Striegau Granitindustrie

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Seit alten Zeiten wurde um Striegau und Jauer Granit aus Steinbrüchen gewonnen. Für das Jahr 1594 sind Steinbrüche bei Kalthaus erwähnt, und in einer alten Chronik werden 1689 der Strehlener Stadtbruch und die Steinbrüche um Jauer und Striegau genannt. Größere Bedeutung hatte die Steingewinnung aber nicht. Im Jahre 1820 fing man dann an, die Basaltvorkommen am "Breiten Berg" bei Striegau zu erschließen. Im Jahre 1826 begann der Striegauer Friedrich Samuel Bartsch am Galgenberg (dem späteren Mühlberg) bei Striegau mit dem Abbau von Granit und 1829 werden Steinbrüche in Mittelgutschdorf, Järischau, Muhrau, Oberstreit und Groß Rosen erwähnt. Auch C.F. Lehmann baute erstmals um 1830 Granitstein ab, wahrscheinlich in Gräben.

Erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zu zahlenmäßig größeren Betriebsgründungen und Aufschlüssen von Granitsteinbrüchen. Genannt seien für 1858 die Gründung der Granitwerke des Heinrich Seidel in Gräben, 1868 die des Steinbruchbetriebes von August Weiß in Gräben, 1868 übernahm Franz Rhoder aus Striegau einen bereits bestehenden Steinbruch und 1873 begann die wirtschaftliche Tätigkeit der späteren Firma "Aktiengesellschaft Wilhelm Kramer & Co., Schlesische Granitwerke", um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Produktion in den Steinbrüchen folgte den Auf- und Abbewegungen der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung. Jahren mit Produktionssteigerungen folgten wieder Jahre mit rückläufiger Entwicklung. Trotzdem profitierte auch dieser Industriezweig, wenn auch insgesamt verzögert, vom wirtschaftlichen Aufschwung nach der Reichsgründung 1871. In der Folgezeit steigerte sich der Bedarf durch die vermehrte Verwendung von Granitsteinen bei der Bautätigkeit. Durch seine dichte Besiedlung und eine gute verkehrstechnische Erschließung konnte sich das Gewinnungsgebiet von Striegau-Jauer sehr gut entwickeln. Die Gesamtzahl der Steinbrüche in Striegau und seiner nächsten Umgebung schwankte über größere Zeiträume immer um 30 Granitbrüche und 1 Basaltbruch.

Zum Beginn des 20. Jahrhunderts kam es auch zu Verbesserungen in der Technologie des Gesteinsabbaues. So wurden die Sprenglöcher mit Pressluft gebohrt und zum Abtransport des Materials zur Bahnverladung Kleinbahnen errichtet. Die am 12. Oktober 1908 im "Schröter'schen Werk" in Häslicht in Betrieb genommene Drahtseilbahn gehörte wohl zu den ersten Schwebebahnen in einem Steinbruch um Striegau. Einen starken wirtschaftlichen Abbruch brachten der 1. Weltkrieg und die folgende Wirtschaftskrise. Erst ab etwa 1924 kam es wieder zu leichten Verbesserungen der wirtschaftlichen Bedingungen für die Steinindustrie. Es kam wieder zu Firmenneugründungen, zum Beispiel die Gründung der "Vereinigten Schlesischen Granitwerke G.m.b.H." mit Sitz in Breslau.

Die Gewerkschaftsmitglieder unter den Steinarbeitern waren im Verband der Steinarbeiter Deutschlands organisiert. Eine Aufstellung für 1927 nennt im Bezirk Granit-Schlesien zu Striegau 3.117, zu Strehlen 2.024 und zu Häslicht 1.556 Mitglieder. Sie gehörten damit zu den zahlenmäßig größten Unterorganisationen, wobei Striegau die größte des gesamten deutschen Steinarbeiterverbandes war. Mit der Wirtschaftskrise um 1930 kam die Granitindustrie fast vollständig zum Erliegen. Im Kreis Schweidnitz gab es 1933 weit mehr Arbeitslose als im Reichsdurchschnitt. In ganz besonderer Notlage war die Granitindustrie in Striegau, welche 1932 nur noch etwa 2.000 Beschäftigte zählte. Um das Jahr 1934 kam es zu einem Aufschwung und ab 1935 konnte die Granitindustrie in Folge der zunehmenden Errichtung von Monumentalbauten - auch beim Bau des Olympiastadions in Berlin kam Striegauer Granit zum Einsatz - und des Ausbaus der Infrastruktur den Bedarf kaum decken. Es entstanden zum Teil neue Betriebe und stillgelegte Steinbrüche nahmen die Produktion wieder auf. So wurden 1934/35 der Muhrauer Bruch und 1939/40 ein Bruch in den Järischauer Bergen ausgepumpt und wieder in Betrieb genommen. Für das Jahr 1936 werden Steinbrüche auf den Gemarkungen folgender Orte genannt: Landkreis Schweidnitz: Striegau, Gräben, Pilgramshain, Häslicht, Ober-Streit, Groß Rosen, Muhrau, Laasan und Järischau, wobei der Järischauer nicht immer in Betrieb war. Landkreis Jauer: Kalthaus, Herzogswaldau, Tschirnitz (Dornberg), Poischwitz, Bohrauseifersdorf, Dätzdorf und Girlachsdorf. Im Jahre 1937 zählte die Granitindustrie um Striegau wieder 5.000 Beschäftigte. Der Verwaltungsbericht des Kreises Schweidnitz für 1939 schreibt zu dieser Entwicklung: "Die Steinindustrie, für Striegau mit Hinterland in wirtschaftlicher Beziehung von so ausschlaggebender Bedeutung, hat die Aufträge, trotz Wiederinbetriebnahme eines Steinbruches, nicht restlos erfüllen können, weil sie bis zur Grenze ihrer Leistungsfähigkeit beschäftigt war."

Um 1939 hatten folgende Firmen ihren Firmensitz um Striegau/Jauer bzw. betrieben dort Steinbrüche:

  • Aktiengesellschaft Wilh. Kramer & Co., Schlesische Granitwerke, Jauer
  • Barth, Josef, Striegau
  • Gräbener Granitwerk, Granitwerke Bartsch Striegau G.m.b.H., Breslau 13
  • Granitwerk Gutschdorf G.m.b.H., Jauer
  • Granitwerk Alfons Hay, Groß Rosen
  • Granitwerk Järischau, Inh. Richard Hardmann, Breslau 16
  • Granitwerk Josef Barth G.m.b.H., Pilgramshain
  • Kreissteinbrüche Jauer vorm. H. Thasler G.m.b.H., Breslau
  • Lehmann, C. F., Granitwerke, Striegau
  • Müller, W. Haidau
  • Nixdorf, R. Nachf. G. Nixdorf, Granitwerke, Tschirnitz (Dornberg)
  • Riepke, M., Granitwerke vorm. Ostdeutsche Steinbruch-G.m.b.H., Liegnitz
  • Rhoder, F., Granitwerke, Striegau
  • Schlesische Steinbruch-Betriebsgesellschaft m.b.H., Breslau 13
  • Seidel, H. Granitwerke, Striegau
  • Staudinger, Kurt, Granitbruch, Pilgramshain
  • Thust, W., Granitbrüche, Muhrau
  • Vereinigte Schlesische Granitwerke A.G., Breslau 13
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