Schulen (Kreis Recklinghausen) vor 1862

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1816: Der Schulbetrieb sollte möglichst nichts kosten! Die Lehrer außerhalb der Städte mußten im Kurfürstentum Köln ihren Unterhalt neben dem Unterricht selbst verdienen. So wurden gerne Handwerker oder Tagelöhner zum Schuldienst verpflichtet. Deren Vorbildung war eher recht und schlecht. Häufig war der Schulmeister auch Kirchenküster, zumal der Pfarrer regelmäßig die inhaltliche Aufsicht über den Schulbetrieb hatte. Der Kirchenküster hatte also nicht nur die Kirchendienste zu betreuen und die Orgel zu spielen, er war auch Laufbursche des Pfarrers.

Hierarchie:

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Inhaltsverzeichnis

Kulturtechnik

Unterichtsschwerpunkte in der Elementarschule

1862: Außer dem Unterricht in den Elementargegenständen (Religion, Lesen, Schreiben, Rechnen) werden im Kreis Recklinghausen die Knaben in Anfertigung von Körben, Bienkörben, Halftersträngen, Gurten, Besen, Harken, Peitschen, Bürsten, Stricken und Fußmatten, so wie Obstbaumzucht unterrichtet, währemd die Mädchen mit den verschiedenartigsten Strick- und Näharbeiten beschäftigt werden.

An den 52 Elementarschulen waren 1861 insgesamt 31 Obstbaumschulen eingerichtet, ausgestattet mit 26.822 Wildlingen und 11.541 veredelten Stämmen. Darüber hinaus waren 1.411 veredelte Obstbaumstämme veteilt oder verkauft worden. Die Unterrichtung in der Obstbaumzucht bei den Knaben erfolgte noch 1953 im Schulgarten der Schule zu Sickingmühle durch den damaligen Hauptlehrer Theodor Daamen.

Schulgeld und Umlagefinanzierung bei Beteiligten

Die Kosten des Unterrichts werden, wie in der Vergangenheit gehandhabt, auch 1862 von den zum Schulbezirk gehörigen Hausvätern durch Kostenbeteiligung (Defizithebung) und Umlagen auf Grund-, Klassen- bzw. Einkommensteuer eingezogen, da nirgens aus den laufenden Einnahmen an Schulgeld, aus dem etwa geringen Substanzvermögen der Schulen und kirchlichen Mitteln die Bedürfnisse gedeckt werden.[1]


1862: Öffentliche Unterrichtsanstalten im Kreis Recklinghausen

Anmerkung zur Tabelle:

  • 1) Ortsnamen Stadt oder Amt
  • 2) = Zahl der Elementarschulen
    • 3) = Zahl der Lehrer
    • 4) = Zahl der Lehrerinnen
      • 5) = schulpflichtiger Kinder
  • 6) = Thlr. Vermögen als Liegenschaft
  • 7) = Thlr. Vermögen in Abgaben, Renten
  • 8) = Thlr. Vermögen in Kapitalien
    • 9) = Thlr. Lehrergehälter
      • 10) = Thlr. davon durch Umlagen
      • 11) = Thlr. davon aus kirchl. Mitteln
      • 12) = Thlr. davon aus Stiftungen
      • 13) = Thlr. davon durch Schulgeld
      • 14) = Thlr. davon Ertrag aus Schulvermögen
      • 15) = Thlr. Zuschuss aus Staatsmitteln
        • 16) = Thlr. kommunaler 3 Jahresaufwand für Reparaur, Neu- und Erweiterungsbausen
1)
Ortsname
Stadt, Amt
2)
Elementar-
schulen
3)
Lehrer
Zahl
4)
Lehrerinnen
Zahl
5)
Kinder
Zahl
* 6)
Taler
* 7)
Taler
* 8)
Taler
** 9)
Lehrergehälter
Zusammen
*** 10)
davon
Taler
*** 11)
davon
Taler
*** 12)
davon
Taler
*** 13)
davon
Taler
*** 14)
davon
Taler
* 15)
davon
Taler
* 16)
3jährig
Taler
Stadt Recklinghausen
katholisch
2 3 3 736 200 47 1/2 -.- 1.736 515 96 328 616 71 110 7.600
Stadt Recklinghausen
evangelisch
2 2 -.- 87 40 -.- -.- 283 -.- 130 18 95 30 10 45
Stadt Dorsten
katholisch
2 3 3 548 215 60 5.900 812 228 51 57 184 202 90 -.-
Amt Recklinghausen
katholisch
7 7 1 804 151 11 1.888 1.136 153 17 60 590 186 130 4.558
Amt Herten
katholisch
1 2 -.- 180 19 -.- -.- 370 126 -.- 20 165 19 40 10
Amt Marl
katholisch
5 5 1 601 68 -.- -.- 793 60 -.- 65 500 68 100 4.760
Amt Datteln
katholisch
7 6 2 769 265 -.- 125 1.124 111 -.- 83 727 64 139 452
Amt Waltrop
katholisch
6 5 2 777 127 -.- 740 647 72 243 60 986 156 130 1.627
Amt Buer
katholisch
6 8 4 1.320 273 5 767 2.800 556 903 114 813 209 175 1.800
Amt Bottrop
katholisch
4 4 3 552 225 18 659 1.361 690 -.- 60 400 111 100 932
Amt Kirchhellen
katholisch
2 3 1 423 30 22 1.165 542 110 -.- 30 300 42 60 617
Amt Lembeck
katholisch
4 4 2 589 20 -.- 1.300 680 114 -.- -.- 395 110 70 1.430
Amt Altschermbeck
katholisch
4 4 1 534 185 -.- 1.047 581 32 -.- -.- 362 114 73 212
Kreis Recklinghausen
Summa
52 56 23 8.329 2.018 163 1/2 13.591 13.874 2.767 1.440 895 6.163 1.382 1.227 24.038[1]

Durchschnittliche Schülerzahl pro Lehrer im Elementarbereich

Die Kinder bilden demnach 17 % der katholischen, 14 % der evangelischen und 12  % der jüdischen Bevölkerung, allerdings kamen vor 1862 im Kreis Recklinghausen durchschnittlich 108 Kinder auf eine Lehrperson und 157 - 158 Kinder auf eine Schule.

  • Klassengrößen im Jahr 2013 zum Vergleich: Deutschland liegt weltweit etwas über dem Mittel (21,2 Schüler/innen im Primarbereich, 24,6 Schüler/innen in der Sekundarstufe I)

Beispiel einer 1798 erbauten ländlichen Schule

Jahreseinkommen der Lehrer 1862 im Kreis Recklinghausen

  • In der Stadt Recklinghausen
    • 2 evangelische Schullehrer zwischen 100 bis 150 Taler Jahreseinkommen
    • 1 katholischer Schullehrer zwischen 200 bis 250 Taler Jahreseinkommen
    • 4 katholische Schullehrer zwischen 250 bis 300 Taler Jahreseinkommen
    • 1 katholischer Schullehrer zwischen 300 bis 350 Taler Jahreseinkommen
  • In der Stadt Dorsten
    • 3 katholische Schullehrer zwischen 250 bis 300 Taler Jahreseinkommen
  • auf dem Lande
    • 7 katholischer Schullehrer zwischen 50 bis 100 Taler Jahreseinkommen
    • 36 katholischer Schullehrer zwischen 100 bis 150 Taler Jahreseinkommen
    • 15 katholischer Schullehrer zwischen 150 bis 200 Taler Jahreseinkommen
    • 3 katholische Schullehrer zwischen 200 bis 250 Taler Jahreseinkommen
    • 2 katholische Schullehrer zwischen 250 bis 300 Taler Jahreseinkommen
    • 1 katholischer Schullehrer zwischen 300 bis 350 Taler Jahreseinkommen

Nach Auffassung des Landrats ließ 1862 die Auskömmlichkeit der Lehrergehälter erkennbar an manchen Stellen noch vieles zu wünschen übrig, doch seien in den letzten Jahren erkennbare Verbesserungen eingeleitet worden.

1862 zählt die Schullehrer-Wittwen- und Waisen-Unterstützungs-Kasse 31 Mitglieder welche jählich an Beitrag pro Mitglied 2 Taler, insgesamt 62 Taler und an Eintrittsgeldern 10 Taler einzogen.

1862 ausnahmslos Pfarrer als Schulinspektoren

  1. Inspektionsbezirk mit den katholischen Schulen der Stadt Recklinghausen, des Amtes Recklinghusen und des Amtes Herten mit 16 Lehrern und 1.729 Kindern unter der Inspektion des Pfarrers Theissing zu Recklinghausen.
  2. Inspektionsbezirk mit den katholischen Schulen der Stadt Dorsten, des Amtes Marl mit 12 Lehrern und 1.149 Kindern unter der Inspektion des Pfarrers Dr. Küster zu Marl.
  3. Inspektionsbezirk der katholischen Schulen im Amt Buer mit 12 Lehrern und 1.320 Kindern unter der Inspektion des Pfarrers und Landdechanten Lappe zu Buer.
  4. Inspektionsbezirk mit den katholischen Schulen des Amtes Bottrop und des AmtesKirchhellen mit 11 Lehrern und 1.375 Kindern unter der Inspektion des Pfarrers Feldmann zu Kirchhellen.
  5. Inspektionsbezirk mit den katholischen Schulen des Amtes Datteln und des Amtes Waltrop mit 15 Lehrern und 1.546 Kindern unter der Inspektion des Pfarrers Meyer zu Horneburg.
  6. Inspektionsbezirk mit den katholischen Schulen des Amtes Lembeck und des Amtes Altschermbeck mit 11 Lehrern und 1.123 Kindern unter der Inspektion des Pfarrers Meyer zu Horneburg.
  7. Für die evangelischen Schulen des Kreises Recklinghausen ist der Ortspfarrer zugleich Inspektor

1862: Höhere und Privat-Unterrichts-Anstalten

Ortsname Benennung Lehrer Hilfslehrer Schüler staatl. Einnahmen kirchl. / Stiftungen Zuschsch. Gemeinde Schulgeld
Stadt Recklinghausen Gymnasium Petrinum 8 2 135 1.370 1.500 800 1.500
Stadt Dorsten Proymnasium 4 2 54 200 15 1.280 930
Stadt Dorsten höhere Erziehungsanstalt
für Töchter im
Ursulinenkloster
10 -.- 60  ?  ?  ?  ?
Waltrop Rektoratsschule 1 -.- 12  ?  ?  ?  ?
Buer Rektoratsschule 1 -.- 9  ?  ?  ?  ?
Stadt Recklinghausen Sonntags- u. Handwerker-
Fortbildungsschule
3 -.- 120 -.- -.- 180 120
Stadt Dorsten Sonntagsschule (Gewerbe) 3 -.- 78 -.- -.- 150 -.-
Stadt Recklinghausen Privat Elementarschule 1 -.- 56 -.- 300 25 56
Stadt Dorsten Privat Elementarschule 1 -.- 14  ?  ?  ?  ? [1]

Gewerbeschule in Dorsten und Recklinghausen

In Dorsten wurde 1830 und in Recklinghausen am 02.09.1855 eine Sonntagschule für Handwerkerlehrlinge und -gesellen gegründet, welche später zur Grümdung von Berufsschulen führten. Unterrichtsfächer waren damals üblicherweise u.a. Schönschreiben, Erdbeschreibung, Freihandzeichnen (Fachzeichnen), Rechnen, Stilübung (Deutsch im Schriftverkehr) und Rechtschreiben.

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 1,2 Quelle: Reitzenstein, v: Statistische Darstellung des Kreises Recklinghausen, Reg.-Bez. Münster (Reichartz, Dorsten 1863)

Literatur

  • Reihe Lesepauker, Nr. 1: Transkription eines Lippramsdorfer Schreib- Übungsheftes, Handschrift von 1822. Darin zeitliche Rechtschreibvorschriften (Klassensatz zur Einsicht in der Stadtbücherei Haltern am See)
  • Graser, Johann Baptist: Die Elementarschule fürs Leben in ihrer Grundlage (1821)
  • Börger, Dr. Wilh.: Anton Wiggermann, der Reformator des Schulwesens im Vest Recklinghausen (1937)
  • Bennak, Jürgen [Hrsg.]: Schulbücher vom 18. bis 20. Jahrhundert für Elementar- und Volksschulen, 7 Bände, Köln (u.a.) 1988 - 1999.
  • Berthold, Michael [Hrsg.]: Die Schule in Staat und Gesellschaft, Dokumente zur deutschen Schulgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert, Göttingen 1993.
  • Engelsing, Rolf: Analphabetentum und Lektüre, Stuttgart 1973.
  • Freyer, Michael: Das Schulhaus, Entwicklungsetappen im Rahmen der Geschichte des Bauern- und Bürgerhauses sowie der Schulhygiene, Passau 1998.
  • Hamann, Bruno: Geschichte des Schulwesens, Werden und Wandel der Schule im ideen- und sozialgeschichtlichen Zusammenhang, Bad Heilbrunn 1993.
  • Herlitz, Hans-Georg: Deutsche Schulgeschichte von 1800 bis zur Gegenwart, Weinheim 1998.
  • Joendl, J.P.: Die landwirtschaftliche Baukunst Bd. 3 - Schulhäuser nebst Wohnung für den Lehrer ... (1829)
  • Neugebauer, Wolfgang: Absolutistischer Staat und Schulwirklichkeit in Brandenburg-Preussen. de Gruyter 1985, ISBN-10: 3110099209
  • Schilling, Heinz [Hrsg.]: Erziehung und Schulwesen zwischen Konfessionalisierung und Säkularisierung, Forschungsperspektiven, europäische Fallbeispiele und Hilfsmittel, Münster 2003.
  • Sluymer, Joh. Fried.: Lehrplan für Volksschulen mit vorzüglicher Berücksichtigung der Provinz Preußen (1843)

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