Schulprogramm

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Titelblatt eines Schulprogramms aus Hersfeld von 1904, [1]
Wissenschaftliche Beilage zum Schulprogramms aus Hersfeld von 1904, [2]

Als Schulprogramm bezeichnet man im historischen Zusammenhang[3] eine Schriftenreihe einer höheren Schule.
Diese Schulprogramme wurden in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland, z.B. Österreich und der Schweiz im 19. und bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhundert von fast allen Gymnasien und später auch von den Pro-Gymnasien und Realschulen veröffentlicht.
Der Begriff Schulprogramm wurde bereits gegen Ende des 19. Jahrhundert durch die Bezeichnung Jahresbericht ersetzt. Schulprogramme wurden in fast allen Ländern des damaligen deutschen Reiches herausgegeben. [4]
Zusätzlich zum eigentlichen Jahresbericht wurde auch eine Beilage herausgeben, die sich mit einem wissenschaftlichen Thema befasste. Diese Abhandlungen waren z. B. im Land Preußen zwischen 1824 und bis ca. 1875 verpflichtend.


Inhaltsverzeichnis

Inhalt


Schulprogramme stellen eine einzigartige historische Quelle dar. Dies gilt vor allem für die ehemaligen deutschen Ostgebiete, da in den Berichten sehr oft Daten und Fakten von nicht mehr existierenden Schulen und Lehranstalten genannt werden.
Sie geben einen Rückblick auf das Leben und den Alltag der einzelnen Schulen. Darüber hinaus enthalten sie auch, meist sehr detaillierte, Hinweise auf die Mitglieder des Lehrkörpers [5], die Schülerschaft und die Abiturienten der Schule [6]. In den Verzeichnissen der Absolventen werden häufig auch der Name des Vaters und der angestrebte Beruf genannt.
Aufgeführt werden nicht nur Verfügungen und Erlasse der vorgesetzten Behörden [7] und die im Unterricht gelesenen Bücher und Schriften, sondern auch es werden auch Ankäufe für die Schulbibliothek aufgezählt oder der Kauf von Apparaten und Maschinen für den Chemie- oder Physikunterricht. Man findet aber auch so profane Dinge wie Berichte über die Schulausflüge oder den genauen Beginn des Unterrichtes nach den Schulferien.

Aufbau

Schulprogramme hatten z.B. in Preußen seit 1824 durch eine Anordnung des Ministeriums eine einheitliche Struktur. Andere Länder wie z.B. Bayern und Hessen führten in den folgenden Jahren ebenfalls eine einheitliche Struktur ein.


Beispiel aus Hersfeld, preußische Provinz Hessen-Nassau

  • Schulnachrichten
I. Allgemeine Lehrverfassung
1. Übersicht
2. Unterrichtsverteilungsplan für das Schuljahr.
3. Übersicht über die während des Schuljahres durchgenommenen Lehraufgaben.
II. Verfügungen der vorgesetzten Behörden.
III. Chronik.
IV. Statistische Mitteilungen.
1. Schüler Frequenztabelle
2. Religions- und Heimatsverhältnisse
3. Verzeichnis der für reif erklärten Schüler
V. Sammlung von Lehrmitteln.
VI. Stiftungen und Unterstützungen von Schülern.
VII. Mitteilungen an die Eltern und die Schüler. [8]
  • Eine wissenschaftliche Beilage vom Direktor oder einem Mitglied des Lehrkörpers. [9]

Geschichte

Vorläufer der Schulprogramme lassen sich auch schon im 17. und im 18. Jahrhundert nachweisen. Nach dem 2. Weltkrieg finden sich keine einheitlichen Jahresberichte mehr.
Weitere Informationen finden sich in der Wikipedia [10]

Überlieferung

Die umfangreichsten Bestände an Schulprogrammen besitzen wohl derzeit die BBF | Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des DIPF in Berlin (Stand: 19.07.2019) und die Justus-Liebig-Universität in Gießen.
Ebenfalls sehr viele Schulprogramme finden sich in:

der Forschungsbibliothek in Gotha (Stand: 25.02.2011)
Franckeschen Stiftungen (auch Glauchasche Anstalten) zu Halle (Stand: 25.02.2011)
im staatliches Gymnasium in Hamburg, Christianeum (Stand: 25.02.2011) (dort gesammelt seit 1854)
Stadtbibliothek der Hansestadt Lübeck (Stand: 25.02.2011).

Bibliografien

Umfangreichste Bibliografie ist mit etwa 55.000 verzeichneten Titeln das von Franz Kössler auf der Basis der Gießener Bestände erstellte Verzeichnis der Programm-Abhandlungen deutscher, österreichischer und schweizerischer Schulen der Jahre 1825 - 1918. Es ist alphabetisch nach Verfassern geordnet und enthält ein Orts- und Schulverzeichnis.

Franz Kössler: Verzeichnis von Programm-Abhandlungen deutscher, österreichischer und schweizerischer Schulen der Jahre 1825 - 1918 : Erg.Bd. 1991. ISBN 3-598-10665-3[11]
Die daraus entstandene Daten befinden sich in einer Datenbank auf der Homepage der Universitätsbibliothek Giessen. [12]


Anmerkungen

  1. Der vollständige Jahresbericht kann als PDF Dokument auf der Homepage der Universitätsbibliothek Giessen eingesehen werden.
  2. Die wissenschaftliche Beilage kann als PDF Dokument auf der Homepage der Universitätsbibliothek Giessen eingesehen werden.
  3. Im heutigen Schulrecht ist ein Schulprogramm dagegen ein Dokument, das die Ziele einer Schule formuliert. In vielen Bundesländern sind alle Schulen verpflichtet, ein Schulprogramm zu entwicklen, vgl. Artikel Schulprogramm. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie..
  4. Richard Ullrich [siehe Literatur] erwähnt u.a.: Anhalt, Baden, Bayern, Braunschweig, Elsaß-Lothringen, Hamburg, Hessen, Sachsen und Württemberg.
  5. siehe im GenWiki: Die Lehrer des Hersfelder Gymnasiums
  6. siehe im GenWiki: Gymnasium zu Hersfeld, Verzeichnis der für reif erklärten Schüler. Ostern 1904
  7. Michael Morkramer hat diese Verfügungen einmal für das Ostendorf-Gymnasiums in Lippstadt zusammengestellt;
    Die preußischen Schulprogramme und ihre Circularverfügungen Quellen aus dem Schularchiv des Ostendorf-Gymnasiums in Lippstadt
  8. siehe im GenWiki: Hersfeld, Gymnasium, Jahresbericht 1904
  9. siehe im GenWiki: Hersfeld, Gymnasium, Beilage zu dem vorgenannten Jahresbericht von 1904
  10. Artikel Schulprogramm (historisch) ein Excellenter Artikel. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
  11. Das Buch von Franz Kössler befindet sich als PDF Dokument auf der Homepage der Universitätsbibliothek Giessen und kann hier eingesehen werden.
  12. Die Datenbank kann hier durchsucht werden. Franz Kössler: Katalog und Bibliographie der Schulprogramme

Literatur

Genwiki


Weblinks

Digitalisierte Schulprogramme finden sich hier:

weitere Informationen



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