In Karls des Großen Residenz

aus GenWiki, dem genealogischen Lexikon zum Mitmachen.

Wechseln zu: Navigation, Suche

In Karl's des Großen Residenz

(Aus "Vom Fels zum Meer", Jahrgang 1888)

abgedruckt im Adressbuch für Aachen und Burtscheid 1887

An einem kalten, nebligen Wintertag fuhr ich auf der Fahrt nach Paris das erste Mal der alten Kaiserstadt Aachen entgegen. Wie jeder gute Deutsche reckte ich, aus der Nacht des Stolberger Tunnels auftauchend, den Hals, um möglichst viel von Gegend und Stadt bei dem Durchfliegen des Eilzuges zu erhaschen. Wellige Landschaft, lange bewaldete Höhenzüge, Dörfer, Einzelhöfe, ein gewaltiges Hüttenwerk, Fabriken hier, Fabriken dort, ein langer Viadukt, eine Burg mit einem Weiher, eine Häusermasse aus dem Nebel links, eine Häusermasse aus dem Nebel rechts auftauchend, ein Blick in eine lange, breite, stattliche Straße hinab, ein niederes Bahnhofgebäude - "Aachen! fünf Minuten Aufenthalt!" Lärmen, Gedränge: "Einsteigen!" Und dahin schnoben wir unter dem Duogepuff zweier Lokomotiven die einst sehr berühmte schiefe Ebene hinauf, dem Waldgebirg entgegen, in den Tunnel hinein und - von Aachen hatte ich so gut wie gar nichts gesehen. Es mag auch wenige so große Städte geben, von denen man von der Bahn aus so wenig sieht, wie von Aachen, trotzdem man zwischen ihm und dem mit ihm zusammengewachsenen Burtscheid hindurchfährt.

Damals sann ich, was in aller Welt wohl den großen Karl bewogen haben könnte, gerade diesen Fleck Erde zum Mittelpunkt seines Reiches von den Pyrenäen bis zum Rhein zu machen.

Die heißen Quellen? Statim e somno lavantur saepius calida ut apud quos plurimum hiems occupat, sagt schon Tacitus von den alten Deutschen höchst sonderbarlich. Und war der große Karl ein so sparsamer Hauswirth, daß er die Heizung zu sparen sich den heißen Quellen zu lieb hier ansiedelte, die warmen Bäder gratis von der Natur zu beziehen? Oder war es alleine die strategische Lage Aachens?

Jedenfalls hat auch das Volk schon in den ältesten Zeiten sich gleich mir Gedanken über Karl's Wahl gemacht und sich den Kopf zerbrochen, bis es des Geheimniß herausgebracht hat. Mit natürlichen Dingen ist es nicht zugegangen. Der große Karl liebte eine Frau unsäglich und konnte nie ohne sie sein. Und als Fastrada starb, konnte er sich auch von der Tochter nicht losreißen. Da entdeckte der Erzbischof Turpin den Zauber, der den König an Fastrada kettete. Sie trug einen Ring; als Turpin der Todten denselben genommen, war der Zauber Fastrada's gebrochen, aber wo der Ring war, dahin zog den König die Sehnsucht. Da warf der Erzbischof den Ring in den Weiher an der Frankenburg zu Aachen. Und fortan siedelte Karl unweit dieser Jagdburg sich an und so ward Aachen Kaiserstadt. . .

Als ich dann wieder nach Aachen kam, war es Sommer. Grün ringsum das Land, grün die herrlichen Wälder auf den Höhen. Ich ging auf den Lousberg, welcher die Stadt überhöht, und schaute über diese und die weite, fruchtbare Thalmude und die Hügel, weithin bis zu den blauen Höhen der Eifel, da sah ich, daß der große König zum Nützlichen auch das Anmuthige nicht vergessen hatte bei der Wahl seiner

Urbs Aquensis, urbs regalis
Regni sedes principalis;
Prima regum curia.

Ich ging auch zur Franckenburg. Doch schweigen wir von Fastrada's Ring.

Dort war und ist ein neues Stadtviertel in Gründung. Breite Straßen sind ausgelegt. Leider - darf man wohl sagen - ist dort keine Villenvorstadt geplant, sondern eine gewöhnliche Stadt= und Straßenanlage mit Haus an Haus. Längst schon ist dort der See mit Fastrada's Ring zusammengeschrumpft zu einem kleinen Weiher um die Burg. Der Bahndamm geht mitten durch den früheren See. Aber nun werden Anhöhen abgetragen und Niederungen damit ausgefüllt. Jetzt ist von dem Zaubersee nur ein Endchen Kanal für die Gartenanlage und eine Rohrlache übrig. Ueberhaupt sind die großen Weiher, die einst die Thalmulden von Aachen füllten, ausgetrocknet. Fastrada! Was ist uns Hecuba? Aber ob der alte Zauber damit nicht vielfach geschwunden ist um der Wiesen= und Ackergründe willen?

Daß aber Fastrada's Ring gefunden und an einen andern Badeort gebracht sei, ist nicht wahr. Man frage nur die Aachener! Schliemann mag immerhin Agamemnon's Grab und Todenmaske gefunden haben - Fastrada's Ring wird keiner finden und wegschleppen können. Aber es geht merkwürdig zu in der Welt und man kann nicht genug aufpassen. . .

Aachen ist jetzt eine große Fabrik= und Badeortstadt. Mit der nahen Stadt Burtscheid ist es zusammengewachsen, so daß stellenweise die eine Straßenseite nach Aachen, die andere nach Burtscheid gehört - was bei Briefen Nachzahlung eintragen kann, wenn man hinsichtlich solcher Straßenseiten nicht orientirt ist. Denn Aachen und Burtscheid haben getrennte Postämter und über die Straße kostet also der Brief unter Umständen 10 Pfennig statt 5 Pfennig, weil in fremde Stadt gehend. Ordnung muß sein! Eheu! - O heiliger - ! aber wer ist Postheiliger? - Die beiden Städte zählen zusammen über 100.000 Einwohner, Aachen allein gegen 90.000 (Die Volkszählung vom 1. December 1885 ergibt für Aachen 95.725 und für Burtscheid 12.193 = 107.918 ortsanwesende Personen.)

Will man die Fabrikmacht der beiden Städte sehen, so schaue man Abends von den Höhen auf sie herab. Da glühen die Augen der Fabrikstadt - alle die Fenster der gewaltigen Fabriken sind erleuchtet; in der Stadt, um die Stadt liegen sie; lange Lichtreihen, drei=, vierfach übereinander; und wie Nordlicht fliegt wohl Feuerschein über den Himmel, so daß ich erst erstaunt war in den Straßen, als ich sah, daß Niemand sich darum kümmerte. Aber man ist das hier gewöhnt: die großen Eisenwerke gießen.

Doch kümmern wir uns hier noch nicht um Fabriken - Aachen, der Kaiserstadt, gilt jetzt unsere Betrachtung.

Es ist eine anmuthige Landschaft und mild das Klima, das mildeste in Deutschland. Strenge Winter kennt man kaum; die Seeluft wikt noch ein hier am Rande des Hügelzuges, der von dem Höhenzug der Karlshöhe sich abzweigt, und auf dem Alt=Aachen erbaut ward, und in der Thalmulde darunter und dann wieder in der Burtscheider Senkung sprudeln die heißen Quellen hervor, welche Aachen den Namen gegeben (aquae) und es zu einem der berühmtesten Badeorte der Welt gemacht haben.

Schon die Römer, die Thermenfreunde und Schwärmer, haben sich hier in dem alten Eburonenlande angesiedelt, in welchem sie mit Ambiorir harten Strauß zu bestehen hatten. Zahlreiche bauliche Ueberreste von Bädern und Wasserleitungen, dann Münzen und Alterthümer sind gefunden. Einer Stadt hier thut freilich kein römischer Schriftsteller Erwähnung. Heerstraßen führten hier durch von dem Maasübergang (Mastricht) an den Rhein, an dem in Köln, Neuß, Xanten u. s. w. die befestigten Hauptlager errichtet waren.

Dann schoben die Franken sich vor. Und hier zwischen Maas und Rhein war das ripuarische Frankenland. Wahrscheinlich erhob sich jetzt über den römischen Trümmern die von Pallisaden umgeben Blockbauvilla eines fränkischen Großen, vielleicht schon geschützt und geziert durch festen Steinthurm. Die Siegeszeit der Franken kam, in der sie Christen werdend und mit dem Papste sich verbündend die arianischen Burgunder und Westgother besiegten und das alte Gallien zum Frankenreiche einten. Aber über die Merowingische Königsfamilie empor wuchs das Geschlecht der Hausmeier und Herzoge aus Heristal an der Maas, bis Pipin der Kleine, der glücklich Usurpator, sich selbst zum König machte.

Schon Pipin hatte in Aachen eine Pfalz; ein paarmal wird seines Aufenthaltes darin gedacht; vielleicht ist sein Sohn Karl darin geboren, noch in der Hausmeierzeit. Dann ward Karl Theilkönig, dann durch Vertreibung seines Neffen allein König aller Franken.

Und nun wurde die Pfalz von Aachen sein Lieblingssitz und machte er daraus die Hauptstadt seines Reiches.

Hat er sonst diese Gegend geliebt und die Annehmlichkeiten der heißen Quellen geschätzt, in deren Bädern er sich nach der Jagd erfrischte, so kam sicher noch anderes dazu. Aachen, mitten im fränkischen Kernland, lag nicht zu weit ab und war nicht durch Höhenzüge - im Winter schwer passierbar - getrennt vom Weltreich und doch wieder nahe genug den nordöstlichen und östlichen Grenzen, gegen welche die Hauptpolitik des großen Frankenkönigs gerichtet war, um den letzten freien, heidnischen Stamm der Deutschen, die Sachsen, zu unterwerfen.

Der schnurrbärtige König der Franken war in Wahrheit ein großer, genialer Geist, ein Neuerer wie wenige Menschen, ein Mann, der die wüste Wirthschaft barbarischer Uebergangszeiten beendete und durch eine Vorrenaissance den Grund legte zu der eigenthümlichen Entwickelung des Mittelalters, wie sie ihn selbst zu einer Wiederherstellung des römischen Kaiserthumes, wenigstens dem Namen und en Bestrebungen nach, führte.

Bei der Geistlichkeit war damals alle Wissenschaft, Kultur und Kunst. Nicht die Schlagtodte der alten Sagen bildeten Karl's Lieblingstafelrunde; er war nicht blos Kämpfer und Jäger, sondern ein Mann des Geistes, der für alles die Augen offen hatte und wußte, wo es seinem Volke und er Zeit fehlte. Er umgab sich mit den ersten Gelehrten seiner Zeit. Erfreute sich über Alcuin's Gewinnung, als ob er ein Königreich gewonnen habe. Er war unermüdlich, in allen Beziehungen die Kultur seines Volkes zu heben.

Politik und auch wohl Schuld führten ihn das erste Mal gegen Desiderius, seinen durch Rücksendung der Tochter beleidigten Schwiegervater über die Alpen. Mit dem Papste verbündet, stürzte er das Longobardenreich. Seitdem war seine Gegenwart in Italien oft geboten.

Glaube und Politik riefen ihn über die Pyrenäen zur Eroberung und Gründung der Ebro=Mark.

Was er in Italien von aller Kunst und Kultur sah, das begeisterte seinen klaren, zur Wiedergeburt alter Herrlickeit drängenden Geist. Und was er von den Bestrebungen und dem Kunstsinn seines muhammedanischen Feindes, des Omajjaden Abdur-Rhaman hörte, das konnte ihn nur antreiben, mit dem Kalifen von Cordova zu wetteifern.

Wenn dieser eine neue Moschee in seiner Hauptstadt baute und antike Säulen von überallher kommen ließ und Künstler erbat und kommen ließ aus dem griechischen Kaiserreich, welche musivische Kunst und - so gut es eben ging - Säulenkapitäle zu maißeln verstanden, - so geschah es beim Bau der Moschee von Cordova -, wenn das Schloß (Al Kaffr; spanisch Alcarar) der gothischen Könige zu einem prächtigen Kalifensitz im maurischen Geschmack umgeschaffen wurde, warum sollte der mächtige König der Franken, ja fast der Christenheit, nicht ein Gleiches thun und sich nicht auch ien Königshaus und dazu ein Gotteshaus erbauen lassen, das ein Wunder seiner Zeit sei? Was Abdur-Rhaman aus Byzanz bezog, konnte Karl aus Italien erhalten.

Und so beschloß der König mit seinem wissenschaftlichen und künstlerischen Generalstab eine Königspfalz zu bauen, die alle neueren Bauten an Kunst, Schönheit und Praacht überträfe und wieder mit früheren Zeiten wetteifere.

Aachen wurde dafür auserwählt. Auf der Höhe des Hügels, an dem weiter unten heiße Quellen hervorsprudeln, erhob sich der Königshof; auf einer niedrigeren Fläche die Königskapelle. Der Pfalzbezirk umschloß diese, wiewohl auch die oberen Quellen, natürlich auch alles, was zu einer solchen Pfalz für den Dienst des Staates gehörte, sowie die Wohnungen der Hofbeamten. Die Anlagen zu männlichen Uebungen, zu Reitbahnen, Schwimmbassins, Thiergarten u. s. w. reihten sich daran.

Es war wie in Jerusalem, wo auch der Tempel selbst nur ein verhältnißmäßig kleiner Theil des großen Werks war, das mit Salomo's Palästen allerdings auch die gewaltigen Substruktionen des Berges umfaßte.

Aus dem Kloster St. Wandrille wurde der weiße Abt=Baumeister Anegis berufen. Nach ihm leitete Eginhard die Bauten.

Ganz renaissancemäßig hat uns der Dichter Angilbert, Homer genannt in der geistigen Tafelrunde, in welcher Eginhard nach dem Erbauer der Stiftshütte Bezaleel hieß, dieselben beschrieben: (Wir citiren nach Otte's Geschichte der deutschen Baukunst, auf die wir verweisen.)

"Das zweite Rom hebt sich von neuer ungewöhnlicher Blüthe mit grißen Werkmassen aufwärts, mit seinen erhabenen Kuppeln an die Gestirne rührend. Der fromme Karl stht fern dem Schlosse und bezeichnet die einzelnen Orte und ordnet die hohen Mauern des künftigen Roms.

"Hier heißt er das Forum sein und den durch das Recht geheiligten Senat. Und es drängt sich die arbeitsame Schaar; ein Theil zerschneidet die wohlgeeigneten Steine zu harten Säulen und schleppt sie zu dem hohen Schlosse. Andere sind bemüht, Felslasten mit den Händen zu bewegen; sie graben Häfen; sie legen den Grundbau des Theaters; sie bedecken die Atrien mit aufsteigenden Kuppeln. Hier arbeiten andere, die heißen Quellen aufzusuchen; sie umschließen die aus eigener Kraft siedenden Bäder mit Mauern; sie festigen die prächtigen Sitze auf Stufen von Marmor. Die Quelle des mächtig wallenden Wassers hört nicht auf, vor Hitze zu sieden. Sie leitet ihre Bäche in alle Theile der Stadt.

"Hier wetteifern andere, den wundervollen Tempel des ewigen Königs mit mühevollster Arbeit zu bauen; mit kunstgerecht bearbeiteten Mauern steigt das heilige Haus zu den Gestirnen empor . . ."

Aachen ist allerdings eine Hügelstadt wie Rom. Von dem Wunderbau ist leider nichts übrig geblieben als jener Tempel des ewigen Königs, das berühmte, im Helmgewölb eingewölbte Münster=Oktagon, das von einem eingewölbten Sechszehneck als Umgang umgeben ist, damals ein Wunder der Technik und Kunst, das den Beginn einer neuen Aera bedeutete.

Von der Pfalz felbst sind nur fragliche Trümmer übrig. Sie stand wohl dort, wo jetzt der Markt und das Rathaus sich erhebt. Ob schon ein alter Bergfried im Granusthurm aus altrömischem Wartthurm erwuchs, ist ungewiß.

Das Münster selbst und seine bauliche Bedeutung und die Wichtigkeit seiner Erzthüren und Schranken u. s. w. sind allgemein bekannt. Seitdem Ludwig der Fromme darin zum Kaiser gekrönt worden, knüpfte sich daran die Bedeutung der Krönungsstätte, die auch nach der Theilung des Reiches für Deutschland wieder aufgenommen wurde und für die Stadt als Krönungsstadt des deutschen Kaisers so wichtig wurde.

Die Reliquien kamen hinzu. Mit der Heiligsprechung Karl's des Großen wuchs der Ruhm der Pfalzkapelle und der Stadt. Aachen wurde Wallfahrtsort. Seit dem 14. Jahrhundert wird auch von der Ausstellung der Heiligthümer brichtet, die alle sieben Jahre 14 Tage hindurch stattfindet und die berühmten Heiligthumsfahrten im Gefolge hatte und hat.

Die Windeln und das Lendentuch des Heilands, das Tuch der Enthauptug Johannes des Täufers und das Kleid der Jungfrau Maria bilden die vier großen Heiligthümer. Andere Reliquien und Kostbarkeiten, wie die weltberühmten Reliquienschreine, dann die Erinnerungen an Kalr den Großen und andere Herrscher mehrten den Ruhm; es ist auch kunsthandwerklich bekanntlich ein Weltschatz.

Viele Verwüstungen, von Feuer und Feinden, hat der Bau des großen Karl's über sich ergehen lassen müssen. Alles andere ist denselben zum Opfer gefallen. Nur seine Wölbungen - wenn die Techniker sie auch nicht besonders loben - haben sich erhalten. Und selbst inwendig seine Säulen, welche die sogenannte große Nation natürlich geraubt und nach Paris geführt hatte, sind größtentheils erhalten, respektive von Paris zurückgebracht und wieder eingesetzt worden.

Schon in demselben Jahrhundert, in dem der Bau 796-804 beendet war, hatte die Kaiserpfalz das Schicksal des Salomonischen Tempels, den wenige Jahre nach Salomo's Tod der König von Egypten einnahm und ausplünderte. Die Normannen nahmen 884 die Stadt und äscherten alles ein. Die Kaiserkapelle machten sie in ihrem Umgang zu einem Pferdestall. Seitdem ist manches Feuer darüber geflogen und hat die Bedachung geändert. In der Blüthe der Stadt im Mittelalter, im 14. Jahrhundert, ist dann statt der alten Apsis der neue schöne gothische Chor gebaut worden; Kapellen dazu bis in die Zopfstuhlzeit hinein.

Seit den vierziger Jahren unseres Jahrhunderts begann dann die Restauration des Münsters. Ein Karlsverein bildete sich dafür und nahm die Leitung in die Hand. Schweigen wir von seinen frühen Leistungen. Und was nach unendlichen Berathungen und Zögerungen dann zustande kam - man weiß ja, die die böse Welt jetzt über die Restaurationsverderbungen der Monumente zu schelten liebt. In den letzten Jahren jedoch ist viel geschehen; ein gothischer Thurm erhebt sich anstatt des Stumpfes über dem Portal - denn gothisch muß gebaut werden in Deutschland, wo der fromme Geist gebietet.

Daß der Hauptbau seine in jeder Beziehung so große Bedeutung ästhetisch nach außen wahre, dafür können wir nicht genug auf das Vorbild ältester und byzantinischer Gotteshäuser hinweisen; eine goldglänzende Kuppel gehört auf das Oktogon des großen Karl.

Und für das Innere wird man jetzt wohl Besseres finden als die Kunst Bethune's. Welch eine Kirche als Vorbild für die Kaiserkapelle zu Aachen gedient habe, ob die Grabkirche des großen Dieterich von Bern in Ravenna den großen Frankenkönig angeregt hat, ob der alte Dom in Breccia, ob St. Vitale in Ravenna, ob eine Krche in York Muster gewesen, ist streitig und gilt hier nicht zu erörtern.

Nur eins noch, daß berichtet wird, aus allen Ländern diesseits des Meeres seien die Werkleute berufen, von den zur Strafe geschleiften Mauern und Thürmen Verdun's seien Quadern, von Trier und von Ravenna Mosaiken und Marmorarbeit herbeigeschafft worden.

Wie schnell war der Glanz des Frankenreiches dahin! Mit dem großen Karl wurde auch die kurze Größe des Reiches begraben.

Es nimmt wunder, daß wir noch niemals vom legitimistischen Standpunkt darauf hingewiesen fanden, wie Pipin's - und des Papster - That die Rache Gottes wegen der Absetzung der legitimen letzten Merovingers auf das bisher so ruhmvolle Geschlecht der Heristaler herniedergezogen hat. Karl's Heldensöhne sterben, der Schwächling Ludwig bleibt übrig und die karolingische Große ist dahin.

An Kaiser Ludwig den Frommen erinnert noch die Salvatorkirche auf dem nach ihr benannten Berge, ein Theil des Lousberges. Er ließ sie als Begräbniskirche errichten. Die jetzige Kirche ist freilich in allerjüngster Zeit von Grund aus neu gebaut; die alte war eine Ruine. Den Lousberg selbst hat der Teufel im Zorn neben Aauchen aus dem Sack geschüttet, als er beim Bau des Münsters betrogen war - gegen den Teufel kennen die Frömmsten keine Ehrlichkeit. Solbst nobless oblige gilt da nicht. Der Lousberg ist denn auch Zeit seines Daseins ein loser Berg gewesen. Er hat seine Tücken und hat sie noch in neuester Zeit bewiesen, wo er an einer Stelle mit allem, was darauf stand, in's Rutschen kam. Jetzt belastet man ihn dort mit Gebäuden, damit er festgehalten wird. Freilich seit Decennien ist er mit seiner bewaldeten Kuppe und seinem Belvedere, dem vielbesuchten Restaurant, eine Zierde für Aachen, wie sie wenige Städte so schön, so nah, so aussichtsreich für Spaziergang, Fahrt und Ritt besitzen. Dem Kaiser Napoleon I. ist das zu verdanken. Er betrachtete sich als den Nachfolger Karl's des Großen - das Bild des alten Kaisers mußte bei der Feier der Geburt des Königs von Rom in der Stadt umhergetragen werden, aber mit der Inschrift in französischer und deutscher Sprache: "Nur Napoleon ist größer als ich." Er protegirte deshalb die auf 25.000 Einwohner zusammengeschmolzene Stadt, sprengte bei seiner Anwesenheit auch auf den Lousberg, damals eine öde Schaftrift, hinauf und dekretierte zur Stunde, daß die Höhe bepflanzt und in einen Park umgeschaffen werde. Seine Regierung war so unähnlich der folgenden preußischen: er gab pompös mit der einen Hand einen Theil dessen, was er mit der anderen vorher genommen hatte. Aber das machte so großen Eindruck! Er schnitt, mit Heine zu sprechen, seinen Namen so tief in die Rinde des Baumes ein, an den er sein Namensschild hing - auch als der Schild herabgeschlagen, war er unvergeßlich . . .

Die Salvatorkirche, sagten wir, geht auf Ludwig zurück. Hätte der Kaiser, gleich seinem Vater, sich an dem arabischen Zeitgenossen und Nebenbuhler ein Beispiel genommen, an Abdur Rhaman III., welcher dichtete:

Ein Fürst, der Ruhm begehrt, muß Bauten gründen,
Die nach dem Tode noch sein Lob verkünden.
Du siehst, aufrecht noch steh'n die Pyramiden,
Und wie viel Könige sind dahingeschieden!
Ein großer Bau, auf festem Grund vollbracht,
Gibt Kunde, daß sein Gründer groß gedacht . . .

Freilich, hätte er auch den ganzen, dafür sich so trefflich eignenden Lousberg zu einer neuen Kaiserpfalz, oben mit Palästen, Hallen, Pavillons und Cisternen, rundum mit den Wohnungen für die Hofleute, abwärts mit Gärten, umgewandelt, wie Abdur Rhaman that mit seinem neuen Wunderbau Az=Zahra, darin 4.300 Säulen standen - die Normannen hätten ja auch, gleich den Berberhorden, nach derselben kurzen Frist alles zerstört. (Schenk, Geschichte und Kunst der Araber in Spanien und Sicilien.)

Der Denkmäler aus den Zeiten nach den Karolingern bis in's 14. Jahrhundert sind in Aachen nicht viele, von den Schätzen im Münster abgesehen. Von solchen Erinnerungen sei nur der im Münster hängende Kronleuchter genannt, ein Geschenk Friedrich Barbarossa's und seiner Gemahlin Beatrice. Der Kronleuchter stellt einen Mauerkranz mit Thürmen dar, Symbol des heiligen Jerusalems in solchem Dienst für das Mittelalter. Ein alter Haus, die ehemalige Probstei, stammt noch in seinen Hauptmauern aus romanischer Zeit, mit altem Kapellenausbau. Unter Friedrich Barbarossa gewann Aachen zuerst als Stadt höhere Bedeutung. Der Kaiser befahl 1172 den noch in "althergebrachter Pfalzverfassung" von einem kaiserlichen Vogt regierten Bürgern binnen vier Jahren die Stadt mit Mauern und Festungswerken zu umgeben. Es ist das Alt=Aachen, die innere Stadt, deren Befestigung noch heute auf der ganzen Linie durch die sogenannten "Graben"=Straßen bezeichnet wird. Sie lag auf und an dem Hügel, dessen Höhe gegen den Abfall der jetzige Markt einnimmt. Wie in altrömischer Lagerstadt kreuzen sich hier zwei sich durchschneidende Straßen, noch heute Hauptadern des altstädtischen Verkehrs. - Kaiser Friedrich II. bestätigte und erweiterte die Privilegien der Stadt.

Aus der schlimmen kaiserlosen Zeit ist sodann eine interessante Ruine übrig, "das Gras" oder Bürger= oder Kornhaus, gothisch, 1267 vollendet mit den seltsamlichen (vier Kopflängen haltenden ) Statuen der sieben Kurfürsten, erbaut under der Regierung des Richard von Cornwallis. - Ein Jammer, daß sich noch kein reicher Donator dieses ältesten Rathhauses der Stadt angenommen und die Mittel zu einer würdigen Erneuerung desselben gegeben hat.

Aachen, wohl befestigt, von zahlreicher Bürgerschaft bewohnt, durch Tuchwebereien jetzt schon industriell berühmt, von den Kaisern bei den Krönungen durch Privilegien begünstigt, kam nun stetig empor und wußte sich tapfer gegen Widersacher und Neider, namentlich auch gegen die mächtigen Grafen von Jülich, zu wehren.

Am Abend des 16. März 1278 geschah der berühmte Ueberfall Wilhelm's IV. von Jülich auf Aachen. Der Graf drang mit seinen Reisigen, wohl durch Verrath, in ein Thor ein und bis auf den Markt vor. Aber nun sammelten sich die Bürger, sperrten wie gebräuchlich die Straßen mit Ketten, griffen die Feinde an, drängten sie die Jakobstraße hinauf und dort schlugen Metzger den Grafen, seinen Sohn und zwei Bastarde im Handgemenge todt. Er war ein schlimmer Nachbar gewesen. Der Erzbischof Siegfried von Köln, übrigens ihm ähnlich, soll bei der Nachricht von seinem Tode das Lied angestimmt haben: "Ich weiß, daß der Herr seinen Engel gesandt und mich aus der Hand des Herodes befreit hat."

Die Bedeutung der Stadt zeigt es auch an, daß sich lombardische Geldwechsler und Kaufleute darin niederließen. 1291 werden sie zuerst erwähnt. Die heißen Bäder wurden gebraucht und brachten Geld ein.

Mitte des 14. Jahrhunderts war Aachen's Blüthezeit. Der Landfriede wurde 1351 mit Köln und Brabant gesichert. Die Stadt war reich und war längst über den alten, inneren Mauerring hinausgewachsen. Sie wurde jetzt auch im weiteren Umfange mit Gräben, Thürmen und Werken befestigt. Auf 100.000 Einwohner (sicher übertrieben) ist später seine Bevölkerung geschätzt worden.

1353 unter dem Bürgermeister Gerhardus Thorus sind die beiden Bauten begonnen, die noch heute Zierde und Stolz der Stadt bilden, der gothische Chor der Münsterkirche, von dem wir aber schon sprachen, und das jetzige Rathhaus am Markt.

Das Aachener Rathhaus! Schlicht von Facade, aber mächtig erhebt es sich dreistöckig, von mächtigem Thurm und einer gewaltigen Apsis flankirt. Viele Wandlungen hat es in Schmuck, Dach und Thurmhelmen erfahren durch Brände. Zuletzt trug es - auch über der halbrunden Apsis wurde ein Thurm konstruirt - seine bekannten Knollenthürme, durch ihre barocke, absonderliche Form Wahrzeichen der Stadt. Im vorigen Jahrhundert wurde eine in ihrer Art schöne Freitreppe davor gelegt, die mit dem Brünnen auf dem Markte harmonierte. - In unseren Restaurationsdecennien begann denn auch die Restauration des Rathhauses, respektive der Streit darüber. 1840 wurde sie im Stadtrath beschlossen. Vor allem handelte es sich um den Krönungssaal. Leider drangen diejenigen nicht durch, welche nachwiesen, daß der Saal einst auch auf der Südseite, also von Norden und Süden durch Fenster beleuchtet gewesen sei. Die Fenster waren vermauert. Statt sie wieder zu öffnen, legte man nach süden ein Treppenhaus vor, die schadhafte Mauer zu stützen. Dadurch gewann man eine große Langwand zu den zwei kürzeren Wänden für die berühmten Fresken Alfred Rethel's aus Aachen, aber als Saal kommt der mächtige Raum von 50 Meter Länge und 19 Meter Breite nicht genug zur Geltung bei dem einseitigen Licht . . . Die Restauration nahm nun ihren Fortgang, allerdings nach dem Motto: "Eile mit Weile", wie auch beim Münster und wie es immer geht, wenn nicht ein Plan und ein großer künstlerischer und ausführender Wille dahintersteht. Es war gerade während des Umschwunges unserer Tage zum Barockgeschmack, als nach früherem Beschluß die alte, 1730 gebaute Barockfreitreppe abgerissen und eine neue gothische Freitreppe aufgebaut wurde, die leider kleinlich und trocken ist. Gerüste waren errichtet, die viel umkämpften Standbilder der Front unter ihr Baldachine zu setzen, als unweit des Rathhauses am 29. Juni 1883 ein Brand in einer Droguenniederlage ausbrach. Die Funken flogen auf das Rathhaus, das nächste Thurmdach gerieth in Brand und - in kürzester Zeit standen beide Thürme und das ungeheure Dach in Flammen. Glücklicherweise hielt die Wölbung des Krönungssaales . . . Was verbrannt ist, ist schon mehrmals geändert gewesen. Jetzt galt es für Dach und Thurm und Apsis Neubau. Bekanntlich war eine Konzurrenz dafür ausgeschrieben, deren Ergebniß bei unseren jetzigen architektonischen Kräften nicht anders als großartig und schön ausfallen konnte.

(Unter hervorragenden Bewerbern ging Herr Regierungsbaumeister Georg Frentzen aus Aachen - früherer Schüler der technischen Hochschule daselbst und jetzt Privatdocent an derselben - als erster Sieger preisgekrönt aus der Konkurrenz hervor; dem strebsamen Künstler wurde seitens der Stadtverwaltung auch die anfertigung des definitiven Bauplans übertragen und derselbe in allen Theilen für gut befunden. Das gesammte Material befindet sich nun zur Begutachtung höheren Orts in Berlin, und es steht zu hoffen, daß die Wiederherstellung des Rathhauses bald rüstig voranschreitet.)

Das spätere Mittelalter brachte Aachen keine Zunahme an Macht und Größe. Von seinen damaligen Befestigungen stehen noch zwei gewaltige Thore, das Marschier= und das Pontthor, letzteres noch mit regelrechtem Barbacane oder kleinem Brückenkopf über dem einstigen Graben, beide mit allen mittelalterlichen Vertheidigungskünsten erbaut. Die Thore hemmen den Verkehr, namentlich Pontthor, und doch wäre es ein Jammer, es niederzubrechen, statt es zu restauriren, wobei allerdings dem Verkehr durch Anlage eines Weges daneben Rechnung getragen werden müßte. (Auch dem ist bereits abgeholfen: durch einen breit angelegte Fahrweg um die Westseite und einen bequemen Fußsteig um die Ostseite des Thores führend, ist allseitigem Bedürfniß gedient und jede Verkehrshemmung beseitigt.) Nachdem ein hochherziger Aachener Bürger, Herr Barthold Suermondt, der Stadt eine Gemäldegalerie geschenkt hat, werden sich wohl noch Aachener finden, welche auch für die historischen Denkmäler der Stadt großartig zu geben wissen. - Ende des Mittelalters herrschten in der Aachener Bürgerschaft, wie überall, die Steitigkeiten wegen der inneren Regierung der Stadt. Dann kam die Reformationszeit mit der religiösen Parteiung, wobei längere Zeit hindurch der Sieg der Reformation zuzufallen schien . . . Hinrichtungen, Verbannungen spielten hier wie anderwärts ihre Rolle.

Im 16. Jahrhundert ward übrigens Aachen als Badeort bekannter. Der Arzt Franz Fabricius schrieb, wie er sagt, als der erste über den Nutzen der heißen Wässer. Im 17. Jahrhundert stieg deren Ruhm; im 18. Jahrhundert stand er fest. Aachen wurde nun einer der berühmtesten Badeorte der Welt, damals hauptsächlich gegen Rheumatismus. Auch der große Händl, vom Schlag getroffen, gewann hier bekanntlich den Gebrauch seines rechten gelähmten Armes wieder. Ende des vorigen Jahrhunderts wurde denn auch die Aachener Spielbank berüchtigt. Der wunderschöne Saal im jetzigen Kurhaus stammt mit seinen herrlichen Stuccaturen aus dieser Zeit.

Die letzten Jahrzehnte vor der französischen Revolution zeigten in Aachen die heillose Partei= und "Klüngel"=Wirthschaft so vieler damaliger Reichsstädte. Die sogenannte Mäkelei war an der Tagesordnung. Statt der bewaffneten Aufstände früherer Zeiten blieb es aber bei Knüppelaffairen. Dann kamen die Heere der damaligen Sansculotten, rücksichtsllose Tyrannei und schamlose Aussaugung und Bedrückung, zugleich freilich auch wirkliche Befreiung von den alten Schäden und Banden. Die Stadt war damals auf 23.000 Einwohner herabgeschmolzen. Napoleon )., wie wir schon sagten, begünstigte Aachen als die Stadt seines Vorgängers Karl's des Großen. Die Kaiserin Josephine, ihre Tochter Pauline und andere Angehörige des kaiserlichen Hauses gebrauchten die Aachener Bäder, welche Napoleon allerdingss kurzweg der Stadt wegnahm und für den Staat einzog und die erst Friedrich Wilhelm III. der Stadt zurückgab. Die Tuchfabriken wurden mit Lieferungen für die französische Armee bedacht. Es mußten aber auch die Kinder den französischen Katechismus lernen und darin "Unseren Kaiser ehren und ihm dienen, ist folglich so viel, als Gott selbst ehren und dienen. Diejenigen, welche ihre Pflicht gegen den Kaiser außer Augen setzen könnten, würden der von Gott selbst eingeführten Ordnung widerstreben und sich der ewigen Verdammniß schuldig machen . . . " - Mit dem Sturz der napleonischen Herrschaft wurde Aachen preußisch. Die Stadt zählte 32.000 - heute über 96.000 - Einwohner. 1817 wurde die erste Dampfmaschine aufgestellt. Ein kolossaler Umschwung im Fabrikgeschäfte begann damit. Großartige Vermögen wurden in den nächsten Decennien erarbeitet. Das Aachener schwarze feine Tuch war besonders berühmt. Ein Hauptabsatzgebiet dafür ward Amerika. Die Stadt erhielt durch große Bauten ihren neuen Charakter an der Peripherie der alten Gräben, wo die von Schenkel entworfene Kolonnade und Rotunde des Elisenbrunnens und ein neues Theater sich erhoben, und in den neuen breiten Straßen, welche sie jetzt mit Burtscheid verbinden. Für Lustgärten zum Kurgebrauch wurde gesorgt; auf dem Lousberg das Belvedere, ein prächtig gelegenes Vergnügungsetablissement, errichtet.

Nun kam Eisenbahn= und Telegraphenzeit. Drei Bahnhöfe entstanden. Männer wirkten in Aachen, wwie D. J. L. Hansemann, der 1824 die Aachen=Münchener Feuerversicherungsgesellschaft gegründet hatte und sich seit 1836 um die Rheinischen Eisenbahnen hohe Verdienste erwarb. (Zum Andenken an diesen um Aachen so hochverdienten Mann haat die Stadtverwaltung in jüngster Zeit den früheren Kölnthorplatz neu restauriren, mit Anlagen, Fontainen und Denkmal zieren lassen und denselben nunmehr "Hansemannplatz" benannt.)

NeueStadtviertel wuchsen aus der Erde. Zu Neubauten von Kirchen, einer Synagoge, Spitälern u. s. w. kam seit 1865 bis 1870 das neue Polytechnikum mit dem, wenige Jahre danach, neben dem Hauptgebäude errichteten Laboratorium, einer Musteranlage für die Chemie.

Auch dort, wo die Frankenburg sich erhebt, wurde eine neue Vorstadt in den Straßen ausgelegt, und fängt an, bebaut zu werden. In der Nähe erhebt sich die neue gewaltige Kaserne.

In einer Beziehung schleppte das reiche und schöne Aachen bis in's vorige Decennium unbegreiflich nach, trotzdem es durch seine großartigen Tuch=, Nähnadel=, Maschinen= und sonstigen Fabriken zu den ersten Industriestädten Deutschlands zählt und als Badeort weltberühmt ist. Das Straßenpflaster war gerade in Hauptstraßen unter aller Kritik, das Trinkwasser miserabel und die Kanalisation mancher Straßen hygienisch sträflich.

Der 1875 berufene Oberbürgermeister von Weise hat gezeigt, was ein Mann von Geist und Energie in wenigen Jahren vermag: Straßen und Trottoire geben davon Zeugniß; eine Wasserleitung speist die Stadt mit gutem Trinkwasser; Tramways laufen durch die Hauptstraßen und schon bis in Nachbardörfer. Was er begonnen, setzt sein Nachfolger fort.

Wer kennt nicht die berühmten Pfingstmusikfeste des Rheinlands in Köln, Aachen und Düsselddorf!

Kommt! Seht Aachen und Rheinland's frankes, freies Männergeschlecht und seine schönen Frauen!

Persönliche Werkzeuge