Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte/4/235

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Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte
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sorgte auch für die gehörige Abhaltung der Visitationen und Examina. Mit den Prüfungen war ein Redeact verbunden. In der obersten Classe, der Selecta, wurde die Prüfung auf Geschichte, Philosophie, Mathematik, Beredsamkeit und Sprachen beschränkt, während Theologie, Jurisprudenz und Medizin ausgeschlossen sein sollten.

Der Geburtstag des Königs wurde durch verschiedene Reden und Gedichte gefeiert. Ebenso die Vermählung des Kronprinzen Friedrich mit der Prinzessin Louise von England. Am Königlichen Geburtstage sprach Flessa de sapientia Christiani VI. in constitutionibus ad rem ecclesiasticam pertinentibus. Am Geburtstage der Königin hielt der Gymnasiast, Graf von Stolberg, eine deutsche Rede; sie war angekündigt durch Professor Meycke mit einem Programm de juris Danici in Anglia vestigiis. Die Selectaner, welche zur Universität entlassen wurden, nahmen vom Gymnasium Abschied in Disputationen oder Reden.

Ueber die feierliche Einweihung des Gymnasiums, die noch bevorstand, wurde viel verhandelt, und es fehlte dabei nicht an sehr abweichenden Meinungen unter den Betheiligten. Dies war auch der Fall hinsichtlich der durchzuführenden Disciplin, für welche vor Flessa's Directorat zu wenig geschehen war. Die Frequenz des Gymnasiums nahm übrigens damals zu, so daß, als es zur Einweihung kam, die Zahl der Selectaner 42 betrug. Diese wurden aber als die eigentlichen Studirenden angesehen und erhielten bei ihrer Aufnahme eine lateinische Matrikel wie Studenten. Zu der feierlichen Inauguration, die man lange erwartet hatte, kam es endlich im Mai 1744. Es wurde dazu eine Medaille und eine Sorte von Schaupfennigen geprägt, die jetzt große Seltenheiten geworden sind. Die Feierlichkeiten bei der Einweihung, die großartig waren, sind durch das Christianeum selbst in einer gedruckten Nachricht bekannt gemacht. Am ersten Pfingstfeiertage wurde die öffentliche Einladung des Directors nicht bloß am Gymnasium, sondern auch an den Kirchthüren und am Rathhause angeschlagen. Die Königlichen Commissarien waren der Geheime Rath Freiherr von Sölenthal, Administrator der Grafschaft Ranzau, und der Geheime Rath Reichsgraf zu Lynar, Kanzler des Herzogthums Holstein und Amtmann zu Steinburg. Unter dem Geläute aller Glocken und Musik vom Thurm erfolgte ein feierlicher Zug in vier Abtheilungen,