Holzschuhmacher

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Berufs- und Ständebeschreibung: Die Handwerker, organisiert in ihren Amt, ihrer Zunft oder Gilde waren in den Städten des HRR maßgend bei der Wahl der lokalen Bürgermeister und des Rates („Deutsches Städtebuch“).

Holzschuhmacher, Vreden, Heimatverein
Trippen, universelle Schuhschoner
links 13./14., rechts frühes 16. Jhdt.
Heimatmuseum Einbeck

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Holzschuhmacherei in Westfalen

Namensvarianten

  • Trippenmacher = Trippe oder Treppe (ndd.) = Holzschuhsandalenbrettchen mit zwei untergesetzten, gleich hohen, Querriegelbrettchen als Stelzen zur Begehung mit Unrat verschmutzter Straßen in Städten.
  • hölzerne Absatzmacher (Hagen (Westfalen) 1719)
  • Klümper(ndd.) = Klumpenmaker (ndd.)
  • Holschenmacher, Holschkenmacher, Holscher oder auch Holzschuher = Holzschuhmacher

Mittelalterliche Holztrippen

Die früher relativ dünnen, ledernen Schuhsohlen waren nicht für die Beanspruchung im Dreck, Matsch und Müll, der früher knöchelhoch auf den mittelalterlichen Straßen lag gedacht. Wenn Frauen und Männer aus dem Haus gingen oder sonst ihre guten Lederschuhe schonen wollten, benutzten sie dazu ein zusätzliches Paar hölzerner Trippen. In diese konnte man leicht hineinschlüpfen. Ihre hohen mit Eisen beschlagenen Stollen verhinderten, daß man all zu tief im Straßenschlamm versank.

Werkstoff: Holz

Holz war bis in das 20. Jahrhundert hinein der universelle Werkstoff für unterschiedlichste Gegenstände des täglichen und häuslichen Bedarfs. Dementsprechend vielfältig waren auch die holzverarbeitenden Handwerke. Ein typisches Handwerk in Westfalen, das im 19. Jahrhundert einen regen Aufschwung erlebte, war die Herstellung von Holzschuhen.

Holzschuhmacher schnitzten aus Erlen-, Pappel-, Fichten-, Birken-, oder Nußbaumholz entweder Schuhe aus einem Stück oder Holzsohlen, welche sie manchmal auch mit einem Oberteil aus Leder versahen (Pantoffeln).

Arbeitsweise

Die schwierigste Arbeit war das Herausarbeiten der Rohform mit der Breitaxt aus dem Holzklotz (Spliß). Waren beide Schuhrohlinge behauen, die Fußformen angerissen, konnten die Außenflächen mit dem Schabeisen geglättet werden. Im Anschluß daran wurden die Schuhe in die Werkbank eingekeilt, der Innenraum mit Spital- und Löffelbohrer sowie mit Hohl- und Ringmeißel ausgehölt und die Unebenheiten mit dem Abrüstmesser beseitigt. „Bessere“ Holzschuhe bekamen manchmal einen schwarzen Anstrich, und zu ihrer Verzierung schnitt man Ähren- oder Blumenmuster auf den Vorderteil, den »Himmel«.

Produktnamen

»Klotzken«, »Holsken«, »Holschen«, »Klumpen«, »Trippen« (Name: Trippelvoet), nannte man sie in Deutschland (Oldenburg), »Treten«, »Trittlen«, »Hülzen« oder »Hölzen« in Österreich.

Für das einfache Volk

Holzschuhe waren die Fußbekleidung des einfachen Volkes, kostbar verziert wurden sie mitunter auch von Kaufleuten oder Adel getragen.

Verbreitung

Im Westmünsterland waren Holzschuhe beispielsweise noch um das Jahr 1800 so stark verbreitet, daß die ländliche Bevölkerung den Lederschuh kaum kannte. Allein im Lüdinghauser Kreis verdienten fünfundsiebzig Familien ihren Unterhalt mit der Anfertigung von Holzschuhen (Siehe lokale Populationslisten von 1806 mit Berufsangaben, <z.B. zählen Sie selber, hier in Heiden>.

Holzschuhe als Wirtschaftsfaktor

1861: Bemerkenswert war die im Kreis Rees ausgedehnt betriebene Holzschuhmacherei. Die nachgewiesenen 73 selbstständigen Holzschuhmacher fertigten im Jahre 1861 etwa 33.750 Paar Holzschuhe an. Das Paar zu durchschnittlich 3 1/2 Silbergroschen gerechnet, bedeutete dies bei den beteiligten Familien ein Einkommen von 10.937 1/4 Taler. Die Holzschuhe bildeten im Kreis Rees einen gängigen Handelsartikel, mit dem auch außerhalb, besonders in Westfalen und vielen Orten der Rheinprovinz, Geschäfte gemacht wurden und auch öffentliches Kapital zur Verbesserung der Infrastruktur in den Kreis Rees brachte.

Die durchschnittlichen Bruttoeinnahmen der Familie eines selbstständigen Holzschuhmachermeisters betrug zu dieser Zeit 149 Taler. Nach Abzug der Herstellungskosten entsprach dies Einkommen etwa dem jährlichen Einkommensbedarf einer Tagelöhnerfamilie aus fünf Personen.

Persönliche Werkzeuge