Eupen und Umgegend (1879)/135

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Eupen und Umgegend (1879)
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       Ueber die Bedeutung der hiesigen Tuch-Industrie spricht sich ein, 1796 in der ettinger'schen Buchhandlung zu Gotha erschienenes Werk, „Die feine Tuchmanufaktur zu Eupen, ihre sämmtlichen Geheimnisse, Vortheile und Preise nebst Tabellen“, in weitläufiger Auseinandersetzung aus. Der anonyme Verfasser äußert sich in der Einleitung über die Nothwendigkeit einer Einführung der Tuch-Manufaktur in Deutschland[1], welcher die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden sei, da durch dieselbe bedeutende Summen dem Lande erhalten bleiben und eine große Anzahl Menschen Beschäftigung finden würden. Nach einer Schilderung über die spanische Wolle, die Unterhaltung und Pflege der Schafe in Spanien, das Scheeren derselben u.s.w. folgt der Nachweis über die Ausfuhr der Wolle aus Spanien bez. deren Einfuhr in Eupen. Hierbei kommt der Verfasser zu dem Ergebnisse, daß Eupen beispielsweise im Jahre 1770 aus Bilbao allein 35 Ballen Wolle Segovias im Gewichte von 8717 Pfund für 85,400 Realen bezogen habe. In der „Gegend von Eupen“, wohin der Verfasser: Aachen, Burtscheid, Vaels, Verviers, Hodimont, Montjoie, Imgenbroich, Eupen und Dison rechnet, würden jährlich 45,000 Stück Tuche zu 130 Ellen gemacht, was, jedes Stück durchschnittlich zu 415 fl. gerechnet, 18,675,000 fl. ergiebt, während die dazu verwendeten 22,500 Ballen Wolle à 300 Pfd. nur etwa 9,000,000 fl. kosten, also die Hälfte des Betrages auf Arbeitslöhne, Farben und Gewinn entfallen.

       Die Einrichtung der Tuchmanufakturen zu Eupen stellt Verfasser als ein Muster für dergleichen Arbeiten auf und unterzieht sie daher einer genauen Beschreibung, aus welcher ich den folgenden Auszug mit des Verfassers eignen Worten folgen lasse:

       „Der Kaufmann oder der Fabrikant ist die erste Triebfeder, und die Seele des Ganzen, er erhält viele Menschen in Aktivität, die alle für ihn arbeiten und ihre Nahrung von ihm erhalten, welches wohl mehr werth ist, als die beste Rechtspflege bei Hunger und Elend, und bestimmt den Werth des Kaufmanns im Staat, und macht ihn fühlbar. Dieser schafft also die rohen Produkte


  1. Eupen gehörte in jener Zeit zum Herzogthum Limburg und mit diesem zu Frankreich (s. allgem. Geschichte.)