Chronik der ref. Gemeinde zu Drossen/Nm.

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From: <a href="mailto:L.Severin@web.de?subject=Chronik der ref. Gemeinde zu Drossen/Nm.">Lars Severin</a>

Chronik der ref. Gemeinde zu Drossen/Nm.

Lfd. Seite 1

Im Namen Jesu

Die Evangelisch-Reformierte Kirche

allhier zu Drossen ist, wie auß beyliegendem

abtruck der Zeit-Versen, die auch in der Kirchen

angeschrieben, zu sehen, in eben dem Jahr gestieftet

und zu einer ordentlichen Gemeine worden

darin

Der Allerdurchlauchtigste, Großmächtigste

Fürst und Herr

Herr Friedrich der Dritte

Markgraf und Churfürst

zu Brandenburg

Die Königliche Würde des von

Ihm gestifteten

Königreichs Preußen

angenommen und sich und

seine Gemahlin

Die Allerdurchlauchtigste Fürstin und Frau

Frau Sophie Charlotte auß dem

Churhause Braunschwieg den 18.January

deß MDCCI. (1701) Jahrs

durch öffendliche Salbung alß

König und Königin

einweihen lassen.

Lfd. Seite 2

Belanget das Kirchen-Hauß, so ist dasselbe wie der augenschein gibt, anfangs zur Kirche gebaut gewesen, wan aber und warzu hat man keine gewisse nachricht, vermutlich ist sie, weil das Hospital aller nechst dabey, anfangs zur Hospital-Kirche aufgebauet worden.

Nachdem wir aber bey Ihro Königl. Majestät unserem Allergnädigsten König darum aller unterthänigst nachgesucht, haben Seine Königl. Majestät solches nicht allein aller gnädigst plaiedirt und ein neu Saltzhauß auff den hiesigen Stadthoff zu bauen und auß die Kirche ein Zuraumen allergnädigst befohlen, sondern auch in betracht, daß dieses die einige Teütsche Reformierte Kirche, die in dero KrönungsJahr gepflantzet worden zu reparation 100. rT. allergnädigst verehret.

Die Reparation dieses Kirch-Hauses ist von der Collecte, die ich der Prediger meist selbst gethan geschehen und beläuft sich, was die Kirche selbst betrift auff 350 .rT.

Lfd. Seite 3

Ehe aber die Kirche repariert u. inaugurirt worden, haben wir unsere Versammlung in He. Bürgermeister Bilit neuem Hause in der Heuter Gassen, darin ich der Prediger von anfang an gewohnet in der grossen Stube gehalten und ist die erste Predigt Anno 1701 und zwar auff dem Ersten Sonntag des Advents gehalten worden u. hat also diese Kirche auch just mit dem neuen Kirchen Jahr ihren anfang genommen.

Am dritten Sonntag des Advents gedachten 1701 jahres hat mich der königliche Hoffprediger und Consistorialraht von Cüstrin Herr Schardius der Gemeine prasentirt und hat das Rahtshauß alhier die inaugurations-Kosten getragen, so bey der mahlzeit und sonst auffgangen, den He. HoffPrediger mit der Stadt-Chese von Cüstrin abgeholet und wieder dorthin geführet auch demselben ein prasent für seine mühe gegeben.

Die inauguration der Kirchen ist geschehen Anno 1703 den VIII Sontag nach Trinitatis (29.7.) und zwar von dem Königl. Bischoff He. Ursinus von Berlin mit folgenden Ceremonien

  1. Kam die Gemeine bey mir dem Prediger in abgedachtem Hause, darin wir bißher den Gottesdienst verrichtet, zusammn
  2. Ging ich der Prediger mit dem voto ahn. Unser hülffe stehet im nahmen des Herren, der himmel und erden gemacht hat. Amen
  3. Lfd. Seite 4

  4. Ward darauf der CXXXIV Psalm zu Gottes Lob und Ehren zu singen angezeigt u. nachdem der I. Vers abgesungen erhob sich die gantze Gemeine auß dem Hause und ging singend der neüen Kirchen in folgender Ordnung
    • 1. Ging die Reformiert Jugend u. Schuel
      2. Folgte der Reformierte Peceptor u. Cantor He. Montanus u. trug 30 Heydelbergische Cathechismos in einem mit einem seidenen Tuch behangenen Korbe
      3. diesem kam der He. Stadtschreiber Unger nach und trug auch in einem bekleideten Korbe 20 Lobwasser
      4. Ging der He. Bürgermeister Biliz und trug in der Hand ein weiß Tuch habend die silberne u. vergüldete Blatte, darauf das h. Brot gelegt wird, wan das H. Abendmahl gehalten wird
      5. Ging der He. Bürgermeister u. Luentiat Nicolai u. trug den silbernen u. vergüldeten Kelch den er am Fuß mit einem rothen Seidentuch hielte
      6. Folgte ich der Prediger des Tossani große Bibel tragend. U. darauf kam
      7. Zuletzt die übrige Gemeine paarweise erst die Männer und hernach die Weibspersonen jung und alt.

    Lfd. Seite 5

  5. Nachdem wir in ? gedachter Procession in der Kirchen kammen ward alles gemeltes H. Geräht damit Ihro Königl. Majestät unser aller gnädigster König diese unsere neüe Kirche Regaliert, auf dem Tisch erdenklich niedergesetzt. Darauff kam
  6. Ihro Hochwürden der Herr Bischoff biß an die Kirchenthür gefahren und ward von dem Königl. Kriegs- u. SteürCommissario dem He. Hoffmann u. mir dem Prediger vor der Kirchenthür eingeholet und biß zu seinem Stuel im Chor begleitet.
  7. Hierauff ward gesungen: Komm Heiliger Geist Herre Gotts. Und nach endigung dieses gesangs trat
  8. der He. Bischoff für den H. Tisch, thät ein auf diesen Actum eingerichtetes gebet und zwar kniend sambt der gantzen Gemeine. Nach diesem Gebet ward gesungen der C. Psalm
  9. thät der He. Bischoff eine kurtze inaugurationsrede
  10. ward wieder gesungen. ?woll muß Gott gnädig seyn
  11. thät ich alß Pastor loci das gewöhnliche Sontägliche Gebet vor der Predigt
  12. Ward der Glaube gesungen
  13. Hielt ich alß Pastor loci die predigt über den zur linken Lfd. Seite der Kanzel angeschriebenen Text : Haggai II: XV-10 u. that darauff das ordentliche Sontagliche Gebet
  14. Ward gesungen: Herr Gott dich loben wir und nach dessen endigung der Seegen gesprochen u. darauff ging
  15. Erst der He. Bischoff u. hernach die gantze Gemeine auß der Kirche und ward nun Schüssel bey der Kirchenthür gehalten, darin bey 10 .rT. gesamlet worden. so auff Verordnung des He. Bischoff dem Prediger in Betracht seines (? am Rand nicht lesbar) gegeben worden.


Lfd. Seite 6

Anno 1706 ist durch fleißige Vorsorgen und Bemühung des Tit. H. David Bielitz königl. Schlössers und Ältesten H.Bürgermeister die Gemeine mit einem wollgelegenen pfarrhauß versehen worden, welches von Mstr. N. Grünfeld vor 217 rTh gekauffet worden , will aber kein Geld so woll für diesen Ankauf als weiteren außbauung vorhanden, so hat man von Ihr. Königl. Maj. durch eine allerunterthänigste Supplique die Renovation Ao 1702 allergnädigst concedirten Collecte erhalten, wodurch dann so viel Geldes angeschaffet worden, daß er nicht allein hat können gekauffet, sondern so weit außgebauet werden, daß ich als Prediger noch desselben jahres habe können einziehen.

Wobey auch nicht zu vergessen ist, daß durch Verschulden gedachten H. Bürgermeisters Bielitz ein wolweiser Rath allhie 125 rth erstattet, so von den

vorigen Collecten geldern bey inauguration der Kirche drauf gegangen, weil solches billig von Rahthaußlichen Mitlen (Mitteln) hette geschehen müßen.

Von gedachten Collectengeldern ist auch das Reformirte Schulhaus erbauet worden, weil aber solches nicht gäntzlich hinlänglich hate sein wollen, so hatte sich ein wolweiser Rath auff befehl der

Lfd. Seite 7

Neumärkischen hochlöbl. Regierung erbotten, selbiges gäntzlich außzubauen, womit er dan auch im jahr 1709 den anfang gemachet. Imgleichen sind mihr von demselben wollweißen Raht So viel mauer und Ziegelsteine gegeben worden, als ich nötig gehabt zu dem Camin auff meiner Studierstub,e und zur Bedeckung des stalles welches geschehen in demselben jahre 1709.

Zu der Zeit des dritten Predigers H. Cremers, der Zeit ersten Predigers in der Friedrichstadt zu Berlin, ist anstat eines Staquets eine Kirchmauer aus eines hochf. E. Magistrats Mitteln, um die Kirche hergeführet worden Ao 1714 .

Zur Zeit des 6. Predigers H. Juckmacks sind von Ihro Königl. Maj. Friedrich Wilhelm 235 Rthaler zu fernerer Ausbauung des Pfarrhauses allergnädigst geschenket worden.

Anno 1731 hat der 7. Prediger zu völliger Ausbauung desselben noch 103 rh. 13 g. 3Pf. erhalten u. Anno

1733 sind zu völliger reparation des Schuelhauses 91 Th . 6 Pf. von höchstgedachter Königl. Majes. accordirt worden, u. solcher gestalt endlich so wohl das Pfarre= als Schulhauß in guten brauchbaren Stand gesetzet worden .

Lfd. Seite 8 ( 1761) 175

V. Caput X von Merckwurdigkeiten, die sich von anfang dieser gemeine begeben, finde so wenig als pag 175 will es scheinen, daß hier durch außreißung eine Lücke gemacht worden seye.

Ich beginne also mit Anno 1716 und mit dieser Nachricht dass sich auff 4 Epiphanie hier ersattigung heyl begierden

auch nachmittags zu predigen den anfang gemacht habe, doch mit dem öffentlichen Beding, dass zur unterhaltung solcher Predigten das drum morgens Predigt anzuhören und an Armengeldern nichts abgehe, deren Nachmittagspredigt in diesen stücken auch ihr recht wiederfahre, und dass solcher halber nicht alleine mier sondern auch den H. Successoribus freye disposition überlaßen bleiben solle.

Waß die Cap X bemerckte accidentien Wegen Abendmahl und Neujahrspredigt betrifft, weilen meine Vorfahren solche genossen haben und mier auch kein zuverläßlicher gültiger schriftlicher befehl der solche auffgehoben hätte vorgezeigt worden so wil ich zwar zur erleichterung der Armenkasse, diese accidentien nicht und darmit Brodt und Wein des hl. Abendmahls anschaffen, auch was übrig bleibet zur erkauffung dienlicher Schulbücher und dergleichen für die fleißigen und auf........... Schulkinder destiniert, aber darmit den Herren Successoribus zur behauptung ihres rechts meistens vernommen habe.

Wie es hiermit bis 1722 gehalten worden hat Johann Jacob Juckmack bey seinem antritt nicht erfahren können und solche gelder der A. KirchenCasse . . . überlassen.

J.J. Juckmack (Unterschrift)

Lfd. Seite 9

1796 den 4 ten Dezember hat der hiesige H. Zolleinnehmer und 2ter Kirchenvorsteher Marquart, unserer Kirche einen schönen , von der hiesigen Frau Postmeisterin Be(ä)tzow gestickten Klingelbeutel von schwarzem Manchester geschencket, welcher an diesmn Tagen, wo auf vierteljährigen Kommunion war, zum ersten Male gebraucht worden

Kriege, Prediger

1797

Am Palmsontage dem 9 ten April ist das neue Berlinsche Gesangbuch von mir bei dieser Gemeine eingeführt und daraus zum ersten male gesungen worden.

Kriege, Prediger

Am 9 ten Sept. wurde die Kanzel mit grünen Bekleidung und mit dem Anstreichen fertig, so wie auch die Kirchenforte, die mit dem Tisch in der Kirche schon im Januar neu gemacht war, alles durch die Beiträge der Gemeine und anderer in hiesiger Stadt wie auch der auswärtigen Mitglieder zusammen 18 rh ...

Kriege

1800

Am ersten Juny, also am ersten Pfingsttage, wurde hier bei der Vorbereitung und Kommunion das neue formular, welches der Hofpred. und erster Kirchenrath Sack in Berlin verfertigt und in drucke gegeben hatte, gebraucht.

Ich ließ auf meine Kosten 50 Exempl. Von dem Domküster kommen, wovon von dem hiesigen H. Obristen und Kommendator von Münchow zehen Exemplare für arme Mitglieder der Gemeine geschenckt wurden. Die Übrigen kauften es nach und nach von mir, und so ist auch dies gute Werk allhier zu Stande gekommen.

Kontakt: Lars Severin some mail


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