Geschichte der kleinen deutschen Höfe 1/062
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der alte, damals schon zweiundsiebzigjährige Herr noch eine dritte
Heirath mit einer Prinzessin von Sachsen-Lauenburg. Ueber die zweite
Heirath mit der Fräulein Helena
von der Pfalz, die noch vor der Anschlagung der Thesen
Luthers an der
Schloßkirche zu Wittenberg Statt hatte, im Jahre 1513, giebt ein
alter Chronist, der noch vor dem dreißigjährigen Kriege lebte, der
Magister Bernhard
Latomus, ein geborner Wismarer, Rector zu Neubrandenburg,
einer der Väter der mecklenburgischen Geschichte[1],
Auskunft, aus der unter andern das Curiosum zu ersehen ist, daß
damals eine mecklenburgische Adelsdame, von einem Geschlechte, das
später ganz herunterkam, so ausbündigen Kleiderluxus trieb, daß ein
Verbot gegen sie erlassen ward, nicht ihre besten Kleider
anzuziehen, um nicht die fürstliche Braut auszustechen. Man sieht
aus diesem kleinen Zuge, wie die Dinge von Alters her in diesem
kleinen Ostseeländchen angethan waren: der Fürst stritt sich mit
seinem Adel mit höchster Eifersucht nicht blos um die wirkliche
Macht, sondern sogar um den äußeren Schein. Die Ritter suchten es
dem Landesherrn an Pracht und Luxus gleich zu thun, der Hof wollte
nicht zurückbleiben und ruinirte sich, um den sogenannten Glanz des
Thrones aufrecht zu erhalten, durch Verschwendung. Die
Verschwendung brachte ihn in Schulden und die Schulden in die
Abhängigkeit von den Rittern.
- ↑ Seine Chronik ist abgedruckt in den Monumentis ineditis holsteinischen Kanzlers von Westphalen. Lpzg, 1739. Vier Folianten.
