Geschichte der Gemeinden Freistett und Neufreistett/108

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Geschichte der Gemeinden Freistett und Neufreistett
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Glücklicher Weise besaß Freistett mit seinen Wörten, Inseln und Wäldern gar verborgene Zufluchtsstätten. Auch hatte man das mit Sack und Pack Entfliehen zu einer bewundernswerten Fertigkeit gebracht. Unsere Gemeinde zählte immer noch 300 bis 400 Köpfe (7 bis 15 Geburten im Jahr), während die Einwohnerzahl zu Linx auf 14 heruntergesunken war. Um den Feinden zu entgehen, hatte auch der Pfarrer der damals ganz evangelischen Gemeinde Offendorf, Kaspar Eck, mit den wenigen Bewohnern seiner Gemeinde, die Hunger, Krieg und Pest übrig gelassen, sich hierher begeben, und wohnte zugleich mit Magister Kirchner draußen im Haggrün. Dort tauften sie gemeinsam die Kindlein von Offendorf und Freistett und segneten die Eheleute. Einer der Einträge aus jener Zeit lautet: „Am 18. Juni ist Adamo Guntzen von Offendorf eine junge Tochter getauft. Gevattern waren Hans Kaspar Eck, Pfarrer von Offendorf und Anna Maria, Magister Daniel Kirchners, Pfarrers allhie, eheliche Hausfraw.“

Woher sollte nun Hilfe kommen gegen den seine eigenen Unterthanen mit Mord und Brand verfolgenden römischen Kaiser? Leider waren die einzigen Helfer die Franzosen, welche unter Führung des Herzogs Bernhard von Weimar bei Lichtenau über den Rhein drangen und alsdann den kaiserlichen Feldherrn Johann de Werth bei Wittenweier aufs Haupt schlugen, um unser Ländchen noch vor der zwölften Stunde vor dem Untergange zu bewahren.

Es war in der That um die letzte Stunde. In Freistett, wo es noch verhältnismäßig gut stand, waren von den Soldaten totgehauen und erschossen worden: Georg Hummel am 22. Mai 1635 und Philipp Kah am 8. Juni 1638. Aus Lichtenau dagegen berichtet Diakonus Jakob Lichtenfeld im Jahre 1639 an seine Behörde zu Buchsweiler, er sei in Lichtenau unnötig geworden, da schon längere Zeit daselbst kein Bewohner mehr gewesen; die Felder lägen unbebaut;