Deutsche und französische Kultur im Elsass/032
aus GenWiki, dem genealogischen Lexikon zum Mitmachen.
| GenWiki - Digitale Bibliothek | |
|---|---|
| Deutsche und französische Kultur im Elsass | |
| Inhalt | |
| <<<Vorherige
Seite [031] |
Nächste
Seite>>> [033] |
| korrigiert | |
| Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Bevor dieser Text als fertig markiert werden kann, ist jedoch noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig. | |
und aus alter Liebe zu Frankreich zu erlernen. So ist der
Stadtbürger auch völlig unsentimental, vielfach derb aber auch
heiter und witzig bis zur Spottsucht, naiv empfindend, und von
einer frischen ungebrochenen Naturkraft, die an das deutsche
Geistesleben des 16. Jahrhunderts erinnert. Wenn man die Witze und
Spässe beobachtet, die das tägliche Leben des Strassburger
Kleinbürgers erfüllen, glaubt man sich in die Zeit des Fischart
oder Till Eulenspiegel zurückversetzt. Meist sind es harmlose
Foppereien und Streiche, wie sie auch sonst wohl vorkommen, die
aber hier als hauptsächlicher Gegenstand des Nachdenkens sich bis
zu derben Komödien auswachsen und das Interesse der Bevölkerung
fast ausschliesslich in Anspruch nehmen. Ja, es giebt in Strassburg
besondere Zeitungen, die hauptsächlich von der primitiven
Wiedergabe dieser lustigen Geschichten in Wort und Bild leben. Auch
bei der Bauernschaft ist noch viel altertümliches Geistesleben
erhalten geblieben, das in sonderbarem Gegensatz zu ihrer sonst
ganz realistisch-modernen Anschauungsweise steht. Da werden an
schönen Sommerabenden oder in den winterlichen Spinnstuben uralte
herrliche Volkslieder gesungen, die in Deutschland nur noch in
gelehrten Sammlungen zu finden sind; auch der Aberglaube und die
Gespensterfurcht sind besonders in katholischen Orten noch lange
nicht verschwunden, und um die Hauptereignisse des Lebens, Geburt
und Tod, Hochzeit, Ernte und Kirchweih ranken sich merkwürdige, oft
poetische Gebräuche, die mit auffallender Zähigkeit festgehalten
werden. Wie die bäuerliche Tracht, so hat sich auch ein gutes Stück
altertümlichen Geisteslebens gerade im Elsass unter der schützenden
Decke der französischen Herrschaft erhalten. Denn auch hier lebte
der Mensch nicht vom Brot allein, und vom deutschen und
französischen Geistesleben ziemlich abgeschnitten, beharrte das
Volk eben bei seinen althergebrachten Vorstellungen, soweit diese
nicht durch französischen Einfluss zerstört wurden. Aber es ist
charakteristisch für das französische Regiment, dass es sich um
alle diese internen Angelegenheiten des Volkslebens höchst wenig
kümmerte, und nur den Körper, nicht aber die Seele verlangte.
[bearbeiten] DER MORALISCHE ZUSTAND.
Der moralische Zustand der Elsässer beruht, wie der eines jeden Volkes, zunächst auf gewissen, allen Individuen
- Bildunterschrift:
- v. SEEBACH: Laternenanzünder.
- Bildunterschrift:
- v. SEEBACH: Floretfechter.
