es überlebt. Der Krieg hat mich nicht zum Helden gemacht, auch nach Rangerhöhung oder Macht habe ich nicht gestrebt. Haß habe ich nicht gefühltl oder Rache gesucht. Die Propaganda der Zeit und der Schule wurde negiert von einer realistischen Familie, die zurück blickte auf Generationen von Arbeitern und Handwerkern, die verstanden das Leben zu meistern. Sie liebten und achteten ihr Land , aber verabscheuten den engstirnigen Nationalismus, der zum Kriege führte. Im Kriege habe ich meine Pflicht und Verantwortung erfüllt, aber ich wollte auch nicht mein Leben lassen für Führer, Volk und Vaterland.

Die Jahre als Kriegsgefangener im Lager waren für mich gute Jahre. Ich hatte alles was ich benötigte und wurde anständig behandelt. Auch habe ich viel gelernt von anderen POW und den Arbeiten . Man gewöhnte sich wieder an die Routine der Arbei, verdiente auch etwas Geld. Wenn man unsere Gefangenschaft mit den Lagern in Rußland, Frankreich und anderen Ländern vergleicht, hatten wir den Himmel auf Erden. Nur die verheirateten Soldaten hatten es schwer, sie konnten ihre Familie nicht helfen über die schwere Zeit zu kommen.


Anmerkung des Verfassers

Das ist alles was ich zu sagen habe über „ I was a POW in Egypt“. Ich habe es gern geschrieben, es hat mich an vieles erinnert, jetzt gewürzt mit hohen Alter und Erfahrung. Geschrieben habe ich es für meine Familie aus der Erinnerung, deshalb sind wohl Fehler gemacht und Erinnerungen verwischt. Irgendwelche Rechte oder Copyrights behalte ich mir nicht vor. Jeder kann es gebrauchen wie er will und wann er will.


Günter Hille, Altona, Manitoba, Canada. September 4. 2008


KGL Deutsche Kriegsgefangene in den Kriegsgefangenenlagern der Gewahrsamsmächte des I.WK und II.WK

II.WK: Belgien | CSSR | England | Frankreich | Jugoslawien | Niederlande | Polen | Rumänien | Sowjetunion | USA

Persönliche Werkzeuge