Lütte/ Pfarrer
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Die Pfarrer von Lütte
- 1. Johann Peter Ehlen (1527 – 1540)
- 2. Fabian Krieschew (1540 – 1553)
- 3. Andreas Baumgarten (1553 - 1585, ordiniert in Küstrin, aufs neue nachexaminiert von Herrn Philippo (Melanchton) und Dr. Pomerano. Er hat sich von 21 Jahren 1554 verehelicht, ist ebenso lange im hiesigen Pfarramt gewesen, hat vor demselben keinen anderen Kirchendienst gehabt, ein wohlgeschickter Mann, hat auch in der Visitation ein gutes Zeugnis erlangt.
Der l. Küster in Lütte hat geheißen: Andreas Linft (Luft), zugleich Leinweber, hat vier lebendige Kinder. Küster in Fredersdorf zu derselben Zeit war Adam Schäfer, auch ein Leinweber, hat diesen Dienst 11 Jahre verwaltet, ein guter, frommer Mann.
- 4. Franz Wolter (1585 - )
- 5. Andreas Christoph Schernack [Schernäcius] (ca. 1620/ 1650)
- 6. Kaspar Prätorius (ca. 1650/ 1685)
- 7. Jacob Chemnitius (1685 – 1718)
- 8. Jacobus Andreas Chemnitius (1718 – 1739)
- 9. Johann Gottlieb Hemming (1739 – 1749)
Der 1. Pfarrer der Parochie Lütte, dessen die Kirchenbücher und Akten von 1769 an, die früheren sind 1833 verbrannt, Erwähnung tun, ist
- 10. Magister Johann Gottlieb Flemming (1749 – 1779). Er hat die Kirchenbücher geführt von 1769 an bis 1779, wird aber wohl früher schon amtiert haben. Seine letzte Taufe ist gewesen nach der Handschrift 1779 Nr. 2, seine letzte Leiche 1779 Nr. 4, seine letzte Trauung, für den Vater gewiß sehr rührend und feierlich 1779 Nr. 4, denn er hat damals seine jüngste Tochter Jungfrau Amalie Dorothea Constantina Flemming getraut mit dem Bürger und Hüfner in Brück Johann Peter Hübner am l. Februar. Er hat in diesem Jahre einen Adjunkten und seinen Nachfolger ad 2 erhalten. Einer seiner Söhne ist auch Pfarrer irgendwo im Königreich Sachsen gewesen. Ich erinnere mich, noch 1832 eine Zuschrift von seinem Sohn oder Schwiegersohn erhalten zu haben mit der Bitte um einige, die Familie betreffende kirchliche Notizen und der Beschreibung einer Amtsjubelfeier, sie ist mir jedoch beim Brande 1833 verlorengegangen, ich habe nur eine dunkle Erinnerung davon. N.B. Der alte Pastor Herr Magister Johann Gottlieb Flemming ist hier in Lütte gestorben im Jahre 1779 am 19. April früh 9 Uhr nach viertägiger Unpässlichkeit. Er hat das hiesige Pfarramt 29 Jahre lang treu verwaltet und ist feierlich mit Gefolge seiner drei Gemeinden auf dem hiesigen Kirchhofe bestattet worden am 21. April mit einer Parentation über den selbst gewählten Text Joh. 16,28 (Ich bin vom Vater ausgegangen ... und gehe zum Vater zurück), welche ihm sein Amtsgehilfe Magister Benjamin Christian Quellmalz gehalten hat. Sein Lebensalter ist gewesen 74 Jahre, 4 Monate, 10 Tage, sein Dienstalter 45 Jahre. Er war zuerst 1733 Feldprediger in Polen, dann Pfarrer in Schmerkendorf bei Liebenwerda und zuletzt seit 1749 in Lütte. Die älteste Tochter hat der Vater auch getraut 1769 Nr. 2, sie hieß Jungfrau Sophie Christiane, mit dem Bürger und Hüfner in Brück Johann Gottlieb Lobbes.
- 11. Magister Christian Benjamin Quellmalz (1779 – 1804). Er hat seinen Predigtamtseinzug gefeiert in Lütte als Pfarradjunkt am ersten heiligen Ostertage 1779, dem 4. April. An demselben Tage hat er auch seine erste Leiche gehalten in Gemeinschaft mit seinem Emeritus Herrn Magister Flemming. Es war nämlich in Lütte gestorben den 31. März Frau Dorothea Elisabeth Blänkner, Ehefrau des Herrn Johannes David Blänkner, Schulmeisters, Küsters und Organisten. Ihr Begräbnis ist an jenem hohen Festtage nachmittags feierlich gehalten worden, der alte Pastor Flemming hielt hier die Leichenpredigt über den L, und der neue Pastor die Abdankung über den letzten, 7. Vers des Passionsliedes „Wie dein betrübtes Leiden" (Nr. 122 des Altdresdner Gesangbuches), welches die alte, fromme Frau sich selbst gewählt hatte, 65 Jahre, 5 Monate alt. Es ist wohl des Doppelfestes wegen eine sehr zahlreiche Leichenbegleitung gewesen von etwa 100 Personen (siehe Totenanzeige v. Lütte 1779 Nr. 4). Pfarrer Quellmalz ist unverheiratet geblieben, seine Schwester hat ihm die Wirtschaft geführt bis an dem Tag seines Todes, den 24. Januar 1804, an welchem er früh 10 Uhr gestorben ist an Leberverhärtung. Seine Schwester hat ihm vor dem Eingange zur alten Kirche ein Denkmal von Sandstein mit Inschrift setzen lassen, der Stein steht noch heut auf dem Kirchhofe, die Schrift aber ist fast unleserlich.
- 12. Herr Johann Josua Joseph Hugo (1804 – 1828) hat das Pfarramt in Lütte verwaltet von 1804 bis 1829, Sonntag Exaudi, den 7. Mai. Er war der Sohn eines armen Winzers zu Naumburg an der Saale, geboren 1754, den 2. Juni, hat sich, von seinen armen Eltern zum Tischler bestimmt, dennoch durch Kummer und Sorgen emporgearbeitet, durch Fleiß und gutes Betragen das Wohlwollen und die Unterstützung der Lehrer und des Pfarrers erworben, ist vielfach doch nur kärglich unterstützt worden auf der Domschule in Naumburg und später auf der Universität zu Wittenberg, hat durch Gottes wunderbare Hülfe alle Schwierigkeiten überwunden und als erste Stelle das Diakonat und Rektorat in Brück erhalten im Jahre 1791, am Sonntage Quasimodogeniti. Auf dieser kärglich dotierten Stelle hat er wieder 13 Jahre mit Not und Sorge, Armut und Krankheit sich ritterlich durchgeschlagen und ist dann in das Pfarramt zu Lütte berufen worden. Am Sonntage Quasimodogeniti 1804 hält er hier die Probepredigt, wurde angenommen und trat sein Amt am Sonntag Rogate an, bereits 50 Jahre alt. Bis zu seinem 75. Lebensjahre hat er dasselbe durch Hülfe des Herrn, der in den Schwachen mächtig ist, verwaltet, dann erbat und erhielt er einen Adjunkten (Nr. 4), ist nach Belzig zu seinem Schwiegersohn gezogen mit 150 Talern Emeritengehalt aus den Pfarreinkünften zu Lütte, bald darauf aber schon 1830 im August gestorben. Auf der Straße ist er umgesunken, vom Schlage getroffen. Er ist zweimal verheiratet gewesen, das erste Mal in Brück mit Jungfrau Ernestine Friederike Groß, Tochter des Pfarrers Groß zu Kaltenborn, 1791, den 10. Juli, die ihm vier Kinder geboren und später, als er diese Lebensgefährtin, deren Liebe und Treue er nicht genug rühmen kann, in Lütte 1809, den 24. August, verloren hatte, mit der Witwe des Küsters und Schullehrers Ganzert in Lütte, 1811, den 17. Oktober (s. seinen kurzen Lebenslauf in den Pfarrakten) Lit.C Nr. l.
- 13. Herr Carl Valentin Schulze (1829 – 1831) hat in Lütte fungiert von 1829 Exaudi, bis 1831 Reminiscere, um welche Zeit er nach Pretsch an das Mädchenwaisenhaus als Prediger versetzt worden ist. Geboren 1795, den 1. August, zu Podelzig bei Frankfurt a. d. Oder, woselbst sein Vater Pfarrer war, hat er seine Schulbildung zuerst im häuslichen Unterricht seines Vaters, dann auf der Oberschule in Frankfurt und von Michaelis 1812 an auf dem Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin. Im folgenden Jahre schon wurden seine Studien hier unterbrochen durch den Freiheitskrieg 1813 vom 9. Februar an, den der 18jährige Jüngling, fortgerissen von der hohen und frommen Begeisterung des ganzen preußischen Volkes, mit Mut und Ausdauer mitgefochten hat unter den Freiwilligen des Gardejägerbataillons. Er hat die heißen Schlachttage von Großgörschen, Bautzen, Dresden, Kulm, Leipzig, Brienne und Paris durchgekämpft, hat als Kranker mitten unter den aufrührerischen Bauern in der Gegend von Vesoul viel Gefahren überstanden, dafür aber 7 Wochen in der Hauptstadt Frankreichs Geist und Herz gehabt, in den dort so reichen Museen der Kunst und Literatur und in dem Krankenhause zu Guise viel edle Menschen, auch unter den Feinden, kennengelernt, denen er treue Pflege, herzliche Teilnahme, Gesundheit und Leben verdankt, durch solche Beweise der göttlichen Gnade ist sein Glaube felsenfest begründet worden. Michaelis 1814 setzte er seine Studien auf dem Grauen Kloster in Berlin fort, studierte von Michaelis 1816 an Theologie in Halle und Berlin, wurde 1819 im August als Lehrer und Erzieher am Militärwaisenhaus zu Potsdam angestellt, 1824 im April als Prediger und Rektor in Joachimstal, woselbst er sich auch mit Fräulein Nobiling in Berlin vermählt hat. 1829 im Mai wird er in das Pfarramt zu Lütte berufen, das er aber bald 1831, wahrscheinlich durch die ungewohnten und unnennbaren Sorgen, Mühen, Kosten der Selbstbewirtschaftung des eben nicht sehr einträglichen Pfarrackers geschreckt, vertauscht hat mit der viel ruhigeren Stelle eines Predigers am Mädchenwaisenhaus zu Pretsch. (siehe Pfarrakte Lt.C. Nr. 2) Außer den amtlichen Verhandlungen wegen der Pfarrauseinandersetzung etc. habe ich nichts mehr mit ihm zu tun gehabt, auch nichts mehr von ihm gehört, er soll eine gute Landstelle in der Provinz Sachsen erhalten haben.
- 14. Ich endlich, Gustav Adolf Uhlmann (1831 – 1871), bin diesem heldenmütigen Pfarrer, der mit gleicher Kraft die Waffen des Fleisches und des heiligen Geistes gegen geistliche und leibliche Feinde geführt hat, zu Ostern 1831 im hiesigen Pfarramte gefolgt und verwalte es nun durch die Gnade des Herrn, der in Schwachen stark ist, schon 34 Jahre bis heute 1865 im August. Ich bin 66 Jahre alt und denke, hier mit den Waffen in der Hand zu sterben. Geboren 1799, den 12. Januar, im Dorfe Fahrland bei Potsdam als der dritte Sohn des dortigen Pfarrers Herrn Johann Daniel Uhlmann habe ich meine Schulbildung in Potsdam auf dem dortigen Gymnasium erhalten von 1804, in welchem Jahre mein Vater nach dieser schönen Stadt als Diakon an die St. Nikolai-Kirche berufen wurde, bis 1819, in welchem Jahre ich zur Universität Berlin abgehen konnte, um Theologie zu studieren. Nach Vollendung dieser Studienjahre erhielt ich die Stelle des jüngsten Lehrers am Gymnasium zu Potsdam 1822 zu Michaelis, 1825 zu Ostern das Pfarramt in der nahe bei jener Stadt gelegenen Weberkolonie Nowawes, in welcher ich gern geblieben wäre. Aber ich hatte mich unterdessen, nachdem der Vater schon 1807, die Mutter 1830, gestorben waren, als Kollaborator in Potsdam verheiratet mit Fräulein Richter, Nichte des Oberbaurates Richter daselbst, war in einer unaussprechlich glücklichen Ehe schon mit drei Kindern gesegnet, und zu deren Erziehung reichten die Einkünfte von Nowawes (400 Taler) nicht länger hin. Nach vielen abgewiesenen Bewerbungen erhielt ich endlich 1831 die Pfarre zu Lütte, dachte hier endlich zur Ruhe zu kommen, mußte aber bis jetzt mit Not und Sorgen kämpfen. Indessen hat der treue Gott auch mir geholfen, oft ganz wunderbar und ganz unerwartet, wie es seine Art ist, dass ich 1831 die großen Kosten der Übernahme der Pfarrwirtschaft, 1833 die Flammen und Verwirrungen des großen Brandes, 1834-1835 Viehsterben und Mißernten, 1844 den Tod meiner unendlich geliebten Gattin, 1847 und 1848 die Leiden der Separation, 1855 die Schrecken der Cholera und die Kosten und Sorgen der Schul-, Universitäts- und Kandidatenjahre für drei Söhne bis 1865 glücklich habe überwinden können. Ja, ich blicke mit Freude, wie mein heldenmütiger Vorgänger auf seine Taten und Leiden im Freiheitskampfe, so auf dies Ringen und Kämpfen mit Not und Sorge zurück, denn ich habe den Gott kennen und fühlen gelernt, der uns stärkt und hilft und Gebete erhört. Ich rühme mich der Trübsal, denn Trübsal bringet Geduld, Geduld aber Erfahrung, Erfahrung aber Hoffnung, und Hoffnung läßt nicht zu Schanden werden (Römer 5.3). Ich singe mit fröhlichem Herzen: Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt... Gelobt sei Gott, der bis hierher geholfen hat und weiter hilft, ja er wolle mir, meinen lieben Kindern, 4 Söhnen und 2 Töchtern und meiner braven, treuen Frau, Fräulein Henriette Strauß aus Zinna, die seit 1844 uns so fromm und segensreich beigestanden hat, aufhelfen zu Seinem himmlischen Reiche! Amen! Was mich geistig frisch und fröhlich erhält, ist die Predigt der reinen Offenbarung Gottes nach Luthers Kleinem Katechismus und der lebendige Glaube. Was mich leiblich stärkt, ist die Bewegung in der freien Luft, das Luftbad auf den Hügeln, in den Tälern, Erlengebüschen, Feldern und Wiesen meines schönen Dorfes. Ich glaubte im ersten Jahre auch nicht, ebenso wie der alte Hugo, dass ich das viele Predigen und Reden lange aushaken würde, aber der Herr hat mich durch jene Mittel wunderbar gestärkt. Das empfehle ich meinen Nachfolgern zur Kur. - probatum est!
- 15. Karl Adolf Uhlmann (1871 – 1889)
- 16. Gustav Johannes Georg Dürr (01. Oktober 1889 – 01. November 1901)
- 17. Christian Daniel Berthold Trapp (1902 – 1932)
- 18. Hermann Friedrich Ernst Reichmuth (1933 - )
Quellen:
- Die evangelischen Pfarrer der Mark Brandenburg
- Lütter Chronik von Pfarrer Uhlmann (1865)
