Papiermühle (Marl-Sickingmühle)

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Sickingmühler Häuser und Höfe nach Hauskataster, Informationen über ihre Vergangenheit und Geschlechter geben ein Abbild der hier bodenständigen Menschen in ihren Zeitverhältnissen um damit eine Basis zur Darstellung persönlicher Geschichte von Vorfahren in Zeit und Raum zur Anlage von Biografien zu bilden.

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Am Zusammenfluß von Loemühlen- und Silvertbach wurde Ende des 18. Jahrhunderts am Silvertbach eine Papiermühle gegründet. Dies führte zum Ausbau des Gewerbes der Lumpensammler in Marl.

Inhaltsverzeichnis

Unterbauerschaft Silvert, danach Waldsiedlung

Historische Lage

Der Silvert Busch

  • Anno 1410 wird in der Bauerschaft Oelde (westlich des Sickingmühler Baches) ein an das Stift Xanten abgabepflichtiges Gehölz aufgeführt: Bona holtynges 9 vasa silig. (3 Scheff. Dorst.) 8 den. Holte to sylvert (Stift Xanten VJ Nr.62). Es handelt sich um den "Silvert", eine Flur an der Mündung des Loemühlenbachs in den Silvert-Bach.

Technik

  • Wasserantrieb
    • 1 unterschlägiger Gang
      • ganzjährig nutzbar
        • 1812/15 höchstes jähtiches Pachtquantum zu 50 Rt veranschlagt

Familie Silvert

  • Kirchenbucheintragung: Johannes Silvert oo2. Hamm rk. 14.07.1778 Vidua Margaretha Albers, + 22.01.1784 Margretha Albers im Alter von 73 Jahren.
Wiederaufgebautes Verwaltungshaus der Papiermühle im Silvert, um 1900 beim Bauer Pasing in Lembeck Stroick.

"Haus" Silvert

Das sogenannte "Haus" Silvert oder die Silvertburg" war das Verwaltungshaus der Besitzer der Papiermühle. Es hat nicht allzu lange in dem heutigen Ortsteil Waldsiedlung gestanden, dann wurde es zerlegt und in Lembeck wieder aufgebaut.

Pasing erzählt

Dazu erzählte Bauern Ferdinand Pasing um 1965 in Lembeck:
„Es war im Jahre 1894. Ich war damals ein zehnjähriger Junge. Unser Wohnhaus war schlecht, den Bauern ging es damals auch nicht gut. Da hörte mein Vater, daß das "Haus" Silvert zum Abbruch verkauft werde. Das war ein sehr schönes Haus, wie es in jener Zeit weit und breit keins gab. Es war zweistöckig und hatte ein Walmdach. Die Stuben waren wohl über 4 m hoch. Es hatte große, schöne Fenster mit 8 Scheiben. Davor hingen grüne Fensterläden. Um das ganze Haus stand eine Fliederhecke. Mein Vater kaufte es billig. Wir ließen also das ganze Haus vorsichtig abbrechen und transportierten alles mit großer Mühe auf dem Wege bei Vahnstiege in Sickingmühle vorbei, über die Lippefähre bei Ostendorf, zu uns nach der Bauernschaft Stroick bei Lembeck. Mein Vater ließ es zu Hause wieder ganz genauso aufbauen. Auch einige Fliederstöcke nahmen wir mit, die blühen heute (um 1965) noch.“

Bauer Pasing wußte noch ganz genau, was auf dem Türbalken eingeschnitten war:

24. Juni 1845 Aufgebaut von Joseph Rive und Sophia Melcher

Frau Pasing fand auch noch ein vergilbtes Foto, auf dem das Haus Silvert deutlich und naturgetreu zu erkennen ist. Auf dem Bild ist es aber schon wieder in Lembeck aufgebaut worden.

Anwesen

Hinter dem Wohnhaus am Silvert lag ein rechteckiger Hof. Auf der einen Seite 2 große Scheunen, eine wohl 20 m lang; auf der anderen Seite der Stall und die Mühle. Die ganze Gegend und alle Felder auf beiden Seiten des Silvertbaches hieß "Silvert". Die Felder lagen südlich und nördlich vom Bach bis zur Römerstraße. Aber sie machten 1894 einen verwahrlosten Eindruck, voll von Unkraut und Queckengras. Nördlich vom Hof, ungefähr in der Gegend der heutigen Amselstraße stand damals der Schafstall.

Nachdem nun Namen und Örtlichkeit bekannt waren, konnte das Haus Silvert auch im Katasteramt gesucht werden. Es lag nördlich vom Silvertbach auf dem hohen Ufer, etwa im ersten Drittel von der Römerstraße bis zur Silvertschule.

Man sieht das Verwaltungshaus und die Anordnung der Wirtschaftsgebäude. In einer alten Katasterkarte wird die Mühle als "Papier Mühle" bezeichnet. Als Besitzer ist 1842 ein Adolf Rive angegeben. Der Silvertbach war durch einen Damm zu einem Mühlteich gestaut und trieb ein unterschlächtiges Wasserrad.

Gebäude

  • Brandkatster 1821/1835: Hs Nr. 74, Rive, Jos .: Papiermühle, nicht massiv, 12 Gefache; Nebenhaus, nicht massiv, 5 Gefache; Scheune, nicht massiv, 6 Gefache; Scheune, massiv, 2 Etagen, 8 Gefache [1]

Spätere Besitzer

Aus den Grundbüchern konnten noch folgende Besitzer festgestellt werden:

  • Herzog v. Arenberg, Engelbert Prosper Ernestusmi mit 8/20 Anteilen
  • Prinzessin Maria Ludmilla mit 3/20 Anteilen
  • Prinzessin Sophia mit 3/20 Anteilen
  • Prinzessin Maria mit 3/20 Anteilen
  • Prinz Carl Prosper mit 3/20 Anteilen.


Bauerschaften im historischen Kirchspiel Hamm-Bossendorf im Kreis Recklinghausen (Regierungsbezirk Münster)

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Genius, Bewohner der Papiermühle

Ersterwähnung

  • Kirchenbuch Hamm-Bossendorf: Dus. Joh. Daniel Genius + 06.03.1789 im Altervon 76 Jahren.

Populationsliste

1806 Hamm, Hs. Nr. 240:

  • Joseph Genius, Eigentümer, verheiratet 45 Jahre alt, Papierfabrikant, Kinder
    • 1 Tochter bei den Eltern,
    • J. Joseph Clemens 17 Jahre alt, bei den Eltern, ~ 21.11.1789 in Hamm-Bossendorf, rk.
    • Joseph Clemens 14 Jahre alt, bei den Eltern, ~ 29.09.1792
    • Vincenz Joseph Franz 12 Jahre alt, bei den Eltern, ~ 26.09.1796
    • Maria Bernhardine Wilhelmine, ~ 30.10.1798
    • Bertram 5 Jahre alt, bei den Eltern
      • 1 Magd
      • Knecht Henrich Böker, 36 Jahre alt
      • Knecht Gabriel Pottgießer 30 Jahre alt, geb. in Malmedi [2]

Einwohnerliste

1811 Bevölkerungstabelle Municipalität Marl, Hamm Nr. 240:

  • Joseph Genius, 50 Jahre alt, Papierfabrikant, Ehefrau Wilhelma Overdieck 49 Jahre alt, Kinder:
    • Joseph Genius 22 Jahre (1.oo 03.02.1818 Marl rk Mechthilde Wüller, 2.oo 15.08.1837 Marl rk. An. Maria Cath. Jennen)
    • Bernardiene Genius 13 Jahre (oo 11.11.1828 Marl rk. Bernard Erlen-Wehling)
    • Bertram Genius 9 Jahre alt (1.oo 16.06.1828 Marl rk. M. Bernhardine Dördelmann, 2.oo 04.10.1836 Bernardine Thies)
      • Knecht Wilhelm Schröer 32 Jahre
      • Knecht Franz Flieter 22 Jahre
      • Magd Maria Büning 23 Jahre alt. [3]

Rive

Einwohner 1832/35

  • Einwohner Hamm: Franz Adam Rive, Papierfabrikant [4]

Patronats- und Kollationsrecht

Das Patronats- und Kollationsrecht an der Kirche zu Hamm war von 1822 bis 1837 im Besitz des Kaufmanns Rive zu Dorsten.

Hauskataster

19.12.1843 Liste sämmtlicher Civil-Einwohner Amt Marl, Gemeinde Hamm Hamm Nr. 81:

  • Joseph Rive, 37 Jahre, Papierfabrikant, Ehefrau Sophia Melchers 31 Jahre alt, Kinder:
    • Bernardine Adolphine 5 Jahre alt,
    • Franz Arnold 1 Jahr alt.
      • Anverwandte Cath. Wilnesen, 18 Jahre alt
        • Geselle Paul Müller 27 Jahre
        • Geselle Henr. Siegwitz 41 Jahre
        • Geselle Joh. Peter Kreis 35 Jahre
        • Geselle Carl Brand 42 Jahre alt
        • Knecht Henr. Baumeister 30 Jahre
        • Knecht Henr. Alf 30 Jahre
        • Arbeiter Theod. Boeke 29 Jahre
        • Arbeiter Georg Tiemann 28 Jahre
        • Lehrling Joseph Wiggert 20 Jahre
        • Lehrling Wm. Averbeck 15 Jahre
        • Magd Elisab. Schmitz 20 Jahre
        • Magd Elisab. Funke 19 Jahre
        • Magd Anna Höfener 18 Jahre. [5]

Bibliografie

  • Jahrbuch des Vereins für Orts- und Heimatkunde der Grafschaft Mark, Jg. 52.1938, Band 1, darin Alma Langenbach "Westfälische Papiermühlen und ihre Wasserzeichen"
  • Der Märker, Jg. 13.1964, S. 226-234, darin Alma Langenbach "Stammliste sämtlicher Papier Fabricanten in der Grafschaft Mark, aufgenommen im Jahre 1794, revidiert im Januar 1798"
  • Theißen, Peter, Mühlen im Münsterland, Hrsg.: Volkskundliche Kommission für Westfalen - Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Band 101 ISBN 3-89325-900-7

Fußnoten

  1. Quelle: Stadtarchiv Marl - BMA. - 87
  2. Quelle: Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, Hzgt. Arenberg B Nr.23, Jan. 1807
  3. Quelle: Stadtarchiv Marl, Akte BMA. 92
  4. Quelle: Westfalenlexikon
  5. Quelle: Stadtarchiv Marl, Akte AA.I-171

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