Garsden/Massaker

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Das Massaker von Garsden (24.06.1941)


"Ich stimme die Totenklage an",
so lautete die obere Zeile der hebräischen Inschrift,
auf diesem alten Grabstein.

Die jüdischen Gefangenen von Garsden, deren Bewachung inzwischen Gestapo und SD aus Tilist übernommen haben, zwingt man, ihre Wertsachen an der Straße zur ehemaligen Grenze in einen Zinkeimer zu werfen. Dann werden sie hinter das sowjetische Grenzhäuschen geführt, wo sie ihre Jacken ablegen müssen. Unter beständigen Drohungen und Schlägen mit Stöcken wird ein Teil der Juden dann gezwungen, gefallene Rotarmisten zu beerdigen. Die übrigen müssen einen sowjetischen Verteidigungsgraben vertiefen und erweitern, mit anderen Worten: sie müssen sich das eigene Grab schaufeln.

Besondere psychische Erniedrigungen durch das Tilsiter Kommando haben orthodoxe Juden und insbesondere ein alter Rabbiner ertragen. Bereits jetzt erschießt ein Gestapo-Mann einen jungen Juden, der angeblich nicht schnell genug arbeitet. Nachdem die Opfer das Massengrab angelegt haben, werden sie wieder zum sowjetischen Grenzhäuschen zurückgebracht.

Spätestens jetzt wissen alle, was ihnen bevorsteht: Sie fassen sich an den Händen, beten und schließen mit ihrem Leben ab. Jeweils 10 Mann werden von der Gestapo im Laufschritt und unter lautem Gebrüll und Schlägen an den Exekutionsgraben getrieben; die Mörder haben sich inzwischen offenbar mit Prügeln versehen und erniedrigen die Opfer weiterhin mit physischer und psychischer Gewalt. Einer der Schläger ruft einem Juden, während er ihn zu einem schnelleren Schritt prügelt, zu: "Schnell, schnell, desto früher haben wir Feierabend."

Am Exekutionsort angekommen, müssen die Opfer zunächst die Leichen derjenigen Erschossenen, die durch die Todessalve nicht in den ehemaligen Verteidigungsgraben gefallen sind, in das Massengrab werfen, dann haben sie sich mit dem Gesicht zum Mordkommando der Memeler Schutzpolizei aufzustellen. Ihnen gegenüber stehen in etwa 20 Meter Entfernung die Polizisten, seitlich versetzt der Leutnant Schmidt-Hammer mit gezogenem Degen. Dieser spricht dann den zuvor festgelegten Erschießungsbefehl und kommandiert die Erschießung.

Die nicht tödlich Getroffenen erschießen Fischer-Schweder selbst und Stapo-Angehörige mit Pistolen durch Genickschuß. Unter den Ermordeten sind auch viele alteingesessene Memeler Juden, was auch die Memeler Garsden-Fahrer feststellen: "Ich entsinne mich..., daß dieser oder jener dieser Besichtiger, die extra aus Memel angereist waren, um sich anzusehen, wie Garsden “judenfrei” gemacht wid, mir erzählt hat, mit diesem oder jenem Bekannten gesprochen zu haben, der sich unter den gefangen gehaltenen Juden befand." Zumindest in einem Fall kennen sich Mörder und Opfer. Der Memeler Seifenfabrikant Feinstein, der am Exekutionsgraben steht, erkennt unter den Polizisten den später gefallenen Polizeiwachtmeister d. R. Knopens, seinen Nachbarn und Freund, und ruft ihm zu: "Gustav, schieß gut." Insgesamt ermorden die Memeler Polizisten 201 Menschen.

Nach dem Massaker werden die Schupos von den Gestapo-Angehörigen mit Schnaps bewirtet. Zumindest ein Erinnerungsfoto wird an der Hinrichtungsstätte gemacht, um den 'denkwürdigen Vorgang' für die Nachwelt festzuhalten.
Es steht außer Zweifel, daß den Memeler Polizisten klar war, daß sie nicht Heckenschützen, wie behauptet, hingerichtet hatten, sondern an brutalen rassistischen Morden beteiligt waren. Als beim Rückmarsch nach Memel die LKW-Kolonne in einen sowjetischen Luftangriff geriet, sagte der Polizeiwachtmeister d. R. Kersten zu einem Kameraden: "Siehst du, die Strafe folgt auf dem Fuß." [1]

Quellen, Einzelnachweise

  1. Joachim Tauber, GARSDEN, 24 Juni 1941, in Annaberger Annalen
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