Die Doerriens/008

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Die Doerriens
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Die Doerriens.djvu
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Hildesheimer Dörriens im Anfange des achtzehnten Jahrhunderts mit dem hannoverschen Herrscherhause dorthin. Daß der alte Adel einer Familie in den Adelsdiplomen des achtzehnten Jahrhunderts häufig unbegründet behauptet wurde, um eine sogenannte Adelerneuerung aus der Neuadelung zu machen, ist eine längst bekannte Tatsache. Im ersten Falle liegt vielleicht in der Tradition eine Verwechslung der Familie Dörrien mit der Familie der Stamm=Mutter Anna Bex vor, die vor den Verfolgungen Albas aus den Niederlanden flüchtete und in einer Linie geadelt wurde.

      Die Familie Dörrien stammt aus Niedersachsen. Der Name Dorry, Dörry wechselt häufig mit Dorrien, Dörrien, Dörjen und Dorring und steht erst seit dem Anfange des achtzehnten Jahrhunderts bei der dänischen Linie als Dorrien, bei den übrigen noch blühenden Linien als Dörrien fest. Daß die eine oder die andere Namensform die richtige wäre, läßt sich auch nicht bestimmt behaupten, eben weil die Namensform noch im siebzehnten Jahrhundert häufig wechselt. In den Leichenpredigten des siebzenhnten Jahrhunderts ist neben Dörringen Dörrien vorherrschend, doch kommen in mehreren Leichenreden die beiden Formen für die gleichen Personen vor. Da es einen Ort des namens Dörry oder Dörrien meines Wissens in Niedersachsen nicht gibt, so möchte ich den Namen auf einen gekürzten Vornamen zurückleiten. In Niedersachsen finden sich mehrere ähnlich gebildete Namen: Borries, Börries ist von Liborius herzuleiten, Tönnies ist eine Koseform von Antonius, so kann Dorry ein Kosename von Theodor sein. Der Name kommt in seinen verschiedenen Schreibweisen in Hildesheim schon um 1450, in Alfeld um die gleiche Zeit vor; in Braunschweig gab es damals auch eine Familie Doring, Döring; doch hängt diese nicht mit mit den Dörriens zusammen und führt ein ganz anderes Wappen.

      Da die älteren Dörriens sich größtenteils in Städten aufgehalten haben und auch die nachweislich ältesten Vorfahren der hier behandelten Familien Städter waren, so ist es gut, einen Blick in das Leben norddeutscher Städte im 16. Und 17. Jahrhundert zu werfen. Nehmen wir als Beispiel Hildesheim, wo die nachweisbare Familie sich vorzugsweise aufhielt. Die bischöfliche Stadt Hildesheim wurde ursprünglich von den Geschlechtern der bischöflichen Dienstmannen mit einem bischöflichen Stadtvogte an der Spitze regiert. Diese Verfassung war ganz aristokratisch. Als sich jedoch der Gewerbestand in der Stadt und mit ihm das Hochkommen der gewerblichen Körperschaften, der Ämter, Gilden und Zünfte, hob, da konnte es nicht ausbleiben, daß auch diese Vereinigungen, die sich um die Hebung des Ansehens der Stadt unzweifelhaft große Verdienst erworben hatten, ihre Vertretung im Stadtregimente haben wollten. Die Gilden waren ursprünglich festliche Gelage, naturgemäß nahmen an solchen meist die Mitglieder eines bestimmten Erwerbszweiges teil; dadurch daß sich die einzelnen Erwerbszweige auf diese Weise zusammenschlossen, gewannen sie mehr und mehr einen politischen Charakter.