Windenburger Ecke

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Lageplan der Windenburg 1826-1828
Windenburger Eck mit Leuchtturm und Vogelwarte

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Die Windenburger Ecke gehört zu einer Geschiebepackung im Kurischen Haff, die mit dem Diluvialgebiet von Rossitten auf der Kurischen Nehrung in Verbindung steht.

Diese berühmt-berüchtigte Ecke ist für die Schiffahrt eine besonders gefährliche Stelle. Bei starken Winden, besonders bei dem Aulaukis, einem Südweststurme, können die Schiffe leicht gegen die sich in das Haff hineinziehende Steinbank geworfen und gefährdet werden. Früher war es den Windenburgern immer eine große Freude, wenn die Flöße durch den Sturm zerrissen wurden. Das umherschwimmende Holz wurde von ihnen als willkommenes Strandgut erbeutet. In ihrer Kirche sollen sie sogar um starke westliche Winde gebeten haben und zu diesem Zwecke manche Opfergroschen auf den Altar gelegt haben. Seit 1873 wird diese gefährliche Ecke von Fahrzeugen und Flößen gemieden. In diesem Jahre wurde der König-Wilhelm-Kanal fertig.

"Als Giese (1826-1828) die Gegend um Kinten durchforschte, fuhr er mit dem Fischmeister, Schulzen Lagnitis in Minge auf das kurische Haff hinaus, um die versunkene Burg zu suchen, und berichtet darüber: "Die Windenburg 18-34´ tief unter dem Wasserspiegel des kurischen Haffs, eine Meile südwestlich dem jetzigen Dorfe Windenburg in der Richtung zwischen Rossitten und Nidden... Die Mauern mit wussegrünem Moos schon stark bewachsen, haben um sich eine etwas größere Tiefe wie bezeichnet und sind der Aufenthaltsort der Fische bei stürmischem Wetter, daher die Stätte fast immer von Fischern der Gegend besucht ist, die daher fast jeden Stein kennen, indem sie mit Stangen ihre Netze daran befestigen und durchsuchen. Nur bei sehr stillem und klarem Wetter ist die dunklere Stätte von dem übrigen Grunde zu unterscheiden. Von der Stätte aus bis zur jetzigen Windenburger Eck bildet der Grund des Haffs gleichsam ein Erdriff, das sich meerwärts stets erhöht und noch eine Meile von der Windenburger Eck aus dem Wasser tritt." [1]

"Auf der Windenburger Ecke liegt Windenburg. Hier stand eine Ordensburg, die 1360 erbaut wurde. Sie sollte zur Sicherung der Haffküste und der Rußmündung gegen die Einfälle der Litauer dienen. Die Burg ist, ebenso die Kirche, von den Wogen des Haffes verschlungen worden. Wann das geschehen ist, läßt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Windenburg hat ein Haffleuchtfeuer. Das Licht befindet sich in einem dunkelbraunen, achteckigen massiven Turme. Das heutige Windenburg liegt nicht auf der äußersten Spitze des Vorsprunges, die durch Steinpflasterung gegen die Brandung geschützt ist, sondern etwa 2 km nordwärts. Früher reichte die Windenburger Ecke weiter in das Haff hinein." [2]

Name

Untiefen bei der Windenburger Ecke, möglicherweise das versunkene Vendien mit der Prußenburg

Der Name ist eine Anpassung an das Deutsche. Der erste Namensbestandteil ist prußisch-kurisch abzuleiten und hat mit Fischfang zu tun, der an der Mündung der Memel-Delta-Arme und den besonderen Strömungsverhältnissen einträglich war. Hier befinden sich Fischgründe, die durch Aufstellung des Wenternetzes ausgebeutet werden. Die Bezeichnung Wencze rags gibt es noch einmal im unteren Szeszuppetal. Beim zweiten Namensbestandteil "-burg" dürfte der Bezug zur schalauischen Stadt Jomsborg/ Witlandie/ Windland bestehen, die in den dänischen „Annales Lundenses“ im Zeitraum von 974 bis 1043 erwähnt wird und mit dem in der Prußenchronik erwähnten Vendien am "Keurisch hab" identisch sein dürfte. Wie die Sagen berichten, ist sie im Haff versunken.

  • prußisch "wenter" = klingelbeutelartiges Fischernetz, das bei der Stellfischerei mittels langer Stangen (Pricken) auf dem Boden des Wassers dort befestigt wird, wo man den Zug der Fische erwartet
  • "wenteris" = Fischfalle
  • lettisch "venteris" = Fischreuse
  • nehrungs-kurisch "ventirs" = Hamen, Netz, Fischreuse

Zu Vendien:

  • kurisch "venys" = Weideland
  • prußisch "wena" = Mitgift der Braut
  • "diegas" = Keim
  • "dinga" = fruchtbare Stelle
  • Vgl. dazu den Ort Venedien (1332)/ Venedige (1419)/ Venedien oder Venedig (1785) im Kreis Morungen-Saalfeld sowie die Insel Venedig in Königsberg/ Stadtteil Haberberg, Nähe des Aschhofs am Pregel.

Zum Ulm-Fluss:

  • Der Name Ulm wurde von Dänen und Deutschen als Holm missinterpretiert und auf die vorgelagerten Inseln bezogen.
  • indogermanisch "elm, ilm" entsprechend preußisch-litauisch "almas" = Eile, Hast, das Wasser strömt reißend dahin

Vogelwarte

Johannes Thienemann gründete 1901 in Rossitten auf der Kurischen Nehrung die erste Vogelwarte, die auch von Heinz Sielmann besucht wurde. Die Vogelwarte in Windenburg befindet sich am im Jahr 1863 erbauten Leuchtturm und wurde 1929 als Pendant zu Rositten gegründet. Damit wurden Windenburg und Rossitten Teile einer Kette ornithologischer Stationen zwischen Russland und Schweden bis Spanien.

Zeitzeugen

Leuchtturm mit Blick auf dieNehrung (Hardy 19 97)
Vogelwarte (Hardy 1997)

" Aber nun weiter zur Windenburger Ecke -jener berüchtigten Klippe, gefürchtet von Flößern, Frachten- und Sportseglern und besonders der Berufsfischerei. Dort fegte, außer Ost-, jeder Wind ungestüm in die sich landeinwärtsziehende Bucht der Krakerorter Lang - ein vom Haff aus kaum erreichbarer Binnensee, über steinigem Grund und zahlreichen Untiefen, sodass sich hier oft kreuz- und querlaufende Wellen auftürmten und gleichzeitig die Gefahr bestand, auf Grund zu laufen. Viele Flöße und Fischerboote sind an der Windenburger Ecke zerschellt. Man sagt, dort, wo der sechseckige Leuchtturm steht, soll in grauer Vorzeit die heidnische Windenburg gelegen haben. deren Bewohner den Göttern Dank sagten, wenn ein Schiff an den Klippen strandete. Dann teilten sie die Beute untereinander auf, nachdem sie die noch lebenden Schiffer ihren Göttern geopfert hatten.

Nicht weit von hier findet sich eine Vogelwarte, die mir bereits aus den zwanziger Jahren bekannt ist. Mein Vater (Anm.: Max Köhler) war damals mit Professor Thienemann von der Rossitter Vogelwarte befreundet gewesen. Dann und wann hatte er sich von Heydekrug per Fahrrad oder mit dem Einspänner auf den beschwerlichen weiten Weg gemacht, um verletzte Piepmätze aller Art vom Leuchtturmwärter abzuholen und diese, möglichst wieder flugfähig und mit Ringen versehen, auf freie Wildbahn zu setzen.

Als Heranwachsender hatte ich meinen Vater einige Male begleitet, war auch die Wendeltreppe des Turms bis zur Leuchtkuppel hinaufgestiegen. Das tue ich nun wieder, mehr als sechzig Jahre später! Der weite Blick erscheint mir heute noch eindrucksvoller - atemberaubend. Ich erinnere mich, wie ich von hier oben manches Mal die heranrauschenden Wellenberge und die aufsteigende Gischt, die der Sturm weit über Gärten, Mole und Weiden zerstäuben ließ, beobachtet habe. Heute ist klare Sicht, ein windstiller Tag. Ich blicke hinüber zur Nehrung, erkenne das Leuchten der Niddener Wanderdünen. Für die Schifffahrt hat der Windenburger Leuchtturm heute keine Bedeutung mehr. Früher haben die Schiffer diesen Teil des Haffes, wie gesagt, möglichst gemieden."

Quelle: Köhler, (Jonny) Wilhelm: Verlorene Heimat! Wiedergefunden -!-, Erinnerungen eines Memeler Bowke und Heydekrüger Lausbub von 1920 bis 1939, Lübeck 1999, S. 110 f

  • Die Familienforschungsgruppe Memelland gratuliert Jonny Köhler herzlich zum Geburtstag! Der passionierte Segler nennt es selbst seine "93-igste Lebensboje, die er umrundet" (2009).

Literatur

  • Ambrassat, August: Die Provinz Ostpreußen, ein Handbuch der Heimatkunde, 1912, Nachdruck Weidlich, Frankfurt a.M. 1978, S. 294
  • MEYER, Richard: Heimatkunde des Memelgebiets, Memel 1922, S.28.
  • Sudermann, Hermann: "Die Reise nach Tilsit" und "Litauische Geschichten"

Einzelnachweise

  1. Bötticher, Adolf: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen, Heft V. Litauen, Königsberg 1895, S.69f
  2. Ambrassat, August: Die Provinz Ostpreußen, ein Handbuch der Heimatkunde, 1912, Nachdruck Weidlich, Frankfurt a.M. 1978, S.294
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