Schlesisches Namenbuch/062

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Schlesisches Namenbuch
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  • Abkürzungen gemäß S. 13 (Benutzte Adreßbücher) werden aufgelöst und die Häufigkeitsangabe wird in eckigen Klammern wiedergegeben, also Lg33 = Liegnitz [33]
  • Außer Orts- und Familiennamen bleiben alle übrigen Abkürzungen unaufgelöst und werden, wenn nötig, gemäß ER zur Verhinderung des Zeilenumbruchs mit geschütztem Leerzeichen (&#160;) erfasst (also z. B. statt z.B.).
  • Vor 'Belege' wurde immer ein Halbgeviertstrich '–' (ALT+0150) gesetzt. (Entfiel im Original, wenn 'Belege' am Satzanfang stand.)


John (Görlitz [45] Liegnitz [43] Sagan [12] Hirschberg [14] Beuthen [11]), seltener Jahn (Görlitz [10] Liegnitz [10] Neustadt [8] Neisse).

Mit slaw. k-Suffix: Johnke (selten), Janke, Jahnke (Görlitz [11] Liegnitz [9]). D. i. Johannes. Ferner Jähne (Görlitz [14]), Jänicke, Jähnicke, Jähnchen (Görlitz [2]), Jähnichen (Beuthen [5]), Jähnel (Brieg [4] Neisse), Jahnel (Neisse oft, Neustadt [3]), Johnel (Görlitz [3]) auch Jähndel, Jahndel (Neisse), mit Gleitlaut d, vgl. Händel, Hähndel! Jähner (Görlitz [6]), Jahner (Görlitz [6]).

John nebst Hanke, Jänisch und Jäschke sind die häufigsten Sproßformen slawischer Prägung von Johannes, während von den deutschen Formen Hentschel (Hensel) und Hä(h)nel alle anderen überragen. – Belege: Jone de Borsnicz 1351 = Johannes de B. 1356 Breslau (Rcht. 17); Petir Jone 1404 Liegnitz; Jano de Beckern 1342 = Johannes de B. 1321 Liegnitz (UB.); Janko de Glogovia 1372; Janchin Wernheri 1382; Jenchin von Czockelow 1369 (Rcht. 17); Jenechin von dem rode (um 1330) = Jone v. d. r. (um 1327 Görlitz); Jecht 5; Jenchyn Heyntschuld 1383 Liegnitz; Hannus Jenchin 1397 Liegnitz. Vgl. unter Jän(i)sch!


Joppich (Liegnitz [11] Görlitz [2] Neisse), Jopke, Jobke (Görlitz [3]).

Eingedeutscht aus Jobek, der slaw. Form von Jakob. - Belege: Jobek Smyt 1424 in Sillein/Slowakei = Joklynus Faber 1417 = Jakel Smyd 1416 = Jacob Smyt 1403 (Weinelt S. 104). Aber Joppe und Juppe siehe unter: Übernamen!


Jordan (Görlitz [9] Liegnitz [8]).

Unter dem Einfluß der Kreuzzüge kam seit dem 12. Jh. der Name des heiligen Flusses als christlicher TN. in Gebrauch (Edw. Schröder). Schon 1147 in Ölser Urkunden ein Graf Jordanus, 1306 in Liegnitz ein Schöffe J., 1377 in Breslau ein J. genannt v. Gandirsem. Auch Judenname in Alt-Breslau und -Glatz. Als FN.: Jekil Jordan 1382 Liegnitz (Schöpp., 25b).


Just (Liegnitz [15] Görlitz [10] Grünberg [6] Neurode [8] Glatz [4] Brieg [7] Beuthen [6] Oppeln [4]).

Mundartliche Form von Jost, der alten KF. des Hl.N. Jodocus (vgl. franz. St. Josse). So schon 1433 in Glatz: Just Wetwe = Jost Wytber 1440; Just Brunnar 1491 = Jost Br. 1493 (Gl. Geschqu. II); ebd. als FN.: Jorge Just 1500; in Görlitz 1565: Hans Just. Im Kr. Grünberg 1414: Marquert Jost (Cod. 24). Erinnert sei an Luthers Freund: Justus Jonas, der eigentl. Jobst Koch hieß. Für Jost = Jodocus: Jost Hosebendil 1346 Liegnitz = Jodocus dictus Hozebendil 1348 ebd. (UB, S. 113); Jost Czebenicz 1416 = Jodocus Zebenicz 1415 Liegnitz (Bw. S. 110); Meister Jodokus (Jost) Tauchen, 1457 ff. Steinmetz in Breslau, gewöhnlich „Meister Jost“ genannt. Vgl. auch Markgraf Jost (Jodocus) von Mähren um 1400 und die Erwähnung der Wallfahrt nach der Benediktinerabtei St. Jodek (St. Josse) bei Calais, im Glatzer Stadtbuch 1371: eyne vart czu zende Just! Vgl. Jost Trier, der hl. Jodocus (1924)!


Jüttner (Liegnitz [31] Görlitz [17] Brieg [9] Neisse oft, Oppeln [9]).

Sohn oder Angehöriger der Jutta, d. i. Juditha (Schles. Regesten 2, S. 13, a. 1252). Gebildet wie Eitner, Leuschner usw. vom Genitiv mit metronym. -er. – Belege: Jutta tunc meretrix 1341 Liegnitz; Jutte, Hannos apthekers tochtir 1346 Breslau; Hannus Jutten(er) 1438 Liegnitz; Niclas Jüttener 1435 Rüstern (Tschersich 312); Paul Jotener 1476 Neisse; Hanns Jewtener 1445/46 Görlitz. Zum FN. Jütte vgl. Petir Jütte 1381 Sorau Land, Hanns Jewte 1463 Görlitz.


Kasper (Görlitz [19] Glatz [10] Neurode [10] Neustadt [14] Liegnitz [5]), Kasperek (Oppeln [8]).

Als einer der heil. drei Könige (Kaspar, Melchior u. Balthasar) (Festtag 6. Jan.), beliebt, in Schlesien erst im 15. Jh. – Belege: Caspar Czadilmait, consul 1398 Breslau (Rcht. 18); Caspar poschil 1491 Liegnitz, u. ö. ebd.


Kirsch (Liegnitz [24] Görlitz [16] Grünberg [7] Sagan [5] Neisse oft, Neustadt [6] Oppeln [6] Beuthen [10]) Kirschke (Glogau [7] Sagan [5] Grünberg [4] Neusalz [4] Görlitz [5] Beuthen [4]), selten Kirscht(e), Kirschmann.

Man könnte in Kirsch den mittelbaren Berufsnamen für einen Obsthändler vermuten (mhd. kerse, kirse, „Kirsche“). Aber die Häufigkeit und die aufs Slawische deutende Form Kirschke (bes. im Neiderland!) dürften Mucke recht geben,
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