Galindien

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Prußische Stammesgebiete
Baltische Stammesgebiete


Inhaltsverzeichnis

Geografische Lage

"Der Gau Galindien erstreckte sich ursprünglich etwa von der Alle bis zum Lyckfluß, von dem Baltischen Höhenrücken bis zum Narew. Die Südgrenze wurde in Verträgen zwischen dem Orden und Masowien mehrfach geändert. 1340 wurde sie an den Bober zurückverlegt. Im Frieden am Melnoesee (27. September 1422) wurde die Grenze so festgelegt, wie sie bis 1945 bestand. Nach der ältesten polnischen und russischen Überlieferung herrschte zwischen Galindern und Polen eine erbitterte Feindschaft. Bei Ankunft des Ordens war Galinden fast menschenleerer Urwald und wurde im Laufe der folgenden Jahrhunderte vom Orden aufgesiedelt." [1]

Galindiens Nordgrenze reicht an die prußischen Stammesgebiet Pogesanien und Barta. "Der Lage nach bekannt sind drei nordwestgalindische Landschaften: Gudikus (heute im Ortsnamen Gottken erhalten) um faßte die Kirchspiele der heutigen Dörfer Neukockendorf, Jonkendorf, Altschöneberg, Dietrichswalde. Bertung (im heutigen Groß Bertung bewahrt) war umrissen durch die Kirchspiele Braunswalde, Diwitten, Allenstein, Groß Bertung und Schönbrück. Gunelauken fiel später mit Amt und Stadt Wartenburg zusammen. Ob die Westgrenze Galindiens den Omulew(see) oder Orzyc entlang verlief, läßt sich nicht mehr sagen, sie war das Sumpfgebiet zwischen beiden Flüssen. Die Südgrenze war bestimmt durch den Narew bis zur Lyckmündung. Der Narew war gleichzeitig Grenze der Diözese Płock; Galindien gehörte jedoch zur Diözese Ermland. Die Ostgrenze Galindiens steht nicht fest; die Landschaft grenzte an Sudauen." [2]

Sage

Wie Widewuto das Land unter seine Söhne theilte

  • "Der achte Sohn, Galindo, bekam die Lande gelegen von Kaboso bis an die Gränzen der Masau (Anm.: Masowien); das Land hieß von ihm Galindien, und die Burg nannte er Galindo, ward auch nachgehend Galinderberg genannt. Das Volk wurde mit der Zeit mächtig ubd führte viele Kriege mit den Masuren."

Name

Der Name bezieht sich auf den Fluss Galinde und besagt, dass es sich um ein am Ende liegende Gebiet handelt.

  • prußisch "galas" = Grenzgebiet, Rand, Ende, Tod

Urkundliche Erwähnungen

  • 1231 Galindo
  • 1254 Galanda
  • 1255 Golentz
  • 1267 Galendia

Geschichte

Der Gau der Galinder wurde schon 180 n.Chr. bei Ptolemaeus erwähnt. Galinden wurde erst relativ spät von Creuzburg aus erobert. Wegen der teilweise sehr schwer zugänglichen Landschaft mussten die von den Ordensrittern bereits eingenommenen Gebiete wieder aufgegeben und später erneut erobert werden: 1285 und 1348 Lötzen, 1335 und 1396 Angerburg, 1345 Johannisburg und schließlich 1360 Ortelsburg. Da das Land fast menschleer war, ist die historische Quellenlage spärlich. Der Archäologe Gaerte hält es für möglich, dass ein großer Teil der Galinder mit den Goten gezogen ist, denn in den Pyrenäen häufen sich baltische Familiennamen, insbesondere der Name Galindo. Er hält es außerdem für denkbar, dass ein Großteil der Galinder nach wenigen Generationen heimgekehrt ist, jedoch diesmal als Germanen eingestuft worden ist. In das von Galindern verlassene Gebiet sickerten nach und friedlich die slawischen Masovier, die nicht den Polen zuzurechnen sind. In diesem Gebiet gab es eine prußisch-masowische Mischbevölkerung.

Sprachdenkmäler

Siehe auch

  • Barten (Rastenburg)
  • Galinda (masurische Seenplatte)
  • Chelmo (Thorn)
  • Lubawa/ Michelauer Land (Löbau)
  • Nadruwa (Insterburg)
  • Notanga (südlich von Königsberg, Preußisch Eylau)
  • Pagude (Heilsberg)
  • Pamede (Marienburg)
  • Semba (nördlich von Königsberg, Labiau)
  • Sassen (Tannenberg/Neidenburg)
  • Skalwa (Tilsit-Ragnit-Ruß)
  • Suduwa (Jatwinger) (Lyck, Suwałki)
  • Warme (Braunsberg)


Weblinks

Literatur

  • Handbuch der historischen Stätten Ost- und Westpreußen, Kröner Verlag Stuttgart, 1966-1981, Seite 61
  • Gaerte, Wilhelm: Urgeschichte Ostpreußens, Gräfe und Unzer, Königsberg 1929
  • Gerullis, Georg: Die altpreußischen Ortsnamen, Berlin, Leipzig 1922
  • Hermanowski, Georg: Ostpreußen Lexikon, Adam Kraft Verlag Mannheim 1980
  • Tettau, v.: Volkssagen Ostpreußens, Litthauens und Westpreußens, Berlin 1837

Einzelnachweise

  1. Handbuch der historischen Stätten Ost- und Westpreußen, Kröner Verlag Stuttgart, 1966-1981, Seite 61
  2. Hermanowski, Georg: Ostpreußen Lexikon, Adam Kraft Verlag Mannheim 1980S.116
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