Wien/Historische Friedhöfe

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Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Wiener Friedhöfe

Viele Jahrhunderte war der um die Kirche gelegene Kirchhof die allgemeine Begräbnissstätte. In den Großstädten war der Platz naturgemäß beengt. So wurden die Toten oft bereits nach 10 Jahren ausgegraben und im Beinhaus (lat. ossuarium) auch Karner (lat. carnarium) genannt gebettet.

Im 18. Jht. wurden nach und nach alle Friedhöfe aus der Stadt verbannt. Man brauchte den Platz. 1732 wurde erstmals die Bestattung innerhalb der Stadt Wien untersagt. Im Jahr 1733 der Friedhof um St. Stephan geschlossen und in der Alservorstadt ein neuer angelegt.

Als 'Nichtpfarr-Friedhof' war nur der Bürgerspitalfriedhof definiert. Alle anderen unterstanden einer Pfarre, die auch Gebühren kassierte und die Bestattung auch verweigern konnten (z.B. von Selbstmördern).

Innerhalb der 'Linie' wurden ab 1784 die Friedhöfe geschlossen und nach außen verlegt. „Linie“ bezeichete den äußeren Wehrwall um Wien - im Bereich der heutigen „Gürtelstraße“ (z.B. Mariahilfer Gürtel) gelegen.

1874 gab es 7 Friedhöfe im damaligen Wien. Am 1. November 1874 wurden diese Friedhöfe geschlossen und gleichzeitig der „Zentralfriedhof“ in Wien 11; eröffnet.

Im Jahr 1907 gab es in Wien 33 Friedhöfe. Davon wurden 28 von der Gemeinde Wien, 3 von der katholischen Kirche, einer von der evangelischen Kirche und einer von der jüdischen Gemeinde, verwaltet. Nur drei der von der Gemeinde verwalteten Friedhöfe waren interkonfessionell: Zentral-, Hietzinger-, und Döblinger Friedhof.

1957 gab es in Wien 56 Friedhöfe, davon 46 städtische, 5 katholische, 2 evangelische, 3 israelische.

Die heutigen Friedhöfe findet man hier: https://www.wien.gv.at/kultur/religion/friedhoefe.html


Historische Friedhofsbücher

Einige historische Friedhofsbücher (der aufgelassenen Friedhöfe) liegen verfilmt im Wiener Stadt- und Landesarchiv [1] und bei den "Mormonen" [2] auf.

Bezirksgeschichte

Hier nun die Geschichte der Friedhöfe nach dem Bezirk sortiert, im Detail. Hinweis: Die Bezirksangabe bezieht sich auf die HEUTIGEN Bezirksgrenzen. Einen Friedhof bezeichnete man früher auch 'Freihof' oder 'Freithof'.


1; Innere Stadt

Die beiden ältesten Kirchhöfe befanden sich bei der Ruprechtskirche (8. Jht.) und der alten (1072) Peterskirche. Der Ruprechtsfriedhof (heute Seitenstettengasse) ist bereits im 15. Jht. aufgelassen worden. Der Friedhof der Peterskirche war bis 1783 heutigen Petersplatz.

Der Friedhof der Kirche St. Stephan wurde vor 1170 geöffnet. 1732 wurde er gesperrt und ein Friedhof im 8; Bezirk zum neuen Pfarrfriedhof.

Ein grosser Friedhof (Burgseite) umgab die Michaelerkirche (1221) bis 1660, dann wurde er nach Mariahilf (damals ‚Schöff’ genannt) verlegt.

Bei der Minoritenkirche (13. Jht.) war an der nordöstlichen Seite ein Friedhof gemeinsam mit einem Kloster. 1783 aufgelassen.

Beim ‚Schottentor’ entstand im 16. Jht. ein kleiner Friedhof (heute Freyung Nr. 7) namens ‚Im Vogelsang’. Er wurde 1751 aufgelassen.

Bei der Augustinerkirche war (westlich) ein Friedhof, der bereits 1460 aufgelassen wurde.

Der Jakoberfriedhof gehörte zum Nonnenkloster St. Jakob an der Hülben (1256) (heute Jakober-/Riemergasse). 1783 wurde Kirche, Kloster und Friedhof aufgelassen.

Einen weiteren Friedhof gab es neben der Kirche 'Am Hof' (heute 'Schulhof').


2; Leopoldsstadt

Beim Spital ‚der barmherzigen Schwestern’ war der älteste Friedhof (1614) in Höhe der Grossen Mohrengasse Nr. 16.

Die Kirche St. Leopold (1672) auf der Taborstraße war bis 1783 mit einem Friedhof umgeben.

Der Friedhof ‚Auf der Haide’ im Bereich (Leopold-/Schiffamtsgasse) war bis etwa 1783 geöffnet. Ab 1783 wurde den Bewohnern der Friedhof St. Marx (3; Landstraße) zugeteilt.


3; Landsraße

Der Nikolaifriedhof (1540) gegenüber der Rochuskirche (Landstrasser Hauptstraße, Markt) bestand bis 1784.

Bei der Kirche St. Peter und Paul bestand seit ca. 1655 nahe der Erdbergerstraße ein kleiner Friedhof. Aufgelassen 1783.

Der Friedhof St. Marx wurde 1784 eröffnet und 1874 geschlossen. Er war für die Bewohner der Bezirke Leopoldsstadt und Landstraße zuständig. Er ist der einzige erhaltene Biedermeier-Friedhof und steht unter Denkmalschutz.

Literatur
Veigl, Hans: Der Friedhof zu St. Marx, Wien 2006 (203 Seiten, 43 Duplex-Abb.), ISBN 3-205-77389-6
vergleiche: http://www.boehlau-verlag.com/978-3-205-77389-4.html
Weblinks
https://www.wien.gv.at/umwelt/parks/anlagen/friedhof-st-marx.html
St. Marxer Friedhof in der deutschsprachigen Wikipedia

4; Wieden

Der ‚Bürgerspitalsfriedhof (Patrizier-Friedhof!) nahe Karlsplatz/Naschmarkt und der ‚Heiligengeistfriedhof’ auch ‚Armesünder-Friedhof’ genannt, wurde vor 1260 gegründet. Sie bestanden bis 1783/84.


5; Margareten

Ein kleiner Friedhof um die Kiche in ‚Mazldorf’ (heute Rainergasse Nr. 22) bis 1783.


6; Mariahilf

Bei der Aegydykirche (später Gumpendorfer Kirche) lag nahe des Mühlbaches ein Friedhof. Er wurde im 18.Jht. zur Hundsthurmer Linie (Heute: 12;Haydn Park) verlegt.

Der Pfarrfriedhof (1660) der Mariahilferkirche lag hinter der Kirche bis zur Windmühlgasse. Wurde 1783 aufgelassen und auf die ‚Schmelz’ (15. Bezirk) verlegt.


7; Neubau

Bei St. Ulrich (1211) wurde ein Friedhof bereits im 15. Jht. aufgelöst. Danach bestand ein Friedhof nahe der Zoller- (frühere Leichhofgasse!) und Mondschein-/Siebensterngasse, bis 1784.


8; Josefstadt

Seit dem 17. Jht. bestand im Bereich des Landesgerichts (‚Graues Haus’) ein Friedhof (‚Neuer Stephansfriedhof’). Er wurde als Ersatz für den Friedhof der Pfarre St. Stephan (1; Bezirk) errichtet. Dazu wurde ein Teil der ‚bürgerlichen Schießstätten’ umgewidmet. Er bestand bis 1784.


9; Alsergrund

Hier gab es immer schon viele Spitäler/Lazarette und daher auch viele Friedhöfe.

Ein Epedemiespital (‚Contumazhof’) mit Friedhof wurde 1733 dem vollendeten Grossarmenhaus angegliedert. Das Armenhaus hatte ebenfalls einen eigenen Friedhof. Heute ist dort das Areal des ‚Alten Allgemeinen KrankenHauses’ (altes AKH).

Im Bereich der Sensengasse (früher Totengasse!) gab es vier Friedhöfe. Den zum ‚Spanischen Spital’ gehörenden Friedhof, Den Friedhof eines Armensiechhauses (‚Bäckenhäusel’), den Schottenfriedhof (Ecke Sensen-/Spitalgasse) und den zum Lazarett gehörenden Friedhpf (Ecke Spitalgasse/Währinger Straße). Alle wurden 1874 aufgelassen.

Links der Schwarzspanierkirche war ein ‚kaiserlicher Friedhof’, später auch ‚Mariazeller Friedhof’ genannt. Errichtet im 16. Jht. am Grundstück des zerstörten Klosters St. Maria Magdalena errichtet. Er ermöglichte es auch Evangelische zu bestatten. 1784 geschlossen.


10; Favoriten

Der Friedhof ‚Favoriten’ (heute Waldmüllerpark) wurde 1784 angelegt und 1879 geschlossen.

Der Evangelische Friedhof ‚Matzleinsdorf’ wurde 1860 geöffnet und besteht bis heute.

Der Ortsfriedhof von Oberlaa befindet sich hinter der Pfarrkirche.


11; Simmering

Im 17. Jht. gab es einen Friedhof im Bereich Kopalgasse (Ried ‚Fuxröhren’).

Der ‚Zentralfriedhof’ ist bis heute der größte Friedhof der Stadt. Er wurde 1874 eröffnet und war mit 200.000 m2 damals der größte Friedhof Europas. Er teilt sich in einen interkonfessionellen, einen evangelischen und zwei israelitsche (jüdische) Teile.

Gegenüber dem Zentralfriedhof liegt das ‚Krematorium’. Die Feuerbestattung war lange Zeit heftig diskutiert und das ‚Krematorium’ (auch ‚Feuerhalle Simmering’ genannt) wurde erst 1922 geöffnet. Es befindet sich am Parkgelände des ‚Neugebäudes’, ein ehemaliges Lustschloss von Rudolf II.


12; Meidling

Hundsturmer Friedhof. Heute: 12; Haydn Park. Wurde 1874 geschlossen.


15; Fünfhaus

Der Friedhof ‚auf der Schmelz’. Heute: 15; Vogelweidplatz und März Park. Wurde 1874 geschlossen.

Der Währinger Allgemeine Friedhof (heute 15;Währinger Park) war ein Nobelfriedhof. 1783 angelegt und 1874 geschlossen.


18; Währing

Währinger Ortsfriedhof. Heute: 18; Schubert Park. Wurde 1769 geöffnet und 1874 geschlossen.

Kaisergrüfte/Katakomben

‚Kapuzinergruft’ : In der Kapuzinerkirche (1; Bezirk) zur Hl. Maria von den Engeln wurde den Angehörigen der Familie Habsburg seit 1633 zur Grabstätte.

‚Herzgrüftlein’: In der Augustinerkirche (1; Bezirk) gibt es das ‚Herzgrüftlein’. Hier wurden ua. die Herzen der Habsburger (getrennt vom Körper) gestattet.

Katakomben : In der Kirche St. Stephan (1; Bezirk) gibt es Katakomben ab 1486. Seit 1873 sind die Katakoben, bedingt durch einen veränderten (höheren) Grundwasserspiegel, leergeräumt.

‚Michaelergruft’: Die Michaelerkirche (1; Bezirk) beherbergt die ‚Michaelergruft’. Ab etwa dem 16. Jht. wurden Bestattungen vorgenommen. 1784 beendet.

‚Schottengruft’: In der Schottenkirche (1; Bezirk).

‚Petersgruft’: In der Peterskirche (1; Bezirk).

‚Dominikanergruft’: In der Dominikanerkirche (1; Bezirk).

‚Jesuitengruft’: In der Jesuitenkirche (1; Bezirk).

‚Laurenzergruft’: An Stelle des ehemaligen Laurenzkloster (Fleischmarkt 19) steht heute ein altes Gebäude der Postverwaltung. Im Keller sind noch Reste der Gruft vorhanden.

‚Ruprechtsgruft’: In der St. Ruprechtskirche (1; Bezirk).

‚Franziskanergruft’: In der Franziskanerkirche (1; Bezirk).

‚Mariahilfer Kirchgruft’: In der Mariahilferkirche (6; Bezirk).

‚Trinitariergruft’: In der Minoritenkirche (8; Bezirk).


Jüdische Friedhöfe

Der erste Friedhof entstand durch Ansiedlung einer jüdischen Gemeinde (1624) im 2; Bezirk Leopoldsstadt, genannt ‚Im Werd’. Es entstand ein Friedhof im 9; Bezirk, Roßau (Rossau), heute Seegasse 9-11. Link: https://www.wien.gv.at/umwelt/parks/anlagen/seegasse.html . Geschlossen 1784. An seiner Stelle wurde dann ein Friedhof in Währing (18; Bezirk) errichtet.

Dieser, neben dem ‚Allgemeinen Währinger Friedhof’ 1784 errichtete, Jüdische Friedhof bestand bis 1884. Link: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/W%C3%A4hringer_Allgemeiner_Friedhof

In Floridsdorf (21; Ruthnergasse 24) gibt es ab 1877 einen kleinen Friedhof. Entstanden durch (aus Mähren kommender) Juden, die in Floridsdorf ansiedelten. Geschlossen 1978. Link: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Israelitischer_Friedhof_Floridsdorf

Seit 1879 gibt es im Zentralfriedhof beim 1. Tor (alt, bis 1938 belegt) und beim 5. Tor (neu, 1917-aktuell) den jüdischen Friedhof von Wien.

Privatgrabstätten

Einige wenige Bürger und einige Klöster hatten/haben ihre Privatgrabstätte.

  • 1. Bezirk
    • Marianische Kongregation der Kaufleute in Wien. Pfarrkirche St. Augustin, Gruft unter dem Kirchenschiff.
    • Konvent der Augustiner-Eremiten. Pfarrkirche St. Augustin, Gruft unterhalb der Loretokapelle.
    • Altkatholische Kirche, Salvatorgasse 1, Grab des Bischofs.
    • Kapuzinergruft der Habsburger.
    • Herzogsgruft in den Katakomben von St. Stephan.
    • Gruft der Wiener Erzbischöfe, St. Stephan.
    • Domherrengruft St. Stephan.
    • Jesuitenkollegium.
    • Redemptoristenkollegium, Maria am Gestade.
    • Ursulinnen, Johannesgasse.
    • Deutscher Orden, Singerstraße.
    • Dominikanerkloster, Postgasse 4.
    • Schottenkloster, Freyung.
    • Franziskanerkloster.
  • 3. Bezirk
    • Elisabethinen, Landstraßer Hauptstraße 4.
    • Salesianerinnen, Rennweg 10.
  • 4. Bezirk
    • Kirche zur Hl. Thekla, Priestergruft.
  • 6. Bezirk
    • Karmeliterorden, St. Josephskirche ob der Laimgrube.
  • 7. Bezirk
    • Mechitharisten, Neustiftgasse.
  • 8. Bezirk
    • Minoriten, Alser Straße 17.
  • 9. Bezirk
    • Votivkirche, Grab des Weihbischofs Marschall.
    • Alumnatskirche, Boltzmanngasse 9, Priestergruft.
    • Servitenkonvent, Servitengasse 9.
  • 12. Bezirk
    • Kapuziner, Kirche 'Am Gatterholzl', Hohenbergstraße 12.
    • Namen Jesu Kirche, Schedifkaplatz 3.
  • 13. Bezirk
    • Graf Karl Lanskoronski-Brzeziesche Gruft, Gemeindeberg Ober St. Veit.
    • Karmelitinnen, Hanschweg I.
  • 14. Bezirk
    • Pfarrkirche zum Hl. Andreas in Hütteldorf, Gruft der Leopoldine von Liechtenstein.
    • Laudon-Grab, 14; Mauerbachstraße
    • Montleart-Grab, 14; Schloßpark (Savoyenstraße/Wilhelminenberg)
  • 15. Bezirk
    • Kongregationskirche der Kalasantiner, Idagasse. Dr. Seipel-Gedächtniskirche.
  • 16. Bezirk
    • Grabmal des Prinzen Montleart-Sachsen-Kurland.
  • 17. Bezirk
    • Grabmal des Grafen Lacy in Neuwaldegg, Schwarzenbergpark
  • 18. Bezirk
    • St. Josef Grotte in der St. Josefs Votivkirche, Winhaus.
  • 19. Bezirk
    • Konvent der Unbeschuhten Karmeliter, Silbergasse 35.
    • Private Grabstätte in der Krypta der Kirche 'Zu Maria Schmerzen', Stefan Esders- Platz.
    • Kongregation der Oblaten des Hl. Franz von Sales, Pfarrkirche Stefan Esders-Platz.
    • Kongregation der Resurrektionisten, Kahlenberg.
  • 23. Bezirk
    • Konvent der Redemptoristinnen, Maurer Hauptstraße 1.


Online Friedhof-Datenbanken

Es gibt zwei Datenbanken:

  • Datenbank der Magistratsabteilung (MA) 43. Enthält alle (?) in Wien begrabenen Personen ab ca. 1870. Enthält nicht Personen mit jüdischen/mosaiischen Glaubensbekenntnis die am jüdischen Teil des Zentralfriedhofs (Tor 1. und 4.) begraben liegen.

Link: https://www.friedhoefewien.at/eportal3/

  • Datenbank der 'Israelitischen Kultus Gemeinde' (IKG). Enthält alle (?) in Wien begrabenen Personen mit jüdischen/mosaiischen Glaubensbekenntnis ab ca. 1879.

Link: http://friedhof.ikg-wien.at/search.asp?lang=de

Literatur

  • Wiener Friedhofsführer, Werner T. Bauer, Falter Verlag
  • Friedhöfe in Wien, Hans Weigel, Jugend & Volk Verlag
  • Das steinerne Archiv - Der alte Judenfriedhof in der Rossau by Traude Veran, Mandelbaum 2002 ISBN 3-85476-057-4
  • Judenfriedhöfe in Wien 1540-1670, 1696- 1785, Verlag/Autor?
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