Wisch und Umgegend/34
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[bearbeiten] Verwellenhof und Verwellensage
Der Verwellenhof lag auf einem Hügel nördlich vom jetzigen Holm. Als man in den Jahren 1880-82 den Deich errichtete, verschwand der Verwellenberg, indem man die Erde zum Deichbau verwendete. Man hoffte auf reiche Beute, fand aber nur Bauschutt. Nunmehr deckt ein teichartiges Gewässer, das Verwellenloch genannt, die sagenreiche Stätte.
Von diesem Hofe führte ein Weg nach der Kapelle. Diese
verschwand aber bereits um 1260. Somit haben wir es hier mit einer
der ersten Gründungen in christlicher Zeitära zu thun. Der Weg wird
ja eben von den Besitzern des Hofes benutzt sein, um dem
Gottesdienst in der Kapelle beizuwohnen. Jessien schreibt dazu
unterm 29. April 1865 an Cohrt: „Ich glaube, daß der Verwellenhof
der Anfang des vom Klosters angelegten Gutes Holm ist. Der Weg vom
Verwellenberg nach der Kapelle spricht hier das entscheidende Wort.
Darnach war der Hof vor 1260 da und wird durch dieselbe Flut
zerstört sein, die Altwisch und die Kapelle vernichtete (1260).
Dazu stimmt, daß die Frau Willa (welche den dem Landesfürsten
gebührenden Zehnten aus den Salzenwiesen für 48
[1] Pf. gekauft
hatte) ihren Zehnten im Jahre 1282 dem Kloster verkaufte, weil sie
nunmehr ihren Besitz zerstört sah. Somit wird denn der Hof
„Verwillenhof” geheissen haben, weil in plattdeutschen Urkunden
„Ver” soviel als Frau bedeutet. Wir hätten es hier demnach mit dem
Hof der Frau Willa zu thun. Wahrscheinlich war sie die Witwe des
Herrn Johann von Bremen.”
Der Name „Verwellenhof” scheint demnach eine Verhudelung, eine Verballhornisierung zu sein. Es ist somit nicht ausgeschlossen, daß wir es hier mit dem von Dankwerth erwähnten „Butzholm” zu thun haben. Wenn aber der Hof um 1260 unterging, so war er zu der Zeit, als Dankwerth, der Bürgermeister Husums, seine berühmte Chronik schrieb, längst verwüstet. Er ist aber vielleicht erwähnt, weil er in der Volkssage eine Rolle spielt. Die Sage lautet also:
Vor vielen Jahren wohnte auf dem Verwellenberge eine reiche Frau. Es war die Frau von Verwellen. Sie war so reich, daß sie den Weg „von Verwellen nach Kapellen” mit Species-Thalern konnte auslegen. Der unendliche Reichtum machte dieselbe übermütig. Sie vergeudete die Gottesgaben. Mit Flachs verrichtete sie das Unnennbare.
